Ist das zweite Rettungspaket für Griechenland der Wendepunkt?


23.02.12 10:01
Meldung
 
Hamburg (www.aktiencheck.de) - Man kann eigentlich nur reserviert auf die Verabschiedung des zweiten Rettungspakets für Griechenland reagieren, so die Analysten der HSH Nordbank AG.


Die eklatanten Zielverfehlungen, die die Troika seit dem ersten Rettungspaket habe beobachten müssen, würden keinerlei Euphorie über die Beschlüsse vom 21. Februar zulassen. Die gleich im Anschluss an die Veröffentlichung des Abkommens erfolgte Bekanntgabe, dass Hellas das vereinbarte Budgetdefizit nicht werde einhalten können, habe auch durchaus für Ernüchterung gesorgt. Und dennoch würden die Analysten in den Beschlüssen ganz wesentliche Fortschritte auf dem Weg zu einer Stabilisierung der Eurozone sehen.

Erstens zeige die Fähigkeit, diese Vereinbarung zu treffen, dass die Entschlossenheit und der Wille zur Einheit der Eurozone größer sei als man dies gemeinhin noch habe annehmen können. Zwar würden noch einige nationale Parlamente dem Paket zustimmen müssen. Hier deute sich zum jetzigen Zeitpunkt aber kein Sperrfeuer an.

Zweitens sei mit der Vereinbarung endlich die Umschuldung der von privaten Anlegern gehaltenen Griechenland-Anleihen auf den Weg gebracht worden, ohne dass hier mit größeren Verwerfungen gerechnet werden müsse. Einige Marktbeobachter seien der Meinung, dass sich durch die Ankündigung eines Schuldenschnitts Mitte letzten Jahres die Krise verschärft hätte. Diese Ansicht blende aber vollkommen aus, dass es der Öffentlichkeit schlichtweg nicht hätte vermittelt werden können, weitere Milliarden an Griechenland zu gewähren, ohne den privaten Sektor signifikant an Verlusten zu beteiligen.

Und drittens werde durch die Beschlüsse auf die positive Marktdynamik der letzten Wochen aufgesetzt, die durch das langfristige Tendergeschäft der EZB im Dezember letzten Jahres in Gang gebracht worden sei (am 29.02. folge das zweite Dreijahresgeschäft der EZB). Die Bewertungen für italienische und spanische Anleihen seien seit den Beschlüssen weiter gestiegen. So wie sich negative Marktdynamiken verstärken und in eine länger anhaltende Abwärtsbewegung münden könnten, könne dies mit umgekehrten Vorzeichen auch bei positiven Marktdynamiken der Fall sein. Das gelte vor allem dann, wenn die Entwicklung noch durch fundamentale Veränderungen wie etwa den Schuldenschnitt, der radikalen Arbeitsmarktreform in Spanien und wichtigen Strukturreformen in anderen Ländern der Eurozone unterstützt werde. (23.02.2012/ac/a/m)


 
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