Accenture verteilt Milliarden, Volkswagen kündigt die Tarifverträge
Accenture meldet höhere Quartalsumsätze und plant Milliardenrückgaben; Volkswagen kündigte zehn Haustarifverträge zum Jahresende.

Kurz zusammengefasst
- Accenture-Umsatz steigt um sechs Prozent
- Mindestens 9,5 Milliarden Dollar Rückgabe geplant
- Volkswagen kündigt zehn Haustarifverträge
- VW-Aktie fällt auf tiefsten Stand seit 2010
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
das Schlussquartal beginnt mit einer klaren Trennlinie zwischen Firmen mit Cashflow und Firmen mit Kostenproblem. Accenture liefert Zahlen über den Erwartungen und verspricht weitere Milliarden an die Aktionäre, während Volkswagen seine Tarifverträge kündigt und an der Börse auf den tiefsten Stand seit 2010 fällt.
Der DAX rutschte am Vormittag zeitweise unter die Marke von 25.000 Punkten, hält sich am Nachmittag aber wieder knapp darüber. Dahinter steht ein messbarer Kostendruck: Die deutsche Inflation ist im September laut Destatis auf 3,3 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit Ende 2023.
Accenture: Die Beratung lebt, und sie zahlt
Accenture hat im vierten Geschäftsquartal bis Ende August 18,68 Milliarden Dollar umgesetzt. Das sind 6 Prozent mehr als vor einem Jahr und deutlich mehr als die rund 18 Milliarden, mit denen Analysten gerechnet hatten. Der berichtete (GAAP) Gewinn je Aktie stieg um 46 Prozent auf 3,29 Dollar.
Wichtiger als das Quartal ist der Blick nach vorn: Für das neue Geschäftsjahr erwartet Accenture 3 bis 6 Prozent Umsatzwachstum in lokaler Währung, der Markt hatte im Schnitt 3,9 Prozent angesetzt. Die operative Marge soll auf 15,9 bis 16,1 Prozent steigen, nach 15,4 Prozent (berichtet, GAAP) im abgelaufenen Jahr.
Entscheidend für Anleger ist der Cashflow. Accenture peilt einen freien Mittelzufluss von 11,0 bis 11,8 Milliarden Dollar an und will mindestens 9,5 Milliarden davon an die Aktionäre zurückgeben. Die Quartalsdividende steigt um 5 Prozent auf 1,71 Dollar.
Die Kehrseite steht ebenfalls in der Bilanz: Die langfristigen Schulden von Accenture haben sich binnen eines Jahres auf rund 10 Milliarden Dollar verdoppelt. Rund 5 Milliarden sind für Zukäufe eingeplant. Das Nahost-Geschäft belastet mit etwa einer Milliarde Dollar pro Jahr.
Die Accenture-Aktie notiert im Verlauf rund 23 Prozent höher bei gut 199 Euro, liegt aber seit Jahresbeginn noch 13 Prozent im Minus. Das 52-Wochen-Hoch von knapp 251 Euro stammt vom Januar.
Der Markt hatte bei Accenture eine Erosion des klassischen Beratungsgeschäfts eingepreist, doch ein Auftragseingang von 22,2 Milliarden Dollar und 141 Großaufträge über 100 Millionen Dollar sprechen gegen dieses Szenario. Wer heute einsteigt, kauft kein Wachstumswunder, sondern einen Dienstleister mit rund 94 Milliarden Euro Börsenwert, der sein Kapital verlässlich zurückgibt.
Accenture zeigt, dass der Markt Unternehmen mit belegbarem Cashflow und konsequenter Kapitalrückgabe belohnt – doch solche Kandidaten gibt es nicht nur in der Beratungsbranche. Top-Analyst Mike Rückert stellt in einem kostenlosen PDF-Sonderreport fünf Aktien aus Bereichen wie Energie, Gesundheit und Hightech vor, denen er für 2026 das größte Renditepotenzial zutraut. Die fünf Aktien-Empfehlungen im Detail ansehen
Volkswagen: Der Tarifkonflikt ist offiziell
Volkswagen hat am Mittwoch zehn von dreizehn Haustarifverträgen zum 31. Dezember gekündigt. Betroffen sind rund 130.000 Beschäftigte der Kernmarken in Deutschland, Audi und Porsche bleiben außen vor. Konzernchef Oliver Blume bringt längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich oder weniger Urlaubstage ins Spiel.
Seine Begründung: Die deutschen Arbeitskosten lägen rund doppelt so hoch wie im europäischen Ausland. Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 und der vereinbarte Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland gelten weiter.
Parallel schrumpft die Softwaretochter Cariad erneut. Rund 1.000 der etwa 4.300 Stellen sollen wegfallen, Ende 2023 arbeiteten dort noch 6.500 Menschen. Die Investitionen sollen zwischen 2027 und 2031 um etwa 6,1 Milliarden Euro sinken.
Die IG Metall hat die Kündigungen scharf kritisiert und droht ab Januar mit Streiks. Für die gesamte Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall 5 Prozent mehr Geld, die Verhandlungen starten am 7. Oktober, Warnstreiks sind ab 1. November möglich.
Die VW-Vorzugsaktie rutschte im Handelsverlauf unter 70 Euro und notiert damit so tief wie seit 2010 nicht mehr. Im Verlauf liegt sie rund 2,5 Prozent im Minus bei knapp 69 Euro, seit Jahresbeginn beträgt der Verlust 34 Prozent.
Volkswagen hat mit dem ID Polo ab unter 25.000 Euro zwar ein Produkt, für das zehntausende Bestellungen vorliegen. Doch der Markt bewertet derzeit nicht die Modellpalette, sondern die Frage, ob Wolfsburg die Kostenstruktur gegen die Gewerkschaft durchsetzen kann, und diese Antwort kommt frühestens im Winter.
Konsum: McCormick liefert, Nike muss in der Nacht nachziehen
McCormick zeigt, wie Konsumwerte derzeit funktionieren: über Zukäufe und Preise, nicht über Menge. Der Umsatz des Gewürzherstellers stieg im dritten Quartal um 17,4 Prozent auf 2,03 Milliarden Dollar, davon stammen 14,6 Prozentpunkte aus der Übernahme von McCormick de Mexico.
Organisch trugen Preiserhöhungen von 2,2 Prozent das Geschäft, bei leicht rückläufigem Volumen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 0,86 Dollar klar über den erwarteten 0,76 Dollar. Berichtet (GAAP) blieben wegen einer Wertminderung nur 0,36 Dollar übrig. Der Jahresausblick von 3,05 bis 3,13 Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie steht.
Trotzdem notiert die McCormick-Aktie im Verlauf knapp 2 Prozent tiefer bei rund 40 Euro, seit Jahresbeginn 32 Prozent im Minus und nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Der geplante Zusammenschluss mit dem Lebensmittelgeschäft von Unilever soll Mitte 2027 abgeschlossen sein und rund 600 Millionen Dollar jährlich einsparen.
Nike legt seine Quartalszahlen nach US-Börsenschluss vor, für deutsche Anleger also in der Nacht zum Freitag. Erwartet werden 0,44 Dollar Gewinn je Aktie nach 0,49 Dollar im Vorjahr und ein Umsatz von 11,33 Milliarden Dollar nach 11,72 Milliarden.
Die Nike-Aktie hat binnen zwölf Monaten die Hälfte ihres Wertes verloren und notiert knapp über dem 52-Wochen-Tief von vergangener Woche. Die Dividendenrendite liegt inzwischen bei 4,63 Prozent. Der heute vorgestellte Marathonschuh Apex kommt erst im Januar 2027 in den Handel, kurzfristig zählt nur, ob der Umsatzrückgang gebremst wird.
Telekom: Berenberg kauft die Angst
Der europäische Telekomsektor hat im Juni 15 Prozent verloren, ausgelöst durch Sorgen vor SpaceX. Im September kamen weitere 5 Prozent hinzu, wegen der Angst vor KI-gesteuerten Tarifvergleichen. Berenberg hält beide Risiken für übertrieben und setzt auf Konsolidierung. Bouygues wird neu mit Kaufen und Kursziel 55 Euro aufgenommen.
Der SFR-Deal könnte den Telekomumsatz von Bouygues um 50 Prozent und den Cashflow um 30 Prozent steigern. Telenor wird auf Kaufen hochgestuft, Kursziel 154 Kronen, umgerechnet rund 14 Euro. Orange bleibt Kauf mit Ziel 20 Euro, Digi Spain mit 7,60 Euro. Für deutsche Depots relevant: 1&1 gilt als Kauf mit Ziel 30 Euro und als mögliches Übernahmeziel.
Auf die Verkaufsliste rutscht Tele2 mit Ziel 140 Kronen, Telefónica verliert Kursziel auf 3,20 Euro. Wer in Europas Netzbetreiber investiert, setzt nicht auf Wachstum, sondern darauf, dass Fusionen den Cashflow heben, bevor neue Wettbewerber aus dem All oder aus der Software die Preise drücken.
Healthcare: Zwei Zukäufe, ein Studienrückschlag
Fresenius zahlt bis zu 750 Millionen Euro für die restlichen 45 Prozent an mAbxience und übernimmt den Partner damit vollständig. Die Fresenius-Aktie reagiert kaum. Sanofi sichert sich bei Regeneron für eine Milliarde Dollar Vorauszahlung und bis zu 7 Milliarden an Meilensteinen den Zugriff auf neue Wirkstoffe, der Sanofi-Kurs legte mittags 2,1 Prozent zu.
Regeneron notiert im Verlauf etwa 1 Prozent tiefer. Deutlich härter trifft es Zealand Pharma. Nach Studiendaten des Partners Boehringer zum Abnehmwirkstoff Survodutid verliert die Zealand-Aktie im Verlauf knapp 9 Prozent und liegt seit Jahresbeginn 48 Prozent im Minus.
Bayer gibt rund 3 Prozent nach, weil JPMorgan die frühen Konsensschätzungen für das dritte Quartal wegen einer Agrarschwäche für zu hoch hält. Die Einstufung bleibt Overweight mit Kursziel 61 Euro, die Bayer-Zahlen kommen am 3. November. Nach einem Plus von 26 Prozent seit Jahresbeginn ist das eine Warnung vor dem Termin, kein Abgesang.
Sanofi legt zu, Zealand Pharma bricht ein – im Gesundheitssektor entscheidet die Titelauswahl binnen Stunden über Gewinn und Verlust. Mike Rückerts Spezial-Report beleuchtet unterschätzte Megatrends von der Energiewende bis zur Hightech-Revolution und zeigt, wie sich Anleger positionieren können, bevor die breite Masse nachzieht. Den Sonderreport jetzt sichern
Unterm Strich
Der erste Handelstag des Quartals zeigt, wofür der Markt noch zahlt: belegte Auftragseingänge und ausgeschüttetes Kapital wie bei Accenture, nicht Spar-Ankündigungen wie bei Volkswagen. Die Nike-Zahlen in der Nacht testen, ob das auch für Konsumwerte gilt, die ihre Dividende hochhalten, aber den Umsatz nicht. Und bei Bayer beginnt mit der JPMorgan-Warnung die Phase, in der Erwartungen vor den Zahlen nach unten geschoben werden.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
Stand heute, 1. Oktober: Accenture – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Accenture investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 1. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.