Novo Nordisk Aktie: China-Zulassung für NovoWei eingereicht

US-Daten zeigen weiteres Wachstum der Wegovy-Pille, während China-Fortschritte und angehobene Prognosen den langfristigen Risiken gegenüberstehen.

Dr. Robert Sasse ·
Moderne pharmazeutische Laborumgebung mit medizinischen Glasfläschchen in einer professionellen, sterilen Atmosphäre. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • 181.000 US-Verschreibungen für Wegovy-Pillen
  • Novo Nordisk prüft Tabletten-Zulassung in China
  • Deutsche Bank senkt Kursziel auf 265 Kronen
  • Jahresprognose beim Umsatz leicht angehoben

Die Wegovy-Pille läuft seit gestern auch in Deutschland an – ein Etappensieg, über den viel geschrieben wurde. Für mich liegt die eigentlich interessante Geschichte aber woanders: in den Verschreibungszahlen aus den USA, wo das Präparat schon länger im Markt ist. Und die sprechen unterm Strich für Novo Nordisk, auch wenn der Aktienkurs davon bislang wenig zeigt.

Verschreibungsdaten widerlegen die Wachstums-Angst

In der Woche bis zum 4. September erreichten die Wegovy-Pillen-Verschreibungen in den USA rund 181.000 – ein Plus von 3 Prozent und ein neuer Höchststand. Eli Lillys Konkurrenzprodukt Foundayo kam im selben Zeitraum auf 44.000 Verschreibungen, ein Zuwachs von 8 Prozent.

Ja, Lilly wächst prozentual schneller. Aber die absolute Basis von Novo Nordisk ist mehr als das Vierfache – und wächst trotzdem noch weiter. Seit dem US-Marktstart im Januar wurden kumuliert über 5 Millionen Verschreibungen gezählt. Das ist keine Nische, das ist ein etabliertes Massenprodukt.

Dazu kommt der China-Vorstoß: Anfang September wurde die Zulassung der oralen Semaglutid-Tablette NovoWei® in China zur Prüfung angenommen. Der chinesische Markt gilt als einer der größten Wachstumshebel für Adipositas-Präparate überhaupt. Für mich ist das ein strategisch wichtiger Baustein, den die aktuelle Skepsis am Kapitalmarkt zu wenig einpreist.

Warum die Analysten trotzdem vorsichtig sind

Und die Skepsis ist real. Ende August stufte die Deutsche Bank die Aktie auf Verkaufen herab und senkte das Kursziel auf 265 dänische Kronen. Analyst Emmanuel Papadakis begründete den Schritt mit einem gescheiterten Spätphasenpräparat: Ziltivekimab, ein Herz-Kreislauf-Mittel, konnte in einer großen Studie das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht senken. Das ist ein handfester Rückschlag für die Pipeline, keine Frage.

Auch Berenberg hatte schon zuvor, Mitte August, seine Kaufempfehlung aufgegeben und das Kursziel auf 47 US-Dollar gesenkt – mit dem Argument, dass die These einer positiven Überraschung bei der Wegovy-Pille im ersten Halbjahr bereits eingepreist sei und sich der Wettbewerb bei oralen Adipositas-Mitteln in der zweiten Jahreshälfte verschärfe.

Diese Einschätzungen sind nicht aus der Luft gegriffen. Aber sie beleuchten vor allem die langfristigen Risiken – Patentklippe, Pipeline-Rückschläge, nachlassende Wachstumsdynamik ab 2027. Sie widersprechen nicht den kurzfristigen operativen Daten, die Novo Nordisk gerade liefert. Im zweiten Quartal stieg der bereinigte Umsatz währungsbereinigt um 7 Prozent, der bereinigte Betriebsgewinn um 11 Prozent.

Das Unternehmen hob daraufhin die Jahresprognose an: Statt eines möglichen Rückgangs von bis zu 6 Prozent rechnet Novo Nordisk nun mit einer Spanne von 0 bis minus 6 Prozent beim bereinigten Umsatzwachstum – eine leichte, aber sichtbare Verbesserung des unteren Endes der Erwartung.

Der Kurs bildet die Ambivalenz fast schon vorbildlich ab

Am Freitag schloss die Aktie bei 40,09 Euro, ein Tagesverlust von 1,8 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,8 Prozent, auf Monatssicht von 3,5 Prozent zu Buche – die Erholung der vergangenen Wochen bleibt also intakt, auch wenn sie fragil wirkt. Seit Jahresbeginn liegt das Papier weiterhin 8,9 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sogar 17 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro trennen die Aktie satte 27 Prozent, während sie sich vom Jahrestief bei 30,25 Euro bereits um ein Drittel entfernt hat. Für mich zeigt genau diese Aufspaltung, wie sehr der Markt zwischen kurzfristiger operativer Stärke und langfristigem Strukturzweifel schwankt.

Am 21. September folgt der Capital Markets Day in London, am 4. November die Neunmonatszahlen. Beide Termine dürften zeigen, ob sich das operative Momentum aus den Verschreibungsdaten in belastbare mittelfristige Ziele übersetzen lässt.

Mein Fazit: Die kurzfristigen Fakten – Verschreibungswachstum, angehobene Guidance, China-Fortschritt – sprechen gegen die These vom auslaufenden Wachstumsmodell. Die mittelfristigen Risiken, die Deutsche Bank und Berenberg zu Recht benennen, sind aber nicht wegzudiskutieren. Wer auf Novo Nordisk schaut, sollte beide Ebenen sauber trennen, statt sie zu einem einzigen Urteil zu verschmelzen.

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Novo Nordisk Aktie

40,00 EUR

– 0,35 EUR -0,87 %
KGV 11,43
KUV 3,97
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 3,88 %
Marktkapitalisierung 1,35 Bio. DKK
Ø Kursziel 309,73 DKK
ISIN: DK0062498333 WKN: A3EU6F

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