Siemens Energy Aktie: Deutsche Bank hebt auf 210 Euro
Analysten streiten über Siemens Energy: Oddo BHF senkt das Kursziel, die Deutsche Bank erhöht es. Rekordquartal und mögliche Abspaltung treiben die Debatte.

Kurz zusammengefasst
- Uneinigkeit bei Analysten über Kursziele
- Rekordquartal mit starkem Auftragswachstum
- Aufsichtsrat prüft Abspaltung der Industriesparte
- Markenwechsel zu Omterra geplant
Zwei Analysehäuser, zwei Signale: Oddo BHF senkte am Donnerstag das Kursziel für Siemens Energy auf 175 Euro von zuvor 187 Euro und stufte die Aktie auf „Neutral“ ein. Am selben Tag hob die Deutsche Bank Research ihr Kursziel auf 210 Euro an, zuvor 200 Euro, und beließ die Einstufung bei „Buy“. Für Anleger ergibt sich damit ein gespaltenes Bild, obwohl beide Häuser auf dieselben Geschäftszahlen reagierten.
Der Energietechnikkonzern schloss den Freitagshandel bei 153,50 Euro. Das liegt gut ein Fünftel unter dem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das die Aktie im April markiert hatte. Auf Wochensicht legte das Papier um 3,13 Prozent zu – ein Zeichen, dass der Markt die jüngsten Unternehmensnachrichten insgesamt positiv aufnimmt, auch wenn vom Rekordhoch noch ein deutlicher Abstand bleibt.
Rekordquartal als Grundlage der Debatte
Ausgangspunkt der unterschiedlichen Einschätzungen sind die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal, die Siemens Energy am vergangenen Donnerstag vorgelegt hatte. Der Auftragseingang wuchs auf vergleichbarer Basis um 8,5 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro, die Erlöse kletterten um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Die bereinigte Marge erreichte 14,2 Prozent und lag damit fast zwei Punkte über den Analystenschätzungen. Der Auftragsbestand stieg auf 162 Milliarden Euro.
Konzernchef Christian Bruch bezifferte den Anteil des Neugeschäfts im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren auf rund 20 Prozent. Gegenüber Bloomberg betonte das Unternehmen zugleich, dass Rechenzentren nur einer von mehreren Treibern des globalen Elektrifizierungstrends seien – ein Versuch, Sorgen vor einer zu starken Abhängigkeit von einem einzelnen Nachfragesegment zu entkräften. Im Nahen Osten verzeichnete der Konzern zudem steigende Nachfrage nach Kraftwerkstechnik, da der Iran-Krieg Sorgen vor einer unsicheren Energieversorgung verstärkt hat.
Nicht alle Sparten liefen gleich stark. Im Windgeschäft brach der Auftragseingang um 77 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro ein, nachdem im Vorjahreszeitraum zwei Offshore-Großaufträge im Volumen von über drei Milliarden Euro verbucht worden waren. Bereits Ende Juli hatte UBS ihr Kursziel auf 210 Euro angehoben und die Ebita-Schätzungen bis 2029 im Schnitt um 11 Prozent erhöht – ein Rückblick, der die insgesamt positive Grundstimmung vor den Quartalszahlen zeigte.
Aufsichtsrat prüft Abspaltung der Industriesparte
Für weiteren Gesprächsstoff sorgt ein Termin Ende des Monats: Am 25. August will der Aufsichtsrat über eine mögliche Abspaltung der Sparte Transformation of Industry beraten. Eine Entscheidung oder ein Zeitplan dafür steht laut Unternehmensangaben noch nicht fest. Die Sparte selbst lieferte im dritten Quartal ein um fast 39 Prozent gestiegenes Ergebnis vor Sondereffekten von 218 Millionen Euro – ein Umstand, der eine Abspaltung aus Anlegersicht wirtschaftlich interessant machen könnte, sollte der Aufsichtsrat sich dafür entscheiden.
Neue Marke, weniger Lizenzgebühren
Parallel dazu treibt der Konzern einen Markenwechsel voran. Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy sollen künftig unter dem gemeinsamen Namen Omterra auftreten, der Rebranding-Prozess ist für später im laufenden Jahr geplant und soll in Etappen erfolgen. Medienberichten zufolge entfallen dadurch künftig jährlich rund 300 Millionen Euro an Lizenzgebühren, die bislang an die frühere Konzernmutter Siemens flossen – ein Effekt, der sich direkt auf die Ergebnisrechnung auswirken dürfte.
Zusätzlich läuft das Aktienrückkaufprogramm weiter: Zwischen dem 20. und 26. Juli erwarb Siemens Energy gut 637.000 eigene Aktien, seit dem 4. Juni summierten sich die Rückkäufe auf rund 4,57 Millionen Papiere. Bis Ende September sollen im laufenden Geschäftsjahr Aktien für bis zu einer Milliarde Euro zurückgekauft werden, eingebettet in ein sechs Milliarden Euro schweres Programm, das bis zum Geschäftsjahresende 2027/28 läuft.
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