EZB Ratssitzung von Griechenland-Thema überlagert


07.03.12 11:04
Meldung
 
Hannover (www.aktiencheck.de) - Im Regelfall werden die Zinsentscheidungen der EZB mit Spannung erwartet, so die Analysten der Nord LB.


Das morgige Treffen werde jedoch diesmal von einer anderen Thematik überlagert, die gleichsam die internen Diskussionen der geldpolitischen Entscheidungsträger beherrschen dürfte. Mit Ablauf des Umtauschangebots der griechischen Regierung an die privaten Investoren sei die weitere Entwicklung maßgeblich von der erreichten Beteiligungsquote abhängig. Da aus Sicht der Analysten die gewünschte Zustimmungsrate von mindestens 90% nur schwerlich erreicht werden dürfte, werde es nach Ablauf der Umtauschfrist zu neuen Konsultationen mit den europäischen Partnern kommen müssen. Dies habe durchaus das Potenzial für zumindest kurzfristige Marktirritationen.

Daher könnte die EZB sich berufen fühlen, proaktiv ihre Handlungsbereitschaft im Falle neuer Verwerfungen an den Märkten zu bekräftigen - wenngleich eine solche Ankündigung auch immer die Gefahr einer selbst erfüllenden Prophezeiung hätte. Die EZB werde auf jeden Fall morgen ihre neuen Projektionen bekannt geben. Gegenüber der letzten Veröffentlichung im Dezember dürfte trotz der jüngsten Entspannungssignale von den Frühindikatoren nochmals die Projektion für die Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts für das laufende Jahr von -0,4% bis +1,0% Y/Y nach unten angepasst werden.

Die HVPI-Projektion für 2012 (bisher 1,5% bis 2,5% Y/Y) dürfte hingegen wegen der hartnäckigeren Inflation am aktuellen Rand leicht aufwärts revidiert werden. Die Adjustierungen würden aber nicht ausreichen, um die Zinsentscheidung nachhaltig zu beeinflussen - zumal Preis- und Konjunkturdaten gegenläufige Signale aussenden würden. Insofern teilen die Analysten der Nord LB die Sicht der übergroßen Mehrheit der 58 von Bloomberg befragten Analysten, wonach keine Leitzinsveränderung zu erwarten ist. Lediglich drei Institute würden mit einer weiteren kleinen Zinssenkung um 25 Basispunkte rechnen.

Auf der anschließenden Pressekonferenz werde sich das Interesse der anwesenden Journalisten aber nicht nur auf Griechenland beschränken. Auch eine Beurteilung des Erfolgs der beiden Dreijahres-Tender dürfte von Mario Draghi eingefordert werden, gerade vor dem Hintergrund der im Nachgang an das letzte langfristige Refinanzierungsgeschäft auf ein Rekordniveau angeschwollenen Einlagefazilität von in der Spitze EUR 827,5 Mrd. Die beiden Dreijahres-Tender mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1 Billion Euro hätten zudem dazu geführt, dass die Hauptrefinanzierungsgeschäfte derzeit praktisch bedeutungslos seien.

In dieser Woche seien von den Banken nur EUR 17,5 Mrd. abgerufen worden - so wenig wie noch nie zuvor in der Geschichte der EZB. Zugleich sei das Volumen aus den LTROs auf ein Rekordniveau von EUR 1,1 Bio. gestiegen. In der Konsequenz dürften die meisten Kreditinstitute im Bereich bis zu drei Jahre inzwischen über ausreichend Liquidität verfügen. Zu dem habe die EZB über die LTROs zu einem Renditerückgang an den Märkten für europäische Staatsanleihen, insbesondere in Italien und Spanien, beigetragen. Dies dürfte auch intendiert gewesen sein, da diese Variante von der Notenbank als weniger kritisch als das Securities Markets Programme (SMP) angesehen werde. Die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2011 habe gezeigt, dass über den europäischen Rettungsschirm (EFSF bzw. ESM) keine hinreichende Marktberuhigung erreicht werden könne.

Hierfür seien vor allem zwei Gründe zu nennen: Zum einen habe die festgelegte Volumenbegrenzung zu Spekulationen gegen die Eurozone geradezu eingeladen. Zum anderen seien mit steigender Ausleihkapazität und effektiv wachsender Belastung die Rückwirkungen auf die garantierenden Eurostaaten immer stärker in den Fokus gerückt. Letztlich habe die EZB also nun doch zur "Bazooka" gegriffen - allerdings nicht brachial über die Ausweitung der Aktivitäten im Rahmen des SMP, sondern unverfänglicher über die LTROs. Letztlich sei es daher nicht auszuschließen, dass entgegen den Beteuerungen der EZB weitere LTROs folgen würden - trotz der jüngsten öffentlichen Kritik des Bundesbank- Chefs Jens Weidmann an der massiven Liquiditätsausweitung.

Die in einem Schreiben an Mario Draghi geäußerte Kritik von Jens Weidmann vor dem Hintergrund der laufenden Debatte im EZB-Rat über die Entwicklung der Targetsalden habe auch die Frankfurter Allgemeine erreicht. Diese - vielleicht sogar bewusste - Indiskretion werde das Gewicht der Argumente nicht gerade erhöhen, habe aber Potenzial, das Image der Notenbank anzukratzen. Insofern scheine sich Weidmann in die nicht gerade glückliche und überaus erfolglose jüngere Tradition der deutschen Mitglieder im EZB-Rat zu stellen. In der Folge dürfte er dem Anliegen der Bundesbank sogar geschadet haben, kurzfristige Änderungen am Targetsystem zu erreichen. Ein strategischer Schachzug sehe jedenfalls anders aus.

Die recht einhelligen Entspannungssignale von Seiten der Stimmungsindikatoren würden weiterhin auf eine Unterfütterung durch die harten Konjunkturindikatoren warten. In Deutschland seien die Auftragseingänge im Berichtsmonat Januar überraschend um 2,7% M/M gefallen, im Vorfeld sei allgemein ein Anstieg erwartet worden. Das Niveau des Vorjahresmonats sei damit um 4,9% unterschritten worden.

Hintergrund des Einbruchs sei ein stark unterdurchschnittliches Volumen an Großaufträgen gewesen, was sich vor allem bei Investitionsgütern (-5,5% M/M) niedergeschlagen habe. Vor allem die Bestellungen aus Ländern außerhalb der Eurozone seien besonders kräftig um 8,6% M/M abgesackt - nach allerdings einem sehr guten Vormonatswert. Die Nachfrage aus der Eurozone halte sich hingegen fast stabil (-0,4% M/M), und die Inlandsorders hätten sogar leicht um 0,9% M/M zugenommen. Derweil halte sich die Inflationsrate hartnäckiger als zuvor erwartet. Insbesondere wegen der Energiepreisentwicklung sei die HVPI-Jahresrate im Februar auf 2,7% Y/Y gestiegen. Das erwünschte Abtauchen unter die wichtige 2%-Marke werde daher noch länger auf sich warten lassen. (07.03.2012/ac/a/m)


 

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