Bitcoin: Washington zieht den Stecker
Bitcoin gibt nach dem politischen Rückschlag beim Clarity Act nach. Die Senatsabstimmung und anstehende Zinsentscheide erhöhen die Kursschwankungen.
Kurz zusammengefasst
- Bitcoin sinkt auf 76.829 Dollar
- Demokraten verlangen weitere Änderungen
- Gesetzesannahme 2026 nur noch 18 Prozent
- Senatsvotum für Dienstagabend angesetzt
Die Erleichterung hielt keine 24 Stunden. Noch am Montag war Bitcoin auf bis zu 79.400 Dollar geklettert, getragen von der Hoffnung auf einen politischen Durchbruch in Washington. Am Dienstagnachmittag steht die Kryptowährung wieder bei 76.829 Dollar — ein Minus von 1,3 Prozent, das die kurze Euphorie fast vollständig kassiert.
Auslöser des Rücksetzers ist ein Vorgang, der auf den ersten Blick technisch wirkt, für den Kryptomarkt aber enorme Bedeutung hat. Republikaner hatten eine finale Fassung des sogenannten Clarity Act vorgelegt, ein Gesetz zur regulatorischen Einordnung von Kryptowährungen in den USA. Der Entwurf enthielt Zugeständnisse an die Demokraten, darunter verschärfte Ethikregeln für Regierungsvertreter — auch Präsident Trump hatte zugestimmt.
Demokraten spielen auf Zeit
Kurz vor der für Dienstag angesetzten Verfahrensabstimmung platzte die Stimmung. Demokratische Unterhändler legten ein Gegenangebot vor, mehrere Senatoren halten die überarbeitete Fassung weiterhin für unzureichend. Strittig ist unter anderem, welche Möglichkeiten einzelne Bundesstaaten erhalten sollen, um Verstöße gegen Interessenkonfliktregeln durchzusetzen.
Die Nervosität lässt sich an den Prognosemärkten ablesen. Die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung des Gesetzes noch 2026 war am Montag auf über 30 Prozent gestiegen — am Dienstag fiel sie wieder auf 18 Prozent zurück. Für die entscheidende Verfahrenshürde braucht es 60 Stimmen im Senat. Selbst bei geschlossener Zustimmung der Republikaner fehlen damit mindestens sieben demokratische Stimmen.
Die Abstimmung ist für den heutigen Abend um 20:15 Uhr deutscher Zeit angesetzt. Bitcoin reagiert derzeit auf praktisch jede Nachricht aus Washington mit sichtbaren Ausschlägen — bereits am vergangenen Freitag hatte der Kurs nach neuen Inflationsdaten innerhalb kurzer Zeit zwischen 76.800 und 79.500 Dollar geschwankt, ohne dass sich eine klare Richtung durchsetzen konnte.
Nach Washington kommt die Fed
Selbst ein Scheitern der heutigen Abstimmung dürfte nicht das letzte Wort sein. Bereits am Mittwoch steht mit der Fed-Zinsentscheidung der nächste potenzielle Kurstreiber an, inklusive neuer Projektionen zu Wachstum, Inflation und Arbeitsmarkt. Bank of England und Bank of Japan folgen kurz danach — besonders eine straffere Geldpolitik aus Tokio könnte für zusätzliche Unruhe sorgen.
Bitcoin bleibt damit in einer engen, aber hochvolatilen Spanne gefangen, in der politische Schlagzeilen kurzfristig mehr Gewicht haben als fundamentale Marktdaten. Wie der Senat heute Abend abstimmt, dürfte die Richtung für die kommenden Handelstage vorgeben.
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