Nokia Aktie: 62 Prozent Plus seit Jahresbeginn
Nokia baut KI-Software aus, reduziert Aktivitäten in China und meldet im zweiten Quartal höhere Erlöse sowie einen größeren Auftragseingang.

Kurz zusammengefasst
- Neues KI-Entwicklungszentrum in Riad eröffnet
- Rückzug aus China bis Jahresende geplant
- AI-&-Cloud-Erlöse mehr als verdoppelt
- Rückkehr in den Euro Stoxx 50
Nokia treibt seine Transformation zum Anbieter von KI-gestützter Netzwerksoftware voran und richtet seine globale Präsenz neu aus. Während das Unternehmen massiv in Automatisierungstechnologien investiert und neue Partnerschaften im Cloud-Sektor schließt, zieht es sich weitgehend aus dem chinesischen Markt zurück. Diese Neugewichtung spiegelt sich auch in der Rückkehr in den europäischen Leitindex wider.
Fokus auf Automatisierung und regionale Neugewichtung
Am 1. September gab Nokia die Eröffnung eines neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums in Riad bekannt. Der Standort konzentriert sich auf die Entwicklung von KI-gestützter Software zur Netzwerkautomatisierung.
Diese Technologien sollen Kommunikationsnetze befähigen, sich selbstständig zu konfigurieren und zu optimieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Lösungen für das Energiemanagement sowie die Steigerung der betrieblichen Autonomie, etwa durch spezialisierte Anwendungen wie rApps und Autopilot-Systeme.
Parallel zu dieser Expansion verlagert Nokia seine Ressourcen weg von weniger profitablen Regionen. Medienberichten zufolge plant der Konzern, nahezu alle Aktivitäten auf dem chinesischen Festland bis zum Jahresende einzustellen. Dieser Schritt betrifft den Großteil der rund 7.200 Mitarbeiter in der Region Greater China. Auch der Forschungsstandort für Funktechnologie in Hangzhou mit etwa 1.600 Stellen soll bis Ende 2026 abgewickelt werden.
Partnerschaften im Gesundheitssektor und operative Meilensteine
Ein weiterer Baustein der Strategie ist die Öffnung der Netzwerkfunktionen für Drittanbieter. Am 3. September schloss Nokia eine kommerzielle Vereinbarung mit der Gesundheitsplattform BeeHealthy. Dabei wird die „Network as Code“-Technologie von Nokia in Anwendungen für Patienten und Versicherer integriert.
Dieses Verfahren ermöglicht eine sicherere, netzwerkbasierte Identitätsprüfung, welche herkömmliche SMS-Codes beim Zugriff auf digitale Gesundheitsdienste ersetzen soll.
Finanziell stützen die jüngsten Geschäftszahlen diesen Kurs. Im zweiten Quartal verzeichnete Nokia ein Umsatzwachstum von 9 % im Vergleich zum Vorjahr. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment AI & Cloud, dessen Erlöse sich im selben Zeitraum mehr als verdoppelten. Die Bruttomarge verbesserte sich auf 46 %, während der Auftragseingang ein Volumen von 2,8 Milliarden Euro erreichte.
Kostenmanagement und Index-Rückkehr
Die umfassende Umstrukturierung ist jedoch mit erheblichen Einmalbelastungen verbunden. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Nokia Belastungen in Höhe von 800 Millionen Euro. Ein Teil dieser Summe entfällt auf Programme zur Vereinfachung des Betriebsmodells in Europa. Ziel ist es, die Effizienz zu steigern und freiwerdende Mittel gezielt in Wachstumsfelder wie die künstliche Intelligenz zu investieren.
Trotz der Transformationskosten honorieren die Kapitalmärkte die Fortschritte. Nach einem Jahr Abwesenheit kehrt Nokia am 21. September in den Euro Stoxx 50 zurück und ersetzt dort den Automobilhersteller Volkswagen. An der Börse notiert die Aktie heute bei 9,03 Euro, was einem Tagesrückgang von 1,9 % entspricht.
Ungeachtet dieser kurzfristigen Bewegung verzeichnet der Titel seit Jahresbeginn ein Plus von 62 %. Weitere Details zur operativen Umsetzung werden am 22. Oktober mit der Vorlage der Ergebnisse für das dritte Quartal erwartet.
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