Volkswagen Aktie: 50.000 Stellen bis Ende Jahrzehnt
VW-Chef Blume steht vor unruhiger Betriebsversammlung in Zwickau. Konzern plant massiven Stellenabbau und kämpft mit schwachen Halbjahreszahlen.

Kurz zusammengefasst
- Betriebsversammlung in Zwickau erwartet
- Konzern plant 50.000 Stellenstreichungen
- Operatives Ergebnis sinkt um 11,6 Prozent
- Analysten senken Kursziel für VW-Aktie
Volkswagen-Chef Oliver Blume steht eine turbulente Woche bevor. Im sächsischen Zwickau wird er in der kommenden Woche zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung erwartet, während die Belegschaft Aufklärung über Berichte zu Werksschließungen und den Abbau von über 1.000 Stellen bis zum Jahr 2027 fordert. Der Betriebsrat drängt dabei auf eine verbindliche Standortzusage für das E-Auto-Werk, die über das Jahr 2030 hinausreicht.
Umfassendes Strategiekonzept zur Neuausrichtung
Die Konzernleitung hat bereits am 14. August weitreichende Weichenstellungen vorgenommen, um auf die Krise zu reagieren. Ein 150-seitiges Gesamtkonzept zur Neuausrichtung wurde dem Aufsichtsrat vorgelegt, das in zwölf strategischen Initiativen und 45 Einzelbeschlüssen den Kurs korrigieren soll. Ein zentraler Bestandteil dieser Planungen ist die Bestätigung von Oliver Blume, bis zum Ende des Jahrzehnts rund 50.000 Stellen in Deutschland abzubauen.
Betroffen von diesem massiven Einschnitt sind neben der Kernmarke VW auch Audi, Porsche sowie die Software-Tochter CARIAD. Der Stellenabbau soll primär über Altersteilzeitregelungen realisiert werden. Ziel ist es, die Kostenstruktur des Automobilherstellers grundlegend zu verschlanken und die Effizienz zu steigern, um im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben.
Schwache Halbjahresbilanz und Druck aus China
Die wirtschaftliche Notwendigkeit für diesen radikalen Umbau unterstreichen die jüngsten Geschäftszahlen. Für das erste Halbjahr 2026 wurde gestern ein Rückgang des operativen Ergebnisses um 11,6 Prozent bestätigt. Besonders der schwächelnde Absatz auf dem chinesischen Markt sowie der wachsende Wettbewerbsdruck in Europa belasten die Bilanz des Wolfsburger Konzerns erheblich.
Bereits in dem zum 30. Juni beendeten zweiten Quartal spiegelte sich diese Entwicklung in den Ertragskennzahlen wider. Bei einem Umsatz von 82,44 Milliarden Euro belief sich das Ergebnis je Aktie auf 2,56 Euro, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Wert von 4,34 Euro erreicht worden war. Die Erosion der Margen erhöht den Handlungsdruck auf das Management massiv.
Reaktionen von Eigentümern und Analysten
Auch vonseiten der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch wächst der Unmut. Diese mahnten das Volkswagen-Management bereits Anfang August öffentlich zur Eile beim Abbau von Überkapazitäten.
Parallel dazu prüft der Konzern Medienberichten zufolge den Verkauf weiterer Anteile an der Lkw-Tochter Traton SE, um die Kapitalbasis zu stärken. Während JPMorgan Chase & Co. am Dienstag eine Stimmrechtsmitteilung bezüglich seiner Beteiligungen übermittelte, bleiben Analysten vorsichtig.
Tom Narayan von RBC Capital Markets senkte am 14. August das Kursziel für die Volkswagen-Vorzugsaktie von 121 Euro auf 120 Euro, hielt jedoch an der Einstufung „Outperform“ fest. Als Hauptrisiken benannte das Analysehaus die Schwäche in China und die Konkurrenzlage im europäischen Markt.
An der Börse zeigt sich heute eine leichte Stabilisierung: Die Aktie notiert bei 75,08 Euro, was einem Zuwachs von 0,6 Prozent entspricht. Dennoch spiegelt die Kursentwicklung die Skepsis der Anleger wider, da das Papier seit Jahresbeginn einen Rückgang von 28 Prozent verzeichnet.
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