Handelszölle, Motorsport-Prestige und ein milliardenschweres Rückkaufprogramm: Bei Mercedes-Benz prallen derzeit sehr unterschiedliche Impulse aufeinander. Auf der einen Seite drohen neue US-Zölle, die das margenstarke US-Geschäft unter Druck setzen könnten. Auf der anderen Seite setzt der Konzern mit einer großen Microsoft-Partnerschaft in der Formel 1 und einem laufenden Aktienrückkauf klare Signale. Wie spiegelt sich dieser Mix im aktuellen Kursbild wider?
US-Zölle als Belastungsfaktor
Am 19. Januar kündigte US-Präsident Donald Trump neue Importzölle von 10 Prozent auf Waren aus acht europäischen Ländern an, darunter Deutschland. Die Abgaben sollen ab 1. Februar greifen und bis Juni schrittweise auf 25 Prozent steigen. Die Aktie reagierte prompt und verlor zeitweise mehr als 3 Prozent.
Brisant ist vor allem die Struktur des US-Geschäfts: Die Produktion im Werk Tuscaloosa (Alabama) – unter anderem für GLE, GLS, EQE SUV und EQS SUV – deckt lediglich rund 35 Prozent des Absatzes in den USA ab. Der Rest wird importiert und wäre damit direkt von den zusätzlichen Zöllen betroffen. Hinzu kommt, dass bereits bestehende 15-Prozent-Zölle auf EU-Fahrzeugimporte wirken und sich mit den neuen Maßnahmen kumulieren könnten.
Zur Dimension der möglichen Belastung liefert Volkswagen einen Anhaltspunkt: Der Konkurrent bezifferte die Zollkosten für 2025 auf bis zu 5 Milliarden Euro. Auch wenn diese Zahl nicht direkt auf Mercedes-Benz übertragbar ist, macht sie deutlich, welches Risiko für die gesamte europäische Autoindustrie im Raum steht.
Microsoft-Deal in der Formel 1
Einen deutlich positiveren Akzent setzt die Motorsport-Sparte. Am 22. Januar meldete das Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team eine mehrjährige Partnerschaft mit Microsoft. Laut Sky News soll der Vertrag rund 60 Millionen US-Dollar pro Jahr bringen – einer der größten Einzelsponsoring-Deals in der Formel 1.
Kernpunkte der Kooperation:
- Einsatz von Microsoft Azure und KI-Technologien für Echtzeit-Datenanalyse
- Verarbeitung von Daten aus über 400 Sensoren pro Rennwagen mit rund 1,1 Millionen Datenpunkten pro Sekunde
- Nutzung von Azure Kubernetes Services für skalierbare Rechenkapazität
- Ausbau der Microsoft-365-Nutzung im gesamten Team
Das Microsoft-Logo erscheint prominent auf der Airbox des neuen W17-Boliden, der am 22. Januar in Silverstone präsentiert wurde. Für den Konzern ist das mehr als nur Marketing: Die datengetriebenen Ansätze aus der Formel 1 lassen sich oft auf Serienentwicklung und Effizienzprojekte übertragen – ein technologischer Hebel, der in der aktuellen Transformation der Branche an Bedeutung gewinnt.
Aktienrückkauf stabilisiert den Kurs
Parallel dazu läuft seit November 2025 ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm. Bis zum 16. Januar 2026 wurden insgesamt 7.116.122 Aktien erworben. In der Woche vom 12. bis 16. Januar kaufte der Konzern 708.121 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von rund 59,50 Euro zurück.
Das Gesamtvolumen des Programms beträgt bis zu 2 Milliarden Euro und ist bis November 2026 angelegt. Rückkäufe dieser Größenordnung reduzieren das frei handelbare Angebot an Aktien und wirken meist kursstützend – gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit wie jetzt mit Blick auf die US-Zölle.
Im Marktbild zeigt sich dennoch zuletzt Druck: Am Freitag schloss die Aktie bei 58,30 Euro, rund 16,7 Prozent unter dem Niveau vor 30 Tagen. Gleichzeitig liegt der Kurs aber noch klar über dem 52-Wochen-Tief von 47,05 Euro, während der 52-Wochen-Höchststand von 70,10 Euro gut 17 Prozent entfernt ist. Der 14-Tage-RSI von 36,3 signalisiert eine zunehmend überverkaufte, aber noch nicht extrem ausgereizte Situation.
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Absatz 2025: Rückgang mit Lichtblicken
Die am 12. Januar veröffentlichten Absatzzahlen für das Jahr 2025 zeichnen ein gemischtes Bild. Insgesamt verkaufte der Konzern 2,16 Millionen Pkw und Vans, rund 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Gründe werden im bereitgestellten Text nicht detailliert genannt, klar ist aber: Das Wachstumstempo hat sich spürbar abgeschwächt.
Innerhalb des Portfolios gab es allerdings deutliche positive Akzente:
- Mercedes-AMG steigerte die Auslieferungen um 7 Prozent
- Die G-Klasse erzielte Rekordabsätze
- Das vierte Quartal 2025 war mit 558.400 Einheiten das stärkste Quartal des Jahres (+6 Prozent gegenüber Q3)
- In den USA stiegen die Einzelhandelsverkäufe leicht um 1 Prozent auf 303.200 Einheiten
Zusätzlichen Rückenwind für das Markenimage liefert der neue elektrische CLA. Das Modell wurde von der „European Car of the Year“-Jury, bestehend aus 59 Journalisten aus 23 Ländern, zum „Car of the Year 2026“ gekürt und setzte sich mit 320 Punkten deutlich gegen Wettbewerber durch. In einem Umfeld politischer Unsicherheiten sind solche Produkterfolge ein wichtiger Baustein für die langfristige Positionierung im E-Auto-Markt.
Bewertung und Marktbild
Auf Basis der bereitgestellten Daten wird die Aktie aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 9 gehandelt. Die Dividendenrendite liegt bei rund 7,3 Prozent. Damit gehört der Titel weiterhin zu den klassisch günstig bewerteten Zyklikern im DAX-Umfeld.
Das durchschnittliche Analystenkursziel beläuft sich auf 63,49 Euro, mit einer breiten Spanne von 43 bis 79 Euro. Konkrete Beispiele:
- HSBC: Einstufung „Buy“, Kursziel 74 Euro
- Bernstein SocGen: „Market Perform“, Kursziel 66 Euro
Die Marktkapitalisierung beträgt rund 60 Milliarden Euro. Größter institutioneller Ankerinvestor im Hintergrund ist unter anderem BlackRock mit einer Stimmrechtsposition von 6,17 Prozent.
Charttechnisch notiert der Titel derzeit knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 60,38 Euro und zugleich oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts von 54,86 Euro. Das deutet auf eine Korrektur innerhalb eines übergeordnet intakten Aufwärtstrends der vergangenen zwölf Monate hin, in denen die Aktie per saldo um gut 4 Prozent zugelegt hat.
Fazit: Zwischen Risiko und Rückhalt
Unterm Strich steht die Mercedes-Benz Aktie im Spannungsfeld aus politischem Risiko und unternehmensspezifischen Stützfaktoren. Die drohenden US-Zölle sind klar negativ und könnten das ertragsstarke US-Geschäft deutlich belasten, zumal ein großer Teil der Fahrzeuge weiterhin importiert wird. Dem gegenüber stehen ein großes Rückkaufprogramm, ein prestigeträchtiger Technologieschub über die Microsoft-Partnerschaft in der Formel 1 und einzelne operative Lichtblicke wie AMG-Wachstum und der prämierte Elektro-CLA.
Kurzfristig dominieren die politischen Unsicherheiten das Sentiment und haben den Kurs spürbar von den Höchstständen entfernt. Sollte die Zollfrage nicht weiter eskalieren und der Konzern seine Premium- und Performance-Segmente weiter stärken, könnte die derzeit gedrückte Bewertung im Zusammenspiel mit der hohen Ausschüttungspolitik zu einem wichtigen Treiber für die nächste Phase der Kursentwicklung werden.
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