Renk, Almonty und BioNTech: Wenn gute Nachrichten nicht reichen

Renk erhält ein höheres Rating, Almonty schließt einen Wolframvertrag und BioNTech meldet Studiendaten – die Aktienkurse reagieren dennoch verhalten.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldman Sachs stuft Renk auf Buy
  • Almonty vereinbart Wolfram-Abnahme aus Spanien
  • BioNTech meldet längeres Lungenkrebs-Überleben
  • Positive Nachrichten treffen auf schwache Kurse

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

der DAX beendete die Woche mit spürbaren Verlusten, Volkswagen zog mit einer gesenkten Gewinnprognose die Autowerte nach unten. Wer nur auf den Leitindex schaut, hat das Wesentliche verpasst. Denn in der zweiten Reihe – bei Rüstung, Rohstoffen und Biotech – liefen diese Woche die eigentlich entscheidungsrelevanten Nachrichten. Dort sortieren sich Bewertungen gerade neu, und nicht jeder Kurs hält da Schritt.

Renk bekommt von Goldman Sachs ein Ausrufezeichen: Die Rüstungsstory ist noch nicht auserzählt

Goldman Sachs hob Renk am Freitag von „Neutral“ auf „Buy“ und beließ das Zwölf-Monats-Kursziel bei 65 Euro – das impliziert mehr als 55 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem zuletzt gehandelten Niveau um 41,84 Euro. Begründet wurde der Schritt mit dem jüngsten Kursrückgang, der einen attraktiven Einstiegspunkt schaffe, sowie mit der ungewöhnlich gut prognostizierbaren Wachstums- und Ertragsentwicklung des Getriebespezialisten, gestützt auf ein robustes Auftragsmomentum. Auch TKMS bestätigte die Stärke im Sektor und schloss am Freitag bei 86,50 Euro, ein Plus von 2,5 Prozent zum Vortag und ein Jahresgewinn von 31 Prozent. Der strukturelle Rückenwind ist real: Ein neues US-Gesetz stellt 33 Milliarden Dollar für Drohnen und KI im Verteidigungsministerium bereit, und der globale Markt für Militärdrohnen soll sich von 14,14 Milliarden Dollar (2023) bis 2032 auf 47,16 Milliarden Dollar mehr als verdreifachen. Für Anleger, die den Rüstungssektor nach dem jüngsten Ausverkauf bereits abgeschrieben hatten, ist die Botschaft klar: Das war übertrieben.

Almonty sichert sich Wolfram aus Spanien: Die Bewertung bleibt die offene Frage

Almonty Industries hat mit der Sandvik-Tochter Wolfram Bergbau und Hütten einen mehrjährigen Take-or-Pay-Abnahmevertrag über mindestens 1.720 Tonnen Wolframoxid (WO₃) aus der Wiederaufbereitung der Los-Santos-Tailings in Spanien geschlossen, inklusive einer bedingten Vorauszahlung von 3 Millionen Dollar. Der Deal ist mehr als nur ein Liefervertrag: Ab dem 1. Januar 2027 schränken neue US-Verteidigungsregeln Wolfram aus China, Russland, Nordkorea und Iran ein – und China kontrolliert aktuell rund 79 Prozent der globalen Wolframproduktion. Der Vertrag sichert Almonty damit EU-Herkunftsware für genau diesen Bedarf. Trotzdem fiel die Aktie in den letzten 90 Tagen um mehr als ein Viertel zurück. DA Davidson hält an seinem Buy-Rating mit Kursziel 33 Dollar fest, andere Bewertungsmodelle sehen den fairen Wert deutlich über dem aktuellen Niveau – bei einem KGV von rund 52 gegenüber einem Sektorschnitt von etwa 21 bleibt die Aktie aber alles andere als ein Schnäppchen. Parallel dazu meldete Guardian Metal Resources für sein Pilot-Mountain-Projekt in den USA einen Kapitalwert von 660,3 Millionen Dollar und eine interne Verzinsung von 59,6 Prozent, mitfinanziert durch 6,2 Millionen Dollar vom US-Verteidigungsministerium. Ein weiterer Beleg dafür, dass der Westen seine Wolfram-Abhängigkeit von China systematisch abzubauen versucht – die Frage ist nur, wer davon am Ende als Aktionär profitiert.

DroneShield bekommt eine neue Finanzchefin, während die Drohnenbranche erste harte Aufträge liefert

Bei DroneShield übernimmt Rebecca Lowde zum 2. November 2026 den CFO-Posten von Carla Balanco. Die Aktie bleibt volatil: Auf Xetra schloss sie am Freitag bei 1,05 Euro, ein Rückgang von rund 3,7 Prozent zum Vortag, und liegt binnen zwölf Monaten mehr als 40 Prozent im Minus. Analystenmodelle auf Basis der australischen Notierung sehen dennoch erhebliches Aufholpotenzial – die Umsatzprognose für 2029 liegt bei 390,9 Millionen australischen Dollar bei einem jährlichen Gewinnwachstum von 21,7 Prozent, gestützt von einer geschätzten Auftrags-Pipeline von 2,3 Milliarden australischen Dollar. Dass die Branche längst mehr als Zukunftsmusik ist, zeigen zwei weitere Meldungen der Woche: Powerus erhielt einen ersten Auftrag und ein Kooperationsabkommen vom pakistanischen Verteidigungsministerium für unbemannte Flugsysteme, die geplante Fusion mit Aureus Greenway Holdings soll im vierten Quartal abgeschlossen werden. Und ZenaTech wurde als qualifizierter Anbieter für die kanadische Defence Drone Initiative gelistet. Der Gegendrohnenmarkt selbst soll von 2,13 Milliarden Dollar (2020) auf 16,76 Milliarden Dollar (2030) wachsen – das Geld fließt, auch wenn einzelne Aktienkurse das noch nicht widerspiegeln.

BioNTech liefert starke Lungenkrebs-Daten und einen neuen Chef, trotzdem bleibt der Kurs rot

BioNTech und Partner OncoC4 präsentierten Phase-3-Daten zu Gotistobart: Bei 87 Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs lag das mediane Gesamtüberleben bei 18,5 Monaten gegenüber 10,0 Monaten unter Standard-Chemotherapie – eine Hazard Ratio von 0,56. Zusätzliche Daten zur Kombination mit Pumitamig auf dem WCLC-Kongress in Seoul zeigten dieselbe nahezu verdoppelte Überlebenszeit bei vorbehandeltem Plattenepithelkarzinom der Lunge. Berenberg reagierte mit einer Anhebung des Kursziels auf 140 Dollar, der Analystenkonsens liegt im Schnitt bei 126,85 Dollar. Trotzdem gab die Aktie am Freitag um 2,6 Prozent auf 83,65 Euro nach – eine Erinnerung daran, dass selbst starke Studiendaten den Markt nicht automatisch überzeugen, solange der kommerzielle Weg zur Zulassung offen bleibt. Parallel dazu vollzieht BioNTech einen Führungswechsel: Guido Oelkers übernimmt bis Februar 2027 den Vorstandsvorsitz – ein Signal, dass der Konzern seinen Umbau vom Impfstoffhersteller zum onkologisch fokussierten Biotech-Unternehmen jetzt auch personell untermauert.

Auch Roche und AstraZeneca beweisen: Gute Daten allein bewegen keinen Kurs

Roches Lunsumio erreichte in einer Phase-3-Studie zum follikulären Lymphom sein primäres Ziel, Vontobel hob das Kursziel auf 410 Franken an und beziffert das Spitzenumsatzpotenzial auf eine Milliarde Franken, mit einer erwarteten Umsatzsteigerung von 186 Millionen Euro (2026) auf 397 Millionen Euro (2029). Bei AstraZeneca erhielt Enhertu eine EU-Zulassungsempfehlung bei Brustkrebs und senkte in einer Studie mit 1.635 Patientinnen das Rückfallrisiko um 53 Prozent, während der Wirkstoff Efzimfotase alfa für Hypophosphatasie eine FDA-Prioritätsprüfung bekam – Entscheidung im ersten Halbjahr 2027. Die Aktie bewegte sich am Freitag dennoch kaum. Für Anleger heißt das: Der Pharmasektor liefert derzeit reichlich positive Studienmeldungen, aber der Markt honoriert sie erst, wenn daraus greifbare Umsatzbeiträge werden.

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Die kommende Woche bringt mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex am Donnerstag und den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am Wochenende zwei Termine, die die Konjunktur- und Stimmungslage neu einordnen dürften. Für die hier beschriebenen Sektoren – Rüstung, Rohstoffsicherheit und Onkologie – zählt aber vor allem, ob sich die diese Woche gesetzten Kursziele und Studienerfolge in den kommenden Quartalszahlen bestätigen.

Unterm Strich

Drei Sektoren, ein gemeinsames Muster: Renk bekommt ein Buy-Rating trotz Kursrückgang, Almonty sichert sich strategisch wichtige Wolfram-Lieferungen trotz fallender Aktie, BioNTech liefert eine verdoppelte Überlebenszeit trotz rotem Kurs. Die Fundamentaldaten laufen der Marktreaktion derzeit sichtbar voraus – das ist entweder eine Kaufgelegenheit oder ein Warnsignal, dass der Markt etwas weiß, was die Kursziele noch nicht einpreisen. Wahrscheinlicher ist Ersteres: Auftragsbücher, Take-or-Pay-Verträge und Phase-3-Daten sind harte Fakten, keine Stimmungsindikatoren. Wer diese Woche in der zweiten Reihe genauer hingeschaut hat, hat mehr gelernt als aus dem DAX-Schlusskurs.

Das Wochenende ist fast durch – Zeit, die Depotauszüge noch einmal in Ruhe zu sortieren, bevor der Ifo-Index am Donnerstag die nächste Volte bringt.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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