PFISTERER Aktie: HVDC-Zentrum Winterbach 2027 geplant
Pfisterer investiert trotz Börsenschwäche in neue Kapazitäten und meldet für das erste Halbjahr 2026 einen deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg.

Kurz zusammengefasst
- Neues HVDC-Zentrum in Winterbach geplant
- Umsatzplus von 20,2 Prozent im Halbjahr
- Gewinn steigt um 75,9 Prozent
- Aktie trotzdem unter Druck
Pfisterer treibt trotz eines turbulenten Börsensommers den Ausbau seiner Produktionskapazitäten voran. Der Netzwerktechnik-Hersteller plant für das erste Halbjahr 2027 die Inbetriebnahme eines neuen HVDC-Qualifizierungszentrums am Standort Winterbach – ein Schritt, der die Position im wachsenden Markt für Hochspannungs-Gleichstromübertragung stärken soll. Parallel erweitert das Unternehmen seine Fertigungskapazitäten in Deutschland und den USA.
Der Ausbau kommt nicht überraschend, sondern fügt sich in eine Serie von Investitionsentscheidungen der vergangenen Wochen. Erst Anfang August hatte Pfisterer per Pflichtmitteilung eine Verdreifachung seiner Flächenkapazität am tschechischen Standort angekündigt.
Seither hat die Aktie rund 4,1 Prozent verloren – ein Hinweis darauf, dass der Markt die milliardenschweren Wachstumsversprechen des Netzausrüsters derzeit skeptischer beurteilt als noch vor wenigen Monaten.
Zahlen bestätigen operative Stärke
Grundlage für die Investitionsoffensive sind robuste Geschäftszahlen. Für das erste Halbjahr 2026 meldete Pfisterer am Mittwoch einen Umsatzanstieg um 20,2 Prozent auf 256,7 Millionen Euro.
Die bereinigte EBITDA-Marge kletterte von 18,5 auf 20,4 Prozent, der Periodengewinn legte um 75,9 Prozent auf 38,3 Millionen Euro zu. Im zweiten Quartal allein stieg der Gewinn von 10,1 auf 19,8 Millionen Euro.
Besonders die Region Europa/Afrika trug zum Wachstum bei: Der Umsatz kletterte hier von 115,8 auf 140,3 Millionen Euro, das EBITDA von 18,7 auf 28,5 Millionen Euro. Der Auftragsbestand wuchs zum Ende des Halbjahres auf 340,3 Millionen Euro, nach 312,5 Millionen Euro im Vorjahr.
Die Book-to-Bill-Ratio blieb dabei über eins – ein Signal, dass mehr neue Aufträge hereinkommen, als abgearbeitet werden, auch wenn der Auftragseingang im Halbjahresvergleich von 290,2 auf 263,0 Millionen Euro zurückging.
Für das Gesamtjahr 2026 hatte das Management im Juni ein Umsatzwachstum von mindestens 12 Prozent sowie eine Book-to-Bill-Ratio über eins in Aussicht gestellt. Die Halbjahreszahlen liegen damit deutlich über dieser Zielmarke.
Kurs bleibt unter Druck
Trotz der starken operativen Entwicklung reagierte die Börse zunächst mit Enttäuschung: Nach Vorlage der Halbjahreszahlen war die Aktie zeitweise um 9 Prozent eingebrochen.
Der aktuelle Kurs von 72,00 Euro liegt zwar 1,6 Prozent über dem gestrigen Schlussstand von 70,90 Euro, doch die Erholung fällt bislang moderat aus. Auf Sicht von 30 Tagen steht weiterhin ein Minus von 12 Prozent zu Buche, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 114,60 Euro vom Mai fehlen der Aktie inzwischen 37 Prozent.
Anleger scheinen die milliardenschweren Investitionen in Winterbach, den USA und Tschechien mit einer gewissen Skepsis zu quittieren: Kapazitätsausbau bindet Kapital und belastet kurzfristig die Marge, bevor er sich in zusätzlichem Umsatz niederschlägt.
Auf der Hauptversammlung im Juni hatten Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2025 mit großer Mehrheit Entlastung erhalten, zudem billigten die Aktionäre eine Dividende von 0,85 Euro je Aktie.
Ob sich die aktuelle Investitionsphase langfristig auszahlt, dürfte sich erst zeigen, sobald das neue Qualifizierungszentrum 2027 den Betrieb aufnimmt und die zusätzlichen Kapazitäten in Auftragseingänge münden.
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