Thyssenkrupp Aktie: 37-Milliarden-U-Boot-Auftrag in Kanada
Thyssenkrupp profitiert von mehreren positiven Impulsen: Ein milliardenschwerer U-Boot-Auftrag aus Kanada steht bevor, neue EU-Stahlzölle entlasten das Stahlgeschäft und der Konzernumbau schreitet voran.

Kurz zusammengefasst
- Kanada entscheidet über 37-Milliarden-Auftrag
- Neue EU-Stahlzölle ab Juli geplant
- Konzernumbau mit außerordentlicher Hauptversammlung
- Auftragseingang steigt um 32 Prozent
Kanada, EU-Stahlschutz, Konzernumbau — selten stehen für Thyssenkrupp so viele Weichenstellungen gleichzeitig an. Die Aktie hat das bereits eingepreist: Mit einem Wochenplus von über acht Prozent und einem Kurs von 11,72 Euro liegt sie rund 25 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
TKMS: 37 Milliarden Euro auf dem Spiel
Das mit Abstand gewichtigste Thema bleibt der kanadische U-Boot-Auftrag. Ottawa entscheidet zwischen Mai und Juni über den Kauf von zwölf konventionellen U-Booten — Auftragsvolumen bis zu 37 Milliarden Euro. Thyssenkrupp Marine Systems bewirbt sich mit der für arktische Einsätze ausgelegten 212CD-Klasse und steht nur noch einem Konkurrenten gegenüber: dem südkoreanischen Konzern Hanwha Ocean.
Bundesverteidigungsminister Pistorius wirbt auf der Rüstungsmesse Cansec in Kanada persönlich für TKMS und eine strategische Marine-Allianz. Eine Entscheidung im Rahmen seiner Reise wird nicht erwartet. Thyssenkrupp hält rund 51 Prozent an TKMS — ein Zuschlag würde die Konzernbilanz direkt stärken. Der Auftragsbestand der Marinesparte liegt nach einem Folgeauftrag aus Norwegen bereits über 20 Milliarden Euro. Neben Kanada warten Investoren auf mögliche Großaufträge aus Indien und Deutschland, beide noch im laufenden Jahr.
EU-Stahlschutz: Zölle ab Juli
Für das angeschlagene Stahlgeschäft könnte die kommende Woche ebenfalls relevant werden. Das Europäische Parlament hat Ende Mai die neue Verordnung zur Eindämmung globaler Überkapazitäten auf dem EU-Stahlmarkt verabschiedet. Die Ratszustimmung gilt als Formsache, da beide Seiten sich vorab im Trilogverfahren geeinigt haben.
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Ab 1. Juli greifen damit neue Schutzmaßnahmen. Sind die Zollkontingente erschöpft, werden 25 Prozent Zusatzzölle auf betroffene Importe fällig. Die bisherigen Regelungen laufen am 30. Juni aus. Für Thyssenkrupp Steel ist das ein direkter Entlastungsfaktor — wenngleich die Stahlsparte strukturell weiter unter Druck bleibt. Das Werk für kornorientiertes Elektroband in Isbergues schließt von Juni bis September komplett; zuvor hatte es seit Januar nur mit halber Kapazität produziert.
Konzernumbau unter Druck
Intern wächst die Kritik am Umbaukurs von Konzernchef Miguel López. Der Konzern treibt die Verselbstständigung der Werkstoffhandelssparte Materials Services voran — geprüft wird erneut eine Konstruktion als Kommanditgesellschaft auf Aktien. Einladungen zu einer außerordentlichen Hauptversammlung könnten bereits im Juni verschickt werden; als Termin gilt Ende Juli oder Anfang August.
Der Auftragseingang legte im jüngsten Quartal um 32 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro zu, getrieben von Marine Systems. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern dennoch mit einem Nettoverlust zwischen 400 und 800 Millionen Euro — der Umbau kostet, bevor er trägt.
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