Volkswagen Aktie: Ford als Pickup-Partner im Gespräch
Volkswagen restrukturiert sein Nordamerika-Geschäft mit neuem Führungspersonal und erweitertem Modellprogramm. Der Konzern reagiert damit auf schwache Quartalszahlen und einen deutlichen Gewinneinbruch.

Kurz zusammengefasst
- Neue Führung für US-Geschäft
- Pickup-Modell in Planung
- Gewinn bricht um 32,9 Prozent ein
- Jahresprognose nach unten korrigiert
Volkswagen stellt sein Nordamerika-Geschäft auf den Prüfstand. Wie Reuters unter Berufung auf eine Quelle berichtete, plant der Wolfsburger Konzern eine umfassende Neuausrichtung seiner US-Strategie – mit neuem Management und einem überarbeiteten Modellangebot, zu dem auch ein neuer Pickup gehören soll. Zuerst hatte das Handelsblatt über die Pläne berichtet, eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens gab es bislang nicht.
Personell zieht der Umbau bereits Konsequenzen: Marco Schubert, bislang Vertriebschef bei Audi, wechselt in die USA und übernimmt die Führung von Kjell Gruner, der das Unternehmen verlässt. Offen ist noch, ob Volkswagen das neue Pickup-Modell allein oder gemeinsam mit einem Partner entwickelt. Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen und Monaten erwartet. Als möglicher Partner gilt Ford, das bereits VWs MEB-Plattform für die in Köln gefertigten Modelle Explorer und Capri nutzt.
Der Vorstoß trifft auf Rückhalt der Kontrollfamilien, die den Druck auf die Stakeholder für eine drastische Restrukturierung am Freitag erhöhten. Der Handlungsbedarf ist unübersehbar: In den USA kommt Volkswagen derzeit lediglich auf einen Marktanteil von 4 Prozent und zählt damit nicht zu den großen Playern im dortigen Automarkt.
Schwache Zahlen als Hintergrund des Umbaus
Der Kurswechsel in den USA fügt sich in eine breitere Restrukturierung ein, die der Konzern Ende Juli eingeleitet hatte. Für das zweite Quartal 2026 meldete Volkswagen ein operatives Ergebnis von 3,5 Milliarden Euro – fast 10 Prozent weniger als im Vorjahresquartal und deutlich unter den von LSEG-Daten erfassten Analystenerwartungen von 4,3 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg zwar auf 82,4 Milliarden Euro und übertraf damit die Markterwartungen, die operative Marge lag jedoch nur bei 4,2 Prozent. Das Konzernergebnis brach zwischen April und Juni gegenüber dem Vorjahr um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro ein. Hauptursache war der Absatzeinbruch in China, wo die Verkäufe um 26 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge zurückgingen. Bereits im ersten Quartal 2026 war das Konzernergebnis um 28,4 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gesunken, der Umsatz hatte um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro nachgegeben.
Als Reaktion senkte Volkswagen seine Jahresprognose und erwartet nun für 2026 einen Umsatzrückgang von bis zu 3 Prozent – zuvor war noch ein Wachstum von bis zu 3 Prozent in Aussicht gestellt worden. Parallel dazu präsentierte der Konzern sein „Group Target Picture 2030“: Vorstandschef Oliver Blume plant demnach bis zu 100.000 Stellenstreichungen im Kampf gegen Zölle, eine Reduzierung der globalen Produktionskapazität und eine Kürzung der Modellpalette um bis zur Hälfte.
Auch beim Portfolio zieht Volkswagen Konsequenzen. Ende Juni vereinbarte der Konzern mit Bain Capital exklusiv den Verkauf von 51 Prozent der Anteile an der Motorentochter Everllence. Die als Leveraged Buy-out strukturierte Transaktion soll Volkswagen Erlöse von rund 7,4 Milliarden Euro einbringen. Bain sicherte zu, die deutschen Standorte mindestens bis Ende 2030 zu erhalten und betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Der Abschluss inklusive regulatorischer Genehmigungen wird bis Ende 2026 angestrebt.
Geteiltes Bild bei Analysten
Nach den Halbjahreszahlen reagierten die Analysehäuser unterschiedlich. Jefferies senkte am 27. Juli sein Kursziel leicht von 120 auf 115 Euro, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Oddo BHF stufte die Aktie zum gleichen Zeitpunkt mit Neutral ein und nannte ein Kursziel von 80 Euro. Der Broker begründete dies damit, dass Ergebnisse und Telefonkonferenz erneut die anhaltenden, erheblichen strukturellen Herausforderungen aufgezeigt hätten, insbesondere in China. Für das vierte Quartal rechneten die Analysten mit einer Verbesserung, vor allem bei Audi, gestützt durch Saisonalität und Kostensenkungen.
Kurs erholt sich von Jahrestief
An der Börse hat sich die Stimmung seither etwas gedreht. Am Freitag schloss die Vorzugsaktie bei 76,42 Euro und legte damit um 1,51 Prozent zu. Damit liegt der Kurs gut zehn Prozent über dem am 1. Juli markierten 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro. Der angekündigte Umbau des US-Geschäfts dürfte in den kommenden Wochen ein zentraler Faktor dafür sein, ob sich diese Erholung fortsetzt – zumal Anleger weiterhin auf greifbare Fortschritte bei der China-Schwäche und der Kostenstruktur warten.
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