Novo Nordisk Aktie: Lillys Retatrutide setzt Maßstab
Novo Nordisk präsentiert vielversprechende Studienergebnisse auf dem Diabetes-Kongress, während Eli Lillys Retatrutide die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Kurz zusammengefasst
- Phase-2-Daten zu Zenagamtide überzeugen
- CagriSema erreicht primäre Endpunkte
- Lillys Retatrutide dominiert Kongress-Schlagzeilen
- Aktie bleibt weit unter 52-Wochen-Hoch
Novo Nordisk hat beim wichtigsten Diabetes-Kongress des Jahres eine Fülle klinischer Daten präsentiert. Die Aktie zeigt sich davon kaum beeindruckt. Denn Eli Lilly hat mit seinem Dreifach-Agonisten retatrutide den Konferenz-Schlagzeilen dominiert — und damit die Frage verschärft, ob Novo den Wirksamkeitsrückstand noch aufholen kann.
Zenagamtide: Vielversprechende Phase-2-Daten
Das spannendste Signal kam aus der Phase-2-Studie für zenagamtide — früher unter dem Namen Amycretin bekannt. In der Dosisfindungsstudie erhielten 262 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes sechs verschiedene subkutane Dosen des Wirkstoffs oder Placebo. Bei der höchsten Dosis verloren Patienten im Schnitt 14,6 Prozent ihres Körpergewichts nach 36 Wochen. Der HbA1c-Wert sank um bis zu 1,71 Prozentpunkte. Rund 89 Prozent der Teilnehmer in dieser Gruppe erreichten den klinisch relevanten Zielwert von unter 7 Prozent.
Zenagamtide aktiviert gleichzeitig GLP-1- und Amylin-Rezeptoren — eine Kombination, die es von bestehenden GLP-1-Agonisten unterscheidet. Novo Nordisk plant, das Phase-3-Programm für Typ-2-Diabetes noch im zweiten Halbjahr 2026 zu starten.
CagriSema: Lancet-Publikation, FDA-Antrag läuft
Parallel dazu präsentierte Novo Nordisk die vollständigen Phase-3-Ergebnisse der REIMAGINE-Studien 1 bis 3 für CagriSema. Alle drei Studien erreichten ihre primären Endpunkte zur HbA1c-Reduktion und bestätigten sekundäre Endpunkte zur Gewichtsabnahme. Die Ergebnisse der ersten beiden Studien erschienen zeitgleich im Lancet Diabetes & Endocrinology, die dritte im Lancet.
CagriSema kombiniert einen neuartigen Amylin-Analogon mit Semaglutid als Fixdosis-Kombination. Für eine Gewichtsreduktions-Indikation hat Novo Nordisk bereits einen FDA-Antrag gestellt — ein US-Launch ist für Anfang 2027 geplant.
Das Problem: In der direkten Vergleichsstudie REDEFINE-4 erzielte CagriSema nach 84 Wochen eine Gewichtsabnahme von 23 Prozent. Eli Lillys Zepbound kam auf 25,5 Prozent. Retatrutide, Lillys nächste Generation, erreichte auf der ADA-Konferenz sogar 28 Prozent. Diese Lücke erklärt die gedämpfte Marktreaktion.
Aktie weit unter alten Hochs
Der Kurs liegt bei 38,06 Euro — rund 46 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 70,13 Euro vom vergangenen Juni. Das Sieben-Tage-Plus von gut 2 Prozent deutet auf eine leichte Stabilisierung hin, ändert aber nichts am Bild: Wettbewerbsdruck, US-Preisregulierungssorgen und mehrfache Gewinnwarnungen haben das Vertrauen der Anleger stark belastet.
Hinzu kommt ein struktureller Katalysator für beide Rivalen: Ab 1. Juli können Millionen US-Senioren mit Medicare GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion für 50 Dollar pro Monat erhalten. Das öffnet einen riesigen neuen Markt — für Novo Nordisk und Lilly gleichermaßen.
Ob die Pipeline-Fortschritte reichen, um die Bewertungslücke zu Lilly zu schließen, wird sich spätestens mit den ersten CagriSema-Verkaufszahlen nach dem geplanten US-Launch zeigen.
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