Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte

Die Sperrung der Straße von Hormus treibt Ölpreise über 100 Dollar, verschiebt Zinssenkungen und belastet Wachstumsprognosen. Märkte fokussieren sich auf Inflationsrisiken.

Felix Baarz ·
Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte

Kurz zusammengefasst

  • Ölpreise steigen durch Blockade von Hormus
  • Zinssenkungen in USA massiv verschoben
  • Dollar gewinnt als sicherer Hafen
  • Diplomatische Lösung bleibt ungewiss

Der Iran-Krieg hat die globale Wirtschaftsordnung in wenigen Wochen tiefgreifender verändert als die meisten Krisen der vergangenen Jahrzehnte. Ölpreise jenseits der 100-Dollar-Marke, eine faktisch gesperrte Meerenge, Zinssenkungshoffnungen auf Eis — und mittendrin ein Wettlauf der Diplomatie gegen die Uhr.

Hormuz-Krise: Wenn eine Meerenge die Welt in Atem hält

Die Straße von Hormus ist schmal, strategisch aber enorm bedeutsam. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs fließt durch diesen Engpass — oder floss, bis der Iran ihn nach Kriegsausbruch Ende Februar effektiv sperrte. Seitdem haben die Energiepreise ein neues Niveau gefunden, das die Weltwirtschaft unter Druck setzt.

US-Präsident Donald Trump erhöhte den Druck in den vergangenen Tagen dramatisch. Via Social Media drohte er Iran, bis Dienstagabend um 20 Uhr Ortszeit Kraftwerke und Brücken zu zerstören, sollte die Meerenge nicht wiedereröffnet werden. Parallel dazu meldeten Medien einen Vermittlungsvorschlag, zusammengestellt von Pakistan, Ägypten und der Türkei: zunächst sofortige Waffenruhe, dann Verhandlungen über ein umfassendes Abkommen — bekannt als „Islamabad Accord“. Pakistans Armeechef Asim Munir soll die ganze Nacht im Kontakt mit US-Vizepresident JD Vance, Sondergesandten Steve Witkoff und dem iranischen Außenminister gestanden haben.

Der Haken: Iran hat bisher nicht zugesagt. „Iran has not responded yet“, zitierte Reuters einen mit den Gesprächen vertrauten Insider.

Inflation, Zinsen, Wachstum: Die Kettenreaktion

Für die Märkte ist der Konflikt längst kein geopolitisches Randthema mehr — er ist das zentrale Makro-Ereignis des Jahres. JPMorgan-Chef Jamie Dimon brachte es in seinem jährlichen Aktionärsbrief auf den Punkt: Öl- und Rohstoffpreisschocks könnten die Inflation hartnäckig hoch halten und Zinsen treiben, „die über dem liegen, was die Märkte derzeit erwarten.“

Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was Händler bereits eingepreist haben. Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve sind inzwischen bis weit ins zweite Halbjahr 2027 verschoben worden — zu Jahresbeginn rechnete man noch mit zwei Senkungen im laufenden Jahr 2026. Der S&P 500 beendete das erste Quartal mit dem schwächsten Quartal seit 2022.

Auch Indien spürt den Druck massiv. Die Rupie fiel auf ein Rekordtief von über 95 je US-Dollar. Die Rendite zehnjähriger indischer Staatsanleihen kletterte auf rund 7,14 Prozent, den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Die Reserve Bank of India dürfte bei ihrer Sitzung am Mittwoch den Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent belassen — nicht aus Stärke, sondern weil weder Senkungen noch Erhöhungen gerade passt. HSBC-Chefökonom Pranjul Bhandari warnt: Bei Ölpreisen von 100 Dollar könnte Indiens Wachstum von erwarteten 7 Prozent auf 6 Prozent fallen, die Inflation gleichzeitig auf rund 5 Prozent steigen.

Saxo-Investmentstrategin Charu Chanana fasst die Marktstimmung präzise zusammen: „Investoren behandeln dies als Öl-zu-Inflation-zu-Zinsen-Problem, weshalb der Dollar vorerst der klarste sichere Hafen bleibt.“

Der Dollar bleibt König — vorerst

Im Devisenmarkt zeigen sich die Verwerfungen deutlich. Der Euro verlor leicht auf 1,151 Dollar, der Yen schwächte sich auf 159,77 je Dollar ab — nahe einem 21-Monats-Tief. Dass Gold, Anleihen und Yen als klassische Fluchtwährungen bei diesem Geopolitik-Schock weniger gefragt sind als der Dollar, ist ungewöhnlich. Es spricht dafür, dass Investoren diese Krise primär als Inflationsschock interpretieren — und Dollar-Positionen als Absicherung gegen steigende US-Zinsen sehen.

Japan reagiert nervös. Finanzminister Satsuki Katayama warnte Händler explizit vor spekulativen Yen-Positionen. Spekulanten haben ihre Yen-Short-Positionen dennoch auf 5,7 Milliarden Dollar ausgebaut — der höchste Stand seit der japanischen Marktintervention im Juli 2024.

NATO unter Druck: Wenn Verbündete nicht mitziehen

Der Krieg hat nicht nur Märkte verändert — er stellt auch das westliche Bündnissystem auf eine harte Probe. Spanien und Italien verweigerten US-Bombern und Transportjets den Zugang zu mediterranen Stützpunkten, darunter Sigonella auf Sizilien und Rota in Spanien. Europäische Regierungen bezeichnen die Iran-Operation als „unilaterales Abenteuer“ außerhalb des Völkerrechts.

Trump soll intern „Ekel“ über die Zurückhaltung seiner Verbündeten geäußert haben, so das Wall Street Journal. Er hält den NATO-Schutz für Europa offenbar nicht mehr für selbstverständlich: „We would always have been there for them. They weren’t there for us.“ Analysten warnen, dass allein schon die öffentliche Infragestellung der NATO-Beistandspflicht die Abschreckungswirkung des Bündnisses aushöhlt — unabhängig davon, was juristisch gilt.

JPMorgan stellt sich auf: Eine Billion Dollar für Amerika

Inmitten dieser Unsicherheiten verkündet JPMorgan-Chef Dimon Investitionspläne im Billion-Dollar-Maßstab. Mehr als eine Billion Dollar will die Bank im Rahmen ihrer „Security and Resiliency Initiative“ in wirtschaftssichernde Industrien lenken. Amerika müsse „stärker werden“, um militärische und wirtschaftliche Dominanz zu erhalten, schrieb Dimon in seinem 48-seitigen Aktionärsbrief.

Zum privaten Kreditmarkt, der auf 1,8 Billionen Dollar angewachsen ist, zeigt sich Dimon besorgt — wenn auch nicht alarmiert. Systemisches Risiko sieht er dort „wahrscheinlich nicht“. Aber mangelnde Transparenz bei Bewertungen könnte Anleger bei einer Verschlechterung zum schnellen Verkauf bewegen. Die Fondgesellschaft Blue Owl begrenzte bereits Auszahlungen aus zwei Fonds nach Rekordabflüssen im ersten Quartal.

Was bleibt, ist eine Gemengelage, die kaum Spielraum für Optimismus lässt: ein ungelöster Krieg, ein zermürbter Diplomatiekanal, gespaltene Verbündete und Notenbanken weltweit, die zwischen Wachstumssorgen und Inflationsdruck eingeklemmt sind. Ob der „Islamabad Accord“ noch in dieser Woche greift — oder Trump seine Drohungen wahr macht — dürfte die Märkte noch Tage, wenn nicht Wochen beherrschen.

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