Wien (aktiencheck.de AG) - Die Manager der besten Nordamerika Aktienfonds gehen von einer langsamen Erholung der US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2009 aus, berichten die Experten von "e-fundresearch.com".
Zu tief würden die Probleme in der größten Volkswirtschaft der Welt sitzen als dass nahtlos wieder zur Tagesordnung übergegangen werden könnte. Mittelfristig könne sich ein Obama-Boom einstellen.
Trotz des eher düsteren Ausblicks solle die US-Wirtschaft noch vor Europa wieder auf die Beine kommen. "Ich erwarte eine schnellere Gesundung in den USA, weil die Bereitschaft zu schnellen und teilweise auch radikalen Änderungen dort größer sein dürfte als in den einzelnen europäischen Staaten", so Jörg Boysen, Manager des
UNINORDAMERIKA (
ISIN DE0009750075 /
WKN 975007 ) von Union Investment.
Der von Boysen gemanagte UniNordamerika sei der derzeit beste Nordamerika Aktienfonds nach Fünf-Jahres-Sharpe Ratio im "e-fundresearch.com"-Ranking. Mit einem Plus von 5,64 Prozent in den ersten Wochen des Jahres weise er auch in punkto Performance die Konkurrenz in die Schranken. Über einen Zeithorizont von fünf Jahren sei er auch der einzige Fonds mit einer positiven Wertentwicklung (plus 2,78 Prozent) im Ranking. Der zweitplatzierte World Express Fds I US Equities (
ISIN LU0061475181 /
WKN 974980 ) habe im Januar eine Wertsteigerung von immerhin plus 4,32 Prozent erzielen können und liege damit nur knapp vor dem Eaton Vance Emerald US Value (
ISIN IE0031523396 /
WKN 345524 ) (plus 4,05).
Der von Robert Millen gemanagte Spängler Long Term Value Trust (
ISIN AT0000857784 /
WKN 971726 ) müsse sich punkto Januar-Performance mit einem Plus von 5,61 Prozent nur dem aktuellen Ranking-Sieger geschlagen geben. Entscheidend sei jedoch die längerfristige Performance der Aktienfonds und Rendite/Risiko-Relation, gemessen an der Sharpe Ratio.
Boysen glaube dass sich die US-Wirtschaft nur schleppend erholen und frühestens in der zweiten Jahreshälfte eine Bodenbildung finden werde. "Auch dann werden wir keine unmittelbare Rückkehr zu alten Höchstständen an den Finanzmärkten finden, da die Probleme viel zu schwerwiegend sind", so Boysen. Für die nächsten ein bis zwei Jahre erwarte er in den USA einen starken Anstieg der Sparquote und somit eine deutlich geringere Konsumneigung - insbesondere was den zyklischen Konsum betreffe. Aktuell liege die Sparquote - von null kommend - bei rund zwei Prozent.
Mittelfristig sei Boysen davon überzeugt, dass der neue US-Präsident Barack Obama einen neuen Boom entfachen könne. Seine Klimaoffensive sowie das Stimulus-Paket im Ausmaß von 825 Milliarden US-Dollar, das neben Steuererleichterungen auch Investitionen in Bildung und Infrastruktur vorsehe, wären allein schon angesichts seiner Größenordnung beeindruckend. Auf der anderen Seite bekrittle Boysen, dass rund zwei Drittel des Pakets Steuererleichterungen darstellen würden: "Diese werden in der Regel nur einen kleinen Multiplikatoreffekt haben und keine längerfristig positiven Impulse für die Wirtschaft bringen." Der Fondsmanager verweise auf den letzten Steuernachlass vom Obamas Vorgänger George W. Bush, der nur kurzfristig zu einem leichten Anstieg des Konsums geführt habe.
Aktuell bevorzuge Boysen nach eigenen Angaben Unternehmen mit geringen Fixkosten, hohen Markteintrittsbarrieren, hoher Dividendenrendite und Dividendenwachstum und möglichst geringen Refinanzierungsbedarf. Bei den unterschiedlichen Sektoren hege er klare Präferenzen für den Lebensmitteleinzelhandel, Healthcare & Medizinisches Equipment, Software & Service sowie für Food Beverage & Tobacco. In den vergangenen drei Monaten habe die Performance des Fonds nicht nur von der Untergewichtung von Financials, Immo- und Automobilwerten profitiert, sondern auch von der Übergewichtung von den Sektoren Food Beverage & Tobacco, Lebensmitteleinzelhandel und Pharma. "Die Untergewichtung von Technology Hardware und Discount Retailing führte hingegen zu einem negativen Branchenbeitrag im letzten Vierteljahr", erkläre Boysen.
"Die Rezession wird sich über den Großteil des Jahres 2009 hinausziehen. Gegen Jahresende kann die Konjunktur wieder an Fahrt gewinnen. Auch die Lage an den Finanzmärkten sollte sich dann verbessern", so Robert Millen, Manager des Spängler Long Term Value Trust. Der erfahrene Fondsmanager begründe seine Einschätzung mit den fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen, die von der Bush-Administration begonnen und nun von Obama fortgesetzt würden. Sie würden sich früher oder später auf Wirtschaft und Börse positiv auswirken. Millen glaube auch, dass sich die Angst, die zuletzt die Märkte dominiert habe, verflüchtigen werde, sobald sich abzeichne, wie sich die Wirtschaft, die Ertragskraft der Unternehmen und die Kreditmärkte entwickeln würden.
"In den letzten zwölf Monaten haben wir zyklische Konsumgüterwerte reduziert und unser Engagement in den Sektoren Health Care und IT erhöht", erkläre Millen. Zu den abgegebenen Positionen würden etwa die US-Handelskette Bed Bath & Beyond oder der Verlags- und Medienkonzern McGraw Hill zählen. Zugekauft worden seien hingegen die IT-Werte Adobe, Cognizant Technologies und Amphenol. "Als Investoren mit einem langfristigen Zeithorizont gefallen uns auch Unternehmen aus dem Basisgütersektor, die über starke Marken verfügen sowie weltweit tätige Industrieunternehmen, die auf den Infrastrukturausbau in den Emerging Markets spezialisiert sind", so Millen.
Wichtig sei es nach Ansicht des Fondsmanagers auch Unternehmen im Portfolio zu haben, die im Bereich erneuerbare Energien tätig seien, um von den Ertragsaussichten die dieser langfristig bietet profitieren zu können. Millen betone, dass der Großteil der Unternehmen in die investiert werde, ohnehin auf nachhaltige Initiativen setze. Besonders hervorzuheben wären in dieser Hinsicht General Electric, Praxair, Clorox, Emerson, Ecolab und Waters. In den letzten zwölf Monaten habe die Performance des Fonds vor allem von Financials sowie von IT- und Basiskonsumgüterwerten profitiert, während zyklische Konsumgüter etwas zu wünschen übrig gelassen hätten. (02.02.2009/fc/n/s)