Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der
DAX hat sich mit spürbaren Verlusten aus der Sitzung verabschiedet. Bis Handelsende gab der deutsche Leitindex 1,32 Prozent ab auf 6.107,75 Indexpunkte.
Beim MDAX war ein noch deutlicherer Abschlag von 2,08 Prozent auf 7.656,86 Zähler auszumachen.
Die Wall Street lag zum Xetra-Schluss wieder einmal kräftig im Minus. Die US-Regierung und der US-Kongress verhandeln weiter über ein Rettungspaket für die Finanzbranche mit einem Volumen von bis zu 700 Mrd. Dollar. Zwar hat die demokratische Mehrheit im Kongress bereits ihre grundsätzliche Unterstützung signalisiert, sie verlangt aber Zugeständnisse für die Mittelschicht. Über Notwendigkeit und den Umfang des Rettungsprogramms ist man sich indes einig.
An der Indexspitze fanden sich Titel von Volkswagen mit einem satten Zuwachs von 7,6 Prozent. Für die Aktie der Deutschen Börse ging es um 4,4 Prozent nach oben. Anteilsscheine der Münchener Rück, die in Zusammenhang mit der Krise an den internationalen Finanzmärkten massive Preiserhöhungen durchzusetzen plant, schlossen unverändert. Papiere des Indexneulings K+S legten leicht zu.
Titel der Deutschen Bank sackten dagegen um 3,4 Prozent ab. Der Konzern gab am Nachmittag den erfolgreichen Abschluss der am Morgen angekündigten Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Erwerbs einer Minderheitsbeteiligung an der Deutschen Postbank (-1,8 Prozent) bekannt. Bayer (-5,8 Prozent) und Merck (-3,2 Prozent) standen ebenfalls kräftig unter Druck, obwohl beide Pharmakonzerne unabhängig voneinander positive Studiendaten veröffentlicht haben.
Continental verloren 1,8 Prozent. Hier stand ein Pressebericht im Blick, demzufolge der Chef des weltgrößten Reifenherstellers Michelin Interesse an der Reifensparte von Continental bekundet hat. Ferner wurden der Schaeffler Gruppe im Rahmen ihres Übernahmeangebots für Continental deutlich mehr Aktien angedient als ursprünglich geplant.
Im MDAX schossen Titel der Norddeutschen Affinerie um 8,6 Prozent in die Höhe, nachdem der Stahlhersteller Salzgitter (-4,2 Prozent) seine Beteiligung an dem Kupferhersteller weiter erhöht hat. Arcandor schlossen mit 1,2 Prozent im Plus. Der Warenhauskonzern zieht einem Pressebericht zufolge die Abspaltung seines schwächelnden Warenhausgeschäfts in Betracht. Bei HOCHTIEF schlug dagegen ein sattes Minus von 8,7 Prozent zu Buche.
Schlusskurse (17:36 Uhr):
DAX: 6.107,75 (-1,32 Prozent)
MDAX: 7.656,86 (-2,08 Prozent)
Tagesgewinner: Volkswagen, Deutsche Börse, HRE
Tagesverlierer: Bayer, Infineon, BMW
Unternehmensnachrichten:
Die Deutsche Bank AG (
ISIN DE0005140008 /
WKN 514000 ) hat die heute Morgen angekündigte Kapitalerhöhung erfolgreich abgeschlossen. Wie der Konzern erklärte, wurden alle 40 Millionen neuen Aktien im Wege eines so genannten beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens bei institutionellen Anlegern zu jeweils 55 Euro je Anteilsschein platziert. Der Bruttoemissionserlös wurde auf insgesamt 2,2 Mrd. Euro beziffert. Die Kapitalerhöhung dient zur Finanzierung des Erwerbs einer Minderheitsbeteiligung an der Deutsche Postbank AG (
ISIN DE0008001009 /
WKN 800100 ) in Höhe von 29,75 Prozent von der Deutsche Post AG (
ISIN DE0005552004 /
WKN 555200 ) und zur Aufrechterhaltung der starken Eigenkapitalausstattung.
Der Pharmakonzern Merck KGaA (
ISIN DE0006599905 /
WKN 659990 ) hat heute positive Studiendaten in Zusammenhang mit der neuen Formulierung des Medikaments Rebif bei Patienten mit Multipler Sklerose veröffentlicht. Demnach habe die laufende IMPROVE-Studie für Rebif ihren primären Endpunkt erreicht. Das vorrangige Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit der neuen Formulierung von Rebif im Vergleich zu Placebo bei Patienten mit aktiver schubförmig remittierender Multipler Sklerose (MS) anhand kernspintomographischer Untersuchungen (MRT-Scans) nach 16-wöchiger Behandlung zu untersuchen.
Der Pharmakonzern Bayer AG (
ISIN DE0005752000 /
WKN 575200 ) hat am Samstag positive Studiendaten für das Medikament Betaferon bei der Behandlung von Multipler Sklerose bekannt gegeben. Laut der Pressemitteilung des Konzerns senkt eine Behandlung mit Betaferon sofort nach dem ersten Multiple-Sklerose (MS)-Schub das Risiko signifikant, einen zweiten Schub zu erleiden und damit an einer klinisch gesicherten MS zu erkranken, um 37 Prozent.
Der Chef des weltgrößten Reifenherstellers Compagnie Générale d. Etablissements Michelin SCPA (
ISIN FR0000121261 /
WKN 850739 ) hat in einem Interview Interesse an der Reifensparte der Continental AG (
ISIN DE0005439004 /
WKN 543900 ) bekundet. Sollte sich im Zuge der Schaeffler-Übernahme die Gelegenheit zum Kauf bieten, "würden wir sie mit großer Aufmerksamkeit prüfen, auch wenn es kartellrechtliche Probleme geben könnte", sagte Michel Rollier im Gespräch mit der "WirtschaftsWoche".
Der Schaeffler Gruppe wurden im Rahmen ihres Übernahmeangebots für die Continental AG mehr Aktien angedient als ursprünglich geplant. Wie aus einer heute veröffentlichten Pressemitteilung hervorgeht, wurde bis zum Ablauf der Übernahmefrist das Angebot für 138.523.803 Continental-Aktien angenommen, was einem Anteil von ca. 82,41 Prozent der ausstehenden Aktien von Continental entspricht. Inklusive der von der Schaeffler Gruppe gehaltenen Continental-Anteilsscheine hält man nunmehr ca. 90,19 Prozent der Aktien Automobilkonzerns. Schaeffler hatte sich im Rahmen der zuletzt mit Continental getroffenen Vereinbarung darauf verständigt, sein Engagement an dem im DAX30 notierten Automobilzulieferer auf eine Minderheitsbeteiligung (bis zu 49,99 Prozent) zu beschränken.
Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Münchener Rück) (
ISIN DE0008430026 /
WKN 843002 ) plant in Zusammenhang mit der Krise an den internationalen Finanzmärkten massive Preiserhöhungen durchzusetzen. In einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" erklärte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek, dass der Rückversicherer nun großflächig "Preiserhöhungen mit deutlich zweistelligen Prozentsätzen" in den Verhandlungen für 2009 durchsetzen wolle. Dabei habe die Kreditkrise sowie der Beinahe-Zusammenbruch der American International Group Inc. (AIG) (
ISIN US0268741073 /
WKN 859520 ) eine Situation geschaffen, die das gesamte Umfeld für die Branche verändert habe: "Wir haben im Rückversicherungsmarkt eine ähnliche Situation wie nach dem 11. September 2001", erklärte Jeworrek gegenüber der Wirtschaftszeitung.
Die MAN AG (
ISIN DE0005937007 /
WKN 593700 ) geht für das Jahr 2009 trotz schwieriger Rahmenbedingungen von einem weiteren Anstieg beim Auftragseingang im Nutzfahrzeugsegment aus. "Einerseits haben wir die Auswirkungen der Finanzkrise zu verkraften. Andererseits dürfte die Nachfrage im Mittleren Osten oder in Russland weiter steigen. Dazu kommen die jüngsten Preisrückgänge bei Öl oder Stahl. Das hilft sicher. So können wir derzeit davon ausgehen, dass unser Auftragseingang 2009 wieder steigen wird", erklärte MAN-Nutzfahrzeuge-Spartenchef Karl Viktor Schaller in einem Interview mit der Wirtschafszeitung "EURO am Sonntag".
Der Stahlhersteller Salzgitter AG (
ISIN DE0006202005 /
WKN 620200 ) hat seine Beteiligung an der Norddeutsche Affinerie AG (NA) (
ISIN DE0006766504 /
WKN 676650 ) weiter erhöht. Wie aus einer heute veröffentlichten Pressemitteilung hervorgeht, liegt der Stimmrechtsanteil von Salzgitter am führenden europäischen Kupferhersteller nunmehr bei 17,6 Prozent.
Der Warenhauskonzern Arcandor AG (
ISIN DE0006275001 /
WKN 627500 ) zieht einem Pressebericht zufolge die Abspaltung seines schwächelnden Warenhausgeschäfts in Betracht. Vorstandschef Thomas Middelhoff sagte dem Tagesspiegel (Montagausgabe), auch nach dem Scheitern der Gespräche mit der britischen Warenhauskette Debenhams lote er entsprechende Möglichkeiten aus. Spekulationen über eine mögliche Kapitalerhöhung wurden indessen vom Arcandor-Vorstandschef als unzutreffend zurückgewiesen. (22.09.2008/ac/n/m)