BioNTech Aktie: Arife-Streit eskaliert?
Offene Trennungsfragen treffen auf positive Studiendaten zu Gotistobart; Berenberg hob sein Kursziel an, BMO Capital senkte seine Einstufung.

Kurz zusammengefasst
- Einigung über Trennung noch ausstehend
- Arife soll mRNA-Forschung vorantreiben
- Gotistobart: medianes Überleben 18,5 Monate
- Berenberg erhöht Kursziel auf 140 Dollar
Gestern berichtete das Handelsblatt über anhaltende Meinungsverschiedenheiten beim geplanten Umbau an der Führungsspitze von BioNTech. Die Mitgründer Uğur Şahin und Özlem Türeci beabsichtigen den Aufbau eines neuen Unternehmens namens Arife.
Bei den Verhandlungen über die Trennung gibt es jedoch Streitpunkte bezüglich der Patente, der Forschungsvermögenswerte, der finanziellen Mittel sowie der personellen Ausstattung. Eine vertragliche Einigung zwischen den Parteien wurde bislang nicht unterzeichnet.
Bereits am Mittwoch bestätigte BioNTech Medienberichten zufolge den Namen der neu gegründeten Gesellschaft mit Sitz in Mainz. Şahin und Türeci planen, den Schwerpunkt von Arife auf die Erforschung und Entwicklung von mRNA-Medikamenten der nächsten Generation zu legen. Die beiden Gründer beabsichtigen, BioNTech bis zum Ablauf des Jahres 2026 zu verlassen.
Damit steht das Mainzer Biotechnologieunternehmen vor anspruchsvollen Verhandlungen über das künftige geistige Eigentum. Das Management muss sicherstellen, dass BioNTech den uneingeschränkten Zugriff auf wichtige Schutzrechte und Entwicklungskapazitäten für das eigene klinische Portfolio behält.
Die Klärung dieser offenen Fragen gilt am Markt als wesentliche Voraussetzung für einen geordneten Übergang ohne Reibungsverluste in den laufenden Projekten.
Fortschritte in der klinischen Onkologie
Neben den Gesprächen über die Unternehmensstruktur treibt der Konzern seine klinischen Studien voran. Vor gut einer Woche veröffentlichten BioNTech und der Partner OncoC4 aktualisierte Ergebnisse der Phase-3-Studie PRESERVE-003 für den Wirkstoffkandidaten Gotistobart.
Bei Patienten mit vorbehandeltem Plattenepithel-NSCLC zeigte sich ein medianes Gesamtüberleben von 18,5 Monaten gegenüber 10,0 Monaten unter Docetaxel. Die entscheidende zweite Studienphase wird derzeit fortgesetzt.
Die Studienergebnisse unterstreichen die strategische Neuausrichtung des Unternehmens auf die Onkologie. Während die Erlöse aus dem Covid-19-Geschäft zurückgehen, kommt den Fortschritten in der Krebsforschung für die langfristige Bewertung eine wachsende Bedeutung zu. Für Anleger bildet die klinische Pipeline das fundamentale Gegengewicht zu den Unsicherheiten rund um die personelle Neuordnung an der Unternehmensspitze.
Analystenstimmen und Kursreaktion
Am Kapitalmarkt fallen die Einschätzungen der Experten unterschiedlich aus. Am 16. September bekräftigte das Analysehaus Berenberg seine Kaufempfehlung und passte das Kursziel von 132 $ auf 140 $ an.
Vor gut drei Wochen stufte BMO Capital die Aktie hingegen von Outperform auf Market Perform ab. Die Analysten begründeten ihre vorsichtigere Haltung mit erwarteten Erlösrückgängen beim Covid-19-Impfstoff Comirnaty sowie dem Ausbleiben belastbarer Studiendaten für den Wirkstoff Pumitamig.
An der Börse reagierten die Marktteilnehmer zurückhaltend auf die offenen Fragen bezüglich der Trennungsvereinbarung. Am Freitag verzeichnete die BioNTech-Aktie einen Kursrückgang von 0,9 % auf einen Schlussstand von 86,55 €. Seit dem Jahresbeginn weist das Papier dennoch ein Kursplus von 6,4 % auf.
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