Interviewmit Eduard Altmann

ASML Holding Aktie: Rückkäufe oder Ausbau – wohin sollte das Geld fließen?

Eduard Altmann bewertet ASMLs Technologie positiv, sieht aber offene Fragen zu Ausbau, Kapitaldisziplin und künftigem Cashflow.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über ASML Holding
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Forschung soll Vorrang vor Ausschüttungen haben
  • Ausbau an Kundenpläne und Zeiss-Lieferungen knüpfen
  • Rückkaufermächtigung umfasst bis zu zwölf Milliarden Euro
  • Mistral-Investition muss ihren Wert noch belegen

Wie viel Kapital kann ASML zurückgeben, während die Führung zusätzliche Lieferkapazitäten prüft und kritische Optiken von Zeiss abhängen? Zwischen der Rückkaufermächtigung über bis zu zwölf Milliarden Euro und dem weiteren Ausbau stellt sich die Frage nach den Prioritäten der Mittelverwendung – darüber spricht die Redaktion mit Eduard Altmann.

ASML Holding (NL0010273215) — Schlusskurse 05.05.2026 bis 30.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 30.10.2026.

ASML Holding (NL0010273215) — Schlusskurse 05.05.2026 bis 30.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 30.10.2026.

Stock World Redaktion: Wenn ASML zusätzliche Kapazität aufbaut und die Kunden ihre Investitionen später verschieben, bleibt das Unternehmen auf den Kosten sitzen. Ist das angesichts der Zweifel an den Erträgen hoher KI-Ausgaben das größte Einzelrisiko?

Eduard Altmann: Für die Kapitalverwendung ist das mein größtes Risiko. ASML muss heute Mittel binden, während die Kunden erst später beweisen, dass sich ihre neuen Fabriken wirtschaftlich tragen. Die technische Notwendigkeit einer Anlage garantiert noch keinen verlässlichen Liefertermin.

Fouquets Aussage vom Oktober, die geplanten Kapazitäten könnten die Kundennachfrage nicht vollständig bedienen, spricht durchaus für einen Ausbau. Trotzdem würde ich eine Erweiterung an belastbare Kundenpläne und die Lieferfähigkeit von Zeiss knüpfen. Zusätzliche Montagekapazität hilft wenig, wenn die kritischen Optiken fehlen.

ASML kann heute Geld zurückgeben und trotzdem morgen mehr Kapazität brauchen. Genau deshalb gewichte ich die Reihenfolge der Ausgaben stärker als die Höhe der Ausschüttung.

Stock World Redaktion: Sie sagen, ASML könne „heute Geld zurückgeben und trotzdem morgen mehr Kapazität brauchen“. Die Rückkaufermächtigung umfasst bis zu zwölf Milliarden Euro. Entzieht die Führung dem Ausbau damit nicht selbst die Mittel?

Eduard Altmann: Sie werfen eine Erlaubnis und eine tatsächliche Ausgabe zusammen. Das Geld ist durch die Erlaubnis noch nicht weg. Ich halte diese Freiheit für vernünftig, solange die Arbeit an besseren Anlagen Vorrang behält.

Stock World Redaktion: Welche wirtschaftliche Substanz trägt dann Ihre Bewertung – jenseits der Aussicht, dass die Kunden immer mehr Anlagen bestellen?

Eduard Altmann: Am stärksten wiegt für mich die Fähigkeit, diese Anlagen überhaupt zuverlässig zum Laufen zu bringen. ASML ist laut Geschäftsbericht der einzige Hersteller von EUV-Lithografiesystemen. Dahinter steckt schwer nachzubauendes Zusammenspiel von Optik, Lichtquelle und Prozesssteuerung.

Die rund 4,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung im Jahr 2025 zeigen, welchen Einsatz diese Stellung verlangt. Forschung verdient Vorrang vor der nächsten Kapitalrückgabe. Das wäre meine erste Vorgabe an das Management.

Eine solche Stellung rechtfertigt einen Bewertungsaufschlag. Einen beliebigen Preis rechtfertigt sie keineswegs. Bei der Aktie bleibe ich anspruchsvoll: Künftige Kapazität muss sich in zusätzlichen Erträgen niederschlagen, damit aus technischer Überlegenheit auch zusätzlicher Wert je Aktie wird. Im DUV-Geschäft besteht Wettbewerb; ein pauschales Monopolargument trägt deshalb ohnehin nicht.

Stock World Redaktion: Sie setzen viel Vertrauen in die Mittelverwendung. Die gemeldeten Verkäufe von CEO und CFO passen dazu schlecht. Weshalb sollten Anleger Ihrem Managementurteil mehr Gewicht geben als den Entscheidungen der Führung mit dem eigenen Geld?

Eduard Altmann: Die Verkäufe schwächen das Vertrauenssignal. Ich gewichte sie trotzdem deutlich niedriger als die tatsächlich finanzierten Entwicklungsprogramme und die Disziplin beim Ausbau.

Aus einer Verkaufsmitteilung allein lässt sich die Geschäftserwartung des Verkäufers nicht ablesen. Die gemeldeten Käufe der Aufsichtsrätin Conix liefern ebenso wenig einen belastbaren Beweis für Unterbewertung. Ohne den jeweiligen Beweggrund sollte man beiden Seiten keine Geschichte andichten.

Für Fouquets Amtszeit fehlt mir außerdem noch eine abgeschlossene Renditebilanz, gerade bei der strategischen Mistral-Investition. Mein Urteil lautet deshalb: Die technologische Mittelverwendung überzeugt bislang stärker als der Nachweis, dass jede neue Beteiligung Wert schafft. Bei Mistral steht dieser Nachweis noch aus.

Stock World Redaktion: Was müsste passieren, damit Ihre grundsätzlich positive Sicht auf das Geschäft kippt?

Eduard Altmann: Ich messe sie laufend am freien Cashflow nach den notwendigen Investitionen. Wenn höhere Kapazität dauerhaft mehr Geld bindet, ohne entsprechend zusätzliche Mittel zu erwirtschaften, wäre meine Zuversicht falsch gewichtet. Besonders kritisch würde ich, wenn die Führung dann an hohen Rückkäufen festhielte.

Die für den 4. November angekündigte Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie ist eine konkrete Kapitalrückgabe. Als Beleg für die Güte der Ausbauentscheidungen taugt sie noch nicht. Eine Ausschüttung lässt sich beschließen; den wirtschaftlichen Ertrag einer neuen Kapazität muss man erst verdienen.

Dabei trenne ich die Ursachen: Verschobene Kundenprojekte oder strengere Exportgenehmigungen kommen aus dem Umfeld. Wie viel ASML vorher unwiderruflich ausgibt, entscheidet die eigene Führung. An dieser Entscheidung muss sie sich messen lassen.

Stock World Redaktion: Sie haben die 4,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung als Grundlage der starken Stellung genannt. Reicht diese Substanz für ein positives Gesamturteil über die Aktie, oder wiegen Bewertung und Kapitalverwendung schwerer?

Eduard Altmann: Für das Geschäft bin ich zuversichtlich; bei der Aktie überwiegt für mich die Bewertungsdisziplin. Die Forschungsausgaben sichern eine außergewöhnliche Stellung, lassen aber offen, wie viel zusätzlicher Ertrag aus dem nächsten Ausbau entsteht.

Der Führung traue ich die technische Weiterentwicklung eher zu als eine bereits bewiesene Überlegenheit bei jeder Kapitalentscheidung. Mein Gesamturteil bleibt verhalten positiv – mit deutlich höherem Gewicht auf verdientem Cashflow als auf angekündigten Rückkäufen.

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ASML Holding Aktie

1.406,80 EUR

– 72,60 EUR -4,91 %
KGV 40,39
KUV 17,69
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,50 %
Marktkapitalisierung 542,04 Mrd. EUR
Ø Kursziel 2.097,45 EUR
ISIN: NL0010273215 WKN: A1J4U4

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