Nebius Aktie: Milliardendeal mit Reflection AI
Nebius sichert sich einen über eine Milliarde Dollar schweren Vertrag mit dem KI-Startup Reflection AI und baut sein Auftragsbuch auf rund 50 Milliarden Dollar aus.
Kurz zusammengefasst
- Milliarden-Deal mit Reflection AI
- Zugriff auf Nvidias GB300-Chips
- Auftragsbuch bei rund 50 Milliarden Dollar
- Aktie trotz positiver Nachrichten im Minus
Das KI-Startup Reflection AI unterzeichnete einen Vertrag über mehr als eine Milliarde US-Dollar für Computing-Leistung, der bis 2029 läuft und den Zugriff auf Nvidias neueste GB300-Chips umfasst. Die Nachricht wurde am 14. Juli 2026 bekannt und sorgte zunächst für Kursgewinne im US-Handel.
Reflection setzt auf offene KI-Modelle
Reflection AI wurde 2024 von den ehemaligen Google-DeepMind-Forschern Misha Laskin und Ioannis Antonoglou gegründet und entwickelt quelloffene KI-Modelle als Alternative zu Anbietern wie OpenAI und Anthropic. Antonoglou, mittlerweile CTO des Unternehmens, äußerte sich zu der Vereinbarung mit Nebius. Das Startup hatte bereits Ende 2025 rund zwei Milliarden Dollar bei einer Bewertung von acht Milliarden Dollar eingesammelt, unter anderem von Nvidia, Sequoia und Lightspeed. Aktuell verhandelt Reflection Berichten zufolge über eine weitere Finanzierungsrunde von 2,5 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 25 Milliarden Dollar. Der neue Rechenleistungs-Deal mit Nebius baut auf einer im Juni geschlossenen Vereinbarung mit SpaceX auf, die Reflection monatlich rund 150 Millionen Dollar an Rechenkapazität bis 2029 sichert.
Wachsendes Auftragsbuch stützt die Hyperscaler-Ambitionen
Für Nebius reiht sich der Reflection-Deal in eine Serie milliardenschwerer Verträge ein. Bereits im März 2026 hatte das Unternehmen eine Vereinbarung mit Meta über bis zu 27 Milliarden Dollar für KI-Cloud-Kapazität geschlossen, hinzu kommt ein Kontrakt mit Microsoft in Höhe von rund 17,4 Milliarden Dollar. Nvidia selbst ist seit März 2026 mit einer Investition von zwei Milliarden Dollar an Nebius beteiligt. Berichten zufolge summiert sich das Auftragsbuch des Unternehmens inzwischen auf etwa 50 Milliarden Dollar. Nebius, 2024 aus Yandex hervorgegangen, verfolgt laut einer Analyse von Zacks eine vierteilige Strategie: Der Ausbau der Rechenkapazität soll 2026 auf vier Gigawatt steigen, unter anderem durch einen neuen Standort in Pennsylvania mit 1,2 Gigawatt. Hinzu kommen die Plattform Aether 3.6, eine sequenziell um das 3,5-Fache gewachsene Nachfrage-Pipeline sowie frisches Kapital von über sechs Milliarden Dollar im laufenden Jahr, darunter die genannte Nvidia-Beteiligung. Die Barreserven liegen bei über neun Milliarden Dollar, das Capex-Budget für 2026 bei 20 bis 25 Milliarden Dollar.
Auf der Produktseite positioniert sich Nebius mit der neuen Cloud-Version 3.6, die einen Echo-AI-DevOps-Agenten sowie eine SkyPilot-Integration einführt, als vertikal integrierte, KI-native Cloud-Plattform für Unternehmenskunden. Ein Analyst von Seeking Alpha bekräftigte daraufhin seine Kaufempfehlung, die Aktie werde mit dem 16,6-Fachen des erwarteten Umsatz-Multiples (EV/Sales) gehandelt. Die Analystengemeinde bewertet den Titel mehrheitlich mit einem moderaten Kaufvotum und einem Kursziel von 252,86 US-Dollar auf Basis von neun Schätzungen.
Kurs bleibt trotz Auftragsnews unter Druck
Die operative Dynamik konnte den Kurs zuletzt nicht stützen. Die Nebius-Aktie notiert aktuell bei 175,00 Euro und verliert im heutigen Handel 5,35 Prozent, nachdem sie am Vortag noch mit 184,90 Euro geschlossen hatte. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 2,38 Prozent zu Buche, während der Titel auf Monatssicht 22,00 Prozent verloren hat. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie mit 128,76 Prozent weiterhin deutlich im Plus, auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Anstieg sogar auf 292,38 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro, erreicht am 22. Juni 2026, trennen den Titel derzeit 32,95 Prozent, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 43,40 Euro vom 22. Juli 2025 bei 303,23 Prozent liegt. Der Kurs notiert damit 11,65 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 198,09 Euro, während er den 200-Tage-Durchschnitt von 118,63 Euro um 47,52 Prozent übertrifft. Der 14-Tage-RSI von 41,0 signalisiert eine eher schwache kurzfristige Dynamik, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt mit 100,38 Prozent auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 48,86 Milliarden Euro.
Die Diskrepanz zwischen positiver Auftragslage und schwacher Kursentwicklung verdeutlicht, wie sensibel der Markt derzeit auf die hohe Bewertung von KI-Infrastrukturanbietern reagiert. Der Reflection-Deal bestätigt zwar die Nachfrage nach Rechenkapazität, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Nebius nach der starken Rally der vergangenen zwölf Monate deutlich unter seinem jüngsten Hoch notiert.
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