Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nach einer erneut heftigen Berg- und Talfahrt haben sich letztendlich einmal mehr die Bären auf dem Frankfurter Parkett durchsetzen können. Der
DAX verlor bis Handelsschluss 2,53 Prozent auf 4.887,00 Indexpunkte.
Deutlich besser lief es für den MDAX mit einem Aufschlag von 0,12 Prozent auf 5.711,66 Zähler. Der Auftakt der Wall Street war verheißungsvoll. Nach der schwachen Vortagesentwicklung zog der Dow Jones kurz nach Handelsstart in der Spitze um gut 2 Prozent an. Zum Sitzungsende in Deutschland lag das Aktienbarometer allerdings wieder mit 0,7 Prozent im Minus.
Im Finanzsektor gewannen Titel der Commerzbank an der Indexspitze 8 Prozent. Außerdem verfestigten sich die HRE um 7 Prozent und die Deutsche Postbank um 1,9 Prozent. Die zuletzt arg unter die Räder gekommene Aktie des Düngemittelherstellers K+S zog daneben um 3,3 Prozent an. ThyssenKrupp schlossen mit 2,8 Prozent im Plus, nachdem der luxemburgische Mitbewerber ArcelorMittal seine EBITDA-Prognose für das dritte Quartal bekräftigt hat. Mit im oberen Indexdrittel fanden sich außerdem Siemens mit +3,2 Prozent und METRO mit +1,8 Prozent.
Papiere des Energieriesen E.ON brachen um 10,7 Prozent ein. Versorger standen heute europaweit unter Druck. Zusätzlich hat hier ein Pressebericht belastet, demzufolge der Konzern bei seinem im vergangenen Jahr gefeierten Einstieg in Russlands Strommarkt auf ernste Probleme stößt. Für RWE ging es um 8 Prozent nach unten. Ungeachtet der unerwartet guten Quartalszahlen des Computer-Konzerns IBM verloren Infineon am Indexende 13,7 Prozent. Weitere Verlierer waren mitunter BMW (-5 Prozent) und die Deutsche Bank (-4,4 Prozent). SAP gaben 2 Prozent ab. Einem Zeitungsartikel zufolge hat der Software-Konzern auf die anhaltende Finanzkrise reagiert und ein Sparprogramm angekündigt.
Im MDAX schoss die Premiere-Aktie nach den heftigen Verlusten der vergangenen Tage um 17,7 Prozent nach oben. Das Schlusslicht bildeten Südzucker mit -6,5 Prozent. Im SDAX gewannen Papiere der IKB fast 20 Prozent. Der Finanzkonzern hat seinen Verlust im abgelaufenen Quartal ausgeweitet.
Schlusskurse (17:36 Uhr):
DAX: 4.887,00 (-2,53 Prozent)
MDAX: 5.711,66 (+0,12 Prozent)
Tagesgewinner: Commerzbank, HRE, K+S
Tagesverlierer: Infineon, E.ON, RWE
Unternehmensnachrichten:
Der Energieversorger E.ON AG (
ISIN DE000ENAG999 /
WKN ENAG99 ) hat einem Pressebericht zufolge erhebliche Probleme in Russland. Nach Informationen des "Handelsblatt" könnte der im vergangenen Jahr erfolgte Einstieg des deutschen Energieversorgers auf dem russischen Strommarkt erhebliche Probleme mit sich bringen, zumal man derzeit Schwierigkeiten mit dem Management der neuen russischen Tochter OGK-4 habe. E.ON selbst räumte zwar Probleme mit der Integration ein, halte die Prognosen für sein Russland-Engagement aber aufrecht. Zuletzt wechselte E.ON den Generaldirektor der Tochter, Andrej Kitaschew, und einen seiner Stellvertreter aus. Die personellen Veränderungen resultierten zum einen daraus, dass das Management nicht wie gewünscht mitgezogen habe. Zum anderen soll es auch zu Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen gekommen sein. Wie die Wirtschaftszeitung weiter schreibt, wachse in Teilen der Konzernführung die Nervosität, weil der deutsche Branchenprimus für die insgesamt 76 Prozent der Anteile von OGK-4 4,6 Mrd. Euro bezahlt habe. Der Börsenwert der Beteiligung ist inzwischen jedoch auf 1,4 Mrd. Euro gefallen. Der Kaufpreis galt schon vor einem Jahr als hoch.
Die Hypo Real Estate Holding AG (HRE) (
ISIN DE0008027707 /
WKN 802770 ) hat einen Bericht der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland" als falsch zurückgewiesen. Wie der Hypothekenfinanzierer am Mittwochabend erklärte, weisen Vorstand und Aufsichtsrat der Gesellschaft einen Bericht der Wirtschaftszeitung als falsch und ohne jede Substanz zurück. Die Wirtschaftszeitung hatte in dem betreffenden Artikel geschrieben, dass der HRE-Aufsichtsrat eine Mitverantwortung der Bundesregierung an Liquiditätsengpässen des Unternehmens prüfen lasse.
Der Software-Konzern SAP AG (
ISIN DE0007164600 /
WKN 716460 ) hat auf die anhaltende Finanzkrise reagiert und ein drastisches Sparprogramm angekündigt. Wie die "Rhein-Neckar-Zeitung" (Donnerstagausgabe) berichtet, wurden die Mitarbeiter am Mittwochabend in einer internen E-Mail über die sofort gültigen Maßnahmen informiert. So sollen unbesetzte Stellen wegfallen und Reisen ohne Kundenbezug gestrichen werden. Interne Besprechungen müssen künftig in firmeninternen Gebäuden abgehalten werden. Zudem werden die Dienstwagenregelung sowie Bestellungen von Büroausstattung einer kritischen Prüfung unterzogen. Als symbolische Geste verzichten die Vorstandsmitglieder auf zehn Urlaubstage.
Die zur MAN AG (
ISIN DE0005937007 /
WKN 593700 ) gehörende MAN Nutzfahrzeuge AG gab am Mittwoch bekannt, dass sie die Kabelbaumfertigung im polnischen MAN-Werk Starachowice an die finnische PKC Gruppe verkauft. Bestandteile des Vertrages sind u.a. feste Liefervereinbarungen und Preisreduktionen. Den Angaben zufolge wird PKC künftig die Kabelstränge für MAN in Starachowice herstellen. Dabei würden die beiden Unternehmen eine langfristige Zusammenarbeit anstreben. Die Busproduktion von MAN am Standort Starachowice bleibe vom Verkauf der Kabelbaumfertigung unberührt.
Die IKB Deutsche Industriebank AG (
ISIN DE0008063306 /
WKN 806330 ) hat am Mittwoch die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 veröffentlicht. Dabei musste die Bank ihren Verlust leicht ausweiten. Das Konzernergebnis ist weiterhin stark durch die Krise der Bank und die Turbulenzen an den Finanzmärkten beeinflusst. Die weitere Entwicklung der IKB hängt in starkem Maße davon ab, dass sich die Bank adäquat refinanzieren kann. Dafür sind neben der Kapitalerhöhung eine Normalisierung der Kapitalmärkte und die Wiederherstellung von Vertrauen in die Banken generell erforderlich. In Bezug auf das Kundengeschäft zeigt das erste Halbjahr 2008/09 eine erfreuliche Entwicklung. (09.10.2008/ac/n/m)