DAX Schluss: Freundlicher Ausklang, Volkswagen gewinne.


27.10.08 18:01
Meldung
 
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der DAX hat am späten Nachmittag den Sprung in die Pluszone geschafft. Nach einem äußerst schwachen Auftakt schloss der deutsche Leitindex letztendlich 0,91 Prozent fester bei 4.334,64 Indexpunkten.
Beim MDAX war dagegen ein Abschlag von 4,96 Prozent auf 4.810,55 Zähler auszumachen. Die Wall Street zeigt sich heute äußerst schwankungsfreudig. Zuletzt tendierte zumindest der Dow Jones fester.

Laut Angaben des Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung ist der ifo Geschäftsklima-Index im Oktober 2008 deutlich zurückgegangen. In Gesamtdeutschland verringerte sich der Index auf 90,2 Punkte, nach 92,9 Punkten im Vormonat und 104,1 Punkten im Oktober 2007. Dies ist bereits der fünfte Rückgang des Index in Folge. Damit erreichte das Geschäftsklima seinen niedrigsten Stand seit Mai 2003.

Die positive Entwicklung beim DAX war allerdings einzig und alleine der Volkswagen-Aktie geschuldet. Der Titel schoss in der Spitze um sagenhafte 201 Prozent in die Höhe und schloss letztendlich mit 130 Prozent im Plus. Wie am Wochenende bekannt wurde, hat der Sportwagenhersteller Porsche (-9,1 Prozent) seine Beteiligung an den Wolfsburgern weiter aufgestockt. Im kommenden Jahr soll die Beteiligung auf 75 Prozent ausgebaut und damit der Weg für einen Beherrschungsvertrag freigemacht werden. Aufgeschreckt durch diese Meldung mussten offenbar zahlreiche Short-Positionen eingedeckt werden.

Papiere von Merck sackten indes um 7,9 Prozent ab. Wie der auf die Bereiche Pharma und LCD-Bildschirme spezialisierte Konzern heute erklärte, konnte er Umsatz und Ergebnis im dritten Quartal steigern. Die Gewinnprognose wurde indes leicht gesenkt. Am Indexende brachen Titel der Deutschen Postbank nach einer Gewinnwarnung um 24 Prozent ein. Ferner kündigte der Finanzkonzern eine Kapitalerhöhung an. Dabei habe sich die Mehrheitsaktionärin Deutsche Post verpflichtet, den gemäß ihrer Beteiligung auf sie entfallenden Anteil dieser Emission zu zeichnen. Anteilsscheine der Deutschen Post, die zu allem Überfluss auch noch ihre Prognose kassiert hat, gingen mit -17,3 Prozent aus der Sitzung.

Im Finanzsektor sackten die Allianz, die Deutsche Bank, die HRE und die Commerzbank um jeweils mehr als 10 Prozent ab. Zweistellige Kursverluste waren unter anderem auch bei Siemens, METRO und Infineon auszumachen. Daimler brachen um 9,4 Prozent ein. Einem Pressebericht zufolge schickt der Konzern seine Belegschaft bereits am 11. Dezember in die Weihnachtspause. Insgesamt solle die Fertigung fünf Wochen ruhen. BMW verloren daneben fast 6 Prozent. In Tokio standen Honda unter Druck. Einem Presseartikel zufolge dürfte der japanische Autobauer im laufenden Geschäftsjahr einen unerwartet hohen Ergebniseinbruch einfahren.

In der zweiten Reihe gaben Titel von Premiere mehr als 23 Prozent ab. Zweistellige Verluste erlitten mitunter auch die Aareal Bank, Symrise und die Norddeutsche Affinerie. Deutlich zulegen konnten einzig ALTANA (+2,9 Prozent) und Fresenius (+1,2 Prozent).

Schlusskurse (17:36 Uhr):

DAX: 4.334,64 (+0,91 Prozent)

MDAX: 4.810,55 (-4,96 Prozent)

Tagesgewinner: Volkswagen

Tagesverlierer: Deutsche Postbank, Commerzbank, Deutsche Post

Unternehmensnachrichten:

Die Deutsche Postbank AG (ISIN DE0008001009 / WKN 800100 ) geht in Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise von einem Verlust für das dritte Quartal aus und kündigte im Anschluss ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der Kapitalbasis an. Wie das Kreditinstitut heute erklärte, habe man im dritten Quartal "trotz einer weiterhin positiven Entwicklung im operativen Kundengeschäft" ein negatives Vorsteuerergebnis von 449 Mio. Euro verbuchen müssen. Der Vorstand hat mit Zustimmung des Aufsichtsrates als Teil seines Aktionsplans beschlossen, noch im vierten Quartal eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Dabei werde das von der Hauptversammlung 2006 beschlossene genehmigte Kapital mit Bezugsrecht in Höhe von 54,8 Millionen Aktien voll ausgeschöpft. Der Bezugspreis für die Emission wird auf 18,25 Euro festgelegt. In diesem Zusammenhang habe sich die Deutsche Post AG als Mehrheitsaktionärin der Deutschen Postbank dazu verpflichtet, den gemäß ihrer Beteiligung in Höhe von 50 Prozent plus eine Aktie auf sie entfallenden Anteil dieser Emission zum Bezugspreis zu zeichnen. Außerdem habe sich die Deutsche Post verpflichtet, sämtliche Aktien aus der Kapitalerhöhung, die nicht anderweitig platziert werden können, zum Bezugspreis aufzunehmen.

Die Deutsche Post AG (ISIN DE0005552004 / WKN 555200 ) hat angesichts des schwachen konjunkturellen Gesamtumfelds die Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr nach unten revidiert. Wie der Logistikkonzern heute erklärte, habe die deutliche Abschwächung des weltweiten gesamtwirtschaftlichen Umfelds im dritten Quartal zu einem Rückgang im EBIT vor Einmaleffekten von rund 8 Prozent geführt. Der Konzern erwartet jetzt ein EBIT vor Einmaleffekten in Höhe von rund 2,4 Mrd. Euro für das Gesamtjahr, etwa 10 Prozent weniger als im Jahr 2007 und 17 Prozent weniger als bisher prognostiziert.

Die Merck KGaA (ISIN DE0006599905 / WKN 659990 ) konnte im dritten Quartal einen Umsatz- und Ergebnisanstieg vorweisen. Wie der auf die Bereiche Pharma und LCD-Bildschirme spezialisierte Konzern heute erklärte, stieg der Gesamtumsatz um 8,7 Prozent. Beim operativen Ergebnis wurde ein Anstieg um 6 Prozent verzeichnet. Für das laufende Fiskaljahr wurden die Prognosen weiter konkretisiert. Merck rechnet zum jetzigen Zeitpunkt mit einer Steigerung der Gesamterlöse im Bereich von 6 bis 8 Prozent (bisher 5 bis 9 Prozent) und einer Umsatzrendite (Operatives Ergebnis/Gesamterlöse) abzüglich der Abschreibungen und der Integrationskosten bei Merck Serono zwischen 23 und 25 Prozent (bisher 23 bis 27 Prozent).

Der Sportwagenhersteller Porsche Automobil Holding SE (ISIN DE000PAH0038 / WKN PAH003 ) hat seine Beteiligung an der Volkswagen AG (ISIN DE0007664005 / WKN 766400 ) weiter aufgestockt. Wie aus einer am Sonntag veröffentlichten Pressemitteilung hervorgeht, habe sich der Stimmrechtsanteil an dem im DAX30 notierten Automobilkonzern Ende der letzten Woche auf 42,6 Prozent belaufen. Darüber hinaus befindet sich Porsche im Besitz von Optionen, durch die der Zuffenhausener Sportwagenhersteller weitere 31,5 Prozent der Stammaktien von VW kontrolliert. Damit erhält Porsche Zugriff auf 74,1 Prozent der VW-Anteile. Im kommenden Jahr soll die Beteiligung auf 75 Prozent aufgestockt und damit der Weg für einen Beherrschungsvertrag freigemacht werden, teilte Porsche weiter mit.

Der Automobilkonzern Daimler AG (ISIN DE0007100000 / WKN 710000 ) fährt einem Pressebericht zufolge neben der Pkw-Produktion auch die Fertigung in seinem Lkw-Montagewerk im südpfälzischen Wörth herunter. Wie die Tageszeitung "RHEINPFALZ" (Vorabveröffentlichung) schreibt, werde die Samstagsarbeit ab sofort eingestellt. Bereits am vergangenen Samstag sei die bei vielen Mitarbeitern unbeliebte Spätschicht gestrichen worden. Auch die Schichtverlängerungen an Werktagen würden zurückgenommen. Zudem werde in diesem Jahr an drei Tagen nicht gearbeitet: Die Weihnachtspause beginne zudem früher als geplant. Durch diese Maßnahmen werden laut dem Bericht 2.600 Fahrzeuge aus dem Produktionsplan genommen.

Die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Bain Capital als auch Allianz Capital Partners sind Presseangaben zufolge an einer Übernahme der Gummisparte des Automobilzulieferers Continental AG (ISIN DE0005439004 / WKN 543900 ) interessiert. Dies berichtet das "Handelsblatt" heute unter Berufung auf informierte Kreise. Nachdem das Familienunternehmen Schaeffler sich im August 2008 nach wochenlangem Abwehrkampf mit Conti auf eine geordnete Übernahme geeinigt hat, sei nun ein möglicher Verkauf der Gummisparte mit fast 60.000 Mitarbeitern in der Diskussion. Experten schätzen ihren Wert auf 7 bis 11 Mrd. Euro. Aktuell dürfte Conti aber kaum auf diese Summe kommen. Offiziell gibt es noch keinen Verkaufsprozess.

Der Software-Konzern SAP AG (ISIN DE0007164600 / WKN 716460 ) will sich einem Pressebericht zufolge von seinem Tochterunternehmen SAP Hosting mit Sitz in St. Leon-Rot nahe Walldorf trennen. Dies berichtet die "WirtschaftsWoche" (Vorabveröffentlichung) unter Berufung auf informierte Kreise. Als möglicher Käufer für die Hosting-Tochter sei laut dem Bericht die britische BT Group plc (ISIN GB0030913577 / WKN 794796 ) im Gespräch. SAP Hosting ist bisher für das so genannte Outsourcing-Angebot der SAP-Software verantwortlich.

Besser als erwartet kommt offenbar der Chiphersteller Infineon Technologies AG (ISIN DE0006231004 / WKN 623100 ) bei seinem Stellenabbauprogramm voran. Nach Informationen der Tageszeitung "DIE WELT" haben sich bislang insgesamt schon mehr als 600 Mitarbeiter bereit erklärt, das Unternehmen zu verlassen. Der Konzern biete ihnen im Gegenzug höhere Abfindungen. Ein Sprecher von Infineon wollte sich laut dem Bericht nicht äußern. Der neue Vorstandsvorsitzende Peter Bauer hatte im Juli angekündigt, in Deutschland 2.000 Stellen streichen zu wollen.

Die zum Chemiekonzern BASF SE (ISIN DE0005151005 / WKN 515100 ) gehörende Tochter Wintershall Holding AG hat heute ein Übernahmeangebot für den norwegischen Öl- und Erdgaskonzern Revus Energy ASA (ISIN NO0010270309 / WKN A0ER7U ) vorgelegt. Im Rahmen der Offerte bietet Wintershall 581 Mio. Euro. Revus Energy hält derzeit Beteiligungen an 60 Lizenzen in Norwegen und Großbritannien. (27.10.2008/ac/n/m)


 

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