Xiaomi Aktie: EV-Hoffnung gegen Margendruck
Xiaomis Smartphone-Marktanteil sinkt, während Speicherchip-Kosten steigen. Die EV-Sparte soll den Konzern stabilisieren, doch die Nachfrage lässt nach.

Kurz zusammengefasst
- Smartphone-Marktanteil fällt auf elf Prozent
- Speicherchip-Kosten belasten Budget-Geräte
- EV-Lieferzeiten drastisch verkürzt
- Bestelleingänge bei E-Autos rückläufig
Xiaomi steckt in einer Zwickmühle. Das Smartphone-Geschäft schwächelt, während die junge Elektroauto-Sparte gerade zeigen soll, ob sie den Konzern retten kann. Am Freitag fiel die Aktie um 1,61 Prozent auf 3,02 Euro – Auslöser war ein Marktforschungsbericht, der ein unangenehmes Bild zeichnet.
Laut Omdia ist Xiaomis globaler Smartphone-Marktanteil im zweiten Quartal 2026 auf 11 Prozent gefallen. Samsung stieg mit 22 Prozent zum größten Smartphonehersteller der Welt auf, Apple kam auf 20 Prozent. Xiaomi verliert also nicht nur Boden, sondern fällt hinter beide Platzhirsche deutlich zurück.
Hinzu kommt ein struktureller Kostentreiber: Ein globaler Speicherchip-Superzyklus lässt die Materialkosten explodieren. Speicher- und Storage-Komponenten machen inzwischen rund 60 Prozent der Materialkosten bei Budget-Geräten aus. Ein Ende dieses Trends ist bislang nicht in Sicht.
Der Kursverfall der vergangenen Monate war entsprechend heftig. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 6,51 Euro im September 2025 hat sich die Aktie mit einem Minus von 53,66 Prozent nahezu halbiert.
Die entscheidende Frage
Xiaomis Investment-These hängt an einer einzigen Weichenstellung. Kann die wachsende EV-Sparte den Ergebnisdruck aus dem margenschwachen Smartphone-Geschäft ausgleichen, bevor der Speicherchip-Zyklus die Profitabilität weiter erodiert?
Charttechnisch bewegt sich die Aktie mit einem RSI von 61,6 in neutralem bis leicht überkauftem Terrain. Der Kurs liegt nur 1,74 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 2,96 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 3,82 Euro beträgt der Abstand aber noch immer -21,12 Prozent. Der mittelfristige Abwärtstrend ist trotz der jüngsten Erholung von 7,94 Prozent binnen 30 Tagen also noch nicht gebrochen.
Bullisches Szenario: Peking und die EV-Dynamik
Für eine Stabilisierung spricht zunächst der politische Rückenwind aus China. Peking will den Anteil neuer Energiefahrzeuge am gesamten Fahrzeugbestand bis 2030 auf rund 30 Prozent mehr als verdoppeln. Aktuell liegt dieser Anteil laut Berichten erst bei etwa zwölf Prozent. Ein solcher Aktionsplan nährt Hoffnung auf zusätzliche Kaufanreize – von denen auch Xiaomi profitieren könnte, das zugleich mit einer neuen SUV-Serie angreift.
Operativ hat Xiaomi seine Lieferengpässe beim YU7 deutlich abgebaut. Die Wartezeit für die Standardversion sank von ursprünglich 53 bis 56 Wochen auf inzwischen nur noch 7 bis 10 Wochen. Bei der Pro-Version verkürzte sie sich von 48 bis 51 Wochen auf 9 bis 12 Wochen, bei der Max-Variante von 33 bis 36 Wochen auf 11 bis 14 Wochen. Vorrätige Fahrzeuge werden teils sogar binnen zwei Stunden nach Bestellung ausgeliefert.
Für 2026 hat sich Xiaomi ambitionierte Ziele gesetzt. Firmenchef Lei Jun kündigte eine Auslieferung von 550.000 Fahrzeugen an – ein Wachstum von rund 34 Prozent gegenüber 2025. Hält sich die EV-Bruttomarge auf dem Niveau des Vorjahres, sieht die Rechnung noch besser aus: Im zweiten Quartal 2025 lag sie bei 26,4 Prozent und damit deutlich über Teslas 18,2 Prozent im selben Zeitraum. Gelingt beides, könnte das EV-Segment tatsächlich zum Gegengewicht für das schwächelnde Smartphone-Geschäft werden.
Bärisches Szenario: Nachlassende Nachfrage
Die Gegenrechnung ist ernst zu nehmen. Die drastisch verkürzten Lieferzeiten beim YU7 deuten nicht nur auf bessere Produktionskapazität hin. Marktbeobachter lesen darin auch ein Warnsignal: Schlicht nicht mehr viele Bestellungen sind übrig.
Zahlen von Goldman Sachs stützen diese Lesart. In der 13. Woche 2026 gingen nur 13.800 Bestellungen ein – ein Rückgang von 61 Prozent gegenüber der Vorwoche und 14 Prozent im Jahresvergleich.
Das Smartphone-Kerngeschäft bleibt derweil der eigentliche Umsatztreiber – und dort verschärft sich der Druck. Der Umsatz mit Smartphones fiel bereits um 10 Prozent auf 79,3 Milliarden Yuan. Analysten sehen laut Berichten sogar Abwärtsrisiko für die kommende Berichtssaison im August, da sinkende Umsätze und einbrechende Gewinne eher für weitere Schwäche sprechen.
Auch im EV-Geschäft selbst lauert Konkurrenzdruck. Xiaomis Produktpalette gilt mit nur zwei Modellfamilien als schmal. Der Konzern plant deshalb, 2026 vier bis sechs neue Modelle zu lancieren – ob das gelingt, ist offen.
Ausblick: Zwei Kräfte im Spannungsfeld
Solange die 50-Tage-Linie bei 2,96 Euro als Unterstützung hält und die kurzfristige Erholung anhält, spricht die Chartlage für eine Stabilisierungsphase. Der Kursrutsch der vergangenen zwölf Monate lag bei 51,45 Prozent – eine reine Fortsetzung dieser Talfahrt scheint charttechnisch derzeit nicht das wahrscheinlichste Szenario.
Kippt der Bestelleingang bei den EV-Modellen jedoch weiter ab, während die Speicherchip-Kosten die Smartphone-Margen zusätzlich belasten, dürfte sich der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt eher vergrößern als schließen. Der nächste konkrete Prüfstein ist die für das dritte Quartal 2026 erwartete Berichtssaison. Dort muss sich zeigen, ob die EV-Sparte den Margendruck aus dem Smartphone-Geschäft tatsächlich auffangen kann – oder ob nachlassende Bestelleingänge und schrumpfender Marktanteil gemeinsam auf die Profitabilität durchschlagen.
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