Commerzbank Aktie: UniCredit nennt Q4 2026

UniCredit plant operative Kontrolle über Commerzbank ab Q4 2026. Der Bankenpoker erhält einen Fahrplan, während die Commerzbank mit Rekordzielen kontert.

Dieter Jaworski ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • UniCredit will ab Q4 2026 übernehmen
  • EZB-Genehmigung noch dieses Jahr erwartet
  • Commerzbank hebt Gewinnziel auf 3,4 Milliarden
  • S&P senkt Ausblick auf stabil

UniCredit-Chef Andrea Orcel hat am Donnerstag ein Datum genannt. Ab dem vierten Quartal 2026 will die italienische Großbank die operative Kontrolle über die Commerzbank übernehmen. Der Bankenpoker um Frankfurts zweitgrößtes Kreditinstitut bekommt damit einen konkreten Zeitplan.

Orcel rechnet mit EZB-Freigabe

Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen in Mailand wurde UniCredit deutlich. Das Institut rechnet fest mit den nötigen Genehmigungen der Europäischen Zentralbank noch in diesem Jahr. Direkt nach der Freigabe will UniCredit zugreifen.

Der Anteil der Italiener ist bereits enorm. Nach dem freiwilligen Übernahmeangebot Anfang Juli hält UniCredit rechnerisch 44,37 Prozent der Commerzbank-Aktien direkt. Rechnet man Kaufoptionen und Derivate mit ein, könnte der Zugriff sogar auf 47,59 Prozent der Stimmrechte steigen. UniCredit schließt inzwischen eine außerordentliche Hauptversammlung nicht mehr aus, um schneller voranzukommen.

Berlin hält sich zurück

Die Bundesregierung hat ihre Haltung verändert. Aktuellen Medienberichten zufolge will die Politik eine Fusion oder Übernahme nicht mehr aktiv blockieren. CDU-Chef Friedrich Merz verwies auf die marktwirtschaftliche Ordnung: Die Eigentümer sollen entscheiden, nicht der Staat.

Bemerkenswert ist die schwache Resonanz der übrigen Aktionäre. Bis zum 3. Juli 2026 wurden nur rund 17,60 Prozent der Anteile angedient. Davon entfielen weniger als 2 Prozent auf unabhängige institutionelle oder private Investoren. Der Großteil der Papiere stammte aus dem Umfeld von UniCredit selbst.

Ein neuer Akteur mischt sich derweil ein. Der US-Vermögensverwalter Jefferies hat seine Position an der Commerzbank auf 10,02 Prozent aufgestockt und damit die meldepflichtige Schwelle überschritten.

Commerzbank kontert mit Rekordzahlen

Das Management um Vorstandschefin Bettina Orlopp lässt sich von der Übernahmedynamik nicht beeindrucken. Der eigene Wachstumsplan trägt den Namen „Momentum 2030“. Mitte Juli hob der Vorstand das Nettoergebnis-Ziel für 2026 auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an, zuvor waren mehr als 3,2 Milliarden Euro angepeilt.

Die Bank verspricht zudem eine üppige Ausschüttung. Zwischen 2026 und 2028 sollen Aktionäre nahezu den gesamten Gewinn über Dividenden und Rückkäufe zurückerhalten. Für das Geschäftsjahr 2025 steht bereits eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie im Raum.

Auch operativ punktet die Commerzbank. Am Mittwoch wurde sie bei den FINANCE Awards 2026 als beste Bank im deutschen Firmenkundengeschäft ausgezeichnet.

Ratingagentur wird vorsichtiger

Nicht alle reagieren gelassen auf den Übernahmekampf. S&P Global Ratings senkte am 16. Juli 2026 den Ausblick für die Commerzbank von „positiv“ auf „stabil“. Das langfristige Rating bleibt bei „A“, die Agentur verweist aber auf Integrationsrisiken und die komplizierte Eigentümerstruktur.

Auch bei den Kurszielen der Analysten gehen die Meinungen auseinander:

  • JPMorgan: „Neutral“, Kursziel 37,00 Euro
  • Deutsche Bank: Kursziel 42,00 Euro
  • RBC Capital Markets: Kursziel 43,00 Euro

Die Aktie selbst notiert bei 38,21 Euro und bewegt sich damit nur 2,48 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro. Die Bandbreite der Kursziele – von 37 bis 43 Euro – spiegelt genau diese Unsicherheit über den Ausgang der Übernahme wider.

Am 6. August veröffentlicht die Commerzbank ihre Zahlen zum zweiten Quartal. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob UniCredit den Zeitplan für das vierte Quartal halten kann oder ob der schleppende Zuspruch der übrigen Aktionäre die Pläne verzögert.

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Div.-Rendite 2,98 %
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ISIN: DE000CBK1001 WKN: CBK100

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