Xiaomi vor dem SkyNomad-Test im September
Xiaomi liefert im Juli erneut über 30.000 E-Autos aus, der SkyNomad-Vorverkauf läuft. Entscheidend für Anleger sind die Q2-Zahlen am 18. August.

Kurz zusammengefasst
- Vierter Monat mit über 30.000 Auslieferungen
- SkyNomad-Vorverkauf gestartet, Auslieferung ab September
- Q2-Zahlen am 18. August im Fokus
- Aktie unter 200-Tage-Durchschnitt, hohe Volatilität
Ausgangslage: Warum der Herbst entscheidet
Xiaomi Auto hat im Juli zum vierten Mal in Folge mehr als 30.000 Fahrzeuge ausgeliefert – ein Beleg dafür, dass die Elektrosparte des Konzerns operativ Fahrt aufnimmt. Berichten von Gasgoo und CnEVPost zufolge lief parallel der Vorverkauf der neuen SUV-Baureihe SkyNomad an, die auf der Ende Juli vorgestellten Technologiearchitektur „Xiaomi Kunlun“ basiert. Laut China Daily sollen die beiden Hybridmodelle N70 Max und N90 Max – ein Fünfsitzer ab 259.900 Yuan sowie ein Siebensitzer ab 299.900 Yuan – ab September ausgeliefert werden.
Für Anleger ist der Zeitpunkt heikel: Am 18. August legt Xiaomi die Zahlen zum zweiten Quartal vor, Analysten erwarten im Schnitt einen Umsatz von 116,84 Milliarden Yuan. Die Aktie notierte am Montag bei 3,13 Euro und verlor damit 3,26 Prozent – nach einem 30-Tage-Plus von 19,88 Prozent zuvor eine deutliche Verschnaufpause. Die Schwankungsbreite bleibt hoch, die Papiere bewegen sich weiterhin unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts. Genau in dieser Gemengelage aus Produktankündigung, Quartalszahlen und volatilem Kurs muss sich entscheiden, ob die EV-Sparte vom Verlustbringer zum Wachstumstreiber wird.
Die entscheidende Frage: Trägt das Auto-Segment die Bewertung?
Im ersten Quartal 2026 stieg der Konzernumsatz auf 99,14 Milliarden Yuan, doch der Bereich EV/KI-Innovationen verbuchte einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan. Die zentrale Frage für die kommenden Wochen lautet damit nicht, ob Xiaomi Autos verkauft – das gelingt inzwischen zuverlässig, im Juni waren es 34.738 Einheiten, der zweithöchste Monatswert des Jahres. Entscheidend ist, ob die Sparte in absehbarer Zeit die Verlustzone verlässt. Die Auslieferungszahlen des zweiten Quartals fließen bereits in die Zahlen vom 18. August ein, der SkyNomad-Vorverkauf wird sich erst in den Ergebnissen für das dritte Quartal niederschlagen. Bis dahin bleibt offen, ob steigende Stückzahlen die hohen Entwicklungskosten der neuen Kunlun-Architektur kompensieren können.
Bullisches Szenario
Setzt sich die Sequenz von vier Monaten mit mehr als 30.000 Auslieferungen fort und trifft SkyNomad im September auf eine ähnlich hohe Nachfrage wie frühere Modelle, könnte die Skalierung die Verluste im EV-Segment spürbar verringern. Ein Umsatz nahe oder über der Analystenerwartung von 116,84 Milliarden Yuan am 18. August würde zusätzlich signalisieren, dass das Kerngeschäft aus Smartphones und Hardware die Expansion ins Auto-Geschäft weiter stützt. Flankierend läuft das im Juni gestartete Aktienrückkaufprogramm über bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar weiter, das laut Mitteilung des Unternehmens Verwässerungseffekten entgegenwirken soll und dem Kurs zumindest technisch Halt geben kann. Charttechnisch notiert die Aktie mit einem RSI von 53,3 in neutralem Terrain – Raum für eine Erholung wäre also vorhanden, sollte die Nachrichtenlage positiv überraschen.
Bärisches Szenario und Risiko
Das Gegenbild ist ebenso plausibel. Die SkyNomad-Modelle starten mit Preisen um 260.000 bis 300.000 Yuan in einem Segment, in dem chinesische Wettbewerber ihre eigenen Hybrid- und Elektro-SUVs aggressiv positionieren. Bleibt die Nachfrage hinter den bisherigen Erfolgsmodellen zurück oder verzögert sich der für September geplante Auslieferungsbeginn, würde sich der Verlust im EV/KI-Segment eher verfestigen als abbauen. Die Kurshistorie mahnt zur Vorsicht: Erst Ende Juni markierte die Aktie im Frankfurter Handel ein neues Jahrestief, und mit einem Minus von 27,79 Prozent seit Jahresbeginn sowie einem Abstand von 15,90 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt bleibt die mittelfristige Tendenz angeschlagen. Eine annualisierte Volatilität von über 57 Prozent zeigt zudem, wie nervös der Markt auf neue Nachrichten reagiert – Enttäuschungen bei den Zahlen am 18. August könnten sich entsprechend heftig im Kurs niederschlagen.
Ausblick: Zwei Termine als Weichenstellung
Der nächste konkrete Prüfstein ist der 18. August, wenn Xiaomi die Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegt und Anleger erstmals sehen, ob sich die Verluste im EV-Segment gegenüber dem ersten Quartal verringert haben. Der zweite Fixpunkt folgt im September mit dem geplanten Auslieferungsstart von SkyNomad, dessen tatsächliche Verkaufszahlen erst in den Berichten zum dritten Quartal sichtbar werden. Solange die monatlichen Auslieferungszahlen oberhalb der 30.000er-Marke bleiben und der Rückkauf den Kurs stabilisiert, bleibt das bullische Szenario intakt. Rutschen die Zahlen am 18. August unter die Konsenserwartung oder verzögert sich der SkyNomad-Marktstart, dürfte der Abwärtstrend gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt weiter Bestand haben. Bis dahin bewegt sich die Aktie in einem Spannungsfeld zwischen operativer Fortschrittsgeschichte im Autogeschäft und der Unsicherheit, wie teuer dieser Fortschritt den Konzern noch kostet.
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