Oracle Aktie: UBS senkt Kursziel auf 245 Dollar

Oracles KI-Expansion treibt den Auftragsbestand auf 638 Milliarden Dollar, während Investoren die Finanzierung durch Fremdkapital kritisch beobachten.

Andreas Sommer ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Auftragsbestand erreicht 638 Milliarden Dollar
  • Investoren sorgen sich um Schuldenlast
  • Kurs erholt sich trotz Jahresminus von 20 Prozent
  • UBS senkt Kursziel, hält aber an Kaufempfehlung fest

Es gibt Aktien, die sind ein Spiegel für das, was gerade an den Märkten diskutiert wird. Oracle ist gerade so ein Spiegel – für die große Frage, wie viel Schulden man sich für die Zukunft der künstlichen Intelligenz leisten darf, bevor die Sache kippt.

Reuters berichtete Anfang August, Oracle stehe unter intensiver Beobachtung der Investoren wegen seiner KI-getriebenen Ausgaben. Die Nachrichtenagentur formulierte es drastisch: Der Konzern befinde sich „an der Schwelle zu einem Rating im Ramschbereich“.

Die Sorge dahinter ist simpel und trotzdem fundamental: Kann Oracle seine gewaltigen Investitionszusagen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur tatsächlich in echten Cashflow verwandeln, oder wächst der Berg an Schulden schneller als die Fähigkeit, ihn zu bedienen?

Ein Auftragsbestand, der beeindruckt und beunruhigt zugleich

Die Zahl, die diese Debatte befeuert, ist der sogenannte Auftragsbestand aus noch nicht erbrachten Leistungen – bei Oracle mittlerweile bei 638 Milliarden Dollar. Das ist eine Summe, die für sich genommen jedes Unternehmen der Welt beeindrucken würde.

Doch genau darin liegt das Paradox dieser Aktie: Je größer das Versprechen an künftigen Umsätzen, desto größer auch die Frage, wie man die Lücke bis zur Realisierung finanziert.

Reuters brachte es Anfang August auf den Punkt, als die Agentur Oracles KI-Strategie als „hochriskante Wette auf das Rating“ beschrieb. Es ist eben nicht mehr nur eine Wachstumsgeschichte, sondern eine Geschichte über Bilanzstruktur und Kreditwürdigkeit.

Dabei ist Oracle kein Einzelfall, sondern laut Reuters-Berichterstattung ein Beispiel für einen ganzen Trend: Cloud-Anbieter, die ihre KI-Expansion massiv über Fremdkapital finanzieren.

Diese Beobachtung verdient Aufmerksamkeit, weil sie die Aktie aus der reinen Unternehmensgeschichte heraushebt und zu einem Testfall für die gesamte Branche macht. Wenn Oracle die Wette gewinnt, ist das ein Signal für viele andere. Verliert der Konzern sie, dürfte das auch anderswo Fragen aufwerfen.

Zwischen Kurserholung und struktureller Skepsis

Wer nur auf die jüngste Kursentwicklung schaut, könnte den Eindruck gewinnen, die Sorgen seien überwunden. Der Kurs liegt bei 132,38 Euro, ein Plus von 4,9 Prozent allein am heutigen Tag, nach einem Anstieg von 5,9 Prozent innerhalb einer Woche und 14 Prozent binnen eines Monats. Das ist eine bemerkenswerte Erholung.

Doch sie relativiert sich schnell, wenn man den größeren Rahmen betrachtet: Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 20 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 39 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 294,85 Euro, erreicht im September vergangenen Jahres, trennen das Papier weiterhin 55 Prozent. Die kurzfristige Rally ändert also nichts an der grundsätzlichen Neubewertung, die der Markt seit Monaten vornimmt.

Auch die Analystenhäuser bewegen sich in diesem Spannungsfeld. UBS senkte Anfang August das Kursziel für Oracle von 285 auf 245 Dollar, beließ die Einstufung aber auf „Kaufen“. Das ist bezeichnend: Die grundsätzliche Wachstumsstory wird nicht infrage gestellt, aber die Risikoprämie steigt. Genau das ist der Kern der aktuellen Debatte – nicht ob Oracle wächst, sondern zu welchem finanziellen Preis.

Parallel zur Schuldendebatte läuft das operative Geschäft weiter. So vermeldete CACI International Anfang August eine Partnerschaft mit Oracle zur Modernisierung der IT für Personalverwaltung im Auftrag des US Office of Personnel Management.

Solche Aufträge zeigen: Die Nachfrage nach Oracles Technologie ist real, sie füllt den Auftragsbestand, den viele als aufgeblasen kritisieren. Ob das reicht, um Kreditgeber und Ratingagenturen zu überzeugen, bleibt der entscheidende Punkt.

Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob Oracle in der KI-Welt mitspielt – das tut der Konzern zweifelsfrei. Sie lautet, ob das Unternehmen sein gigantisches Zukunftsversprechen finanziell so absichern kann, dass daraus keine Bonitätskrise wird. An dieser Antwort arbeitet sich der gesamte Sektor gerade ab, mit Oracle als prominentestem Testfall.

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Oracle Aktie

129,56 EUR

+ 4,02 EUR +3,20 %
KGV 24,95
KUV 6,29
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,32 %
Marktkapitalisierung 419,05 Mrd. EUR
Ø Kursziel 247,17 USD
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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