Moderna nach dem Melanom-Durchbruch: Welches Szenario trägt die Bewertung?

Moderna und Merck erzielen historischen Phase-3-Erfolg mit mRNA-Krebsimpfstoff. Analysten streiten über das kommerzielle Potenzial und die Bewertung der Aktie.

Eduard Altmann ·
Moderna Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Historischer Phase-3-Erfolg für mRNA-Krebstherapie
  • Kurs sprung um 177 Prozent nach Studiendaten
  • Analysten uneins über kommerzielle Umsetzung
  • Zulassungsantrag in kommenden Monaten geplant

Ausgangslage

Moderna steht vor der wichtigsten strategischen Weichenstellung seit dem Ende der Corona-Pandemie. Am 19. August meldeten Moderna und Merck, dass die Phase-3-Studie zum Krebsimpfstoff intismeran autogene in Kombination mit Keytruda ihren primären und sekundäre Endpunkte erreicht hat.

Bei mehr als 1.100 Hochrisiko-Patienten mit Melanom im Stadium IIB bis IV senkte die Kombination das Rückfallrisiko gegenüber Keytruda allein deutlich. Es ist der erste positive Phase-3-Datensatz für eine mRNA-basierte Krebstherapie überhaupt. Die Unternehmen planen, innerhalb der kommenden Monate Zulassungsanträge einzureichen.

Der Kurs reagierte mit einem Sprung von rund 177 Prozent am Tag der Meldung. Diese Bewegung markiert einen Bruch mit der bisherigen Erzählung: Moderna war für Anleger seit dem Auslaufen der Impfstoffnachfrage vor allem eine Verlustgeschichte mit schrumpfendem Cash-Polster.

Nun stellt sich die Frage, ob aus dem Impfstoffhersteller ein Onkologie-Unternehmen mit eigenständiger Wachstumsstory wird – und ob der aktuelle Kurs diese Zukunft bereits vollständig einpreist.

Die entscheidende Frage

Der Knackpunkt für die weitere Kursentwicklung ist nicht die Wirksamkeit von intismeran autogene selbst – die gilt als belegt –, sondern die kommerzielle Umsetzung: Gelingt Moderna der Übergang von einem positiven Studienergebnis zu einer profitablen, breit zugelassenen Onkologie-Plattform, bevor das Unternehmen sein Cash-Polster aufgebraucht hat?

Moderna wies für das zweite Quartal einen GAAP-Nettoverlust von 0,8 Milliarden Dollar aus, bei einem Umsatz von lediglich 145 Millionen Dollar. Das Unternehmen rechnet zum Jahresende mit liquiden Mitteln von 4,7 bis 5,2 Milliarden Dollar. Diese Zahl entscheidet darüber, wie viel Zeit Moderna bleibt, den Melanom-Erfolg in Umsatz zu übersetzen.

Genau an diesem Punkt gehen die Analystenmeinungen weit auseinander: JPMorgan hält trotz des Kurssprungs an einer Sell-Einstufung fest und begründet dies mit Skepsis gegenüber der kommerziellen Ausführung und dem Zeitplan bis zur Profitabilität.

Bank of America dagegen hob ihr Rating von Sell auf Hold an und das Kursziel von 40 auf 170 Dollar, mit der Begründung, die Melanom-Daten seien ein „Wendepunkt“ für die Diversifizierung weg vom reinen Infektionskrankheiten-Geschäft.

Bullisches Szenario

Setzt sich die Lesart durch, dass Moderna mit intismeran autogene eine neue, margenstarke Produktkategorie erschließt, dürfte die Neubewertung weitergehen. UBS-Analyst Michael Yee bezeichnete das Update als „initialen Türöffner“ für das Onkologiegeschäft und hob sein Kursziel auf 150 Dollar an. Auch Barclays, RBC Capital und Loop Capital zogen ihre Kursziele deutlich nach oben, auf 125, 130 beziehungsweise 135 Dollar. William Blair stufte die Aktie sogar auf Outperform hoch.

Sollte die Zulassung wie angekündigt innerhalb weniger Monate beantragt und zügig bearbeitet werden, könnte Moderna zusätzlich von der bereits erfolgten FDA-Zulassung des Grippeimpfstoffs mFLUSIVA profitieren, der Anfang August für Erwachsene ab 50 Jahren freigegeben wurde und rechtzeitig zur Atemwegssaison 2026/2027 verfügbar sein soll. Ein diversifiziertes Portfolio aus Onkologie und Infektionskrankheiten würde die Abhängigkeit von einzelnen Zulassungsentscheidungen verringern.

Bärisches Szenario

Die Gegenposition ist ernst zu nehmen. JPMorgan bewertet Moderna trotz der Kursrally weiterhin mit Sell und verweist auf die Unsicherheit, wie schnell sich positive Studiendaten tatsächlich in Umsatz übersetzen lassen. Ein Zulassungsantrag ist noch nicht eingereicht, geschweige denn genehmigt – der Weg von der Phase-3-Bestätigung zur kommerziellen Markteinführung kann sich über Jahre ziehen.

Zudem zeigte Moderna zuletzt auch Rückschläge: Der Noroviren-Impfstoffkandidat mRNA-1403 verfehlte im Juli bei der Zwischenanalyse der Phase-3-Studie die statistischen Kriterien für einen frühen Erfolg. Das belegt, dass nicht jedes Programm im Pipeline erfolgreich verläuft. Hinzu kommt, dass CEO Stephane Bancel und Präsident Stephen Hoge im Sommer im Rahmen bestehender 10b5-1-Handelspläne Aktien verkauften – Bancel Anteile im Wert von rund 28,7 Millionen Dollar, Hoge im Juli für rund 4,6 Millionen Dollar netto. Solche Verkäufe sind planmäßig und keine Warnsignale per se, doch sie verdeutlichen, dass Insider bei stark gestiegenen Kursen Gewinne realisieren.

Ausblick

Solange Moderna die Cash-Reserven wie prognostiziert bei 4,7 bis 5,2 Milliarden Dollar zum Jahresende hält und der geplante Zulassungsantrag für intismeran autogene fristgerecht eingereicht wird, dürfte das bullische Lager die Deutungshoheit behalten – gestützt von einer breiten Front angehobener Kursziele.

Verzögert sich die Einreichung, meldet Merck oder Moderna Rückschläge im weiteren Zulassungsprozess, oder verschärft sich die Cash-Burn-Rate spürbar, dürfte die skeptische JPMorgan-Position an Gewicht gewinnen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die angekündigte Einreichung der Zulassungsunterlagen in den kommenden Monaten – erst dann zeigt sich, ob aus dem Studienerfolg tatsächlich ein regulatorischer und kommerzieller Meilenstein wird.

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Moderna Aktie

133,24 EUR

– 2,92 EUR -2,14 %
KGV
KUV 23,89
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 57,94 Mrd. USD
Ø Kursziel 91,39 USD
ISIN: US60770K1079 WKN: A2N9D9

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