XPeng Aktie: Robotik-Sparte mit 900 Millionen bewertet

XPeng steigert die August-Auslieferungen und erweitert sein Modellangebot, während Kurszielsenkung und wachsende Verluste den Ausblick belasten.

Felix Baarz ·
Futuristischer Roboterarm in einer technologischen Laborumgebung symbolisiert Innovation in der Robotik. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • August-Lieferungen steigen um vier Prozent
  • Barclays reduziert das Kursziel auf 14 Dollar
  • L03 soll im vierten Quartal 60.000 Fahrzeuge monatlich liefern
  • Robotik-Sparte erhält Bewertung über 900 Millionen Dollar

Es gibt Aktien, bei denen ein Blick auf den Kurs reicht, um die ganze Geschichte zu verstehen. XPeng gehört nicht dazu. Wer nur auf das Kursniveau von 9,46 Euro schaut, sieht ein Papier nahe seinem 52-Wochen-Tief, gut 61 Prozent unter dem Hoch vom November.

Wer stattdessen auf die operative Seite blickt, sieht ein Unternehmen, das im August 39.107 Fahrzeuge auslieferte, vier Prozent mehr als vor Jahresfrist, und parallel eine Robotik-Sparte aufbaut, die gerade mit über 900 Millionen US-Dollar von Investoren wie Tencent und Alibaba bewertet wurde wie ein eigenständiges Milliarden-Unternehmen.

Zwischen diesen beiden Bildern liegt die eigentliche Frage, die sich Anleger derzeit stellen müssen: Wird der chinesische Elektroauto-Markt XPeng ausbremsen, bevor das Unternehmen seine zweite Wachstumssäule fertig gebaut hat?

Ein Markt, der keine Gnade kennt

Die chinesische EV-Branche ist längst kein Wachstumsmarkt mehr, in dem jeder Anbieter automatisch mitwächst. Sie ist ein Verdrängungswettbewerb geworden, in dem Preisdruck und Modellzyklen über Marktanteile entscheiden. Reuters brachte es Ende August auf den Punkt: Die Prognose von XPeng für das laufende Geschäft enttäuschte Investoren, weil sich die Konkurrenz in China weiter verschärft.

Barclays reagierte am 25. August mit einer Kurszielsenkung auf 14,00 US-Dollar von zuvor 15,00 US-Dollar, verbunden mit der Begründung, die Liefer-Guidance für das dritte Quartal 2026 falle schwächer aus als erhofft. Die Einstufung blieb bei Underweight.

Das ist die eine Seite. Die andere: XPeng selbst zeigt sich operativ kämpferisch. Für das Modell L03 hat das Unternehmen bereits Zweischicht-Produktion aufgenommen und rechnet für das vierte Quartal 2026 mit monatlichen Auslieferungen von rund 60.000 Einheiten. Das wäre ein deutlicher Sprung gegenüber den aktuellen Monatszahlen und würde die Skepsis der Analysten zumindest teilweise widerlegen.

Im zweiten Quartal 2026 hatte XPeng 103.295 Fahrzeuge ausgeliefert und einen Umsatz von 19,74 Milliarden Renminbi erzielt, wobei das Management gleichzeitig einen sich ausweitenden Verlust einräumte. Wachstum und Verlustausweitung – auch das ist ein Widerspruch, mit dem sich XPeng derzeit präsentiert.

Die Modelloffensive als Wette auf die Zukunft

Im September soll der G9L offiziell starten und ausgeliefert werden, nachdem er bereits am 11. August sein offizielles Debüt feierte und in Festlandchina in den Vorverkauf ging. Für das vierte Quartal 2026 ist zudem der MONA L05 geplant.

Diese Verdichtung des Modellportfolios ist typisch für einen Markt, in dem Hersteller im Halbjahrestakt neue Fahrzeuge nachschieben müssen, um relevant zu bleiben. XPeng spielt dieses Spiel mit, während gleichzeitig die Auslandsexpansion Fahrt aufnimmt: Im zweiten Quartal 2026 lagen die Überseeauslieferungen bei über 20.000 Einheiten.

Parallel dazu baut das Unternehmen an einer strukturellen Absicherung gegen genau jenen Preiskampf, der die Kernmarke unter Druck setzt. Die Robotik-Sparte, vor gut einer Woche mit ihrer ersten externen Finanzierungsrunde in den Schlagzeilen, ist der Versuch, aus einem reinen Autobauer ein Technologieunternehmen mit mehreren Standbeinen zu machen.

Autonomes Fahren ist ein weiterer Baustein dieser Strategie: In Guangzhou erhielt XPeng eine Genehmigung für Fernteststrecken vernetzter Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer an Bord, auf ausgewiesenen Teststrecken der Stufen 1, 2 und 3.

Was der Kurs (noch) nicht widerspiegelt

Der RSI von 36,4 deutet auf eine überverkaufte Aktie hin, ohne dass das automatisch eine Wende bedeutet. Die Volatilität von 41 Prozent auf Jahresbasis zeigt, wie nervös der Markt XPeng derzeit handelt. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 33 Prozent macht deutlich, dass der mittelfristige Trend klar nach unten zeigt.

Ob die für das vierte Quartal angepeilten 60.000 Monatsauslieferungen beim L03 erreicht werden und ob sich die Robotik-Sparte tatsächlich zu einem eigenständigen Wertschöpfer entwickelt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Bis dahin bleibt XPeng ein Unternehmen, dessen operative Fortschritte und dessen Börsenbewertung in entgegengesetzte Richtungen laufen – eine Konstellation, die Anleger genau beobachten sollten, ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

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XPeng Aktie

10,95 USD

– 0,19 USD -1,71 %
KGV
KUV 0,14
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 10,66 Mrd. USD
Ø Kursziel 137,35 CNY
ISIN: US98422D1054 WKN: A2QBX7

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