XPeng Aktie: He Xiaopeng übernimmt Robotik-Sparte
XPeng präsentiert Q2-Zahlen mit erwartetem Umsatzplus, während Rückrufaktionen und Robotik-Pläne die Aktienbewertung beeinflussen.

Kurz zusammengefasst
- Quartalszahlen am Montag erwartet
- Rückruf von 264.842 Fahrzeugen
- Robotik-Massenproduktion startet dieses Jahr
- Analysten sehen über 80 Prozent Potenzial
Am Montag steht XPeng vor dem wichtigsten Termin des Sommers, und die Aktie zeigt sich ausgerechnet jetzt von ihrer nervösen Seite. Am Freitag schloss das Papier bei 10,44 Euro, ein Plus von 1,4 Prozent, doch der Blick auf die vergangenen Wochen relativiert die kleine Erholung: Minus 7,1 Prozent in 30 Tagen, minus 42 Prozent seit Jahresbeginn.
Wer im November noch bei 24,40 Euro eingestiegen ist, sitzt heute auf einem Verlust von 57 Prozent. Das ist die nüchterne Ausgangslage, vor der sich zwei gegensätzliche Erzählungen abspielen: die einer krisengeschüttelten China-EV-Branche und die einer Firma, die sich gerade neu erfindet.
Der Rückruf als Symptom, nicht als Drama
Diese Woche rief China elf Autohersteller wegen fehlerhafter Notfall-Türgriffe zurück, insgesamt mehr als sieben Millionen Fahrzeuge – der größte Rückruf der Landesgeschichte.
Tesla ist mit knapp drei Millionen Fahrzeugen der klare Hauptbetroffene, XPeng taucht mit rund 264.842 Fahrzeugen der Modelle G6, P7+ und X9 auf der Liste auf, deutlich kleiner als bei Xiaomi oder Leapmotor im Verhältnis zur Marktgröße.
Ab 2027 verbietet China verdeckte Türgriffe komplett – ein regulatorischer Einschnitt, der zeigt, wie schnell sich Sicherheitsstandards in einer Branche verschärfen, die jahrelang vor allem über Reichweite und Software-Features konkurriert hat.
Parallel musste in Malaysia der Importeur Bermaz Xpeng eine kleinere Rückrufaktion für den X9 wegen der Frontluftfederung starten, mit erweiterter Garantie auf acht Jahre. Für sich genommen sind das Fußnoten. Zusammengenommen erinnern sie daran, dass der chinesische EV-Boom seine Kinderkrankheiten noch nicht überwunden hat – und dass Wachstum um jeden Preis irgendwann Rechnungen schreibt.
Die eigentliche Wette: Physical AI statt reiner Autobauer
Spannender als der Rückruf ist, wohin XPeng-Chef He Xiaopeng das Unternehmen gerade lenkt. Er hat persönlich die Leitung der Robotik-Sparte übernommen, die Massenproduktion humanoider Roboter soll noch in diesem Jahr anlaufen. Das ist keine Randnotiz, sondern der Versuch, aus einem margenschwachen Autobauer einen Anbieter von „Physical AI“ zu machen – jener Kategorie, in die auch Tesla mit Optimus investiert. Ob das gelingt, entscheidet sich nicht am Montag, aber die Ankündigung erklärt, warum manche Analysten trotz der Kursmisere an der Aktie festhalten.
Am Montag vor der US-Börseneröffnung meldet XPeng die Zahlen für das zweite Quartal. Die Erwartungen sind ambitioniert: Analysten rechnen mit einem Umsatz von 3,05 Milliarden Dollar, deutlich über den 2,53 Milliarden im Vorjahresquartal, bei einem Verlust je Aktie von nur noch 6 Cent statt zuvor 7 Cent.
Die Auslieferungszahlen von 103.295 Fahrzeugen im zweiten Quartal, ein Plus von 65 Prozent gegenüber dem Vorquartal, stützen die Hoffnung auf eine Trendwende.
Der Optionsmarkt preist eine Kursbewegung von 9,42 Prozent nach den Zahlen ein, deutlich mehr als der historische Durchschnitt von 5,74 Prozent – und die Historie mahnt zur Vorsicht: In sechs der vergangenen acht Quartale übertraf XPeng die Gewinnschätzungen, doch beim Umsatz gab es noch nie eine positive Überraschung, und die Kursreaktionen schwankten zuletzt zwischen minus 10 und minus 8 Prozent.
Das Analystenlager bleibt trotz allem mehrheitlich zuversichtlich: Ein Kursziel von 21,94 Dollar würde ein Aufwärtspotenzial von über 80 Prozent bedeuten, und auch andere Bewertungsmodelle sehen die Aktie deutlich unter ihrem fairen Wert. Zugleich stuft ein quantitatives Ranking-System die Aktie derzeit als Verkauf ein – ein Widerspruch, der die Unsicherheit rund um XPeng gut einfängt.
Bleibt die Frage, ob eine Aktie mit einer Volatilität von 39 Prozent und einem RSI von 44 – also weder überkauft noch überverkauft – der richtige Ort ist, um auf eine Robotik-Wette zu setzen, während der Kern des Geschäfts, der Autobau, noch mit Rückrufen kämpft. Der Montag wird darauf zumindest eine erste, laute Antwort geben.
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