Evonik Aktie: Tailor Made – Preis dafür?
Evonik plant Stellenabbau und Standortaufgaben, investiert zugleich in Biotechnologie; BASF-Gespräche über eine Übernahme bleiben offen.

Kurz zusammengefasst
- BASF bot rund 22,15 Euro je Aktie
- SPD fordert Prüfung einer Landesbeteiligung
- 3.200 Stellen sollen weltweit entfallen
- Biotechnologie-Ausbau für rund 80 Millionen Euro
Nach den jüngsten Turbulenzen um die Unabhängigkeit des Essener Spezialchemiekonzerns richtet sich der Blick auf die operative Neuausrichtung. Der Konzern stemmt sich gegen Übernahmebestrebungen und versucht gleichzeitig, seine Kostenstrukturen an ein anspruchsvolles Branchenumfeld anzupassen. An der Börse notiert das Papier bei 20,98 Euro und behauptet damit das erreichte Bewertungsniveau.
Hohe Hürden für Übernahmeofferten
Medienberichten zufolge lehnte das Management ein BASF-Übernahmeangebot als unzureichend ab. Die Ludwigshafener hatten demnach rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie geboten. Nachdem das BASF-Übernahmeinteresse an Evonik vor gut einer Woche bekannt geworden war, legte der Kurs seither um 3,5 Prozent zu. BASF hatte Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung über eine Übernahme bestätigt, den Ausgang der Gespräche jedoch als offen bezeichnet.
Parallel dazu formiert sich politischer Widerstand gegen einen Zusammenschluss der beiden Chemieriesen. Im nordrhein-westfälischen Landtag fordert die SPD-Fraktion, eine Beteiligung des Landes an Evonik zu prüfen. Ziel der Initiative ist es, zusammen mit der RAG-Stiftung eine Kontrollmehrheit am Konzern zu sichern.
Kostensenkungen und gezielte Investitionen
Um die Eigenständigkeit auch wirtschaftlich zu untermauern, forciert Evonik den internen Konzernumbau. Im Rahmen des Programms „Evonik Tailor Made“ sollen weltweit 3.200 Arbeitsplätze wegfallen, davon rund 2.150 Stellen in Deutschland.
Die Details dieser Maßnahmen werden bis Ende 2026 erarbeitet, bevor das Vorhaben ab 2027 in seine zweite Umsetzungsphase übergeht. Zudem plant das Unternehmen, im kommenden Jahr zwei kleinere deutsche Standorte aufzugeben.
Gleichzeitig setzt der Konzern selektiv auf Wachstumsprojekte. Am Fermas-Standort Slovenská Ľupča startete der Bau einer Biotechnologie-Erweiterung, die Teil eines Investitionspakets von rund 80 Millionen Euro ist.
Analysten sehen begrenzte Kursspielräume
Aus Sicht der Experten wird der Chemiezyklus 2027 maßgeblich von Restrukturierungen, Kapazitätskürzungen und selektiver Konsolidierung bestimmt.
Am 2. Oktober hob bereits Berenberg-Analyst Sebastian Bray die Aktie von „Sell“ auf „Hold“ an und setzte das Kursziel auf 20 Euro herauf. Bray begründete den Schritt mit dem Übernahmeinteresse, das den Titel trotz nachgebender Methioninpreise stützen könne.
Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Wertzuwachs von 57 Prozent. Wie tragfähig dieser Anstieg im operativen Geschäft verankert ist, zeigt sich am 3. November 2026. Dann veröffentlicht Evonik die Finanzdaten für das dritte Quartal 2026.
Stand heute, 8. Oktober: Evonik – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Evonik investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 8. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.