Oracle mischt künftig ganz vorne im TikTok-Geschäft der USA mit – und sichert sich eine prominente Rolle in einem der politisch heikelsten Tech-Themen der vergangenen Jahre. Trotz dieses strategischen Erfolgs steht die Aktie aber deutlich unter Druck. Im Markt prallen derzeit zwei Sichtweisen aufeinander: langfristige Chancen durch Cloud- und KI-Geschäft gegen wachsende Sorgen um Kosten, Schulden und Margen.
TikTok-Deal als strategischer Hebel
Nach jahrelangem Gezerre um die Zukunft von TikTok in den USA ist nun ein entscheidender Schritt getan. Zwischen dem 22. und 24. Januar wurde die neue Gesellschaft TikTok USDS Joint Venture LLC offiziell aus der Taufe gehoben. In dieser Einheit sind die US-Aktivitäten von TikTok gebündelt, bewertet mit rund 14 Milliarden US-Dollar.
Oracle hält daran einen Anteil von 15 %, was einem Wert von etwa 2,1 Milliarden Dollar entspricht. Noch wichtiger als die reine Beteiligung ist aber die Rolle im Hintergrund: Oracle wird zum „Trusted Technology Partner“ der Plattform.
Konkret bedeutet das:
– Exklusive Bereitstellung der Cloud-Infrastruktur für US-Nutzerdaten auf Oracle Cloud Infrastructure (OCI)
– Verantwortlichkeit für die Einhaltung der US-Sicherheitsanforderungen
– Retraining des TikTok-Algorithmus auf Basis von US-Daten
Damit rückt Oracle technologisch ins Zentrum eines der größten Social-Media-Ökosysteme der Welt – ein klares Signal, dass die eigene Cloud- und Sicherheitsarchitektur als ausreichend vertrauenswürdig und leistungsfähig eingestuft wird.
Analystendruck trotz Rückenwind
Parallel zum TikTok-Deal kam jedoch ein deutlich skeptischer Ton von der Wall Street. Morgan Stanley senkte am Freitag das Kursziel für Oracle von 320 auf 213 US-Dollar – ein Rückgang um mehr als 30 Prozent. Die Einstufung blieb zwar bei „Equal-Weight“, die Begründung fiel aber klar warnend aus.
Im Fokus der Kritik steht der massive Ausbau des Geschäfts mit „GPU-as-a-Service“ für KI-Anwendungen. Um große KI-Projekte zu bedienen, baut Oracle seine Infrastruktur aggressiv aus – inklusive leistungsfähiger Rechenzentren mit enormem Energiebedarf. Nach Einschätzung der Analysten kann das mehrere Risiken nach sich ziehen:
– Hohe Investitionsausgaben belasten kurzfristig die Margen
– Potenzielle Gewinnverfehlungen, falls die erwarteten Erlöse zeitlich hinterherhinken
– Möglicher Bedarf an zusätzlicher Verschuldung, der aus Sicht von Morgan Stanley in den aktuellen Kreditspreads noch nicht vollständig eingepreist ist
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Damit steht der Markt vor einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite wachsen Auftragsbestand und strategische Bedeutung von Oracle im KI- und Cloud-Umfeld, auf der anderen Seite steigen die finanziellen Anforderungen, um diese Chancen überhaupt realisieren zu können.
Halbe Billion Marktwert verdampft
Der aktuelle Kursrückgang ist keine Randnotiz, sondern Ausdruck einer regelrechten Neubewertung. Die Aktie liegt mit einem Wochenminus von rund 13 % und einem Rückgang von etwa 16 % in den vergangenen 30 Tagen deutlich im roten Bereich. Vom 52‑Wochen-Hoch bei 280,70 Euro ist der Titel inzwischen rund 41 % entfernt.
Im Hintergrund steht eine beeindruckende, aber ambivalente Bilanz: Oracle meldete zuletzt einen Auftragsbestand (Remaining Performance Obligations) von über 523 Milliarden US-Dollar, stark getrieben durch das „Stargate“-Projekt mit OpenAI. Dieser riesige Auftragsberg nährt zwar die Wachstumsstory, macht aber auch klar, welche Dimensionen der notwendige Ausbau der Infrastruktur annimmt.
Beispielhaft dafür steht die Planung von Rechenzentren mit einer Kapazität von rund 4,5 Gigawatt für OpenAI. Solche Projekte verschlingen enorme Mittel, bevor sie sich in stabilen Cashflows niederschlagen. Entsprechend richtet sich der Blick der Anleger inzwischen stärker auf:
– Verschuldungsgrad und Finanzierungsstruktur
– Zeitpunkt, zu dem der Auftragsbestand tatsächlich in Cashflow umschlägt
– Effekte auf Margen und Ergebnis pro Aktie
Die Bewertung hat sich parallel deutlich abgekühlt. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 22 auf Basis der kommenden Gewinne wirkt Oracle im Vergleich zu vielen Tech-Schwergewichten zwar nicht mehr überzogen teuer. Dennoch bleibt der Markt vorsichtig, weil der Kapitalbedarf für das KI-Geschäft hoch ist und Spielraum für Enttäuschungen besteht.
Technisches Bild und Ausblick
Charttechnisch steht die Aktie unter Druck. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 165,90 Euro – damit handelt der Titel klar unter dem 50‑Tage-Durchschnitt von 181,94 Euro und rund 16 % unter der 200‑Tage-Linie. Gleichzeitig notiert die Aktie deutlich über dem 52‑Wochen-Tief, aber nahe einem Bereich, in dem in den vergangenen Monaten mehrfach Käufer einsprangen. Das technische Bild signalisiert also eine angeschlagene, aber nicht vollständig zerstörte Trendstruktur.
Operativ startet das neu gegründete TikTok-Joint-Venture unmittelbar mit der Arbeit. Erste Priorität ist das Retraining des TikTok-Algorithmus auf Oracle-Infrastruktur, um die US-Vorgaben im Bereich Datensicherheit zu erfüllen. Für Investoren wird der nächste entscheidende Schritt das kommende Quartal sein: Dann wird sich in den Zahlen zeigen, wie der 14‑Milliarden‑Dollar-Deal bilanziell und ergebnisseitig durchschlägt – und ob Oracle den teuren Ausbau seiner KI-Infrastruktur so steuern kann, dass Wachstum und Profitabilität im Gleichgewicht bleiben.
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