Trade Republic: Zehn Millionen Kunden schützen ein Geschäft mit schwacher Preismacht
Eduard Altmann sieht Kostenvorteile durch die Kundenbasis, hält dauerhaft hohe Erträge bei schwächerem Handel aber für unbewiesen.

Kurz zusammengefasst
- Mehr als zehn Millionen Kunden
- 733 Millionen Euro Provisionserträge 2024/25
- Größe senkt Kosten je Kunde
- Erträge in Handelsflauten bleiben offen
Trade Republic erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 rund 733 Millionen Euro Provisionserträge. Seit Juli gilt das EU-Verbot von Rückvergütungen aus Wertpapieraufträgen; zugleich hat das Unternehmen ein kostenloses Altersvorsorgedepot angekündigt. Eduard Altmann prüft im Gespräch, wie belastbar der Größenvorteil bei schwächerer Nachfrage wäre.
Stock World Redaktion: Bei 232,6 Millionen Euro Jahresüberschuss im Geschäftsjahr 2024/25 und über zehn Millionen Kunden liegt die Begründungslast doch bei Ihnen: Weshalb zweifeln Sie an dauerhaft hohen Erträgen?
Eduard Altmann: Die Größe beeindruckt mich. Trade Republic kann die Kosten für Technik und Aufsicht auf sehr viele Kunden verteilen; das dürfte auch bei weniger Handelsaufträgen helfen. Der Gewinn belegt, dass das Geschäft im vergangenen Geschäftsjahr Geld verdient hat. Er belegt noch keine hohe Kapitalrendite über einen ganzen Zyklus. Eine Banklizenz ersetzt keine Preismacht. Beim Wertpapierhandel bleiben die Preise hart umkämpft.
Stock World Redaktion: Sie sagen: „Eine Banklizenz ersetzt keine Preismacht.“ Weshalb ist die Lizenz dann für Sie überhaupt ein dauerhafter Schutz?
Eduard Altmann: Weil ein neuer Wettbewerber Zeit und Kapital braucht, um dieselbe regulatorische Grundlage aufzubauen. Über zehn Millionen Kunden geben Trade Republic außerdem eine Kostenbasis, die kleinere Anbieter schwer nachbilden können. Dieser Schutz trägt am ehesten, wenn Kunden ihre Sparpläne und Guthaben auch bei schwächerem Handel dort belassen. Ob daraus dauerhaft hohe Erträge je Kunde werden, ist eine andere Rechnung.
Stock World Redaktion: Das Verbot von Rückvergütungen gilt bereits, und Trade Republic hat eine Lizenz für ein eigenes Handelssystem. Wo könnte Ihre Rechnung trotzdem kippen?
Eduard Altmann: Bei den Erträgen aus der Orderausführung. Die eigene Lizenz schafft eine Möglichkeit, das Geschäft nach dem Verbot fortzuführen; sie garantiert keine auskömmlichen Margen. Wenn sich zeigt, dass die Erträge je Kunde sinken und eine Handelsflaute den Gewinn stark trifft, wäre mein Vertrauen in den Schutz durch Größe zu hoch gewesen. Die Folgen für Spreads und Margen sind bislang nicht abschließend zu beurteilen.
Stock World Redaktion: Ist das kostenlose Altersvorsorgedepot im Preiskampf nicht vor allem ein Geschenk an die Konkurrenz?
Eduard Altmann: Eher umgekehrt. Wer seine Kosten auf viele Kunden verteilen kann, hält ein kostenloses Angebot länger durch. Für kleinere Anbieter wird dieser Wettlauf mühsamer. Mehr verlangen kann Trade Republic deshalb noch lange nicht.
Stock World Redaktion: Angenommen, das Altersvorsorgedepot erhält die nötige Zertifizierung: Welche Entwicklung würde Ihre Skepsis gegenüber der Dauerhaftigkeit der Erträge widerlegen?
Eduard Altmann: Kunden müssten ihr Geld auch in ruhigen Marktphasen freiwillig auf der Plattform lassen, während das Unternehmen ordentlich daran verdient. Hier zählt der Service: Der angekündigte Telefonsupport muss die Beschwerden spürbar entschärfen. Monatelange Depotüberträge als Kundenbindung zu verbuchen, wäre mir zu bequem. Dauerhafte Bindung zeigt sich daran, dass jemand bleiben will.
Stock World Redaktion: Sie nennen über zehn Millionen Kunden. Welches Urteil folgt daraus für die Qualität des Geschäfts und seine Bewertung?
Eduard Altmann: Trade Republic hat einen ernstzunehmenden Größenvorteil. Ich halte ihn für belastbarer als die Preismacht des Unternehmens, gerade wenn die Handelsnachfrage nachlässt. Der Gewinn des Geschäftsjahrs 2024/25 verdient Anerkennung; eine anspruchsvolle Bewertung würde ich damit allein nicht begründen. Dafür muss sich erst zeigen, was von den Erträgen in einer Flaute übrig bleibt.
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