Bitcoin: Der beste August seit 2017
Bitcoin verzeichnet mit fast 80.000 Dollar den besten August seit 2017. Kurstreiber sind Short-Squeeze, ETF-Zuflüsse und die Aussicht auf Zinssenkungen.

Kurz zusammengefasst
- Monatsplus von rund 23 Prozent
- 4 Milliarden Dollar Short-Liquidationen
- US-ETF-Zuflüsse erreichen 1,92 Milliarden
- Fed-Entscheidungen prägen weitere Entwicklung
Fast 80.000 Dollar, ein Monatsplus von rund 23 Prozent und der stärkste August seit 2017 — Bitcoin hat sich aus seiner monatelangen Flaute mit einem Ruck befreit. Der historische Median-Return für August liegt eigentlich bei minus 7 Prozent. Diesmal läuft es komplett anders.
Ein Short-Squeeze als Brandbeschleuniger
Ausgangspunkt der Bewegung war ein makroökonomischer Kurswechsel: Das US-Finanzministerium verdoppelte sein Rückkaufprogramm für langlaufende Staatsanleihen, was den Dollar schwächte und Anleger in Richtung Inflationsschutz trieb — Bitcoin inklusive. Innerhalb von drei Tagen legte die Kryptowährung mehr als 20 Prozent zu, die größte derartige Rally seit 2023.
Der eigentliche Verstärker war jedoch technischer Natur. Als der Kurs seine Handelsspanne nach oben durchbrach, mussten Trader mit Wetten auf fallende Kurse ihre Positionen eindecken.
Rund 4 Milliarden Dollar an bärischen Positionen wurden dabei liquidiert, jede Zwangsdeckung trieb den Preis weiter nach oben. Allein am Wochenende kamen weitere Liquidationen im dreistelligen Millionenbereich hinzu, der Crypto Fear and Greed Index kletterte auf 81 Punkte — tief in der Zone „Extreme Gier“.
ETF-Zuflüsse holen auf, reichen aber nicht
Die spot-gehandelten Bitcoin-ETFs in den USA verzeichneten in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von 1,92 Milliarden Dollar — die stärkste Woche seit Oktober 2025, als Bitcoin sein bisheriges Allzeithoch markierte.
Der Großteil des Vermögenszuwachses bei diesen Fonds, die AUM stiegen um rund 25 Prozent auf 96,1 Milliarden Dollar, ging allerdings auf die Kurssteigerung selbst zurück, nicht auf frisches Kapital. Die Jahresbilanz bleibt trotz der Rally negativ: ETFs auf Bitcoin und Ethereum verzeichnen 2026 zusammen noch immer einen Nettomittelabfluss von gut 3 Milliarden Dollar.
Politisch bekommt das Bitcoin-Narrativ zusätzlichen Rückenwind. Die US-Staatsschulden überschritten diese Woche die Marke von 40 Billionen Dollar. Bridgewater-Gründer Ray Dalio riet Investoren angesichts wachsender Schuldenrisiken, „ein gewisses Maß“ an Bitcoin zu halten.
Die entscheidende Woche steht bevor
Der Markt trifft nun auf einen dicht gepackten Terminkalender. Am Mittwoch veröffentlicht die US-Statistikbehörde BEA zeitgleich den Core-PCE-Preisindex für Juli und die zweite BIP-Schätzung für das zweite Quartal, während Nvidia seine Quartalszahlen vorlegt.
Ein über den Erwartungen liegender Inflationswert könnte die Zinssenkungsfantasie dämpfen und damit auf Risikoanlagen wie Bitcoin drücken. Den Höhepunkt bildet Freitag die erste Keynote von Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Symposium — just an dem Tag, an dem auch die PCE-Daten die Grundlage für seine geldpolitischen Aussagen liefern.
BTIG-Analyst Jonathan Krinsky erinnerte in einer Montagsnotiz an eine Parallele aus dem Januar 2023: Damals legte Bitcoin binnen drei Tagen ebenfalls rund 20 Prozent zu und durchbrach seinen Abwärtstrend — die Rally verpuffte anschließend, der Kurs fiel zurück auf seinen 200-Tage-Durchschnitt. Ob sich diese Geschichte wiederholt, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen, wenn Inflationsdaten und Notenbank-Rhetorik aufeinandertreffen.
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