Ballard, FuelCell und ITM Power: Wasserstoff zwischen Rekord und Rückschlag

Wasserstoffwerte zeigen 2026 eine gespaltene Entwicklung: KI-nahe Firmen wie FuelCell profitieren von Großaufträgen, während operative Verbesserungen bei Plug, Nel und ITM den Markt nicht überzeugen.

Andreas Sommer ·
Plug Power Aktie

Kurz zusammengefasst

  • FuelCell profitiert von KI-Rechenzentrums-Deal
  • Ballard übernimmt britisches Unternehmen GeoPura
  • ITM Power: Rekordumsatz, aber Kursverlust
  • Plug Power treibt Restrukturierung voran

Fünf Wasserstoff-Aktien, fünf völlig unterschiedliche Geschichten. Ballard hat sich gerade eine britische Übernahme gesichert, FuelCell surft auf einem KI-Rechenzentrums-Deal, und ITM Power meldete ausgerechnet mit Rekordumsatz einen Kursrückgang. Zwischen Plug Powers Restrukturierung und Nels teurer Vergleichszahlung zeigt sich: operative Fortschritte allein reichen dem Markt derzeit nicht.

Sektorüberblick: Zwei Lager, eine Spannung

Der Wasserstoff-Sektor pendelt 2026 zwischen KI-getriebenem Optimismus und Bilanzsorgen. Die Stromnachfrage von Rechenzentren hat sich unerwartet zum Rettungsanker für Brennstoffzellen-Hersteller entwickelt, während Elektrolyseur-Spezialisten weiter auf europäische Förderprogramme und sich nur langsam erholende Auftragsbücher angewiesen sind.

Diese Spaltung prägte auch die vergangene Handelswoche: Ein großer Sektorwert legte zu, drei andere Wasserstoff-Titel gaben nach. Genau diese Zweiteilung – KI-nahe Namen ziehen Kapital an, klassische Wasserstoff-Infrastrukturwerte kämpfen weiter um Liquidität – bestimmt den Blick auf die anstehende Berichtssaison im August.

Plug Power: Restrukturierung gegen die Zeit

Plug Power notiert aktuell bei 1,78 Euro, nach einem Rückgang von 1,84 Prozent allein am Freitag. Auf Monatssicht steht ein Minus von 23,68 Prozent zu Buche, seit Jahresanfang liegt die Aktie dennoch leicht im Plus mit 5,72 Prozent.

Im Zentrum der Unternehmensgeschichte steht das Restrukturierungsprogramm „Project Quantum Leap“. Plug hat zudem den Verkauf eines Wasserstoffprojekts im texanischen Graham vereinbart. Zum 30. Juni verfügte das Unternehmen noch über rund 162 Millionen Dollar an frei verfügbaren Barmitteln, vor den Erlösen aus den neuen Transaktionen – Mittel, die nach eigenen Angaben die Liquiditätsziele für 2026 absichern sollen.

Operativ zeigte das erste Quartal Fortschritte: Der Nettoumsatz stieg um 22,3 Prozent auf 163,51 Millionen Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten. Die Bruttomarge verbesserte sich von minus 55 Prozent auf minus 13 Prozent, getrieben von höheren Absatzmengen und Kosteneinsparungen. Der operative Verlust belief sich dennoch auf 109,5 Millionen Dollar.

Die Analystenmeinungen fallen uneinheitlich aus. Canaccord Genuity hob das Kursziel von 2,50 auf 4 Dollar an, beließ die Einstufung aber bei „Hold“. B. Riley bestätigte seine Kaufempfehlung und erhöhte das Ziel von 3 auf 5 Dollar, während BMO Capital trotz einer Zielanhebung auf 1,20 Dollar bei „Underperform“ bleibt. Der nächste Quartalsbericht wird für den 10. August erwartet.

Nel ASA: Restrukturierung trifft teuren Vergleich

Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller notiert nahe mehrjähriger Tiefstände. Die Aktie steht bei 0,1944 Euro, nach einem Rückgang von 0,82 Prozent auf Wochensicht und einem Minus von 12,27 Prozent binnen zwölf Monaten. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein leichtes Plus von 2,97 Prozent zu Buche.

Die Quartalszahlen erklären die verhaltene Stimmung. Der Gesamtumsatz fiel von 215 auf 182 Millionen norwegische Kronen, das EBITDA rutschte von minus 86 auf minus 155 Millionen Kronen ab – belastet durch eine Vergleichszahlung im Zusammenhang mit dem Partner Iwatani. Der Nettoverlust lag bei 189 Millionen Kronen.

Positiver fiel die Entwicklung beim Auftragseingang aus: Dieser stieg im Quartal um 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 230 Millionen Kronen. Der Auftragsbestand lag zum Quartalsende bei 1.213 Millionen Kronen, die Barreserven bei 1.328 Millionen Kronen.

CEO Håkon Volldal sprach von „ermutigender kommerzieller Dynamik“, verwies auf zwei bedeutende Bestellungen und den kommerziellen Start der neuen druckalkalischen PA-Serie. Diese Plattform reduziert den Platzbedarf um 80 Prozent und die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent. Nel plant bis Ende 2026 eine Fertigungskapazität von 500 Megawatt, unterstützt durch EU-Fördermittel in Höhe von 135 Millionen Euro. Der Weg zur Gewinnschwelle bleibt jedoch weit: Das Management nennt Alkali-Volumina im dreistelligen Megawatt-Bereich sowie eine PEM-Auslastung von 20 bis 24 Prozent als Voraussetzung. Das Analystenurteil bleibt entsprechend skeptisch, mit einer Tendenz Richtung „Sell“.

ITM Power: Rekordumsatz, misstrauischer Markt

ITM Power lieferte das beste Halbjahresergebnis der Firmengeschichte – und wurde dafür mit fallenden Kursen bestraft. Der Umsatz im ersten Geschäftshalbjahr 2026 erreichte 18 Millionen Pfund, ein Rekordwert. Der Verlust je Aktie von minus 0,023 Pfund fiel deutlich besser aus als die erwarteten minus 2,86 Pfund, eine positive Überraschung von 99,2 Prozent. Die Aktie fiel nach der Vorlage der Zahlen dennoch um 7,01 Prozent.

Getragen wurde der Umsatz vor allem von Ausrüstungsverkäufen im Volumen von 15,5 Millionen Pfund, ergänzt um Erlöse aus technischen Studien, Ersatzteilen und Wartung. CEO Dennis Schulz betonte die operative Disziplin des Unternehmens angesichts der wiederholt starken Halbjahreszahlen.

Aktuell notiert der Titel bei 1,20 Euro, nach einem Rückgang von 19,67 Prozent im 30-Tage-Vergleich. Seit Jahresanfang steht dennoch ein deutliches Plus von 66 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, wie stark die jüngste Korrektur die vorherige Rally gedämpft hat. Die Analystenmeinungen bleiben gespalten: Goldman Sachs bestätigte im Juni seine „Sell“-Einstufung, während Jefferies im Mai bei „Buy“ blieb. Zuletzt kam eine strategische Partnerschaft mit Protium für britische Grün-Wasserstoff-Projekte hinzu. Der nächste Bericht ist für den 15. September terminiert.

Ballard Power: Übernahme überstrahlt Umsatzverfehlung

Ballards jüngstes Quartal brachte gleich zwei Nachrichten auf einmal – eine enttäuschende und eine potenziell transformative. Der Umsatz im zweiten Quartal lag bei 21 Millionen Dollar und verfehlte die Konsenserwartung von 25,72 Millionen Dollar. Die Aktie büßte daraufhin an Wert ein: Aktuell notiert sie bei 2,30 Euro, nach einem Tagesminus von 5,03 Prozent am Freitag und einem Rückgang von 9,94 Prozent binnen einer Woche.

Die eigentliche Schlagzeile war jedoch die geplante Übernahme von GeoPura. Ballard kündigte eine definitive Vereinbarung an, das britische Unternehmen für 275 Millionen Pfund im Voraus zu übernehmen. CEO Marty Neese bezeichnete den Deal als „transformativen Meilenstein“, der Ballards Brennstoffzellen-Technologie mit GeoPuras Energy-as-a-Service-Modell und Wasserstoff-Generator-Leasing kombiniere und die Sichtbarkeit wiederkehrender Serviceumsätze erhöhen solle.

Operativ zeigte das Quartal durchaus Fortschritte: Die Bruttomarge verbesserte sich von minus 8 auf 20 Prozent, die Betriebskosten sanken um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der bereinigte EBITDA-Verlust schrumpfte von 30,6 auf 9,8 Millionen Dollar. Der Abschluss der GeoPura-Transaktion wird für September erwartet. Das Management sieht darin einen möglichen Weg zur Profitabilität bis Ende 2027, gestützt von jährlichen EBITDA-Synergien in Höhe von rund 25 Millionen Dollar ab 2028.

FuelCell Energy: Der KI-Liebling mit Schönheitsfehlern

Kaum ein Wasserstoff-Titel sorgte zuletzt für so viel Aufsehen wie FuelCell Energy. Auslöser war eine Vereinbarung mit dem Rechenzentrumsbetreiber Fit Energy, die eine anfängliche Kapazität von 30 Megawatt umfasst und Optionen auf Erweiterungen um bis zu 380 Megawatt vorsieht, abgesichert durch Service-Verträge mit Laufzeiten von 15 bis 20 Jahren.

Die Reaktion der Analysten fiel entsprechend deutlich aus. B. Riley-Analyst Ryan Pfingst stufte die Aktie von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel von 13 auf 32 Dollar an. Jefferies zog nach, ebenfalls mit einer Hochstufung auf „Buy“ und einem Ziel von 24 Dollar, unter Verweis auf den sichtbaren Auftragsbestand und einen Bewertungsabschlag gegenüber Bloom Energy. UBS erhöhte sein Kursziel von 7,25 auf 22 Dollar.

Die Fundamentaldaten liefern allerdings Gegenwind. Der Umsatz im zweiten Fiskalquartal fiel um 5 Prozent auf 35,6 Millionen Dollar und verfehlte die Konsensschätzung von 40,51 Millionen Dollar. Der Nettoverlust weitete sich drastisch aus, von 38,8 auf 78,7 Millionen Dollar. Der Auftragsbestand sank zudem um 9,9 Prozent auf 1,14 Milliarden Dollar.

Am Aktienmarkt zeigt sich diese Diskrepanz in extremer Volatilität. Nach einem Anstieg auf fast 37 Dollar Ende Juni fiel der Titel deutlich zurück. Aktuell notiert die Aktie bei 18,79 Euro, nach einem Minus von 8,23 Prozent allein am Freitag – auf Wochensicht steht dagegen ein leichtes Plus von 0,48 Prozent. Seit Jahresbeginn bleibt mit einem Zuwachs von 169,59 Prozent die mit Abstand stärkste Kursbewegung im gesamten Sektor.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Werte lassen sich klar in zwei Lager einteilen:

  • Wachstum durch Zukäufe und Großdeals: Ballard (GeoPura-Übernahme) und FuelCell (Fit-Energy-Vertrag) erhalten trotz schwacher Quartalszahlen steigende Kursziele – der Markt honoriert die strategische Neuausrichtung.
  • Operative Verbesserung ohne Kursbelohnung: Plug (Margenfortschritt), Nel (Auftragswachstum) und ITM (Rekordumsatz) zeigen echte Fortschritte, bleiben aber unter Druck durch Cash-Burn-Sorgen und Sonderbelastungen.
  • Gemeinsamer Nenner: Alle fünf Unternehmen müssen beweisen, dass Umsatzwachstum den Kapitalverzehr überholen kann, bevor der Markt nachhaltige Neubewertungen zulässt.

ITM Powers positive Gewinnüberraschung, die dennoch zu fallenden Kursen führte, zeigt beispielhaft, wie misstrauisch Investoren gegenüber Schlagzeilen-Zahlen geworden sind, wenn die Cashflow-Sichtbarkeit fehlt.

Wasserstoff-Branche vor der Bewährungsprobe im August

Der kommende Monat dürfte Klarheit bringen. Plug Powers nächster Quartalsbericht um den 10. August wird zeigen, ob sich die Margenverbesserung fortsetzt und die angekündigten Verkaufserlöse tatsächlich fließen. Ballards GeoPura-Übernahme soll im September abgeschlossen werden – ein Meilenstein, der das Unternehmen formal in Richtung wiederkehrender Serviceumsätze verschieben würde.

Bei FuelCell entscheidet sich, ob sich die erweiterte Pipeline über die erste Fit-Energy-Tranche hinaus in feste, finanzierte Verträge verwandeln lässt. Nels nächster Bericht steht erst im Oktober an, sodass der Auftragseingang der neuen PA-Serie-Plattform als wichtigstes Zwischensignal dient. ITM Power meldet sich planmäßig Mitte September zurück. Der rote Faden bleibt über alle fünf Werte hinweg derselbe: Kommerzielle Dynamik ist vorhanden – der Markt verlangt jedoch weiterhin Belege dafür, dass Umsatzwachstum den Kapitalverbrauch tatsächlich überholt.

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Plug Power Aktie

1,79 EUR

+ 0,00 EUR +0,16 %
KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 2,92 Mrd. EUR
ISIN: US72919P2020 WKN: A1JA81

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