Paris (aktiencheck.de AG) - Nach den heftigen Verlusten der vergangenen Woche geht es für die europäischen Aktienmärkte zum Wochenbeginn deutlich nach oben.
Dabei stützt eine Meldung, wonach sich die führenden Industrienationen (G7) zur Stabilisierung des Finanzsystems auf einen Aktionsplan geeinigt haben. Der Dow Jones
EURO STOXX 50 gewinnt aktuell 5,84 Prozent auf 2.563,25 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 legt daneben 5,39 Prozent zu auf 2.207,44 Zähler. Der in Paris berechnete EURONEXT 100 verfestigt sich um 5,73 Prozent auf 574,50 Indexpunkte. Die europäischen Länderbörsen melden ebenfalls kräftige Gewinne.
Besonders im Blick steht dabei der britische Finanzsektor. Die Bankgesellschaft Barclays heute eine Kapitalerhöhung angekündigt. Insgesamt will man sich durch Kapitalmaßnahmen 6,5 Mrd. Britische Pfund sichern. Die Aktie gewinnt mehr als 5 Prozent. Dagegen sacken Papiere der RBS um über 8 Prozent ab. Das Bankhaus hat als Konsequenzen aus den Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten ebenfalls eine milliardenschwere Kapitalerhöhung angekündigt. Im Anschluss gab außerdem CEO Sir Fred Goodwin seinen Rücktritt bekannt.
Ferner hat sich die Großbank Lloyds bei der Übernahme von HBOS auf geänderte Bedingungen mit dem Hypothekenanbieter verständigt. Die Aktie von Lloyds fällt um rund 8 Prozent zurück. HBOS trifft es mit -25 Prozent allerdings noch wesentlich härter.
In Amsterdam sacken Anteilsscheine von Philips um fast 8 Prozent ab. Der Technologiekonzern hat im dritten Quartal mehr verdient. Das EBITA sank dabei allerdings unerwartet deutlich. In Paris springen GDF SUEZ an der Spitze des CAC40 um 15 Prozent. Knapp dahinter folgen Veolia, Renault und ArcelorMittal. Société Générale verlieren gegen den Trend mehr als 5 Prozent.
An der Züricher Börse legen UBS mehr als 14 Prozent zu. Kursgewinne im zweistelligen Bereich sind außerdem bei ABB, Julius Bär, Credit Suisse, Swiss Re und Swatch auszumachen.
Indexstände (14:11 Uhr):
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.563,25 (+5,84 Prozent)
Dow Jones STOXX 50: 2.207,44 (+5,39 Prozent)
EURONEXT 100: 574,50 (+5,73 Prozent)
FTSE 100 (London): 4.080,64 (+3,78 Prozent)
CAC40 (Paris): 3.339,75 (+5,14 Prozent)
MIB 30 (Mailand): 21.740,00 (+7,05 Prozent)
IBEX 35 (Madrid): 9.609,00 (+6,79 Prozent)
SMI (Zürich): 5.661,04 (+5,87 Prozent)
ATX (Wien): 2.214,44 (-10,61 Prozent)
Unternehmensmeldungen:
Die britische Bankgesellschaft Barclays plc (
ISIN GB0031348658 /
WKN 850403 ) hat heute eine Kapitalerhöhung angekündigt. Demnach will man durch die Emission von Vorzugsaktien bis zum 31. Dezember dieses Jahrs insgesamt 3 Mrd. Britische Pfund (GBP) erlösen. Des Weiteren ist eine Kapitalerhöhung im Gesamtwert von 3 Mrd. GBP geplant, die nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das Fiskaljahr 2008 durchgeführt werden soll. In diesem Zusammenhang wendet sich Barclays an die Aktionäre des Finanzkonzerns, und wird nicht auf das in der vergangenen Woche angekündigte Hilfspaket der britischen Regierung zurückgreifen. Zuvor hatte Barclays bereits eine Kapitalerhöhung in Höhe von 600 Mio. GBP angekündigt. Gleichzeitig hat das Board of Directors die Streichung der Schlussdividende für das Geschäftsjahr 2008 beschlossen, was zu Einsparungen in Höhe von 2 Mrd. GBP führen werde.
Die Royal Bank of Scotland Group plc (RBS) (
ISIN GB0007547838 /
WKN 865142 ) hat heute als Konsequenzen aus den Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten eine milliardenschwere Kapitalerhöhung angekündigt. Im Anschluss gab CEO Sir Fred Goodwin seinen Rücktritt bekannt. Demnach wird das Britische Finanzministerium Stammaktien des britischen Kreditinstituts im Wert von insgesamt 15 Mrd. Britische Pfund (GBP) zu einem Preis von 65,5 Pence je Aktie zeichnen. Zusätzlich hat sich das Britische Finanzministerium zur Zeichnung von Vorzugsaktien der Royal Bank of Scotland im Gesamtwert von 5 Mrd. GBP verpflichtet. Im Anschluss kündigte CEO Sir Fred Goodwin mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt an. Stephen Hester, derzet CEO bei British Land Co. plc (
ISIN GB0001367019 /
WKN 852556 ), wird die Nachfolge an der Konzernspitze antreten.
Die britische Großbank Lloyds TSB Group plc (
ISIN GB0008706128 /
WKN 871784 ) gab heute bekannt, dass sie sich bei der Übernahme der HBOS plc (
ISIN GB0030587504 /
WKN 677485 ) auf geänderte Bedingungen mit dem britischen Hypothekenanbieter verständigt hat. Die Lloyds TSB Group hatte im September bekannt gegeben, dass sie HBOS für 12,2 Mrd. Britische Pfund (GBP) übernehmen wird. Im Rahmen der Transaktion zahle Lloyds 232 Pence für jeden Anteilsschein von HBOS, hieß es damals. Im Rahmen der neuen Transaktion erhalten HBOS-Aktionäre für jeden ihrer Anteilsscheine 0,605 Lloyds-Aktien. Zuvor war ein Umtauschverhältnis von 0,833 vereinbart worden. Zudem wollen sich beide Banken gemeinsam frisches Kapital im Volumen von insgesamt 17 Mrd. Britische Pfund (GBP) beschaffen. Dabei wird HBOS 11,5 Mrd. GBP beschaffen, was über die Ausgabe von Stammaktien im Wert von 8,5 Mrd. GBP und Vorzugsaktien im Wert von 3 Mrd. GBP erfolgen soll. Lloyds wird die restlichen 5,5 Mrd. GBP beschaffen.
Der niederländische Technologiekonzern Philips Electronics N.V. (
ISIN NL0000009538 /
WKN 940602 ) meldete heute, dass sich sein Gewinn im dritten Quartal erhöht hat, was mit einem hohen Einmalertrag aus dem Verkauf von TSMC-Aktien zusammenhängt. Der Umsatz verringerte sich um 2 Prozent. Das EBITA sank im Berichtszeitraum aufgrund einer Sonderbelastung um 71 Prozent. Im Rahmen des laufenden Aktienrückkauf-Programms über 5 Mrd. Euro wurden bisher eigene Aktien im Wert von 3,1 Mrd. Euro zurückgekauft. Angesichts der Finanzkrise wird man das Tempo beim Aktienrückkauf nun verlangsamen, hieß es.
Die spanische Banco Santander S.A. (
ISIN ES0113900J37 /
WKN 858872 ) gab heute bekannt, dass sie sich derzeit in Gesprächen mit der amerikanischen Bankgesellschaft Sovereign Bancorp Inc. (
ISIN US8459051087 /
WKN 884172 ) befindet. Damit bestätigte Spaniens größte Bank jüngste Spekulationen in der Presse. Ob die derzeitigen Gespräche zu einem Abkommen führen oder nicht, sei momentan unklar. Die Banco Santander hält bereits 24,9 Prozent der Anteile an dem US-Konkurrenten. Wie das "Wall Street Journal" am Sonntag in seiner Online-Ausgabe berichtete, wollen die Spanier das Geschäft an diesem Montag abschließen. Dabei soll sich der Kaufpreis am letzten Schlusskurs der Sovereign-Aktie (3,81 Dollar) orientieren, womit die Bank aus Pennsylvania mit rund 2,53 Mrd. Dollar bewertet würde. (13.10.2008/ac/n/m)