Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die deutschen Standardwerte konnten sich am letzten Handelstag nach der schwachen Performance der vergangenen Tage mit einem wahren Kursfeuerwerk ins Wochenende verabschieden.
Der
DAX legte 5,71 Prozent auf 6.198,09 Punkte zu, während der MDAX 5,38 Prozent auf 7.819,17 Zähler hinzugewinnen konnte. Hintergrund der kräftigen Kursaufschläge ist ein angekündigtes, groß angelegtes Maßnahmenpaket der US-Regierung zur Stabilisierung des Finanzsystems, das mittelfristig für eine deutliche Entspannung der Finanzkrise sorgen soll. Bereits am Vorabend hatten die US-Börsen daraufhin deutliche Aufschläge verbuchen können. Unter anderem schloss der Dow Jones 3,9 Prozent fester. Ebenfalls für gute Stimmung sorgte die Entscheidung der US-Wertpapieraufsicht SEC, Leerverkäufe bei Finanzaktien kurzfristig zu verbieten. Nach starker Eröffnung an den US-Leitbörsen konnte der DAX seine Gewinne zum Handelsende noch weiter ausbauen, wobei vor allem die zuletzt verschmähten Finanzwerte kräftig an Fahrt gewinnen konnten. Mit zu den deutlichen Kursgewinnen beigetragen hat unter anderem auch der so genannte "Dreifache Hexensabbat", dem Verfallstag für Futures sowie Optionen auf Indices und Einzelaktien, was traditionell zu einer deutlichen Zunahme der Volatilität führt.
Ganz oben auf der Liste der Gewinner waren Anteilsscheine der Commerzbank zu finden, die nach den deutlichen Abschlägen der vergangenen Handelstage zeitweise um mehr als 20 Prozent vorrücken konnten. Ebenfalls auf der Gewinnerseite waren die Deutsche Bank sowie der Versicherer Allianz zu finden, die zwischenzeitlich mehr als 15 Prozent fester tendierten. Zuletzt hatten die Commerzbank und die Allianz aufgrund von Spekulationen über ein mögliches Scheitern des Dresdner Bank-Verkaufs kräftig Federn lassen müssten. Deutliche Kursgewinne waren auch bei ThyssenKrupp, MAN, Infineon, TUI und Linde auszumachen, die allesamt zweistellige prozentuale Kurszuwächse zu verbuchen hatten. Daimler, Siemens, Deutsche Post und die Münchener Rück verzeichneten nach der zuletzt schwachen Performance der Werte ebenfalls überdurchschnittliche Aufschläge. Die Aktie von BMW verzeichnete ein Kursplus von mehr als 12 Prozent, nachdem der Konzernchef bei Investoren für das beschlossene Effizienzsteigerungs- und Wachstumsprogramm geworben hatte. Deutlich erholt zeigten sich auch die beiden Versorger RWE und E.ON. RWE hatte am Vortag angekündigt, dass man die in Aussicht gestellte erhöhte Dividenden-Ausschüttungsquote nicht länger von der erfolgreichen Platzierung einer Mehrheit von American Water am Markt abhängig machen werde. SAP präsentierte sich nach den starken Geschäftszahlen des US-Konkurrenten Oracle ebenfalls fester und gewann mehr als 4 Prozent hinzu.
Am unteren Ende der kurzen Verliererliste waren über den gesamten Tagesverlauf hinweg Anteilsscheine von Volkswagen zu finden. Am Vortag hatte die Aktie allerdings im Zuge von Spekulationen über den Abschluss eines Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrags zugunsten des Großaktionärs Porsche rund 26 Prozent zulegen können. Zum Schluss verzeichnete die VW-Aktie ein Minus von mehr als 10 Prozent. Kursabschläge waren daneben außerdem bei Continental sowie FMC und METRO auszumachen.
In der zweiten Reihe richteten sich die Blicke der Investoren auf die Aktie von Arcandor. Nach den deutlichen Verlusten der vergangenen Handelstage konnte sich der Wert deutliche erholen und legte mehr als 5 Prozent zu. Einem Pressebericht zufolge ziehen sich die Verhandlungen über eine Refinanzierung der Gesellschaft länger hin als erwartet.
Schlusskurse (17:36 Uhr):
DAX: 6.198,09 (+5,71 Prozent)
MDAX: 7.819,17 (+5,38 Prozent)
Tagesgewinner: Commerzbank, ThyssenKrupp, MAN
Tagesverlierer: Volkswagen, METRO, FMC
Unternehmensnachrichten:
Der Vorstandschef des Automobilkonzerns Bayerische Motoren Werke AG (BMW) (
ISIN DE0005190003 /
WKN 519000 ), Norbert Reithofer, hat einem Pressebericht zufolge im Rahmen einer Investorenveranstaltung für das zuletzt verabschiedete Effizienzsteigerungs- und Wachstumsprogramm des Münchner Automobilkonzerns geworben. Er sei optimistisch, sagte Reithofer auf einer Veranstaltung der "Börsen-Zeitung" (Freitagausgabe), dass "wir auch unsere Investoren, die
Analysten und die Medien von unserem Weg überzeugen werden".
Der Energieversorger RWE AG (
ISIN DE0007037129 /
WKN 703712 ) gab am Donnerstag bekannt, dass sein Vorstand beschlossen hat, die in Aussicht gestellte erhöhte Dividenden-Ausschüttungsquote nicht länger von der erfolgreichen Platzierung einer Mehrheit von American Water am Markt abhängig zu machen. Wie der Energieversorger gestern ebenfalls mitteilte, hat sein Aufsichtsrat einstimmig Dr. Leonhard Birnbaum zum 1. Oktober 2008 in den Vorstand der Gesellschaft berufen. Er wird die Nachfolge von Berthold Bonekamp als Chief Strategy Officer (CSO) antreten.
Der Vorstand der neuen Commerzbank AG (
ISIN DE0008032004 /
WKN 803200 ) hat über die künftige Besetzung der ersten Führungsebene ("Executives") der Segmente Privatkunden, Mittelstand, Corporates & Markets, Mittel- und Osteuropa, Commercial Real Estate sowie der Service- und Steuerungseinheiten entschieden.
Der Chemiekonzern BASF SE (
ISIN DE0005151005 /
WKN 515100 ) will seine Polystyrol-Produktion in Europa deutlich zurückfahren. Wie der im DAX30 notierte Chemiekonzern am Freitag erklärte, werde man die Produktion von Polystyrol in Europa ab dem 1., Oktober um 25 Prozent zurückfahren. Als Grund für diese Maßnahme wurde die gesunkene Nachfrage nach dem Standardkunststoff Polystyrol genannt, was auf die momentane konjunkturelle Abschwächung zurückzuführen sei.
Presseangaben zufolge ziehen sich die Verhandlungen über eine Refinanzierung des Einzelhandelskonzerns Arcandor AG (
ISIN DE0006275001 /
WKN 627500 ) länger hin als ursprünglich geplant. Wie das "Handelsblatt" am Donnerstag unter Berufung auf Branchenkreise berichtet, war in Zusammenhang mit den laufenden Verhandlungen zwischen Arcandor und einem Bankenkonsortium ursprünglich für Mittwoch dieser Woche eine Lösung erwartet worden. Das mit netto 1,5 Mrd. Euro verschuldete Unternehmen benötige den Angaben zufolge dringend die Zusage für einen Kredit in dreistelliger Millionenhöhe, um den Einkauf für das Weihnachtsgeschäft finanzieren zu können. In der vergangenen Woche hatte der Kreditversicherer Euler Hermes bereits vorsichtshalber die Ausfallgarantien für Arcandor-Lieferanten limitiert. (19.09.2008/ac/n/m)