ABB Aktie: 503 Pence für Rotork
ABB meldet Rekordzahlen für Q2 2026, kündigt die Übernahme von Rotork an und veräußert die Robotik-Sparte an SoftBank.

Kurz zusammengefasst
- Auftragseingang steigt um 30 Prozent
- Operative Marge verbessert sich auf 20,2%
- Milliarden-Übernahme von Rotork geplant
- Robotik-Sparte wird an SoftBank verkauft
ABB hat am 16. Juli 2026 gleich drei Nachrichten auf einmal veröffentlicht: Rekordzahlen für das zweite Quartal, die mit 5,5 Milliarden US-Dollar größte Übernahme der Unternehmensgeschichte und den parallelen Verkauf der Robotik-Sparte. Der Schweizer Industriekonzern bündelt damit sein Portfolio neu und setzt voll auf das Wachstumsfeld Elektrifizierung und KI-Infrastruktur.
Auftragseingang und Marge legen kräftig zu
Im zweiten Quartal 2026 stieg der Auftragseingang um 30 Prozent auf 12,042 Milliarden US-Dollar, vergleichbar waren es 28 Prozent. Der Umsatz kletterte um 14 Prozent auf 9,475 Milliarden US-Dollar, bereinigt um Wechselkurs- und Portfolioeffekte lag das Plus bei 12 Prozent. Besonders bemerkenswert: Das operative EBITA verbesserte sich um 20 Prozent auf 1,925 Milliarden US-Dollar, die Marge kletterte um 90 Basispunkte auf 20,2 Prozent. Unter dem Strich blieb ein ABB zurechenbarer Konzerngewinn von 1,231 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 7 Prozent. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie stieg um 8 Prozent auf 0,68 US-Dollar.
Für das dritte Quartal 2026 rechnet das Management mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum im unteren bis mittleren zweistelligen Prozentbereich und einer weiter steigenden operativen Marge. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte ABB die Erwartung eines vergleichbaren Umsatzwachstums im niedrigen bis unteren zweistelligen Bereich bei anhaltender Margenverbesserung.
Rotork-Übernahme und Verkauf der Robotik-Sparte
Parallel zu den Zahlen unterbreitete ABB ein verbindliches Barangebot für den britischen Durchflusskontroll-Spezialisten Rotork plc. Je Aktie bietet der Konzern 503 Pence, der Gesamtwert der Transaktion liegt bei rund 5,5 Milliarden US-Dollar. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen, ab dem zweiten Jahr soll die Übernahme das Ergebnis je Aktie positiv beeinflussen. Finanziert wird der Deal unter anderem über den Verkauf der Robotics-Division an die SoftBank Group, der Medienberichten zufolge rund 4,8 Milliarden US-Dollar einbringen soll. ABB trennt sich damit von einem traditionsreichen Geschäftsfeld, um Kapital in die margenstärkere Prozessautomation und Durchflusstechnik umzuleiten – ein Feld, das Rotork abdeckt.
Weitere Bausteine der Portfolio-Strategie
Bereits am 15. Juli 2026 hatte ABB die Übernahme des französischen Unternehmens Advantics bekanntgegeben. Der Spezialist für Siliziumkarbid-Leistungsumwandlungstechnologie soll das Angebot im Bereich der Stromversorgungsketten für KI-Rechenzentren stärken. Finanzielle Details nannte ABB nicht. Einen Tag zuvor hatte der Konzern zudem einen mehrjährigen Millionenauftrag an Tata Consultancy Services vergeben – für Design und Betrieb eines KI-gesteuerten globalen Netzwerk-Ökosystems sowie für Cybersicherheits-Dienstleistungen.
Anfang Juli kündigte ABB zusätzlich Investitionen von 200 Millionen US-Dollar an, um Fertigungskapazitäten für Mittelspannungsprodukte in Europa auszubauen. Am 8. Juli gab der Konzern eine Kooperation mit Roche bekannt, im Rahmen derer ABB Automatisierungslösungen für das „Labor der Zukunft“ in klinischen Laboren beisteuert. Das laufende Aktienrückkaufprogramm mit einem Gesamtvolumen von bis zu 2 Milliarden US-Dollar, gestartet im Februar 2025, lief auch in der ersten Juliwoche 2026 planmäßig weiter.
Kursreaktion trotz starker Zahlen verhalten
An der Börse fiel die Reaktion auf die Nachrichtenflut gedämpft aus. Die Aktie schloss zuletzt bei 84,94 Euro und verlor auf Wochensicht 6,41 Prozent – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Milliardenübernahme und den parallelen Konzernumbau zunächst kritisch einordnen. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz dennoch deutlich positiv: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 34,40 Prozent zu Buche. Der jüngste Rücksetzer relativiert damit eine Rally, die die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten weit nach oben getragen hatte.
Anleger richten den Blick nun auf die kommenden Termine: Am 24. September 2026 informiert ABB in einem Webcast über Technologie-Lösungen für Hochleistungs-Rechenzentren, am 20. Oktober 2026 folgen die Zahlen zum dritten Quartal. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob der milliardenschwere Umbau aus Rotork-Zukauf und Robotik-Verkauf die Anlegerskepsis auflösen kann.
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