Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt ist am Mittwoch mit deutlich höheren Notierungen in den Feierabend gegangen und konnte sich damit den schwachen Vorgaben der Wall Street entziehen.
Der
DAX schloss am Ende 0,69 Prozent fester bei 5.536,37 Punkten. In der Spitze lag der deutsche Leitindex auch schon mit 1,7 Prozent im Plus. Für den MDAX ging es daneben um 0,88 Prozent nach oben auf 7.353,23 Zähler. Der SDAX gewann 0,26 Prozent auf 3.566,40 Stellen. Dagegen verlor der TecDAX 0,43 Prozent auf 780,81 Zähler.
Der ifo-Indikator für das Wirtschaftsklima im Euroraum ist im ersten Quartal 2010 kräftig angezogen. Demnach stieg der Geschäftsklimaindex auf 101,3 Punkte. Im Vorquartal hatte der Index nur bei 91,0 Zählern und im Vorjahresquartal bei 55,8 Punkten gelegen. Laut einer Meldung des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im November angewachsen. So belief sich die Gesamtzahl auf 13.804 Insolvenzen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Gesamtzahl der gestellten Insolvenzanträge um 10,9 Prozent.
An der Wall Street waren zum Xetra-Schluss die Bären am Ruder. Die breiten US-Indizes lagen mit bis zu 0,4 Prozent im Minus. Wie das US-Handelsministerium bekannt gab, hat sich das Handelsbilanzdefizit im Dezember auf 40,2 Mrd. Dollar erhöht, wogegen Volkswirte einen Rückgang auf 35,8 Mrd. Dollar prognostiziert hatten. Des Weiteren hat US-Notenbankchef Ben Bernanke die Rückzugsstrategie der Fed in Zusammenhang mit den milliardenschweren Hilfsprogrammen für die Finanzsysteme und die Realwirtschaft skizziert. Die Lage an den Finanzmärkten habe sich nach der mehr als zweieinhalb Jahre dauernden Krise dank der tiefgreifenden Maßnahmen der Fed sowie der zuletzt gesehenen Erholung deutlich stabilisiert. Dennoch bleibe die Realwirtschaft zum jetzigen Zeitpunkt nach wie vor auf eine lockere Geldpolitik und niedrige Zinsen angewiesen. Nach Aussage von Bernanke werde der Zeitpunkt für das geplante Ausstiegsszenario der Fed vor allem von der weiteren Entwicklung der Rahmenbedingungen abhängen. Derzeit berechtige die schwierige konjunkturelle Situation in Verbindung mit der nach wie vor moderaten Inflation an einem Festhalten an dem historisch niedrigen Zinsniveau. Sollte sich dies jedoch ändern, werde die Fed wieder zu einer restriktiveren Geldpolitik zurückkehren.
Die Aktie der Deutschen Bank thronte mit einem Plus von 3,1 Prozent an der DAX-Spitze. Auf den Plätzen zwei und drei gewannen die Deutsche Lufthansa 2,8 Prozent und Volkswagen 2,6 Prozent. Der Automobilkonzern Daimler gab bekannt, dass Mercedes-Benz Vans mit einem Großauftrag ins Jahr 2010 startet und 700 Mercedes-Benz Sprinter nach Großbritannien liefert. Auftraggeber sei Balfour Beatty Utility Solutions (BBUS), Teil des britischen Engineering- und Baukonzerns Balfour Beatty. Die Daimler-Aktie ging mit +0,9 Prozent aus dem Handel. Für Siemens ging marginal nach oben. Finanzvorstand Joel Kaeser hat in einem Zeitungsinterview vor allzu großer Aufschwungs-Euphorie gewarnt. Dennoch zeigte sich der Manager "im Großen und Ganzen" zufrieden mit den vorläufigen Indikationen für den Januar, nachdem Siemens im Dezember sehr gute Geschäftsergebnisse erzielt hatte. Die Bewältigung der Krise werde Siemens im Geschäftsjahr viel Geld kosten, ließ Kaeser erkennen. Im Stahlsegment bröckelten ThyssenKrupp um 1,7 Prozent und Salzgitter um 2,6 Prozent ab. Der luxemburgische Mitbewerber ArcelorMittal hat im Schlussquartal wieder schwarze Zahlen geschrieben, die Erwartungen allerdings verfehlt.
Die Aktie von ProSiebenSat.1 schoss im MDAX um über 16 Prozent in die Höhe. Der Medienkonzern hat auf Basis vorläufiger Zahlen für 2009 sein operatives Jahresergebnis gesteigert und die Konsensusschätzungen übertroffen. Demnach stieg das um Einmaleffekte bereinigte EBITDA um 3,3 Prozent auf 696,5 Mio. Euro. Bilfinger Berger konnten daneben um 5,9 Prozent vorrücken. Der Baukonzern hat im abgelaufenen Fiskaljahr besser als erwartet abgeschnitten. Das EBIT erreichte nach vorläufigen Berechnungen 250 Mio. Euro, während das Konzernergebnis 140 Mio. Euro erreichte. Ursprünglich hatte Bilfinger Berger ein EBIT von 210 bis 230 Mio. Euro sowie ein Konzernergebnis im Bereich von 110 bis 120 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Anteile von Fraport gewannen 3 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass der Flughafenbetreiber im Januar einen Anstieg beim Passagieraufkommen in Frankfurt erzielen konnte. Demnach wurden hier insgesamt 3,67 Millionen Passagiere abgefertigt, was einem Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Die Konzernflughäfen einschließlich Frankfurt verzeichneten einen Passagierzuwachs von 6,6 Prozent auf 5,03 Millionen Passagiere. Das Papier des Baustoffkonzerns HeidelbergCement fiel dagegen um 3,3 Prozent zurück. Das Unternehmen musste im abgelaufenen Fiskaljahr einen Umsatz- und Ergebnisrückgang hinnehmen. MEDION kamen im SDAX nach vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2009 um 1,7 Prozent zurück. Laut Angaben des Elektronikhändlers wurde ein EBIT von 18,8 Mio. Euro erzielt. Damit bewegte sich das EBIT unter dem Vorjahresniveau von 34,4 Mio. Euro. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr von 1,6 Mrd. Euro auf 1,41 Mrd. Euro.
Wie der Solaranlagenbauer Roth & Rau bekannt gab, hat er erfolgreich eine Aktienplatzierung in einem beschleunigten Bookbuilding-Verfahren durchgeführt. Durch die Transaktion wird der Gesellschaft ein Bruttoemissionserlös von rund 35,9 Mio. Euro zufließen, der zur Stärkung der Bilanzstruktur sowie zur Teilfinanzierung der kürzlich angekündigten Akquisition der OTB Solar verwendet werde. Am Markt kam diese Maßnahme weniger gut an. Die Aktie knickte im TecDAX um 6,5 Prozent ein. Daneben büßten u.a. centrotherm 6,6 Prozent, SolarWorld 5,6 Prozent und Dialog Semiconductor 2,7 Prozent ein. Für SMARTRAC ging es um 2,5 Prozent nach unten. Wie der Hersteller und Zulieferer von RFID-Komponenten bekannt gab, werden am Standort in Manaus (Brasilien) Vorbereitungen für kommende Projekte in den Bereichen elektronische Pässe und Ausweise getroffen. Spitzenreiter waren indes Kontron mit +3,7 Prozent. Bei Drillisch schlug ein Plus von 2,9 Prozent zu Buche. Der Mobilfunk Service Provider verzeichnete im abgelaufenen Fiskaljahr nach vorläufigen Berechnungen einen Konzerngewinn von 101,3 Mio. Euro, nach einem Verlust von 184,1 Mio. Euro im Vorjahr. Mit 2,250 Millionen Teilnehmern (2008: 2,371 Millionen) wurde ein Umsatz von 344,5 Mio. Euro (-1,6 Prozent) verbucht.
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Mittwoch mit Kursverlusten. Während der Dow Jones mit 10.038,38 Punkten um 0,20 Prozent abnahm, ging der Nasdaq Composite um 0,14 Prozent auf 2.147,87 Zähler zurück. Der S&P 500 fiel daneben um 0,22 Prozent und schloss bei 1.068,13 Zählern. Die Futures notieren derzeit im Plus. So tendiert der Dow Jones Future bei 10.037,00 Punkten (+52,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.752,25 Punkten (+7,50 Punkte) und der S&P Future bei 1.068,00 Zählern (+4,70 Punkte).
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich trotz der schlechten Vorgaben der US-Börsen freundlich. In Tokio blieben die Börsen aufgrund eines Feiertags geschlossen.
In China zeigen die Aktienmärkte grüne Vorzeichen. So steht der Hang Seng derzeit mit 1,17 Prozent im Plus bei 20.155,79 Punkten, während der Shanghai Composite um 0,10 Prozent zulegt auf 2.985,50 Punkte.
Der Markt heute:
Der Bund Future fällt bisher um 0,24 Prozent auf 123,17 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Kursgewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 5.570 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 5.563,50 Zählern (+0,5 Prozent).
In Deutschland stehen heute die Großhandelspreise zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Spanien das BIP sowie in der EU der EZB Monatsbericht bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Einzelhandelsumsätze und Lagerbestände gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und
Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Agilent Technologies Inc., AutoNation Inc., BorgWarner Inc., EnCana Corp., Expedia Inc., Group 1 Automotive Inc., Marriott International Inc., McAfee Inc., PepsiCo Inc., Philip Morris International Inc. ,Progress Energy Inc., VF Corp., Viacom Inc., World Wrestling Entertainment Inc., Alcatel-Lucent, Aurubis, BT Group , Credit Suisse, Danone, Diageo, Dialog Semiconductor, EDF, GILDEMEISTER, Lagardere, RealNetworks, Renault, Rheinmetall, RHÖN-KLINIKUM, Rio Tinto, Rolls-Royce, Statoil, TeliaSonera, Total und Wienerberger an.
Wichtige Meldungen:
Die Prudential Financial Inc. (
ISIN US7443201022 /
WKN 764959 ), der zweitgrößte Lebensversicherer in den USA, hat am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Zahlen für das vierte Quartal vorgelegt. Der Nettogewinn belief sich auf 1,79 Mrd. Dollar bzw. 3,79 Dollar je Aktie. Im Vorjahreszeitraum hatte Prudential Financial ein Nettoergebnis von -1,66 Mrd. Dollar oder -3,89 Dollar je Aktie generiert.
Der US-amerikanische IT-Dienstleister Computer Sciences Corp. (
ISIN US2053631048 /
WKN 855862 ) meldete am Mittwoch die Zahlen für das dritte Fiskalquartal 2009/10, wonach die Gewinnprognosen übertroffen wurden. So wurde ein Nettogewinn von 216 Mio. Dollar oder 1,36 Dollar je Aktie erzielt. Im Vorjahreszeitraum hatte Computer Sciences noch ein Nettoergebnis von 161 Mio. Dollar bzw. 1,06 Dollar je Aktie erzielt.
Der US-Versicherungskonzern Allstate Corp. (
ISIN US0200021014 /
WKN 886429 ) hat am Mittwoch nach Börsenschluss die Zahlen für das vierte Quartal 2009 gemeldet, wonach das Unternehmen in den Gewinnbereich zurückgekehrt ist. Der Nettogewinn wurde auf 518 Mio. Dollar bzw. 0,96 Dollar je Aktie beziffert. Im Vorjahreszeitraum hatte Allstate einen Nettoverlust von 1,13 Mrd. Dollar oder 2,10 Dollar je Aktie verzeichnet. (11.02.2010/ac/n/m)