Microsoft Aktie: Azure überschreitet 100 Milliarden Dollar

Microsofts KI-Investitionen zahlen sich aus: Azure wächst um 43 Prozent, Cloud-Umsatz übersteigt 100 Milliarden Dollar. Analysten bleiben optimistisch.

Dieter Jaworski ·
Microsoft Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Azure-Wachstum von 43 Prozent
  • Cloud-Umsatz über 100 Milliarden Dollar
  • Kommerzielle Verpflichtungen steigen um 84 Prozent
  • Analystenmehrheit rät zum Kauf

Ein Konzern mit 331,8 Milliarden Dollar Jahresumsatz wächst um 18 Prozent. Für mich ist das die eigentliche Nachricht dieser Woche – nicht der Kursverlauf. Microsoft hat mit den Zahlen zum vierten Quartal des Fiskaljahres 2026 gezeigt, dass die milliardenschwere KI-Wette nicht nur Kosten produziert, sondern messbaren Umsatz. Und das verändert für mich die Bewertungslogik der Aktie fundamental.

Azure trägt die These

Die Kernzahl liegt für mich in der Cloud-Sparte: Azure wuchs im vierten Quartal um 43 Prozent, der Jahresumsatz der Sparte überschritt erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar. Microsoft Cloud insgesamt legte um 27 Prozent auf 59,3 Milliarden Dollar zu, das Gesamtquartal brachte 90 Milliarden Dollar Umsatz bei einem Gewinn je Aktie von 4,81 Dollar.

Bemerkenswert finde ich vor allem die kommerziellen Verpflichtungen: Sie sprangen um 84 Prozent auf 678 Milliarden Dollar. Das ist kein Quartalsstrohfeuer, sondern ein Auftragspolster, das Planungssicherheit für Jahre signalisiert.

Der Finanzchef sprach davon, dass die Nachfrage das Angebot übersteige – eine Aussage, die zugleich erklärt, warum die Investitionen weiter steigen. Für das erste Quartal des Fiskaljahres 2027 werden Investitionsausgaben von über 50 Milliarden Dollar erwartet, nach rund 41 Milliarden Dollar im abgelaufenen Quartal.

Dass Copilot inzwischen über 30 Millionen zahlende Nutzer zählt, ordne ich als Beleg dafür ein, dass sich die KI-Strategie nicht auf Infrastrukturverkäufe beschränkt, sondern auch im Software-Endgeschäft ankommt.

Die Beteiligungen an Anthropic und OpenAI wirken sich dabei gegenläufig aus: Der Anthropic-Anteil trug rund 3,2 Milliarden Dollar Gewinn bei, während der OpenAI-Anteil das Ergebnis geringfügig belastete. Diese Gemengelage zeigt, wie eng Microsoft inzwischen mit den großen KI-Laboren verflochten ist – Chance und Risiko in einem.

Der Vergleich mit Oracle relativiert die Sorgen

Wer die hohen Investitionssummen als Warnsignal liest, sollte sie im Branchenkontext betrachten. Oracle etwa kämpft mit einer Bruttomarge, die von 70,5 auf 65,8 Prozent gefallen ist, einem negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar und einer Herabstufung durch S&P auf BBB-.

Microsoft dagegen weist für das Gesamtjahr eine Nettomarge von 40,3 Prozent aus, einen freien Cashflow von 67 Milliarden Dollar und ein Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital von lediglich 0,3. Diese Bilanzstärke halte ich für den entscheidenden Unterschied: Microsoft kann seine Kapitalausgaben aus dem operativen Geschäft stemmen, ohne auf denselben Schuldenhebel angewiesen zu sein wie Oracle.

Auch der Vergleich mit kleineren Data-Center-Betreibern wie Applied Digital fällt eindeutig aus – dort stehen einem Umsatzwachstum von 183,7 Prozent ein Nettoverlust von 250,3 Millionen Dollar und eine Kundenkonzentration von 59 Prozent gegenüber. Microsofts Skalenvorteil und Diversifikation wirken dagegen wie ein Sicherheitsnetz.

Bewertung: Ambitioniert, aber nicht abgekoppelt

Von den 53 verfolgenden Analysten votieren 39 mit Kaufen und 14 mit Outperform, nur ein Haus rät zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt rund 14 Prozent über dem jüngsten US-Handelskurs, Bernstein siedelt sein Ziel deutlich darüber an. Solche Einschätzungen wirken auf mich plausibel, solange das Azure-Wachstum nicht abrupt bricht.

Der deutsche Kurs von 428,00 Euro am Freitag, mit einem leichten Tagesminus von 0,7 Prozent, spiegelt für mich eher eine technische Verschnaufpause als einen Stimmungswandel. Der Abstand von 19 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt und ein RSI von 69,3 deuten auf eine kurzfristig überkaufte Lage hin – das würde ich als Mahnung zur Geduld lesen, nicht als Abgesang auf die Story.

Gleichzeitig liegt der Titel noch rund 10 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, was zeigt, dass selbst nach der jüngsten Rally noch Luft nach oben vorhanden wäre, sollte sich das operative Momentum fortsetzen.

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente, die für ein intaktes Wachstumsbild sprechen: robuste Margen, ein prall gefülltes Auftragsbuch und eine Cloud-Sparte, die längst zum eigenständigen Wachstumsmotor geworden ist. Die hohen Investitionen bleiben ein Risiko, das im Blick bleiben muss – aber sie erscheinen mir angesichts der Bilanzqualität eher als Wette mit Rückenwind denn als Warnsignal.

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