Intuitive Surgical Aktie: J&J-Ottava kostet 2,18 Prozent
Johnson & Johnson erhält FDA-Zulassung für OP-Roboter Ottava. Intuitive Surgical Aktie fällt auf neues Jahrestief, während Analysten trotzdem optimistisch bleiben.

Kurz zusammengefasst
- FDA-Zulassung für Johnson & Johnsons Ottava
- Intuitive Surgical Aktie fällt auf Jahrestief
- Optionsmarkt signalisiert weiteren Kursrückgang
- Analysten halten an Kaufempfehlungen fest
Ein neuer Konkurrent bekommt grünes Licht von der US-Zulassungsbehörde. Für Intuitive Surgical könnte das den Beginn einer neuen Wettbewerbsära bedeuten. Die Aktie des Robotik-Pioniers fällt am Donnerstag um 2,18 Prozent auf 292,35 Euro und nähert sich damit ihrem frischen 52-Wochen-Tief von 289,05 Euro.
Johnson & Johnson knackt Marktbarriere
Johnson & Johnson hat von der US-Arzneimittelbehörde FDA die Marktzulassung für sein neues OP-Robotersystem Ottava erhalten. Der Konzern steigt damit erstmals in die robotergestützte Weichteilchirurgie ein. Genau das ist der Markt, in dem Intuitive Surgical seit Jahren die dominante Stellung hält.
Das Ottava-System integriert die Roboterarme direkt in den OP-Tisch. Gegenüber den klassischen Boom-and-Car-Systemen von Intuitive spart das bis zu 50 Prozent Stellfläche im Operationssaal. Johnson & Johnson kündigt bereits den sofortigen kommerziellen Start mit ausgewählten US-Kliniken an, dazu zügige Markteinführungen in Westeuropa und Japan.
Die Aktie von Intuitive Surgical lag bereits vor dieser Nachricht rund 35 Prozent im Minus seit Jahresbeginn. Die FDA-Zulassung für Ottava verstärkt den Abwärtsdruck zusätzlich.
Optionsmarkt wettet auf weiteren Rückgang
Auch am Terminmarkt zeigt sich wachsende Nervosität. Das Put-Call-Verhältnis für Kontrakte mit Verfall Ende August liegt bei 1,29 – ein klares bärisches Signal. Der untere Ausübungspreis dieser Kontrakte liegt bei 317 US-Dollar und deutet auf das Potenzial für einen weiteren Kursrückgang von rund 7 Prozent hin.
Charttechnisch ist die Aktie deutlich überverkauft. Der 14-Tage-RSI notiert bei 29,4 und damit unter der Schwelle von 30, ab der Analysten üblicherweise von überverkauften Bedingungen sprechen. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand mittlerweile 30,08 Prozent – ein Ausmaß, das zeigt, wie stark sich die Stimmung seit Jahresbeginn eingetrübt hat.
Starke Zahlen, trotzdem Ausverkauf
Die aktuelle Schwäche folgt auf eine harsche Reaktion der Anleger auf die Quartalszahlen. Intuitive Surgical meldete einen Umsatz von 2,89 Milliarden US-Dollar, ein Plus von fast 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der Profitabilität übertraf der Konzern die Analystenschätzungen deutlich.
Der Markt bestrafte die Aktie trotzdem. Der wahrscheinliche Grund: das nachlassende Wachstum bei den da-Vinci-Eingriffen in den USA, dem wichtigsten Absatzmarkt des Unternehmens. Das Management bestätigte zwar die Jahresprognose von 13,5 bis 15,5 Prozent Wachstum bei den weltweiten da-Vinci-Prozeduren.
Im US-Markt allein verlangsamte sich das Prozedurenwachstum im zweiten Quartal jedoch auf 12 Prozent. Besonders betroffen sind sogenannte „benigne“ chirurgische Kategorien – Patienten schieben diese Eingriffe wegen wirtschaftlicher Unsicherheit zunehmend auf. Hinzu kommt ein regulatorischer Gegenwind: Das Auslaufen erweiterter Steuergutschriften unter dem Affordable Care Act führt zu Versicherungslücken bei Patienten. Das Management nennt genau das als einen der Haupttreiber für die aktuelle Nachfrageschwäche bei elektiven robotergestützten Eingriffen.
Analysten halten an Kurszielen fest
Trotz der charttechnischen Schäden und der neuen Konkurrenz hat die Wall Street ihre positive Grundhaltung nicht aufgegeben. Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Moderate Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 509 US-Dollar. Mehrere Häuser senkten nach den Quartalszahlen zwar ihre Kursziele – darunter Bernstein und Stifel –, hielten aber an ihrer positiven Einstufung fest.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie ernst der Markt die Konkurrenz durch Ottava tatsächlich nimmt. Sollte sich der Ausverkauf fortsetzen und die Marke von 317 US-Dollar unterschreiten, wäre das ein Signal, dass Anleger die bisherige Premium-Bewertung von Intuitive Surgical grundlegend neu verhandeln.
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