Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der
DAX hat sich einmal mehr mit kräftigen Verlusten aus dem Handel verabschiedet. Letztendlich schloss der deutsche Leitindex 4,46 Prozent schwächer bei 4.571,07 Punkten.
Der MDAX bröckelte daneben um 4,34 Prozent ab auf 5.353,69 Zähler. Ängste vor einem Wirtschaftsabschwung in Europa haben dem Euro erneut schwer zugesetzt. Zuletzt kostete ein Euro nur noch gut 1,28 Dollar. Die Wall Street lag zum Xetra-Schluss ebenfalls deutlich im Minus. Aktuell scheint die Finanzkrise etwas in den Hintergrund gerückt zu sein. Allerdings machen auch in den USA Sorgen vor einer tiefgreifenden Rezession die Runde.
Völlig unbeeindruckt von den Kurskapriolen gewannen Infineon an der DAX-Spitze 2,7 Prozent. Die Aktie von Volkswagen entwickelte sich mit +0,1 Prozent ebenfalls besser als der Gesamtmarkt. Kaum Beachtung fand offenbar ein Pressebericht, demzufolge der japanische Konkurrent Toyota im laufenden Jahr voraussichtlich weniger Fahrzeuge verkaufen wird als bislang geplant. Dagegen fielen Daimler und BMW ungeachtet der Euro-Schwäche und der weiter rückläufigen Ölpreisnotierungen um 7,8 bzw. um 5,7 Prozent zurück.
Das Schlusslicht bildeten Titel der HRE mit -10,3 Prozent. Daneben gaben METRO 10 Prozent, K+S 7,7 Prozent und adidas 7,6 Prozent ab. RWE hielten sich mit -2,1 Prozent vergleichsweise wacker. Einem Presseinterview mit Vorstandschef Jürgen Großmann zufolge will der Energieversorger künftig verstärkt auf Atomkraft setzen.
Im MDAX gewannen HOCHTIEF 3,5 Prozent, nachdem der Konzern seine Prognose bestätigt und ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt hat. Beflügelt vom anhaltenden Verfall der europäischen Gemeinschaftswährung gewannen EADS 1,9 Prozent. Am Indexende sackten HHLA um über 13 Prozent ab. Kaum besser war es um ProSiebenSat.1, KlöCo und SGL CARBON bestellt.
Schlusskurse (17:36 Uhr):
DAX: 4.571,07 (-4,46 Prozent)
MDAX: 5.353,69 (-4,34 Prozent)
Tagesgewinner: Infineon, Volkswagen
Tagesverlierer: HRE, METRO, Daimler
Unternehmensnachrichten:
Der geplante Verkauf der österreichischen Fluglinie Austrian Airlines AG (AUA) (
ISIN AT0000620158 /
WKN 875224 ) scheint Presseangaben zufolge zunächst gescheitert zu sein. Nach Informationen der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" liege für die angeschlagene Fluggesellschaft nach dem gestrigen Stichtag kein verbindliches Angebot vor. Im Vorfeld wurden vor allem die deutsche Fluggesellschaft Deutsche Lufthansa AG (
ISIN DE0008232125 /
WKN 823212 ) sowie Air France-KLM (
ISIN FR0000031122 /
WKN 855111 ) als Kandidaten für eine Übernahme der AUA gehandelt. Wie die Tageszeitung am Dienstag berichtete, habe die Deutsche Lufthansa eine Offerte mit Einschränkungen vorgelegt, während Air France/KLM lediglich Interesse signalisiert, aber keine Offerte vorgelegt habe. Franzosen und Deutsche kritisieren laut dem Bericht vor allem die "Rahmenbedingungen".
Der Energieversorger RWE AG (
ISIN DE0007037129 /
WKN 703712 ) will nach Aussage seines Vorstandschefs Jürgen Großmann künftig verstärkt auf Atomkraft setzen. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärte der Vorstandschef des Energieversorgers, dass RWE sich außerhalb Deutschlands an neuen Atomenergieprojekten beteiligen werde. Je nach Art der Finanzierung könnten es nach Aussage von Großmann drei bis fünf neue Projekte werden. In Zusammenhang mit dem Emissionsrechtshandel äußerte sich Großmann außerdem besorgt über die Rentabilität heimischer Kohlekraftwerke. "Es geht im Moment darum, ob uns als Energieerzeugern Emissionsrechte weiterhin teilweise kostenlos zugeteilt werden oder ob wir sie ersteigern müssen. Gedroht haben wir nicht, sondern unsere Sorge geäußert, dass moderne Kohlekraftwerke, die wir für die deutsche Versorgung brauchen, unwirtschaftlich werden und damit aus dem Markt gedrängt werden", erklärte der Vorstandschef. Dabei verwies der Manager auch auf Ungleichheiten im europäischen Wettbewerbsumfeld.
Der Industriegasehersteller Linde AG (
ISIN DE0006483001 /
WKN 648300 ) gab heute bekannt, dass er zwei neue Verträge zur On-site-Gaseversorgung der Unternehmen Ningbo Iron & Steel Co. Ltd. und Hanwha Chemical Corp. (HCC) im ostchinesischen Ningbo abgeschlossen hat. Den Angaben zufolge wird Linde im Zuge der Vereinbarungen in dem aufstrebenden Industriestandort am Jangtze-Delta eine weitere Luftzerlegungsanlage errichten und hierfür rund 17 Mio. Euro investieren.
Der Aufsichtsrat der Deutsche Telekom AG (
ISIN DE0005557508 /
WKN 555750 ) hat Dr. Manfred Balz mit Wirkung zum 22. Oktober zum Vorstand für das neue Ressort Datenschutz, Recht und Compliance bestellt. Dies gab der Konzern am Dienstagabend bekannt. In der vergangenen Woche war das Ressort eingerichtet worden, um besonders die Themen Datenschutz und Datensicherheit auf oberster Managementebene zu verankern. Der 63-jährige Balz war bisher Chefjustitiar der Deutschen Telekom.
Die HOCHTIEF AG (
ISIN DE0006070006 /
WKN 607000 ) hat am Dienstagabend einen Aktienrückkauf beschlossen und die Prognose für 2008 bestätigt. HOCHTIEF erwartet demnach weiterhin einen Auftragseingang und -bestand auf dem hohen Niveau des Vorjahres, einen Konzernumsatz und ein Vorsteuerergebnis über Vorjahr sowie einen Konzerngewinn, der ebenfalls das Ergebnis von 2007 übertrifft. Der Vorstand von HOCHTIEF hat ferner beschlossen, ein Aktienrückkaufprogramm zu beginnen. (22.10.2008/ac/n/m)