Gold: 4.000-Dollar-Marke bleibt Prüfstein
Die überraschende Waffenruhe zwischen USA und Iran entzieht dem Goldpreis die geopolitische Risikoprämie. Die 4.000-Dollar-Marke bleibt entscheidend.

Kurz zusammengefasst
- Waffenruhe bremst Goldrally
- 4.000-Dollar-Marke als wichtiger Halt
- Analysten und Privatanleger uneins
- ETF-Bestände deuten auf Stabilisierung
Fast zwei Wochen lang bombardierte das US-Zentralkommando den Iran ohne Unterbrechung. In der Nacht zum 24. Juli meldete CENTCOM plötzlich keine neuen Angriffe. Die überraschende Ruhe nimmt dem Goldpreis ausgerechnet jene Risikoprämie, die ihn wochenlang gestützt hatte.
Volatile Woche mit Erholung zum Schluss
Der Goldpreis schwankte zuletzt stark. Zu Wochenbeginn drückten steigende Energiepreise und die Aussicht auf eine länger restriktive Fed-Politik die Notierung bis auf ein Wochentief. Zum Handelsschluss am Freitag stand Gold bei 4.055,70 US-Dollar je Feinunze – ein Plus von 0,86 Prozent auf Wochensicht.
Die Erholung kam nicht von ungefähr. Immer wenn der Preis unter die runde 4.000-Dollar-Marke rutschte, griffen Schnäppchenjäger zu. Das Muster wiederholte sich mehrfach innerhalb weniger Handelstage.
Die 4.000-Dollar-Marke bleibt der Prüfstein
Die wiederholte Verteidigung dieser Schwelle gilt vielen Marktteilnehmern als wichtiges Signal. Sie deutet darauf hin, dass der langfristige Aufwärtstrend intakt bleibt, auch wenn kurzfristig die Fed-Politik über allem schwebt.
Ganz überstanden ist die Schwäche aber nicht. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt liegt bei minus 4,41 Prozent – ein Zeichen, dass der Markt nach der jüngsten Korrektur charttechnisch angeschlagen bleibt. Unsichere Lage im Nahen Osten, schwankende Ölpreise und die offene Zinsfrage halten institutionelle Anleger weiter zurück.
Analysten und Privatanleger driften auseinander
Für die kommende Woche zeichnet sich kein einheitliches Bild ab. Eine Umfrage von Kitco News unter 18 Wall-Street-Analysten ergab: 4 erwarten einen weiteren Anstieg, 7 einen Rückgang, die restlichen 7 rechnen mit einer stabilen Entwicklung.
Bei den Privatanlegern sieht das Stimmungsbild anders aus. Von 249 Befragten gehen 147 von steigenden Preisen aus, nur 48 erwarten einen Rückgang. Die Kluft zwischen professionellen und privaten Markteinschätzungen ist damit ungewöhnlich groß.
ETF-Bestände signalisieren vorsichtige Stabilisierung
Auch institutionelle Investoren zeigen erste Anzeichen von Zuversicht. Der SPDR Gold Shares, der weltweit größte Gold-ETF, baute seine Bestände zuletzt wieder aus – auf 1.007,87 Tonnen. Der Kapitalfluss beim Fonds bleibt zwar negativ, die Bestandsaufstockung selbst werten Analysten aber als mögliches Frühwarnsignal für eine Bodenbildung.
Die Kombination aus verteidigter 4.000-Dollar-Marke, anziehendem Kaufinteresse an der Terminbörse COMEX und dem ETF-Bestandsaufbau erhöht laut Marktbeobachtern die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Stabilisierung.
Die kommende Handelswoche entscheidet sich zwischen zwei Kräften. Hält die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, dürfte die geopolitische Risikoprämie im Goldpreis weiter schrumpfen. Bleibt die Fed-Zinspolitik der dominante Faktor, wird die 4.000-Dollar-Marke erneut zum zentralen Referenzpunkt für Käufer und Verkäufer.
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