Commerzbank Aktie: 38,09 Euro über UniCredit-Angebot
Der Aktienkurs der Commerzbank übertrifft das Tauschverhältnis von UniCredit, was das Übernahmeangebot für Aktionäre zunehmend unattraktiv macht.

Kurz zusammengefasst
- Commerzbank-Kurs springt auf 38,09 Euro
- UniCredit-Angebot wird weniger attraktiv
- Annahmequote zwischen Banken umstritten
- JPMorgan sieht UniCredit positiv
Einen Tag vor Fristende schickt der Markt ein klares Signal nach Mailand. Die Commerzbank-Aktie springt am Donnerstag um 2,72 Prozent auf 38,09 Euro. Für Anleger, die ihre Papiere bei UniCredit andienen wollen, wird das Tauschangebot damit immer unattraktiver.
Die Lücke zum Angebot wächst wieder
UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Anteil. Eine Barzahlung gibt es nicht. Ende Juni hatte sich der Wert dieses Tauschverhältnisses fast an den Börsenkurs angeglichen: 37,06 Euro Schlusskurs standen einem Angebotswert von rund 37,23 Euro gegenüber.
Mit dem heutigen Sprung dreht sich das Bild wieder. Die Commerzbank-Aktie notiert nun klar über dem, was UniCredit für den Tausch bietet. Wer seine Aktien andient, bekommt objektiv weniger, als er am Markt verkaufen könnte.
Der Kurs bewegt sich damit nur noch knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni. Der Abstand beträgt weniger als zwei Prozent. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 36,52 Euro liegt die Aktie bereits über vier Prozent im Plus.
Zwei Banken, zwei Zahlen
Wie viele Aktionäre das Angebot überhaupt angenommen haben, ist zwischen beiden Häusern heftig umstritten. UniCredit meldete nach Ablauf der regulären Frist eine Annahmequote von 12,51 Prozent. Zusammen mit dem bereits gehaltenen Anteil von 26,77 Prozent und Instrumenten mit physischem Lieferanspruch kommt die Bank auf eine Gesamtposition von 42,50 Prozent.
Die Commerzbank widerspricht dieser Lesart entschieden. In ihrem Aktionärsbrief vom 26. Juni erklärt das Institut, unter den freien Aktionären hätten lediglich etwas mehr als ein Prozent angedient. Vorstand und Aufsichtsrat hatten das Angebot bereits am 18. Mai abgelehnt — es spiegele den fundamentalen Wert der Bank nicht wider und enthalte keine angemessene Prämie.
Auch der Bund stellt sich gegen den Vorstoß aus Mailand. Der Lenkungsausschuss des Finanzmarktstabilisierungsfonds lehnte das Angebot laut Mitteilung vom 16. Juni ab. Die Begründung: fehlende Prämie und die Eigenständigkeitsstrategie der Commerzbank.
UniCredit bleibt für Analysten interessant
Unabhängig vom Ausgang bei der Commerzbank bewerten Investmentbanken den Bieter selbst positiv. JPMorgan setzte UniCredit am 2. Juli auf eine „Positive Catalyst Watch“. Die Analysten erwarten, dass der Konzern bei den nächsten Quartalszahlen seine Gewinnziele leicht anheben könnte — ein Zeichen finanzieller Stärke, das laut JPMorgan unabhängig vom Übernahmeausgang Bestand hat.
Die verlängerte Annahmefrist läuft am Freitag aus. Das offizielle Ergebnis will UniCredit am 8. Juli veröffentlichen. Dann zeigt sich, ob genügend zusätzliche Aktionäre angedient haben — oder ob die Commerzbank mit ihrer These von der nur marginalen Zustimmung unabhängiger Investoren recht behält.
Selbst ein für UniCredit positives Ergebnis würde den Deal nicht sofort besiegeln. Reicht die Mehrheit nicht, muss die Bank nachbessern oder den Vorstoß ruhen lassen. Der eigentliche Vollzug der Transaktion wird wegen ausstehender Genehmigungen ohnehin erst 2027 erwartet.
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