Wangen (aktiencheck.de AG) - Bei steigenden Märkten zahlt sich wohldosierte Aktivität im Fondsmanagement aus, so die Experten von GECAM.
So hätten im Bullenjahr 2009 aktiv gemanagte Investmentfonds teilweise deutlichen Mehrwert gegenüber dem Markt geschafft, wenngleich dabei ihre Benchmarknähe mitunter sogar zugenommen habe. "Ein Anstieg der Korrelation, das heißt der Indexorientierung, muss per se nichts Negatives sein. Allerdings brauchten Fondsmanager bei aller Ruhe auch Gespür für einzelne Ertragsperlen, um in einem überwiegend indexnahen Basisportfolio-Mehrwert gegenüber anderen Fonds oder der Benchmark zu erzielen", kommentiere Uwe Leonhardt, Vorstand der GECAM AG, die Ergebnisse der aktuellen Studie, die das Korrelationsverhalten und die Managementerfolge von mehr als 8.000 Investmentfonds über drei Jahre bzw. ein Jahr untersucht habe.
Auf Sicht der vergangenen drei Jahre hätten 75 Prozent aller untersuchten in Europa zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds ihre Benchmark zu 70 Prozent und mehr abgebildet. Aktienfonds hätten dabei mit einer durchschnittlichen Korrelation von 90 Prozent die höchste Indexorientierung aufgewiesen. Am entgegengesetzten Ende der Skala hätten erneut die Dach- und Mischfonds gestanden. Sie hätten ihren jeweiligen Vergleichsindex im Schnitt zu 67 Prozent abgebildet. Im Jahre 2009 hätten die gemischten Portfolios ihre Aktivität allerdings etwas zurückgefahren. So sei die durchschnittliche Indexnähe auf 73 Prozent gestiegen.
Dies sei mit einer deutlichen Verbesserung der Managementerfolge einhergegangen: 57 Prozent der Dach- und Mischfonds hätten es geschafft, ihre Benchmark im vergangenen Jahr zu übertreffen, während dies über drei Jahre 30 Prozent der Mischportfolios gelungen sei. Die erwirtschaftete Outperformance habe sich um durchschnittlich 5 Prozentpunkte erhöht. "Entscheidend war im vergangenen Jahr vor allem das richtige Timing in der Justierung von Aktien- und Rentenquote und damit eine gewisse Annäherung an den Mischindex", erkläre Leonhardt.
Bei Aktienfonds, die ihre Benchmark über das vergangene Jahr hätten schlagen können, habe sich der Anteil auf 50 Prozent erhöht, während er über drei Jahre bei 41 Prozent gelegen habe. Hier hätten sich erstaunlich viele Deutschlandfonds verbessert: Die Zahl der Outperformer gegenüber dem Dreijahreszeitraum sei 2009 von 48 Prozent auf 80 Prozent gestiegen. Sie hätten die Benchmark bei leicht erhöhter Passivität um durchschnittlich 4,7 Prozent (drei Jahre: 1,7 Prozent) geschlagen.
Bei aller guten Gesamtperformance deutscher Aktienfonds enttäusche aber die Bandbreite der Ergebnisse. So hätten in 2009 zwischen dem besten und dem schlechtesten Portfolio satte 39 Prozentpunkte gelegen. Besonders hohen Erfolgsunterschied hätten die Aktienfonds Emerging Markets gezeigt: Hier hätten im Börsenjahr 2009 unglaubliche 82 Prozentpunkte den Primus vom schwarzen Schaf getrennt. Schwellenländer hätten sich erneut als schwieriges Terrain erwiesen, bei der die aktive Auswahl von Einzeltiteln kaum Erfolg versprochen habe.
Neben der thematischen Ausrichtung und der Gewichtung von Assetklassen habe der Erfolg von Fondsmanagern maßgeblich von der Höhe des verwalteten Volumens abgehangen. Aktienfonds, die sich über die letzten drei Jahre besser als der Markt entwickelt hätten, seien mehrheitlich unter den kleinen bis mittelgroßen Portfolios zu finden gewesen. "In der Regel haben Anleger aber genau diese Ertragsperlen nicht in ihren Depots, sondern verschenken stattdessen mit einem Großteil der Flaggschiffe wertvolle Performance", sage Leonhardt.
Renten- und Geldmarktfonds hätten sich über drei Jahre im Schnitt zu 66 Prozent an ihrem Index orientiert. Diesen relativ benchmarkfernen Ansatz hätten sie mehrheitlich jedoch nicht in Outperformance ummünzen können. Das zeige sich besonders deutlich bei der gewichtigen Anlagekategorie der europäischen Rentenkurzläufer: Nur 2 Prozent, also ganze 3 der insgesamt 183 Fonds, hätten den Vergleichsindex über die vergangenen drei Jahre übertroffen. Unter allen Renten- und Geldmarktfonds sei dies auch nur 12 Prozent der Portfolien gelungen. In der kurzen Frist habe sich jedoch auch hier die Zahl der Outperformer deutlich erhöht: 59 Prozent aller untersuchten Anleihefonds hätten Mehrwert gegenüber dem Markt geschafft. "Outperformer punkteten 2009 vor allem mit den vielen gut verzinsten Unternehmensanleihen, während Anhänger von Staatstiteln einen Dämpfer erhielten", erkläre Leonhardt das Ergebnis.
Zum vierten Mal in Folge habe die GECAM AG das Korrelationsverhalten von Investmentfonds untersucht. In der diesjährigen Auswertung seien insgesamt 8.650 in Europa zum Vertrieb zugelassenen Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, Dach- und Mischfonds aus 158 Anlagekategorien hinsichtlich ihrer Indexorientierung und Managementerfolge über die letzten drei sowie im vergangenen Jahr analysiert worden. Stichtag der Untersuchung sei der 31. Dezember 2009 gewesen. (06.04.2010/fc/n/s)