Kerosin und Löhne: Lufthansa und Daimler Truck legen ihre Kosten offen

Lufthansa legt Zahlen zum dritten Quartal vor, Daimler Truck berichtet am Freitag während laufender Warnstreiks der IG Metall.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Lufthansa senkte Gewinnziel auf 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro
  • Brent-Preis lag zum Wochenschluss über 110 Dollar
  • IG Metall startet Warnstreiks in der Metallindustrie
  • Daimler Truck veröffentlicht Quartalszahlen am Freitag

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

der Iran bietet an, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Das soll binnen zwei Tagen gehen, wenn Washington Bedingungen erfüllt. Außenminister Abbas Araghchi sagte, katarische Vermittler hätten den ursprünglichen Sieben-Tage-Plan verkürzt. Präsident Trump sprach von Gesprächen, die „gut liefen“, verneinte aber jede Eile.

Was hat eine Meerenge am Golf mit Ihrem Depot zu tun? Mehr, als man denkt. Am Dienstag legt Lufthansa Quartalszahlen vor, am Freitag Daimler Truck. Bei beiden entscheidet die Kostenseite: bei Lufthansa das Kerosin, bei Daimler Truck die Löhne, über die ab heute Abend gestreikt wird. Am Freitag kommt zudem der US-Arbeitsmarktbericht, der die Zinsfrage für Dezember mitentscheidet.

Lufthansa: Der Ölpreis fliegt mit

Lufthansa veröffentlicht am Dienstag um 7:00 Uhr die Zahlen zum dritten Quartal, um 10:00 Uhr folgt die Pressekonferenz. Schon im August hatte Lufthansa das Ziel für den operativen Gewinn ohne Sondereffekte auf 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro gesenkt. Damit ist ein Rückgang unter den Wert des Vorjahres möglich.

Der Grund liegt am Golf. Seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar werden in der Straße von Hormus immer wieder Schiffe angegriffen. Am Freitagabend traf es den katarischen Flüssiggastanker „Al Mayeda“. Die Ölsorte Brent kostete zum Wochenschluss über 110 Dollar je Fass. Bleibt Rohöl teuer, verteuert sich Kerosin mit Verzögerung. Eine Fluggesellschaft kann das nur teilweise über Ticketpreise weitergeben, weil viele Flüge längst verkauft sind.

Hilft die OPEC+? Vorerst nicht. Die sieben Kernländer wollen laut Reuters bei ihrem Treffen am Sonntag die Förderziele für Dezember unverändert lassen. Die meisten Golfstaaten fördern ohnehin unter ihren Zielen.

Entlastung käme nur aus Doha. Dort verhandeln iranische Unterhändler am Sonntag den dritten Tag in Folge mit katarischen Vermittlern, direkte Gespräche mit den USA sind nicht geplant.

Trump hat zugesagt, vor der Wahl am Dienstag keine neuen Angriffe auf den Iran zu starten, weitere Militäraktionen danach schloss er nicht aus. Der Dienstag zeigt also, wie viel vom Kerosinschock bereits im Ergebnis von Lufthansa steckt. Ob er abebbt, entscheidet sich nicht in Frankfurt, sondern in Doha.

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IG Metall und Daimler Truck: Streik vor den Zahlen

Die IG Metall beginnt heute Abend um 22:00 Uhr mit Warnstreiks. Den Auftakt macht der Autozulieferer Gestamp Umformtechnik in Bielefeld. Am Montag sind Gewerkschaftsmitglieder in mehr als zwei Dutzend Betrieben in Nordrhein-Westfalen aufgerufen. In Baden-Württemberg sind Arbeitsniederlegungen seit dem 31. Oktober möglich, denn dort endete die Friedenspflicht, die Zeit, in der nicht gestreikt werden darf.

Die Positionen liegen weit auseinander. Die Arbeitgeber bieten eine Einmalzahlung und später 1,3 Prozent mehr Entgelt, die Gewerkschaft fordert fünf Prozent. Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Barta nennt die Lage der Branche „äußerst kritisch“.

In früheren Tarifrunden mobilisierte die IG Metall im Südwesten unter anderem bei Daimler Truck, Mercedes-Benz, Porsche, Bosch und ZF. Daimler Truck legt am Freitag um 7:00 Uhr Quartalszahlen vor. Warum ist das heikel? Steigen Löhne schneller als die Produktivität, schrumpft die Marge, sofern die Nachfrage keine höheren Preise erlaubt.

Dass die Nachfrage wackelt, zeigen Daten vom Wochenende. Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex für die Industrie, eine Umfrage unter Einkäufern der Unternehmen, fiel im Oktober überraschend auf 49,3 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle. Für mich ist der Freitag deshalb der aufschlussreichere Fahrzeugtermin der Woche: Daimler Truck berichtet, während draußen über die Kosten gestritten wird, die das nächste Jahr prägen.

US-Arbeitsmarktbericht: Die Zahl hinter dem Dezember-Zins

Am Freitag um 14:30 Uhr kommt der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober. Volkswirte erwarten im Schnitt 65.000 neue Stellen nach 29.000 im Vormonat. Erste Hinweise liefern vorher die offenen Stellen am Dienstag und der ADP-Bericht am Mittwoch.

Warum interessiert das hierzulande? Der Bericht entscheidet mit, ob die Fed im Dezember die Zinsen anhebt. Steigen die Zinserwartungen, geraten hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck. Deren Gewinne liegen weit in der Zukunft, und höhere Zinsen machen sie heute weniger wert.

Apple, AMD und Palantir legen laut Reuters in dieser Woche Zahlen vor. Anleger sichern sich ab. Laut Wall Street Journal ist die Nachfrage nach Verkaufsoptionen, die bei fallenden Kursen gewinnen, und nach Kreditausfallversicherungen auf KI-Werte gestiegen. Bei CoreWeave erreichte das Volumen solcher Optionen im Oktober laut Cboe einen Rekord.

OpenAI sammelte für seine jüngste Finanzierungsrunde nur rund 11 der angepeilten 30 Milliarden Dollar ein, berichtete das Wall Street Journal am Freitag. Am Donnerstag spricht zudem EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die ihr Amt am 7. Februar 2027 vorzeitig abgeben will. Ein Hinweis für Ihre Handelsplanung: Weil in den USA seit dem 1. November Winterzeit gilt, öffnet die Wall Street wieder um 15:30 Uhr unserer Zeit.

Südkorea und Binance: Exportrekord und Neustart

Südkoreas Exporte sind im Oktober um 93,7 Prozent zum Vorjahr gestiegen, der stärkste Zuwachs seit 1974. Die Halbleiterausfuhren legten noch weit kräftiger zu. Das stützt Samsung Electronics und SK hynix, deren Aktien im Oktober unter Druck standen, weil Chinas Speicherhersteller CXMT Fortschritte bei dichteren Chips meldete. Die Deutsche Bank hält den Rückschlag bei europäischen Chipwerten für übertrieben und führt Infineon unter ihren Hardwarewerten mit Kaufempfehlung.

Binance nimmt die Auszahlungen seit Sonntag stufenweise wieder auf. Die Börse hat nach eigenen Angaben 90 Prozent der gestohlenen Summe ersetzt. Das FBI macht Nordkoreas Hackergruppe TraderTraitor verantwortlich. Bitcoin hat sich seit Freitag kaum bewegt.

Stratec verkauft die Verlusttochter Diatron MI und nimmt dafür eine hohe Abschreibung in Kauf. Der Diagnostikzulieferer hebt die Margenprognose für 2026 auf 13 bis 15 Prozent, kassiert aber zugleich die Mittelfristziele.

Unterm Strich

Die Woche beantwortet eine Kostenfrage in zwei Teilen. Am Dienstag zeigt Lufthansa, was der Ölpreis bereits gekostet hat. Am Freitag berichtet Daimler Truck, während die IG Metall den Preis der Arbeit neu verhandelt.

Ob die Kerosinrechnung sinkt, hängt an Doha, ob die Lohnrechnung steigt, am Verhandlungstisch der Metaller. Und der Arbeitsmarktbericht am Freitag sagt, ob die Fed die Zinsrechnung noch einmal aufschlägt.

Kommen Sie gut in die Berichtswoche.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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