SpaceX: 116 Milliarden Dollar Aktienfreigabe
SpaceX veröffentlicht erste Quartalszahlen, während ein Aktienpaket von 116 Milliarden Dollar den Markt belasten könnte. Analysten sehen den Kurs vor einer Bewährungsprobe.

Kurz zusammengefasst
- Erster Börsenbericht seit dem IPO
- Lockup-Ende: 116 Mrd. Dollar Aktien
- Kurs nahe 52-Wochen-Tief
- Analysten erwarten massive Verkäufe
SpaceX-Aktionäre stehen vor der wohl entscheidendsten Handelswoche seit dem Börsengang. Am Dienstag legt der Raumfahrtkonzern erstmals als börsennotiertes Unternehmen Quartalszahlen vor. Nur zwei Tage später droht eine der größten Lockup-Auflösungen der Börsengeschichte.
Die Aktie hat bereits kräftig gelitten. Am Freitag schloss das Papier bei 93,96 Euro, ein Minus von 3,48 Prozent an einem einzigen Tag. Auf Monatssicht steht ein Verlust von 32,10 Prozent zu Buche, der Kurs liegt nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 93,41 Euro. Vom Rekordhoch aus dem Juni bei 194,46 Euro hat sich die Aktie mehr als halbiert.
Erster Quartalsbericht als Nagelprobe
Nach Börsenschluss am Dienstag, den 4. August 2026, veröffentlicht SpaceX die Zahlen zum zweiten Quartal. Das Management überträgt anschließend einen Audio-Webcast. Es ist der erste Ergebnisbericht seit dem Börsengang – und Investoren wollen wissen, ob das operative Geschäft die hohe Bewertung rechtfertigt.
Die Wachstumsgeschichte ist eindeutig. Der Umsatz kletterte von 10,4 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf 18,7 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Allerdings kippte die Gewinnlage: Auf einen Profit von 791 Millionen Dollar im Jahr 2024 folgte im Jahr darauf ein Verlust von 4,9 Milliarden Dollar.
Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um mehr als 15 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust weitete sich im Jahresvergleich aber drastisch aus, von 528 Millionen auf 4,3 Milliarden Dollar. Parallel dazu explodierten die Investitionsausgaben: von 4,4 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf 20,7 Milliarden Dollar im Jahr 2025.
Die eigentliche Gefahr: eine gewaltige Aktien-Freigabe
Die Zahlen sind aber nicht das größte Risiko dieser Woche. Am 6. August läuft die Haltefrist für Vor-Börsengang-Aktionäre aus. Rund 911,5 Millionen Aktien im Wert von etwa 116 Milliarden Dollar könnten dann auf den Markt kommen.
Nach den Quartalszahlen könnten zusätzlich weitere 20 Prozent der ausstehenden SpaceX-Aktien handelbar werden. Das würde den frei handelbaren Anteil mehr als vervierfachen.
Der Grund liegt in der Struktur des Börsengangs selbst. Beim IPO wurden weniger als 5 Prozent aller ausstehenden Aktien öffentlich zum Kauf angeboten. Dieser extrem enge Streubesitz hat nach Einschätzung von Analysten sowohl die anfängliche Rally als auch den anschließenden Absturz verstärkt.
Morningstar-Analyst Nicolas Owens rechnet damit, dass ein Großteil der freigegebenen Aktien tatsächlich verkauft wird. Sein Argument: Die bestehenden Verkäufer haben niedrige Einstandskosten und lange Haltezeiten. Zur jüngsten Kursschwäche merkt er an, ein guter Teil des Rückgangs könnte bereits eine Vorwegnahme der kommenden Verwässerung sein.
Weitere Freigaben bis Jahresende
Der August markiert nur die erste Welle. Bis zum Jahresende sollen laut dem gestaffelten Freigabeplan bis zu 5,3 Milliarden Aktien handelbar werden. Nicht alle frühen Investoren zeigen sich davon beunruhigt – Chad Anderson, ein früher SpaceX-Investor, erklärte gegenüber CNBC, er bleibe investiert und plane keinen Verkauf nach Ablauf der Sperrfrist.
Operatives Geschäft läuft weiter
Während an der Börse die Nerven blank liegen, hält SpaceX sein Startprogramm auf hohem Tempo. Der 13. Flug des Super-Heavy-Starship-Systems brachte kürzlich einen Booster zu einer zielgenauen, aber „harten“ Wasserung vor der texanischen Golfküste. Die Starship-Oberstufe absolvierte parallel einen erfolgreichen suborbitalen Sprung zum Indischen Ozean und setzte dabei 20 Starlink-Satelliten der dritten Generation aus – ein praktischer Test des Nutzlast-Systems, während die Triebwerksleistung des Boosters noch Verbesserungsbedarf zeigte.
Was diese Woche zählt
Der RSI von 31,0 signalisiert überverkaufte Bedingungen, die annualisierte Volatilität liegt bei 54,45 Prozent – die Aktie ist reif für heftige Ausschläge in beide Richtungen. Analysten sind sich weitgehend einig: Kurzfristig zählt weniger das operative Zahlenwerk als die Frage, wie der Markt die eingehende Aktienflut verkraftet.
Ob sich der Kurs oberhalb der Marke von 93 Euro stabilisieren kann, hängt damit weniger von einzelnen Schlagzeilen ab. Entscheidend dürfte sein, wie schnell die frühen Aktionäre ihre neu freigegebenen Anteile tatsächlich abstoßen.
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