SAP Aktie: Jefferies vs. DZ Bank – 90 Euro Kursziel-Spanne

SAP verzeichnet starkes Cloud-Wachstum und schließt KI-Übernahmen ab, senkt aber die Jahresprognose. Analysten uneins über die Aktienbewertung.

Dr. Robert Sasse ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Cloud-Umsatz steigt um 22 Prozent
  • KI-Firmen Dremio und Prior Labs übernommen
  • Jahresprognose für Betriebsergebnis leicht gesenkt
  • Analysten streiten über Kursziele

Eine Aktie, die binnen 30 Tagen um mehr als ein Fünftel zulegt, weckt automatisch zwei Reaktionen: Begeisterung bei den einen, Skepsis bei den anderen. Bei SAP lassen sich beide Lager derzeit mit Fakten füttern – und genau das macht die aktuelle Lage so spannend für jeden, der sich mit dem Wert beschäftigt.

Der Rekordbacklog ist real – und er zählt

Fangen wir mit dem an, was unstrittig ist. SAP hat am 23. Juli die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt, und sie waren solide bis stark: Der Cloud-Umsatz kletterte um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, der Current Cloud Backlog wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Das Non-IFRS-Betriebsergebnis legte um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro zu. Für mich ist der Backlog die entscheidende Kennziffer, weil er Auftragsbestand und damit künftige Umsätze abbildet – kein Zufallstreffer eines Quartals, sondern ein strukturelles Signal.

Am 27. Juli kam die nächste Nachricht: SAP hat den Erwerb der KI-Spezialisten Dremio und Prior Labs final abgeschlossen und beide in die „Business AI“-Plattform integriert. Strategisch spricht das für ein Unternehmen, das sein KI-Portfolio konsequent verbreitert, statt nur darüber zu reden. Der Preis dafür ist allerdings sichtbar: Der Vorstand senkte am selben Tag die Prognosespanne für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 leicht auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, zuvor waren es 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Verwässerungseffekte durch die Zukäufe sind der genannte Grund. Das ist kein Alarmsignal, aber es zeigt: Wachstum durch Übernahmen kostet aktuell Marge.

Der Kurs läuft der Erzählung voraus

Und jetzt zur Kehrseite. Der Aktienkurs notiert bei 171,56 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen um 20,09 Prozent zugelegt. Das ist eine steile Rallye, gestützt auch durch das laufende Aktienrückkaufprogramm über 10 Milliarden Euro, das der Aktie technische Unterstützung verschafft. Nur: Der 14-Tage-RSI steht bei 71,2 – ein klassisches Überhitzungssignal. Ich sehe darin keinen Grund zur Panik, aber einen Grund zur Vorsicht. Rallyes, die so schnell so viel Boden gutmachen, neigen zu Verschnaufpausen, unabhängig davon, wie gut die zugrunde liegenden Zahlen sind.

Zwei Analysten, zwei Welten

Bemerkenswert ist, wie weit die Einschätzungen der Analysten am Markt derzeit auseinanderliegen. Jefferies bestätigte am 28. Juli die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210,00 Euro – deutlich über dem aktuellen Niveau und ein klares Bekenntnis zur Wachstumsstory rund um Cloud und KI. Die DZ Bank schlägt in die entgegengesetzte Richtung: Analyst Armin Kremser senkte am 27. Juli sein Kursziel von 130 auf 120 Euro und bestätigte die Einstufung „Verkaufen“, mit Verweis auf Margendruck durch anorganische Effekte – also genau jene Verwässerung, die auch die Prognosesenkung erklärt.

Für mich zeigt diese Divergenz, dass der Markt die Übernahmestrategie noch nicht einheitlich bewertet. Die einen sehen die langfristige Substanz durch Backlog und KI-Integration, die anderen den kurzfristigen Margenpreis. Beide Blickwinkel sind mit denselben Fakten begründbar, nur unterschiedlich gewichtet.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegt für mich das fundamentale Argument über das technische Warnsignal – der Rekordbacklog und das Rückkaufprogramm sind reale Stützen, keine Stimmungsmache. Trotzdem würde ich die aktuelle Kursdynamik nicht mit der fundamentalen Entwicklung verwechseln: Ein RSI von über 70 nach einer derart steilen Rallye spricht dafür, dass ein Teil der guten Nachrichten bereits eingepreist ist. Die Spanne zwischen dem Kursziel von Jefferies und dem der DZ Bank markiert ziemlich genau das Spannungsfeld, in dem sich die Aktie bis zur nächsten Bilanz am 21. Oktober bewegen dürfte – zwischen Wachstumsstory und Margendruck, zwischen Rekordbacklog und Überhitzungssignal.

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