Oracle Aktie: Stellenabbau zum 1. September geplant

Oracle kündigt weitere Entlassungen an, während Cloud-Wachstum und Verschuldung steigen. S&P stuft Bonität herab, Aktie bleibt unter Druck.

Dr. Robert Sasse ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Weitere Entlassungen zum Quartalsbeginn
  • Cloud-Wachstum bei 77 Prozent
  • S&P senkt Kreditrating auf BBB-
  • Aktie 58 Prozent unter Jahreshoch

Oracle bereitet Insidern zufolge einen weiteren Stellenabbau zum 1. September vor, dem Beginn des zweiten Geschäftsquartals. Manager sollen bereits jetzt Positionen zur Streichung identifizieren. Es wäre die nächste Runde in einer Serie von Kürzungen, die die Belegschaft des Softwarekonzerns bereits von 162.000 auf 141.000 Mitarbeiter reduziert hat – ein Abbau von rund 21.000 Stellen.

Der Personalabbau steht in auffälligem Kontrast zu den Investitionssummen, die Oracle gleichzeitig in seine Cloud- und KI-Infrastruktur pumpt: 55,7 Milliarden Dollar an Infrastrukturausgaben stehen 43 Milliarden Dollar an neu aufgenommenen Schulden gegenüber.

Die Cloud-Infrastruktursparte wuchs zuletzt um 77 Prozent, das Nettoeinkommen stieg um 95 Prozent auf 6,13 Milliarden Dollar. Dennoch büßte die Aktie im bisherigen Jahresverlauf rund ein Viertel ihres Wertes ein.

Ratingagentur und Kreditmärkte schauen genauer hin

Die aggressive Verschuldungsstrategie bleibt nicht ohne Folgen für die Kreditwürdigkeit. S&P stufte Oracle im Juli auf BBB- herab, nur eine Stufe über Ramschniveau. Die Kreditausfallversicherungen (CDS) für Oracle-Anleihen notieren mittlerweile über 200 Basispunkten – ein deutliches Signal erhöhter Risikowahrnehmung am Kreditmarkt.

Oracle reiht sich damit in eine Gruppe von Technologiekonzernen ein, die zusammen mit Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft für einen Großteil der weltweiten KI-bezogenen Schuldenemissionen von rund 570 Milliarden Dollar im laufenden Jahr verantwortlich zeichnen. Diese fünf Unternehmen machen zusammen etwa 20 Prozent der Gewichtung im S&P 500 aus.

Parallel dazu sorgt ein sicherheitstechnisches Thema für Gesprächsstoff in der IT-Branche: Oracle veröffentlichte Mitte des Monats sein August-Sicherheitsupdate mit 943 Patches für 925 Schwachstellen über 23 Produktfamilien hinweg.

Besonders kritisch: eine Schwachstelle im Oracle Internet Directory mit dem maximalen Schweregrad 10,0, die ohne Authentifizierung ausnutzbar ist. Auch mehrere WebLogic-Lücken erreichen Werte nahe der Höchstmarke. Mehr als 460 der Schwachstellen lassen sich ohne Zugangsdaten aus der Ferne ausnutzen.

Kursbild bleibt angeschlagen

Am Aktienmarkt zeigt sich das Bild eines Papiers, das sich von den Höchstständen des vergangenen Jahres weit entfernt hat. Oracle notiert aktuell bei 122,90 Euro und liegt damit rund 58 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 294,85 Euro, das im September vergangenen Jahres erreicht wurde.

Zum 200-Tage-Durchschnitt von 148,21 Euro beträgt der Abstand 17 Prozent nach unten – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Abwärtstrend intakt bleibt, auch wenn sich die Aktie über die vergangenen 30 Tage um 11 Prozent erholen konnte.

Diese Erholung fällt allerdings in ein Marktumfeld, das insgesamt unter Druck steht: Am Donnerstag führten Technologiewerte breit angelegte Verkäufe an, während die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen ein 19-Jahres-Hoch erreichte. Steigende Zinsen verteuern generell die Refinanzierung schuldenfinanzierter Wachstumsstrategien – ein Umstand, der Oracles Position angesichts der hohen Verschuldung besonders sensibel macht.

Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Auf der einen Seite stehen kräftiges Cloud-Wachstum und steigende Gewinne, auf der anderen Seite eine schwächere Bonitätseinstufung, steigende Kreditkosten und ein Stellenabbau, der Fragen zur internen Kostendisziplin aufwirft. Die Ankündigung neuer Entlassungen zum Quartalsstart dürfte diese Debatte in den kommenden Tagen weiter befeuern.

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Oracle Aktie

122,82 EUR

+ 1,36 EUR +1,12 %
KGV 24,50
KUV 6,44
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,40 %
Marktkapitalisierung 414,24 Mrd. EUR
Ø Kursziel 247,17 USD
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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