Nvidia Aktie: 74 Prozent im Inferenz-Markt
Nvidia baut Marktanteil bei KI-Inferenz auf 74 Prozent aus, während Chinas Umsatzanteil sinkt und der Aktienkurs unter dem Allzeithoch bleibt.

Kurz zusammengefasst
- Inference-Marktanteil auf 74 Prozent gestiegen
- China-Umsatzanteil sinkt auf neun Prozent
- Aktienrückkauf von 80 Milliarden Dollar genehmigt
- Kurs liegt 13 Prozent unter Rekordhoch
Jensen Huang hat auf der Hauptversammlung eine klare Linie gezogen: Nationale Sicherheit geht vor Umsatz. Wer Nvidia-Chips schmuggelt, bekommt keinen Support — und scheitert damit früher oder später.
Schwarzmarkt-Chips ohne Zukunft
Huang richtete sich direkt an potenzielle Umgehungsversuche. Fortschrittliche KI-Rechenzentren seien massive, integrierte Systeme. Sie bräuchten vertrauenswürdige Hardware, Software, Netzwerke — und laufenden Support. Wer Nvidia-Chips illegal nach China schmuggele, erhalte keinen davon.
Der Hintergrund ist konkret. Im März wurde Supermicro-Mitgründer Wally Liaw angeklagt. Der Vorwurf: Er soll über eine Tarnfirma in Südostasien Nvidia-Server im Wert von rund 2,5 Milliarden Dollar nach China geschleust haben. Seriennummern wurden mit Heißluftpistolen überklebt, Dummy-Server sollten Prüfer täuschen.
Chinas Anteil am Nvidia-Umsatz schrumpft. Im Geschäftsjahr 2026 kamen noch neun Prozent der Erlöse aus China und Hongkong — weniger als in den beiden Vorjahren. Lizenzen für Chipverkäufe existieren, Umsatz daraus hat Nvidia bislang keinen erzielt.
Inference-Markt: Nvidia gewinnt, obwohl er verlieren sollte
Das eigentlich überraschende Signal kommt nicht aus der Hauptversammlung. Es kommt aus dem Markt.
Die Verlagerung von KI-Training zu KI-Inferenz hätte Nvidias Dominanz eigentlich bremsen sollen. Inferenz gilt als weniger rechenintensiv, Alternativen wie die eigenen Chips von Alphabet oder Amazon gelten in bestimmten Szenarien als effizienter. Trotzdem hat Nvidia seinen Marktanteil im Inferenz-Segment auf 74 Prozent ausgebaut — ein Plus von acht Prozentpunkten binnen Jahresfrist.
Der Umsatz mit Inferenz-Prozessoren stieg im ersten Quartal 2026 auf 41 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es 18 Milliarden. Inferenz macht heute zwei Drittel aller KI-Workloads aus — 2023 war es noch ein Drittel.
Nvidias Vorteil liegt in der vertikalen Integration. Der Konzern liefert GPUs, CPUs, Netzwerktechnik und Software aus einer Hand. Wer eine schlüsselfertige KI-Infrastruktur will, kommt an diesem Paket kaum vorbei.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Huang erklärte den Aktionären, die Frage nach dem ROI von KI sei beantwortet. Nützliche KI-Ausgaben — etwa generierter Code — machen den Betrieb von Nvidia-Systemen profitabel. Das treibe den Bedarf nach mehr Rechenleistung. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Nvidia einen freien Cashflow von über 96 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 216 Milliarden Dollar.
Die Aktionäre stimmten einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm zu. Der Vorstand hatte im Mai eine zusätzliche Ermächtigung von 80 Milliarden Dollar genehmigt. Die Quartalsdividende steigt von einem Cent auf 0,25 Dollar je Aktie. Nvidia will künftig 50 Prozent des freien Cashflows über Rückkäufe und Dividenden ausschütten.
Der Kurs spiegelt die Stärke bislang nicht wider. Die Aktie notiert bei 175,34 Euro — rund 13 Prozent unter dem Allzeithoch vom Mai. Wall Street sieht das Kursziel im Konsens bei 295 Dollar, nach 265 Dollar noch vor drei Monaten. Analysten erwarten, dass der bereinigte Gewinn in den nächsten drei Jahren jährlich um 45 Prozent wächst.
Einen konkreten Termin, der den Kurs kurzfristig bewegen könnte, liefert Nvidias nächster Quartalsbericht — erwartet im August.
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