DAX: Anleihemärkte diktieren das Tempo
Höhere US-Renditen belasten die Aktienmärkte, während der DAX nahe seiner 100-Tage-Linie notiert.

Kurz zusammengefasst
- US-Rendite erreicht höchsten Stand seit 2007
- Robuste Konjunkturdaten treiben Anleiherenditen
- DAX notiert nahe der 100-Tage-Linie
- Zollpause soll bis Januar verlängert werden
Der DAX startet mit einer weiteren Verlustsession in den Donnerstag. Vorbörslich taxierte der Broker IG den Leitindex auf 25.330 Punkte, ein Minus von 0,3 Prozent. Damit setzt sich die Korrektur der vergangenen Tage fort — und der Blick der Anleger richtet sich zunehmend auf den Anleihemarkt.
Dort ist die Lage angespannt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 5,114 Prozent, den höchsten Stand seit Juli 2007. Auslöser waren überraschend robuste US-Konjunkturdaten: Der Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen stieg auf 58,7 Punkte, jener für die Industrie auf 56,7 Punkte. Eine schwach nachgefragte Auktion fünfjähriger US-Staatsanleihen verschärfte den Ausverkauf zusätzlich.
Die Angst vor weiteren Zinsschritten wächst
Fed-Direktor Michael Barr signalisierte, dass weitere geldpolitische Schritte zur Inflationsbekämpfung wahrscheinlich seien. Laut dem FedWatch-Tool stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober auf 70,9 Prozent, nach 66 Prozent am Vortag.
Der Ausverkauf blieb nicht auf die USA beschränkt: Japans zehnjährige Staatsanleihen markierten mit 3,075 Prozent den höchsten Stand seit 1996, während die Rendite fünfjähriger Bundesanleihen ein 18-Jahres-Hoch erreichte.
Die vorbörsliche Indikation des DAX liegt mit 25.330 Punkten nur knapp über der 100-Tage-Linie bei 25.319 Punkten. Diese Marke hatte der Index in der vergangenen Woche bereits kurzzeitig unterschritten, bevor er sich wieder erholte. Ein erneuter Test dieser Unterstützung dürfte am Donnerstag im Fokus stehen.
An der Wall Street hatte der Renditesprung bereits am Mittwoch für Verluste gesorgt: Der Dow Jones gab 0,7 Prozent nach, der S&P 500 verlor 0,8 Prozent, der Nasdaq 100 sogar 1,1 Prozent — nur einen Tag nach einem Rekordhoch.
Trump-Xi-Treffen als Lichtblick
Etwas Entlastung könnte von der politischen Bühne kommen. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte eine Verlängerung der Zollpause zwischen den USA und China an: Das ursprünglich bis zum 10. November befristete Abkommen soll nun bis zum 10. Januar gelten.
Am Donnerstag treffen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Washington aufeinander, wobei neben Zöllen auch künstliche Intelligenz und Technologieexporte auf der Agenda stehen dürften.
Die Ölpreise gaben am Morgen leicht nach — Brent notierte bei rund 102 Dollar je Barrel — nachdem sie zuvor wegen eines Beschusses in der Straße von Hormus deutlich gestiegen waren. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran bleiben ungelöst und könnten die Inflationssorgen jederzeit neu befeuern.
Für den DAX bleibt die 100-Tage-Linie bei rund 25.320 Punkten die entscheidende Marke der Sitzung. Hält sie erneut, wäre das ein Signal, dass der jüngste Renditeschub die Käufer noch nicht komplett vertrieben hat.
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