Internationale Aktienmärkte steht eine Seitwärtsbewegung an?


24.02.12 08:01
Meldung
 
Düsseldorf (www.aktiencheck.de) - Über die Karnevalstage konnten die Aktienindices merklich zulegen, so die Analysten der WGZ BANK.


Der griechische Schuldenkompromiss und die Einigung der EU-Finanzminister auf ein Hilfspaket seien kurzfristig das bestimmende Thema gewesen. Allerdings bleibe spannend, ob alle getätigten und beabsichtigten Maßnahmen rechtlich haltbar bzw. umsetzbar seien. Vorbei sei die Krise in diesem Land sicherlich nicht, wie neue Hiobsbotschaften bezüglich weiterer Abwärtsrevisionen für die BIP-Entwicklung, nochmalige Rating-Abstufungen und anhaltende Streiks belegen würden. Wieder einmal habe die Politik anscheinend nur Zeit erkauft, wie schon so oft in den vergangenen Monaten.

Insgesamt hätten sich die Börsen volatil gezeigt und die am Wochenanfang erreichten Kursniveaus infolge von Gewinnmitnahmen nicht behaupten können. Letztendlich hätten DAX (ISIN DE0008469008 / WKN 846900 ) (+0,85%) und EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145 / WKN 965814 ) (+0,75%) im Wochenvergleich leicht höher notiert, auch der S&P 500 (ISIN US78378X1072 / WKN A0AET0 ) habe um 0,40% zulegen können. Beachtenswert sei aktuell die Entwicklung des Ölpreises, der infolge der zunehmenden geopolitischen Risikoprämie (Iran) ein neues Mehrjahreshoch erklommen habe (Brent-Future 123,61 USD/bbl), hier seien nochmalige Preiserhöhungen möglich.

Die europäischen Konjunkturdaten hätten ebenfalls starke Akzente gesetzt. Die Euro-Einkaufsmanagerindices seien im Februar hinter den Prognosen zurückgeblieben, statt einer leichten Verbesserung sei der Index des Dienstleistungssektors mit 49,4 Punkten wieder unter die Expansionsschwelle gerutscht. Beim Index des Verarbeitenden Gewerbes sei es nur marginal auf 49,0 Punkte nach oben gegangen. Auch die bereits veröffentlichten Einkaufsmanagerindices aus Deutschland und Frankreich hätten ein wenig überzeugendes Bild geboten.

Dagegen habe sich der ifo-Index, der wichtigste nationale Geschäftsklimaindex im Euroraum mit einem Indexstand von 109,6 Punkten fest präsentiert, zumal sich sowohl die Lage als auch die Erwartungen hätten verbessern können. Die EU erwarte für 2012 in der Eurozone mittlerweile eine Schrumpfung des BIPs von 0,3% (vorher +0,5) und eine Inflationsrate von 2,1% (vorher 1,7%), zudem werde die Wirtschaftsleistung in Italien (-1,3%) und Spanien (-1,0%) merklich abnehmen.

Von der Unternehmensseite seien überdies schwache Zahlen aus dem Telekommunikationssektor gekommen, die Dividendenkürzung bei France Télécom (ISIN FR0000133308 / WKN 906849 ) und milliardenschwere Abschreibungen (3,34 Mrd. EUR!) in den USA und Südosteuropa bei der Deutschen Telekom (ISIN DE0005557508 / WKN 555750 ) würden die aktuellen Schwierigkeiten in dieser Branche belegen, zudem habe die Ausblicke enttäuscht. Finanzkonzerne wie Allianz (ISIN DE0008404005 / WKN 840400 ) und Commerzbank (ISIN DE0008032004 / WKN 803200 ) hätten ebenfalls nicht überzeugt, hier würden Abschreibungen auf südeuropäische Staatsanleihen tiefe Spuren in der Bilanz hinterlassen, auch wenn sich die Kerngeschäfte solide entwickelt hätten.

Obwohl die Aktienmärkte nun seit Jahresanfang nahezu wöchentlich neue Höhen erklimmen würden, scheine eine gewisse Skepsis nicht unangebracht. Momentan würden der Glaube an Unmögliches, teilweise unausgesprochene Garantiezusagen und die durch EU-Organisationen verabreichten Beruhigungspillen für Gelassenheit beim Anleger sorgen, zudem helfe der freundliche Aktienmarkt. Mögliche Belastungsfaktoren wie geopolitische Risiken, Einfluss der Sparzwänge auf die sich verlangsamende Wirtschaftsentwicklung und der Fortgang der Schuldenkrise würden momentan ignoriert.

Allerdings würden die reichliche Liquidität, eine attraktive Bewertung und wenig rentierliche Anlagealternativen nachdrücklich für ein Aktieninvestment sprechen. Da zudem die Aufwärtsbewegung noch intakt sei, dürften die Indices auch in der nächsten Berichtswoche mindestens behauptet schließen. Beim DAX sei die Marke von 7.000 Punkten vorerst nicht nur eine psychologische Hemmschwelle, dennoch werde früher oder später der Markt konsolidieren und spätestens dann in eine mittelfristige Seitwärtsbewegung übergehen. (24.02.2012/ac/a/m)


 

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