DAX: Zinsrückgang stützt Index
Der Leitindex gewann 0,33 Prozent, während US- und deutsche Staatsanleiherenditen nachgaben und Chipaktien unter Druck standen.

Kurz zusammengefasst
- DAX schloss 0,33 Prozent höher
- Infineon verlor 5,2 Prozent
- US-Erzeugerpreise stiegen im September stärker
- Zehnjährige US-Rendite sank auf gut fünf Prozent
Starke Verluste bei KI- und Chipwerten, ein zweiter Inflationsschock aus den USA, und trotzdem schließt der deutsche Leitindex im Plus. Der DAX hält sich am Donnerstag erstaunlich robust. Der Grund liegt in seiner Zusammensetzung und in einem überraschenden Zinsrückgang.
Wenig KI im Index
Der DAX legte um 0,33 Prozent auf 25.382,62 Punkte zu, nachdem er am Nachmittag noch im Minus und unter der 21-Tage-Linie gelegen hatte. Die späte Erholung half. Im Index stecken nur wenige KI-Profiteure, und sie haben kaum Gewicht. Der technologielastige MDax verlor zwischenzeitlich, schloss aber ebenfalls im Plus. Dort büßten Halbleiterwerte wie Aixtron, Siltronic und Suss Microtec bis zu fast 13 Prozent ein.
Größter DAX-Verlierer war Infineon mit einem Minus von 5,2 Prozent, am Nachmittag hatte es zeitweise 8,1 Prozent betragen. Siemens Energy verlor 2,2 Prozent. Der Konzern gilt als Lieferant für den Rechenzentrumsboom. Hochtief gab ebenfalls nach.
Auslöser der Schwäche waren neue Zinssorgen. Nach den hohen Verbraucherpreisen vom Mittwoch stiegen die US-Erzeugerpreise im September um 1,3 Prozent zum Vormonat, erwartet worden waren 0,5 Prozent. Höhere Zinsen verteuern die oft schuldenfinanzierten KI-Investitionen. Dass TSMC einen Rekordgewinn meldete, verhallte weitgehend.
Anleiherenditen drehen ab
Überraschend gaben die Renditen kräftig nach. Die zehnjährige US-Rendite fiel von bis zu 5,33 Prozent auf gut 5 Prozent, die deutsche von 3,48 auf 3,41 Prozent. Marktbeobachter vermuten eine Flucht aus KI-Aktien in sichere Anlagen. Ein Entwarnungssignal für die Fed sei das noch nicht, hieß es von IG.
Der Euro profitierte vom schwächeren Dollar und stieg über 1,12 Dollar. Am Vortag hatte er bei 1,1113 Dollar den tiefsten Stand seit Mai 2025 erreicht.
Marktkommentatoren sehen die Risikofreude schwinden. Die Hoffnung auf einen „goldenen Börsenherbst“ wird kleiner, Anleger setzen verstärkt auf defensive Branchen. Der Euro-Stoxx-50 gab um 0,4 Prozent nach, der FTSE 100 gewann 1,1 Prozent.
Charttechnik: Verengung am Widerstand
Technisch bleibt das Bild offen. Der DAX bewegt sich in einer engen Spanne unterhalb der 200-Tage-Linie bei rund 25.742 Punkten. Nach oben wäre ein Schlusskurs über 25.590 Punkten ein Signal, nach unten eine Marke unter 25.180 Punkten. Dann rückten Ziele um 24.900 Punkte in den Blick.
Ein Ausbruch über die 200-Tage-Linie würde die Richtung Jahresendrally öffnen. Fällt der Index unter 25.180 Punkte, droht ein Rücklauf unter das Vorwochen-Tief.
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