Oracle Aktie: 27 Prozent Monatsverlust trotz Pentagon-Deal

Trotz eines 7-Milliarden-Dollar-Auftrags des Pentagons fällt die Oracle-Aktie auf ein Jahrestief. Anleger sorgen sich um die hohen Investitionen in KI-Rechenzentren.

Eduard Altmann ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Pentagon-Auftrag über 7 Milliarden Dollar
  • Aktie fällt dennoch auf Jahrestief
  • Sorge um 95 Milliarden KI-Investitionen
  • Cloud-Umsatz wächst um 47 Prozent

Ein Milliardenauftrag vom Pentagon, ein neues Jahrestief am selben Tag. Bei Oracle passt das gerade zusammen. Die Aktie schloss am Freitag bei 101,20 Euro, ein Minus von 4,08 Prozent und der tiefste Stand seit einem Jahr.

Nur einen Tag zuvor hatte Oracle einen der größten Regierungsaufträge seit Jahren an Land gezogen. Die Reaktion der Anleger fiel trotzdem negativ aus. Über die vergangene Woche verlor die Aktie 8,42 Prozent, auf Monatssicht sind es 27,11 Prozent.

Der Pentagon-Deal und seine Grenzen

Oracle hat einen Zehnjahresvertrag mit dem US-Verteidigungsministerium unterschrieben. Das Volumen: bis zu 7 Milliarden Dollar. Die erste Laufzeit von fünf Jahren ist bis zu 3,31 Milliarden Dollar wert, eine Verlängerungsoption um weitere fünf Jahre bringt den Gesamtwert auf fast 7 Milliarden Dollar.

Der Vertrag deckt Software, Wartung, Support, Cloud-Dienste und Beratung für Pentagon, Küstenwache und US-Geheimdienste ab. Es geht um Oracle-Software für lokale Rechenzentren verschiedener Militärbereiche.

Die Nachricht sorgte zunächst für Erleichterung. Die Aktie stieg am Freitag vorbörslich um 3 Prozent, nachdem sie tags zuvor um 4,6 Prozent gefallen war. Der Effekt hielt nicht lange. Im Handelsverlauf drehte die Aktie ins Minus und markierte am Ende ein neues Tief.

Der Grund liegt in den Relationen. Der Auftrag entspricht rund 3 Prozent von Oracles ausstehender Schuldenlast, ein Bruchteil der jährlichen Investitionsausgaben. Es ist echtes Einkommen, verteilt über bis zu zehn Jahre, während das Management gleichzeitig plant, zusätzliche Zehnmilliarden am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Wachsende Sorge um die Bilanz

Oracle investiert nach eigenen Angaben rund 95 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren im Geschäftsjahr 2027. Diese Summe treibt Anleger seit Monaten um. Die Frage lautet: Kann das Unternehmen genug Cash erwirtschaften, um diese Investitionen zu stemmen?

Der Quartalsbericht am 14. September dürfte deshalb genau beobachtet werden. Anleger suchen dort nach Anzeichen, dass Oracles Cashflow mit dem Tempo der Ausgaben mithalten kann.

Ganz ohne Lichtblicke ist die Lage nicht. Im vergangenen Quartal legte der Cloud-Umsatz um 47 Prozent zu, getrieben von starker KI-Nachfrage. Das klassische Softwaregeschäft schrumpfte dagegen um 2 Prozent – ein Beleg für den laufenden Umbau hin zum Cloud-Geschäft.

Hinzu kommt ein weiterer Regierungsauftrag: Das US Office of Personnel Management vergab einen Zehnjahresvertrag über 395,8 Millionen Dollar für eine KI-gestützte HR-Plattform. Parallel führt Oracle neue Preismodelle ein, bei denen Kunden nach Tokens oder nach erzieltem Ergebnis zahlen – ein Versuch, die KI-Kosten für Kunden planbarer zu machen.

Die Lücke zwischen Kurs und Kurszielen

Seit dem Rekordhoch von 280,70 Euro im September 2025 hat die Aktie rund 64 Prozent an Wert verloren. Der durchschnittliche Analysten-Kurszielwert liegt bei etwa 248 Dollar, mehr als das Doppelte des aktuellen Niveaus.

Diese Lücke ist ungewöhnlich groß. Beide Seiten wetten im Grunde auf dieselbe unbeantwortete Frage: Wird sich Oracles riesiger Auftragsbestand an KI-Verträgen in echten Cashflow verwandeln, bevor die Baukosten dem Unternehmen schaden?

Technisch gilt die Aktie als deutlich überverkauft. Der RSI liegt bei 27,6, ein Wert, der üblicherweise auf eine Gegenbewegung hindeutet. Eine Trendwende signalisiert das Bild bislang aber nicht – die Abwärtsbewegung bleibt intakt, ohne erkennbaren Boden.

Der Pentagon-Vertrag bestätigt Oracles Rolle als wichtiger Technologielieferant für Regierungsbehörden. Die Kursentwicklung ändert das bislang nicht. Die Zahlen vom 14. September werden zeigen müssen, ob das starke Cloud-Wachstum ausreicht, um die Milliardeninvestitionen in die KI-Infrastruktur zu rechtfertigen.

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Oracle Aktie

105,76 EUR

– 4,56 EUR -4,13 %
KGV 20,83
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,65 %
Marktkapitalisierung 365,96 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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