ASML: 60 EUV-Systeme 2026 geplant

ASML überzeugt mit starken Quartalszahlen und Kapazitätsausbau. Analysten sehen Kurspotenzial, während das China-Risiko an Bedeutung verliert.

Andreas Sommer ·
ASML Holding Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldman und Bernstein bestätigen ASML
  • Zeiss investiert in Kapazitätserweiterung
  • China-Anteil am Umsatz sinkt
  • Aktie erholt sich um 6,1 Prozent

Für mich ist die Sache eindeutig: Die Bewegung, die ASML seit Anfang August erfasst hat, ist kein reiner Nachrichtenreflex. Sie fußt auf einer Kombination aus belastbaren Kapazitätsdaten, zwei prominenten Analystenurteilen und einer China-Debatte, die sich bei genauem Hinsehen relativiert. Wer die Aktie allein an der Tagesbewegung misst, verpasst die eigentliche Geschichte.

Goldman und Bernstein: Zwei Bekenntnisse binnen einer Woche

Am 3. August nahm Goldman Sachs ASML in seine europäische Conviction List für August auf, zusammen mit Sika und Puig. Analyst Alex Duval begründete den Schritt mit einer verbesserten Sichtbarkeit bei Kapazitätserweiterungen, getragen von einem starken Auftragseingang sowohl im Logic- als auch im DRAM-Segment. Seine Schätzungen liegen für die Geschäftsjahre 2027 bis 2029 zwischen 5 und 18 Prozent über dem Marktkonsens beim Gewinn pro Aktie. Duval erwartet zudem, dass die Marge von rund 41 Prozent im Geschäftsjahr 2026 bis 2029 auf etwa 50 Prozent steigt – getrieben von Preissetzungsmacht, einer Verschiebung hin zu höherpreisigen Plattformen und operativer Hebelwirkung.

Nahezu gleichzeitig kürte Bernstein ASML zu einer seiner Top-Ideen für das dritte Quartal 2026, bekräftigte die Einstufung Outperform und nannte ein Kursziel von 2.500 Euro. Bemerkenswert finde ich, wie explizit Bernstein die China-Sorgen einordnete: Chinesische Unternehmen, die bei DUV-Lithografie Fortschritte machen, liegen der Einschätzung zufolge technologisch noch Jahre zurück. China steuerte im ersten Halbjahr 2026 nur 16 Prozent zum ASML-Umsatz bei.

Zeiss legt nach: Kapazitätsausbau als Fundament

Was diese Kursziele für mich glaubwürdig macht, ist die operative Untermauerung durch Carl Zeiss SMT, den exklusiven Optiklieferanten von ASML. Zeiss erklärte am 3. August, der steigenden Nachfrage gewachsen zu sein, und kündigte langfristige Kapazitätsprojekte an – darunter eine Erweiterung des Hauptsitzes in Oberkochen und ein neues Werk an einem weiteren Standort. ASML plant demnach, 2026 mindestens 60 EUV-Lithografiesysteme zu produzieren.

Das passt zu den Zahlen, die ASML bereits im Juli vorgelegt hatte: Im zweiten Quartal 2026 erzielte der Konzern 9,3 Milliarden Euro Umsatz bei einer Bruttomarge von 54,0 Prozent und einem Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde auf 43 bis 45 Milliarden Euro Umsatz angehoben, bei einer Marge zwischen 54 und 56 Prozent. Für das dritte Quartal erwartet ASML 11,0 bis 12,0 Milliarden Euro Umsatz mit einer Marge von 55 bis 57 Prozent. CEO Christophe Fouquet sprach von einem im ersten Halbjahr „extrem starken“ Auftragseingang und kündigte an, die Low-NA-EUV-Kapazität sowie die DUV-Immersionskapazität 2026 jeweils um 30 Prozent auszubauen. Wer solche Zahlen mit dem Zeiss-Ausbau zusammendenkt, erkennt: Hier wird nicht spekuliert, sondern gebaut.

China-Risiko: kleiner werdender Anteil, größere politische Fragen

Der China-Anteil an ASMLs Systemumsatz sank im zweiten Quartal Medienberichten zufolge auf 14 Prozent, nach 19 Prozent im ersten Quartal – ein Rückgang, der sowohl auf verschärfte Exportbeschränkungen als auch auf alternative Lieferwege chinesischer Chiphersteller zurückgeht. BofA bezeichnete Ende Juli die Sorgen um chinesische Fortschritte als Überreaktion der Anleger, nachdem Berichte über einen chinesischen Chip-Durchbruch zeitweise den Handel an der Kospi ausgesetzt hatten.

Ganz ausgeräumt ist die politische Komponente allerdings nicht. Im Juni äußerte US-Handelsminister Howard Lutnick laut Bloomberg gegenüber ASML-Führungskräften Bedenken zu EUV-Maschinen, die TSMC zur Fertigung von Prozessoren für Nvidia und Apple nutzt. ASML wies zurück, jemals eine EUV-Maschine oder speziell dafür konzipierte Komponenten nach China geliefert zu haben. Parallel dazu treibt der US-Kongress mit dem sogenannten MATCH Act eine Gesetzesinitiative voran, die den Export sämtlicher DUV-Immersionsanlagen nach China verbieten und Servicetätigkeiten dort weiter einschränken würde. Das ist kein akutes Risiko, aber ein Thema, das ich im Blick behalten würde.

Mein Fazit

ASML zahlte am Mittwoch eine Zwischendividende von 1,88 Euro pro Aktie aus und führt parallel sein laufendes Aktienrückkaufprogramm fort – zwei Signale, die für finanzielle Stabilität sprechen. Der Kurs hat sich binnen sieben Tagen um 6,10 Prozent erholt und notiert vorbörslich bei 1.516,40 Euro, bleibt damit aber 13,25 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Genau darin liegt für mich die eigentliche Botschaft: Die Aktie hat nach dem Rücksetzer der vergangenen Wochen noch Luft nach oben, ohne bereits wieder an ihre Höchststände heranzureichen. Die fundamentale Basis – Kapazitätsausbau, Margenausblick, relativierte China-Abhängigkeit – überzeugt mich mehr als die kurzfristige Kursbewegung. Die nächsten Quartalszahlen werden Marktschätzungen zufolge Mitte Oktober erwartet; bis dahin dürfte sich zeigen, ob der Auftragsschwung anhält, den Fouquet im Juli beschrieben hat.

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ASML Holding Aktie

1.499,00 EUR

+ 5,00 EUR +0,33 %
KGV 58,83
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,29 %
Marktkapitalisierung 575,77 Mrd. EUR
ISIN: NL0010273215 WKN: A1J4U4

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