ABO Energy: 37,8-Megawatt-Portfolio an NOVVA verkauft
ABO Energy verkauft mehrere Projekte, um Liquidität zu sichern. Die Bilanzrestrukturierung läuft, während die Aktie weiter fällt.
Kurz zusammengefasst
- Verkauf von Wind- und Solarprojekten
- Liquiditätssicherung durch Pipeline-Verkäufe
- Gewinnprognose für 2026 gestrichen
- Aktie verliert 12,7 Prozent in 30 Tagen
ABO Energy trennt sich in schneller Folge von Projekten aus der eigenen Pipeline. Der Wiesbadener Projektentwickler für erneuerbare Energien hat im Juni mehrere Verkäufe abgeschlossen, die vor allem einem Zweck dienen: kurzfristig Liquidität zu sichern, während im Hintergrund eine umfassende Bilanzrestrukturierung läuft.
Verkäufe in mehreren Ländern
Das Repowering-Projekt Marpingen im Saarland ging an Encavis, eine Windenergieanlage in Großenlüder in Hessen wechselte an KB Renewables – inklusive Optionen auf vier weitere Planungsrechte. Auch international trennt sich das Unternehmen von Vermögenswerten: Ein Solarportfolio in Kolumbien mit einer Leistung von 37,8 Megawatt Wechselstrom ging im Juni an die NOVVA-Gruppe. Parallel dazu meldete ABO Energy einen selteneren Lichtblick aus dem operativen Geschäft: Die Bundesnetzagentur bewilligte Tarifzuschläge für drei deutsche Windprojekte in Ohlenbüttel, Hünxe und Willingen mit einer Gesamtleistung von 61,4 Megawatt.
Diese Bewegungen fallen in eine Phase, in der das Unternehmen seine Kapitalstruktur grundlegend neu ordnen muss. Bereits im Juni hatte ABO Energy die Boston Consulting Group zur Stärkung der Eigenkapitalseite sowie die Bank Rothschild & Co als Finanzberater für Gläubigerverhandlungen mandatiert. Ein erster Entwurf des gemeinsamen Sanierungsgutachtens bescheinigte dem Unternehmen im Mai grundsätzliche Sanierungsfähigkeit – allerdings nur unter der Bedingung, dass eine Refinanzierung tatsächlich gelingt. Zugleich strich das Management die Gewinnprognose für das laufende Jahr vollständig und rechnet nun mit keinem positiven Konzernergebnis.
Führungswechsel im Zuge der Krise
Der wirtschaftliche Druck zeigt sich auch auf Führungsebene. Anfang März entschieden die Gesellschafter der Komplementärin über einen Wechsel in der Geschäftsführung: Finanzgeschäftsführer Alexander Reinicke ist seither nicht mehr Teil des Führungsteams. Am selben Tag meldete das Unternehmen die Inbetriebnahme des Batterieparks Waldkappel in Hessen gemeinsam mit dem Käufer Field – ein Hinweis darauf, dass operative Projekte trotz der Restrukturierung weiterlaufen.
Bereits im Januar hatte das Unternehmen seine Prognose für das vergangene Geschäftsjahr nach unten angepasst und einen Konzernjahresfehlbetrag von rund 170 Millionen Euro bei einer Gesamtleistung von etwa 230 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Anfang Juli bestätigte eine außerordentliche Hauptversammlung in Wiesbaden formell den Verlust der Hälfte des Grundkapitals von 9.220.893,00 Euro gemäß Aktiengesetz – ein Pflichttermin, der das Ausmaß der finanziellen Schieflage öffentlich unterstrich.
Kursreaktion bleibt gedämpft
An der Börse spiegelt sich die angespannte Lage in einer erhöhten Schwankungsbreite wider. Die Aktie notiert aktuell bei 3,46 Euro und hat auf Sicht von 30 Tagen rund 12,72 Prozent an Wert verloren. Der Relative-Stärke-Index von 42,2 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation, sondern eine Marktlage ohne klare Richtung. Die Marktkapitalisierung von gut 30 Millionen Euro steht damit weiterhin in scharfem Kontrast zum gemeldeten Fehlbetrag des vergangenen Jahres.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Den Projektverkäufen und Tarifzuschlägen stehen ein verlorenes halbes Grundkapital, eine gestrichene Gewinnprognose und eine noch nicht abgeschlossene Refinanzierung gegenüber. Ob die eingeleiteten Maßnahmen ausreichen, um die im Sanierungsgutachten formulierte Bedingung einer erfolgreichen Refinanzierung zu erfüllen, dürfte sich in den kommenden Monaten der Gläubigerverhandlungen entscheiden.
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