BMW Aktie: Agenturmodell erst ab Juli 2028

BMW verlegt den Start des Agenturmodells auf 2028, senkt die Jahresprognose deutlich und kündigt den Abbau von 8.000 Stellen an. Die Elektrosparte zeigt sich indes robust.

Andreas Sommer ·
BMW Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Agenturmodell-Start auf 2028 verschoben
  • Gewinn bricht um 35 Prozent ein
  • 8.000 Stellen werden gestrichen
  • Elektroabsatz wächst trotz Krise

BMW Deutschland verschiebt die Einführung des umstrittenen Agenturmodells im Autohandel erneut, diesmal auf einen Termin nicht vor dem 1. Juli 2028. Ursprünglich sollte das neue Vertriebssystem bereits Anfang 2026 starten.

Medienberichten zufolge wurden die Händler Anfang August über die Verzögerung informiert. In Schweden und Polen soll das Modell dagegen weiterhin im Sommer 2027 anlaufen. Die erneute Verschiebung fällt in eine Phase, in der der Konzern ohnehin an mehreren Fronten unter Druck steht.

Gewinneinbruch zwingt zu Kurskorrektur

Auslöser der aktuellen Schwächephase ist der Halbjahresbericht vom 30. Juli. Das Vorsteuerergebnis brach im zweiten Quartal um 35,1 Prozent auf 1.697 Millionen Euro ein, die EBT-Marge sank auf 5,4 Prozent. Für das Gesamtjahr senkte BMW die Prognose deutlich: Die EBIT-Marge im Automobilgeschäft soll nun nur noch bei 1 bis 3 Prozent liegen, statt der zuvor angepeilten 4 bis 6 Prozent.

Als Gründe nennt der Konzern die Marktschwäche in China, wo der Absatz im zweiten Quartal um 30,2 Prozent einbrach, sowie Zollbelastungen und den Iran-Konflikt. Auf Halbjahressicht lieferte BMW weltweit 1.156.742 Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 4,2 Prozent. Während China einbrach, legte Europa um 5,4 Prozent zu, die USA um 3,9 Prozent.

Als Reaktion einigten sich Konzern und Betriebsrat auf ein Personalstrukturprogramm, das bis 2027 rund 8.000 Stellen abbauen soll – etwa 5 Prozent der Belegschaft, mit Schwerpunkt in Deutschland. Das Programm startet im Oktober und soll ausschließlich über freiwillige Abfindungen ohne betriebsbedingte Kündigungen laufen.

Von den weltweit 154.000 Beschäftigten arbeiten rund 85.000 in Deutschland, wo mehr als die Hälfte der Streichungen erwartet wird. Für die Personalmaßnahmen stellt BMW rund eine Milliarde Euro zurück, davon einen dreistelligen Millionenbetrag bereits im laufenden Jahr.

Elektrooffensive als Lichtblick

Trotz der schwierigen Zahlen gibt es operative Fortschritte im Elektrogeschäft. Die BEV-Auslieferungen legten im zweiten Quartal um 5,2 Prozent auf 116.807 Einheiten zu, in Europa sogar um 38 Prozent auf 81.445 Fahrzeuge – getrieben vom Marktstart des BMW iX3. Der Konzern rechnet mit 100.000 Auftragseingängen für das Modell.

Parallel läuft im Werk München die Serienproduktion des i3 aus der „Neuen Klasse“ seit August an, ab 2027 soll das Stammwerk ausschließlich Elektrofahrzeuge fertigen. Weitere Standorte in Spartanburg und San Luis Potosí sollen 2026 und 2027 folgen.

Zusätzliche Entlastung brachte die Einigung mit Aumovio Germany, der Automotive-Sparte des früheren Continental-Konzerns, im Bremssystem-Rechtsstreit: Aumovio zahlt BMW 350 Millionen Euro in zwei Tranchen, im Gegenzug vergibt BMW Neuaufträge im Volumen von über einer Milliarde Euro.

Auch personell vollzieht der Konzern einen Umbruch: Zum 1. September übernimmt Dorothea von Boxberg, bislang CEO von Brussels Airlines, den Personalvorstand von Ilka Horstmeier.

Kurs spiegelt die Unsicherheit

An der Börse zeigt sich die Gemengelage deutlich. Die Aktie notiert aktuell bei 58,16 Euro und damit nur wenig über ihrem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro, das erst am 24. Juli markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier 38 Prozent verloren, verglichen mit dem Stand vor zwölf Monaten sind es 36 Prozent.

Zum 200-Tage-Durchschnitt von 78,04 Euro beträgt der Abstand 25 Prozent nach unten – ein Zeichen dafür, dass der Abwärtstrend strukturell und nicht nur kurzfristig ist. Der Sparkurs und die Fortschritte bei der Elektroumstellung müssen sich nun erst in belastbaren Zahlen niederschlagen, bevor die Aktie das verlorene Vertrauen zurückgewinnen kann.

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