LVMH Aktie: Zyklische Schwäche, tiefe Bewertung
Schwache Modeerlöse in China drückten das Wachstum, während andere Regionen und Geschäftsbereiche Rückgänge teilweise ausglichen.

Kurz zusammengefasst
- Konzernumsatz stieg um gut ein Prozent
- Mode- und Lederwaren verloren fünf Prozent
- USA, Europa und Japan legten zu
- Aktie verlor seit Jahresbeginn über 40 Prozent
Sogar die niedrigen Erwartungen hat LVMH noch gerissen. So fassen Analysten der Deutschen Bank die Quartalszahlen zusammen. Der Luxuskonzern zieht damit am Dienstag den gesamten Sektor nach unten.
Boykott trifft Louis Vuitton
Der Konzernerlös wuchs im dritten Quartal nur um gut ein Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Auf organischer Basis lag das Ergebnis unter den Erwartungen. Hauptgrund ist die Sparte Mode und Lederwaren, deren Erlös vergleichbar um fünf Prozent sank.
Viele Chinesen hatten Louis Vuitton im Juli und August boykottiert. Auslöser war ein gewonnener Markenrechtsstreit gegen den heimischen Teehersteller Molly Tea. Die Folgen seien schwer zu beziffern, erklärte Finanzvorständin Cecile Cabanis, doch die Reaktion der Verbraucher habe der Marke zumindest zu Quartalsbeginn geschadet.
Hinzu kommt die generelle Konsumzurückhaltung in China. Eine Konjunkturabkühlung, Kursverluste an den Aktienmärkten und eine strengere Besteuerung von Auslandsvermögen belasten wohlhabende Käufer. Einige wechseln zu günstigeren lokalen Marken.
Anderswo läuft es besser
In den USA, Europa und Japan gaben Kunden dagegen mehr aus. Die organischen Erlöse legten dort um fünf, vier und sechs Prozent zu. Auch Weine und Spirituosen sowie der Einzelhandel schnitten überraschend gut ab, wie die RBC hervorhebt. Das glich die Schwäche in der Modesparte teilweise aus.
JPMorgan senkte das Kursziel von 525 auf 500 Euro und beließ die Einstufung bei „Neutral“. Die Erlöskennziffern hätten weitgehend den Erwartungen entsprochen, schreibt Analystin Chiara Battistini. Der Umsatzmix dürfte allerdings auf Aktie und Branche lasten. Jefferies sieht die logistischen Probleme in den USA im vierten Quartal abklingen und erwartet in China keine lang anhaltenden Einbußen.
Sektor unter Druck
Die Aktie gab zeitweise rund 1,5 bis 1,8 Prozent nach und notierte bei etwa 378 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf mehr als 40 Prozent. Kein anderer großer Luxuskonzern hat an der Börse so viel an Wert verloren.
Die Branche folgte abwärts: Hermès verlor gut zwei Prozent, Kering und Richemont jeweils rund anderthalb Prozent. Marktbeobachter sehen die Zahlen als mögliches Warnsignal für die Konkurrenz.
Die Deutsche Bank rechnet mit weiter sinkenden Konsensschätzungen und erwartet kurzfristig keine Wende. Die Bewertung liege aber nahe historischer Tiefs, das Chance-Risiko-Verhältnis sei positiv, die Schwäche eher zyklisch als strukturell. Kering und Hermès legen noch in diesem Monat Zahlen vor und liefern den nächsten Härtetest für den Sektor.
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