Commerzbank Aktie: Aktieneinzug bringt Orcel näher an Mehrheit
Nach dem Aktieneinzug verfügt UniCredit laut Insidern über 49,65 Prozent der Stimmrechte; ein Treffen in Berlin folgt am 14. September.

Kurz zusammengefasst
- Commerzbank reduziert eigene Aktienzahl
- UniCredit erreicht 49,65 Prozent
- Klingbeil lädt Orcel nach Berlin
- Anklage wegen Cum-Ex-Vorwürfen
Die Commerzbank hat 46.649.100 eigene Aktien eingezogen, das entspricht 4,14 Prozent des Grundkapitals. Damit sinkt die Gesamtzahl der Stimmrechte auf 1.080.847.095. Der Schritt hat unmittelbare Folgen für den Übernahmestreit mit der italienischen UniCredit: Deren CEO Andrea Orcel hat nach dieser Kapitalmaßnahme sowie durch den Einsatz komplexer Finanzinstrumente Zugriff auf nunmehr 49,65 Prozent der Stimmrechte erlangt, wie Insidern zufolge berichtet wird.
Aktienrückkauf verändert die Machtverhältnisse
Der Einzug eigener Aktien war Teil des im Rahmen der Halbjahreszahlen angekündigten Rückkaufprogramms von bis zu 1,2 Mrd. Euro. Für Anleger ist die Maßnahme grundsätzlich werterhaltend, weil sie die Gewinnbeteiligung je verbleibender Aktie erhöht.
Im Übernahmekontext wirkt sie jedoch als Hebel: Jede Reduktion der Gesamtstimmrechte bringt UniCredit ohne zusätzlichen Aktienkauf näher an die faktische Mehrheit. Die Marke von 50 Prozent gilt als psychologisch entscheidend für die Kontrolle über die Frankfurter Bank.
Politisch hat sich die Lage seit den Halbjahreszahlen bereits verschoben. Die Bundesregierung signalisiert Insidern zufolge ein Ende ihrer bisherigen Blockadepolitik gegenüber der italienischen Großbank.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat UniCredit-CEO Orcel für den 14. September nach Berlin eingeladen, um über die Übernahmepläne zu sprechen. Bundeskanzler Friedrich Merz plant nach aktuellem Stand keine eigenen Gespräche mit der UniCredit-Spitze – ein Signal, dass die Kanzlerebene sich aus dem Konflikt zunächst heraushält und das Gesprächsformat auf Ministerebene belässt.
Justiz beschäftigt sich mit Altfällen
Parallel zu den strategischen Entwicklungen sorgt ein Justizverfahren für Aufmerksamkeit: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat Anklage gegen vier ehemalige Mitarbeiter der Bank erhoben.
Der Vorwurf lautet auf schwere Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften aus dem Jahr 2008, der mutmaßliche Steuerschaden liegt bei über 20 Mio. Euro. Die Vorwürfe richten sich gegen frühere Angestellte und betreffen ein historisches Geschäftsjahr, nicht das laufende Geschäft der Bank.
Operativ zeigt sich die Commerzbank derweil aktiv im internationalen Kapitalmarktgeschäft: Als Konsortialführer der 1,5 Mrd. Euro schweren Anleiheemission des Landes Nordrhein-Westfalen musste das Institut keine Stabilisierungsmaßnahmen ergreifen – ein Indiz für eine reibungslose Platzierung.
Zudem zeigt ein Pflichtmeldung an die US-Börsenaufsicht SEC, dass die Bank zum 30. Juni ein US-Aktienportfolio von rund 5 Mrd. US-Dollar hielt, mit Visa und Apple als größten Positionen sowie einer neu aufgebauten Beteiligung an Oracle im Umfang von rund 30,6 Mio. US-Dollar.
Kursverlauf spiegelt Übernahmefantasie
Die Aktie schloss am Freitag bei 40,30 Euro und liegt damit nur noch 1,7 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro. Auf Monatssicht steht ein Plus von 9,6 Prozent, seit Jahresbeginn summiert sich der Gewinn auf 12 Prozent. Der Kurs notiert damit deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 35,60 Euro, was die anhaltende Aufwärtsdynamik unterstreicht.
Anleger preisen damit sowohl die operative Stärke der Bank als auch die wachsende Wahrscheinlichkeit einer Übernahmelösung ein, die durch das anstehende Treffen zwischen Klingbeil und Orcel am 14. September einen konkreten nächsten Prüfstein erhält.
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