BMW Aktie: 7.500 Arbeitsplätze im Umbau
BMW ruft weltweit über 744.000 Fahrzeuge zurück und plant Stellenabbau. Analysten bewerten die Aktie trotz China-Krise unterschiedlich.

Kurz zusammengefasst
- Rückruf von 744.234 Fahrzeugen wegen Brandgefahr
- Stellenabbau von bis zu 7.500 Jobs geplant
- China-Absatz bricht um 30,2 Prozent ein
- Halbjahreszahlen am 30. Juli im Fokus
BMW ruft weltweit 744.234 Fahrzeuge zurück – wegen erhöhter Brandgefahr durch Ablagerungen im Starterrelais. Wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf das Kraftfahrt-Bundesamt berichtet, sind in Deutschland 42.300 Fahrzeuge betroffen. Die Rückrufaktion trifft 13 Baureihen aus dem Produktionszeitraum von Juli 2020 bis Februar 2026, darunter die Modelle 3er, 5er, 7er, X5 und i3. Kurz zuvor hatte die US-Verkehrsbehörde NHTSA bereits einen separaten Rückruf von rund 29.000 Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen in den USA angeordnet, ebenfalls wegen Brandgefahr am Anlasserrelais. Betroffenen Haltern rät die Behörde, ihre Fahrzeuge vorerst im Freien zu parken.
Sparkurs: Messe-Absage und Stellenabbau
Parallel zur Rückrufwelle fährt BMW den Rotstift bei den Ausgaben. Laut Bloomberg verzichtet der Konzern auf eine Teilnahme am Pariser Automobilsalon im Oktober 2026 – eine Entscheidung, die das Unternehmen mit Kostendisziplin und einer strategischen Neuausrichtung der Messepräsenz begründet. Hinzu kommen Berichte über einen geplanten Abbau von bis zu 7.500 Arbeitsplätzen im Zuge eines strukturellen Umbaus, mit dem sich BMW auf die Einführung der „Neuen Klasse“ vorbereiten will. Gleichzeitig hält der Konzern am laufenden Aktienrückkaufprogramm fest: Vor wenigen Tagen erwarb BMW 510.000 eigene Aktien zurück. Zusätzlich verschwand die Aktie infolge der technischen Umstellung nach Umwandlung sämtlicher Vorzugsaktien in Stammaktien zum 30. Juni aus dem S&P Europe 350 und dem FTSE All-World Index, was laut Reuters die Nachfrage einzelner indexgebundener Fonds kurzfristig beeinflusst haben dürfte.
Analysten reagieren auf China-Schwäche
Die Nachrichtenlage trifft eine Aktie, die bereits unter Druck steht. Auslöser war die Ad-hoc-Mitteilung von Mitte Juni, in der BMW die Jahresprognose für die EBIT-Marge im Segment Automobile von zuvor 4 bis 6 Prozent auf nur noch 1 bis 3 Prozent kappte – begründet mit der Marktschwäche in China. Die Ende Juni veröffentlichten Absatzzahlen für das zweite Quartal untermauerten das Bild: Die Auslieferungen in China brachen um 30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ein, während die USA ein Plus von 13,0 Prozent verzeichneten.
Die Analysten reagieren uneinheitlich. HSBC-Analyst Mike Tyndall stufte die Aktie am 22. Juli von „Hold“ auf „Buy“ hoch, senkte das Kursziel jedoch zugleich von 79 auf 71 Euro. Seine Begründung: Die China-Risiken seien nach der Prognosesenkung im Juni inzwischen im Kurs eingepreist. Bereits am 14. Juli hatte die Deutsche Bank ihre „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 90 Euro bestätigt, warnte über Analyst Tim Rokossa aber vor belastenden Effekten durch Preisdruck und geringe Volumina im bevorstehenden Quartalsbericht.
Ausblick: Halbjahreszahlen im Fokus
Am 30. Juli veröffentlicht BMW den vollständigen Halbjahresbericht mit detaillierten Margen- und Ergebnisdaten – für Anleger dürfte das der nächste entscheidende Termin sein, um zu beurteilen, wie stark die China-Schwäche tatsächlich auf die Profitabilität durchschlägt.
Am Kapitalmarkt ist die Skepsis bereits sichtbar. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 57,10 Euro, ein Minus von 0,90 Prozent zum Vortag. Damit liegt der Kurs nur noch 0,67 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom 15. Juli, nachdem das Papier seit dem Rekordhoch im Dezember mehr als 40 Prozent verloren hat. Die Häufung negativer Schlagzeilen – Rückrufe, Stellenabbau, Indexausschluss – trifft eine Aktie, die technisch bereits stark überverkauft ist und in den kommenden Tagen mit den Halbjahreszahlen einen weiteren Belastungstest zu bestehen hat.
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