First Solar Aktie: 11,4 Prozent nach US-Zollplänen
Neue US-Zölle auf Solarkomponenten beflügeln First Solar. Der Hersteller profitiert, während Wettbewerber und China mit Gegenmaßnahmen reagieren.

Kurz zusammengefasst
- Kursplus von 11,4 Prozent
- US-Zölle auf Polysilizium geplant
- Sammelklage gegen First Solar
- China kündigt Exportkontrollen an
Die Aktie von First Solar verzeichnet am heutigen Donnerstag einen deutlichen Kursanstieg, nachdem Berichte über weitreichende neue US-Importzölle für die Solarbranche bekannt wurden. Das Papier legte im Tagesverlauf um 11,40 Prozent zu und notiert aktuell bei 217,00 Euro. Damit setzt sich der Titel deutlich von seinen jüngsten Tiefstständen ab, bleibt jedoch mit einem Abstand von 21,52 Prozent noch ein Stück von seinem 52-Wochen-Hoch entfernt, das Anfang Juni erreicht wurde.
Protektionismus im US-Solarmarkt
Hinter der heftigen Kursbewegung stehen Pläne der Trump-Administration, die eine deutliche Verschärfung der Handelsschranken vorsehen. Laut Berichten von Reuters und Bloomberg bereitet die US-Regierung die Einführung eines Zolls von 15 Prozent auf Polysilizium sowie auf dessen Folgeprodukte wie Wafer, Solarzellen und fertige Module vor. Zusätzlich sollen Mindestimportpreise etabliert werden, um die heimische Industrie vor günstigen Importen zu schützen. Diese Maßnahmen basieren auf einer sogenannten Section-232-Untersuchung des US-Handelsministeriums, die nationale Sicherheitsinteressen als Grundlage für Handelsbeschränkungen heranzieht.
Obwohl die Nachricht in ersten Marktreaktionen zunächst für Volatilität sorgte und die Aktie zeitweise ins Minus drückte, bewerten Investoren die Pläne nun offensichtlich als Vorteil für First Solar. Als einer der größten US-amerikanischen Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen gilt das Unternehmen als Hauptprofiteur einer Politik, die ausländische Konkurrenzprodukte verteuert. Die Analysten von Ross Capital gehen sogar davon aus, dass der tatsächliche Zollsatz unter Einbeziehung aller Maßnahmen letztlich zwischen 25 und 35 Prozent liegen könnte.
Globale Auswirkungen und Reaktionen
Die angekündigten Zölle treffen vor allem internationale Wettbewerber hart. Medienberichten zufolge verzeichneten andere Branchenteilnehmer wie T1 Energy Kursverluste von bis zu 13 Prozent. Auch koreanische Unternehmen wie Hanwha Qcells und OCI geraten unter Druck. Die südkoreanische Regierung hat bereits um Ausnahmen für ihre heimischen Produzenten gebeten, da diese teilweise über integrierte Lieferketten in den USA verfügen. So betreibt Hanwha in Georgia einen Solar-Hub mit Milliardeninvestitionen.
China reagierte prompt auf die drohenden US-Maßnahmen. Die Regierung in Peking kündigte Exportkontrollen für Drohnen sowie Sanktionen an. Experten zufolge seien die direkten Auswirkungen der Polysilizium-Zölle auf die chinesische Industrie jedoch begrenzt, da deren Exporte primär in Märkte wie Indien und Vietnam fließen. Dennoch verschärfen die neuen Zölle die transatlantischen und pazifischen Handelsspannungen massiv. Innerhalb der USA werden jedoch Stimmen laut, die vor steigenden Kosten für Projektentwickler warnen, während reine Produzenten wie First Solar und Wacker Chemie als Gewinner der Entwicklung gesehen werden.
Juristischer Druck durch Sammelklage
Trotz der positiven Kursreaktion auf die Handelspolitik sieht sich First Solar mit rechtlichen Herausforderungen konfrontiert. Anleger werden derzeit an eine Frist am 24. August erinnert, um sich als Hauptkläger an einer Sammelklage gegen das Unternehmen zu beteiligen. Der Klagezeitraum umfasst den Zeitraum vom 26. Februar 2025 bis zum 24. Februar 2026.
Den Vorwürfen zufolge soll das Unternehmen irreführende Angaben zu den Auswirkungen der Zollpolitik gemacht haben. In der Vergangenheit hatten Offenlegungen zu diesem Thema bereits zu zweistelligen Kursverlusten geführt, unter anderem im Januar und Februar dieses Jahres. Die aktuelle Kursrallye zeigt jedoch, dass der Markt die neuen protektionistischen Maßnahmen derzeit stärker gewichtet als die laufenden juristischen Auseinandersetzungen um vergangene Geschäftszahlen.
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