Siemens Energy: Guyana-Kraftwerk vor Betriebsstart
Siemens Energy soll das 300-Megawatt-Projekt in Guyana betreiben. Zugleich sinkt Siemens’ Beteiligung, während die Aktie unter dem Jahreshoch bleibt.

Kurz zusammengefasst
- Betreiberrolle für Guyanas 300-Megawatt-Anlage
- Siemens senkt Anteil auf 4,98 Prozent
- JPMorgan bestätigt „Overweight“ mit 245 Euro
- SMR-Partnerschaft mit Rolls-Royce vereinbart
Siemens Energy übernimmt beim Gas-to-Energy-Kraftwerk in Guyana eine zentrale operative Rolle. Das Büro des guyanischen Premierministers teilte mit, dass sich die Anlage mit einer Leistung von 300 Megawatt derzeit in der Mobilisierungs- und technischen Vorbereitungsphase befinde. Siemens Energy soll dort als Betreiber für Betrieb und Wartung fungieren.
Rolle als Betreiber vor Inbetriebnahme
Die Mitteilung aus Guyana ist eine der wenigen belastbaren operativen Nachrichten der vergangenen Woche zu Siemens Energy. Sie zeigt, dass das Unternehmen über den reinen Anlagenbau hinaus auch als Dienstleister für Betrieb und Wartung großer Kraftwerksprojekte auftritt – ein Geschäftsfeld mit langfristigen Vertragsbindungen und wiederkehrenden Erlösen.
Parallel dazu meldete Siemens AG über ihre Beteiligungsgesellschaft Siemens Beteiligungen Inland GmbH, den Stimmrechtsanteil an Siemens Energy auf 4,98 Prozent reduziert zu haben. Die Schwelle von 5 Prozent wurde damit unterschritten, zuvor waren 5,54 Prozent gemeldet worden.
Siemens AG ist seit der Abspaltung 2020 nicht mehr Muttergesellschaft von Siemens Energy, sondern lediglich ehemalige Konzernmutter mit einer schrittweise schrumpfenden Restbeteiligung.
Aktie unter Druck, Bewertungen bleiben gemischt
An der Börse zeigt sich das Papier zuletzt volatil. Am Freitag legte die Aktie um 2,3 Prozent zu und schloss bei 143,92 Euro, nachdem sie in den vergangenen sieben Handelstagen um 2,8 Prozent nachgegeben hatte.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 20 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar ein Anstieg von 51 Prozent. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, erreicht im April, fehlen dem Kurs derzeit rund 26 Prozent.
JPMorgan bestätigte nach Gesprächen mit Vorstandschef Christian Bruch die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 245 Euro – die Einschätzung stammt aus der vergangenen Woche und markiert damit die jüngste belastbare Analystenstimme zu dem Titel.
Ältere Einstufungen von Jefferies und Deutsche Bank Research aus dem Monatsanfang, die beide auf „Buy“ mit Kurszielen um 210 Euro lauteten, sind inzwischen als Momentaufnahme zu werten und nicht mehr als aktueller Stand zu lesen.
Weitere Projekte im Blick
Neben Guyana treibt Siemens Energy auch Vorhaben im Bereich kleiner modularer Reaktoren voran. Mit Rolls-Royce SMR bestehe eine exklusive Partnerschaftsvereinbarung, in deren Rahmen Siemens Energy Dampfturbinenkomponenten für das SMR-Projekt fertigen soll. Zudem berichteten Medien, dass das Unternehmen plane, die Sparte Transformation of Industry als eigenständige Geschäftseinheit unter der künftigen Marke Omterra auszugliedern.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Operative Fortschritte in Guyana und bei Rolls-Royce SMR treffen auf einen sinkenden Einfluss der ehemaligen Konzernmutter und einen Kurs, der sich noch deutlich unter seinem Jahreshoch bewegt. Die Reaktion des Marktes am Freitag deutet darauf hin, dass positive Nachrichten durchaus honoriert werden – nachhaltig stabilisieren muss sich das Papier davon aber erst noch.
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