Commerzbank Aktie: Klingbeil trifft Orcel am 14. September
Finanzminister Klingbeil trifft UniCredit-Chef Orcel am 14. September. Der Konzern hält rund 48 Prozent an der Commerzbank.

Kurz zusammengefasst
- Klingbeil empfängt UniCredit-Chef Orcel
- UniCredit hält rund 48 Prozent
- Weidmann verlangt strengere Übernahmeregeln
- Commerzbank-Aktie nahe 52-Wochen-Hoch
Die Bundesregierung rückt im Übernahmepoker um die Commerzbank ein Stück weiter von ihrer bisherigen Zurückhaltung ab. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil trifft sich am 14. September mit UniCredit-Chef Andrea Orcel, wie Reuters berichtete. Es wäre das bislang deutlichste Signal, dass Berlin direkte Gespräche mit den Italienern über die Zukunft der Commerzbank führen will.
Zugleich dementierte ein Regierungssprecher, dass Bundeskanzler Friedrich Merz selbst Gespräche mit UniCredit plane. Aktuell gebe es dazu keine Termine anzukündigen, hieß es. Die Zuständigkeit für die Verhandlungen liegt damit erkennbar bei Klingbeil und nicht auf Kanzlerebene – ein Unterschied, der für den weiteren Verlauf der Übernahme entscheidend sein könnte.
UniCredit nähert sich der Kontrollschwelle
Nach Angaben von Reuters hält UniCredit inzwischen rund 48 Prozent an der Commerzbank. Der italienische Konzern rückt damit spürbar an die faktische Kontrollmehrheit heran.
Verschärft wird die Lage dadurch, dass die Commerzbank eigene Aktien eingezogen hat – ein Schritt, der den prozentualen Anteil von UniCredit an der Gesamtzahl der Stimmrechte automatisch weiter erhöht, ohne dass die Italiener zusätzliche Aktien zukaufen müssten. Die Commerzbank bezifferte die Gesamtzahl der Stimmrechte nach einer Pflichtmitteilung zuletzt auf gut 1,08 Milliarden, wirksam seit dem 19. August.
Berlin selbst hatte bereits Mitte August laut Reuters Offenheit signalisiert, die verbliebene staatliche Commerzbank-Beteiligung an UniCredit zu verkaufen – vorausgesetzt, sich beide Banken verständigen auf eine gemeinsame Strategie. UniCredit wiederum teilte mit, eine zentrale Bedingung des eigenen Angebots, die regulatorische Freigabe, sei bereits erfüllt.
Aufsichtsratschef fordert schärfere Übernahmeregeln
Nicht alle in der Commerzbank-Führung tragen die Annäherung mit derselben Gelassenheit mit. Aufsichtsratschef Jens Weidmann verlangte laut Reuters eine Überprüfung der deutschen Übernahmeregeln. Seiner Darstellung nach habe UniCredit faktische Kontrolle erlangt, ohne den Aktionären eine ausreichende Prämie zu bieten.
Der Vorstoß zeigt, dass der Widerstand gegen die Übernahme innerhalb der Bank nicht verschwunden ist, selbst wenn sich Vorstandschefin Bettina Orlopp bereits Anfang August deutlich versöhnlicher geäußert hatte. Sie sagte damals, ein Zusammenschluss mit UniCredit könne für beide Seiten Wert schaffen – laut Reuters eine klare Kurskorrektur gegenüber früheren Positionen des Managements.
Für zusätzliche Unruhe sorgte eine juristische Altlast: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erhob Anklage gegen vier ehemalige Commerzbank-Mitarbeiter wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften aus dem Jahr 2008. Der behauptete Steuerschaden liegt bei mehr als 20 Millionen Euro.
Mit dem laufenden Übernahmeprozess hat der Fall direkt nichts zu tun, doch er erinnert daran, dass die Bank auch abseits der UniCredit-Frage mit ihrer Vergangenheit beschäftigt bleibt.
Aktie nahe Rekordhoch
Die Commerzbank-Aktie notiert bei 40,24 Euro und damit nur 1,9 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro, das erst kürzlich erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 11 Prozent zu Buche, auf Sicht von 30 Tagen legte das Papier um 6,7 Prozent zu.
Der Markt preist damit erkennbar eine wachsende Wahrscheinlichkeit ein, dass sich Berlin und UniCredit auf einen geordneten Übergang verständigen. Ob das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel am 14. September tatsächlich zu konkreten Ergebnissen führt, dürfte in den kommenden Wochen zum entscheidenden Prüfstein für diese Erwartung werden.
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