Plug Power: CalSTRS kauft 488.883 Aktien
Vor den Q2-Zahlen setzen Großinvestoren wie CalSTRS auf Plug Power. Asset-Verkäufe und neue Projekte stärken die Liquidität des Wasserstoff-Spezialisten.

Kurz zusammengefasst
- CalSTRS und Dimensional Fund Advisors erhöhen ihre Beteiligungen deutlich.
- Verkauf des Standorts 'Project Gateway' bringt über 132,5 Mio. Dollar Erlös.
- Neue Elektrolyseur-Aufträge in Australien und Dänemark stützen das operative Geschäft.
- Spannung vor der Veröffentlichung der Q2-Quartalszahlen am Montagabend.
Wenn ein kalifornischer Pensionsfonds und ein milliardenschwerer Vermögensverwalter binnen wenigen Tagen ihre Positionen in einem Wasserstoff-Unternehmen aufstocken, das seit Jahren rote Zahlen schreibt, dann sagt das mehr über die Erwartungshaltung am Markt als jede Pressemitteilung. Genau das passiert derzeit bei Plug Power. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,89 Euro, ein Plus von 5,83 Prozent an einem einzigen Tag – ein deutliches Zeichen, dass Anleger sich vor dem Quartalsbericht am Montag in Stellung bringen. Auf Jahressicht steht seit Jahresbeginn ein Plus von 12,52 Prozent, doch vom 52-Wochen-Hoch trennt das Papier weiterhin ein Abstand von 53,23 Prozent. Zwischen Euphorie und Ernüchterung liegt bei diesem Titel offenbar nur eine Handelswoche.
Große Adressen bauen ihre Position aus
Am heutigen Sonntag wurde bekannt, dass das California State Teachers Retirement System, einer der größten Pensionsfonds der USA, 488.883 Aktien von Plug Power erworben hat. Nur drei Tage zuvor, am Donnerstag, meldete Dimensional Fund Advisors eine Aufstockung der eigenen Beteiligung um 241 Prozent. Beide Bewegungen fallen in eine Phase, in der Clean-Energy-Nebenwerte insgesamt unter Druck standen – Anleger positionierten sich am Donnerstag branchenweit defensiv, während ausgerechnet bei Plug Power institutionelles Kapital zufloss. Diese Gegenläufigkeit ist bemerkenswert: Während der Sektor insgesamt Risiko abbaute, wetteten zwei gewichtige Adressen offenbar gezielt auf dieses eine Unternehmen.
Bilanzsanierung als Fundament
Wer verstehen will, warum, muss auf die operative Substanz schauen. Anfang Juli unterzeichnete Plug Power eine verbindliche Vereinbarung mit Stream Data Centers über den Verkauf seines Standorts Project Gateway im Bundesstaat New York – mindestens 132,5 Millionen Dollar Bruttoerlös, eingebettet in eine breitere Liquiditätsinitiative über insgesamt 275 Millionen Dollar. Solche Immobilienverkäufe sind kein Ruhmesblatt für ein Industrieunternehmen, aber sie schaffen finanziellen Spielraum in einer Phase, in der das operative Geschäft noch nicht selbsttragend ist. Parallel dazu kamen im Sommer zwei industrielle Erfolgsmeldungen: Ein 50-Megawatt-Elektrolyseur-Auftrag für den Hunter-Valley-Hub des Sprengstoffherstellers Orica in Australien, nachdem das Projekt die finale Investitionsentscheidung erreicht hatte, sowie die Inbetriebnahme einer 5-Megawatt-Elektrolyseanlage am Måde-PtX-Standort von European Energy in Dänemark Ende Juni. Auf der Führungsebene hat sich derweil ebenfalls etwas verändert: Seit Anfang März leitet Jose Luis Crespo das Unternehmen als CEO, er trat die Nachfolge von Andy Marsh im Rahmen eines geplanten Führungswechsels an.
Der Härtetest steht am Montag an
All das mündet in den eigentlichen Prüfstein: Am Montag nach Handelsschluss legt Plug Power die Zahlen für das zweite Quartal vor, die Telefonkonferenz mit dem Management ist für 16:30 Uhr US-Ostküstenzeit angesetzt. Analysten erwarten im Konsens einen Verlust von 0,08 Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von rund 169,1 Millionen Dollar. Das Management selbst hatte zuvor sequenzielles Wachstum im zweiten Quartal in Aussicht gestellt und ein Umsatzwachstum von 13 bis 15 Prozent für das Gesamtjahr bekräftigt. Größeres Ziel bleibt das erste positive EBITDAS-Quartal noch im laufenden Geschäftsjahr – ein Meilenstein, den das Unternehmen seit Jahren vor sich herschiebt. Laut Reuters preist der Optionsmarkt für den Handelstag nach den Zahlen eine implizite Kursbewegung von 12 Prozent ein, nachdem die tatsächliche Bewegung nach dem Vorquartalsbericht bei 14,5 Prozent gelegen hatte. Der Markt rechnet also mit Ausschlägen, traut dem Papier aber eine etwas geringere Volatilität zu als beim letzten Mal.
Bleibt die Frage, die sich bei kaum einem anderen Wasserstoff-Wert derzeit so zugespitzt stellt: Reicht ein Quartal mit sequenziellem Wachstum und frischer Liquidität aus 275 Millionen Dollar an Immobilienverkäufen, um aus einer strukturellen Verlustgeschichte eine tragfähige Wachstumsstory zu machen? Die Antwort darauf gibt der Kapitalmarkt spätestens am Dienstagmorgen, wenn die ersten Reaktionen auf die Zahlen verarbeitet sind. Bis dahin bleibt Plug Power das, was es seit Monaten ist: ein Stellvertreter für die große, ungelöste Frage, ob sich die Wasserstoffwirtschaft von der Förderlogik zur Profitabilität wandeln kann.
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