Deutsche Telekom Aktie: Bewirbt sich um KI-Gigafactory
Die Telekom bewirbt sich um EU-Mittel für eine KI-Gigafactory und prüft mit Partnern Satellitendienste, während die Aktie kaum zulegt.

Kurz zusammengefasst
- 60 Prozent der Anfragen per KI
- Münchner Rechenzentrum nahezu ausgelastet
- EU-Förderantrag für KI-Gigafactory läuft
- Telekom prüft Satelliten-Konsortium mit Partnern
Tim Höttges warb am Dienstag auf der Digital X in Köln offensiv für Künstliche Intelligenz und kündigte eine milliardenschwere Investition in eine europäische KI-Gigafactory an. Der Telekom-Chef stellte sich damit explizit gegen aufkommende Skepsis gegenüber der Technologie und lieferte gleich konkrete Zahlen zur Untermauerung: 60 Prozent der Kundenanfragen bei der Telekom werden mittlerweile von KI-Systemen beantwortet.
Rechenzentrum in München fast ausgebucht
Der Vorstoß fußt auf einer bereits laufenden Infrastruktur. Die Telekom betreibt eigenen Angaben zufolge 300 Megawatt Rechenleistung für KI-Anwendungen, das Rechenzentrum in München ist nach Unternehmensangaben fast ausgebucht und beherbergt die Hälfte aller in Deutschland verbauten GPUs.
Auf dieser Basis bewirbt sich der Konzern nun um EU-Fördermittel für eine sogenannte KI-Gigafactory, die Bewerbungsfrist läuft bis zum 12. November. Die EU-Kommission stellt für solche Vorhaben nach Berichten bis zu 10 Milliarden Euro bereit.
Höttges positioniert die Telekom damit als industriellen Ankerpunkt für europäische KI-Souveränität, ein Thema, das auf der Digital X auch prominente Beachtung fand: Altbundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich bei derselben Veranstaltung positiv zur Technologie, warnte aber vor Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern und forderte striktere globale Regulierung.
Satelliten-Konsortium als zweite Wachstumsspur
Parallel zur KI-Offensive treibt die Telekom ein weiteres Zukunftsthema voran: Gemeinsam mit Orange, Vodafone und Telefónica führt der Konzern frühe Gespräche über ein Konsortium für Satellitendienste. Ziel ist die gemeinsame Nutzung von EU-Frequenzen im 2-GHz-Band für sogenannte Direct-to-Mobile-Dienste, eingebettet in das europäische Satellitennetzwerk IRIS² mit geplanten 290 Satelliten.
Eine Entscheidung über die Konsortialstruktur steht noch aus, doch das Vorhaben unterstreicht, wie stark sich die Telekom-Strategie derzeit auf Zukunftstechnologien jenseits des klassischen Netzgeschäfts verlagert.
Ergänzend vertiefte die Sparte Telekom IoT auf der IFA in Berlin ihre Zusammenarbeit mit dem Anbieter SATELLAI und dem Ortungsspezialisten Swift Navigation im Bereich vernetzter Haustiergeräte – ein kleineres, aber symptomatisches Beispiel für die breite Diversifizierung des Konzerns in datengetriebene Dienste.
Kurs bewegt sich kaum, Bewertungslücke bleibt
An der Börse quittierten Anleger die Ankündigungen mit verhaltenem Optimismus. Die Aktie schloss gestern bei 28,30 Euro, nach 0,3 Prozent Plus. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 3,3 Prozent zu Buche, während sich der Titel binnen zwölf Monaten um 7,7 Prozent verbilligt hat.
Zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro aus dem Februar klafft weiterhin eine Lücke von 18 Prozent, was angesichts der milliardenschweren Zukunftsinvestitionen die Frage aufwirft, wie schnell der Markt diese Wachstumswetten honoriert.
Die anhaltende Diskussion um Elliotts Rückkaufforderungen und die parallelen Investitionspläne in KI-Infrastruktur und Satellitentechnik zeigen, dass sich die Telekom auf mehreren Feldern gleichzeitig neu positionieren muss, während der Aktienkurs bislang kaum Anzeichen einer klaren Neubewertung zeigt.
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