Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Belastet von schwachen US-Arbeitsmarktdaten und Sorgen vor den Schuldenproblemen einiger EU-Mitgliedsstaaten ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag kräftig abgerutscht.
Nach anfänglichen Gewinnen brach der
DAX am Ende um 2,45 Prozent ein auf 5.533,24 Indexpunkte. Für den MDAX ging es um 2,83 Prozent in die Tiefe auf 7.458,38 Zähler. Der SDAX verlor daneben 1,48 Prozent auf 3.628,74 Stellen. Gleichzeitig bröckelte der TecDAX um 3,06 Prozent ab auf 797,36 Punkte.
Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) am Donnerstagmittag bekannt gab, sind die Auftragseingänge in der deutschen Industrie im Dezember zurückgegangen. Demnach sank der Auftragseingang nach vorläufigen Berechnungen preis- und saisonbereinigt um 2,3 Prozent. Im Vormonat waren sie abwärts revidiert um 2,7 Prozent gestiegen. Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank das Zinsniveau bestätigt.
An der Wall Street hatten zum Xetra-Schluss klar die Bären Oberwasser. Die breiten US-Indizes lagen mit bis zu 2 Prozent im Minus. Die Arbeitsmarktsituation in den USA hat sich in der Vorwoche überraschend verschlechtert. Demnach erhöhte sich die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 8.000 auf 480.000, wogegen Volkswirte im Vorfeld einen Rückgang auf 455.000 prognostiziert hatten. In diesem Zusammenhang standen zuletzt auch Rohstoffwerte massiv unter Druck. Außerdem hat sich die US-Produktivität im vierten Quartal 2009 weniger deutlich als erwartet erhöht. Dagegen ist der Auftragseingang für Industriegüter im Dezember stärker angewachsen als von Volkswirten prognostiziert. Unternehmensseitig sorgen insbesondere die Ergebnisse des Kreditkartenkonzerns MasterCard für Unmut. Die besser als erwarteten Zahlen von Cisco Systems und Visa wurden dagegen nur am Rande wahrgenommen.
Die Aktie der Deutschen Bank schloss nach einer regelrechten Berg- und Talfahrt mit 4,2 Prozent im Minus. Die Großbank konnte im Gesamtjahr 2009 in die Gewinnzone zurückkehren und einen hohen Milliardengewinn erwirtschaften. Der Nachsteuergewinn stieg demnach auf 5,0 Mrd. Euro, gegenüber einem Verlust von 3,9 Mrd. Euro im Vorjahr. Im vierten Quartal 2009 erzielte der deutsche Branchenprimus einen Gewinn nach Steuern von 1,3 Mrd. Euro. Dem steht ein Verlust nach Steuern von 4,8 Mrd. Euro im Vorjahresquartal gegenüber. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen für 2009 eine Dividende von 0,75 (2008: 0,50) Euro je Aktie vor. Papiere der Commerzbank sackten am DAX-Ende um 5,2 Prozent ab. Daneben kamen mitunter ThyssenKrupp um 5,1 Prozent, BASF um 4,5 Prozent und die Deutsche Post um 4 Prozent zurück. Daimler büßten 3,6 Prozent ein. Dabei ist der Autobauer erfolgreich in das neue Jahr gestartet. Demnach wurden bei Mercedes-Benz Cars im Januar insgesamt 72.600 Modelle abgesetzt, was einem Plus von 16,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert entspricht. Gestützt auf eine positive
Analystenstudie gaben Titel der Deutschen Börse lediglich 0,3 Prozent ab. Gewinner waren im DAX indes nicht auszumachen.
Der im MDAX gelistete Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kann im Streit um den Militärtransporter A400 offenbar auf mehr Geld hoffen. Wie in der Presse zu lesen war, seien die Staaten offenbar doch bereit, unter dem Strich mehr als die zuletzt genannte Nachzahlung von 2 Mrd. Euro zu leisten. Der endgültige Abschluss der Verträge könnte sich aber noch bis Ende Februar verzögern. Wie EADS bekannt gab, hat Hong Kong Airlines mit Airbus eine Absichtserklärung zum Kauf von sechs A330-200 unterzeichnet. EADS gaben 2,4 Prozent ab. Pfleiderer konnten um 0,6 Prozent vorrücken. Der Vorstand hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats eine Kapitalerhöhung aus dem genehmigten Kapital in Höhe von knapp 10 Prozent des derzeitigen Grundkapitals beschlossen.
Im TecDAX fiel die Aktie der Software AG um 5,9 Prozent zurück. Der Konzern hat im abgelaufenen Fiskaljahr einen Umsatz- und Ergebnisanstieg verbuchen können. Der Gesamtumsatz stieg um 18 Prozent auf 847,4 Mio. Euro. Beim Nettogewinn wurde ein Anstieg auf 140,8 Mio. Euro verzeichnet (Vorjahr: 115,9 Mio. Euro). Für 2010 erwartet die Software AG u.a. aufgrund der Integration von IDS Scheer weitere Zuwächse und geht von einem währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen 25 und 30 Prozent aus. Zusätzlich soll der Gewinn nach Steuern um 8 bis 12 Prozent erhöht werden. SMA Solar gaben 6,2 Prozent ab. Wie der Solartechnikkonzern erklärte, wurde gegen seinen Finanzvorstand Pierre-Pascal Urbon ein Ermittlungsverfahren im privaten Bereich eingeleitet. Den Angaben zufolge bestreitet Urbon die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Um jede erdenkliche negative Auswirkung auf die SMA zu vermeiden, habe er darum gebeten, bis zum Abschluss der Ermittlungen beurlaubt zu werden. Daneben bröckelten Roth & Rau um 4,7 Prozent ab. Dabei hat der Konzern mit einem chinesischen Unternehmen ein Joint Venture-Abkommen über die Errichtung und den Betrieb von Anlagen zur Herstellung von CdTe-Solarmodulen in China geschlossen. Der Laserspezialist Rofin-Sinar musste im ersten Quartal einen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis verbuchen. Die Erlöse sanken um 13 Prozent auf 93,0 Mio. Dollar. Der Gewinn nach Steuern schrumpfte auf 3,6 (Vorjahr: 7,6) Mio. Dollar. Der Wert gab 0,8 Prozent ab.
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Donnerstag mit Kursverlusten. Während der Dow Jones mit 10.002,18 Punkten um 2,61 Prozent abnahm, ging der Nasdaq Composite um 2,99 Prozent auf 2.125,43 Zähler zurück. Der S&P 500 fiel daneben um 3,11 Prozent und schloss bei 1.063,11 Zählern. Die Futures notieren derzeit im Plus. So tendiert der Dow Jones Future bei 9.996,00 Punkten (+17,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.740,25 Punkten (+5,50 Punkte) und der S&P Future bei 1.064,00 Zählern (+2,30 Punkte).
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich angesichts der schlechten Vorgaben der US-Börsen schwächer. Nach der negativen Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Minus von 2,89 Prozent bei 10.057,09 Punkten.
In China zeigen die Aktienmärkte ebenfalls rote Vorzeichen. So steht der Hang Seng derzeit mit 3,01 Prozent im Minus bei 19.728,58 Punkten, während der Shanghai Composite um 1,87 Prozent abgibt auf 2.939,40 Punkte.
Der Markt heute:
Der Bund Future steigt bisher um 0,11 Prozent auf 123,83 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Kursverlusten starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 5.527 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 5.527,25 Zählern (+0,2 Prozent).
In Deutschland steht heute die Produktion im produzierenden Gewerbe zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Großbritannien die Erzeugerpreise, in Frankreich die Handelsbilanz und in Italien die Verbraucherpreise bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Arbeitsmarktdaten und Verbraucherkredite gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Aetna Inc., Aon Corp., Beazer Homes USA Inc., Exide Technologies, Johnson Outdoors Inc., Lear Corp., Tyson Foods Inc., Weyerhaeuser Co., BG Group, British Airways, NTT, Panasonic und Syngenta an.
Wichtige Meldungen:
Der US-amerikanische Raffineriekonzern Sunoco Inc. (
ISIN US86764P1093 /
WKN 852603 ) hat am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Zahlen für das vierte Quartal 2009 gemeldet. Der Nettogewinn wurde auf 26,0 Mio. Dollar oder 0,22 Dollar je Aktie beziffert. Im Vorjahresquartal erwirtschaftete das Unternehmen noch ein Nettoergebnis von 204,0 Mio. Dollar bzw. 1,74 Dollar je Aktie.
Der französische Luxusgüterkonzern LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton S.A. (
ISIN FR0000121014 /
WKN 853292 ) hat am Donnerstagabend die Zahlen für das Jahr 2009 gemeldet. Der Gewinn der fortgesetzten Aktivitäten sank um 8 Prozent auf 3,352 Mrd. Euro.
Der italienische Energieversorger Enel S.p.A. (
ISIN IT0003128367 /
WKN 928624 ) hat am Donnerstagabend die vorläufigen Geschäftszahlen für das vergangene Jahr gemeldet. Das EBITDA belief sich auf eine Höhe von 16,0 Mrd. Euro, nach 14,3 Mrd. Euro im Vorjahr. (05.02.2010/ac/n/m)