Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Beflügelt von äußerst starken Vorgaben der Wall Street hat sich der deutsche Aktienmarkt mit kräftigen Gewinnen in das Wochenende verabschiedet.
Der
DAX sprang letztendlich um 1,69 Prozent und schloss bei 6.342,42 Indexpunkten. Gleichzeitig rückte der MDAX um 2,17 Prozent vor auf 8.406,83 Zähler.
Die US-Indizes profitieren heute neben dem jüngsten Ölpreisrückgang auch von einer Rede von Ben Bernanke. Der Chef der US-Notenbank hat sich trotz der vorhandenen Risiken in Zusammenhang mit der Finanzkrise optimistisch bezüglich der Gesamtsituation geäußert. In Zusammenhang mit den nach wie vor existierenden Inflationsgefahren verwies Bernanke auf die zuletzt rückläufigen Öl- und Rohstoffnotierungen. Für Rückenwind sorgen außerdem Übernahmespekulationen bei der angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers.
Finanzwerte standen dann auch hierzulande weit oben auf der Einkaufliste der Anleger. Als Spitzenreiter preschten Titel der Deutschen Postbank um 5,5 Prozent vor. Daneben zogen die Commerzbank um 4,6 Prozent, die Allianz um 3,1 Prozent und die Deutsche Bank um 2,9 Prozent an.
Außerhalb des Finanzsektors stachen insbesondere die Deutsche Post (+3,5 Prozent), Infineon (+4,9 Prozent) und METRO (+3,6 Prozent) hervor. Anteilsscheine der Deutschen Lufthansa gewannen mit dem sinkenden Ölpreis im Rücken 3 Prozent. Volkswagen schlossen mit 1,8 Prozent im Plus. Wie der Konzern heute bekannt gab, konnte er in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres einen neuen Absatzrekord vorweisen. Das Schlusslicht bildeten Anteilsscheine der Deutschen Börse mit -0,2 Prozent.
Im MDAX stachen HOCHTIEF mit einem satten Plus von 8,5 Prozent ins Auge. Einem Pressebericht zufolge droht dem Baukonzern die Zerschlagung durch seine eigenen Großaktionäre. Norddeutsche Affinerie lagen mit -1,6 Prozent am Indexende.
Schlusskurse (17:36 Uhr):
DAX: 6.342,42 (+1,69 Prozent)
MDAX: 8.406,83 (+2,17 Prozent)
Tagesgewinner: Deutsche Postbank, Infineon, Commerzbank
Tagesverlierer: Deutsche Börse
Unternehmensnachrichten:
Die Schaeffler Gruppe hat heute mit den Gewerkschaften IG Metall und IG BCE eine gemeinsame Erklärung über die Arbeitnehmerinteressen berücksichtigenden Garantien in Zusammenhang mit dem Einstieg des fränkischen Familienunternehmens bei der Continental AG (
ISIN DE0005439004 /
WKN 543900 ) unterzeichnet. Damit erfüllen beide Seiten einen der wesentlichen Eckpunkte in der getroffenen Investorenvereinbarung zwischen Continental AG und Schaeffler KG. "Wir haben immer betont, dass wir im Interesse der Mitarbeiter der Continental AG gute Ergebnisse erzielen wollen, um die Besorgnisse und Ängste der Belegschaften auszuräumen", erklärte Kurt Mirlach, Geschäftsleitung Personal- und Sozialwesen der Schaeffler Gruppe. Diese Regelungen gelten unbefristet und können frühestens 2014 gekündigt werden.
Der Automobilkonzern Volkswagen AG (
ISIN DE0007664005 /
WKN 766400 ) konnte in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres einen neuen Absatzrekord vorweisen. Wie der Konzern heute erklärte, wurden im Zeitraum von Januar bis Juli 2008 konzernweit insgesamt 3,79 Millionen Pkw ausgeliefert, was einem Plus von 5,0 Prozent entspricht. Im Einzelmonat Juli 2008 lag die Zahl der Auslieferungen des Konzerns trotz der weiter schwächelnden Automobilkonjunktur mit weltweit 521.500 Pkw auf Vorjahresniveau, teilte der Konzern weiter mit. In China erreichte der Konzern mit 607.500 Auslieferungen (+19,3 Prozent) in den ersten sieben Monaten dieses Jahres einen neuen Rekord für einen solchen Zeitraum. In Europa wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 2,18 Millionen Fahrzeuge des Konzerns (+0,7 Prozent) ausgeliefert, davon in Deutschland 624.000 (+2,8 Prozent).
Der Industriekonzern Siemens AG (
ISIN DE0007236101 /
WKN 723610 ) plant die Übernahme der in Schwerin ansässigen innotec GmbH. Dies teilte der Konzern heute mit. Durch die Akquisition will die Industry Automation, eine Division des Siemens-Industry-Sektors, ihre weltweit führende Position im Markt für Industriesoftware ausbauen. Bei innotec handelt es sich um einen der führenden Anbieter von Lifecycle-Management-Systemen, insbesondere für Anlagen in der Prozessindustrie. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen derzeit 200 Mitarbeiter. Finanzielle Einzelheiten der Transaktion wurden nicht bekannt gegeben.
Aktuellen Presseberichten zufolge droht dem Baukonzern HOCHTIEF AG (
ISIN DE0006070006 /
WKN 607000 ) die Zerschlagung. Dies berichtet das Wirtschaftsmagazin "manager magazin" am Donnerstag in seiner Online-Ausgabe. Den Angaben zufolge droht dem Konzern die Filetierung durch seine eigenen Großaktionäre. Der spanische Baukonzern ACS Actividades de Construccion y Servicios S.A. (
ISIN ES0167050915 /
WKN A0CBA2 ) könnte demnach durch den Deal seine Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Heimatmarkt verringern. Auch der russische Großaktionär Oleg Deripaska ist in das Planspiel einbezogen, so das Magazin.
Der Verkauf der krisengeschüttelten Mittelstandsbank IKB Deutsche Industriebank AG (
ISIN DE0008063306 /
WKN 806330 ) an den Finanzinvestor Lone Star wirft einem Pressebericht zufolge Fragen auf. Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) wollte der russische Investor Alexander Lebedew einen deutlich höheren Preis für die IKB bezahlen als der US-Finanzinvestor Lone Star. Die Rede ist von einem Betrag zwischen 400 und 600 Mio. Euro. Lone Star soll Finanzkreisen zufolge nur 150 Mio. Euro bezahlen. Die mit dem Verkaufsprozess beauftragte US-Investmentbank Merrill Lynch & Co. Inc. (
ISIN US5901881087 /
WKN 852935 ) soll Lebedew im Juni aber eine Absage erteilt haben. Der russische Milliardär und frühere KGB-Geheimdienstler Lebedew zeigt den Angaben zufolge weiterhin Interesse an der Mittelstandsbank. (22.08.2008/ac/n/m)