Gold: 4.143,60 Dollar trotz Ölcrash
Trotz Ölpreisrutsch hält Gold die 4.000-Dollar-Marke. Zinssenkungsfantasien und Zentralbankkäufe stützen das Edelmetall.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis bleibt trotz Ölcrash stabil
- Zentralbanken kaufen 289 Tonnen Gold
- JOLTS-Daten könnten Zinssenkungserwartungen befeuern
- UBS sieht mittelfristiges Kursziel von 4.400 Dollar
Der Ölpreis crasht um über sieben Prozent, doch Gold bleibt cool. Diese Divergenz wirft eine Frage auf: Warum verliert das Edelmetall keinen Boden, obwohl geopolitische Spannungen nachlassen? Die Antwort liegt tiefer als im üblichen Sicherer-Hafen-Reflex.
Gold notiert aktuell bei 4.143,60 US-Dollar, ein Plus von 0,80 Prozent im Tagesverlauf. Am Montag schloss die Feinunze bei 4.110,90 US-Dollar. Die Marke von 4.000 Dollar hält als Fundament, während der Ölmarkt in Aufruhr gerät.
Iran-Gespräche drücken den Ölpreis
US-Präsident Trump setzt einen geplanten Militärschlag gegen den Iran vorerst aus. Stattdessen verhandeln beide Seiten über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die Sorte WTI reagiert heftig und fällt zeitweise um über sieben Prozent auf rund 78 Dollar pro Barrel.
Normalerweise würde nachlassende geopolitische Spannung den Goldpreis belasten. Diesmal passiert das Gegenteil. Analysten erklären sich die Stabilität mit sinkenden Inflationserwartungen, ausgelöst durch den Ölpreisverfall. Das verschafft der US-Notenbank potenziell mehr Spielraum bei Zinssenkungen — und genau das stützt unverzinstes Gold.
Zentralbanken kaufen weiter
Staatliche Käufer bleiben eine tragende Kraft. Laut dem World Gold Council haben Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 rund 289 Tonnen Gold erworben. Diese Käufe gleichen schwächere Schmucknachfrage und Abflüsse aus westlichen ETFs aus.
Besonders die Bank of Korea sorgt für Gesprächsstoff. Sie hat ein neues, langfristig angelegtes Kaufprogramm gestartet. Solche strukturellen Käufe wiegen schwerer als kurzfristige Spekulation, die nach der Korrektur vom Rekordhoch im Januar 2026 spürbar nachgelassen hat.
Blick auf Arbeitsmarkt und Fed-Spitze
Am Nachmittag richtet sich der Fokus auf den JOLTS-Bericht zu offenen Stellen in den USA. Die Daten gelten als Fingerzeig für den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag. Schwache Zahlen könnten die Zinssenkungserwartungen weiter befeuern.
Hinzu kommt die Personalie an der Fed-Spitze. Die Nominierung von Kevin Warsh stärkt das Vertrauen in eine unabhängige Geldpolitik. Das hat einen Teil der eingepreisten politischen Risikoprämie aus dem Goldpreis genommen — ein Grund für die aktuelle Seitwärtsbewegung zwischen 4.000 und 4.110 Dollar.
Technisches Bild bleibt angespannt
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 Dollar beträgt noch 26,36 Prozent. Die Korrektur seit dem Rekord im Januar sitzt also tief. Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 4.541,84 Dollar fehlen aktuell 8,77 Prozent — ein Zeichen, dass der mittelfristige Aufwärtstrend noch nicht zurückerobert ist.
Großbanken wie die UBS halten an einem mittelfristigen Kursziel von 4.400 Dollar fest. Kurzfristige Risiken sehen Experten erst bei einem nachhaltigen Bruch der 4.000-Dollar-Marke. In diesem Fall könnten Rücksetzer bis in den Bereich von 3.850 Dollar folgen.
Für den Moment hält die Zone um 4.060 Dollar als Ankerpunkt. Fällt der JOLTS-Bericht am Nachmittag deutlich schwächer aus als erwartet, dürfte das die Zinssenkungsfantasie und damit Gold weiter stützen.
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