XPeng Aktie: 48 Prozent Minus trotz 39.107 Auslieferungen
XPeng steigert August-Auslieferungen um 4 Prozent, erhält Robotik-Kapital und startet neue Modelle, während Barclays vor Q3-Risiken warnt.

Kurz zusammengefasst
- August-Auslieferungen steigen um 4 Prozent
- G9L startet im September
- Robotik erhält über 900 Millionen Dollar
- Barclays senkt Kursziel auf 14 Dollar
39.107 ausgelieferte Fahrzeuge im August, ein Plus von 4 Prozent zum Vorjahr, dazu ein neues Modell im Anrollen und eine Robotik-Sparte, die frisches Milliardenkapital eingesammelt hat. Wer nur die operative Meldungslage liest, sieht ein Unternehmen im Aufwind. Wer auf den Kurs schaut, sieht das Gegenteil: minus 48 Prozent seit Jahresanfang, ein Papier nahe am 52-Wochen-Tief. Für mich ist genau diese Lücke die eigentliche Geschichte.
Operativ läuft mehr, als der Kurs zulässt
Die Auslieferungszahlen für August wirken auf den ersten Blick solide, nicht spektakulär. Ein Wachstum von 4 Prozent im Jahresvergleich ist kein Ausreißer nach oben, aber auch kein Alarmsignal.
Interessanter ist, was daneben passiert: Der G9L feierte am 11. August sein offizielles Debüt und ging in China in den Vorverkauf, das Management kündigte auf der Bilanzkonferenz zu den Zahlen für das zweite Quartal 2026 den offiziellen Marktstart samt Auslieferungsbeginn für September an.
Für das vierte Quartal 2026 soll der MONA L05 folgen. Das ist ein dichter Produkttakt, den ich nicht unterschätzen würde – neue Modelle sind bei chinesischen E-Auto-Herstellern meist der stärkste Hebel für Volumen.
Auch die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 sprechen nicht gegen das Unternehmen: 19,74 Milliarden Renminbi Umsatz bei einer Bruttomarge von 20,7 Prozent. Bemerkenswert finde ich, dass Überseemärkte im ersten Halbjahr 2026 bereits 25 Prozent des Umsatzes beisteuerten – ein Beleg dafür, dass die Internationalisierung kein reines Lippenbekenntnis ist, sondern in der Bilanz ankommt.
Dazu kommt die Robotik-Sparte: Mehr als 900 Millionen Dollar in der ersten Finanzierungsrunde, eine Bewertung von über 6,3 Milliarden Dollar, angeführt von IDG Capital und mit Tencent sowie Alibaba als Investoren.
Reuters berichtete über diese erste externe Finanzierung der Einheit. Wer daran zweifelt, dass XPeng mehr sein will als ein Autobauer, bekommt hier ein handfestes Gegenargument – namhafte Geldgeber legen nicht ohne Prüfung fast eine Milliarde Dollar auf den Tisch.
Warum der Markt trotzdem misstrauisch bleibt
Und doch: Der Markt straft die Aktie ab. Ich sehe dafür einen konkreten Auslöser, der über die reine Kursbeobachtung hinausgeht. Barclays senkte das Kursziel Ende August von 14,00 auf 14,00 Dollar – korrekt: von 15,00 auf 14,00 Dollar – und beließ die Einstufung bei Underweight, mit der Begründung, die Lieferprognose für das dritte Quartal 2026 falle schwächer aus als erwartet. Das ist der Kern des Problems: Nicht die Gegenwart enttäuscht, sondern der Ausblick.
Für mich erklärt das die Diskrepanz zwischen operativen guten Nachrichten und Kursverlauf recht gut. Anleger blicken nicht auf August, sie blicken auf September und Oktober – und dort hat das Management selbst mit einer vorsichtigeren Guidance für Zweifel gesorgt.
Die Aktie notiert aktuell rund 12 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und rund 33 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt, was zeigt: Der Abwärtstrend ist nicht nur ein Tagesphänomen, sondern strukturell verankert. Gleichzeitig liegt der Kurs nur rund 2,7 Prozent über dem 52-Wochen-Tief – die Verkäufer haben also schon viel Pessimismus eingepreist.
Ergänzend zur Produktseite passt die Meldung, dass XPeng im August in Guangzhou eine Genehmigung für Fernsteuerungstests intelligenter vernetzter Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer erhielt, auf ausgewiesenen Teststrecken der Stufen 1 bis 3. Das ist ein weiterer Baustein für die Robotaxi-Ambitionen, die das Unternehmen laut eigenen Angaben im August weiter validiert hat. Operativ baut XPeng also an mehreren Fronten gleichzeitig – Serienfahrzeuge, Robotik, autonomes Fahren.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich ein Unternehmen, das operativ mehr liefert, als der Kursverlauf suggeriert – aber auch eines, dessen kurzfristiger Ausblick laut einer aktuellen Analysteneinschätzung Anlass zur Vorsicht gibt.
Die Diskrepanz zwischen Wachstumszahlen, Produktpipeline und Robotik-Coup auf der einen Seite und einem Kurs nahe am Jahrestief auf der anderen spricht dafür, dass der Markt aktuell stärker auf die verhaltene Q3-Guidance schaut als auf die längerfristige Substanz. Ob sich das im September mit dem G9L-Marktstart dreht, dürfte die nächste wichtige Wegmarke sein.
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