Evotec Aktie: Berenberg zieht sich zurück
Nach massiver Gewinnwarnung und Kurssturz stuft Berenberg Evotec auf Halten herab. Analysten zweifeln an der Prognose des Managements.

Kurz zusammengefasst
- Berenberg senkt Evotec auf Halten
- Kursziel von 9,40 auf 3,60 Euro gekappt
- Umsatzprognose für 2026 deutlich reduziert
- Aktie fällt auf neues 52-Wochen-Tief
Wenn eine Bank ihr Kursziel um fast zwei Drittel kappt, ist das selten Routine. Bei Evotec ist es diese Woche bereits die zweite herbe Korrektur binnen weniger Tage. Die Privatbank Berenberg stuft die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ zurück und senkt ihr Kursziel von 9,40 auf 3,60 Euro — ein Rückzug, der die ohnehin angeschlagene Stimmung um den Biotech-Dienstleister weiter eintrübt.
Vertragsabhängigkeit als Knackpunkt
Berenberg-Analyst Christian Ehmann begründet den Schritt mit der jüngsten Gewinnwarnung. Evotec hatte seine Jahresprognose für 2026 deutlich gesenkt: Der erwartete Umsatz sackt von zuvor 700 bis 780 Millionen Euro auf nur noch 570 bis 610 Millionen Euro ab. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rechnet der Vorstand nun mit minus 70 bis minus 105 Millionen Euro — vor Kurzem stand hier noch ein positiver Bereich bis zu plus 40 Millionen Euro im Raum.
Für Ehmann offenbaren diese Zahlen ein strukturelles Muster: Evotec hängt als Auftragsentwickler für Biotech- und Pharmafirmen stark von einzelnen Großverträgen ab, deren Timing kaum planbar ist. Das Management selbst stellte die Gewinnwarnung in einer Telefonkonferenz als zeitlich bedingt dar, nicht als strukturelles Problem. Die Analysten trauen dieser Einschätzung derzeit nur bedingt.
Analystenbild zerfällt
Der Vertrauensverlust zeigt sich auch bei anderen Häusern. Deutsche-Bank-Analyst Fynn Scherzler hatte bereits am Dienstag auf „Halten“ zurückgestuft und bemängelt, die Korrektur komme nur vier Monate nach der letzten Prognose und falle überraschend deutlich aus. Jefferies-Analyst Charles Weston sprach von einer „weiteren erheblichen Gewinnwarnung“. Von den aktiven Analystenhäusern votieren aktuell zwei für „Halten“, nur noch eines für „Kaufen“ — der Konsens liegt trotzdem bei rund 6 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau, ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich die Lage eingeschätzt wird.
Am Dienstag war die Aktie im SDAX zeitweise um rund 36 Prozent eingebrochen und markierte bei 3,18 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Nach einem weiteren schwachen Mittwoch zeigte sich am Donnerstagvormittag eine leichte Gegenbewegung, das Papier legte zeitweise auf 3,55 Euro zu.
Für die kommenden Wochen zählt vor allem eines: Ob Evotec neue Meilensteinzahlungen oder Vertragsabschlüsse vermelden kann, die das Management-Narrativ einer rein zeitlichen Verschiebung stützen. Bleibt das aus, dürfte sich die Skepsis der Analysten weiter verfestigen.
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