CATL Aktie: Probeproduktion in Debrecen angelaufen
Das ungarische Werk ist zunächst auf 40 Gigawattstunden Jahreskapazität ausgelegt; CATL beziffert die Gesamtinvestition auf rund 7,34 Milliarden Euro.

Kurz zusammengefasst
- Testbetrieb auf zwei Zelllinien angelaufen
- Zwei weitere Linien nach Anpassungen vorgesehen
- Rund 2.900 Beschäftigte am Standort
- Tochter plant Anlage für Batteriesysteme
Der chinesische Batteriekonzern CATL treibt seine europäische Fertigung voran. Im neuen Batteriezellwerk im ungarischen Debrecen läuft seit dem 22. September die Probeproduktion auf den ersten zwei Zellfertigungslinien. Gestern gewährte das Unternehmen erstmals Journalisten Einblick in die hochautomatisierte Fabrik, die zu einem zentralen Pfeiler der Lieferketten für europäische Automobilhersteller werden soll.
Produktionshochlauf über mehrere Monate
Die Fabrik ist in der ersten Ausbaustufe für eine jährliche Zellkapazität von 40 Gigawattstunden ausgelegt. Nach technischen Anpassungen sollen zwei weitere Fertigungslinien an den Start gehen.
Das Hochfahren auf die volle Kapazität der aktuellen Stufe dürfte nach Einschätzung von CATL-Geschäftsführer Shen Feng etwa zwei bis vier Monate in Anspruch nehmen. Der genaue Zeitpunkt hängt dabei vom Tempo des Hochlaufs, der Qualitätskontrolle und der Validierung durch die Kunden ab.
Nach vorangegangenen Prüfungen durch Behörden und Kontrollen zum Arbeitsschutz sieht das Unternehmen die Bedingungen für den Testbetrieb als erfüllt an. Laufende behördliche Kontrollen werden fortgesetzt. Um Umweltauflagen zu begegnen, setzt das Werk auf adiabatische Kühltürme, die den industriellen Wasserverbrauch der Anlage um 30 Prozent senken sollen. Das Gesamtprojekt ist langfristig auf eine Kapazität von 100 Gigawattstunden ausgelegt.
Milliardenschwere Investitionen und politische Debatten
Die Gesamtinvestitionen in Debrecen beziffert CATL auf rund 7,34 Milliarden Euro. Bislang flossen bereits etwa 900 Milliarden Forint in den ungarischen Standort, an dem das Unternehmen rund 2.900 Menschen beschäftigt. Vor Ort wurden bereits seit Herbst 2024 rund 540.000 Batteriemodule gefertigt.
Parallel zum Fertigungsstart sieht sich das Vorhaben in Ungarn allerdings neuen politischen Diskussionen ausgesetzt. Gestern entbrannte eine Debatte über angebliche staatliche Hilfen: Aus Reihen der Opposition wurde behauptet, das Projekt erhalte direkte und indirekte Zuwendungen im Umfang von rund 320 Milliarden Forint, einschließlich Infrastrukturmaßnahmen.
CATL wies diese Summe zurück. Das Unternehmen kenne lediglich einen 2025 geschlossenen Fördervertrag im einstelligen Milliarden-Forint-Bereich, dessen exakte Höhe vertraulich sei.
Strategischer Knotenpunkt für Europa
Der Ausbau in Ungarn ist für den Weltmarktführer von zentraler Bedeutung, um die wachsende Nachfrage europäischer Hersteller direkt vor Ort zu bedienen. Nach einer Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment gehören derzeit mehr als 85 Prozent der aktiven europäischen Batteriezellkapazität nicht-europäischen Herstellern.
Zusätzliche Aktivitäten zeichnen sich am Standort bereits ab: Eine lokale Konzerntochter plant im selben Industriegebiet eine weitere Anlage zur Weiterverarbeitung von Batteriesystemen.
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