Brent: Saudi-Angebot bremst Rally
Saudi-Arabiens zusätzliche Öllieferungen bremsen Brent, während Pipeline- und Hormusrisiken sowie Rekordpreise an deutschen Tankstellen bleiben.

Kurz zusammengefasst
- Brent verliert 1,2 Prozent
- Saudi-Arabien stellt zusätzliche Ladungen bereit
- Pipeline-Ausfall könnte Ölangebot verringern
- Diesel und E10 erreichen Tagesrekorde
Ein Angebot aus Riad hat am Donnerstag ausgereicht, um die jüngste Ölrally vorerst zu stoppen. Saudi-Arabien bietet zusätzliche Rohölladungen über Oman an, um die Sorgen vor Lieferausfällen im Nahen Osten zu dämpfen. Brent-Futures fielen daraufhin um 1,24 Dollar beziehungsweise 1,2 Prozent auf 104,59 Dollar je Barrel, US-Öl der Sorte WTI gab ähnlich stark nach.
Die Erleichterung wirkt allerdings fragil. Nur Stunden zuvor hatte Brent bei rund 108 Dollar gehandelt, dem höchsten Stand seit Mai. Der Grund: Der Krieg zwischen dem Iran und den USA weitet sich aus. Saudi-Arabien fliegt Luftangriffe gegen die vom Iran unterstützten Houthi-Kämpfer im Jemen, die ihrerseits Drohnen und Raketen auf saudische Städte abfeuern.
Ein Angriff beschädigte zudem die wichtige Ost-West-Pipeline des Königreichs. Bleibt die Leitung länger außer Betrieb, könnten laut Marktteilnehmern bis zu vier Prozent der weltweiten Ölversorgung wegfallen.
Hormus und Jemen als Risikofaktoren
Der eigentliche Kern der Nervosität liegt in der Straße von Hormus, durch die vor Kriegsbeginn rund 20 Prozent des globalen Öl- und LNG-Handels liefen. Die Ausweitung der Kämpfe auf Jemen und die saudisch-jemenitische Grenze verschärft das Risiko zusätzlich — die USA haben ihre Reisewarnung für Saudi-Arabien verschärft und ihren Regierungsmitarbeitern die Einreise in einen 30-Kilometer-Streifen zur jemenitischen Grenze untersagt.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich derweil optimistisch, der Krieg mit dem Iran könnte sich dem Ende nähern, und sprach von direktem Kontakt mit Teheran. Konkrete Zusagen blieben jedoch aus. Politisch brisant: Die hohen Energiepreise werden für Trumps Republikaner vor den Midterms im November zunehmend zur Belastung.
Tankstellen spüren die Verzögerung
In Deutschland kommt die Entspannung an den Rohstoffmärkten an den Zapfsäulen bislang nicht an. Diesel kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,453 Euro je Liter — ein neuer Rekord, 0,6 Cent über dem bisherigen Höchststand vom April.
Auch Super E10 markierte mit 2,314 Euro den fünften Tagesrekord in Folge. Seit Kriegsbeginn Ende Februar hat sich Diesel um rund 71 Cent verteuert, E10 um etwa 54 Cent.
Von den hohen Kraftstoffpreisen profitieren Raffinerie- und Tankstellenbetreiber wie Shell und OMV, deren Aktienkurse zuletzt neue Höchststände erreichten.
Für die Ölpreise selbst dürfte die Entwicklung an der saudisch-jemenitischen Front in den kommenden Tagen entscheidend bleiben — ebenso wie ein mögliches Treffen Trumps mit Golfstaaten-Vertretern am Rande der UN-Generalversammlung, bei dem laut Berichten die nächsten Schritte im Konflikt besprochen werden sollen.
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