Thyssenkrupp Aktie: 5,35-Prozent-Absturz auf 10,79 Euro

Thyssenkrupp-Aktie fällt auf 10,79 Euro, während IG Metall in Berlin protestiert. Konzern kämpft mit Energiepreisen, Importdruck und grünem Umbau.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • Aktie fällt um 5,35 Prozent
  • IG Metall demonstriert in Berlin
  • Stahlproduktion auf Tiefstand seit 2009
  • EU verschärft Importzölle auf Stahl

Der Kursrutsch bei Thyssenkrupp ist heute nicht nur eine Zahl — er ist ein Echo. Während die Aktie auf 10,79 Euro absackt, ein Minus von 5,35 Prozent auf Tagesbasis, rüstet die IG Metall für einen Marsch durch Berlin. Beides gehört zusammen.

Ein Protestzug als Fieberkurve

An diesem Freitag, dem 12. Juni, ziehen Tausende Beschäftigte vom Brandenburger Tor bis zum Bundeswirtschaftsministerium. Die IG Metall macht Druck für die Stahlbranche. Für Anleger ist diese Demonstration mehr als ein politisches Spektakel. Sie ist ein Symptom — und ein Indikator dafür, wie weit der Weg zur Stabilisierung der Stahlsparte noch ist.

Die Forderungsliste der IG Metall liest sich dabei wie eine Wunschliste des Konzernmanagements. Hohe Energiepreise, schwache Nachfrage, Importdruck und die Kosten des grünen Umbaus: Was die Gewerkschaft beklagt, belastet Thyssenkrupp direkt. Besonders der Industriestrompreis trifft den Konzern. Energieintensive Betriebe zahlen in Deutschland seit Jahren mehr als Wettbewerber in anderen Regionen.

Das Importproblem trifft die Tochter Thyssenkrupp Electrical Steel besonders hart. Am Standort Isbergues in Frankreich stoppt die Produktion von Juni bis September vollständig — rund 600 Beschäftigte sind betroffen. Asiatische Anbieter decken mittlerweile mehr als die Hälfte des EU-Marktvolumens ab, teils deutlich unter europäischen Produktionskosten.

Brüssel hat reagiert. Die EU-Staaten halbieren die zollfreie Einfuhrmenge fast vollständig. Darüber hinausgehende Mengen belegt die EU mit einem Strafzoll von 50 Prozent — doppelt so viel wie bisher. Das ist Rückenwind. Kein Heilmittel.

Die Gleichzeitigkeit macht es so schwer

Was Thyssenkrupp von anderen Restrukturierungsfällen unterscheidet, ist die Gleichzeitigkeit der Belastungen. Steigende Energiepreise, billige Importe aus China, US-Zölle und der teure Umbau hin zu grünem Stahl treffen den Konzern zur selben Zeit. Im vergangenen Jahr fiel die Produktion der deutschen Stahlindustrie auf 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl — der niedrigste Wert seit der Finanzkrise 2009. Thyssenkrupp ist das größte Gesicht dieser Krise, aber nicht ihr Urheber.

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Intern läuft der Umbau. Der Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall steht seit Dezember 2025. Bis 2030 sollen rund 11.000 der etwa 26.000 Stellen wegfallen oder ausgelagert werden. Hart, sozial umstritten — aber die Grundlage für die Neuaufstellung.

Die Kursentwicklung erzählt eine Geschichte in zwei Hälften. Seit dem 52-Wochen-Tief hat die Aktie 52 Prozent zugelegt. Auf Jahressicht steht ein Plus von 27 Prozent. Die jüngste Schwäche ist allerdings real: minus 7,54 Prozent in sieben Tagen. Mit 10,79 Euro liegt das Papier nun deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro. Ein RSI von 49 signalisiert weder Überhitzung noch Panikverkäufe. Die Aktie befindet sich in einem Schwebezustand — der zum Gesamtbild passt.

Politisches Schicksal als Kursrisiko

Was die Berliner Demonstration für Kapitalmarktbeobachter besonders interessant macht, ist ihr Subtext. Im Juli will die EU-Kommission Vorschläge zur Revision des Emissionshandels vorlegen. Aus Industrie und Teilen der Politik wächst der Druck, das Klimaschutzinstrument aufzuweichen. Für Thyssenkrupp wäre das ein Doppelschlag: Der CO₂-Grenzausgleich CBAM, der Importstahl verteuert, würde geschwächt. Parallel würde die politische Grundlage für Investitionen in grünen Stahl wackeln.

Kann die Branche den Umbau hin zu grünem Stahl stemmen, wenn die politischen Rahmenbedingungen gleichzeitig erodieren? Diese Frage stellen sich nicht nur Gewerkschafter, sondern auch Analysten und Investoren — und eine Antwort zeichnet sich in Berlin und Brüssel noch nicht ab.

Stahl ist industriepolitisches Schlüsselthema. Die Branche liefert Vorprodukte für Autoindustrie, Maschinenbau, Bauwirtschaft und Verteidigungstechnik. Wenn große Standorte dauerhaft an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, betrifft das ganze industrielle Wertschöpfungsketten. Die Thyssenkrupp-Aktie ist damit mehr als ein Restrukturierungsfall. Sie ist ein Seismograph für die Frage, ob Deutschland seinen Industriekern in einer Welt mit Klimapolitik, Importdruck und hohen Energiekosten noch halten kann. Die Antwort darauf wird nicht nur in Duisburg geschrieben — sondern auch in Berlin und Brüssel.

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Thyssenkrupp Aktie

10,88 EUR

– 0,48 EUR -4,23 %
KGV 1.162,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,28 %
Marktkapitalisierung 7,23 Mrd. EUR
ISIN: DE0007500001 WKN: 750000

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