Unicredit Aktie: Commerzbank öffnet Gespräche über 45 Milliarden
Commerzbank akzeptiert formelle Fusionsverhandlungen mit UniCredit. Der italienische Konzern meldet Rekordgewinne und hebt seine Jahresziele an.

Kurz zusammengefasst
- Commerzbank stimmt Fusionsgesprächen zu
- Unicredit meldet Rekordhalbjahr
- Gewinnziel auf 11,5 Milliarden erhöht
- Partnerschaft mit IBM und Accenture
Fast zwei Jahre lang hat sich Commerzbank gegen UniCredit gewehrt. Jetzt lenkt die Bank ein. Am Freitag bestätigten Berichte, dass das Commerzbank-Management bereit ist, formale Gespräche über eine Fusion im Wert von 45 Milliarden Euro aufzunehmen.
Wende im Übernahmekampf
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp informierte die Belegschaft über das Intranet. Beide Institute wollen in den kommenden Wochen schrittweise Gespräche führen, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Das ist eine deutliche Abkehr von der bisherigen Linie.
Management und Arbeitnehmervertreter hatten UniCredits Annäherungsversuche wiederholt zurückgewiesen. Sie verwiesen auf Jobrisiken und die systemische Bedeutung der Bank für Deutschland. UniCredit hatte im September 2024 erstmals bei Commerzbank investiert und seinen Anteil seither auf rund 48 Prozent ausgebaut.
Zuletzt erhöhte UniCredit-Chef Andrea Orcel den Druck. Er signalisierte seine Bereitschaft, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen und einen neuen Vorstand einzusetzen, sollten die Verhandlungen weiter stocken. Marktbeobachter werten die jetzige Öffnung als Schritt hin zu einer europaweiten Bankenkonsolidierung. Das Ziel: ein Finanzkonzern, der mit den großen US-Rivalen mithalten kann.
Technologie-Partnerschaft mit IBM und Accenture
Parallel zur Fusionsfrage meldete UniCredit am Freitag eine langfristige strategische Partnerschaft mit Accenture und IBM. Die Kooperation soll die Technologie-Infrastruktur der Bank in dreizehn europäischen Märkten modernisieren.
Accenture übernimmt dabei die Mehrheit an einem Gemeinschaftsunternehmen, das bisher IBM gehörte und UniCredits IT-Betrieb steuert. IBM liefert modernisierte Plattformen wie IBM Z sowie Software und Beratungsleistungen. Die Bank erwartet dadurch sinkende Betriebskosten und mehr Spielraum für Kernumsatzwachstum.
Rekordhalbjahr und höhere Gewinnziele
UniCredit veröffentlichte am Freitag zudem den Konzernbericht zum ersten Halbjahr 2026. Die Bank erzielte das beste zweite Quartal und das beste erste Halbjahr ihrer Geschichte.
Der Nettogewinn im zweiten Quartal lag bei 2,905 Milliarden Euro. Das übertraf die Analystenerwartungen um rund 2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 hebt UniCredit sein Gewinnziel auf etwa 11,5 Milliarden Euro an, ohne Integrationskosten gerechnet — zuvor hatte die Bank mindestens 11 Milliarden Euro angepeilt.
Eine vollständige Übernahme von Commerzbank hätte allerdings ihren Preis. UniCredit rechnet mit einem Rückgang der harten Kernkapitalquote (CET1) um 200 Basispunkte, sollte die Integration gelingen. Im Gegenzug hat die Bank ihre Synergieschätzung deutlich angehoben: von 800 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro.
Aktie nahe Rekordhoch
Die UniCredit-Aktie notiert aktuell bei 81,55 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 14,83 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch von 84,40 Euro, erreicht am 23. Juli, ist das Papier nur noch 3,38 Prozent entfernt.
Die Kombination aus Rekordgewinnen, angehobenen Zielen und der Aussicht auf eine Einigung mit Commerzbank stützt offenbar das Vertrauen der Investoren. Die entscheidende Frage bleibt, ob aus den angekündigten Gesprächen in den kommenden Wochen tatsächlich ein Fusionsvertrag wird.
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