Thyssenkrupp Aktie: 62-Milliarden-Auftrag nimmt Form an
Thyssenkrupps Marine-Sparte TKMS schließt erste Verträge für U-Boot-Bau in Kanada. Parallel wartet die Stahlsparte auf EU-Entscheidungen zum CO2-Preis.
Kurz zusammengefasst
- TKMS baut U-Boote für Kanada
- Auftragsvolumen bis zu 62 Milliarden Euro
- EU-ETS-Reform steht bevor
- Aktie zeigt sich robust
Zwei Baustellen bestimmen aktuell das Bild bei Thyssenkrupp. Die Marine-Sparte TKMS füllt einen milliardenschweren Kanada-Auftrag mit konkreten Partnern. Parallel wartet die Stahlsparte auf eine EU-Entscheidung, die über Jahre den CO2-Preis bestimmen könnte.
TKMS holt kanadische Zulieferer ins Boot
TKMS gilt als bevorzugter Bieter für den Bau von 12 U-Booten des Typs 212CD für die kanadische Marine. Am Montag gab TKMS neue Details zur Zusammenarbeit mit lokalen Firmen bekannt. Kanada verlangt eine heimische Wertschöpfung von 70 Prozent – erste Verträge dafür stehen bereits.
Das Unternehmen Gastops aus Gloucester baut ein Unterstützungszentrum für die Automatisierungssysteme der U-Boote auf. Zusätzlich entwickelt Gastops einen digitalen Zwilling der gesamten Flotte. Kongsberg Geospatial aus Kanata übernimmt die technische Betreuung der Kampfmanagementsysteme.
Die Dimensionen des Deals sind beträchtlich. Der reine Bauauftrag summiert sich auf rund 20 Milliarden Euro. Inklusive Wartung über die gesamte Lebensdauer könnte das Volumen auf bis zu 62 Milliarden Euro steigen.
TKMS erwartet die Vertragsunterzeichnung bis Ende 2027. Die erste Auslieferung ist erst für 2034 geplant. Der Auftrag bleibt damit ein langfristiger Wachstumstreiber, kein kurzfristiger Umsatzbringer.
Stahlsparte wartet auf ETS-Reform
Am Freitag, den 17. Juli 2026, will die EU-Kommission neue Reformvorschläge für den Emissionshandel vorlegen.
Das Ziel: Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2040 um 90 Prozent gegenüber 1990 sinken.
In der deutschen Stahlindustrie gehen die Meinungen dazu auseinander. Betreiber von Elektroöfen wie die Georgsmarienhütte fordern ein Einfrieren der CO2-Preise. Die Salzgitter AG, die stark in wasserstoffbasierte Anlagen investiert, warnt dagegen vor einer Abschwächung des Emissionshandels.
Thyssenkrupp selbst testet in Duisburg bereits Wasserstoff zur Wärmeerzeugung. Eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts liefert zusätzlichen Rückenwind. Ein neues Verfahren mit Wasserstoff und Nickeloxid-Katalysatoren könnte die Umwandlungszeit bei der Edelstahlherstellung halbieren. Zusätzlich könnte es die benötigte Temperatur senken.
Kurs bleibt über dem langfristigen Trend
An der Börse zeigt sich die Aktie robust. Am Montag schloss das Papier bei 11,58 Euro, nach einem Minus von 3,42 Prozent auf Wochensicht. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 19,73 Prozent zu Buche.
Die Marktkapitalisierung liegt bei 7,18 Milliarden Euro. Der Kurs liegt 16,35 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,95 Euro.
Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro fehlen noch 12,57 Prozent. Der RSI von 55,6 signalisiert derzeit weder Über- noch Verkauf.
Die 30-Tage-Volatilität von 51,81 Prozent zeigt aber, wie nervös der Handel mit dem Titel bleibt.
Für die kommenden Tage zählt vor allem ein Termin: die EU-Reformvorschläge am 17. Juli. Fällt die Entscheidung zugunsten von Carbon-Leakage-Schutzmaßnahmen aus, dürfte das die Stahlsparte entlasten. Der kanadische U-Boot-Auftrag bleibt davon unberührt – er entwickelt sich als eigenständiger Werttreiber über die kommenden Jahre.
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