Commerzbank Aktie: Bund knüpft 12,7-Prozent-Verkauf an Strategie

Berlin signalisiert Offenheit für den Verkauf der Commerzbank-Anteile an UniCredit, verlangt aber vorab eine gemeinsame Strategie. Die EZB-Entscheidung steht noch aus.

Felix Baarz ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Bund knüpft Verkauf an Strategieeinigung
  • EZB-Prüfung noch ohne Abschluss
  • Operatives Halbjahresergebnis steigt um 14 Prozent
  • Aktienrückkauf über 1,2 Milliarden Euro geplant

Die Commerzbank steht erneut im Zentrum der Übernahmespekulationen um UniCredit. Bloomberg berichtete am Montag, deutsche Regierungsvertreter zeigten sich offen für einen Verkauf des Bundesanteils von 12,7 Prozent an den italienischen Konkurrenten – vorausgesetzt, beide Institute einigen sich zuvor auf eine gemeinsame Strategie. Die Aktie notiert am Donnerstag bei 38,65 Euro und legt im Tagesverlauf um 0,9 Prozent zu.

Bund knüpft Verkauf an strategische Einigung

Die Bloomberg-Meldung markiert eine neue Facette im monatelangen Ringen um die Zukunft der Bank. Anders als bislang kolportiert, stellt Berlin den Verkauf seines Anteils ausdrücklich unter Bedingung: Erst wenn Commerzbank und UniCredit eine gemeinsame strategische Linie vereinbaren, wäre der Bund bereit, sein Paket abzugeben. Das deutet darauf hin, dass die Bundesregierung nicht auf einen schnellen Verkauf drängt, sondern das operative Konzept der fusionierten Bank zur Vorbedingung macht.

Für Anleger bleibt damit unklar, wann eine solche Einigung zustande kommen könnte. Die regulatorische Seite ist unterdessen weiter in Bearbeitung: Die Europäische Zentralbank hatte sich Reuters zufolge Mitte August in einer vorläufigen Einschätzung tendenziell für eine Genehmigung der Beteiligung ausgesprochen, eine abschließende Entscheidung steht jedoch noch aus. Der Antrag selbst gilt als noch nicht vollständig – ein formaler Beschluss der Aufsicht liegt damit nach wie vor nicht vor.

Rekordzahlen liefern operative Basis

Hintergrund der Übernahmegespräche sind die starken Geschäftszahlen, die die Commerzbank vor rund zwei Wochen vorgelegt hatte. Das operative Ergebnis im ersten Halbjahr 2026 stieg um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, das Nettoergebnis kletterte auf 1,8 Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal allein verdiente die Bank 898 Millionen Euro netto bei einem operativen Ergebnis von 1,367 Milliarden Euro. Das Management bestätigte zugleich die Jahresziele: mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettoergebnis, rund 13,2 Milliarden Euro Erträge, etwa 7 Milliarden Euro Kosten und eine harte Kernkapitalquote oberhalb von 14 Prozent zum Jahresende.

Flankiert wurden die Zahlen von der Ankündigung eines Aktienrückkaufs über bis zu 1,2 Milliarden Euro. Reuters berichtete zudem, die Bank habe im Zuge der starken Quartalszahlen ihre grundsätzliche Gesprächsbereitschaft gegenüber UniCredit signalisiert – ein Detail, das die Übernahmefantasie zusätzlich befeuerte.

Kurs behauptet sich über wichtigen Marken

Nach dem Rücksetzer der vergangenen Woche, ausgelöst durch die vorläufige EZB-Einschätzung vom Sonntag, hat sich die Aktie stabilisiert. Über die vergangenen sieben Handelstage steht ein Minus von 3,2 Prozent zu Buche, auf Monatssicht bleibt mit 2,2 Prozent dennoch ein Plus. Seit Jahresbeginn summiert sich der Gewinn auf 7,1 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 40,11 Euro, erreicht am 13. August, trennen das Papier aktuell 3,6 Prozent.

Deutsche Bank Research bekräftigte Anfang August das Rating „Buy“ mit einem Kursziel von 42 Euro und blieb damit optimistischer als der Markt. JPMorgan hatte sein Kursziel am selben Tag auf 38 Euro angehoben, die Einstufung „Neutral“ jedoch beibehalten – ein Zeichen dafür, dass nicht alle Analysten die Übernahmefantasie vollständig in ihre Bewertung einpreisen.

Solange weder die EZB ihre finale Entscheidung getroffen noch Bund und UniCredit eine gemeinsame Strategie ausgehandelt haben, dürfte die Aktie zwischen operativer Stärke und regulatorischer Unsicherheit schwanken.

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