Bitcoin: 6,9 Millionen BTC gefährdet

Forscher knackt erstmals Kryptoschlüssel auf Quantenhardware. Trotz Bedrohung verzeichnen Bitcoin-ETFs Rekordzuflüsse von 2,1 Milliarden Dollar.

Andreas Sommer ·
Bitcoin Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Erster Quantenangriff auf Kryptoschlüssel
  • 6,9 Millionen Bitcoin in gefährdeten Wallets
  • Bitcoin-ETFs mit 2,1 Milliarden Zuflüssen
  • Kursrallye trifft auf kritischen Widerstand

Ein unabhängiger Forscher hat erstmals einen Elliptische-Kurven-Schlüssel auf öffentlich zugänglicher Quantenhardware gebrochen. Der Schlüssel war nur 15 Bit lang — Bitcoins Verschlüsselung nutzt 256 Bit. Trotzdem hat der Durchbruch eine seit Jahren schwelende Debatte neu entfacht.

Kleiner Schlüssel, große Signalwirkung

Der Forscher gewann damit den Q-Day-Preis von Project Eleven — die bisher größte öffentliche Demonstration eines quantenrelevanten Angriffs auf Kryptowährungen. Gegenüber der vorherigen Demonstration aus September 2025 entspricht das einer 512-fachen Verbesserung.

Das eigentliche Bitcoin-Netzwerk ist noch weit von einer realen Bedrohung entfernt. Allerdings hat Google Quantum AI Ende März gezeigt, dass eine supraleitende Maschine mit weniger als 500.000 physischen Qubits einen 256-Bit-Schlüssel in etwa neun Minuten knacken könnte. Frühere Schätzungen lagen im Millionenbereich. Die Hürde sinkt schneller als erwartet.

6,9 Millionen Bitcoin im Risiko

Das macht eine konkrete Schwachstelle sichtbar. Rund 6,9 Millionen Bitcoin — etwa ein Drittel aller je geschürften Coins — liegen in Wallets mit öffentlich sichtbaren Schlüsseln. Das betrifft jede Adresse, von der jemals eine Transaktion ausging, weil das Ausgeben den Schlüssel dauerhaft offenlegt. Auch Satoshi Nakamotos geschätzte 1 Million Bitcoin fallen in diese Kategorie.

Die Migration dieser Coins auf quantensichere Adressen ist technisch lösbar. Politisch ist sie es kaum. Ethereum hat eine Stiftung und einen etablierten Upgrade-Prozess. Bitcoin hat beides nicht. Seine Entwicklungskultur behandelt zentrale Autorität als Fehlerquelle — ein Prinzip, das das Netzwerk fast zwei Jahrzehnte stabilisiert hat, die Lösung des Quantenproblems aber strukturell erschwert.

Der vorgeschlagene BIP-360-Standard würde einen Migrationspfad bieten. Offen bleibt, ob alte Adressformate irgendwann eingefroren werden sollten — und wer diese Entscheidung trifft.

ETF-Zuflüsse auf Rekordniveau

Während die Quantendebatte läuft, zeigt die institutionelle Nachfrage nach Bitcoin keine Schwäche. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten acht aufeinanderfolgende Tage mit Zuflüssen — insgesamt 2,1 Milliarden US-Dollar bis zum 23. April. Das kumulative Nettovermögen aller US-Spot-ETFs liegt nun bei 102 Milliarden US-Dollar.

BlackRocks iShares Bitcoin Trust absorbierte dabei mehr als 73 % der jüngsten Zuflüsse und hält nun 809.870 BTC. Der Morgan Stanley Bitcoin Trust startete am 8. April und hat seitdem keinen einzigen Tag mit Abflüssen erlebt.

Bitcoin notiert aktuell bei rund 78.260 US-Dollar — ein Plus von knapp 11 % in den vergangenen 30 Tagen. Der Kurs liegt damit deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber noch rund 9 % unter dem 200-Tage-Durchschnitt. On-Chain-Analysten markieren die Zone um 80.000 US-Dollar als kritischen Widerstand: Dort könnten kurzfristige Halter Gewinne mitnehmen und die ETF-Käufe als Exit-Liquidität nutzen. Die Fed-Sitzung der kommenden Woche dürfte zeigen, ob die Rally diesen Test besteht.

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