Ernste Warnzeichen am Aktienmarkt?

Das Margin Debt in den USA erreicht im Mai 2026 einen neuen Höchststand und übersteigt die Werte vor früheren Börsencrashs.

Stephan Feuerstein ·
DAX Aktie - Beitragsbild

Kurz zusammengefasst

  • Margin Debt auf Rekordniveau von 1,42 Billionen Dollar
  • Kreditvolumen stieg um 53 Prozent zum Vorjahr
  • Historische Muster deuten auf erhöhte Risiken hin
  • Hohe Verschuldung könnte Abwärtsspirale verstärken

Während der DAX nach wie vor auf der Stelle tritt, ist die Rally am US-Aktienmarkt in einem fortgeschrittenen Stadium angelangt. Dies betrifft weniger die US-Standardwerte, als vielmehr Titel, die im weiteren Sinn mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ in Verbindung gebracht werden. Dabei könnte der Börsengang von SpaceX das Fass allmählich zum Überlaufen bringen.

Bedenkliche Anstieg der Wertpapier-Kredite!

Dass Investments am Aktienmarkt teilweise kreditfinanziert sind, ist nichts Neues. Allerdings hat die Verschuldung mittlerweile ein Rekordniveau erreicht. Nach den monatlich von der Finanzaufsicht FINRA veröffentlichten Daten lag das sogenannte Margin Debt – also die bei Brokern aufgenommenen Kredite zum Wertpapierkauf – im Mai 2026 bei rund 1,42 Bio. US-Dollar. Das ist ein neuer Höchststand und ein Anstieg von 8,5 Prozent gegenüber dem Vormonat sowie von mehr als 53 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Selbst inflationsbereinigt bleibt der Zuwachs zweistellig. Beunruhigend ist dabei weniger der absolute Betrag als die Geschwindigkeit und die relative Dimension. Im Verhältnis zur US-Wirtschaftsleistung erreichte das Margin Debt zuletzt etwa 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – so viel wie nie zuvor und deutlich über dem langjährigen Median, der je nach Berechnung zwischen rund 1,5 und 2,4 Prozent liegt.

Vergangenheit mahnt zur Vorsicht!

Vor dem Platzen der Dotcom-Blase türmte sich das Margin Debt bis zum März 2000 auf und markierte nahezu zeitgleich mit dem Aktienmarkt seinen Höhepunkt; es folgte ein Einbruch des S&P 500 um rund die Hälfte. Ein ähnliches Muster zeigte sich vor der Finanzkrise: Die Kreditstände gipfelten im Juli 2007, nur wenige Monate vor dem Markthoch im Oktober 2007 – danach verlor der Leitindex in der Spitze über 50 Prozent. Auch der Spekulationsexzess der Jahre 2020/21 endete mit einem Rekord beim Margin Debt im Herbst 2021, bevor 2022 ein deutlicher Bärenmarkt folgte. In allen Fällen war die hohe Kreditfinanzierung kein harmloses Begleitphänomen, sondern verstärkte den Abschwung: Fallen die Kurse, lösen Margin Calls Zwangsverkäufe aus, die wiederum die Kurse drücken – eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale. Allerdings ist diese Kennzahl kein gutes Timing-Instrument, da Wendepunkte in der Vergangenheit über viele Monate schwankten. Ein Anzeichen, dass der Aufschwung am Aktienmarkt immer fragiler wird, ist es aber allemal!

Stephan Feuerstein
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