Bayer Aktie: AMBELVIST am 15. Juni zugelassen
Bayer erzielt zwei FDA-Meilensteine, kämpft aber mit 32,5 Milliarden Euro Schulden und hohen Rechtskosten. Analysten sind uneins über die weitere Entwicklung.

Kurz zusammengefasst
- FDA-Zulassung für neues Kontrastmittel AMBELVIST
- Priority Review für Schlaganfallmittel Asundexian
- Nettoverschuldung steigt auf 32,5 Milliarden Euro
- Rechtsstreitigkeiten belasten den Free Cashflow
Zwei neue FDA-Meilensteine, ein Schlaganfallmittel mit Priority Review und gleichzeitig über 32 Milliarden Euro Nettoverschuldung — bei Bayer treffen gerade Fortschritt und Belastung frontal aufeinander. Die Aktie notiert bei 39,47 Euro und liegt damit rund 21 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Februar.
AMBELVIST: Weniger Gadolinium, gleiche Bildqualität
Am 15. Juni hat die FDA AMBELVIST (Gadoquatran) zugelassen. Das neue Kontrastmittel für die MRT-Bildgebung benötigt nur 0,04 mmol Gadolinium pro Kilogramm Körpergewicht — rund 60 Prozent weniger als die Standarddosis verfügbarer makrozyklischer Mittel.
Die Zulassung basiert auf den Phase-III-QUANTI-Studien. Sie zeigten, dass die Visualisierungsscores mit denen herkömmlicher Mittel bei voller Standarddosis vergleichbar sind. Das niedrigere Dosisprofil dürfte vor allem Patienten zugutekommen, die regelmäßig gescannt werden — etwa bei Multipler Sklerose oder bestimmten Krebserkrankungen. Bayer hatte das Mittel zuvor bereits in Japan zugelassen bekommen. Den US-Marktstart plant das Unternehmen nach Abschluss der Einführungsvorbereitungen.
Asundexian: Schlaganfallschutz mit Priority Review
Beim oralen Gerinnungshemmer Asundexian läuft die regulatorische Maschinerie auf Hochtouren. Die FDA akzeptierte am 19. Mai den Zulassungsantrag und vergab den Priority-Review-Status. Bayer will das Mittel zur Prävention wiederkehrender Schlaganfälle nach nicht-kardioembolischem ischämischem Schlaganfall oder TIA positionieren.
In der OCEANIC-STROKE-Studie reduzierte Asundexian ischämische Schlaganfälle um 26 Prozent gegenüber Placebo — ohne erhöhtes Blutungsrisiko. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat den Zulassungsantrag inzwischen validiert und das zentrale Prüfverfahren eingeleitet. Auch Chinas Arzneimittelbehörde erteilte Priority Review.
Schulden und Rechtsrisiken bremsen die Erholung
Die pharmazeutischen Fortschritte treffen auf eine angespannte Bilanz. Die Nettoverschuldung lag Ende März bei 32,5 Milliarden Euro — ein Anstieg von 9 Prozent gegenüber Jahresende 2025. Haupttreiber war der negative Free Cashflow durch Rechtsstreitigkeiten. Allein im ersten Quartal flossen netto rund 2 Milliarden Euro für PCB- und Glyphosat-Klagen ab.
Für das Gesamtjahr 2026 kalkuliert Bayer mit Rechtsauszahlungen von rund fünf Milliarden Euro. Hinzu kommt der noch ausstehende Supreme-Court-Beschluss im Fall Durnell — ein Verfahren, das die weitere Entwicklung der Glyphosat-Haftung maßgeblich prägen könnte.
Der Analystenkonsens spiegelt die Gemengelage wider. Rund 20 bis 25 Empfehlungen liegen vor, das durchschnittliche Kursziel bewegt sich zwischen gut 40 und 45 Euro. Die Spannbreite reicht von unter 35 bis über 55 Euro — selten zeigt sich so deutlich, wie weit die Einschätzungen auseinanderliegen. Auf Siebentagessicht hat die Aktie knapp 7 Prozent gewonnen, notiert aber noch klar unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts von 36,45 Euro — den sie inzwischen nach oben durchbrochen hat.
Die Entscheidung des Supreme Court dürfte noch in dieser Woche fallen. Sie wird zeigen, ob das Haftungsrisiko aus Glyphosat-Klagen dauerhaft eingedämmt werden kann oder Bayer weiter mit Milliardenabflüssen rechnen muss.
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