Bertrandt Aktie: Fit-for-Future übertrifft 120-Millionen-Ziel
Bertrandt verringert Quartalsverlust deutlich, profitiert von Einsparungen und wachsenden Aerospace-Umsätzen. Die Aktie bleibt trotzdem unter Druck.

Kurz zusammengefasst
- Operativer Verlust deutlich reduziert
- Sparprogramm übertrifft Erwartungen
- Aerospace-Segment wächst stark
- Aktie verliert seit Jahresbeginn
Der Engineering-Dienstleister Bertrandt zeigt im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 Anzeichen einer operativen Stabilisierung, auch wenn das Marktumfeld in der Automobilindustrie schwierig bleibt.
Wie das Unternehmen Anfang August mitteilte, konnte der operative Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich reduziert werden. Maßgeblich hierfür waren ein greifendes Effizienzprogramm sowie eine stärkere Diversifizierung in Branchen außerhalb des klassischen Fahrzeugbaus.
Diversifizierung stützt operatives Geschäft
In den drei Monaten bis Ende Juni verzeichnete Bertrandt eine Gesamtleistung von 214,9 Millionen Euro, was einem Rückgang von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht.
Trotz des geringeren Volumens verbesserte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf minus 15,8 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Fehlbetrag von 24,6 Millionen Euro zu Buche gestanden hatte. Auf Sicht von neun Monaten beläuft sich das EBIT damit auf minus 28,9 Millionen Euro.
Ein Lichtblick in der Bilanz ist die Entwicklung in den Bereichen Aerospace und Defence. Diese Segmente verzeichneten im dritten Quartal einen deutlichen Zuwachs und trugen dazu bei, die schwächere Nachfrage aus dem Automobilsektor teilweise aufzufangen.
Parallel dazu berichtete das Unternehmen über einen deutlich höheren Auftragseingang im Berichtszeitraum, der substanziell über der erbrachten Gesamtleistung lag. Dies deutet auf eine solide Projektpipeline für die kommenden Monate hin, während Bertrandt plant, die Umsatzanteile in den Bereichen Medizintechnik, Industrie und Verteidigung weiter auszubauen.
Sparprogramm übertrifft ursprüngliche Erwartungen
Ein zentraler Pfeiler der laufenden Sanierung ist das Strategieprogramm „Fit for Future“. Laut Unternehmensangaben vom 27. April erzielt das Programm bereits jetzt jährliche Einsparungen von über 120 Millionen Euro. Damit übertrifft Bertrandt den ursprünglich anvisierten Zielkorridor, der bei 70 bis 90 Millionen Euro gelegen hatte.
Für das zweite Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres werden zusätzliche Kosteneinsparungen in einer Größenordnung von rund 15 Millionen Euro erwartet.
Die Restrukturierung spiegelt sich auch in der Belegschaft wider. Der Personalbestand wurde im Vergleich zum Vorjahr deutlich angepasst: Zum Stichtag beschäftigte der Konzern 11.744 Mitarbeitende, was einer Reduzierung um 1.437 Stellen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.
Diese Maßnahmen sind Teil der Reaktion auf die Volatilität im Hauptkundenmarkt Automotive, in dem die Unsicherheit über künftige Projektvergaben zuletzt zugenommen hatte.
Angespannte Marktlage belastet Börsenkurs
Trotz der operativen Fortschritte beim Kostenmanagement bleibt die Lage an der Börse für Anleger herausfordernd. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust der Aktie auf 52 Prozent. Das Papier reflektiert damit die im April angepasste Prognose, bei der das Management einen moderaten Rückgang der Gesamtleistung in Aussicht gestellt hatte und die Unsicherheit bezüglich eines positiven Jahres-EBIT betonte.
Im gestrigen Handel schloss das Papier bei 8,90 Euro. Damit notiert der Wert aktuell immerhin rund 11 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief, das erst am 23. Juli bei 8,02 Euro markiert wurde.
Die Marktteilnehmer beobachten nun genau, ob die strategische Neuausrichtung in Richtung Luftfahrt und Verteidigung ausreicht, um die Abhängigkeit von den zyklischen Schwankungen der Automobilhersteller dauerhaft zu verringern. Während der Aerospace-Bereich stabilisierend wirkt, bleibt die Erreichung der Gewinnschwelle die zentrale Hürde für das Unternehmen im laufenden Turnaround.
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