Q2-Zahlen: Barrick, Newmont und Hecla mit Rekord-Cashflows
Minenkonzerne überzeugen mit starken Cashflows, während Länderrisiken und gesenkte Prognosen die Stimmung trüben. Analysten bleiben selektiv.

Kurz zusammengefasst
- Rekord-Cashflows bei Newmont und Hecla
- Barrick startet Mali-Produktion neu
- First Majestic erhöht Dividende und Rückkäufe
- Coeur verdoppelt Explorationsbudget auf Rekordwert
Während sich der Goldpreis nach einem turbulenten Sommer bei rund 4.175 Dollar je Feinunze einpendelt, zeigt die Berichtssaison der Minenkonzerne ein überraschend gespaltenes Bild. Barrick meldet ein Comeback in Mali, Hecla räumt auf mit alten Schulden – und trotzdem straft der Markt nicht jeden Gewinnhüpfer mit Applaus. Wer genau hinschaut, erkennt: Cash schlägt Produktion, und Altlasten wiegen schwerer als reine Fördermengen.
Sektorüberblick: Gold konsolidiert, Silber verliert relativ an Boden
Gold notiert derzeit knapp unter der Marke von 4.175 Dollar, nachdem die Feinunze im Monatsverlauf zeitweise um mehr als 1,5 Prozent nachgegeben hatte. Silber hält sich bei etwa 61,7 Dollar, bleibt damit historisch hoch bewertet, verliert aber relativ zu Gold an Boden. Das Gold-Silber-Verhältnis hat sich auf 70,88 ausgeweitet – der breiteste Abstand seit über einer Woche.
Hintergrund ist eine nachlassende Nachfrage nach sicheren Häfen bei Silber. Gleichzeitig haben Marktteilnehmer ihre Erwartungen an eine Fed-Zinssenkung im September zurückgeschraubt, von rund 67 Prozent auf etwa 57 Prozent. Anstehende US-Arbeitsmarktdaten dürften hier für weitere Bewegung sorgen.
Vor diesem makroökonomischen Hintergrund zeigen die Quartalszahlen der Minenbetreiber deutlich unterschiedliche Handschriften. Manche Unternehmen glänzen mit Rekord-Cashflows, andere kämpfen mit Kostendruck oder Sonderbelastungen aus Unternehmensentscheidungen in Afrika und Mexiko.
Barrick Mining: Mali-Neustart stützt Nevada-Strategie
Der größte Belastungsfaktor der vergangenen zwei Jahre bei Barrick war der Konflikt mit der malischen Regierung um den Loulo-Gounkoto-Komplex. Im November 2025 einigten sich beide Seiten auf einen umfassenden Vergleich – Barrick zahlte umgerechnet rund 430 Millionen Dollar, im Gegenzug erhielt der Konzern seine operative Kontrolle zurück. Seit Dezember läuft der schrittweise Wiederanlauf der Produktion.
Für 2026 rechnet Barrick mit einer zurechenbaren Goldproduktion von 260.000 bis 290.000 Unzen aus Loulo-Gounkoto, inklusive des Staatsanteils bis zu 362.500 Unzen. Das bleibt deutlich unter den 723.000 Unzen aus dem Jahr 2024, bevor der Streit die Förderung lahmlegte. Zur Unsicherheit trägt bei, dass die Abbaulizenz für Loulo im Februar 2026 ausläuft.
Parallel treibt Barrick seine Nevada-Strategie voran. Getragen von wachsender Kupferexposition durch die Erweiterung der Lumwana-Mine in Sambia und das Reko-Diq-Projekt in Pakistan, plant der Konzern noch in diesem Jahr einen Börsengang seiner Anteile an den Joint Ventures Nevada Gold Mines und Pueblo Viejo sowie der Fourmile-Lagerstätte.
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt in Kauflaune. Der Titel schloss gestern bei 53,74 kanadischen Dollar, ein Plus von 4,45 Prozent auf Tagesbasis und von 5,15 Prozent über sieben Handelstage. Zum Jahreshoch von 74,00 kanadischen Dollar aus Ende Januar fehlen dennoch rund 27 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief bei über 78 Prozent liegt.
First Majestic Silver: Dividendenanhebung und Rückkäufe überzeugen Analysten
Kaum ein Sektorwert lieferte ein so starkes Zahlenwerk wie First Majestic. Das Management verwies auf ein Rekordquartal bei Aktienrückkäufen, eine höhere Dividende und eine Barreserve von 1,25 Milliarden Dollar. Wachstumsprojekte wie Santo Niño, Navidad und Jerritt Canyon übertrafen zudem die Budgeterwartungen mehrerer Minen.
Der Umsatz kletterte im Quartal auf 415,5 Millionen Dollar, der Nettogewinn auf 109,4 Millionen Dollar beziehungsweise 0,22 Dollar je Aktie. Im Vorjahresquartal standen dem noch 264,2 Millionen Dollar Umsatz und 52,5 Millionen Dollar Gewinn gegenüber. Die Dividende war bereits zu Jahresbeginn von einem auf zwei Prozent der Nettoquartalsumsätze angehoben worden, die erste Zahlung zum neuen Satz erfolgte im Mai.
Am Markt kam das gut an. Heiko Ihle erhöhte sein Kursziel auf 27 Dollar und bestätigte seine Kaufempfehlung, unter Verweis auf starke Cash-Generierung und Margenausweitung. HC Wainwright zog nach und hob sein Ziel ebenfalls auf 27 Dollar von zuvor 26 Dollar an, verwies dabei auf die knapp 98-prozentige Jahresperformance der Aktie. Skeptischer bleibt Scotiabank, das Ende Juli ein Hold-Rating vergab.
Operativ überzeugte das Wachstumstempo: First Majestic meldete ein Umsatzplus von 53 Prozent im Jahresvergleich und einen EBITDA-Anstieg von 110 Prozent. Die Aktie handelt aktuell bei 14,90 Euro, nach einem Tagesplus von 4,30 Prozent und einem Wochenzuwachs von 12,15 Prozent.
Newmont Mining: Rekord-Cashflow trifft auf Nevada-Streit
Newmonts Zahlen zeigen die Spannung zwischen operativer Stärke und Kostendruck. Der Konzern meldete am 23. Juli einen Gewinn je Aktie von 2,10 Dollar, unter den Erwartungen von 2,18 Dollar, aber deutlich über den 1,43 Dollar aus dem Vorjahresquartal. Der Umsatz lag bei 6,12 Milliarden Dollar und verfehlte die Konsensschätzung leicht, wuchs aber gegenüber 5,32 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Trotz der verpassten Umsatzschätzung beeindruckte die Cash-Generierung. Newmont förderte 1,3 Millionen Unzen Gold, 17.000 Tonnen Kupfer und 7 Millionen Unzen Silber, was operativen Cashflow von 2,9 Milliarden Dollar ermöglichte. Der freie Cashflow erreichte mit 2,2 Milliarden Dollar einen Quartalsrekord, während rund 1,9 Milliarden Dollar über Dividenden und Rückkäufe an Aktionäre zurückflossen.
Ein Streitpunkt bleibt das Nevada-Joint-Venture mit Barrick: Eine Verzugsmitteilung ist weiterhin aktiv, während Gespräche über offene rechtliche und technische Fragen andauern. Positiver entwickelt sich das Red-Chris-Projekt, das über ein Konsensverfahren mit der Tahltan Nation wichtige behördliche Genehmigungen erhielt.
Die Analystenreaktionen fielen gemischt aus. CIBC senkte ihr Kursziel auf 168 Dollar von 175 Dollar, behielt aber die Outperformer-Einstufung bei. Barclays kappte sein Ziel auf 124 Dollar, während BofA es auf 135 Dollar anhob und ihre Kaufempfehlung bestätigte. Die Aktie notiert aktuell bei 87,65 Euro, ein Tagesplus von 3,30 Prozent, nach einem Wochenzuwachs von 9,81 Prozent.
Coeur Mining: Rekord-Explorationsbudget setzt auf Mexiko
Coeur verdoppelt sein Explorationsbudget für 2026 auf einen Rekordwert von 158 Millionen Dollar – der Großteil davon fließt in Palmarejo und Las Chispas, die beiden zentralen Gold-Silber-Standorte in Mexiko. Damit summiert sich die kumulierte Mexiko-Explorationsausgabe der vergangenen fünf Jahre auf rund 340 Millionen Dollar.
Die Bohrergebnisse liefern bereits handfeste Argumente. Bohrloch SMDH-138 am San-Miguel-Ziel bei Palmarejo erbrachte 11,5 Meter mit 6,9 Gramm Gold und 1.250 Gramm Silber je Tonne, während das benachbarte Loch SMDH-118 auf 10,8 Meter mit 3,4 Gramm Gold und 1.083 Gramm Silber kam.
Analysten sind gespalten. Scotiabank hob sein Kursziel auf 28,50 Dollar an und begründete dies mit höheren Preisprognosen für Gold und Silber bis 2027. Roth Capital senkte sein Ziel dagegen auf 21 Dollar, hielt aber an der Kaufempfehlung fest – der Abschlag resultiere aus Unsicherheiten im Zusammenhang mit Übernahmeaktivitäten, nicht aus operativen Problemen.
Die Bewertung spricht für die Aktie: Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 13,2 und damit nahe am Zehnjahrestief von 11,86. An der Börse legte der Titel zuletzt um 3,49 Prozent auf 14,54 Euro zu, nach einem Wochenplus von 13,86 Prozent.
Hecla Mining: Schuldenfrei mit Rekord-Cashflow, aber gekürzter Silberausblick
Hecla veröffentlichte seine Quartalszahlen erst gestern und lieferte eine bemerkenswerte Bilanzgeschichte. Der operative Cashflow stieg um 61 Prozent auf 175 Millionen Dollar, der freie Cashflow verdoppelte sich mehr als auf 136 Millionen Dollar. Die Lucky-Friday-Mine stellte dabei einen neuen Produktionsrekord auf.
Der Umsatz kam bei 334 Millionen Dollar herein, ein erwarteter Rückgang gegenüber dem Rekordquartal zuvor, bedingt durch niedrigere realisierte Silber- und Goldpreise im Quartalsverlauf. Die Produktionsprognose für 2026 wurde leicht auf 15,1 bis 16,1 Millionen Unzen Silber gesenkt.
Das folgt auf einen holprigen Jahresstart: Im ersten Quartal hatte Hecla einen Verlust von drei Cent je Aktie ausgewiesen, wo Analysten einen Gewinn von 26 Cent erwartet hatten. Die Aktie war zuvor von Kursen über 16 Euro in den niedrigen 14er-Bereich zurückgefallen, ein Ausdruck allgemeiner Vorsicht im Metallsektor.
Langfristig bleibt die Bilanzsanierung das zentrale Narrativ. Hecla ging schuldenfrei ins zweite Quartal, nachdem die letzten Anleihen zurückgezahlt wurden – aus einst rund 550 Millionen Dollar Nettoverschuldung wurde eine Nettokassenposition. Zusätzlich lieferten Explorationsbohrungen an Keno Hill, Midas und Greens Creek positive Ergebnisse, darunter neue hochgradige Adern bei Midas. Die Aktie legte heute um 3,04 Prozent auf 13,89 Euro zu, bleibt aber seit Jahresbeginn mit minus 17,46 Prozent im Minus.
Vergleichende Sektordynamik
Die fünf Unternehmen zeigen unterschiedliche Wege durch denselben Rohstoffzyklus:
- Barrick und Newmont, die beiden Sektor-Schwergewichte, ringen mit Länderrisiken und Joint-Venture-Reibungen – Barricks Mali-Comeback steht dem ungelösten Nevada-Streit mit dem eigenen Partner gegenüber.
- First Majestic und Coeur setzen beide aggressiv auf mexikanische Exploration und Aktionärsrenditen – First Majestics Dividendenanhebung und Rückkaufprogramm spiegeln sich in Coeurs Rekord-Explorationsbudget für Palmarejo und Las Chispas.
- Hecla sticht durch Bilanzsanierung hervor: schuldenfrei bei gleichzeitigem Rekord-Cashflow, allerdings mit leicht gesenkter Silberprognose.
- Analystenstimmung bleibt konstruktiv, aber selektiv: Kurszielanhebungen bei First Majestic und Coeur (Scotiabank) stehen Kürzungen bei Newmont (Barclays, CIBC) und Coeur (Roth Capital) gegenüber.
Der Markt honoriert damit vor allem Cash-Generierung und den Abbau alter Risiken – reines Produktionswachstum reicht offenbar nicht mehr aus.
Minensektor zwischen Bilanzstärke und Altlasten
Mit Gold nahe der 4.100-bis-4.175-Dollar-Zone und Silber knapp über 60 Dollar dürften die nächsten Impulse unternehmensspezifisch bleiben. Barricks Loulo-Gounkoto-Hochlauf und der geplante Börsengang der Nevada- und Pueblo-Viejo-Anteile stehen ebenso im Fokus wie die Auflösung des Nevada-Streits zwischen Newmont und Barrick. First Majestic und Coeur müssen zeigen, ob sich ihre Rekord-Explorationsausgaben tatsächlich in neue Reserven übersetzen lassen.
Für Hecla wird sich zeigen, ob die schuldenfreie Bilanz und der Produktionsrekord bei Lucky Friday die gesenkte Silberprognose ausgleichen können. Übergeordnet bleiben die Zinserwartungen der Fed und die US-Arbeitsmarktdaten die entscheidenden Stellschrauben für den Goldpreis – und damit für die Margen aller fünf Unternehmen.
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