Rheinmetall Aktie: 72 Radhaubitzen für Großbritannien
Rheinmetall erhält Rüstungsauftrag aus Großbritannien und meldet zugleich einen deutlichen operativen Gewinnsprung. Der Konzern baut seine Position in Land- und Marinesystemen weiter aus.

Kurz zusammengefasst
- Neuer Rüstungsauftrag aus Großbritannien
- Operatives Ergebnis klettert auf 562 Mio. Euro
- Auftragsbestand übersteigt 80 Milliarden Euro
- Aktie erholt sich um 11,16 Prozent
Rheinmetall meldet an diesem Freitag einen neuen Rüstungsauftrag aus Großbritannien – nur wenige Tage nach einem kräftigen Gewinnsprung im zweiten Quartal. Der Düsseldorfer Konzern liefert Waffenanlagen für 72 britische Radhaubitzen vom Typ RCH 155. Der Auftrag bewegt sich im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, London hatte die Systeme bereits im Mai bestellt. Gefertigt werden die Anlagen in Telford, wo Rheinmetall eine neue Geschützfertigung aufgebaut hat. Die Lieferungen sollen zwischen 2028 und 2031 erfolgen. Die Radhaubitze RCH 155 selbst stammt von der ARTEC GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland.
Gewinnsprung mit Schattenseite
Der Auftrag reiht sich in eine Serie positiver Nachrichten der vergangenen Tage ein. Rheinmetall hatte zuvor einen deutlichen Gewinnsprung im zweiten Quartal vermeldet: Das operative Ergebnis kletterte auf 562 Millionen Euro, nach 276 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand des Konzerns liegt inzwischen bei über 80 Milliarden Euro – ein Polster, das die Visibilität für die kommenden Jahre erheblich verbessert. Allerdings verzeichnete Rheinmetall zugleich einen hohen Barmittelabfluss, der auf verschobene Anzahlungen und einen Aufbau von Vorräten zurückgeht. Anleger müssen diesen Kontrast im Blick behalten: Wachsende Auftragsbücher binden zunächst Kapital, bevor sie sich in Umsatz und Cashflow niederschlagen.
Marine-Aufträge und Werft-Ambitionen in Rumänien
Parallel zum Landsystem-Geschäft baut Rheinmetall seine Position in der Marinetechnik aus. Der Konzern modernisiert die Fregatte Bayern der Klasse F123 auf der Neuen Jadewerft in Wilhelmshaven, ein Auftrag im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, der Ende des zweiten Quartals vergeben wurde. Die Arbeiten sollen bis 2029 andauern und umfassen Führungssystem, Radar, Antrieb sowie die U-Boot-Abwehr der Fregatte. Ziel ist es, das Schiff bis mindestens 2035 einsatzfähig zu halten – ein Beitrag dazu, die älteren F123-Fregatten der Bundesmarine über diesen Zeitraum hinaus im Dienst zu halten.
In Rumänien verhandelt Rheinmetall zudem über die Übernahme der Werft Mangalia. Der Deal steht im Zusammenhang mit einem Auftrag über 920 Millionen Euro für vier Militärschiffe, finanziert über das EU-Programm SAFE. Der rumänische Senat genehmigte die entsprechenden SAFE-Verträge am Donnerstag. Gläubiger der Werft fordern allerdings noch 184 Millionen Euro für bestehende Vermögenswerte, ein offener Punkt, der den Abschluss verzögern könnte.
Papperger sieht weiteres Auftragsvolumen von 80 Milliarden Euro
Vorstandschef Armin Papperger blickt optimistisch auf die kommenden Jahre und erwartet neue Aufträge in Höhe von rund 80 Milliarden Euro. Kostensenkungen sollen dabei über Massenproduktion und Automatisierung gelingen. Papperger rechnet mit weiteren Bestellungen für den Leopard 2, den Radpanzer GTK Boxer und den Schützenpanzer Puma. Allein mit Deutschland sieht er ein Potenzial von 30 bis 35 Milliarden Euro. Die Produktionskapazität für 155-Millimeter-Munition soll von 70.000 Einheiten im Jahr 2022 auf 1,1 Millionen Einheiten im Jahr 2027 steigen – ein Ausbau, der die strategische Bedeutung des Unternehmens für die europäische Rüstungsversorgung unterstreicht.
Kurs erholt sich, Abstand zum Hoch bleibt groß
Die Aktie honoriert die Nachrichtenlage: Binnen sieben Handelstagen hat das Papier um 11,16 Prozent zugelegt und notiert aktuell bei 1.149,40 Euro. Trotz der jüngsten Erholung bleibt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, das Rheinmetall im Oktober vergangenen Jahres markierte, mit -42,73 Prozent beträchtlich. Die Kombination aus prallem Auftragsbuch, angekündigtem Milliardenpotenzial und operativem Gewinnsprung liefert dennoch Argumente für Anleger, die auf eine fortgesetzte Erholung setzen – vorausgesetzt, der Konzern bringt den Barmittelabfluss in den kommenden Quartalen unter Kontrolle.
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