Fresenius Medical Care Aktie: Neuer Chef, anderes Profil
Korangy übernimmt am 12. Oktober von Helen Giza; konkrete Wachstumsziele oder Änderungen der Prognose nannte er nicht.

Kurz zusammengefasst
- Aufsichtsrat wählt Korangy einstimmig
- Amtsantritt ist für 12. Oktober vorgesehen
- Giza verlässt das Unternehmen am 11. Oktober
- Kostenbasis sank um rund 1,2 Milliarden Euro
Fresenius Medical Care tauscht überraschend die Konzernspitze aus. Der Aufsichtsrat hat heute einstimmig Shervin J. Korangy zum Vorstandsvorsitzenden bestellt, er übernimmt am 12. Oktober. Helen Giza scheidet mit Ablauf des 11. Oktober aus dem Unternehmen aus.
Ein Kontrolleur wird Konzernchef
Korangy kennt das Haus bereits. Seit 2023 saß er im Aufsichtsrat, sein Mandat dort hat er im Zuge der Ernennung niedergelegt. Zuletzt führte er den Augenmedizin-Spezialisten BVI Medical, den er knapp ein Jahrzehnt lang zu einer globalen MedTech-Plattform ausbaute. Im Januar 2026 trat er dort zurück und beriet danach unter anderem TPG Capital.
Seine Vita reicht weiter zurück: Über 14 Jahre arbeitete er bei Blackstone, zuletzt als Managing Director in den Bereichen Restrukturierung und Private Equity. Später verantwortete er bei Novartis die globale Unternehmensfinanzierung. Aufsichtsratschef Michael Sen hebt genau diese Mischung hervor: Erfahrung im Gesundheitssektor, operativer Umbau und Kapitalallokation.
Begründung: Die Transformation ist durch
Sen spricht von einem strategischen Wendepunkt. Die Transformation der vergangenen Jahre habe ihre Ziele weitgehend erreicht, die nächste Wachstumsphase brauche „ein anderes Führungsprofil“. Das ist eine deutliche Formulierung für einen Wechsel, der den Markt kalt erwischt.
Giza war vier Jahre Vorstandschefin, davor drei Jahre Finanzvorständin. Unter ihr lief das Programm FME25+, das Organisation und Prozesse straffte und die Kostenbasis um rund 1,2 Milliarden Euro senkte. Der Konzern gilt seither als effizienter und profitabler. Giza selbst sieht das Fundament für die nächste Phase gelegt und nennt den Zeitpunkt für die Übergabe richtig.
Korangy kündigt an, Innovation zu beschleunigen, den Zugang zur Versorgung auszubauen und profitables Wachstum voranzutreiben. Konkrete Ziele oder Änderungen an der Prognose nannte er nicht.
Aufsichtsrat bekommt Ersatz
Für Korangys frei gewordenen Sitz hat der Aufsichtsrat bereits eine Kandidatin: Ann Custin, die rund 40 Jahre Managementerfahrung im globalen Gesundheitssektor mitbringt. Sie soll zusätzlich Finanz-, Digital- und Lieferkettenkompetenz einbringen. Das gerichtliche Bestellungsverfahren bis zum Ende der laufenden Amtszeit soll zeitnah angestoßen werden.
Der Wechsel wurde am Abend per Ad-hoc-Mitteilung bekannt. Die Börsenreaktion steht damit noch aus. Erste Hinweise darauf, wie der Markt einen Konzernchef mit Finanzinvestor-Hintergrund bewertet, dürfte der Handel am Donnerstag liefern. Am 12. Oktober beginnt dann Korangys erster Arbeitstag an der Spitze.
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