Novartis Aktie: Schwärzester Handelstag der Firmengeschichte
Novartis verfehlt mit zwei späten Studien die Hauptziele, hält aber an der Umsatzprognose fest und prüft die nächsten Schritte.

Kurz zusammengefasst
- Zehn Prozent Tagesverlust bei Novartis
- Del-desiran scheitert am zentralen Studienziel
- Pelacarsen verfehlt ebenfalls primären Endpunkt
- Umsatzprognose von fünf bis sechs Prozent bleibt
Zehn Prozent Kursverlust an einem einzigen Tag — das hat es bei Novartis in dieser Form noch nicht gegeben. Auslöser ist ein gescheitertes Muskelmedikament, das eigentlich als Zukunftshoffnung galt. Für den Basler Pharmakonzern ist es bereits der dritte klinische Rückschlag innerhalb einer Woche.
Del-desiran verfehlt sein Ziel
Die Phase-III-Studie HARBOR zu Del-desiran gegen die Muskelkrankheit Myotone Dystrophie Typ 1 hat ihr vorrangiges Studienziel verfehlt. Bei rund 150 Patienten über 54 Wochen zeigte sich kein statistisch signifikanter Vorteil gegenüber Placebo bei der Beweglichkeit der Hände — dem zentralen Messwert für die fortschreitende Muskelerkrankung, für die es bislang keine zugelassene Therapie gibt.
Immerhin gab es in weiteren Studienzielen wie der Muskelstärke Hinweise auf eine Wirkung. Novartis will die vollständigen Daten auswerten und mit den Gesundheitsbehörden über das weitere Vorgehen sprechen.
Das Mittel war das Herzstück der rund zwölf Milliarden Dollar schweren Übernahme des US-Biotechunternehmens Avidity. Novartis-Chef hatte dem Wirkstoff zuvor ein Spitzenumsatzpotenzial von über fünf Milliarden Dollar zugetraut.
Jefferies-Analyst Michael Leuchten beließ seine Einstufung bei „Hold“ mit einem Kursziel von 110 Franken und rechnet trotz des Rückschlags noch mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 80 Prozent — allerdings nur noch mit einem Spitzenumsatz von 1,5 Milliarden Dollar. Der Fehlschlag werfe erneut Fragen zum Due-Diligence-Prozess bei der Geschäftsentwicklung des Konzerns auf, so Leuchten.
Zweiter Schlag binnen 48 Stunden
Erst am Freitag hatte Novartis vermeldet, dass die Studie Lp(a)HORIZON mit dem Herz-Kreislauf-Mittel Pelacarsen ihr primäres Ziel verfehlt hatte — ein gemeinsam mit Ionis Pharmaceuticals entwickeltes Medikament, das als potenzieller Kassenschlager galt.
Zwei gescheiterte Spätphasen-Studien binnen weniger Tage haben Anleger dazu gebracht, die kurzfristige Wachstumsstory des Konzerns neu zu bewerten. Ein Händler brachte die Marktstimmung auf den Punkt: Das mache den Markt zunehmend nervös, zumal sich nun die Frage stelle, wie sinnvoll der Avidity-Zukauf tatsächlich war.
Novartis betonte trotz der Rückschläge, dass die Prognose von 5 bis 6 Prozent jährlichem Umsatzwachstum für den Zeitraum 2025 bis 2030 unangetastet bleibt.
Der Konzern verwies zudem auf weitere Wirkstoffe aus derselben Antikörper-Oligonukleotid-Klasse: Für Del-zota bei einer Form der Duchenne-Muskeldystrophie läuft bereits eine beschleunigte Prüfung bei der US-Arzneimittelbehörde, für Del-brax gegen Gliedergürtel-Gesichts-Muskeldystrophie ist ein Behördengespräch über die nächsten Schritte geplant.
Die Aktie fiel im Tagesverlauf auf ihr niedrigstes Niveau seit mehreren Monaten und belastete auch den Schweizer Leitindex SMI spürbar. Ob die verbleibende Pipeline reicht, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen, dürfte sich erst mit den nächsten Studienergebnissen zeigen.
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