DAX: 26.319 Punkte nach US-Jobdaten

Der DAX steigt auf ein neues Allzeithoch, beflügelt von sinkenden Zinserwartungen nach enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten. Einzelwerte wie die Deutsche Bank glänzen, während Allianz und Daimler Truck schwächeln.

Felix Baarz ·
DAX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • DAX erreicht neues Allzeithoch
  • US-Arbeitsmarkt enttäuscht deutlich
  • Deutsche Bank überzeugt mit starken Zahlen
  • Allianz und Daimler Truck mit Gewinneinbußen

Der deutsche Leitindex hat sich am Freitag erneut in unbekanntes Terrain vorgewagt. Getrieben von schwachen amerikanischen Arbeitsmarktdaten schloss der DAX bei 26.319,45 Punkten, ein Plus von 0,69 Prozent zum Vortag. Auslöser der Rekordjagd war ausgerechnet eine schlechte Nachricht aus den USA.

Schwacher US-Arbeitsmarkt nährt Zinshoffnungen

Statt der erwarteten 80.000 bis 85.000 neuen Stellen büßte die US-Wirtschaft im Juli 23.000 Jobs ein, die Arbeitslosenquote kletterte trotzdem nur moderat auf 4,1 Prozent. Auffällig war vor allem der Rückgang der Erwerbsbeteiligung auf den niedrigsten Stand seit April 2021 – ein Hinweis darauf, dass sich immer mehr Amerikaner ganz vom Arbeitsmarkt abwenden, während Konzerne wie Microsoft, Uber oder Visa Stellen streichen.

Die schwachen Daten dämpften die Zinserwartungen spürbar. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September fiel von 55 auf 44 Prozent, die Anleiherenditen gaben nach. Diese Aussicht auf ein vorsichtigeres Fed-Vorgehen trieb Kapital in Aktien und half dem DAX auf sein neues Hoch.

Allianz bremst, Deutsche Bank glänzt

Bei den Einzelwerten sorgte Allianz für gemischte Gefühle. Der Versicherer meldete für das zweite Quartal ein um 5,7 Prozent gestiegenes Geschäftsvolumen, das operative Ergebnis kletterte um 10,6 Prozent. Der bereinigte Periodenüberschuss brach dagegen um 12,7 Prozent ein – Anleger nahmen trotz der insgesamt soliden Zahlen Gewinne mit, das Papier gehörte zu den größten Verlierern des Rekordtages.

Die Analysten blieben dennoch mehrheitlich zuversichtlich. DZ Bank bekräftigte ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 420 auf 486 Euro an. RBC bleibt mit der Einstufung „Sector Perform“ und einem Kursziel von 440 Euro vorsichtiger.

Deutlich freundlicher fiel das Bild bei der Deutschen Bank aus. Das Institut steigerte den Gewinn je Aktie im zweiten Quartal auf 0,57 Euro, der Umsatz wuchs um 9 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Warburg Research reagierte mit einer Hochstufung auf „Buy“, weitere Häuser wie RBC, DZ Bank und J.P. Morgan bestätigten ihre Kaufvoten. Auch aus dem eigenen Haus kam ein positives Signal: Aufsichtsratsmitglied Klaus Moosmayer griff am Markt zu eigenen Aktien. Warburg hob das Kursziel von 34,60 auf 39,00 Euro an.

Nicht überall liefen die Geschäfte so rund. Daimler Truck verzeichnete einen deutlichen Gewinneinbruch, hob aber dennoch die Jahresprognose an. Der Gewinn brach um 48 Prozent ein, während der Umsatz um 5 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro zulegte – ein Beleg dafür, dass die Rekordjagd des Index nicht auf einer breiten Front gleichmäßig starker Ergebnisse ruht.

Überkaufte Signale trüben die Rekordlaune

Technisch betrachtet mehren sich die Warnzeichen. Der RSI liegt bei 69,7 Punkten – ein Niveau, das gemeinhin als überkauft gilt und zur Vorsicht mahnt. Passend dazu warnten Marktbeobachter im Wochenrückblick zur Kalenderwoche 32 vor einer möglichen Überhitzung: Sie verweisen auf dünne Sommerliquidität, hohe Bewertungen und eine schwache Saisonalität, die insbesondere Halbleiter-, KI- und Weltraumtitel anfällig für Rückschläge machen könnten.

Auch grundsätzlichere Zweifel kommen auf. Investor Michael Burry warnte vor einem Börsencrash nach dem Muster von 1987, während ein Autor bei Seeking Alpha dagegenhält: Fundamentale Indikatoren sprächen derzeit nicht für einen unmittelbaren Einbruch, strukturelle Absicherungen wie moderne Circuit Breaker machten ein Szenario wie 1987 unwahrscheinlicher. Parallel dazu verweist eine weitere Analyse bei Seeking Alpha darauf, dass mehrere der vier gängigen US-Rezessionsindikatoren – Realeinkommen, Industrieproduktion und Konsumausgaben – bereits Schwächezeichen zeigen, während der Arbeitsmarkt insgesamt noch als robust gilt.

Für den DAX bedeutet das: Die Rekordjagd hat fundamentale Unterstützung durch starke Einzelwerte wie die Deutsche Bank, doch die Kombination aus überkauften technischen Indikatoren und wachsenden makroökonomischen Fragezeichen dürfte die Nervosität unter Anlegern in den kommenden Handelstagen erhöhen.

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