Sivers Semiconductors Aktie: 72-Prozent-Absturz seit Juni-Hoch
Nach Ende der Aktiensperrfrist verkaufen Vorstandsmitglieder von Sivers Semiconductors. Der Kurs ist in 30 Tagen um über 60 Prozent eingebrochen.

Kurz zusammengefasst
- Kursverlust von über 60 Prozent in 30 Tagen
- Lock-up-Ende löst Verkaufswelle im Vorstand aus
- CEO kauft Aktien und signalisiert Vertrauen
- Neue Handelsbeschränkung ab 28. Juli
Sivers Semiconductors erlebt einen der brutalsten Kursverfälle im schwedischen Techsektor der letzten Monate. Die Aktie schloss am Freitag bei 2,83 Euro, ein Minus von 6,35 Prozent allein an diesem Tag. Über die letzten 30 Tage hat das Papier mehr als 60 Prozent verloren.
Auslöser ist keine Gewinnwarnung und kein Produktproblem. Es ist das Ende einer Lock-up-Vereinbarung — und eine Verkaufswelle im Vorstand, die das Unternehmen selbst bestätigt hat.
Vorstandsmitglieder verkaufen nach Sperrfrist-Ende
Die Sperrfrist war an eine gerichtete Kapitalerhöhung gebunden, die der Vorstand am 16. April 2026 beschlossen hatte. Sie untersagte bestimmten Board-Mitgliedern und Managern den Verkauf ihrer Aktien bis zum 16. Juli 2026. Diese Frist ist nun abgelaufen — und prompt kam Bewegung in die Bestände.
Chairman Bami Bastani zählte zu den Verkäufern. Er spendete 60.000 Aktien an gemeinnützige Organisationen, schenkte 70.000 Aktien an Familienmitglieder und verkaufte am 16. Juli weitere 275.000 Aktien. Nach diesen Transaktionen hält er noch 381.360 Aktien, von denen 11.360 Stück einer neuen einjährigen Sperrfrist unterliegen.
Auch Board-Mitglied Todd Thomson zeigte sich aktiv. Seine Gesellschaft Headwaters Capital verkaufte bis zum 22. Juli 950.000 Aktien und spendete weitere 50.000 Stück an eine Wohltätigkeitsorganisation. Die Venture-Capital-Firma Kairos Ventures reduzierte ihre Position ebenfalls — sie hatte ihre Anteile 2022 über den Verkauf des Portfoliounternehmens Mixcomm erhalten und verteilte nun Aktien an Investoren, die investiert bleiben wollen, während der Rest liquidiert wird. Trotz der Verkäufe bleibt Thomson mit 477.027 Aktien größter Anteilseigner im Vorstand.
Nicht jeder im Führungskreis verkaufte. CEO Vickram Vathulya kaufte 70.000 zusätzliche Aktien und hält nun 4.540.076 Aktien sowie 3,7 Millionen Aktienoptionen für Mitarbeiter. Ein Signal, das gegen die Verkaufswelle steht.
Geschlossene Handelsperiode vor Quartalszahlen
Das Management betonte, die Insider-Transaktionen spiegelten keinen Vertrauensverlust wider. Die verantwortlichen Personen hielten weiterhin bedeutende private Aktienbestände und blieben der langfristigen Strategie des Unternehmens verpflichtet, hieß es.
Ab dem 28. Juli greift nun eine geschlossene Handelsperiode nach EU-Marktmissbrauchsverordnung. Sie dauert bis zur Veröffentlichung des Quartalsberichts für das zweite Quartal 2026 am 27. August, vor Handelsbeginn an der Nasdaq Stockholm. Bis dahin dürfen Insider keine Wertpapiere des Unternehmens handeln.
Kapitalerhöhung als Ursprung der Sperrfrist
Die Sperrfrist selbst geht auf eine Kapitalerhöhung Anfang des Monats zurück. Der Vorstand hatte eine gerichtete Emission von 12.280.701 Stammaktien beschlossen, entsprechend rund 700 Millionen schwedischen Kronen, zu einem Bezugspreis von 57 Kronen je Aktie über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren. Die Emission war mehrfach überzeichnet, schwedische und internationale institutionelle Investoren beteiligten sich.
Der Kursverfall zeigt das Ausmaß der Reaktion: Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro am 3. Juni ist die Aktie um mehr als 72 Prozent gefallen. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 160 Prozent zählt das Papier zu den unruhigsten am schwedischen Markt.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Verkäufe nach der Kapitalerhöhung als Einmaleffekt erweisen. Bis zum Quartalsbericht am 27. August bleibt der Handel für Insider ohnehin gesperrt — ein Zeitfenster, in dem sich der Kurs ohne neue Insider-Nachrichten stabilisieren könnte.
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