Lufthansa Aktie: DAX-Rückkehr trotz Underweight-Rating
Lufthansa winkt die DAX-Rückkehr, doch Barclays senkt das Kursziel. Der Tarifstreit mit den Piloten belastet die Aktie weiterhin.

Kurz zusammengefasst
- Dritter Versuch für DAX-Rückkehr
- Barclays senkt Kursziel auf 7,50 Euro
- Tarifkonflikt: Vermittler Ramelow und Koch
- Aktie verliert 13 Prozent im Monat
Lufthansa steht vor einer weiteren Chance auf die Rückkehr in den DAX – gleichzeitig hat Barclays der Aktie erneut das Vertrauen entzogen. Zwei gegenläufige Signale prägen damit die Lage des Kranich-Konzerns kurz vor der nächsten Indexüberprüfung.
Dritter Anlauf für den Leitindex
Index-Experte Martin Belz von mwb fairtrade hält es für möglich, dass Lufthansa bei der kommenden DAX-Überprüfung in den Leitindex zurückkehrt – nach zwei gescheiterten Versuchen wäre es der dritte Anlauf.
Als Wackelkandidaten im Index gelten laut Belz Scout24 und Zalando, während für MDAX und SDAX keine Änderungen erwartet werden. Eine Rückkehr in den DAX würde Lufthansa wieder in den Fokus der großen Indexfonds rücken – ein Fortschritt, der jedoch von der fundamentalen Bewertung der Aktie unabhängig ist.
Denn genau dort setzt Barclays einen Kontrapunkt: Die Bank senkte ihr Kursziel für Lufthansa von 7,75 auf 7,50 Euro und bestätigte die Einstufung „Underweight“. Die Analysten sehen damit kaum Erholungspotenzial – ein Signal, das im Kontrast zur Aufstiegshoffnung auf Indexebene steht. Am Freitag notierte die Lufthansa-Aktie bei 7,63 Euro und büßte im Tagesverlauf 0,5 Prozent ein.
Tarifstreit belastet zusätzlich
Neben der Bewertungsfrage bleibt der Tarifkonflikt mit den Piloten ein Belastungsfaktor. Im Streit zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit sollen nun die ehemaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und Roland Koch als Vermittler schlichten.
Der Konflikt hat das Unternehmen bereits sieben Streiktage im laufenden Jahr gekostet, die finanzielle Belastung wird auf rund 150 Millionen Euro beziffert. Besonders brisant: Rund 70 Prozent der Piloten wären laut Umfragen bereit, erneut zu streiken, sollte keine Einigung gelingen.
Die Schlichtung unter prominenter politischer Beteiligung ist damit auch ein Test dafür, ob sich die festgefahrene Tarifsituation entspannen lässt, bevor neue Streiks weitere operative und finanzielle Schäden verursachen.
Kursbild spiegelt Unsicherheit
Die Gemengelage aus Indexhoffnung, Analystenskepsis und ungelöstem Tarifstreit zeigt sich auch im Kursverlauf: Auf Wochensicht verlor die Aktie 6,7 Prozent, auf Monatssicht summiert sich das Minus auf 13 Prozent. Damit bleibt der Titel deutlich von seinem 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro entfernt, das die Aktie im Juli erreicht hatte – ein Abstand von 26 Prozent, der die Schwere des jüngsten Rückschlags verdeutlicht.
Operatives Geschäft läuft parallel weiter
Abseits der belastenden Themen treibt Lufthansa das operative Geschäft voran: Ein neuer Germanwings-Prozess steht an, neue Fernziele wurden angekündigt, das Stopover-Programm wird ausgebaut. Zudem hat die Lufthansa Group ihre seit 2016 bestehende NDC-Partnerschaft mit TPConnects erweitert und bis mindestens 2030 verlängert.
TPConnects hat für seine Iris-Plattform die NDC-24.1-Hybrid-Zertifizierung der Lufthansa Group erreicht, was Zugang zu modernen Retail- und Servicefunktionen für die Konzernmarken Lufthansa, SWISS, Austrian, Brussels Airlines, ITA Airways, Eurowings und Discover eröffnet, mit Schwerpunkt auf Geschäftsreisekunden.
Solche strukturellen Fortschritte im Vertrieb ändern jedoch kurzfristig wenig an der Kernfrage, die Anleger derzeit umtreibt: ob die Aktie trotz Indexhoffnung fundamental wieder an Boden gewinnen kann, solange Barclays und der ungelöste Pilotenkonflikt gegen eine Erholung sprechen.
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