SAP Aktie: Rotstift für die KI-Wette
SAP kürzt Ausgaben für Einstellungen und Reisen, um massiv in KI zu investieren. Der Konzern setzt auf Umschichtung statt Stellenabbau.

Kurz zusammengefasst
- SAP bremst Neueinstellungen und Reisekosten
- Milliardeninvestitionen in KI-Technologien
- Umschichtung statt Kahlschlag bei Personal
- Aktie verlor über 30 Prozent seit Jahresbeginn
SAP dreht an der Kostenschraube – ausgerechnet um mehr Geld in Künstliche Intelligenz stecken zu können. Der Softwarekonzern bremst Neueinstellungen und Reisebudgets, während er parallel Milliarden in KI-Technologie investiert. Die Botschaft: Sparen an der einen Stelle, um an anderer Stelle Vollgas zu geben.
Ein Unternehmenssprecher formulierte es so: Investitionen in KI-Fähigkeiten, Talente und Technologien würden priorisiert, während bei Einstellungen, externen Ausgaben und internen Reisen mehr Disziplin gelte. Kundennahe Aktivitäten und kritische KI-Initiativen blieben davon unberührt. Vorstandschef Christian Klein sieht in KI vor allem einen Hebel gegen repetitive Aufgaben – und ein Werkzeug, mit dem Kunden ihre Prozesse in Finanzen, Personalwesen und Beschaffung automatisieren können.
Anders als beim Restrukturierungsprogramm von 2024, das tausende Stellen kostete, setzt SAP diesmal auf Umschichtung statt Kahlschlag. Mitarbeiter sollen in Bereiche wechseln, in denen sie KI-Werkzeuge nutzen können. Erst vor rund zwei Monaten hatte der Konzern eine neue Software-Suite vorgestellt, die Daten-, Cloud-, KI- und Automatisierungsfunktionen bündelt.
Die Angst vor der Saaspokalypse
Der Hintergrund dieser Kostendisziplin ist eine Branchensorge, die sich seit Jahresbeginn hartnäckig hält. Investoren fragen sich, ob KI-Agenten klassische Softwarelizenzen eines Tages überflüssig machen. Der Markteinbruch der Software-Branche zu Jahresbeginn bekam dafür sogar einen eigenen Namen: „Saaspokalypse“. Die SAP-Aktie verlor seither mehr als 30 Prozent an Wert und notierte zuletzt nahezu unverändert bei 140,52 Euro.
Etwas Entspannung brachte im Juni ein Kommentar von Nvidia-Chef Jensen Huang, der Befürchtungen einer KI-getriebenen Softwarekrise zurückwies und stattdessen von wachsenden Chancen für Anbieter sprach.
Zieht SAP mit der Konkurrenz mit?
Spannend wird jetzt, ob sich ein Muster aus dem Mai wiederholt: Damals hatte die Bank of America ServiceNow zum Kauf empfohlen, und SAP zog binnen kurzer Zeit über 20 Prozent an – gab die Gewinne anschließend aber wieder ab. Nun hat Guggenheim gleich einen Doppelschlag gesetzt und sowohl ServiceNow als auch Salesforce auf „Buy“ gestuft, beide Aktien sprangen über vier Prozent nach oben.
Ob SAP diesmal nachzieht, dürfte auch davon abhängen, wie institutionelle Investoren zum Quartalsauftakt ihre Portfolios neu ausrichten. Im ersten Halbjahr gehörte SAP neben Rheinmetall zu den größten Bremsklötzen des DAX, der mit knapp zwei Prozent Plus weit hinter dem Euro Stoxx 50 zurückblieb. Eine Untergewichtung, die nach einer Neubewertung verlangt, wäre für institutionelle Käufer durchaus denkbar.
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