Silber Preis: 46,3 Millionen Unzen Defizit 2026
Silber profitiert von Kupferrally und strukturellem Angebotsdefizit. ING senkt Prognosen, sieht aber langfristig Potenzial.

Kurz zusammengefasst
- Kupferrally treibt Silbererholung an
- Sechstes Jahr mit Angebotsdefizit
- Nachfrage verschiebt sich zu Münzen
- ING senkt kurzfristige Kursziele
Silber macht in den vergangenen Handelstagen kräftig Boden gut. Der Grund liegt nicht bei Gold, sondern bei Kupfer. Das weiße Metall reitet auf der Rally der Industriemetalle mit.
Nach zwei schwachen Wochen erholten sich Gold und Silber deutlich. Die Kupferrally und ein strukturelles Angebotsdefizit trieben die Erholung an. Das Gold-Silber-Ratio fiel dabei unter die Marke von 70. Das zeigt: Silber gewinnt gerade relative Stärke gegenüber Gold.
Kupfer zieht Silber mit
Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei der ING Groep, erklärt die Bewegung so: Silber profitiert neben der Sicherheitsnachfrage vor allem vom Aufschwung bei Industriemetallen. Allen voran zieht die parallele Kupferrally den Preis mit.
Der Grund liegt in der Doppelnatur des Metalls. Rund 58 Prozent der weltweiten Silbernachfrage stammen aus industriellen Anwendungen. Silber orientiert sich damit stärker an der Stimmung bei Basismetallen als reines Gold.
Angebotslücke wächst weiter
Der fundamentale Hintergrund bleibt angespannt. Laut dem World Silver Survey 2026, den das Silver Institute gemeinsam mit Metals Focus im April veröffentlichte, steuert der globale Silbermarkt 2026 auf sein sechstes Defizitjahr in Folge zu.
Die Lücke soll 46,3 Millionen Unzen erreichen. Das liegt 15 Prozent über dem Vorjahreswert von 40,3 Millionen Unzen. Seit 2021 summiert sich der Fehlbetrag damit auf 762,1 Millionen Unzen.
Auf der Angebotsseite tut sich kaum etwas. Die Minenproduktion soll 2026 leicht auf 844,1 Millionen Unzen sinken. Das Gesamtangebot inklusive Recycling fällt um 2 Prozent auf 1.066,4 Millionen Unzen.
Nachfrage verschiebt sich
Bei der Nachfrage zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Industrienachfrage bricht um 3 Prozent auf 639,6 Millionen Unzen ein. Der Verbrauch in der Solarindustrie sinkt weiter, weil Hersteller Material einsparen und substituieren.
Wachstum bei Rechenzentren, Automobilelektronik und Katalysatoren kann das nur teilweise auffangen. Parallel dazu verschiebt sich das Verbraucherverhalten deutlich. Schmuck- und Silberwarennachfrage brechen wegen der hohen Preise um 16 beziehungsweise 20 Prozent ein.
Münzen und Barren gewinnen dagegen an Boden. Ihre Nachfrage soll laut Bericht den höchsten Stand seit 2022 erreichen.
ING dreht bei den Kurszielen zurück
Trotz des strukturellen Defizits wird die ING für die kommenden Monate vorsichtiger. Die Bank senkte ihre Prognosen bereits am 24. Juni 2026.
Für Gold rechnet die ING im dritten Quartal nun mit 4.300 US-Dollar je Feinunze, im vierten Quartal mit 4.600 US-Dollar. Zuvor lagen die Ziele bei 4.850 und 5.000 US-Dollar. Bei Silber kappte die Bank ihre Prognose für das dritte Quartal auf 68 US-Dollar und für das vierte Quartal auf 74 US-Dollar, gegenüber zuvor 79 und 84 US-Dollar.
Als Grund nennt die Bank gestiegene Anleiherenditen und einen stärkeren Dollar. Beide Faktoren drückten kurzfristig stärker auf die Preise als erwartet. Manthey betonte aber, die langfristigen Argumente blieben intakt: Silber dürfte Gold weiterhin leicht outperformen, gestützt durch das anhaltende Marktdefizit und die fortschreitende Elektrifizierung der Industrie.
Silber steckt damit in einem klaren Spannungsfeld. Die Kupplung an die Basismetall-Rally liefert kurzfristigen Rückenwind, während ein stärkerer Dollar und höhere Anleiherenditen bremsen. Das strukturelle Angebotsdefizit bleibt der zentrale mittelfristige Anker – auch wenn sich die Nachfrage zwischen Industrie, Schmuck und Investment gerade deutlich verschiebt.
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