Moderna Aktie: Embargo-Panne!

Die Phase-3-Studie belegt Vorteile nach einer Melanomoperation; Herstellungskosten, Preis und Zulassung sind noch ungeklärt.

Dieter Jaworski ·
Abstraktes, professionelles Laborumfeld mit medizinischer Ausrüstung als Symbol für pharmazeutische Zulassungsverfahren. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Rückfallrisiko in Phase 3 gesunken
  • Gesamtüberlebensdaten noch nicht ausgereift
  • Individuelle Herstellung dauert etwa sechs Wochen
  • US-Zulassungsantrag wird vorbereitet

Ein medizinischer Erfolg ist noch kein belastbares Geschäftsmodell. Genau diese Unterscheidung macht Moderna gerade schmerzhaft sichtbar. Die jüngsten Daten zur personalisierten Krebsimpfung bestätigen einen Nutzen nach einer Melanomoperation.

Für Anleger beginnt damit aber eine andere Prüfung: Lässt sich aus einer individuell gefertigten Therapie ein wirtschaftlich tragfähiges Angebot machen? Für mich liegt darin der entscheidende Punkt dieser Börsengeschichte – nicht im Gegensatz zwischen begeisterten Ärzten und enttäuschten Investoren.

Der Erfolg ist nicht das Problem

Moderna und Merck veröffentlichten ihre Ergebnisse nach einem Embargobruch bereits am Donnerstag. Die Vorstellung beim ESMO-Kongress in Madrid ist für heute vorgesehen. Damit verschob sich die Aufmerksamkeit vorzeitig vom angekündigten Studienerfolg auf dessen genaue Größenordnung.

Die Phase-3-Studie INTerpath-001 untersuchte 1.137 Patienten mit vollständig entferntem Hochrisiko-Melanom. Intismeran autogene plus Keytruda senkte gegenüber Keytruda allein das relative Risiko für Rückfall oder Tod um 42%. Beim Risiko für Fernmetastasen oder Tod betrug die Reduktion 38%.

Das ist ein klinischer Wirksamkeitsnachweis, kein bloßes Versprechen einer neuen Technologie. Wichtig bleibt allerdings die Grenze der Aussage: Untersucht wurde eine Behandlung nach der Operation. Die Ergebnisse belegen keinen entsprechenden Nutzen bei aktivem, nicht operierbarem oder metastasiertem Melanom. Auch handelt es sich um eine therapeutische Impfung, nicht um eine vorbeugende Schutzimpfung.

Nach zwei Jahren waren mit der Kombination 82,2% der Patienten rezidivfrei. In der Vergleichsgruppe waren es 70,0%.

Diese Gegenüberstellung macht den Nutzen greifbarer als das Schlagwort „Krebsimpfung“. Sie zeigt zugleich, warum der Blick auf das Gesamtüberleben unverzichtbar bleibt. Die entsprechenden Daten sind noch nicht ausgereift. Weniger Rückfälle sind bedeutsam; wie lange der Vorteil anhält und welchen Einfluss er auf das Gesamtüberleben hat, muss die weitere Beobachtung klären.

Erwartungen sind eine eigene Hürde

An der Börse genügt es nicht, dass eine Therapie wirkt. Ihr Nutzen muss auch zu den Erwartungen passen, die bereits im Aktienkurs stecken. Das Wall Street Journal beschreibt Modernas Lage entsprechend: Der erste große Test sei bestanden, während die Bewertung bereits weitreichende Erfolge vorwegnehme.

Die Aktie liegt seit Jahresbeginn trotz des jüngsten Rückschlags mit 573% im Plus. Dieser Anstieg erklärt, weshalb positive Studiendaten nicht automatisch eine positive Kursreaktion auslösen: Der Markt bewertet nicht allein den Fortschritt, sondern auch dessen Abstand zum zuvor eingepreisten Versprechen.

RBC-Analyst Trung Huynh hält eine Zulassung für wahrscheinlich, den kommerziellen Erfolg hingegen für unsicher. Er verweist auf den noch offenen Vergleich mit einer günstigeren Standardtherapie. Das ist keine Widerlegung des medizinischen Nutzens. Es ist die Frage, welchen zusätzlichen Nutzen Gesundheitssysteme zu welchem Preis bezahlen werden.

Eine vorab festgelegte Analyse ab dem Ende der etwa sechsmonatigen Impfphase zeigte eine stärkere Wirkung: Das Rückfall- oder Sterberisiko sank darin um 58%.

Diese Auswertung ergänzt das Hauptergebnis, ersetzt es aber nicht. Für Anleger wäre es ebenso verkürzt, allein die günstigere Teilanalyse hervorzuheben, wie den nachgewiesenen Gesamtnutzen wegen enttäuschter Erwartungen kleinzureden.

Die nächste Bewährungsprobe ist industriell

Moderna steht damit exemplarisch für die wirtschaftliche Herausforderung personalisierter Krebsmedizin. Die Behandlung wird auf den einzelnen Tumor zugeschnitten. Genau darin liegt ihr therapeutischer Ansatz – und zugleich eine Aufgabe für Herstellung, Kostenkontrolle und Zugang.

Die individuelle Fertigung dauert etwa sechs Wochen. Oxford-Professor Lennard Lee warnt vor einer komplexen und potenziell teuren Herstellung. Wie erschwinglich die Therapie werden könnte, ist offen; ein Preis wurde bislang nicht genannt.

Auch der zeitliche Weg zum Geschäft bleibt mit Vorbehalten versehen. Ein US-Zulassungsantrag wird vorbereitet, ein Marktstart wäre nach Unternehmensaussagen möglicherweise 2027 denkbar. Eine Zulassung ist damit nicht zugesichert.

Meine Schlussfolgerung: Moderna muss den medizinischen Erfolg nicht gegen die Börse verteidigen. Das Unternehmen muss zeigen, wie daraus ein verlässlich herstellbares und finanzierbares Angebot wird. Die Studie liefert dafür eine wichtige Grundlage. Ob daraus auch ein wirtschaftlicher Erfolg entsteht, entscheidet sich an mehr als der Wirksamkeit.

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Moderna Aktie

178,42 EUR

– 2,28 EUR -1,26 %
KGV —
KUV 35,30
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 78,65 Mrd. USD
Ø Kursziel 123,61 USD
ISIN: US60770K1079 WKN: A2N9D9

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