SAP Aktie: 22,9 Milliarden Cloud Backlog
SAP verzeichnet starkes Cloud-Wachstum, doch Barclays und Berenberg senken Kursziele wegen Integrationskosten. Kartellverfahren wurden eingestellt.

Kurz zusammengefasst
- Cloud-Umsatz wächst um 22 Prozent
- Barclays und Berenberg senken Kursziele
- Milliardeninvestition in KI-Technologie geplant
- Kartellverfahren ohne Sanktionen beendet
Die SAP-Aktie hat einen bemerkenswerten Lauf hinter sich, doch ausgerechnet in dieser Phase kappen zwei Analysehäuser ihre Kursziele. Am Freitag schloss das Papier bei 178,66 Euro, ein Tagesplus von 3,46 Prozent. Der Kurs hat sich damit deutlich von seinen Jahrestiefs entfernt, auch wenn Barclays und Berenberg zuletzt vorsichtiger wurden. Der Grund liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in kurzfristigen Kostenfragen – während die Wachstumszahlen aus dem Cloud-Geschäft weiterhin überzeugen.
Starkes Cloud-Wachstum treibt die Zahlen
Am 23. Juli hatte SAP seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt, und die Kennziffern lieferten den eigentlichen Auslöser der Rally. Der Current Cloud Backlog kletterte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent. Die Cloud-Erlöse legten um 22 Prozent zu, währungsbereinigt sogar um 24 Prozent, während die Cloud ERP Suite mit einem Plus von 25 Prozent beziehungsweise währungsbereinigt 27 Prozent das eigentliche Zugpferd blieb. Der Gesamtumsatz wuchs um 9 Prozent, währungsbereinigt um 11 Prozent. Medienberichten zufolge lag das Ergebnis je Aktie bei 1,89 Euro nach 1,45 Euro im Vorjahresquartal – ein deutlicher Sprung. Das Betriebsergebnis stieg nach IFRS um 8 Prozent, non-IFRS um 7 Prozent beziehungsweise währungsbereinigt um 9 Prozent.
Analysten kürzen Ziele wegen Kostenlast
Trotz dieser Dynamik reagierten gleich zwei Häuser mit niedrigeren Kurszielen. Barclays senkte am 28. Juli sein Kursziel von 255 auf 220 Euro, bestätigte aber die Einstufung „Overweight“. Als Begründung nannte das Haus kurzfristige Unsicherheiten bei der Kostenentwicklung. In den Tagen nach der Vorlage der Quartalszahlen zog Berenberg nach und reduzierte sein Kursziel von 215 auf 205 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Beide Häuser bleiben damit auf der Käuferseite, signalisieren mit den gesenkten Zielen aber, dass sie die Integrationskosten der jüngsten Zukäufe genauer beobachten wollen. SAP selbst hatte den Ausblick für das non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 bereits angepasst, um den Verwässerungseffekt aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs von über 100 Millionen Euro widerzuspiegeln.
Milliardeninvestition in KI-Technologie
Die beiden Zukäufe erklären einen guten Teil der Diskussion um die Kostenseite. SAP schloss die Übernahme von Dremio, einem Anbieter einer offenen Data-Lakehouse-Plattform, am 6. Juli ab. Nur elf Tage später folgte der Abschluss der Übernahme von Prior Labs, einem Pionier bei tabellarischen Foundation Models. Für den Ausbau von Prior Labs zu einem global führenden Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten will SAP in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro investieren. Diese Summe erklärt, warum Analysten die kurzfristige Ergebnisbelastung stärker gewichten, auch wenn sie die strategische Logik hinter dem KI-Ausbau nicht infrage stellen.
Regulatorischer Druck lässt nach
Parallel zur Geschäftsentwicklung hat sich auch die regulatorische Lage für SAP entspannt. Das Bundeskartellamt schloss seine Vorermittlungen gegen den Konzern am 30. Juli ab und leitete kein Missbrauchsverfahren ein. Bereits am 9. Juli hatte die Europäische Kommission die von SAP angebotenen Selbstverpflichtungen für bindend erklärt und ihre Kartellermittlung zu On-Premise-Maintenance und Support ohne Sanktion beendet. Zwei mögliche Belastungsfaktoren sind damit vom Tisch, was Anlegern zusätzliche Planungssicherheit gibt.
Technisch betrachtet zeigt sich die Aktie nach dem jüngsten Lauf deutlich überkauft: Der Relative-Stärke-Index auf 14-Tage-Basis liegt bei 74,9. Das spricht für eine mögliche Verschnaufpause, ändert aber nichts an der fundamentalen Ausgangslage. Die Kombination aus zweistelligem Cloud-Wachstum, aufgeklärten Kartellverfahren und einer klar formulierten KI-Investitionsstrategie bildet den Rahmen, in dem Analysten trotz gesenkter Kursziele an ihren Kaufempfehlungen festhalten.
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