Gold: 244 Tonnen Zentralbank-Käufe in Q1

Notenbanken treiben mit Rekordkäufen die Goldnachfrage, während Inflationssorgen und Zinserwartungen den Kurs belasten.

Eduard Altmann ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis fällt im Monatstrend
  • Zentralbanken kaufen massiv Gold
  • Polen und China führen Käufe an
  • Inflationsdaten belasten den Kurs

Gold schloss am Freitag bei 4.596,60 US-Dollar je Feinunze. Das sind gut 1,5 Prozent mehr als am Vortag. Auf Wochensicht legte das Edelmetall knapp 1,7 Prozent zu. Seit Jahresbeginn liegt Gold rund 5,9 Prozent im Plus – und damit knapp 16 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.450 Dollar.

Doch der Monatstrend zeigt nach unten. Anders gesagt: Inflationssorgen und die Aussicht auf länger hohe Zinsen lasten auf dem Kurs.

Zentralbanken kaufen wie nie

Der fundamentale Treiber sitzt tief im System. Zentralbanken kaufen Gold in einem Tempo, das selbst optimistische Prognosen übertrifft.

Goldman Sachs hat seine Schätzung nach oben korrigiert. Die Investmentbank erwartet nun rund 60 Tonnen pro Monat bis Ende 2026. Grund: Die Bank hatte die Kaufaktivität seit August 2025 systematisch unterschätzt. Nach dem neuen Modell kauften Zentralbanken im Januar geschätzte 66 Tonnen – ein Sprung von 12 Tonnen nach alter Berechnung.

Der World Gold Council bestätigt den Trend. Im ersten Quartal 2026 flossen netto 244 Tonnen in die Tresore der Notenbanken. Das übertrifft sowohl das Vorquartal als auch den Fünfjahresdurchschnitt.

Polen und China vorne

Die Käufe verteilen sich ungleich. Polen führt die globale Rangliste 2026 an und hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Tonnen gekauft. Hintergrund: ein Mehrjahresplan, die Goldreserven auf 700 Tonnen auszubauen. Auslöser sind gestiegene Sicherheitsbedenken an der NATO-Ostflanke.

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Die People’s Bank of China meldete im März den 17. Monat in Folge einen Goldkauf. Fünf Tonnen kamen hinzu, die Bestände steigen auf 2.313 Tonnen. Das entspricht neun Prozent der gesamten Devisenreserven.

Inflation und Zinsdruck als Gegenwind

Parallel dazu steigt der Preisdruck in den USA. Die Inflationsdaten vom April zeigten den stärksten Anstieg seit drei Jahren. Die Folge: Die Erwartung wächst, dass die Fed die Zinsen bis weit ins Jahr 2027 unverändert lässt.

Geopolitische Spannungen wirken hier als zweischneidiges Schwert. Sie treiben kurzfristig die Goldnachfrage als sicherer Hafen. Gleichzeitig verteuern sie Energieimporte, schüren die Inflation und erhöhen den Druck auf die Fed, restriktiv zu bleiben.

Datendichte Woche

Die kommende Handelswoche bringt zahlreiche Konjunkturdaten – und damit potenzielle Volatilität. Am 1. Juni äußert sich Jerome Powell. Am 2. Juni folgen die JOLTS-Daten zu offenen Stellen. Am 3. Juni stehen ADP-Beschäftigungsdaten und das Fed-Beige Book an. Am 4. Juni gibt es Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Den Abschluss bildet am 5. Juni der Arbeitsmarktbericht mit Nonfarm Payrolls und Arbeitslosenquote.

Die Großbanken zeigen sich langfristig optimistisch, warnen aber vor Rückschlägen. Goldman Sachs bekräftigt sein Jahresendziel von 5.400 Dollar. J.P. Morgan erwartet bis zum vierten Quartal Kurse in Richtung 5.000 Dollar, sieht langfristig sogar 6.000 Dollar als möglich. Allerdings, so die Warnung: Falls Anleger bei Marktstress liquide Assets verkaufen müssen, könnte Gold kurzfristig unter Druck geraten.

Am 5. Juni zeigt der Arbeitsmarktbericht, ob der Goldpreis seinen monatlichen Abwärtstrend umkehren kann – oder ob Inflation und Zinsdruck weiter dominieren.

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