Oracle Aktie: 40 Milliarden Dollar Kapitalaufnahme
S&P Global senkt Kreditrating von Oracle auf BBB- wegen hoher Schulden und Investitionsrisiken, während das Cloud-Geschäft stark wächst.

Kurz zusammengefasst
- S&P stuft Kreditwürdigkeit herab
- Cloud-Umsätze steigen rasant
- Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur
- Aktienkurs fällt auf 123,74 Euro
Oracle bekommt gerade zwei völlig widersprüchliche Nachrichten gleichzeitig verkraften. Auf der einen Seite meldet der Konzern ein Cloud-Wachstum, von dem andere Tech-Konzerne nur träumen. Auf der anderen Seite hat S&P Global die Kreditwürdigkeit gesenkt. Diese Kombination drückt die Aktie aktuell auf 123,74 Euro, ein Minus von 1,95 Prozent an einem einzigen Handelstag.
Milliarden für den KI-Ausbau
Oracle plant für das Geschäftsjahr 2027 eine gewaltige Kapitalaufnahme. Bis zu 40 Milliarden Dollar will der Konzern über eine Mischung aus Schulden und neuen Aktien einsammeln. Ein zentraler Baustein: ein möglicher Aktienverkauf über den Markt im Volumen von 20 Milliarden Dollar. Analysten schätzen, dass dieser Schritt die bestehenden Aktionäre um bis zu 4,8 Prozent verwässern könnte.
Der Grund für den Kapitalhunger liegt in den Investitionsausgaben. Im Geschäftsjahr 2026 gab Oracle rund 56 Milliarden Dollar für den Ausbau der Infrastruktur aus. Das ist ein Anstieg von 162 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2027 rechnen manche Schätzungen sogar mit bis zu 95 Milliarden Dollar.
Freier Cashflow tief im Minus
Diese Investitionswelle hinterlässt Spuren in der Bilanz. Oracle meldete für 2026 einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar. Zusammen mit einer Gesamtverschuldung von 167,4 Milliarden Dollar zum 31. Mai 2026 war das für S&P Global Anlass genug zum Handeln.
Am 10. Juli 2026 stufte die Ratingagentur Oracle auf BBB- herab. Das ist die niedrigste Stufe innerhalb des Investment-Grade-Bereichs, nur eine Note über Ramsch-Status. S&P begründet den Schritt mit steigenden Geschäftsrisiken, hoher Verschuldung und Unsicherheit über die kurzfristige Rentabilität des KI-Ausbaus. Die Agentur erwartet zudem, dass die Verschuldung im Verhältnis zum EBITDA in den nächsten zwei Jahren über dem Faktor 4 bleibt.
Operatives Geschäft läuft glänzend
Trotz der Herabstufung zeigen die operativen Zahlen ein anderes Bild. Der Auftragsbestand, gemessen als Remaining Performance Obligation, liegt bei 638 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 363 Prozent im Jahresvergleich. Die Cloud-Infrastruktursparte allein wuchs im jüngsten Quartal bis Mai um 93 Prozent.
Parallel zur Ratingnachricht brachte Oracle am 10. Juli auch ein neues Produkt an den Start: „AI Agent Memory 26.6“, ein Speicherverwaltungstool für Unternehmenskunden mit hybrider Suche und eingebetteten Datenbankfunktionen. Der Konzern will damit im Wettbewerb gegen Microsoft und Amazon technologisch vorne bleiben.
Kurs unter Druck, Meinungen gespalten
Der aktuelle Kurs liegt fast 56 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro aus dem September 2025. Zum 52-Wochen-Tief von 113,86 Euro, erst im Februar erreicht, beträgt der Abstand dagegen nur noch knapp 9 Prozent. Der RSI-Wert von 31,4 signalisiert eine Aktie, die sich der überverkauften Zone nähert. Zusätzlich belastet: Oracle notiert seit dem 10. Juli ex-Dividende für die Quartalsausschüttung von 0,50 Dollar, was den Kursrückgang an diesem Tag mit erklärt.
Nicht alle Marktbeobachter teilen die Skepsis der Ratingagentur. Die Bank Bernstein bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 325 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von über 132 Prozent entspräche. Zwischen den Optimisten, die auf den gewaltigen Auftragsbestand blicken, und den Skeptikern, die die Finanzierungskosten des Wachstums fürchten, liegt aktuell eine erhebliche Bewertungslücke.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich die Investitionen in messbare Gewinne übersetzen lassen. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen zwei Erzählungen gefangen: technologischer Führungsanspruch auf der einen, wachsende Finanzierungslast auf der anderen Seite.
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