Fed, Iran, Notenbanken: Welt am Scheideweg

Die US-Notenbank zeigt sich tief gespalten, während steigende Energiepreise globale Notenbanken vor neue Herausforderungen stellen. Anleger blicken gespannt auf die weitere Entwicklung.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Fed-Entscheidung mit knapper Mehrheit
  • Ölpreis steigt auf Rekordniveau
  • Globale Notenbanken in der Zwickmühle
  • US-Kapitalgüteraufträge legen überraschend zu

Der Iran-Krieg verändert die Spielregeln der Weltwirtschaft. Steigende Ölpreise, eine gespaltene Fed und nervöse Notenbanken rund um den Globus — die Zinsentscheidungen dieser Woche markieren einen Wendepunkt, den Anleger noch lange spüren werden.

Fed so gespalten wie seit 1992 nicht mehr

Mit acht zu vier Stimmen hielt die US-Notenbank ihren Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Das klingt zunächst unspektakulär. Doch hinter dieser Entscheidung verbirgt sich eine tiefe Spaltung. Drei Mitglieder — darunter die Präsidentinnen der Cleveland und Minneapolis Fed sowie die Chefin der Dallas Fed — verweigerten die Zustimmung zu einer weiterhin lockeren Kommunikation und lehnen jeden Hinweis auf künftige Zinssenkungen ab. Ein viertes Mitglied wiederum stimmte für eine sofortige Senkung. Selten war die Bandbreite der Meinungen so groß.

Die Fed begründet ihre Zurückhaltung klar: „Die Inflation ist erhöht, was zum Teil den jüngsten Anstieg der globalen Energiepreise widerspiegelt.“ Seit dem Beginn des US-israelischen Militärkonflikts mit dem Iran — der Ölpreis der Sorte Brent nähert sich dem höchsten Stand seit Juni 2022 — ist die Notenbank in einer Zwickmühle. Zu früh senken riskiert, die Inflation weiter anzufachen. Zu lange warten könnte Wachstum abwürgen.

Die Reaktion an den Märkten war eindeutig. Der zweijährige US-Staatsanleihe-Yield kletterte auf 3,928 Prozent, der zehnjährige auf 4,421 Prozent — jeweils der höchste Stand seit Ende März. Händler preisen inzwischen kaum noch Zinssenkungen für dieses Jahr ein; die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis April 2027 stieg sprunghaft von rund 20 auf 55 Prozent.

Energiepreise als globaler Störfaktor

Der Ölpreisanstieg ist das verbindende Element dieser Woche — er zwingt Notenbanken auf allen Kontinenten zum Umdenken. Präsident Trump beriet mit Führungskräften von Chevron und anderen Energiekonzernen über Maßnahmen zur Marktberuhigung, sollte eine monatelange Blockade iranischer Häfen Realität werden. Entsprechend nervös reagierten die Märkte.

Auch die Bank of England steht vor demselben Dilemma wie die Fed: Alle 62 in einer Reuters-Umfrage befragten Ökonomen erwarten, dass der britische Leitzins bei 3,75 Prozent verbleibt. Doch die Debatte dahinter ist hitzig. Chefvolkswirt Huw Pill gilt als wahrscheinlichster Befürworter einer Erhöhung; Gouverneur Andrew Bailey hält Spekulationen auf baldige Zinserhöhungen dagegen für verfrüht. Großbritannien trifft der Energiepreisschock besonders hart — das Land ist stark von Erdgas abhängig, und Unternehmen erhöhten ihre Preiserwartungen für die kommenden zwölf Monate zuletzt so schnell wie nie zuvor. BNP Paribas erwartet zwei Zinserhöhungen noch in diesem Jahr, mit einem möglichen Inflationspeak von 4,5 Prozent Anfang 2027.

Brasiliens Zentralbank hingegen schlägt den entgegengesetzten Kurs ein — zumindest noch. Die Copom senkte den Selic-Satz um 25 Basispunkte auf 14,50 Prozent, den zweiten Schritt in Folge seit Beginn des Lockerungszyklus im März. Doch selbst hier setzt der Iran-Konflikt Grenzen. Die Formulierung im geldpolitischen Statement wurde merklich verschärft: Künftige Anpassungen hängen nun von „Tempo und Ausmaß“ des Zyklus ab — nicht mehr nur vom Tempo. Ökonom Leonardo Costa von ASA wertet das als Signal, dass ein verlängerter Konflikt den gesamten brasilianischen Lockerungskurs gefährden könnte. Die 12-Monats-Inflation beschleunigte sich zuletzt auf 4,37 Prozent.

Kapitalinvestitionen trotzen der Unsicherheit

Inmitten dieser geldpolitischen Turbulenzen liefern die US-Konjunkturdaten ein überraschend robustes Bild. Aufträge für Kapitalgüter ohne Rüstung und Flugzeuge — ein Frühindikator für Unternehmensinvestitionen — sprangen im März um 3,3 Prozent, der stärkste Anstieg seit Juni 2020. Getrieben wurde der Boom vor allem von Computern und Elektronik, deren Bestellungen um 3,7 Prozent zulegten. Der KI-Investitionsboom und der Bau von Rechenzentren lassen die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern trotz aller Widrigkeiten nicht abreißen.

Ökonomen rechnen für das erste Quartal mit einem annualisierten Wachstum von 2,3 Prozent — nach lediglich 0,5 Prozent im vierten Quartal 2025. Erste BIP-Daten werden am Donnerstag veröffentlicht.

An der Wall Street sorgten diese Signale jedoch nicht für klare Richtung. Der Dow Jones verlor 280 Punkte, während S&P 500 und Nasdaq weitgehend stagnierten. Nach Börsenschluss meldeten sich vier der sogenannten Magnificent Seven zu Wort: Alphabet legte vorbörslich über drei Prozent zu, Amazon und Microsoft verloren mehr als drei Prozent, Meta brach um über sechs Prozent ein. Investoren warteten weniger auf vergangene Quartalszahlen als auf Signale, wie KI-Ausgaben und Kapazitätsausbau künftig gesteuert werden.

Russlands Wirtschaft unter Druck — und mit Profitaussichten

Einen eigentümlichen Blickwinkel bietet Russland. Die Volkswirtschaft schrumpfte im ersten Quartal um 0,3 Prozent — die erste Kontraktion seit Anfang 2023. Hohe Zinsen, Sanktionen und Arbeitskräftemangel belasten die Wirtschaft sichtbar; Sberbank kappte die Wachstumsprognose auf 0,5 bis 1,0 Prozent für 2026. Gleichzeitig dürfte Russland als großer Ölexporteur von steigenden Rohstoffpreisen profitieren — eine groteske Parallele zu den Schwierigkeiten importabhängiger Volkswirtschaften wie Japan oder Großbritannien.

Ausblick: Kurs unbekannt

Was bleibt, ist ein Bild erhöhter Unsicherheit. Ob Yen-Interventionen durch das japanische Finanzministerium, die ersten detaillierten Prognosen der Bank of England seit Kriegsbeginn oder die Bestätigung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh durch den Senat — die kommenden Wochen werden zeigen, wie dauerhaft dieser Inflationsschub ist. Rodrigo Catril von der National Australia Bank bringt es auf den Punkt: „Die Spaltungen innerhalb der Fed machen es interessant.“ Interessant ist derzeit allerdings die Untertreibung des Jahres.

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