Rocket Lab Aktie: Kurs halbiert seit Mai-Hoch von 133,80 Euro

Trotz operativer Erfolge und vollem Auftragsbuch verliert die Rocket-Lab-Aktie massiv an Wert. Die geplante Iridium-Übernahme und Unsicherheiten um die Neutron-Rakete belasten den Kurs.

Dr. Robert Sasse ·
Rocket Lab Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie verliert trotz operativer Stärke
  • Geplante Iridium-Übernahme verunsichert Anleger
  • Pentagon-Auftrag über 266 Millionen Dollar
  • Fokus auf Quartalszahlen am 10. August

Perfekte Missionen, prall gefüllte Auftragsbücher – und trotzdem bricht der Kurs ein. Bei Rocket Lab zeigt sich gerade, wie brutal die Börse zwischen operativem Erfolg und strategischem Risiko unterscheidet. Wer den Wandel vom Raketenbauer zum integrierten Weltraum-Versorger bezahlen soll, ist offenbar noch nicht ausgemacht.

Ein brutaler Sommer

Am Freitag schloss die Aktie bei 56,40 Euro, ein Tagesverlust von 8,29 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von 24,09 Prozent zu Buche. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro im Mai hat sich der Kurs damit fast halbiert.

Der RSI von 30,8 signalisiert, dass die Aktie kurz vor überverkauftem Terrain steht. Trotzdem liegt sie noch 16,27 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 67,36 Euro. Ein Markt, der sich offenbar nicht traut, den fallenden Kurs als Kaufgelegenheit zu lesen.

Die 8-Milliarden-Dollar-Wette

Im Zentrum der Nervosität steht die geplante Übernahme von Iridium Communications, ein Deal im Volumen von 8 Milliarden Dollar. Für Rocket Lab ist das mehr als ein weiterer Zukauf. Es ist eine Identitätsfrage.

CEO Peter Beck will das Unternehmen von den unberechenbaren, launenhaften Einnahmen aus Raketenstarts wegbewegen. Mit Iridiums globaler Flotte von 66 Satelliten sichert er sich stattdessen wiederkehrende Cash-Flows aus Satellitendiensten und Daten. Die strategische Logik liegt auf der Hand: Wer SpaceX mit Starlink Konkurrenz machen will, braucht selbst eine schlagkräftige Kommunikationsflotte.

Der Markt sieht das offenbar anders, zumindest kurzfristig. Ausführungsrisiko und mögliche Verwässerung der Aktionäre wiegen für viele Investoren schwerer als die langfristige Logik des Deals. Kein Wunder, dass die Kursreaktion so heftig ausfällt – ein Milliarden-Zukauf dieser Größenordnung verändert die Bilanzstruktur eines Unternehmens, das noch vor wenigen Jahren als reiner Nischenanbieter für kleine Trägerraketen galt.

Erfolge, die niemand feiert

Das Paradoxe: Operativ läuft es für Rocket Lab so gut wie nie zuvor. Erst kürzlich sicherte sich das Unternehmen einen Pentagon-Auftrag über 266 Millionen Dollar für suborbitale Starts – ein weiterer Baustein in der Rolle als bevorzugter kommerzieller Partner für Missionen der nationalen Sicherheit.

Die „Victus Haze“-Mission demonstrierte zudem eine rekordverdächtige Reaktionsfähigkeit bei kurzfristig angesetzten Starts. Das beweist: Die Sparte „Space Systems“ ist längst kein Anhängsel der Electron-Rakete mehr, sondern ein eigenständiges Standbein.

Trotzdem blickt der Markt bereits nach vorn, zum Quartalsbericht am 10. August. Investoren wollen Klarheit zum Zeitplan der Neutron-Rakete. Offiziell steht der Erstflug weiter für das vierte Quartal 2026 im Kalender, doch Gerüchte über Verzögerungen bei der Triebwerkszertifizierung nähren die Verunsicherung.

Die Lücke zwischen Kurs und Kursziel

Trotz des Ausverkaufs bleibt die Analystengemeinde bemerkenswert optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 100,50 Euro – ein Aufwärtspotenzial von 78,2 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Zwischen dem, was der Markt heute zahlt, und dem, was institutionelle Modelle für die künftigen Cash-Flows des Unternehmens ansetzen, klafft eine erhebliche Lücke.

Rocket Lab befindet sich in einer Übergangsphase, die weit über das Auf und Ab eines einzelnen Quartals hinausgeht. Aus dem kleinen Raketenbauer, der einst als sympathischer Herausforderer von SpaceX galt, wird gerade ein milliardenschwerer Raumfahrtkonzern geformt. Ob der Bericht am 10. August erste Antworten zum Neutron-Zeitplan liefert und damit die Stimmung dreht, oder ob die Unsicherheit über Iridium und die Verwässerungsfrage den Kurs weiter unter Druck hält, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

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Rocket Lab Aktie

76,00 EUR

– 3,50 EUR -4,40 %
KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 51,44 Mrd. EUR
ISIN: US7731211089 WKN: A419CG

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