ASML Aktie: Heemskerk fordert politische Nachfrage-Garantien

Europas neue Chipfabriken benötigen bislang keine EUV-Anlagen; ASMLs Absatz konzentriert sich vor allem auf asiatische Märkte.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Halbleiter-Fertigungsumgebung mit Fokus auf Hochtechnologie und Industrieprozesse. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Europaanteil im ersten Halbjahr bei null
  • 2025 entfiel ein Prozent auf Europa
  • Südkorea führte ASMLs Absatzmärkte an
  • Morningstar sieht die Marktstellung weiterhin stabil

Europas wichtigster Halbleiterausrüster findet auf seinem Heimatkontinent vorerst keine Abnehmer mehr für seine Lithografiesysteme. Im ersten Halbjahr 2026 verbuchte ASML Holding in Europa einen Umsatzanteil von exakt null Prozent. Nachdem bereits das erste Quartal ohne Systemerlöse in der Region geblieben war, setzte sich dieser Trend im zweiten Jahresviertel nahtlos fort. An der Börse gab die Aktie heute um 0,6 Prozent auf 1.523,00 Euro nach.

Rufe nach Abnahmegarantien der Politik

Der drastische Rückgang markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer mehrjährigen Entwicklung. Im Gesamtjahr 2025 lag der europäische Anteil an den Systemerlösen noch bei einem Prozent.

Vor diesem Hintergrund schlug ASML-Manager Frank Heemskerk nun öffentlich Alarm. Laut Bloomberg erklärte er, das Unternehmen verkaufe in Europa schlichtweg gar nichts mehr. Er forderte die europäischen Regierungen auf, aktiv gegenzusteuern. Die Politik müsse die Nachfrage nach Halbleitern aus heimischer Fertigung gezielt bündeln und vertraglich absichern, um den Bau neuer Kapazitäten wirtschaftlich tragfähig zu machen.

Das Geschäft des weltweiten Branchenführers konzentriert sich stattdessen fast vollständig auf Asien. Im ersten Halbjahr bildete Südkorea den mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für die Niederländer, gefolgt von Taiwan und China.

Fehlender Bedarf an modernster EUV-Technik

Die europäische Nachfrageflaute offenbart ein strukturelles Problem der hiesigen Halbleiterstrategie. Zwar investieren Hersteller Milliarden in europäische Standorte. So eröffnete Infineon im Juli ein neues Werk für fünf Milliarden Euro in Dresden. GlobalFoundries startete im März den Ausbau seiner dortigen Fertigung, während ESMC eine Fabrik für rund 15 Milliarden Euro plant.

Allerdings zielen diese Projekte primär auf etablierte Fertigungsverfahren für die Industrie und den Automobilsektor. Die extrem teuren EUV-Lithografiesysteme von ASML kommen dagegen vor allem bei modernsten High-End-Prozessoren und Speicherchips zum Einsatz.

Für derartige Spitzenfertigungen fehlen in Europa bislang die Produktionslinien, weshalb die neuen Fabriken kaum Aufträge in die Bücher des Ausrüsters spülen. Ob geplante Großprojekte wie die von Intel projektierten Vorhaben in Magdeburg und Irland daran mittelfristig etwas ändern, bleibt mit Blick auf deren Umsetzung offen.

Branchenstellung trotz Regionalflaute stabil

Auf globaler Ebene sieht das Analysehaus Morningstar die Marktposition des Konzerns derweil unberührt. Das Haus bescheinigt ASML weiterhin einen breiten ökonomischen Burggraben und verweist auf einen weltweiten Marktanteil von rund 90 Prozent im Lithografiesektor. Getrieben wird die Nachfrage nach wie vor von führenden asiatischen und US-amerikanischen Chipherstellern, die ihre Fertigung für künstliche Intelligenz aufrüsten.

Für die europäischen Ambitionen bedeuten die Zahlen dennoch einen herben Dämpfer. Die Europäische Kommission hatte im Juni einen Entwurf für einen „Chips Act 2.0“ vorgelegt, der Genehmigungsverfahren für Fabrikbauten beschleunigen soll. Solange die entstehenden Kapazitäten jedoch an ASMLs modernster Technologie vorbeigehen, bleibt der Heimatmarkt für den Ausrüster vorerst bedeutungslos.

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ASML Holding Aktie

1.521,00 EUR

– 10,60 EUR -0,69 %
KGV 59,49
KUV 15,67
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,29 %
Marktkapitalisierung 586,04 Mrd. EUR
Ø Kursziel 2.044,69 EUR
ISIN: NL0010273215 WKN: A1J4U4

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