Sivers Semiconductors Aktie: Nasdaq-Plan am 15. Juni vertagt
Die Hauptversammlung vertagt den Nasdaq-Börsengang, während Vorstand und Aktionäre neue Kapitalmaßnahmen beschließen.

Kurz zusammengefasst
- Nasdaq-Listing von Tagesordnung gestrichen
- Neue Aktienemission vorerst zurückgezogen
- Wandeldarlehen über 327.000 Dollar gebilligt
- Ermittlungen wegen möglichen Insiderhandels
Die Hauptversammlung von Sivers Semiconductors am 15. Juni in Stockholm verlief alles andere als routinemäßig. Der mit Spannung erwartete Beschluss zur Nasdaq-Notierung wurde in letzter Minute von der Tagesordnung genommen — und hinterließ Aktionäre mit mehr offenen Fragen als Antworten.
Nasdaq-Listing vorerst gestrichen
Der Kernpunkt der Abstimmung fiel aus. Der Vorstand zog den Antrag zurück, bis zu 53,8 Millionen neue Aktien auszugeben. Diese Emission hätte eine Verwässerung von 15 Prozent bedeutet und ein US-Listing sowie Expansion in KI, Photonik und Akquisitionen finanziert.
Trotzdem verließen die Aktionäre die Versammlung nicht ohne Ergebnis. Sie erteilten dem Vorstand eine Ermächtigung, dieselbe Anzahl neuer Aktien künftig auszugeben — per Bareinlage, Sacheinlage oder Forderungsverrechnung. Das schafft Flexibilität für eine spätere Kapitalerhöhung, ohne sofortige Verwässerung.
Außerdem zog der Vorstand drei Tagesordnungspunkte zu einem neuen Mitarbeiter-Incentive-Plan zurück. Die neu gewählten Direktoren sollen die Vergütungsstruktur erst prüfen, bevor ein überarbeiteter Plan vorgelegt wird.
Neues Board, ratifiziertes Wandeldarlehen
Die Hauptversammlung wählte Joakim Nideborn als stellvertretenden Vorsitzenden und Helena Svancar als neues Mitglied in den Aufsichtsrat. Nideborn übernimmt die Investor-Relations-Verantwortung — eine Schlüsselrolle für den Nasdaq-Vorstoß. Svancar bringt zwei Jahrzehnte M&A-Erfahrung mit. Bami Bastani wurde als Vorsitzender bestätigt.
Bei der Vergütung beschlossen die Aktionäre ein Modell aus Jahreshonorar und Aktienplan. Jedes Boardmitglied erhält eine Million schwedische Kronen, davon rund die Hälfte zum Kauf von Sivers-Aktien mit einjähriger Haltefrist.
Grünes Licht gab es für ein Wandeldarlehen. Die Hauptversammlung billigte die Vorstandsentscheidung vom 3. März 2026, ein gesichertes Darlehen über rund 327.000 US-Dollar aufzunehmen. Der Kreditgeber Bootstrap Europe 4.0 erhält 10,85 Prozent Jahreszins. Laufzeit bis Ende 2029, sofern keine frühere Wandlung erfolgt.
Rechtliche Risiken und operative Fortschritte
Im Hintergrund läuft eine Untersuchung der schwedischen Wirtschaftskriminalitätsbehörde. Der Verdacht: Insiderhandel, nachdem Details des Nasdaq-Plans vor der offiziellen Ankündigung im April online auftauchten. Die Aktie verzeichnete in den 48 Stunden davor auffällige Kursgewinne. Zwei US-Anwaltskanzleien prüfen mögliche Verstöße gegen Wertpapierrecht, ohne bisher Klagen eingereicht zu haben.
Hinzu kommt eine Bilanzkorrektur. Sivers hat seine Abschlüsse für 2024 und 2025 auf PCAOB-Standards umgestellt. Dabei stieg der Nettoverlust für 2025 auf 222,6 Millionen schwedische Kronen — gegenüber ursprünglich ausgewiesenen 186,5 Millionen.
Operativ zeigt das Unternehmen indes Fortschritte. Die Auftragspipeline wuchs seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar. Anfang Juni unterzeichnete Sivers einen Produktionsvertrag über 8,2 Millionen Dollar mit dem britischen Satellitenkommunikationsunternehmen ALL.SPACE für Ka-Band-Beamforming-Chips, Lieferung bis 2027.
Der Q1-Umsatz fiel mit 61,9 Millionen schwedischen Kronen um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. CEO Vickram Vathulya verwies auf den US-Regierungs-Shutdown im vierten Quartal 2025 und verzögerte Verteidigungsbudgets als Ursache — erwartete Erlöse aus dem ersten Halbjahr verschieben sich ins zweite.
Ausblick: Listing-Ambitionen leben weiter
Das Nasdaq-Vorhaben ist vertagt, nicht begraben. Die PCAOB-Umstellung der Jahresabschlüsse — aufwendig und kostspielig — zeigt, dass der Vorstand die US-Notierung weiterhin verfolgt. Der nächste konkrete Datenpunkt ist der Zwischenbericht am 6. August 2026.
Die Aktie reagierte auf die Hauptversammlungsergebnisse mit einem Plus von 8,53 Prozent auf 9,22 Euro. Innerhalb von 30 Tagen hat sich der Kurs mehr als verdoppelt — er liegt nun rund 83 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 5,03 Euro.
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