Broadcom Aktie: Q3-Zahlen am Mittwoch erwartet
Broadcom erwartet für das dritte Geschäftsquartal kräftiges Wachstum. Im Fokus stehen KI-Umsätze, neue Chips und die überdurchschnittliche Bewertung.

Kurz zusammengefasst
- Quartalsbericht für Mittwoch erwartet
- KI-Umsatz soll 16 Milliarden erreichen
- Jalapeño-Chip für Ende 2026 geplant
- Aktie 26 Prozent unter Jahreshoch
Am kommenden Mittwoch wird der Halbleiterkonzern Broadcom seine Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal 2026 vorlegen. Der Markt blickt mit hohen Erwartungen auf die Veröffentlichung, da das Unternehmen als einer der zentralen Profiteure des KI-Booms gilt.
Im Kern der Berichterstattung steht die Frage, ob das massive Wachstum im Bereich der künstlichen Intelligenz die ambitionierte Bewertung des Konzerns rechtfertigen kann. Analysten rechnen im Konsens mit einem Umsatz von 29,4 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von rund 84 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprechen würde.
Massive Erwartungen an das KI-Segment
Nach einem starken zweiten Quartal, in dem der Umsatz bereits um 48 Prozent auf 22,1 Milliarden US-Dollar kletterte, liegt der Fokus nun verstärkt auf den Erlösen aus KI-Halbleitern. Diese sollen im dritten Quartal laut Prognosen auf 16 Milliarden US-Dollar steigen, was einer Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr gleichkäme.
Das Management verfolgt dabei das langfristige Ziel, bis zum Geschäftsjahr 2027 einen KI-Gesamtumsatz von mehr als 100 Milliarden US-Dollar zu erreichen.
Die finanzielle Stärke des Konzerns spiegelte sich bereits am Donnerstag in den Daten zum freien Cashflow wider, der im vorangegangenen Quartal bei 10,26 Milliarden US-Dollar lag – dies entsprach einer Marge von 46 Prozent des Gesamtumsatzes.
Für das vierte Quartal deutet die bisherige Guidance sogar auf einen weiteren Umsatzsprung auf fast 35 Milliarden US-Dollar hin. Trotz dieser Dynamik muss sich Broadcom gegen wachsende Konkurrenz behaupten, da Nvidia mit seiner Vera-Rubin-Plattform und neuen Ethernet-Lösungen wie Spectrum-X verstärkt in Kernbereiche von Broadcom vordringt.
Technologischer Vorsprung durch den Jalapeño-Chip
Ein wesentlicher Treiber für die künftige Marktposition ist die Zusammenarbeit mit OpenAI bei der Entwicklung spezialisierter Chips. Der neue „Jalapeño“-Beschleuniger, der am Donnerstag im Rahmen technischer Berichte detailliert wurde, weist beeindruckende Effizienzwerte auf. Mit einer Leistung pro Watt, die das 1,5- bis 1,9-Fache der Nvidia-Modelle GB200 und GB300 erreicht, setzt Broadcom neue Maßstäbe in der Energieeffizienz von Rechenzentren.
In Benchmarks wie dem Sprachmodell GPT-OSS 120B liefert der Chip rund 85.448 Tokens pro Kilowatt, während Konkurrenzprodukte bei etwa 44.960 Tokens liegen. Die Markteinführung dieser Technologie ist für Ende 2026 geplant, wobei eine breite Skalierung im Jahr 2027 erwartet wird.
Diese Entwicklung stärkt Broadcoms Rolle als bevorzugter Partner für kundenspezifische Inferenz-Chips (ASICs), auch wenn die Partnerschaft zwischen Google und Marvell im Bereich der TPUs eine ernstzunehmende Herausforderung darstellt.
Analysten zwischen Kaufrausch und Bewertungsfragen
Die Stimmung an der Wall Street bleibt für Broadcom positiv gestimmt. Analysten von Wells Fargo und Benchmark bestätigten ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen von jeweils 545 US-Dollar, während Evercore mit einem Ziel von 582 US-Dollar noch deutlich optimistischer bleibt.
Ein möglicher EPS-Beat am Mittwoch wird von Marktbeobachtern derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent eingepreist, wobei das Ergebnis je Aktie im Bereich von 3,22 bis 3,24 US-Dollar erwartet wird.
Allerdings mahnen vereinzelte Stimmen zur Vorsicht hinsichtlich der Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 31,7 notiert Broadcom deutlich über dem Sektordurchschnitt von 22. Im deutschen Handel schloss die Aktie am Freitag bei 318,20 Euro.
Das Papier liegt damit derzeit rund 26 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro. Zudem notiert der Kurs aktuell bei 335,57 Euro unter seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt, was die kurzfristige technische Unsicherheit vor den anstehenden Quartalszahlen unterstreicht.
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