S&P 500: Das Überraschungs-Problem?

FactSet meldet 29,5 Prozent kombiniertes Gewinnwachstum, während die bisherigen Ergebnisse die Schätzungen im Schnitt um 2,1 Prozent übertreffen.

Andreas Sommer ·
Ein Börsenhändler blickt auf einen dunklen Monitor in einem modernen Bürogebäude. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • 83 Prozent übertreffen Gewinnschätzungen
  • Gewinnvorsprung bleibt unter Fünfjahresmittel
  • Wachstum in fast allen Sektoren
  • FactSet erwartet 179 Berichte kommende Woche

Viele Unternehmen im S&P 500 schlagen die Gewinnerwartungen, doch das Ausmaß ihrer Überraschungen bleibt bislang deutlich unter dem üblichen Niveau. Das ist die zentrale Einschränkung der ansonsten kräftigen Berichtssaison. Die gestern veröffentlichte FactSet-Auswertung zeigt: Breites Gewinnwachstum bedeutet derzeit nicht automatisch, dass Unternehmen die bereits hohen Erwartungen deutlich übertreffen.

Viele Treffer, kleiner Vorsprung

Bislang haben 24% der Indexunternehmen ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Die Zwischenbilanz ist damit aussagekräftig, aber noch weit von einer vollständigen Abrechnung entfernt. Gerade die bevorstehende Berichtswelle kann das Gesamtbild noch verändern.

Unter den bisherigen Berichterstattern übertrafen 83% die Schätzungen zum Gewinn je Aktie. Zusammengenommen lagen die Gewinne allerdings nur 2,1% über den Erwartungen. Im Fünfjahresdurchschnitt beträgt dieser Vorsprung 7,5%.

Damit fallen zwei wichtige Maßstäbe auseinander: Die Häufigkeit positiver Überraschungen ist hoch, ihre finanzielle Größenordnung dagegen vergleichsweise gering. Für Anleger zählt deshalb nicht allein, ob ein Unternehmen die Schätzungen schlägt. Ebenso wichtig ist, wie viel zusätzliche Ertragskraft gegenüber den Erwartungen tatsächlich sichtbar wird.

Die hohe Trefferquote liegt laut FactSet sowohl über dem Fünfjahresdurchschnitt von 78% als auch über dem Zehnjahresdurchschnitt von 77%. Die Berichtssaison liefert somit viele positive Meldungen, bisher aber keine ungewöhnlich großen Gewinnüberraschungen.

Starkes Wachstum auf breiter Basis

Das begrenzt die Aussagekraft positiver Einzelmeldungen, stellt den Wachstumstrend jedoch nicht grundsätzlich infrage. Die Indexgewinne steigen nach der bisherigen Zwischenbilanz kräftig. Dabei beruht das Gesamtbild nicht allein auf bereits veröffentlichten Ergebnissen.

FactSet beziffert das kombinierte Gewinnwachstum aus gemeldeten Zahlen und Schätzungen für das dritte Quartal 2026 auf 29,5%. In der Vorwoche waren es 29,2%. Bestätigt sich der aktuelle Wert, wäre es das dritte Quartal in Folge mit einem Zuwachs von mehr als 25%.

Auch die sektorale Verteilung spricht für eine breite Ergebnisverbesserung. Mit Ausnahme des Gesundheitssektors weisen sämtliche Sektoren Gewinnwachstum auf. Das unterscheidet die Entwicklung von einem Bild, das nur einzelne Unternehmensgruppen tragen.

Bei den Umsätzen liegt das kombinierte Wachstum bei 12,7%. In der Vorwoche hatte FactSet noch 12,4% ausgewiesen. Insgesamt übertrafen 66% der bisherigen Berichterstatter die Umsatzschätzungen.

Die steigenden Erlöse ergänzen damit das positive Gewinnbild. Zugleich zeigt die geringere Trefferquote beim Umsatz, dass positive Überraschungen auf der Ertragsseite häufiger auftreten als beim Geschäftswachstum.

Nächste Berichtswelle wird entscheidend

Für die kommende Woche kündigt FactSet Ergebnisse von 179 Unternehmen aus dem S&P 500 an. Darunter befinden sich zehn Mitglieder des Dow Jones. Die bislang vorläufige Gewinnbilanz erhält dadurch eine wesentlich breitere Grundlage.

Entscheidend wird sein, ob diese Unternehmen das hohe Wachstum bestätigen und zugleich größere Spielräume gegenüber den Erwartungen zeigen. Die bisherige Saison liefert dafür unterschiedliche Signale: Viele Unternehmen übertreffen die Prognosen, der aggregierte Vorsprung bleibt jedoch schmal.

Dass gute Ergebnisse allein nicht für steigende Kurse reichen, zeigte sich gestern erneut: Mit einer Tagesveränderung von -0,5% schloss der S&P 500 schwächer. Die nächste Berichtswelle muss deshalb nicht nur Wachstum liefern, sondern auch die hohen Erwartungen überzeugender übertreffen.

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