Graphite One Aktie: Entscheidet sich am Genehmigungspfad die Zukunft des Alaska-Projekts?

Graphite One erhält staatliche Unterstützung, doch die entscheidenden Kreditzusagen stehen aus. Genehmigungsverfahren in Alaska und Ohio schreiten voran.

Dr. Robert Sasse ·
Graphite One Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Staatliche Zuschüsse und Interessensbekundungen erhalten
  • EXIM-Finanzierung über 2,07 Milliarden Dollar unverbindlich
  • Umweltprüfung in Alaska wird aufwendiger
  • Ohio-Anlage erhält positive Genehmigungssignale

Ausgangslage: Politischer Rückenwind trifft auf lange Prüfverfahren

Graphite One steckt mitten in einer Phase, in der sich politische Unterstützung und regulatorische Realität überlappen. Am 20. Juli unterzeichnete Präsident Trump eine Durchführungsverordnung mit dem Titel „Securing America’s Defense Supply Chains and Ensuring Domestic Acquisition of Critical Materials“. Zwei Tage später erklärte Graphite One in einer Mitteilung, dass sich das Unternehmen mit seiner geplanten integrierten US-Lieferkette aus Bergbau, Anodenmaterial-Produktion und künftigem Recycling exakt in diese Zielsetzung einfüge. Zeitgleich bestätigte das Unternehmen den Erhalt von zwei Zuschüssen des Department of War im Rahmen des Defense Production Act sowie der Defense Logistics Agency, ergänzt durch zwei Letters of Interest der US-Exportkreditagentur EXIM Bank mit einem potenziellen Finanzierungsvolumen von 2,07 Milliarden Dollar. Wichtig für Anleger: Letters of Interest sind unverbindliche Absichtserklärungen, keine zugesagten Kreditlinien.

Parallel dazu bewegt sich das Genehmigungsverfahren für die Graphite-Creek-Lagerstätte in Alaska. Am 9. Juli teilte das Unternehmen mit, dass nach gemeinsamer Arbeit mit dem U.S. Army Corps of Engineers während der Environmental-Assessment-Phase entschieden wurde, den Permitting-Prozess über eine vollständige Environmental Impact Statement (EIS) fortzuführen. Das Unternehmen betont, von Beginn an auf dem für eine EIS erforderlichen Detailniveau gearbeitet zu haben, und hält am Produktionsziel 2029 für Graphite Creek fest. Für die Ohio-Anlage in Conneaut bestätigte das Unternehmen am 16. Juli zudem, dass die Umweltbehörde des Bundesstaates den Luftgenehmigungsantrag als vollständig eingestuft und die technische Prüfung aufgenommen hat – vorbehaltlich weiterer Genehmigungen, Zulassungen und der Finanzierung visiert Graphite One dort einen Produktionsstart der synthetischen Anodenmaterialien für das vierte Quartal 2027.

Die entscheidende Frage: Reicht die politische Rückendeckung, um die Finanzierungslücke zu schließen?

Der Kern der Anlegerentscheidung liegt nicht im Rohstoffmarkt, sondern in der Kapitalstruktur. Graphite One verfügt über staatliche Signale – Exekutivverordnung, DPA-Zuschüsse, EXIM-Interessensbekundungen – doch keine dieser Komponenten ist eine gesicherte, ausgezahlte Finanzierung. Die zentrale Kennzahl für die kommenden Monate ist daher, ob sich die 2,07-Milliarden-Dollar-Indikation in konkrete, unterschriebene Kreditzusagen übersetzt, bevor die parallel laufenden Genehmigungsverfahren in Ohio und Alaska abgeschlossen sind. Nur wenn Finanzierung und Permitting zeitlich zusammenlaufen, bleibt der Fahrplan mit Produktionsstart in Ohio 2027 und in Alaska 2029 realistisch.

Bullisches Szenario

Setzt sich die politische Priorisierung kritischer Rohstoffe fort, könnten die EXIM-Letters of Interest binnen der kommenden Quartale in verbindliche Finanzierungszusagen münden. Der positive Bescheid der Ohio-Umweltbehörde zum Luftgenehmigungsantrag zeigt, dass zumindest der Genehmigungspfad für die Anodenmaterial-Fabrik planmäßig voranschreitet. Sollte die Ohio-Anlage tatsächlich 2027 mit einer Anfangskapazität von 10.000 Tonnen pro Jahr synthetischer Anodenmaterialien starten und später auf 25.000 Tonnen ausgebaut werden, verschaffte das Graphite One frühe Cashflows, noch bevor Graphite Creek in Alaska produktionsreif wäre. In diesem Fall würde der Markt das Projekt neu bewerten – die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 110 Millionen Euro erschiene dann als deutlich unterhalb des Potenzials der geplanten integrierten Lieferkette.

Bärisches Szenario und Risiko

Der Wechsel von einer einfachen Environmental Assessment zu einer vollständigen Environmental Impact Statement für Graphite Creek ist grundsätzlich ein aufwendigerer, zeitintensiverer Prüfweg. Zwar betont das Unternehmen, ohnehin auf diesem Niveau gearbeitet zu haben, doch eine EIS bedeutet zusätzliche behördliche Prüfschritte, deren Dauer sich nicht vollständig kontrollieren lässt. Bleiben die EXIM-Zusagen auf der Stufe unverbindlicher Interessensbekundungen stehen, während die Kapitalbindung für Bau und Ausrüstung in Ohio und Alaska weiterläuft, drohen Verzögerungen oder eine verwässernde Kapitalerhöhung. Die Kursentwicklung liefert dafür bereits Indizien: Das Papier schloss am Freitag bei 0,54 Euro und liegt damit 66,14 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1,59 Euro vom 28. Januar. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 56,97 Prozent – der Markt preist derzeit erhebliche Unsicherheit über die Finanzierungsfrage ein.

Ausblick: Der Fahrplan bleibt an drei Bedingungen gekoppelt

Solange die EXIM-Letters of Interest Bestand haben und die Ohio-Genehmigungen wie bisher planmäßig fortschreiten, bleibt der Zeitplan mit synthetischer Produktion ab dem vierten Quartal 2027 und natürlichem Graphit aus Alaska ab 2029 intakt. Kippt hingegen die politische Priorität oder verzögert sich die EIS-Prüfung für Graphite Creek deutlich, verschiebt sich der gesamte Fahrplan nach hinten – mit entsprechendem Druck auf die Bewertung. Anleger sollten die weitere Konkretisierung der EXIM-Finanzierung sowie den Fortgang der EIS-Prüfung für Graphite Creek als nächste konkrete Wegmarken im Blick behalten.

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