Graphite One Aktie: Genehmigung verschiebt sich bis September 2027

Fund indigener Artefakte erzwingt vertiefte Umweltprüfung für Graphitmine in Alaska. Der Zeitplan für die Bundesgenehmigung verschiebt sich um ein Jahr.

Eduard Altmann ·
Graphite One Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Alte Artefakte verlangsamen Genehmigungsprozess
  • Umweltprüfung wird zur Vollstudie hochgestuft
  • Bundesgenehmigung nun erst 2027 erwartet
  • Ohio-Werk für Graphitverarbeitung läuft weiter

Alte Artefakte indigener Kulturen bringen den Zeitplan von Graphite One durcheinander. Die US-Armeeingenieure verlängern die Prüfung des Alaska-Projekts um ein Jahr. Für Anleger bedeutet das: weiter warten, weiter zittern.

Die Aktie schloss am Dienstag bei 0,57 Euro. Damit liegt das Papier 64,26 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1,59 Euro aus Ende Januar. Allein in den vergangenen sieben Tagen ging es um 8,21 Prozent nach unten, auf Monatssicht steht ein Minus von 14,29 Prozent.

Denkmalschutz erzwingt tiefere Prüfung

Der US Army Corps of Engineers stuft die Umweltprüfung für das Alaska-Projekt hoch. Aus einer einfachen Environmental Assessment wird eine vollständige Environmental Impact Statement. Das kostet Zeit.

Ein zusätzlicher Faktor kommt hinzu: eine Section-106-Prüfung nach dem National Historic Preservation Act. Diese verlangt von Behörden, Auswirkungen auf historische Stätten zu berücksichtigen. Graphite One hat auf dem Gelände mehrere alte Artefakte indigener Gemeinschaften gefunden. Genau das rückt nun in den Mittelpunkt der erweiterten Prüfung.

Der Fund ist kein Zufallsergebnis eines einzelnen Behördenbesuchs. Ihm ging ein Jahr öffentlicher Anhörungen voraus, dazu Gespräche mit den Nachbargemeinden Brevig Mission und Teller. Im April besuchte der Corps die Dörfer selbst und hörte Sorgen der Bewohner zu möglichen Risiken für das nahe Imuruk-Becken.

Eine lokale Wasserschutz-Aktivistin wertet das Ergebnis als Erfolg für die Stammesgemeinschaften. Die Bewohner von Brevig Mission hätten den Prüfern demnach ein komplettes Mahl aus lokalen Ressourcen serviert, um die Bedeutung des Imuruk-Beckens zu verdeutlichen.

Graphite One reagiert direkt auf die Kritik der Vergangenheit. Ein für Anfang Juni geplantes Gemeindetreffen musste verschoben werden, weil es in eine wichtige Jagd- und Sammelzeit fiel. Am 28. Juli kehrt das Unternehmen nun nach Brevig Mission zurück.

Unternehmen und Region stützen die Verzögerung

Statt gegen die strengere Prüfung vorzugehen, stellt sich Graphite One demonstrativ hinter die Entscheidung des Corps. CEO Anthony Huston erklärte, das Unternehmen habe sich auf dieses Prüfniveau vorbereitet. Er bleibe zuversichtlich, die Mine trotzdem bis 2029 eröffnen zu können.

Auch die Bering Straits Native Corporation, ein regionaler Akteur mit eigenen Entwicklungsinteressen, unterstützt den Schritt. Präsidentin Cindy Towarak nannte die umfassendere Prüfung einen Vorteil. Sie gebe Nutzern der Subsistenzwirtschaft mehr Möglichkeiten, ihre Bedenken einzubringen.

Der neue Zeitplan verschiebt die Bundesgenehmigung deutlich nach hinten. Ursprünglich sollten alle Genehmigungen bis September dieses Jahres vorliegen. Jetzt rechnet Graphite One erst im September 2027 mit dem Abschluss des Bundesverfahrens.

Bemerkenswert bleibt der Status des Projekts: Graphite Creek steht seit letztem Jahr auf dem föderalen FAST-41-Dashboard. Dieses Programm soll Genehmigungsbehörden bei Projekten mit nationaler Infrastrukturbedeutung auf straffe Zeitpläne verpflichten. Ausgerechnet hier zeigt sich nun, wie dehnbar solche Zeitpläne in der Praxis sein können.

Ohio-Werk läuft parallel weiter

Während sich die Genehmigung in Alaska verzögert, treibt Graphite One sein Downstream-Geschäft in Ohio voran. Das Unternehmen hat kürzlich einen Engineering-Vertrag mit einer auf Batterie-Anodenfertigung spezialisierten Firma geschlossen. Ziel bleibt eine heimische Kapazität von 25.000 Tonnen synthetischem Graphit pro Jahr am Standort Conneaut, Ohio, bis zum vierten Quartal 2028.

Die Anlage soll später in Alaska gefördertes Material zu batteriefähigen Produkten weiterverarbeiten. Aktivmaterial für Anoden (AAM) stammt dabei direkt aus der Graphite-Creek-Lagerstätte.

Charttechnik spiegelt die Unsicherheit

Die Kursentwicklung zeigt, wie stark Anleger die längere Wartezeit einpreisen. Die Aktie notiert 15,69 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 0,68 Euro und 33,04 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,85 Euro. Der 14-Tage-RSI von 35,2 deutet auf eine überverkaufte Lage hin, ohne dass sich bislang ein klarer Auslöser für eine Trendwende zeigt.

Seit Jahresbeginn hat das Papier über die Hälfte seines Werts verloren, die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 123,62 Millionen Euro. Bis September 2027 bleibt Zeit – für die Behörden, für die betroffenen Gemeinden, und für ein Unternehmen, das seinen Produktionsstart 2029 trotz der Verzögerung noch für erreichbar hält.

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Sektor Grundlegende Materialien
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