Marvell am Allzeithoch, Nvidia kürzt Rubin-Pläne — fünf Chipwerte im Realitätscheck

TSMC meldet Rekordumsatz, Nvidia drosselt Rubin-Produktion, AMD knackt KI-Benchmark und Marvell erreicht Allzeithoch. Der Halbleitermarkt zeigt sich gespalten zwischen Euphorie und Lieferkettenproblemen.

Felix Baarz ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • TSMC übertrifft Umsatzerwartungen deutlich
  • Nvidia senkt Produktionsziel für Rubin-GPUs
  • AMD erreicht Meilenstein bei KI-Inferenz
  • Marvell profitiert von Optik-Nachfrage

TSMCs Quartalsumsatz von 35,7 Milliarden US-Dollar hat die Anleger zum Wochenende elektrisiert. Ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr — getragen von einer KI-Nachfrage, die selbst die optimistischsten Schätzungen trifft. Während der Auftragsfertiger Rekord um Rekord liefert, zeigt sich der Chipsektor zunehmend gespalten: Marvell Technology klettert auf ein neues 52-Wochen-Hoch, AMD knackt erstmals die Millionen-Token-Marke bei KI-Benchmarks, Nvidia muss die Produktion seiner nächsten GPU-Generation drosseln — und ams-OSRAM überrascht mit einer Kursrally, die wenig mit KI und viel mit Bilanzdisziplin zu tun hat.

TSMC: Rekordumsatz setzt den Takt für den gesamten Sektor

Die am Freitag veröffentlichten Monatszahlen für März untermauern das Bild eindrucksvoll. Allein im März kletterte der Umsatz um 45,2 Prozent im Jahresvergleich auf 415 Milliarden Neue Taiwan-Dollar. Der Gesamtquartalsumsatz von 1,13 Billionen NTD landete damit am oberen Rand der im Januar kommunizierten Spanne.

Besonders bemerkenswert: Die KI-Chipaufträge blieben selbst während der geopolitischen Turbulenzen zu Quartalsbeginn stabil. Analyst Sravan Kundojjala von SemiAnalysis sieht in den jüngsten Preiserhöhungen für die fortschrittlichsten Fertigungsstufen einen wesentlichen Treiber und prognostiziert eine Bruttomarge von 64 Prozent. Sein Fazit: TSMC werde das Jahresziel von 30 Prozent Wachstum „mühelos übertreffen“.

Die ADR-Aktie schloss am Freitag bei 370,60 US-Dollar — ein neues 52-Wochen-Hoch. Mit einem Rekord-Investitionsbudget von 52 bis 56 Milliarden US-Dollar für 2026 investiert TSMC massiv in die N2-Volumenproduktion, den A16-Knoten und den Ausbau der Arizona-Fab. Die vollständigen Q1-Zahlen inklusive Margendetail und Q2-Ausblick folgen am Donnerstag, 16. April — ein Termin, der auch für Nvidia, AMD und Marvell richtungsweisend sein dürfte.

Nvidia: HBM4-Engpass zwingt zur Rubin-Kürzung

Nvidias Dominanz im KI-Chipmarkt steht nicht in Frage. Was Anleger aber beschäftigt, ist ein konkreter Produktionsengpass. Laut einem Bericht von KeyBanc hat Nvidia das Produktionsziel für die nächste GPU-Generation Rubin von zwei Millionen auf 1,5 Millionen Einheiten gesenkt. Die Ursache: Verzögerungen bei der Verifizierung des HBM4-Speichers durch die Zulieferer SK Hynix und Micron.

TrendForce nennt zusätzliche Hürden — darunter die Migration auf schnellere ConnectX-9-Netzwerkchips, höheren Stromverbrauch und anspruchsvollere Flüssigkeitskühlungen. Die Prognose für Vera-Rubin-KI-Serverracks wurde von 12.000–14.000 auf rund 6.000 Einheiten halbiert.

Die unmittelbare Konsequenz: Blackwell dürfte 2026 über 70 Prozent der High-End-GPU-Lieferungen ausmachen, während Rubins Anteil von 29 auf 22 Prozent schrumpft. KeyBanc-Analyst John Vinh stuft die Auswirkung als „relativ begrenzt“ ein und hält an seinem Übergewichten-Rating mit Kursziel 275 US-Dollar fest. Der Konsens von 60 Kaufempfehlungen bei nur einer Verkaufsempfehlung spiegelt die ungebrochene Zuversicht wider.

Die Aktie notiert bei rund 160 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn leicht im Minus — trotz eines Q4-Umsatzes von 68,13 Milliarden US-Dollar, der einem Plus von 73 Prozent entspricht. Entscheidend bleibt die CoWoS-Kapazität bei TSMC: Sie soll 2026 auf 650.000 Wafer wachsen, ein Anstieg von 76 Prozent.

AMD: Erstmals über eine Million Token pro Sekunde

AMD hat Anfang April seinen bislang bedeutendsten KI-Benchmark-Erfolg erzielt. Bei den MLPerf-Inference-6.0-Tests überschritt der Instinct MI355X erstmals die Marke von einer Million Token pro Sekunde — ein symbolisch und technisch wichtiger Meilenstein. Konkret lieferte eine einzelne MI355X-GPU im Llama-2-70B-Server-Test 100.282 Token pro Sekunde, das 3,1-Fache des Vorgängermodells MI325X.

Warum das zählt: Der KI-Markt verschiebt sich zunehmend von Training hin zu Inferenz — also dem Betrieb trainierter Modelle. Genau hier setzt AMD an. Wenn der MI355X eine vergleichbare Leistung zu geringeren Kosten bietet, beginnt das ökonomische Argument für Nvidias Alleinstellung zu bröckeln.

Die Zahlen des Q4 2025 untermauern die Dynamik:

  • Quartalsumsatz: 10,27 Milliarden US-Dollar (+34 % ggü. Vorjahr)
  • Data-Center-Umsatz: Rekord von 5,38 Milliarden US-Dollar (+39 %)
  • Analystenkonsens: 34 Kaufempfehlungen, Kursziel 264,82 US-Dollar

Die Aktie hat in den vergangenen sieben Tagen über 11 Prozent zugelegt und notiert bei 209,30 Euro. Für die zweite Jahreshälfte plant AMD den Launch der MI400-Serie auf Basis der CDNA-5-Architektur sowie der Helios-Rack-Scale-Lösung. Ob die Benchmark-Ergebnisse sich in kommerzielle Design-Wins bei Hyperscalern übersetzen, wird sich dann zeigen. Die Q1-Zahlen folgen am 5. Mai.

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Ams Osram: Bilanzsanierung treibt die Kursrally

Unter den fünf Chipwerten sticht ams-OSRAM als Sonderfall heraus. Hier geht es nicht um KI-Rekorde, sondern um eine Restrukturierung, die der Markt honoriert. Die Aktie hat allein in den vergangenen sieben Tagen über 21 Prozent zugelegt und notiert bei 11,25 Euro — ein Plus von 32 Prozent seit Jahresbeginn.

Der Katalysator ist greifbar: Der Verkauf des nicht-optischen Analog-/Mixed-Signal-Sensorgeschäfts an Infineon für 570 Millionen Euro soll im zweiten Quartal abgeschlossen werden. Zusammen mit weiteren Verkäufen generieren die Entschuldungsmaßnahmen Erlöse von rund 670 Millionen Euro. Die Pro-forma-Verschuldungsquote sinkt dadurch von 3,3 auf 2,5. Parallel läuft ein 200-Millionen-Euro-Sparprogramm namens „Simplify“, das die jährlichen Zinskosten unter 150 Millionen Euro drücken soll.

UBS-Analyst Harry Blaiklock hat das Kursziel leicht auf 13,40 Franken angehoben und bestätigt seine Kaufempfehlung. Das operative Bild bleibt allerdings durchwachsen: Für Q1 2026 rechnet das Management mit einem Umsatz von etwa 760 Millionen Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 15 Prozent. Für das Gesamtjahr wird ein leichter Umsatzrückgang erwartet — belastet durch den schwächeren US-Dollar und Einmaleffekte aus den Verkäufen.

Ein Lichtblick im Halbleitergeschäft: Die Design-Wins erreichten mit über 5 Milliarden Euro einen Rekordwert. Ab 2027 peilt das Management einstelliges Wachstum und Margen über 25 Prozent im Halbleitersegment an. Die nächste Standortbestimmung liefern die Q1-Zahlen am 7. Mai.

Marvell Technology: Doppel-Upgrade befeuert neues Rekordhoch

Marvell Technology erlebte die stärkste Woche unter den fünf Chipwerten. Die Aktie schoss am Freitag um knapp 8 Prozent nach oben und markierte bei 109,34 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf über 43 Prozent.

Der Auslöser: Gleich zwei Investmentbanken stuften die Aktie innerhalb von 48 Stunden hoch. Barclays wechselte von „Halten“ auf „Übergewichten“ und setzte das Kursziel von 105 auf 150 US-Dollar. Citigroup zog am Tag zuvor mit einem Upgrade auf „Übergewichten“ nach.

Barclays-Analyst Tom O’Malley begründet seine Einschätzung mit explodierender Nachfrage nach optischen Netzwerkkomponenten. Industriechecks deuten darauf hin, dass sich die Zahl der optischen Ports 2026 verdoppeln und 2027 erneut verdoppeln könnte. Für Marvell bedeute das ein Wachstum des Optik-Geschäfts von rund 90 Prozent pro Jahr — selbst bei Marktanteilsverlusten an Broadcom.

Die Fundamentaldaten stützen die These:

  • Q4-FY2026-Umsatz: 2,22 Milliarden US-Dollar, EPS von 0,80 US-Dollar (über Konsens)
  • Gesamtjahreswachstum FY2026: +42 % beim Umsatz, +81 % beim Gewinn je Aktie
  • Celestial-AI-Übernahme: Abschluss im Februar für 3,25 Milliarden US-Dollar, stärkt die optische Interconnect-Expertise
  • Custom-AI-Pipeline: Über 50 neue Design-Opportunitäten bei mehr als 10 Kunden

36 Analysten vergeben eine Kaufempfehlung, keine einzige Verkaufsempfehlung. Das KGV von rund 36 zeigt, dass der Markt erhebliches Wachstum einpreist. Ob die Optik-These aufgeht, wird sich im Lauf des Jahres an den tatsächlichen Auslieferungszahlen messen lassen.

Chipsektor im Spagat zwischen KI-Euphorie und Lieferketten-Realität

Die fünf Werte bewegen sich in dieselbe Richtung — hin zu KI-Infrastruktur —, aber mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Ausgangslage. TSMC und Marvell profitieren am unmittelbarsten vom KI-Investitionszyklus. AMD schließt bei der Inferenzleistung auf und greift Nvidias wirtschaftliches Argument frontal an. Nvidia selbst bleibt der Platzhirsch, kämpft aber mit einem realen Lieferkettenengpass bei HBM4. Und ams-OSRAM belegt, dass auch abseits des KI-Booms im Halbleitersektor Wert freigelegt werden kann — vorausgesetzt, die Bilanz stimmt.

Die kommenden Wochen liefern entscheidende Datenpunkte: TSMCs Earnings-Call am 16. April, AMDs Q1-Zahlen am 5. Mai, ams-OSRAMs Quartalsbericht am 7. Mai und die Fortschritte bei der HBM4-Qualifizierung für Nvidias Rubin. Die KI-Nachfrage erweist sich als robuster, als viele erwartet hatten — selbst unter geopolitischem Druck. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob der Ausbau weitergeht, sondern welche Unternehmen am meisten davon abschöpfen.

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Nvidia Aktie

160,72 EUR

+ 3,56 EUR +2,27 %
KGV 37,15
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 4,47 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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