Silber Preis: 16,62 Prozent Minus seit Jahresbeginn

Trotz fallender Preise verzeichnen Silber-ETFs Zuflüsse, während Gold-ETFs massive Abflüsse erleben. Geopolitische Spannungen treiben die Märkte.

Felix Baarz ·
Silber Preis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Silber-ETF verzeichnet Zuflüsse
  • Gold-ETF mit Milliardenabflüssen
  • Nahost-Konflikt belastet Kurse
  • Fed-Protokolle als nächster Impuls

Gold-Anleger ziehen massiv Kapital ab. Silber-Anleger kaufen dagegen zu, obwohl der Kurs fällt. Diese gegensätzliche Bewegung wirft ein neues Licht auf die Stimmung bei Edelmetallen — und dürfte auch die kommende Handelswoche prägen.

ETF-Ströme laufen auseinander

Beim iShares Silver Trust, dem größten Silber-ETF der Welt, wuchsen die Bestände in der vergangenen Woche um 4,22 Tonnen auf 14.922,22 Tonnen. Der Betreiber meldet Netto-Zuflüsse von 14,14 Millionen Dollar.

Beim größten Gold-ETF SPDR Gold Shares läuft es umgekehrt. Investoren zogen binnen einer Woche 1,03 Milliarden Dollar ab. Die Bestände sanken auf 1.005,36 Tonnen.

Die aktuellen Silber-Zuflüsse folgen allerdings auf eine lange Schwächephase. Seit Januar schrumpften die ETF-Bestände um mehr als neun Prozent, netto flossen rund 3,6 Milliarden Dollar ab. Die jüngsten Käufe wirken daher eher wie selektive Einstiege als wie ein Trendwechsel.

Nahost-Konflikt treibt die Kurse

Auslöser der jüngsten Schwankungen war erneut die Politik. Präsident Donald Trump erklärte das vorläufige Friedensabkommen mit dem Iran für beendet. Die Ölpreise schossen daraufhin um mehr als fünf Prozent nach oben.

Das schürt neue Inflationsängste. Anleger fürchten längerfristig hohe US-Zinsen. In der Folge fiel der Silberpreis zeitweise bis auf 58,38 Dollar je Unze, bevor sich der Markt am Wochentief von 55,75 Dollar fing.

Aktuell notiert die Feinunze bei 60,26 Dollar. Am Freitag verlor sie 0,21 Prozent, auf Wochensicht steht ein Minus von 3,93 Prozent zu Buche. Binnen 30 Tagen summiert sich der Rückgang auf 5,11 Prozent.

Seit Jahresbeginn hat Silber damit bereits 16,62 Prozent eingebüßt. Der Silberpreis bleibt zudem weit entfernt von seinem Rekordhoch: Ende Januar hatte die Feinunze noch 121,78 Dollar gekostet, aktuell fehlen mehr als 50 Prozent bis dorthin.

Nach unten hin sieht die Lage entspannter aus. Zum Jahrestief von 45,51 Dollar aus dem Herbst 2025 bleibt noch ein Puffer von rund 32 Prozent.

Auch das technische Bild bleibt angeschlagen. Der Kurs notiert rund 14 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 70,30 Dollar.

Zum 200-Tage-Durchschnitt von 73,36 Dollar fehlen sogar fast 18 Prozent — ein Zeichen für den anhaltenden Abwärtstrend. Der RSI von 40,6 zeigt weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Marktlage, die annualisierte Volatilität von gut 51 Prozent unterstreicht dagegen die Nervosität unter Anlegern.

Auch Gold bekommt das geopolitische Spannungsfeld zu spüren. Am 9. Juli notierte die Feinunze bei rund 4.064 Dollar und damit deutlich unter dem Rekordhoch von Ende Januar. Ungewöhnlich wirkt das vor allem deshalb, weil sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran gerade wieder verschärft — die Straße von Hormus bleibt ein geopolitischer Brennpunkt.

Asien kauft, der Westen verkauft

Bemerkenswert ist die regionale Verteilung der Kapitalströme. Westliche ETF-Anleger verkaufen, während Zentralbanken und asiatische Investoren wieder verstärkt zukaufen. Parallel dazu verschärfen sich Engpässe im physischen Silbermarkt.

Für Privatanleger entsteht daraus eine ungewöhnliche Mischung aus Korrekturrisiko und Einstiegschance. In Indien etwa berichten Marktbeobachter von einem spürbaren Silberengpass — während die Preise gleichzeitig fallen.

Fed-Politik bleibt Schlüsselfaktor

Die Geldpolitik der US-Notenbank dürfte auch in der kommenden Woche der wichtigste Preistreiber bleiben. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent für einen Zinsschritt im September ein. Wichtige Impulse dürften die anstehenden Fed-Protokolle liefern.

Auf der Nachfrageseite zeichnet sich ein gemischtes Bild ab. Die Nachfrage nach Münzen und Barren soll um 18 Prozent steigen. Die gesamte Silbernachfrage dürfte dagegen um rund zwei Prozent sinken, die industrielle Nachfrage um drei Prozent — unter anderem wegen eines schwächeren Verbrauchs in der Photovoltaikindustrie.

Für die kommende Woche richten sich die Blicke der Marktteilnehmer vor allem auf zwei Ereignisse: die Fed-Protokolle und die weitere Entwicklung im Nahost-Konflikt. Beide Faktoren dürften darüber entscheiden, ob sich die Erholung von der jüngsten Talfahrt fortsetzt oder der Druck auf den Silberpreis zurückkehrt.

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