Shell Aktie: Der Krieg füllt die Kasse
Starke Raffinerieerträge steigern Shells Quartalsgewinn und Cashflow; das Unternehmen weitet Aktienrückkäufe aus, während die Katar-Produktion beeinträchtigt bleibt.

Kurz zusammengefasst
- Quartalsgewinn steigt auf 10,8 Milliarden Dollar
- Raffineriemargen erreichen 42 Dollar je Barrel
- Rückkaufprogramm wächst auf fünf Milliarden Dollar
- Förderung in Katar bleibt beeinträchtigt
Shell verdient am Chaos der Energiemärkte so viel wie seit 2022 nicht mehr. Der bereinigte Gewinn im dritten Quartal sprang auf 10,8 Milliarden Dollar und lag damit klar über den Erwartungen von rund 9,9 Milliarden. Die Aktie erreichte in London ein Rekordhoch und legte um gut drei Prozent zu.
Raffinerien als Gewinntreiber
Den Ausschlag gab das Geschäft mit der Verarbeitung von Rohöl. Die indikativen Raffineriemargen erreichten 42 Dollar je Barrel, nach 11,60 Dollar im Vorjahresquartal. Den bisherigen Rekord von 2022 lässt das weit hinter sich.
Ursache sind Engpässe bei Diesel, Benzin und Kerosin. Der Iran-Krieg stört den Tankerverkehr durch die Straße von Hormus, zudem reduzieren Angriffe auf russische Raffinerien das globale Angebot. Brent kostet derzeit rund 113 Dollar, vor Kriegsbeginn Ende Februar waren es weniger als 70.
Die Sparte Chemicals and Products, zu der Raffinerien und Ölhandel zählen, verdiente 3,86 Milliarden Dollar. Im gesamten Jahr 2025 hatte sie nur 1,1 Milliarden beigesteuert.
Mehr Geld für Aktionäre
Shell erhöht das Rückkaufprogramm für die kommenden drei Monate auf fünf Milliarden Dollar, zwei Milliarden mehr als im Vorquartal. Die Dividende bleibt unverändert. Langfristig will der Konzern 40 bis 50 Prozent des operativen Cashflows ausschütten.
Auch die Bilanz profitiert. Der freie Cashflow stieg von zehn auf 16,3 Milliarden Dollar, die Nettoverschuldung sank auf 39,7 Milliarden. Das gelang trotz der Übernahme des kanadischen Energiekonzerns ARC für 16,4 Milliarden Dollar. Die Investitionsplanung für 2026 senkte Shell leicht auf 23 bis 25 Milliarden Dollar.
Schattenseite Katar
Nicht überall läuft es rund. Die Produktion in Katar, die normalerweise etwa zehn Prozent der gesamten Öl- und Gasförderung beisteuert, bleibt beeinträchtigt. Die Erträge aus Raffinerien und Handel gleichen das bislang mehr als aus.
Politisch wächst derweil der Druck. In Deutschland fordern Stimmen einen Spritpreisdeckel, die G7-Staaten gaben im Oktober Notreserven an Diesel frei. Je länger die Preise hoch bleiben, desto lauter dürfte die Debatte über die Gewinne der Ölkonzerne werden.
Analysten erwarten laut Marktbeobachtern eher kleinere Zukäufe als einen großen Konzernumbau. Der Verkauf des indischen Wind- und Solargeschäfts ist erledigt, über einen Ausstieg aus dem britischen Chemie-Gemeinschaftsunternehmen mit Exxon wird berichtet.
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