Nvidia Aktie: Kyber-Chips verzögern sich um zwölf Monate
Nvidia verschiebt Kyber-Architektur um über ein Jahr. Ein neues Lizenzprogramm soll sinkende GPU-Mietpreise kompensieren.

Kurz zusammengefasst
- Kyber-NVL144-Architektur erst 2028 verfügbar
- Produktionsprobleme bei Leiterplatten als Ursache
- Neues Lizenzmodell für Cloud-GPUs gestartet
- Aktienkurs unter 50-Tage-Durchschnitt gefallen
Ein Jahr Verspätung bei einer Schlüsseltechnologie klingt zunächst nach Routine im schnelllebigen Chip-Geschäft. Bei Nvidia trifft die Nachricht aber genau in eine Phase, in der Anleger die Roadmap nach Blackwell ohnehin kritisch beäugen. Die Analysefirma SemiAnalysis meldet nun eine Verzögerung von mehr als zwölf Monaten für die Kyber-NVL144-Rack-Architektur. Statt wie geplant kommt sie frühestens 2028.
Leiterplatten bremsen die nächste Chip-Generation
Der Grund liegt in der Fertigung. Die komplexen Mid-Board-Designs für Kyber kämpfen laut Branchenanalysen mit niedrigen Ausbeuten und Produktionsengpässen bei den Leiterplatten. Jensen Huang hatte die Architektur erst vor wenigen Monaten vorgestellt. Sie sollte tragende Säule des nächsten Ausbaus von Rechenzentren werden.
Aktuell laufen rund 70 Prozent der High-End-GPU-Auslieferungen 2026 noch über die Blackwell-Plattform. Genau deshalb wiegt die Kyber-Verzögerung schwerer als eine reine Randnotiz. Sie betrifft direkt die Frage, wie verlässlich Nvidia seine langfristige Rechenkapazität für Cloud-Anbieter planen kann. Auch die kommende Rubin-Serie steht damit unter genauerem Beobachtungsdruck.
Nvidia wird zum Compute-Finanzierer
Parallel zu den Produktionsproblemen baut Nvidia sein Geschäftsmodell um. Der Konzern hat Anfang Juli ein neues Programm namens „Compute Royalties“ vorgestellt. Ziel ist es, sinkende Mietpreise für Cloud-GPUs abzufedern und Einnahmen breiter zu streuen.
Start-ups müssen ihre Chips künftig nicht mehr komplett vorab kaufen. Stattdessen erhalten sie Zugang zu High-End-Hardware wie dem Grace Blackwell GB300 gegen eine laufende Umsatzbeteiligung. Nvidia wird damit vom klassischen Hardware-Verkäufer zum Finanzierer der eigenen Technologie.
Zwei Beispiele zeigen das Ausmaß: Sharon AI setzt bis zu 40.000 GB300-Chips ein. Firmus baut in Indonesien einen Campus mit 360 Megawatt Leistung, ausgelegt für bis zu 170.000 GPUs. Beide Deals laufen über das neue Lizenzmodell statt über klassische Einmalverkäufe.
Kurs unter dem 50-Tage-Schnitt
Die Nvidia-Aktie schloss zuletzt bei 171,98 Euro. Auf Jahressicht steht seit 2026 ein Plus von 6,75 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus Mitte Mai liegt der Kurs aber 15,07 Prozent darunter.
Der RSI von 43,8 Punkten signalisiert neutrales Terrain nach einer Konsolidierungsphase. Aktuell notiert die Aktie unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 181,36 Euro, hält sich aber 4,73 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 164,21 Euro. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 38,25 Prozent — ein Wert, der die Nervosität im gesamten Tech-Sektor widerspiegelt.
Das Umsatzgeschäft mit Rechenzentren bleibt davon bislang unberührt und übersteigt in den jüngsten Quartalen die Marke von 75 Milliarden Dollar. Analysten richten den Blick zunehmend auf Lieferzeiten und die Auswirkungen der US-Exportbeschränkungen für Blackwell und Rubin in internationalen Märkten. Wie stark sich die Kyber-Verzögerung auf die Kundenbindung bei Hyperscalern auswirkt, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen.
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