Oracle Aktie: Dreifacher Gegenwind
Ein geplatzter Tencent-Vertrag, hohe Finanzierungskosten und politische Risiken setzen Oracle und den KI-Sektor unter Druck.

Kurz zusammengefasst
- Sieben-Milliarden-Dollar-Vertrag mit Tencent geplatzt
- Kapitalaufnahme über 20 Milliarden Dollar abgeschlossen
- Oracle-Aktie erreicht neues 52-Wochen-Tief
- US-Wahlresultate belasten KI-Infrastrukturwerte
Oracle erlebt einen Handelstag, an dem sich Unternehmensprobleme und Makrostimmung gegenseitig verstärken. Die Aktie fiel zeitweise um gut neun Prozent auf 112,43 Dollar und markierte ein frisches 52-Wochen-Tief. Zum Handelsschluss lag das Minus bei rund acht Prozent.
Tencent-Deal geplatzt
Der unmittelbarste Auslöser: Ein auf fünf Jahre angelegter Chip-Leasingvertrag mit Tencent über sieben Milliarden Dollar ist offenbar vom Tisch. Er hätte dem chinesischen Konzern Zugriff auf bis zu 100.000 KI-Chips in Rechenzentren in Südostasien verschafft. Nach Einwänden der Trump-Regierung wurde das Geschäft abgebrochen.
Für Oracle wäre es der größte Leasingvertrag im Ausland gewesen. Der Fall zeigt zudem, wie stark geopolitische Reibung das Geschäft amerikanischer Cloud-Anbieter mit chinesischen Kunden belasten kann.
Bilanz unter Beobachtung
Hinzu kommt die jüngst abgeschlossene Kapitalaufnahme über 20 Milliarden Dollar. Je zur Hälfte flossen neue Aktien mit einem Abschlag von etwa 11 Prozent und Anleihen mit einem durchschnittlichen Kupon von 7,77 Prozent an den Markt. Anleger stören sich an der Verwässerung und an einer Nettoverschuldung, die sich der Marke von 100 Milliarden Dollar nähert. Der Free Cashflow ist weiterhin negativ.
Analysten halten dagegen, konnten den Verkaufsdruck aber nicht bremsen. UBS bleibt bei „Buy“ und hält die Sorgen um die KI-Nachfrage für übertrieben. Stephens hatte Oracle zu Wochenbeginn auf „Overweight“ hochgestuft.
Politik drückt auf den KI-Sektor
Den Rahmen setzten die US-Zwischenwahlen. Die Demokraten legten deutlich zu und drehten mehrere traditionell republikanische Staaten, darunter Texas. Der designierte Gouverneur kündigte an, die Stromzuteilung für Rechenzentren zu beschränken. In mehreren Staaten stimmten Wähler zudem für Auflagen gegen Datenzentren.
Der Nasdaq verlor im Tagesverlauf zeitweise mehr als fünf Prozent, der S&P 500 gab deutlich nach. Reine KI-Infrastrukturwerte wie CoreWeave traf es besonders hart.
OpenAI reagierte noch am Abend und versprach, die Stromkosten seiner künftigen Campus selbst zu tragen. Für Oracle ist das Detail brisant: Der Konzern baut und besitzt einen Großteil der für OpenAI reservierten Infrastruktur. Ob die Zusagen auch für solche Partner-Standorte gelten, hat OpenAI nicht erklärt.
Die Aktie notiert nun rund 50 Prozent unter ihrem Hoch von 250,25 Dollar. Ob die Marke von 112 Dollar als Boden hält, dürfte sich schon in den nächsten Handelstagen zeigen.
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