Branicks: 95 Millionen Euro Restrukturierung wirksam

Branicks schließt Sanierung ab: Lock-up-Vereinbarungen wirksam, 95 Mio. Euro neue Kredite, Zinslast steigt deutlich.

Felix Baarz ·
Branicks Group Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Lock-up-Vereinbarungen vollständig wirksam
  • 95 Millionen Euro neue Finanzierung
  • Zinssätze bis 15 Prozent p.a.
  • Berichte erst Ende 2026

Die Branicks Group AG hat die letzte Hürde ihrer umfassenden Restrukturierung genommen. Am Freitag teilte das Unternehmen per Pflichtmitteilung mit, dass die Lock-up-Vereinbarungen zur Sanierung der Finanzverbindlichkeiten nach Erfüllung sämtlicher aufschiebenden Bedingungen vollständig wirksam geworden sind. Damit ist ein monatelanger Verhandlungsprozess mit Gläubigern zu einem verbindlichen Abschluss gekommen.

Vom Stillhalten zur bindenden Vereinbarung

Der Weg dorthin war lang: Bereits Anfang Juli hatte Branicks Stillhaltevereinbarungen mit Gläubigern von Schuldscheindarlehen im Volumen von 87 Millionen Euro verlängert, die ursprünglich im März und April fällig gewesen wären. Am Donnerstag folgte dann der entscheidende Schritt – der Abschluss von Lock-up-Vereinbarungen mit einer Ad-hoc-Gruppe von Anleihegläubigern rund um die 400-Millionen-Euro-Anleihe mit Fälligkeit im September sowie mit Schuldscheingläubigern über 179,5 Millionen Euro. Ziel der Vereinbarungen ist die Laufzeitverlängerung und Rekapitalisierung der Gesellschaft. Nur einen Tag später bestätigte das Unternehmen, dass alle Bedingungen erfüllt sind und die Vereinbarungen greifen.

Parallel dazu wurde die Restrukturierung bei der Tochtergesellschaft VIB Vermögen AG wirksam. Diese umfasst eine Zusage neuer Finanzierung über 60 Millionen Euro. Insgesamt sichert sich die Gruppe damit 95 Millionen Euro an frischem Fremdkapital – 35 Millionen Euro fließen in die Holding, 60 Millionen Euro an die Tochter zur Ablösung kurzfristiger Verbindlichkeiten.

Neue Konditionen mit hohem Preis

Die neue Kapitalstruktur hat ihren Preis. Branicks legte im Zuge der Einigung neue Finanzierungskonditionen fest: Senior Secured Instruments laufen bis zum 30. September 2030 und verzinsen sich mit 7,5 Prozent per annum, Subordinated Instruments sind bis zum 30. September 2038 datiert und tragen einen Zinssatz von 15 Prozent per annum. Diese Konditionen spiegeln das Risiko wider, das Gläubiger bei einem Unternehmen in einer derart tiefgreifenden Sanierung eingehen – und sie belasten künftig die Ertragslage der Gesellschaft spürbar.

Für Anleger bedeutet dies zunächst Planungssicherheit auf der Verbindlichkeitenseite, allerdings zu einem hohen laufenden Zinsaufwand über die kommenden Jahre.

Führungswechsel begleitet die Sanierung

Mit der Restrukturierung geht auch ein personeller Umbau einher. Josef Schultheis wurde zum Chief Restructuring Officer bestellt und rückt als neues Mitglied in den Vorstand ein. CEO Sonja Wärntges bleibt vorerst im Amt, ihr Mandat ist jedoch bis maximal Ende 2026 befristet. Der mittelbare Großaktionär Prof. Dr. Gerhard Schmidt erklärte seine uneingeschränkte Unterstützung für die getroffene Transaktion – ein Signal, das die Akzeptanz der Sanierung im Aktionärskreis unterstreichen soll.

Weniger erfreulich für Anleger, die auf Transparenz warten: Branicks hatte bereits am 21. Juli seinen Finanzkalender angepasst. Die Berichte zum Geschäftsjahr 2025 sowie zu den Quartalen eins, zwei und drei des laufenden Jahres sollen nun einheitlich erst zum 31. Dezember 2026 vorliegen – ein deutlicher Rückstand gegenüber dem regulären Berichtszyklus.

Kursreaktion bleibt verhalten

Der Aktienmarkt honoriert die Klarheit über die Restrukturierung bislang nicht. Zum Handelsschluss am Freitag notierte das Papier bei 0,9160 Euro, ein Minus von 1,72 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangene Handelswoche summierte sich der Rückgang auf 8,03 Prozent. Der Kurs bewegt sich damit weiterhin deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,01 Euro und liegt seit Jahresbeginn fast die Hälfte seines Werts entfernt vom Ausgangsniveau.

Ein automatisierter Fair-Value-Screener hatte den inneren Wert der Aktie zuletzt bei 0,90 Euro verortet – nahe am aktuellen Kursniveau. Für Anleger bleibt die Gemengelage schwierig: Die finanzielle Notlage ist vertraglich abgewendet, doch die neuen Zinslasten und die verzögerte Berichterstattung dürften die Bewertung der Aktie noch länger belasten.

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