POET Technologies Aktie: Sammelklage drückt Kurs um 7,29 Prozent
Trotz bestätigtem Produktionsstart und solider Bilanz drücken eine Sammelklage sowie der Verlust eines Großkunden den Aktienkurs von POET Technologies.

Kurz zusammengefasst
- Kursverlust von über 7 Prozent
- Sammelklage wegen angeblicher Falschangaben
- Kündigung von Bestellungen durch Marvell
- Produktionsstart für zweites Halbjahr bestätigt
POET Technologies bricht am Donnerstag um 7,29 Prozent auf 7,88 Euro ein. Der Kurs verlängert damit eine Talfahrt, die die Aktie binnen 30 Tagen bereits rund 34 Prozent gekostet hat. Bemerkenswert: Der Absturz kommt trotz positiver Betriebsmeldungen von der Hauptversammlung.
Hauptversammlung bestätigt Zeitplan
POET veröffentlichte am 26. Juni die Ergebnisse seiner virtuellen Jahreshauptversammlung. Die Aktionäre wählten alle sechs Vorstandskandidaten mit jeweils mindestens 94,35 Prozent der Stimmen wieder. Davidson & Company erhielt mit 97 Prozent Zustimmung das Mandat als neuer Wirtschaftsprüfer.
Das Management bestätigte den Zeitplan für die Produktionshochlaufphase der optischen Engines. Diese soll wie geplant in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten. Bis Ende 2027 will POET eine Kapazität von bis zu einer Million Einheiten monatlich erreichen.
Auf der Finanzierungsseite hat das Unternehmen binnen zwölf Monaten 830 Millionen Dollar an Eigenkapital eingesammelt. Über Warrants könnten weitere 661 Millionen Dollar folgen. Für Ende 2026 plant POET zudem Investitionen von rund 50 Millionen Dollar in Produktionsanlagen.
Das Unternehmen spricht von mehr als zehn aktiven Kundengesprächen mit einem erwarteten jährlichen Umsatzpotenzial von über 100 Millionen Dollar. Um diese Nachfrage zu bedienen, will POET rund 50 neue Stellen weltweit schaffen.
Sammelklage und Kundenverlust belasten den Kurs
Die guten Nachrichten von der Hauptversammlung verpuffen an der Börse. Grund dafür sind zwei parallele Belastungsfaktoren, die seit Wochen auf der Aktie lasten.
Die Kanzlei Bragar Eagel & Squire hat eine Sammelklage eingereicht. Sie richtet sich an alle, die POET-Aktien zwischen dem 1. und 27. April 2026 gekauft haben. Der Vorwurf: Das Unternehmen und seine Führungskräfte sollen falsche oder irreführende Angaben zum wahrscheinlichen PFIC-Steuerstatus gemacht haben. Zusätzlich soll ein Manager in einem öffentlichen Interview eine Vertraulichkeitsvereinbarung gebrochen haben, indem er über Geschäftsabsprachen sprach.
Hinzu kommt der Verlust eines wichtigen Kunden. Marvell Semiconductor, das den POET-Kunden Celestial AI übernommen hat, kündigte am 23. April 2026 schriftlich sämtliche Bestellungen auf. Marvell begründete dies mit angeblichen Verstößen gegen Vertraulichkeitspflichten bei der Offenlegung von Bestell- und Versandinformationen.
Die Kombination aus Klagerisiko und Kundenverlust erklärt einen Großteil des Vertrauensverlusts. Anleger bleiben zudem vorsichtig wegen der großen Kapitalerhöhung im Mai und der offenen Frage, wie schnell sich die viel beschworenen KI-Photonik-Deals tatsächlich in Umsatz übersetzen.
Bilanz bleibt solide
Trotz der Kursverluste steht POET finanziell auf stabilem Fundament. Das Unternehmen verfügt über mehr als 429 Millionen Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Investitionen bei minimaler Verschuldung. Die Current Ratio liegt über 35 — ein Wert, der auf sehr geringe Verschuldung hindeutet.
Die technischen Indikatoren spiegeln die angespannte Lage wider. Der RSI notiert bei 38,4, die 30-Tage-Volatilität liegt bei extremen 124,75 Prozent. Die Aktie handelt derzeit 24,33 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 10,41 Euro, bleibt aber noch 16,56 Prozent über der 200-Tage-Linie bei 6,76 Euro.
Vom Jahreshoch bei 18,84 Euro, erreicht am 15. Mai, trennen die Aktie mittlerweile 58 Prozent. Zum Jahrestief von 3,40 Euro aus dem November besteht dagegen noch reichlich Abstand — ein Zeichen dafür, wie stark die Aktie im laufenden Jahr insgesamt geschwankt hat.
Die Diskrepanz zwischen operativer Kommunikation und Marktreaktion prägt derzeit das Bild bei POET. Solange keine belastbaren Umsatzzahlen aus der Produktionshochlaufphase vorliegen, dürfte die Skepsis der Anleger bestehen bleiben. Der für die zweite Jahreshälfte angekündigte Produktionsstart wird damit zum nächsten konkreten Prüfstein für das Unternehmen.
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