Airbus Aktie: Kampfjet-Poker?

Airbus strebt Einfluss bei Entwicklung und Produktion an; politische Zustimmung und Einigung über die industrielle Aufteilung stehen noch aus.

Andreas Sommer ·
Abstrakte Darstellung eines modernen Kampfjets im digitalen Wireframe-Design vor einem dunkelblauen Abendhimmel. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Gespräche mit BAE Systems kommende Woche
  • Airbus fordert gleichberechtigte industrielle Mitwirkung
  • GCAP-Kampfflugzeug soll 2035 einsatzbereit sein
  • Politische Zustimmung zur Beteiligung steht aus

Airbus will mit BAE Systems über eine mögliche Beteiligung am Kampfjetprogramm GCAP sprechen. Nach Angaben der Financial Times sollen die Gespräche kommende Woche stattfinden. Dabei geht es nicht nur um einen Einstieg, sondern um den industriellen Einfluss von Airbus. Eine Vereinbarung ist nicht bekannt; endgültige Entscheidungen werden bei dem Treffen nicht erwartet.

Für Anleger eröffnet sich damit eine neue Perspektive für das künftige Kampfjetgeschäft. Zugleich zeichnet sich ein Konflikt zwischen dem Mitgestaltungsanspruch von Airbus und der bereits fortgeschrittenen Entwicklung des Programms ab. Die Aktie gewinnt heute 1,4%; die Gespräche bleiben allerdings zunächst eine Sondierung und sind noch kein Auftrag.

Airbus verlangt mehr als Zulieferarbeiten

Airbus fordert eine substanzielle und gleichberechtigte Beteiligung der deutschen, spanischen und weiteren europäischen Industrie. Diese soll Entwicklung, Produktion und operativen Einsatz umfassen. Airbus-Defence-Chef Mike Schoellhorn erklärte im Oktober, das Unternehmen wolle eine „Schlüsselrolle“ übernehmen und nicht lediglich Flügel oder Leitwerk fertigen.

Damit steht die Arbeitsaufteilung im Zentrum möglicher Verhandlungen. Eine Beteiligung allein würde den öffentlich formulierten Anspruch von Airbus nicht erfüllen. Das Unternehmen verlangt zudem rasche politische Entscheidungen aus Deutschland und Spanien über die weitere Ausrichtung und die industrielle Struktur.

Die möglichen Kooperationen reichen über das bemannte Kampfflugzeug hinaus. Zur Diskussion stehen auch autonome Begleitflugzeuge sowie eine „Combat Cloud“. Dieses digitale Netzwerk soll den Datenaustausch zwischen Kampfflugzeugen, Drohnen und Sensoren ermöglichen. Die Gespräche könnten somit mehrere technische Bereiche erfassen.

Der Entwicklungszeitplan setzt Grenzen

GCAP wurde 2022 von Großbritannien, Italien und Japan gestartet. Als Industriepartner tragen BAE Systems, Leonardo und Mitsubishi Heavy Industries das Programm. Das neue Kampfflugzeug soll 2035 in Dienst gehen.

Ein späterer Einstieg von Airbus müsste sich deshalb in eine bereits bestehende Zusammenarbeit einfügen. Das Handelsblatt verweist darauf, dass der fortgeschrittene Programmstand für Airbus Nachteile mit sich bringen könnte. Der geforderte Einfluss dürfte die Verhandlungen über Zuständigkeiten zusätzlich erschweren.

Jefferies-Analystin Chloé Lemarie sieht ein Risiko für den Entwicklungszeitplan. Der Demonstrator ist für 2027 vorgesehen. Die bisherigen Partner wollen am geplanten Dienstantritt festhalten. Für Airbus geht es damit auch darum, eine Schlüsselrolle auszuhandeln, ohne die zeitlichen Vorgaben des Programms infrage zu stellen.

Politische Entscheidung bleibt Voraussetzung

Hinter der Partnersuche steht das Scheitern des deutsch-französisch-spanischen FCAS-Projekts im Sommer. Deutschland prüft nun einen GCAP-Beitritt oder eine Zusammenarbeit mit Saab. Auch für Airbus ist eine Partnerschaft mit Saab eine mögliche Alternative.

Großbritannien hat sich für eine deutsche Beteiligung geöffnet. Beschlossen ist sie ebenso wenig wie ein Einstieg von Airbus. Entscheidend sind deshalb zwei miteinander verknüpfte Fragen: Finden die beteiligten Staaten politisch zusammen, und erhält Airbus innerhalb der bestehenden Industriestruktur ausreichend Einfluss? Erst dann würde aus der angekündigten Sondierung eine belastbare industrielle Perspektive.

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Airbus Aktie

194,34 EUR

+ 2,16 EUR +1,12 %
KGV 25,63
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,64 %
Marktkapitalisierung —
ISIN: NL0000235190 WKN: 938914

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