DAX: SAP kontert Zollsorgen
SAP-Aktie treibt DAX nach Kursrutsch an. Neue US-Zölle und Ölpreis belasten, während Industrie-PMI überrascht.

Kurz zusammengefasst
- SAP-Aktie steigt über sechs Prozent
- Neue US-Zölle belasten Autobranche
- Ölpreis fällt nach kurzzeitigem Anstieg
- Industrie-PMI übertrifft Prognosen deutlich
Ein Tag nach dem stärksten Kursrutsch seit über zwei Wochen fängt sich der DAX wieder. Der deutsche Leitindex legte am Freitag zum Wochenschluss moderat zu und kletterte auf 24.862 Punkte. Zu verdanken ist die Erholung vor allem einem einzigen Namen: SAP.
SAP zieht den Index nach oben
Die Aktie des Softwarekonzerns sprang um mehr als sechs Prozent, nachdem der kurzfristige Cloud-Vertragsbestand die Erwartungen der Analysten übertroffen hatte. Für Marktbeobachter ist das mehr als nur eine gute Quartalszahl — es entkräftet die zuletzt spürbare Zurückhaltung institutioneller Investoren gegenüber dem Softwaregeschäft. Auch ATOSS Software profitierte von starkem Cloud-Geschäft und legte im SDAX kräftig zu.
Nicht alle Index-Schwergewichte konnten mitziehen. Volkswagen verlor rund ein Prozent, nachdem der Autobauer einen im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahr niedrigeren Quartalsgewinn meldete und den Umsatzausblick kappte. Adidas büßte am Dax-Ende mehr als drei Prozent ein — Händler verwiesen auf enttäuschte Erwartungen, weil vor dem anstehenden Quartalsbericht keine positiven Eckdaten durchgesickert waren.
Öl und Zölle als Belastungsfaktoren
Der Rohölpreis der Sorte Brent war am Donnerstag erstmals seit Ende Mai über die Marke von 100 US-Dollar geklettert, nachdem die Huthi-Miliz saudische Tanker im Roten Meer angegriffen hatte. Am Freitag fiel der Preis wieder darunter zurück, was den Märkten etwas Luft verschaffte.
Zusätzliche Unsicherheit brachte eine neue Zollrunde aus Washington. Die USA erheben seit Freitagmorgen Einfuhrzölle von bis zu 12,5 Prozent auf Importe aus rund 60 Handelspartnern, begründet mit unzureichenden Maßnahmen gegen Zwangsarbeit in Lieferketten. Für die meisten EU-Exporte gilt laut Brüssel weiterhin der bestehende Turnberry-Deal mit einem Zollsatz von maximal 15 Prozent — spürbare Belastungen zeigten sich bislang vor allem in der Automobilbranche.
Etwas Rückenwind lieferten Konjunkturdaten: Der deutsche Flash-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg überraschend auf 52,2 Punkte, deutlich über der erwarteten Schätzung. Auch für die gesamte Eurozone fiel der Industrie-PMI mit 52,0 Punkten stärker aus als prognostiziert — ein Signal, dass die Erholung der Industrie an Fahrt gewinnt, während geopolitische Risiken die Stimmung an den Aktienmärkten weiter dämpfen.
Auf Wochensicht deutet sich für den DAX trotz der Turbulenzen ein moderates Plus an. Wie belastbar die Erholung ist, dürfte sich zeigen, sobald die Reaktionen aus Brüssel, Ottawa und Brasília auf die neuen US-Zölle konkreter werden.
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