Siemens Energy Aktie: Bruch warnt vor AfD-Politik
Siemens-Energy-Chef Bruch kritisiert das AfD-Programm, während der Konzern Omterra verselbstständigt und den Verkauf einer Sparte vorbereitet.

Kurz zusammengefasst
- Bruch warnt vor Folgen des AfD-Programms
- Omterra soll eigenständig Investoren gewinnen
- Dampfturbinen-Sparte könnte Mehrheitsinvestor erhalten
- Aktie bleibt 24 Prozent unter Jahreshoch
Christian Bruch meldet sich mit deutlichen Worten zu Wort. Der Siemens-Energy-Chef kritisierte am Sonntag das Wahlprogramm der AfD als „dramatisch falsche Botschaft“ und warnte, dieses gefährde Fachkräfte und Investitionen in Deutschland. Nur wenige Tage zuvor hatte er sich bereits besorgt über Anschläge auf Energie-Infrastruktur in Deutschland geäußert und vor einer stärkeren Bedrohungslage gewarnt als in anderen europäischen Ländern.
Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der Siemens Energy operativ und strategisch mitten im Umbruch steckt. Ende August hatte der Vorstand die Verselbstständigung der Sparte „Transformation of Industry“ beschlossen, die künftig unter der Marke „Omterra“ auftreten und externe Investoren an Bord holen soll.
Goldman Sachs berät den Konzern beim Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an der Dampfturbinen-Sparte, Bloomberg bezifferte die mögliche Bewertung auf mehr als 10 Milliarden Euro. Als potenzielle Bieter kursieren Namen wie CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR.
Politisches Risiko trifft auf strategischen Umbau
Bruchs Warnungen sind kein Zufall. Siemens Energy hängt bei Netzausbau, Gaskraftwerksförderung und Infrastrukturprojekten stark vom politischen und regulatorischen Umfeld in Deutschland und Europa ab.
Erst Anfang September hatte die EU-Kommission ein deutsches Milliardenpaket zur Förderung neuer Gaskraftwerke ab 2031 genehmigt, mit einem Fördervolumen von bis zu 35 Milliarden Euro. Ein politischer Kurswechsel, wie ihn der CEO fürchtet, würde genau jene Rahmenbedingungen infrage stellen, auf denen ein Großteil der Wachstumsstory des Konzerns aufbaut.
Hinzu kommt die Sorge um die physische Sicherheit von Energieanlagen. Anschläge auf Infrastruktur würden nicht nur Betriebsrisiken erhöhen, sondern auch Investitionsentscheidungen von Kunden und Investoren beeinflussen – ein Thema, das Bruch nach eigenen Worten zunehmend umtreibt.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse zeigte sich die Aktie von den politischen Aussagen bislang wenig beeindruckt. Das Papier notiert aktuell bei 148,70 Euro und damit rund 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April markiert wurde. Auf Sicht von sieben Tagen legte die Aktie hingegen um 2,71 Prozent zu – ein Hinweis darauf, dass der laufende Konzernumbau für Anleger derzeit stärker im Vordergrund steht als politische Risikodebatten.
Der Kontrast zwischen strategischem Fortschritt und politischer Unsicherheit dürfte die Aktie in den kommenden Wochen weiter begleiten. Während der geplante Verkauf der Dampfturbinen-Sparte und die Verselbstständigung von Omterra operative Klarheit schaffen sollen, bleibt das gesellschaftliche und sicherheitspolitische Umfeld in Deutschland ein Unsicherheitsfaktor, den Bruch offen anspricht – ungewöhnlich deutlich für einen Konzernchef dieser Größenordnung.
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