Internationale Kapitalmärkte aktuelle Anlagestrategie


11.05.12 13:02
Meldung
 
Berlin (www.aktiencheck.de) - Die Risikoaversion dominiert wieder die Kapitalmärkte, berichten die Analysten der Weberbank.


Die Zweifel am spanischen Bankensystem und die Ungewissheit über die Zukunft Griechenlands in der Eurozone würden die Investoren in den vermeintlich sicheren Hafen deutscher Staatsanleihen treiben und dadurch zu neuen Renditetiefs führen. Obwohl der Emittent Deutschland aufgrund seiner Verpflichtungen in Milliardenhöhe aus der europäischen Schuldenkrise in den letzten Jahrzehnten noch nie risikoreicher als aktuell gewesen sei, würden die Anleger weiterhin nach Deutschland flüchten. Es fehle ganz einfach an alternativen Anlagemöglichkeiten für den europäischen Investor, der nach Sicherheit strebe. Dabei habe es besonders in der aktuellen Woche nicht an positiven Nachrichten gefehlt.

Die Bilanzsaisons sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten würden weiterhin sehr positiv verlaufen. Von der deutschen Konjunktur sei gleich eine Vielzahl erfreulicher Meldungen gekommen. So sei die Industrieproduktion im März deutlich stärker gestiegen als erwartet, die Exporte hätten kräftig angezogen, und die überraschend starken Auftragseingänge würden positiv in die Zukunft blicken lassen. Somit würden die Analysten an ihrer positiven Meinung zur deutschen Konjunkturentwicklung festhalten und mit dem zweiten Quartal eine Steigerung der Wirtschaftskraft erwarten.

Selbst außerhalb Deutschlands hätten recht erträgliche Zahlen vom Verarbeitenden Gewerbe aus Frankreich sowie aus der Industrieproduktion in Italien berichtet werden können. Trotz allem würden sich die Investoren auf die Brandherde in der Eurozone fokussieren. So erhöhe sich von Tag zu Tag die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone.

Die bisherigen Regierungsparteien hätten sich bei den Wahlen vom letzten Wochenende keine ausreichende Mehrheit sichern können, und somit würden insbesondere Gegner der harten Sparmaßnahmen in den Mittelpunkt der griechischen Politik rücken. Nachdem ein hochrangiges Direktoriumsmitglied der EZB in dieser Woche betont habe, dass es zum Sparprogramm in Griechenland keine Alternative gäbe, hätten sich selbst Politiker aus den Regierungsparteien in Deutschland offen für einen möglichen Austritt Griechenlands gezeigt.

Am Kapitalmarkt werde aktuell nicht mehr das "ob" eines Austritts diskutiert sondern vielmehr das "wie". Unter diesen Vorraussetzungen würden die Analysten die kommenden Wochen weiterhin im Krisenmodus sehen und am Rentenmarkt anhaltend hohe Nachfrage für deutsche Staatspapiere erwarten. Ihre Empfehlung, sich hingegen auf Unternehmensanleihen aus Kerneuropa zu konzentrieren, würden sie weiterhin aufrecht halten, insbesondere im Hinblick auf den positiven Verlauf der Berichtssaison und des attraktiven Renditeaufschlags gegenüber deutschen Staatsanleihen.

Auch der europäische Aktienmarkt habe sich unbeeindruckt von den überraschend starken Unternehmenszahlen gezeigt. So hätten die Analystenmeinungen hinsichtlich Umsatz- als auch Gewinnerwartungen übertroffen werden können. Zusätzlich würden die Unternehmenslenker weitaus positiver in die Zukunft blicken als noch in vergangenen Quartalen. Doch die Nachrichtenlage aus der europäischen Peripherie habe die positiven Quartalsergebnisse überwogen, und so habe der deutsche Leitindex DAX (ISIN DE0008469008 / WKN 846900 ) in dieser Woche mit kritischen Chartmarken gekämpft. Insbesondere ein Unterschreiten des Aufwärtstrends aus dem Vorjahr würde das mittelfristige Bild eintrüben.

Abgesehen von der Charttechnik sei die Bewertung des deutschen Aktienmarktes weiterhin günstig einzuschätzen. Die exportorientierten deutschen Unternehmen würden weiterhin von der dynamischen Wirtschaftsentwicklung in den Wachstumsländern profitieren. Selbst der starke Wirtschaftseinbruch in Griechenland schade den deutschen Unternehmen so gut wie nicht, da Griechenland nur 0,48% der deutschen Exporte abnehme.

Der amerikanische Aktienmarkt habe ebenso wie Europa in den letzten Tagen Verluste hinnehmen müssen, sehe jedoch charttechnisch deutlich robuster aus. Trotz der Schuldenproblematik auf beiden Seiten des Atlantiks könnten sich die USA aktuell im Schatten der negativen Nachrichtenlage aus Europa relativ stabil entwickeln. Dazu habe mit Sicherheit auch die starke US-Bilanzsaison beigetragen. Die Analysten würden bei anhaltender Risikoaversion aufgrund der Eurokrise erwarten, dass sich die USA weiterhin deutlich positiv gegenüber dem europäischen Aktienmarkt abgrenzen könne.

Am Rohstoffmarkt halte der Rückgang des Ölpreises weiterhin an, da die Risikoprämie im Zuge der Spannungen im Iran-Konflikt nun sukzessive zurückgenommen würden und die Ölversorgung aktuell auskömmlich sei. Auch der Goldpreis sei zuletzt unter Druck geraten und bewege sich auf Sicht der letzten Monate weiterhin seitwärts. Die hohe Liquidität am Kapitalmarkt sowie die anhaltenden Sorgen in der Eurozone sollten den Goldpreis weiterhin unterstützen.

Auch der Euro habe sich der Nachrichtenlage zur Schuldenkrise nicht erwehren können und deutliche Kursabschläge verkraften müssen. Mit anhaltender Ungewissheit um die zukünftige politische Entwicklung in der Eurozone würden die Analysten weiterhin den Euro unter Druck sehen, insbesondere gegenüber dem US-Dollar. (11.05.2012/ac/a/m)


 

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