ASML Aktie: Poker um Chip-Exporte

ASML verzeichnet Kursgewinne, während die Niederlande gegen strengere US-Exportkontrollen für Chipmaschinen lobbyieren.

Andreas Sommer ·
Asml Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kursplus von fast fünf Prozent
  • Streit um MATCH Act in Washington
  • Niederlande lobbyieren gegen Exportbeschränkungen
  • China-Anteil am Umsatz sinkt deutlich

Fast fünf Prozent Kursgewinn an einem einzigen Handelstag. ASML schließt am Freitag bei 1.628,00 Euro, ein Plus von 4,98 Prozent auf Tagessicht. Über 30 Tage summiert sich der Anstieg auf 9,61 Prozent. Der niederländische Chipausrüster ist damit rund 608 Milliarden Euro wert — und Europas teuerster Technologiekonzern.

Der Kursschub fällt mitten in einen diplomatischen Streit. Washington erwägt den sogenannten MATCH Act, ein Gesetz, das den Verkauf von ASML-Maschinen der älteren DUV-Technologie nach China weiter einschränken würde. Den Haag lobbyiert dagegen mit Nachdruck.

Ein Gesetz in der Schwebe

Der Multilateral Alignment of Technology Controls on Hardware Act kam Anfang April 2026 ins Spiel. Am 22. April passierte er den Außenausschuss des US-Repräsentantenhauses, zusammen mit weiteren Exportkontroll-Maßnahmen. Die volle Abstimmung im Kongress steht aber noch aus.

Der niederländische Handelsminister Sjoerd Sjoerdsma reiste deshalb nach Washington. Dort traf er US-Handelsminister Howard Lutnick und mehrere Kongressabgeordnete. Der Zeitpunkt hätte kaum brisanter sein können: Lutnick hatte ASMLs Führungsriege zuvor mit dem Verdacht konfrontiert, eine der hochmodernen EUV-Maschinen könnte trotz bestehender Exportkontrollen nach China gelangt sein. ASML weist den Vorwurf zurück. Ein Firmensprecher erklärte, man habe noch nie eine EUV-Maschine nach China verschifft.

Parallel dazu plant ASML offenbar eine China-Reise. Konzernvertreter sollen sich Anfang Juli der Delegation von Minister Sjoerdsma anschließen, gemeinsam mit Vertretern von NXP.

Die entscheidende Weichenstellung

Alles hängt an einer strukturellen Frage: Bleibt der MATCH Act im Ausschuss stecken, wird er entschärft — oder verschärft er die Regeln so, dass sie über die bereits eingeschränkten EUV-Systeme hinaus auch DUV-Immersionsanlagen und deren Wartungsverträge treffen? Die Antwort entscheidet, ob ASMLs China-Geschäft weiter schrumpft. Der Konzern rechnet für 2026 mit einem China-Anteil von etwa 20 Prozent am Gesamtumsatz, nach 33 Prozent im Jahr 2025.

Bullen-Szenario: Diplomatie trifft auf Nachfrage-Momentum

Den Haag verhandelt hart, und es gibt Anzeichen für Entgegenkommen aus Washington. US-Botschafter Joe Popolo deutete kürzlich an, ein günstiges Handelsabkommen zwischen den USA und der EU könnte den Druck auf das Gesetz mindern. Die Niederlande positionieren sich zudem als verlässlicher Sicherheitspartner: Das Land unterzeichnete in Washington eine Erklärung zum Beitritt zur Pax-Silica-Allianz, einer Initiative zur Koordination von Chip- und KI-Lieferketten unabhängig von China. Das Kabinett hofft, damit den Kongress zu überzeugen, dass bestehende Beschränkungen bereits ausreichen.

Auch das Chartbild spricht für Optimismus. Die Aktie notiert 12,86 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und 41,73 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI liegt bei 54,6 — Luft nach oben, bevor die überkaufte Zone erreicht wäre. Über zwölf Monate steht ein Kursplus von 140,83 Prozent zu Buche.

Bären-Szenario: Die Eskalationsgefahr ist real

Die Drohkulisse ist keine reine Symbolpolitik. Zu den einschneidendsten Punkten im US-Gesetzentwurf zählen Beschränkungen für sämtliche DUV-Immersionslithografiemaschinen von ASML. Das würde auch die Wartung bereits installierter Anlagen in chinesischen Fabriken verbieten — ein hochmargiges Geschäft, das ASML damit verlieren könnte.

Was Den Haag besonders beunruhigt: Die extraterritoriale Reichweite des Gesetzes. Es würde den USA die Macht geben, für Partnerländer zu bestimmen, was deren Chipindustrie nach China liefern darf. Selbst die Wartung bereits verkaufter Maschinen könnte untersagt werden.

Der ungeklärte EUV-Vorwurf hängt derweil weiter wie eine Wolke über dem Unternehmen. Branchenbeobachter merken an, dass jede vorherige Kontrollrunde strenger ausfiel als die vorangegangene. Die Aktie notiert noch 6,86 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro vom 30. Juni. Ein Teil dieses Abstands dürfte die Unsicherheit bereits einpreisen — ob das reicht, würde sich erst bei einer tatsächlichen Verabschiedung des Gesetzes zeigen.

Ausblick

Solange die niederländische Lobbyarbeit den MATCH Act im Ausschuss festhält und ein breiteres EU-US-Handelsabkommen im Raum steht, dürfte das Aufwärtsargument die Oberhand behalten. Es stützt sich auf robuste KI-Nachfrage und ein Chartbild, das weiterhin über den wichtigen gleitenden Durchschnitten verläuft.

Gewinnt das Gesetz dagegen Fahrt Richtung Abstimmung im Plenum, oder liefert der EUV-Streit belastbare Beweise statt Dementis, könnte die Stimmung rasch kippen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 62,82 Prozent zeigt, wie nervös der Markt bereits reagiert. Zwei Termine verdienen besondere Aufmerksamkeit: die Handelsdelegation nach China Anfang Juli und der Quartalsbericht im selben Monat, der zeigen wird, wie stark sich die China-Schwäche bereits im Auftragseingang niederschlägt.

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