SpaceX Aktie: Morgan Stanley sieht 300 Dollar
Trotz Aktienfreigabe steigt SpaceX-Kurs kräftig. Analysten sehen Kurspotenzial bis 300 Dollar, während die KI-Investitionen hohe Verluste verursachen.

Kurz zusammengefasst
- Kursrally trotz Aktienfreigabe
- Analystenziele bis 300 Dollar
- KI-Segment wächst rasant
- Terafab-Chipfabrik bestätigt
Nach dem kräftigen Kurssprung vom Freitag zeigt sich an der Wall Street ein ungewöhnlich breites Bild: Während Morgan Stanley ein Kursziel von 300 Dollar ausgibt, hält Piper Sandler nur 140 Dollar für gerechtfertigt. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die aktuelle Debatte um SpaceX – ausgelöst durch eine Erholung, die trotz eines massiven Aktien-Lockups gelang.
Die SpaceX-Aktie schloss am Freitag mit einem Plus von 15,66 Prozent bei 115,14 Euro. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 15,84 Prozent, auf 30-Tage-Sicht bleibt dagegen ein Minus von 9,48 Prozent stehen. Zum 52-Wochen-Hoch vom 16. Juni 2026 fehlen der Aktie weiterhin knapp 41 Prozent – ein Hinweis darauf, wie deutlich das Papier von seinen Höchstständen nach dem Börsengang im Juni entfernt ist.
Kursziele zwischen 140 und 300 Dollar
Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas bekräftigte seine Einstufung „Overweight“ und nannte ein Kursziel von 300 Dollar – ein Aufschlag von 125 Prozent gegenüber dem jüngsten US-Schlusskurs von 133,11 Dollar. Jonas begründet seine Zuversicht mit dem KI-Geschäft, das nach seiner Einschätzung mehr als die Hälfte des fairen Werts ausmacht. Er verweist zudem auf eine Barreserve von 100 Milliarden Dollar und einen Auftragsbestand von 47,5 Milliarden Dollar.
Goldman Sachs bewertet die Aktie ebenfalls mit „Buy“ und setzt das Kursziel bei 220 Dollar an, was einem Aufwärtspotenzial von 65 Prozent entspricht. Die Bank verglich SpaceX in ihrer Analyse mit Palantir, das sie dagegen nur neutral einstuft. Weitere Häuser wie Argus Research (Kursziel 160 Dollar), Wells Fargo (215 Dollar), Cantor Fitzgerald (246 Dollar) und Needham (250 Dollar) votieren ebenfalls positiv. Piper Sandler bleibt mit einem Ziel von 140 Dollar der vorsichtigste Stimme im Analystenlager. Der Konsens aus 31 Bewertungen liegt bei 229,54 Dollar, die Spanne der Einzelziele reicht von 75 bis 800 Dollar.
Lockup-Ablauf ohne Verkaufswelle
Auslöser der jüngsten Rally war der Ablauf einer Halteverpflichtung für Insider-Aktien am 6. August. Rund 911,5 Millionen Aktien wurden freigegeben, der frei handelbare Anteil stieg dadurch um 143 Prozent auf 1,55 Milliarden Papiere. Viele Marktteilnehmer hatten im Vorfeld einen Kursrutsch erwartet – stattdessen sprang die Aktie an den beiden folgenden Handelstagen um insgesamt rund 23 Prozent. Historische Untersuchungen zu Lockup-Abläufen zeigen, dass die durchschnittliche Kursreaktion an solchen Stichtagen über vier Jahrzehnte betrachtet nur bei minus 1,5 Prozent liegt, weil der Markt das zusätzliche Angebot meist bereits vorab einpreist. Ein weiterer Lockup steht am 20. August an, dann werden sieben Prozent der Aktien frei, gefolgt von weiteren Terminen bis zum 8. Dezember.
Untermauert wird die Erholung durch die Quartalszahlen: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar, der Nettoverlust lag bei 541 Millionen Dollar. Das KI-Segment wuchs um 247 Prozent auf 2,56 Milliarden Dollar Umsatz, verzeichnete operativ aber weiterhin einen Verlust von 1,3 Milliarden Dollar. Das Starlink-Geschäft dagegen lieferte einen operativen Gewinn von 1,66 Milliarden Dollar bei zwölf Millionen Abonnenten.
Terafab als zusätzlicher Wachstumstreiber
Parallel zur Analystendebatte bestätigten SpaceX und Tesla am Sonntag das Gemeinschaftsprojekt Terafab: eine Chipfabrik mit rund 100 Millionen Quadratfuß Fläche in Grimes County, Texas. Die erste Ausbauphase ist mit 16,8 Milliarden Dollar veranschlagt, Ziel ist eine Rechenleistung von mehr als einem Terawatt pro Jahr. Intel soll die Fertigung im 14A-Verfahren übernehmen. Texas-Gouverneur Greg Abbott genehmigte bereits die zugehörigen Steuervereinbarungen, nachdem zwei betroffene Schulbezirke zugestimmt hatten – der nächste Schritt ist die formelle Unterzeichnung vor Baubeginn.
Skepsis bleibt
Nicht alle Marktbeobachter teilen den Optimismus. Kritiker verweisen auf einen Investitionsbedarf von mindestens 400 Milliarden Dollar bis 2028, um das angepeilte KI-Rechenleistungsziel von 20 Gigawatt zu erreichen, sowie auf eine Bewertung von rund dem 17-Fachen des laufenden Jahresumsatzes. Die Kapitalausgaben im zweiten Quartal summierten sich bereits auf 18,4 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 550 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ob die Rally trägt, hängt damit maßgeblich davon ab, wie schnell sich die milliardenschweren KI-Investitionen in profitables Wachstum übersetzen lassen.
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