BMW Aktie: 8.000 Stellen bis Ende 2027
BMW schiebt den Vertriebsumstieg auf das Agenturmodell abermals auf. Bis mindestens Juli 2028 bleibt das klassische Verhandlungsmodell mit Händlern bestehen.

Kurz zusammengefasst
- Agenturmodell-Start erneut verschoben
- 8.000 Stellen von Abfindungsprogramm betroffen
- RBC senkt BMW-Kursziel auf 60 Euro
- i3-Produktion in München angelaufen
BMW verschiebt die Umstellung auf das Agenturmodell im deutschen Vertrieb erneut. Wie Manager Magazin und BimmerToday berichten, informierten die Münchner ihre deutschen Händler Anfang August in einem Schreiben darüber, dass die Umstellung nicht mehr vor dem 1. Juli 2028 angestrebt wird. Kunden können demnach weiterhin mit Verkäufern über Preise und Rabatte verhandeln – das klassische Verhandlungsmodell bleibt vorerst also erhalten.
Die erneute Verzögerung fällt in eine Phase, in der BMW an mehreren Fronten gleichzeitig umbaut. Vorstand und Betriebsrat einigten sich Ende Juli auf ein Personalstrukturprogramm mit freiwilligem Abfindungsprogramm, das rund 8.000 Stellen bis Ende 2027 betreffen soll – größtenteils in Deutschland und außerhalb der Fertigung.
Das Programm startet im Oktober und läuft bis Ende 2027, ab 2028 sollen dadurch jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro anfallen. Zielgruppe sind Mitarbeiter außerhalb der direkten Produktion, von den weltweit rund 154.000 Beschäftigten arbeiten etwa 85.000 in Deutschland.
Qualifizierte Angestellte im indirekten Bereich können laut Berechnung über eine Formel aus Bruttomonatsgehalt, Alter und Betriebszugehörigkeit bis zu 250.000 Euro Abfindung erreichen.
Vertriebsumbau als Symptom einer größeren Zurückhaltung
Dass der Agenturumbau erneut auf die lange Bank geschoben wird, passt zum vorsichtigen Kurs des Konzerns in diesem Sommer. Nach der Gewinnwarnung im Juni und dem schwachen Halbjahresbericht vermeidet BMW offenbar zusätzliche Unsicherheit im Vertrieb, während zugleich intern über Personalabbau und Kostensenkung verhandelt wird.
Für die Händler bedeutet die Verschiebung zumindest kurzfristig Planungssicherheit – das bisherige Geschäftsmodell mit Verhandlungsspielraum bei Preisen bleibt bis mindestens Mitte 2028 bestehen.
Auf der operativen Seite gibt es allerdings auch Lichtblicke. In Deutschland legte der Absatz im Juli um 0,5 Prozent auf 24.644 Neuzulassungen zu, im ersten Halbjahr summierte sich das Plus auf 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Serienproduktion des BMW i3 der Neuen Klasse ist im August im Stammwerk München angelaufen, erste Auslieferungen sind für den Herbst angekündigt. Der BMW iX3 liegt nach Unternehmensangaben auf Kurs für 100.000 Auftragseingänge.
Analysten bleiben skeptisch
RBC Capital Markets senkte am 14. August das Kursziel für BMW von 62 auf 60 Euro und beließ die Einstufung bei „Sector Perform“. Analyst Tom Narayan begründete den Schritt mit dem abgeschwächten chinesischen Absatzmarkt und dem zunehmenden Wettbewerb in Europa – zwei Faktoren, die BMW im zweiten Quartal deutlich zu spüren bekam, als der China-Absatz um 30,2 Prozent einbrach.
An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt stabilisiert: Am Freitag schloss das Papier bei 59,06 Euro, ein Plus von 1,8 Prozent auf Tagessicht. Damit liegt der Kurs nur noch 4,7 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro, das erst am 24. Juli markiert wurde.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Rückgang von 35 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die aktuellen Strukturmaßnahmen aus Sicht des Marktes noch keine Trendwende signalisieren. Für September hat BMW einen Capital Market Day angekündigt, auf dem weitere Details zu den Restrukturierungsmaßnahmen erwartet werden.
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