Marvell Aktie: Ausverkauf trotz KI-Rückenwind

Marvell Technology verliert trotz starker KI-Position und Nvidia-Partnerschaft fast 30 Prozent an Wert. Analysten sehen Potenzial.

Dr. Robert Sasse ·
Marvell Technology Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kursverlust von 30 Prozent in 30 Tagen
  • Nvidia investiert zwei Milliarden Dollar
  • Custom-Silicon-Geschäft wächst stark
  • Analysten sehen Kurspotenzial von 37 Prozent

Ein Kurssturz von fast 30 Prozent in einem Monat, während die eigentliche Wachstumsstory intakt bleibt – das ist die paradoxe Lage bei Marvell Technology. Der Chiphersteller gilt als einer der zentralen Zulieferer für KI-Rechenzentren. Trotzdem schickt der Markt die Aktie gerade auf Tauchgang. Für mich ist das weniger ein Fundamental-Problem als eine Verdauungsstörung der Bewertung.

Makro-Rotation trifft Halbleiter-Werte

Am Montag verlor die Aktie 4,92 Prozent und schloss bei 162,64 Euro – nur der jüngste Baustein einer deutlichen Korrektur.

Über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kursverlust auf 30,33 Prozent summiert. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro liegt inzwischen bei fast 44 Prozent.

Die Gründe liegen kaum im Unternehmen selbst. Steigende Ölpreise über 100 Dollar je Barrel, anziehende Anleiherenditen und die Spannungen im Nahen Osten treiben Anleger derzeit aus wachstumsstarken, hoch bewerteten Technologiewerten heraus. Selbst Alphabets angehobene Investitionsprognose für 2026 zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar überzeugt kaum. Zweifel am kurzfristigen Return on Investment der KI-Infrastruktur bleiben bestehen.

Charttechnisch nähert sich die Aktie einer wichtigen Marke. Der Kurs liegt nur knapp über dem 100-Tage-Durchschnitt von 160,93 Euro. Ein RSI von 36,7 signalisiert eine Aktie, die kurz vor überverkauftem Terrain steht. Das spricht dafür, dass die Korrektur allmählich an Schwung verliert – der langfristige Aufwärtstrend wird gerade auf die Probe gestellt, aber nicht gebrochen.

Das Nervensystem der KI

Während der Markt über Makro-Risiken grübelt, bleibt Marvells Position im Rechenzentrum stark. Der Konzern hat sich über seine optische Verbindungstechnik faktisch zum Nervensystem großer KI-Cluster entwickelt. Der Wechsel von 800G- auf 1,6T-Optik-DSPs läuft auf Hochtouren. Die 3-Nanometer-Plattform „Ara“ liefert Marvell bereits in Serie an Hyperscaler.

Im März 2026 kam ein weiterer Baustein hinzu: Nvidia investierte zwei Milliarden Dollar in Marvell, um die eigene NVLink-Fusion-Architektur auszubauen. Die Partnerschaft bindet Marvells Hochgeschwindigkeits-Verbindungen fest in die nächste Generation von Scale-up-KI-Systemen ein. Damit profitiert Marvell vom KI-Ausbau, unabhängig davon, welcher Chip-Hersteller im Rennen um die Recheneinheiten am Ende vorne liegt.

Custom Silicon als Schutzwall

Ein zusätzlicher Stabilitätsfaktor ist das Geschäft mit maßgeschneiderten Chips. Marvell hat sich zentrale Design-Aufträge für Amazons Trainium-3-Serie gesichert. Auch bei Googles Custom-Silicon-Programm „Merope“ gilt der Konzern als zentraler Partner. Laut Unternehmensprognose soll dieses Geschäft von aktuell 1,5 Milliarden Dollar auf über 4 Milliarden Dollar bis 2028 wachsen. Das verschafft Marvell eine Einnahmequelle, die deutlich weniger von den Zyklen des Standard-Chipgeschäfts abhängt.

Fazit: Kompression, kein Bruch

Der Konsens-Kursziel von Analysten liegt bei 223,65 Euro – das entspräche einem Potenzial von 37,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Ob dieser Weg gelingt, hängt vor allem davon ab, ob der Markt die aktuelle Bewertungskompression hinter sich lässt. Auf Zwölf-Monats-Sicht steht die Aktie noch immer mit 148,19 Prozent im Plus. Das zeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann, wenn Stimmung und Fundamentaldaten wieder zusammenfinden.

Die annualisierte Volatilität von 86,55 Prozent zeigt aber auch: Ruhe kehrt hier so schnell nicht ein. Für eine Stabilisierung nahe dem 100-Tage-Durchschnitt braucht es vor allem eines: neue Beweise aus dem Zahlenwerk. Die kommenden Quartalsberichte müssen zeigen, dass die viel zitierten außergewöhnlichen KI-Auftragseingänge tatsächlich ankommen. Nur so lässt sich die angehobene Umsatzprognose von 11 Milliarden Dollar für das laufende Geschäftsjahr auch erfüllen. Gelingt das, dürfte der aktuelle Ausverkauf als Fußnote in einer insgesamt intakten Wachstumsgeschichte enden.

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Marvell Technology Aktie

160,00 EUR

– 9,32 EUR -5,50 %
KGV 66,75
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,11 %
Marktkapitalisierung 174,33 Mrd. EUR
ISIN: US5738741041 WKN: A3CNLD

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