S&P 500: Ein paar Zehntel entscheiden alles
Der S&P 500 verharrt nahe seinem Rekordhoch, während Anleger gespannt auf die Juli-Verbraucherpreise warten. Analysten erwarten je nach Kernrate deutliche Kursausschläge.

Kurz zusammengefasst
- US-Verbraucherpreise als Kurstreiber
- JPMorgan-Szenarien: Schwankung bis 2,5 Prozent
- Ölpreis-Sorgen trüben Inflationsausblick
- Institutionen optimistisch, Privatanleger skeptisch
Der marktbreite Index dümpelt nahe seiner Rekordhochs, kommt aber nicht recht vom Fleck. Am Dienstag gab der S&P 500 um 0,22 Prozent auf 7.736 Zähler nach, nachdem er im frühen Handel noch leicht im Plus gestartet war. Grund für die Zurückhaltung: Der Markt wartet auf eine einzige Zahl, die am Mittwoch alles verändern könnte.
Die Inflationsdaten als Weichenstellung
Am Mittwoch veröffentlicht das US-Arbeitsministerium die Verbraucherpreise für Juli. Ökonomen erwarten einen Anstieg der Jahresrate auf 3,4 Prozent, bei der Kernrate rechnet der Konsens mit 2,5 Prozent im Jahresvergleich. Genau um diese Marken könnte sich die Kursreaktion drehen.
JPMorgan hat die möglichen Szenarien durchgerechnet. Fällt die monatliche Kernrate über 0,3 Prozent aus, sieht die Bank den Index um 1,5 bis 2,5 Prozent fallen. Bleibt sie unter 0,15 Prozent, hält JPMorgan sogar einen Sprung von ein bis zwei Prozent für möglich. Die Spanne zwischen den Extremszenarien zeigt, wie nervös der Markt auf diesen einen Bericht schaut.
Hinzu kommt die Gemengelage am Ölmarkt. Signale einer möglichen Annäherung zwischen den USA und dem Iran ließen die Ölpreise zunächst unter Druck geraten, ehe sie sich wieder erholten. Die USA rechnen mittlerweile damit, dass die Lieferunterbrechungen durch den Konflikt bis Ende nächsten Jahres rund 600.000 Barrel pro Tag erreichen könnten. Steigende Energiepreise nähren die Sorge, dass die Inflation hartnäckiger bleibt als erhofft — was die Fed bei ihrer Zinsentscheidung im September in eine schwierige Lage bringen würde. Am Terminmarkt liegt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung derzeit bei fast 52 Prozent.
Wall Street bullish, Anleger vorsichtig
Während große Häuser ihre Kursziele anheben und auf starke Fundamentaldaten verweisen, bleiben viele Privatanleger zurückhaltend. Mehrere Sentiment- und Optionsindikatoren senden Warnsignale, obwohl der Index nur wenige Prozent von seinem Rekordhoch entfernt notiert. Diese Diskrepanz zwischen institutioneller Zuversicht und breiter Skepsis prägt die aktuelle Marktphase.
Auf Einzeltitelebene zeigte sich die übliche Streuung der Berichtssaison. Riot Platforms profitierte von einem milliardenschweren Vertrag mit der KI-Firma Anthropic und übertraf zugleich die Umsatzerwartungen. Plug Power und Babcock & Wilcox legten nach überraschend starken Quartalszahlen zu, während On Holding nach enttäuschendem Umsatz deutlich einbrach und auch Nike mit nach unten zog.
Am Mittwoch entscheidet sich, ob der zuletzt beobachtete Disinflationstrend Bestand hat oder ob die Fed schon im September wieder restriktiver reagieren muss. Für den Index könnte die Differenz von wenigen Zehntelprozentpunkten bei der Kernrate über mehrere Prozentpunkte Kursbewegung entscheiden.
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