Hensoldt: 11 Prozent Minus nach China-Listung
China setzt Hensoldt auf Exportkontrollliste. Management sieht kaum Folgen, die Aktie verliert elf Prozent. Germanium-Vorräte bis 2028 gesichert.

Kurz zusammengefasst
- Peking setzt Hensoldt auf Sanktionsliste
- Aktie verliert binnen Wochenfrist elf Prozent
- Germanium-Vorräte bis Ende 2028 gesichert
- Auftragsbestand klettert auf 8,8 Milliarden Euro
Peking hat Hensoldt Ende April auf seine Exportkontrollliste gesetzt. Der Vorwurf: Beteiligung an Waffenlieferungen an Taiwan. Das Management spielt die Folgen herunter — die Märkte reagierten deutlich anders.
Warum China Hensoldt trifft
Am 24. April 2026 untersagte Chinas Handelsministerium sieben EU-Unternehmen den Bezug chinesischer Dual-Use-Güter — Materialien und Komponenten mit zivilem wie militärischem Verwendungszweck. Hensoldt steht auf der Liste, weil der damalige CEO Thomas Mueller in einem Analysten-Call 2024 bestätigt hatte, zwei Einheiten des TRML-Luftverteidigungsradars an Taiwan geliefert zu haben.
Finanzchef Christian Ladurner betonte, das Unternehmen habe praktisch kein direktes Umsatzengagement in China. Wesentliche Auswirkungen auf Betrieb oder Jahresprognose erwartet das Management nicht. Die Aktie verlor dennoch rund elf Prozent binnen einer Woche und notiert aktuell bei 74,28 Euro — rund vier Prozent unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts. Die annualisierte Volatilität liegt bei knapp 58 Prozent.
Rohstoffrisiko: Germanium als kritischer Punkt
Die eigentliche Verwundbarkeit liegt nicht in entgangenen Aufträgen, sondern in der Rohstoffabhängigkeit. Die EU bezieht rund 46 Prozent ihrer Seltenen Erden aus China — Inputs, die für Sensoren, Radarsysteme und Optronik zentral sind.
Germanium ist das sichtbarste Einzelrisiko. Hensoldt hat nach eigenen Angaben Vorräte angelegt, die bis Ende 2028 reichen, und arbeitet mit dem Fraunhofer-Institut an einer Kristallzucht-Anlage in Oberkochen. Sie soll bis Ende 2027 vollständige Eigenversorgung ermöglichen. Ob damit alle Einzelquellen-Abhängigkeiten abgesichert sind, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen.
Volle Auftragsbücher, knappe Kapazitäten
Das Exportverbot trifft Hensoldt in einer Phase extremer Auslastung. Die Aufträge stiegen 2025 um 62 Prozent, der Auftragsbestand kletterte auf knapp 8,8 Milliarden Euro. Ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,9 bedeutet: Fast doppelt so viele Aufträge gehen ein, wie das Unternehmen abarbeiten kann.
Um die Kapazitätslücke zu schließen, investiert Hensoldt rund eine Milliarde Euro bis 2027 — unter anderem in eine neue Radarproduktionsstätte. Für 2026 steuert das Management einen Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19 Prozent an.
Nächste Wegmarken im Mai
Heute ist Dividenden-Record-Date. Auf der virtuellen Hauptversammlung am 22. Mai soll über eine vorgeschlagene Dividende von 0,55 Euro je Aktie abgestimmt werden — zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Als Ex-Dividende-Datum ist der 25. Mai vorgesehen.
Wichtiger für die Kursentwicklung dürften die Q1-Zahlen am 6. Mai werden. Märkte werden nicht nur Umsatz und Marge prüfen, sondern vor allem, wie transparent Hensoldt seine Lieferkettenstruktur darstellt und ob konkrete Absicherungsmaßnahmen über den Germaniumvorrat hinaus benannt werden.
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