DAX: Ölpreis und Zinsangst kosten die 21-Tage-Linie

Steigende Ölpreise und höhere Renditen drücken den DAX unter seine 21-Tage-Linie, während Inflationsdaten und Zinssignale im Fokus stehen.

Eduard Altmann ·
Passanten in Geschäftskleidung auf einem modernen Platz vor Bürogebäuden in einem Finanzviertel an einem bewölkten Tag. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • DAX fällt unter technische Unterstützung
  • Brent-Preis übersteigt 91 Dollar
  • Bundrendite erreicht höchsten Stand seit 15 Jahren
  • Merck, RWE und Symrise steigen

Der DAX rutscht zum Start in den September weiter unter Druck. Nach dem Rekordhoch vom vergangenen Freitag bei 26.618 Punkten fiel der Index am Dienstag erstmals seit Juli wieder unter seine 21-Tage-Linie, die aktuell bei 26.243 Punkten verläuft. Zur Handelseröffnung notierte das Barometer rund 0,4 Prozent leichter bei etwa 26.150 Punkten.

Zwei Belastungsfaktoren treffen die Märkte gleichzeitig. Die Ölpreise ziehen wegen der Zuspitzung im Iran-Konflikt weiter an — Brent-Rohöl kostete zuletzt über 91 Dollar je Barrel. Parallel dazu klettern die Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs: Die zehnjährige Bundrendite stieg auf 3,35 Prozent, das höchste Niveau seit 15 Jahren.

Zinserwartungen drehen sich weltweit

Der Auslöser für die Nervosität liegt vor allem in der Geldpolitik. Seit den falkenhaften Äußerungen von US-Notenbankchef Kevin Warsh vergangenen Freitag ist die Markterwartung für eine US-Leitzinserhöhung im September auf rund 66 Prozent gesprungen, zuvor lag sie bei etwa 30 Prozent. Auch eine EZB-Zinserhöhung in der kommenden Woche gilt inzwischen als ausgemacht.

Hinzu kommt eine unerwartet hohe Inflation: In Frankreich und Spanien fiel der August-Anstieg deutlich stärker aus als erwartet, in Deutschland lag die Rate bei 2,9 Prozent und damit ebenfalls über den Prognosen. Der Markt blickt nun gespannt auf die EU-weite Inflationszahl, die für den Vormittag erwartet wird — Ökonomen rechnen mit 3,3 Prozent nach 2,9 Prozent im Juli.

Einzelwerte gegen den Trend

Trotz der schwachen Gesamtverfassung gab es im DAX auch Gewinner. Die Merck-Aktie legte nach einer Kaufempfehlung von HSBC um 2,3 Prozent zu, RWE profitierte von mehreren positiven Analystenkommentaren und stieg um 1,5 Prozent. Symrise näherte sich nach einer Jefferies-Empfehlung seinem Jahreshoch mit einem Plus von rund 1,8 Prozent — der Aromenhersteller verkauft zudem sein US-Terpengeschäft an die Beteiligungsgesellschaft Mutares.

Im Nebenwertesegment sorgte die Deutsche-Post-Umbenennung für Schlagzeilen: Der Logistikkonzern firmiert seit dem 1. September als DHL AG, das deutsche Brief- und Paketgeschäft bleibt als Tochtergesellschaft unter dem Namen Deutsche Post AG bestehen.

Portfoliomanager verweisen darauf, dass der September saisonal zu den schwächeren Börsenmonaten zählt. Ob sich die Korrektur in den kommenden Tagen fortsetzt, dürfte maßgeblich von der EU-Inflationszahl und den Signalen der US-Notenbank vor der Zinsentscheidung im September abhängen.

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