Oracle schaltet beim Thema Wachstum gleich mehrere Gänge hoch. Mit dem jetzt offiziell bestätigten Einstieg bei TikTok U.S. und großen Aufträgen aus dem KI-Umfeld stärkt der Softwarekonzern seine Cloud-Story deutlich. Entscheidend ist weniger die Beteiligung selbst als die Aussicht auf langfristig planbare Infrastrukturumsätze.
TikTok U.S.: Einstieg mit Signalwirkung
Nach monatelangen Spekulationen ist der Deal nun offiziell: TikTok-CEO Shou Chew hat in einem internen Memo die neue Struktur für das US-Geschäft bestätigt – inklusive Oracle als Kernpartner.
Die Eckpunkte:
- Oracle hält rund 15 % an TikTok U.S.
- Silver Lake und MGX übernehmen ebenfalls jeweils etwa 15 %
- Insgesamt liegt der nicht-chinesische Anteil bei 80 %
- ByteDance behält 19,9 % als passive Beteiligung ohne Stimmrechte
- Die neue TikTok-USA-Einheit wird mit rund 14 Mrd. US-Dollar bewertet
Für Oracle entspricht der Anteil einem Wert von etwa 2,1 Mrd. US-Dollar – eine Summe, die vollständig aus der Kasse gestemmt werden kann. Der Konzern verfügt über knapp 19,8 Mrd. US-Dollar an liquiden Mitteln und Wertpapieren.
Wichtiger als die Beteiligung: Oracle wird als „Trusted Technology Partner“ exklusiver Cloud- und Infrastruktur-Dienstleister für TikTok U.S. Damit sind direkte Wettbewerber wie AWS und Google Cloud bei diesem Volumenkunden außen vor. Aus Marktsicht sichert sich Oracle damit milliardenschwere, über Jahre laufende Infrastrukturumsätze und enorme Datenmengen für das eigene Rechenzentrumsnetz.
Cloud-Geschäft mit gewaltigem Auftragsbestand
Der TikTok-Deal trifft auf ein ohnehin stark gefülltes Auftragsbuch. Oracle weist derzeit verbleibende Leistungsverpflichtungen (RPO) von rund 523 Mrd. US-Dollar aus – ein Plus von 438 % im Jahresvergleich. Dieser außergewöhnliche Anstieg geht vor allem auf neue Langfristverträge mit Meta Platforms und Nvidia zurück.
Diese RPO-Zahl steht für bereits vertraglich zugesicherte, aber noch nicht realisierte Umsätze über mehrere Jahre. Sie bietet damit eine ungewöhnlich hohe Planungssicherheit für das künftige Wachstum.
Operativ wächst die Cloud-Sparte spürbar: Oracle Cloud Infrastructure legt im Jahresvergleich um rund 34 % zu. Im zweiten Quartal des Fiskaljahres 2026 erzielte der Konzern 16 Mrd. US-Dollar Umsatz, ein Plus von 14 %. Das Zusammenspiel aus bestehenden Großkunden, neuen KI-Deals und der TikTok-Vereinbarung unterfüttert die Wachstumsstory im Infrastrukturgeschäft.
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Analysten uneins trotz Wachstum
Trotz der starken Auftragslage ist die Meinung der Wall Street zur Aktie gespalten. Guggenheim sieht in Oracle weiterhin eine „Best Idea“ im Softwaresektor und bestätigt ein Kursziel von 400 US-Dollar, verweist aber zugleich auf den hohen Mittelabfluss. Goldman Sachs ist mit einem neuen Buy-Rating und einem Kursziel von 240 US-Dollar eingestiegen und betont die Rückenwind-Effekte durch KI-Adoption.
Auf der anderen Seite steht mehr Skepsis: Morgan Stanley hat sein Kursziel um 30 % gekappt und verweist auf Risiken rund um die GPU-Beschaffung und -Auslastung. UBS senkte das Ziel von 325 auf 280 US-Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest und nimmt damit auch die bereits deutliche Kurskorrektur seit den Höchstständen Mitte September in den Blick.
Hohe Investitionen drücken auf den Kurs
Belastungsfaktor bleibt der enorme Investitionsbedarf. Im Dezember kündigte Oracle an, die Investitionsausgaben (Capex) für das Fiskaljahr 2026 um 15 Mrd. US-Dollar über die im September genannten Pläne hinaus anzuheben. Hintergrund sind vor allem KI-Rechenzentren und GPU-Kapazitäten.
Allein im ersten Halbjahr des laufenden Fiskaljahres verbrannte Oracle rund 10 Mrd. US-Dollar an Barmitteln – ebenfalls primär für KI-Infrastruktur. Das sorgt bei Teilen des Marktes für Unruhe, auch wenn diese Ausgaben klar mit langfristigen Verträgen hinterlegt sind.
Bewertungsseitig hat sich die Aktie etwas abgekühlt: Das vorausschauende KGV liegt bei etwa 26, nach Werten in den niedrigen 30ern zu Jahresbeginn. Mit einem Kurs von 165,90 Euro liegt die Aktie spürbar unter den gleitenden Durchschnitten von 100 und 200 Tagen, was den jüngsten Rücksetzer von rund 15 % auf 30-Tage-Sicht widerspiegelt.
Stargate und KI-Infrastruktur als zweiter Pfeiler
Parallel zur TikTok-Partnerschaft baut Oracle im Hintergrund an einem der größten KI-Infrastrukturprojekte weltweit: dem „Stargate“-Programm zusammen mit OpenAI und SoftBank. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 500 Mrd. US-Dollar.
Herzstück ist der Standort Abilene in Texas. Dort sollen künftig mehr als 450.000 Nvidia-GPUs des Typs GB200 laufen; über 96.000 davon waren bereits Ende 2025 installiert. Oracle positioniert sich damit als zentrale Infrastruktur-Schicht für die nächste Generation von KI-Anwendungen.
Der TikTok-Deal fügt sich strategisch nahtlos ein: Neben dem Kapitalanteil erhält Oracle garantierte Daten- und Rechenvolumina für seine Rechenzentren, während Stargate die Rolle im High-End-KI-Segment absichert. Für die kommenden Jahre hängt viel davon ab, ob die massiv ausgebauten Kapazitäten durch Kunden wie TikTok, Meta, Nvidia und OpenAI dauerhaft hoch ausgelastet bleiben.
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