Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nach anfänglichen Verlusten hat sich der deutsche Aktienmarkt mit Gewinnen aus dem Handel verabschiedet. Der
DAX kletterte bis Sitzungsende um 0,69 Prozent auf 6.340,52 Indexpunkte.
Gleichzeitig rückte der MDAX um 0,94 Prozent vor auf 8.420,84 Zähler.
Wie am Morgen bekannt wurde, ist der für September vorausberechnete GfK Konsumklimaindex gefallen. Gleichzeitig ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der ifo Geschäftsklimaindex, im August unerwartet stark gesunken. Beides schürt allerdings die Hoffnungen auf eine Zinssenkung der EZB. Die am späten Nachmittag in den USA vorgestellten Daten zum Verbrauchervertrauen stützen die Kurse an der Wall Street. Nach den deutlichen Vortagesverlusten ging es hier zuletzt leicht nach oben.
Papiere der Allianz stiegen deutlich um 2,1 Prozent. Einem Pressebericht zufolge läuft im Fusionspoker um die Allianz-Tochter Dresdner Bank alles darauf hinaus, dass die Beteiligten zum Monatsende ihre Karten auf den Tisch legen. Für das kommende Wochenende sei mit außerordentlichen Aufsichtsratssitzungen sowohl bei der Commerzbank (-1 Prozent) als auch bei der Allianz zu rechnen, hieß es. Verstärkt gesucht waren außerdem Bayer, Henkel und Volkswagen mit Zuwächsen von bis zu 1,6 Prozent.
Belastet von einer
Kurszielsenkung der Investmentbank Goldman Sachs gaben Papiere von ThyssenKrupp leicht ab. Hier stand auch eine Meldung im Blick, wonach sich der Konzern im Rahmen einer strategischen Neufokussierung von der Geschäftssparte Industriedienstleistungen trennt. Papiere der Deutschen Börse gaben 0,5 Prozent ab. Der Börsenbetreiber gab heute eine Reduzierung der Transaktionsentgelte auf Xetra bekannt.
Im MDAX gewannen Titel von STADA an der Spitze mehr als 4 Prozent an. Die rote Laterne lag unterdessen bei Arcandor, der Wert verlor 2,3 Prozent. Im SDAX gewannen Anteilsscheine von MPC Capital nach Ergebnisvorlage über 2 Prozent.
Schlusskurse (17:36 Uhr):
DAX: 6.340,52 (+0,69 Prozent)
MDAX: 8.420,84 (+0,94 Prozent)
Tagesgewinner: Allianz, Henkel, Bayer
Tagesverlierer: Commerzbank, BMW, Deutsche Börse
Unternehmensnachrichten:
Der Industriekonzern Siemens AG (
ISIN DE0007236101 /
WKN 723610 ) hat sich mit Vertretern des Gesamtbetriebsrats (GBR) über ein Maßnahmenpaket zum Abbau von insgesamt 5.250 Mitarbeitern in Deutschland geeinigt. Dies gab der Konzern heute bekannt. Durch den Stellenabbau vor allem in verwaltungsnahen Funktionen sollen Kosten von 1,2 Mrd. Euro bis 2010 gesenkt werden. Zu den Angeboten, die das Unternehmen den Mitarbeitern macht, zählen interne Versetzungen, vorzeitige Pensionierungen älterer Mitarbeiter, Altersteilzeitregelungen sowie Aufhebungsverträge oder der Wechsel in eine so genannte Transfergesellschaft mit einer Laufzeit von bis zu 24 Monaten.
Die Deutsche Post AG (
ISIN DE0005552004 /
WKN 555200 ) hat einem Pressebericht zufolge ihre Verbindlichkeiten in der Jahresbilanz 2005 um 239 Mio. Euro zu niedrig angesetzt und muss den Abschluss jetzt nachträglich korrigieren. Dies berichtet die "WirtschaftsWoche". Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) habe bei der Durchsicht der Post-Bilanzen der vergangenen Jahre festgestellt, dass der Bonner Konzern die Schulden aus einer Umtauschanleihe deutlich zu niedrig angesetzt habe. Während die Post nur 65 Mio. Euro an Verbindlichkeiten ausgewiesen hatte, ermittelte die Berliner Bilanzpolizei laut dem Magazin jetzt eine tatsächliche Schuldenhöhe aus der Anleihe von 304 Mio. Euro. Da der Fehler wesentlich ist, habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Deutsche Post angewiesen, die Falschbuchung nun öffentlich zu machen.
Die ThyssenKrupp AG (
ISIN DE0007500001 /
WKN 750000 ) kündigte heute im Rahmen einer strategischen Neufokussierung den Verkauf der Geschäftssparte Industriedienstleistungen an. Demnach will der Konzern seine Business Unit Industrial Services im Laufe des nächsten Jahres veräußern, um den geplanten Wachstumskurs in den übrigen Geschäftsbereichen finanzieren zu können. Bei der Business Unit Industrial Services handelt es sich um die kleinste Einheit des Segments Services, welche über die geringsten Synergien mit dem Kerngeschäft verfügt. Deshalb werden für den überwiegenden Teil der Aktivitäten (Umsatz rund 1,7 Mrd. Euro und 29.000 Mitarbeiter) bessere Entwicklungschancen außerhalb des ThyssenKrupp Konzerns, bei einem Best Owner gesehen, teilte der Konzern weiter mit. Dabei sollen die Stahlservice-Aktivitäten in Deutschland und Brasilien (Umsatz 300 Mio. Euro, 7.000 Mitarbeiter) im Konzern verbleiben und künftig unter der Business Unit Special Products geführt werden.
Die Deutsche Börse AG (
ISIN DE0005810055 /
WKN 581005 ) hat eine Reduzierung der Transaktionsentgelte im Rahmen des Automated Trading Program (ATP) auf Xetra beschlossen. Dies gab der Börsenbetreiber heute bekannt. Mit dem differenzierten Serviceangebot würden auch neue Preise gelten, die in der Spitze und je nach gewähltem Service eine Entgeltreduzierung um bis zu 40 Prozent bedeuten würden. Auf Basis des ersten Halbjahres 2008 würde die ATP Anpassung bei unveränderten Handelsvolumina zu einer Entgeltreduzierung von 10 Mio. Euro führen. Das "Net Service" Angebot im Clearing würde eine Entgeltreduzierung von erwarteten 25 Mio. Euro pro Jahr bedeuten. Durch die Preissensitivität der Handels- und Clearing-Teilnehmer werden positive Auswirkungen auf die Transaktionsvolumina und entsprechend eine weitgehende Kompensation der Preiseffekte auf die Umsatzerlöse erwartet.
Der Verkauf der zur Allianz SE (
ISIN DE0008404005 /
WKN 840400 ) gehörenden Tochter Dresdner Bank steht einem Pressebericht zufolge kurz vor dem Abschluss. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, laufe alles auf eine Entscheidung zum Ende dieses Monats hinaus. Dabei seien neben der Commerzbank AG (
ISIN DE0008032004 /
WKN 803200 ) auch noch die China Development Bank im Rennen um die Dresdner Bank. Dabei sei am kommenden Wochenende mit außerordentlichen Aufsichtsratssitzungen sowohl bei der Commerzbank als auch bei der Allianz zu rechnen, zitiert die Wirtschaftszeitung mit der Situation vertraute Quellen. Der Aufsichtsrat der Allianz wird voraussichtlich am Sonntag auf Vorschlag des Managements entscheiden, wer den Zuschlag für die Dresdner Bank erhält. Noch sei das Rennen offen, wobei es neben Verhandlungen mit der Commerzbank parallel Verhandlungen mit der China Development Bank gebe.
Die MPC Capital AG (
ISIN DE0005187603 /
WKN 518760 ) musste im ersten Halbjahr einen Ergebnisrückgang ausweisen. Wie der Konzern heute erklärte, war der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) im Berichtszeitraum deutlich rückläufig. Beim Konzernüberschuss nach Anteilen Dritter wurde ebenfalls ein kräftiger Rückgang verbucht. Wesentlichen Anteil an dem deutlichen Gewinneinbruch hatte die schwache Ergebnisentwicklung von HCI Capital AG (
ISIN DE000A0D9Y97 /
WKN A0D9Y9 ), an der MPC Capital mit 40,8 Prozent beteiligt ist. Beim Umsatz wurde ein Rückgang um rund 19 Prozent verzeichnet. Für das Gesamtjahr wurde das Ziel, einen Konzernüberschuss von 38 bis 40 Mio. Euro zu erreichen, bestätigt. (26.08.2008/ac/n/m)