TKMS Aktie: Heirloom-Projekt in Alberta
TKMS kämpft mit hohem Auftragsbestand und negativem Cashflow. Eine Investorentour und ein Klimaprojekt in Kanada sollen Vertrauen schaffen.

Kurz zusammengefasst
- Aktie fällt unter 50-Tage-Linie
- Rekordauftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro
- Freier Cashflow bleibt negativ
- Investoren-Rundreise startet im Juni
Volle Auftragsbücher, aber leere Kassen. Bei TKMS klaffen Anspruch und Wirklichkeit aktuell auseinander. Das Management reagiert nun mit einer Doppelstrategie. Ein Klimaprojekt in Kanada soll einen gigantischen U-Boot-Auftrag sichern. Parallel dazu startet der Vorstand eine Charmeoffensive bei Investoren.
An der Börse wächst die Nervosität. Am Freitag verlor das Papier 4,31 Prozent und rutschte auf 71,10 Euro ab. Damit notiert der Titel spürbar unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn bleibt Aktionären lediglich ein schmales Plus von 2,67 Prozent.
Umweg zum Großauftrag
Der Rüstungskonzern greift in Nordamerika nach dem vielleicht größten kanadischen Rüstungsauftrag seit Jahren. Es geht um bis zu zwölf neue U-Boote. Um die eigene Position zu stärken, unterzeichnete TKMS zwei Absichtserklärungen in Alberta. Gemeinsam mit Partnern plant das Unternehmen eine Anlage zur CO₂-Abscheidung.
Die Partner bringen spezielles Wissen mit. Heirloom Carbon Technologies liefert eine Technologie auf Kalksteinbasis. Die Schwestergesellschaft thyssenkrupp Calvion steuert das Engineering bei. Marktbeobachter werten diesen Schritt als kluge Taktik. TKMS poliert sein Profil auf, um den Zuschlag für die U-Boot-Flotte zu erhalten.
Das Cashflow-Problem
Operativ drückt der Schuh an anderer Stelle. Der Auftragsbestand erreichte Ende März einen Rekordwert von 20,6 Milliarden Euro. Dennoch verbrannte TKMS im vergangenen Geschäftshalbjahr Geld. Der freie Cashflow lag bei minus 72 Millionen Euro. Das Management verweist auf geplante Projektkosten und fehlende Kundenanzahlungen.
Diese Lücke verunsichert den Markt. Um gegenzusteuern, startet der Vorstand am 22. Juni eine Investoren-Rundreise. Der Auftakt findet in London statt. Danach folgen Stationen in Baden-Baden und Mailand. Dort muss die Führungsebene erklären, wie sie Aufträge in reale Gewinne verwandelt. Das gilt besonders für den jüngsten U-Boot-Deal mit Norwegen.
Woche der Wahrheit
Für das laufende Jahr peilt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von bis zu fünf Prozent an. Die operative Marge soll die Marke von sechs Prozent übertreffen. Mittelfristig rechnet TKMS sogar mit mehr als sieben Prozent.
Schon in wenigen Tagen fällt eine weitere Richtungsentscheidung. Am 24. Juni steht das F127-Fregattenprogramm zur Abstimmung. Hier geht es um ein Volumen von 26,2 Milliarden Euro. Ein positives Votum würde dem Konzern massive Planungssicherheit für das nächste Jahrzehnt geben.
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