Adidas gerät zum Jahresauftakt zwischen die Fronten: Ein seltenes Doppel-Abstufungsszenario bei der Bank of America trifft auf ein deutlich erhöhtes Kursziel von Bernstein Research. Im Kern geht es um die Frage, ob der jahrzehntelange Sneaker-Boom seinen Höhepunkt überschritten hat – und was das für die mittelfristigen Wachstumsaussichten bedeutet.
Analysten-Duell mit ungewöhnlicher Spannweite
Die Bank of America (BofA) hat Adidas am Mittwoch gleich um zwei Stufen von „Buy“ auf „Underperform“ herabgestuft und das Kursziel von 213 auf 160 Euro gesenkt. Begründung: Der Trend zur „Casualization“, also der Siegeszug von Sneakern im Schuhmarkt, sei weitgehend ausgereizt. Über rund 20 Jahre sei der Sneaker-Anteil am gesamten Schuhgeschäft von etwa 20 auf 50 Prozent gestiegen – für die Analysten ein Signal, dass hier kaum noch struktureller Rückenwind zu erwarten ist.
Aus Sicht der BofA könnte das:
- das organische Umsatzwachstum von Adidas auf einen einstelligen Prozentbereich begrenzen
- die Abhängigkeit von Modetrends stärker hervorheben
- die Bewertung anfälliger machen, falls Wachstumsfantasien nachlassen
Zusätzlich verweisen die Experten auf die historische Gegenläufigkeit der Umsätze von Adidas und Nike. Eine mögliche Erholung des US-Konkurrenten könnte die Dynamik bei Adidas bremsen. Verstärkter Wettbewerb durch Marken wie On und Asics verschärft aus ihrer Sicht den Druck weiter.
Ganz anders Bernstein Research: Die Analysten bestätigten ihr „Outperform“-Votum und hoben ihr Kursziel von 235 auf 270 Euro an. Zwischen dem neuen Bernstein-Ziel und der BofA-Marke von 160 Euro liegt damit eine Differenz von 110 Euro – eine für einen DAX-Titel ungewöhnlich große Spanne, die die Unsicherheit über den weiteren Kursverlauf deutlich macht.
Im Handel hat sich der Kurs zuletzt um die Marke von 160 Euro eingependelt. Der aktuelle Stand von 160,30 Euro liegt rund 39 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 261 Euro, aber noch knapp über dem jüngsten 52-Wochen-Tief bei 149,70 Euro.
Schwache Bilanz 2025 und hoher Anspruch an das Wachstum
Die gegensätzlichen Analystenstimmen treffen auf einen Titel, der bereits ein schwieriges Jahr hinter sich hat. 2025 gehörte Adidas mit einem Kursverlust von rund 30 Prozent zu den schwächsten Werten im DAX. Themen wie das abgewickelte Yeezy-Geschäft und zuvor hohe Lagerbestände hatten das Vertrauen vieler Anleger belastet, auch wenn CEO Bjørn Gulden mit Retro-Klassikern wie Samba und Gazelle wieder für mehr Aufmerksamkeit bei Konsumenten sorgte.
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Gerade hier setzt die Kritik der BofA an: Wenn der Freizeit-Sneaker-Boom an Dynamik verliert, steht ein wesentlicher Pfeiler der aktuellen Wachstumsstory zur Disposition. Auf Basis der Schätzungen für 2025 ergibt sich bei einem Kursniveau um 160 Euro ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 22. Im historischen Vergleich wirkt das zwar nicht überzogen, bietet aber aus Sicht skeptischer Beobachter wenig Puffer, falls sich das Wachstum abkühlt oder Margen unter Druck geraten.
Zur Orientierung ein komprimierter Überblick:
- Kursverlauf 12 Monate: ca. -35 %
- Abstand zum 52-Wochen-Hoch: rund -39 %
- Abstand zum 52-Wochen-Tief: gut +7 %
- KGV 2025e bei ca. 160 Euro: etwa 22
- 30-Tage-Volatilität (annualisiert): über 70 %
Die hohe Schwankungsbreite unterstreicht, wie sensibel der Markt derzeit auf neue Informationen reagiert.
Charttechnik und Termine im Blick
Charttechnisch bleibt das Bild angespannt. Die Aktie notiert deutlich unter der 200-Tage-Linie, die derzeit bei rund 185 Euro verläuft. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 163,55 Euro liegt über dem aktuellen Kurs, was den bestehenden Abwärtstrend bestätigt. Der 14-Tage-RSI von 41 signalisiert dabei weder eine klare Überkauft- noch eine ausgeprägte Überverkauft-Situation.
Kurzfristig gilt der Bereich um 158 bis 160 Euro als zentrale Unterstützungszone. Ein Bruch dieser Spanne könnte den Weg in Richtung der Tiefststände des Jahres 2025 öffnen, während eine Stabilisierung darüber Raum für eine technische Erholung schaffen würde.
Wesentliche Impulse werden nun von den nächsten Quartalszahlen erwartet, die für den 4. März 2026 angekündigt sind. Dann dürfte sich zeigen, ob Adidas das vom Bernstein-Lager unterstellte stärkere Wachstum untermauern kann oder ob sich eher die vorsichtige Sicht der BofA durchsetzt. Bis dahin bleibt der Titel zwischen klar definierten charttechnischen Marken und stark auseinanderliegenden Analysten-Erwartungen gefangen.
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