Deutsche Telekom Aktie: Großaktionäre gegen Holding-Fusion

Großaktionäre der Deutschen Telekom lehnen Fusionspläne mit T-Mobile US ab. Kritiker sehen keine Synergien und befürchten Kursverluste.

Eduard Altmann ·
Deutsche Telekom Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Offener Widerstand gegen Fusionspläne
  • Keine Kostenvorteile erkennbar
  • Bundesregierung gilt als skeptisch
  • Aktie zeigt sich trotzdem stabil

Ein Fusionsplan sorgt für offenen Widerstand bei den eigenen Aktionären. Die Deutsche Telekom prüft angeblich ein gemeinsames Holding-Dach mit der US-Tochter T-Mobile US. Fondsmanager und Vermögensverwalter melden sich jetzt öffentlich zu Wort — und ihre Botschaft ist eindeutig ablehnend.

Ausgelöst hat die Debatte ein Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“. Demnach denkt das Management über eine engere Verzahnung von Bonner Konzern und profitabler US-Sparte nach. Die Aktie schloss am Dienstag bei 26,60 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro aus dem Februar fehlen damit noch 22,56 Prozent.

Fondsmanager formulieren klare Kritik

Martin Wirth, Gründer von Frankfurt Performance Management, findet die bekannten Pläne nicht positiv. Er kann sich kaum vorstellen, dass die Bundesregierung einer Verlagerung der Deutschen Telekom ins Ausland zustimmt. Auch eine große deutsche Fondsgesellschaft aus den Top-30-Aktionären äußert sich zurückhaltend. Aus ihrer Sicht überwiegen derzeit die Nachteile.

Das Kernproblem: Zwischen dem US-Geschäft und dem Europageschäft gibt es kaum nennenswerte Kostenvorteile. Eine Fusion wäre trotzdem teuer. Die Minderheitsaktionäre von T-Mobile US würden für ihre Zustimmung wahrscheinlich eine Prämie verlangen. Einen Ausgleich dafür sehen Kritiker nicht.

Jens Ehrhardt von DJE Kapital fordert ein Ende der Diskussion. „Der Fusionsplan ist kontraproduktiv, bringt keine Synergien und senkt den Aktienkurs“, wird er zitiert. Die Deutsche Telekom selbst hat sich zu den Berichten bislang nicht offiziell geäußert.

Der Bund als Unsicherheitsfaktor

Ein namentlich nicht genannter Top-30-Aktionär sieht laut dem NZZ-Bericht erhebliche Risiken für den Börsenwert des Konzerns. Die Bundesregierung hält rund 28 Prozent der Anteile. Sie gilt als skeptisch gegenüber der Umstrukturierung.

Als Referenzmodell nennen Marktkreise häufig den Zusammenschluss von Linde und Praxair. Beide Konzerne bündelten sich unter einer Holding in Irland und notierten zugleich in New York und Frankfurt. Linde verließ die Frankfurter Börse später komplett, rund 93 Prozent der Aktionäre stimmten dem Rückzug zu. Ein vergleichbarer Schritt der Telekom wäre für den deutschen Kapitalmarkt brisant. Ein weiterer Schwergewichts-Abgang würde den Dax empfindlich treffen.

Der Kurs zeigt sich trotzdem robust

Trotz der ungeklärten Struktur-Frage hält sich die Aktie stabil. Auf Wochensicht steht ein Plus von 4,15 Prozent zu Buche. Auf Monatssicht liegt das Papier zwar 4,59 Prozent im Minus, befindet sich aber weiterhin in einer Erholungsphase seit dem 52-Wochen-Tief von 23,54 Euro Ende Juni.

Der RSI von 51,9 zeigt weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Marktlage an. Die annualisierte Volatilität von 31,37 Prozent auf Sicht von 30 Tagen deutet allerdings auf anhaltende Nervosität im Handel hin. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 28,74 Euro fehlen der Aktie derzeit 7,45 Prozent.

Solange keine offizielle Stellungnahme aus Bonn vorliegt, dürfte die Holding-Debatte den Kurs weiter prägen. Die anstehenden Quartalszahlen werden zeigen, wie robust das operative Geschäft neben der Strukturdiskussion tatsächlich dasteht.

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ISIN: DE0005557508 WKN: 555750

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