Infineon Aktie: 3,64 Prozent Minus trotz TSMC-Rekord
Trotz glänzender Quartalsergebnisse von TSMC und ASML gerät die Infineon-Aktie unter Druck. Anleger zweifeln an der Nachhaltigkeit des KI-Booms und nehmen Gewinne mit.

Kurz zusammengefasst
- Infineon verliert über drei Prozent
- TSMC meldet fünften Rekordgewinn in Folge
- Anleger zweifeln an KI-Nachfrage
- Charttechnik signalisiert weitere Verluste
Während der Weltmarktführer für Auftragsfertigung von Halbleitern erneut Bestwerte vorlegte, rutschte die Infineon-Aktie ab und bildete zeitweise das Schlusslicht im DAX. Aktuell notiert das Papier bei 65,10 Euro und verliert damit 3,64 Prozent auf Tagessicht – ein deutliches Zeichen dafür, dass gute Branchennachrichten allein derzeit nicht reichen, um Anleger zu beruhigen.
Zweifel an KI-Nachfrage überschatten TSMC-Rekord
TSMC meldete für das zweite Quartal 2026 laut Handelsblatt bereits den fünften Rekordgewinn in Folge: Der Überschuss kletterte um 77 Prozent, der Umsatz legte um 36 Prozent zu – getrieben von der ungebrochenen Nachfrage nach KI-Hochleistungschips. Auch der niederländische Lithografie-Spezialist ASML übertraf mit einem Quartalsumsatz von 9,33 Milliarden Euro die Erwartungen von 8,8 Milliarden Euro und hob sein Jahresziel für 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. Analysten von Barclays und JPMorgan bestätigten ihre positiven Einschätzungen mit Kurszielen von 2.000 beziehungsweise 1.900 Euro.
Von diesem Rückenwind profitierte Infineon nicht. Laut Ariva.de und finanznachrichten.de zweifeln Anleger trotz der TSMC-Zahlen an der Nachhaltigkeit der KI-getriebenen Rechenzentrumsnachfrage und nehmen stattdessen Gewinne mit – auch bei anderen deutschen Halbleiterwerten wie Siltronic, Aixtron und SUSS Microtec. Verstärkt wurde die Skepsis durch massive Kursverluste in Asien: SK Hynix brach in Seoul zweistellig ein, Samsung Electronics verlor mehrere Prozent, und der koreanische Leitindex KOSPI löste bereits zum 37. Mal in diesem Jahr einen sogenannten Sidecar-Handelsstopp aus. Auch in den USA gerieten Speicherchip-Werte wie Micron unter Druck. Die Sorge, der KI-Handel könnte überfüllt sein, belastete die gesamte Branche und erfasste auch Infineon.
Charttechnik signalisiert weitere Schwäche
Neben der fundamentalen Skepsis verschärft sich bei Infineon auch das charttechnische Bild. Laut 4investors und wallstreetONLINE konnte die Aktie die 50-Tage-Linie zuletzt nicht zurückerobern, wodurch bestehende Verkaufssignale intakt bleiben. Als nächste Unterstützungszone gelten die Marken bei 67,70 und 68,74 Euro. Sollte dieser Bereich brechen, rechnen die Analysten mit einem weiteren Rückgang bis in den Bereich von 60 Euro – abgeleitet aus einem Doppeltop bei 88,46 und 88,83 Euro. Der Chaikin Money Flow notiert mit minus 0,14 im negativen Bereich, was auf anhaltende Verkaufsdruck hindeutet.
Die aktuellen Marktdaten untermauern dieses Bild: Der Kurs liegt 13,39 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und hat sich bereits 27,40 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro vom 3. Juni entfernt. Erst ein nachhaltiger Rückeroberung höherer Kursniveaus könnte das charttechnisch angeschlagene Bild aufhellen – bislang fehlt dafür jedoch die fundamentale Unterstützung.
DAX bleibt insgesamt unentschlossen
Der Gesamtmarkt selbst zeigte sich am Donnerstag uneinheitlich: Der DAX kämpfte um die Marke von 25.000 Punkten, belastet durch anhaltende Spannungen im Nahen Osten. Während Schaeffler und Siemens zulegten und der Übernahmekampf um Delivery Hero – Uber bietet laut Berichten 41,50 Euro je Aktie – für Schlagzeilen sorgte, gehörte Infineon zu den schwächsten Werten im Leitindex. Bereits am Vortag hatte die Aktie im TecDAX-Handel zu den größten Verlierern gezählt, nachdem die europäische Chipbranche insgesamt unter Druck geraten war.
Für Infineon-Anleger bleibt die Gemengelage schwierig: Solange der Markt an der Nachhaltigkeit des KI-Booms zweifelt und die Charttechnik weitere Abwärtssignale liefert, dürfte der Titel trotz robuster Branchenzahlen von Wettbewerbern wie TSMC und ASML unter Verkaufsdruck bleiben.
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