DAX: Chip-Rally trägt vor Fed-Entscheid
Der DAX legt zu, während Halbleiteraktien gefragt sind. Autowerte geben nach, und US-Daten prägen die Erwartungen an die Fed.

Kurz zusammengefasst
- DAX gewinnt 0,4 Prozent
- Halbleiterwerte führen die Kursgewinne an
- Elmos steigt nach Hochstufung
- Autowerte geraten unter Verkaufsdruck
Der DAX tastet sich am Mittwoch weiter nach oben — angetrieben von einer Branche, die zuletzt noch für Nervosität gesorgt hatte. Am Nachmittag steht der Index bei 25.493 Punkten, ein Plus von 0,4 Prozent, und bleibt damit über der 100-Tage-Linie. Der MDAX legt um 0,5 Prozent zu, der EuroStoxx 50 sogar um 0,6 Prozent.
Der eigentliche Treiber sitzt im Halbleitersektor. Noch am Montag hatten Sicherheitsbedenken wegen eigenständiger Hacking-Attacken durch KI-Systeme für deutliche Kursverluste bei Tech-Werten gesorgt. Diese Sorgen sind fürs Erste verflogen. Bank of America erhöhte ihre Prognose für den globalen Halbleitermarkt bis 2030 auf 3,2 Billionen Dollar — Speicher, Rechenzentren und eine Erholung der Industriemärkte gelten als Treiber.
Chips vorne, Autos hinten
Im DAX profitieren davon vor allem Infineon, Siemens Energy und HOCHTIEF mit Kursaufschlägen von bis zu 2,5 Prozent. Im MDAX ziehen Aixtron, Süss Microtec, Siltronic und Jenoptik zwischen 2,5 und 4,0 Prozent an. Elmos Semiconductor sticht mit einem Plus von 4,9 Prozent heraus, nachdem das Bankhaus Metzler die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und für 2027 beschleunigtes Wachstum bei steigender Profitabilität in Aussicht gestellt hatte.
Auf der anderen Seite steht die Autobranche unter Druck. Berenberg-Analyst Romain Gourvil sieht den Weg zu durchweg positiven Ergebnissen im europäischen Automobilsektor weiterhin holprig — China-Geschäft, geopolitische Risiken und Inflationsdruck belasten die Ertragsperspektiven.
Volkswagen Vorzugsaktien sind mit einem Rückgang von 2,9 Prozent Schlusslicht im DAX. Selbst eine Kaufempfehlung von Berenberg kann BMW nicht vor einem Minus von 1,6 Prozent bewahren, Mercedes-Benz und Porsche verlieren 2,6 beziehungsweise 1,0 Prozent.
Der Blick geht nach Washington
Im Hintergrund dominiert die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank. Stärker als erwartet ausgefallene Einzelhandelsumsätze in den USA — plus 1,2 Prozent im August statt der erwarteten 0,8 Prozent — untermauern die Erwartung einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Analysten verweisen allerdings darauf, dass gestiegene Benzin- und Dieselpreise einen erheblichen Teil des Anstiegs erklären, was die Aussagekraft der Daten schmälert.
Moderat unterstützend wirken zudem leicht gesunkene Ölpreise, nachdem US-Energieminister Chris Wright eine rasche Wiederinbetriebnahme einer wichtigen saudi-arabischen Pipeline in Aussicht gestellt hatte. Echte Fortschritte bei den Konflikten im Nahen Osten gibt es damit aber noch nicht.
Am Abend richtet sich die Aufmerksamkeit auf Fed-Chef Kevin Warsh. Nach einer höher als erwartet ausgefallenen Kerninflation in der Vorwoche und dem politischen Druck aus dem Weißen Haus für niedrigere Zinsen dürfte die Pressekonferenz im Anschluss an die Entscheidung mindestens so viel Beachtung finden wie der Zinsschritt selbst.
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