KNDS Aktie: 33 Milliarden Auftragsbuch

Trotz Rekordauftragsbestand von über 33 Milliarden Euro verschiebt KNDS den Börsengang. Grund ist die Skepsis der Investoren gegenüber der Bewertung im Rüstungssektor.

Felix Baarz ·
KNDS Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Auftragsbuch von über 33 Milliarden Euro
  • Börsengang aufgrund von Bewertungsbedenken verschoben
  • Neuer Rahmenvertrag mit Exail unterzeichnet
  • Umsatzwachstum von 30 Prozent für 2027 erwartet

Ein Auftragsbuch von über 33 Milliarden Euro. Ein Umsatzplus von rund 30 Prozent für nächstes Jahr in Aussicht. Und trotzdem: KNDS legt den eigenen Börsengang auf Eis. Der Fall zeigt, wie skeptisch Investoren derzeit auf europäische Rüstungswerte blicken — komplett losgelöst von den eigentlichen Geschäftszahlen.

Rüstungssektor gibt nach, trotz NATO-Bekenntnissen

Der NATO-Gipfel in Ankara hat den europäischen Verteidigungswerten in dieser Woche keinen Auftrieb gegeben. Im Gegenteil: Rheinmetall verlor rund vier Prozent, obwohl das Bündnis seine Zusage zu höheren Militärausgaben bekräftigte. Anleger blicken offenbar zunehmend auf die tatsächliche Auftragsabarbeitung statt auf politische Versprechen.

Marktbeobachter sehen in der ausgesetzten KNDS-Notierung ein Warnsignal für die gesamte Branche. Die Stimmung hat sich auch bei anderen großen europäischen Rüstungskonzernen abgekühlt — darunter BAE Systems, Dassault Aviation, Leonardo, Saab und Kongsberg Gruppen.

Wichtig dabei: Der verschobene Börsengang ist kein Urteil über das Geschäft selbst. KNDS weist ein Auftragsbuch von mehr als 33 Milliarden Euro aus und rechnet für 2027 mit einem Umsatzwachstum von etwa 30 Prozent. Das eigentliche Problem war die Bewertung.

Die Anteilseigner kamen offenbar zu dem Schluss, dass institutionelle Investoren die vor wenigen Monaten noch erreichbar scheinenden Multiples nicht mehr zahlen wollen. Das ist kein Beleg für ein zerbrochenes Geschäftsmodell, sondern für einen nervösen Kapitalmarkt.

Analysten warnen zugleich davor, die Rüstungsrally deshalb schon für beendet zu erklären. Die fundamentalen Rahmendaten der Branche gelten weiterhin als so stark wie seit dem Ende des Kalten Kriegs nicht mehr. Europa dürfte seine Verteidigungsausgaben über Jahre hinweg erhöhen — unabhängig von kurzfristigen politischen Reibungen.

Neuer Rahmenvertrag stärkt die Marine-Sparte

Abseits der Börsen-Debatte baut KNDS sein industrielles Standbein weiter aus. Der Konzern hat gemeinsam mit dem französischen Marinetechnik-Spezialisten Exail einen erneuerten Rahmenvertrag unterzeichnet. Ziel ist die Skalierung der Produktion von Gefechtsköpfen für Minenabwehrsysteme.

Weltweit modernisieren Marinen ihre Fähigkeiten zur Minenbekämpfung — und beschleunigen dieses Tempo spürbar. Exail und KNDS bauen ihre Zusammenarbeit deshalb aus. Der neue Vertrag umfasst die Lieferung mehrerer Hundert ausgerüsteter Gefechtsköpfe für die K-Ster-Minenneutralisierungssysteme.

Die Partnerschaft reicht zurück bis ins Jahr 2008. Exail bringt seine Expertise in autonomen Robotersystemen ein, KNDS sein industrielles Know-how bei Gefechtsköpfen. Zusammen kommen beide Firmen auf mehr als 15 Jahre gemeinsame Erfahrung.

Der Vertrag spiegelt einen breiteren Nachfragetrend in der maritimen Verteidigung wider. Die Rückkehr hochintensiver Konflikte und die wachsende Verwundbarkeit globaler Seeräume verlangen den massiven Einsatz autonomer Minenabwehrsysteme.

Bewertung und Auftragsabarbeitung entscheiden über den Zeitplan

Der Weg zurück an die Börse hängt für KNDS derzeit vor allem davon ab, ob sich die Stimmung im gesamten Sektor stabilisiert. Das operative Momentum des Konzerns — sichtbar am Exail-Vertrag und am Rekord-Auftragsbestand — steht im deutlichen Kontrast zur Zurückhaltung der Investoren bei der kurzfristigen Ergebnisplanung.

Ob KNDS seine Börsenpläne wieder aufnimmt, dürfte davon abhängen, wie Wettbewerber wie Rheinmetall in den kommenden Quartalen ihre prallen Auftragsbücher in tatsächlich abgerechneten Umsatz übersetzen. Genau diese Frage rückt nach der gemischten Marktreaktion auf den Ankara-Gipfel jetzt in den Mittelpunkt.

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