Commerzbank Aktie: Kotzbauer verhandelt wieder mit Unicredit
Unicredit besitzt nahezu die Hälfte der Commerzbank, während neue Gespräche beginnen. Eine Übernahme oder ein Rückzug ist weiterhin nicht entschieden.

Kurz zusammengefasst
- Unicredit baut Anteil auf fast 50 Prozent
- Commerzbank weist Niederlage im Streit zurück
- Neue Gespräche zwischen beiden Instituten
- Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch
Der Übernahmekampf um die Commerzbank hat einen vorläufigen Wendepunkt erreicht. Unicredit hält nach eigenen Angaben inzwischen knapp die Hälfte der Anteile am Frankfurter Institut, ein zweijähriges Ringen liegt hinter beiden Seiten. Vizechef Michael Kotzbauer weist im Gespräch mit der FAZ jedoch Deutungen zurück, wonach die Commerzbank die Auseinandersetzung verloren habe.
Kotzbauer: „Da kann man nicht von Scheitern sprechen“
Kotzbauer verteidigt die Abwehrstrategie der vergangenen zwei Jahre als erfolgreich, obwohl Unicredit ihren Anteil kontinuierlich ausgebaut hat. Der italienische Plan vom April habe vorgesehen, die Commerzbank zu zerlegen – ein Einsparvolumen von 20 Prozent bis 2028 hätte vor allem das inländische Geschäft getroffen, so der Vizechef.
Stattdessen sei die Kundenbasis treu geblieben, die Commerzbank sehe sich weiterhin als beste Firmenkundenbank Deutschlands. Kotzbauer richtet zudem einen Appell an den Bund: Der Staat, der 13 Prozent an der Bank hält, solle sich nicht zurückziehen. Er verweist dabei auf eine deutsche Wirtschaft unter Druck, die von zu langsamem Bürokratieabbau und stockender Infrastruktur belastet werde.
Die politische Gegenwehr aus Berlin gegen den Einstieg von Unicredit ist dem Bericht der Irish Times zufolge inzwischen abgeflaut. Während die deutsche Regierung den Deal lange Zeit zu blockieren versuchte, hat sich der Widerstand offenbar deutlich abgeschwächt, während der italienische Konzern seinen Anteil auf fast 50 Prozent ausgebaut hat.
Kein klares Ergebnis, aber ein neuer Gesprächsstand
Für Anleger bleibt die Lage damit in der Schwebe: Weder ein vollständiger Rückzug von Unicredit noch eine formelle Übernahmeentscheidung stehen fest. Kotzbauer betont im FAZ-Gespräch lediglich, dass nach zwei Jahren Übernahmekampf nun wieder Gespräche mit Unicredit stattfinden – ein Signal, dass beide Seiten nach einer Lösung suchen, ohne dass Details zu Struktur oder Zeitplan genannt werden.
Der Aktienkurs spiegelt die insgesamt konstruktive Stimmung wider. Am Freitag schloss das Papier bei 40,30 Euro, ein Plus von 0,8 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Zuwachs von 6,8 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf 12 Prozent. Damit notiert die Aktie nur noch 1,7 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro, das sie erst am Freitag markiert hatte.
Politisches Umfeld bleibt angespannt
Der Übernahmestreit fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung ohnehin unter Druck steht. Kanzler Merz kämpft laut eigenen Aussagen im ARD-Sommerinterview mit historisch niedrigen Zustimmungswerten und räumt eine „erhebliche Hypothek“ für seine Glaubwürdigkeit ein, die er unter anderem auf die Aufgabe der Schuldenbremse zurückführt.
Ob und wie stark dieses innenpolitische Klima die Haltung des Bundes zu seinem Commerzbank-Anteil beeinflusst, lässt sich aus den vorliegenden Aussagen nicht ableiten – Kotzbauers Appell, der Staat solle sich nicht zurückziehen, deutet aber darauf hin, dass die Bank die politische Rückendeckung weiterhin für wichtig hält.
Für Investoren bleibt die zentrale Frage, ob aus den wiederaufgenommenen Gesprächen zwischen Commerzbank und Unicredit eine einvernehmliche Lösung oder ein neuer Eskalationsschritt erwächst. Solange dies offen ist, dürfte der Kurs stark auf jede neue Wortmeldung aus Frankfurt oder Mailand reagieren.
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