Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die deutsche Investmentbranche blickt auf ein dramatisches Jahr 2008 zurück, so die Experten von BVI.
Hätten die Kapitalanlagegesellschaften bei Spezialfonds neue Mittel im Umfang von 19,9 Mrd.
Euro einsammeln können, so hätten sie bei Publikumsfonds einen Netto-Abfluss von 27,8 Mrd. Euro verbucht. Im Rahmen der diskretionären Vermögensverwaltung, die die Branche außerhalb von Investmentfonds manage, seien unter dem Strich 5,0 Mrd. Euro abgeflossen. "Von Januar bis August hatten wir bei Publikumsfonds einen Netto-Zufluss von fast 24 Mrd. Euro erhalten. Das änderte sich ab Mitte September, als die Finanzkrise eskalierte", habe Dr. Wolfgang Mansfeld, Präsident des BVI Bundesverband Investment und Asset Management anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt am Main gesagt.
Bei Publikumsfonds hätten insbesondere Geldmarktfonds und geldmarktnahe Rentenfonds auf der Verkaufsliste gestanden. Die Ende September 2008 angekündigten Pläne zur Verschärfung der Besteuerung von steueroptimierten Geldmarktfonds hätten im Oktober zu Mittelabflüssen von knapp 16 Mrd. Euro geführt. Zudem hätten in panikartiger Unsicherheit befindliche Anleger nach der Garantieerklärung der Bundesregierung für Bankeinlagen Anfang Oktober in kurzer Zeit allein aus Geldmarktfonds und geldmarktnahen Rentenfonds rund 29 Mrd. Euro zurückgegeben. Auf Jahressicht verbleibe ein Abfluss von 26,5 Mrd. Euro aus diesen Gruppen. Bei den anderen Rentenfonds, d. h. ohne die geldmarktnahen Produkte, hätten Anleger von Anfang Januar bis Ende Dezember 2008 per saldo 17,8 Mrd. Euro abgezogen.
Besonders gefragt gewesen seien bei den Anlegern 2008 Dachfonds mit einem Netto-Mittelzufluss von 9,3 Mrd. Euro. Davon würden 6,3 Mrd. Euro auf Dachfonds mit variablem Anlageschwerpunkt entfallen. Ebenfalls auf der Kaufliste hätten Mischfonds mit einem Netto-Mittelaufkommen von 2,4 Mrd. Euro im vergangenen Jahr gestanden. Wertgesicherte Fonds seien aufgrund des verstärkten Sicherheitsbedürfnisses zahlreicher Anleger in den Fokus gerückt. Dabei hätten Garantiefonds, die zum Laufzeitende einen bestimmten Betrag garantieren würden, mit einem Zufluss von 7,4 Mrd. Euro im Vordergrund gestanden. Aus Produkten mit dynamischen Absicherungselementen hätten Anleger hingegen 1,3 Mrd. Euro per saldo abgezogen.
Offene Immobilienfonds hätten sich in der Finanzkrise als wertstabile Anlageklasse gezeigt. Dennoch sei es infolge der Marktverwerfungen Ende Oktober innerhalb weniger Tage zu hohen Rückgaben gekommen. Dabei hätten insbesondere größere Anleger und Vermögensverwalter die jederzeitige Rückgabemöglichkeit genutzt, um sich Liquidität zu beschaffen. Nach teils hohen Zuflüssen in den Vormonaten hätten Anleger im Oktober 5,1 Mrd. Euro abgezogen. Diese geballten Rückflüsse hätten dazu geführt, dass elf Offene Immobilienfonds die Rücknahme von Anteilen zum Schutz der verbleibenden Anleger befristet hätten aussetzen müssen.
Im Dezember habe die Fondsgruppe wieder einen Netto-Mittelzufluss von 0,9 Mrd. Euro verzeichnet. Davon sei ein gutes Drittel der Neuanlage auf diejenigen Offenen Immobilienfonds entfallen, deren Anteilrücknahme seit Ende Oktober ausgesetzt sei. "Dies belegt das grundsätzliche Vertrauen der Anleger in Offene Immobilienfonds. Nun gilt es, die Fonds mit Blick auf Rückgaben und Liquidität wirklich wetterfest zu machen", habe der BVI-Präsident gesagt und ein Lösungspaket zur Verbesserung der Liquiditätssteuerung angekündigt.
Aktienfonds seien im Dezember 2008 per saldo 3,2 Mrd. Euro zugeflossen - das sei seit Januar 2001 (Zufluss: 3,4 Mrd. Euro) der höchste Monatszufluss. Hierbei dürfte der Bestandschutz für künftige Veräußerungserlöse im Rahmen der zum Jahresbeginn 2009 eingeführten Abgeltungsteuer eine wichtige Rolle gespielt haben. Von Anfang Januar bis Ende Dezember 2008 seien aus Aktienfonds 2,3 Mrd. Euro abgeflossen.
Die Spezialfonds seien in 2008 ein starkes Standbein im Fondsgeschäft gewesen. Diese ausschließlich für institutionelle Kunden verfügbaren Sondervermögen hätten per saldo 19,9 Mrd. Euro neue Anlagemittel eingesammelt. Die stärksten Zuflüsse (25,7 Mrd. Euro) seien von Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen gekommen, die zusammen 55 Prozent des Spezialfondsvermögens ausmachen würden. Kreditinstitute hätten - bedingt durch den erhöhten eigenen Liquiditätsbedarf - netto Spezialfondsanteile zurückgegeben (Abfluss: 6,4 Mrd. Euro).
Die Mitgliedsgesellschaften des BVI würden ein Fondsvermögen von 1.217,5 Mrd. Euro und weitere 288,9 Mrd. Euro in der freien Portfolioverwaltung repräsentieren. (10.02.2009/fc/n/s)