Gold: Die Energie-Falle?
Goldfondsbestände stiegen, doch Ölpreise und Renditen belasteten den Kurs; Metals Focus erwartet für 2027 im Schnitt 5.330 US-Dollar.

Kurz zusammengefasst
- Gold-ETFs erreichten ein Jahreshoch
- Bestände seit Juli um 5,3 Prozent gestiegen
- Ölpreise und Renditen belasteten Gold
- Metals Focus prognostiziert 5.330 Dollar für 2027
Steigende Fondsbestände geben Gold derzeit keinen verlässlichen Halt. Eine heute aufgegriffene Heraeus-Analyse zeigt wachsende Bestände börsengehandelter Goldfonds trotz des Preisdrucks. Zugleich belasten hohe Energiepreise und die Aussicht auf weitere US-Zinserhöhungen das Edelmetall. Für Anleger ist diese Gegenbewegung entscheidend: Die Investmentnachfrage liefert Unterstützung, reicht bislang aber nicht für eine nachhaltige Erholung.
Fondsanleger bauen ihre Positionen aus
Laut der von GTCFX zitierten Heraeus-Analyse erreichten die weltweiten Gold-ETF-Bestände am 8. Oktober mit 101,3 Millionen Unzen ein Jahreshoch. Anschließend lagen sie weiterhin leicht über 101 Millionen Unzen.
Der Bestandsaufbau steht damit im Gegensatz zur schwachen Preisentwicklung. Er zeigt, dass Fondsanleger ihr Engagement ausweiten, obwohl Gold unter Druck bleibt. Eine unmittelbare Trendwende lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Heraeus verweist darauf, dass hohe Renditen weiterhin Konkurrenz für das Edelmetall darstellen.
Gegenüber dem Juli-Tief nahmen die ETF-Bestände der Analyse zufolge um rund 5,3 % zu. In den vergangenen zwölf Monaten entfiel nahezu die Hälfte des weltweiten Bestandszuwachses auf in Asien gelistete Fonds.
Die regionale Verteilung unterstreicht die Bedeutung asiatischer Anleger für den Bestandsaufbau. Zugleich bleibt die Einschränkung wichtig: Wachsende Fondsbestände garantieren keine steigenden Preise. Für die kurzfristige Richtung spielen die Erwartungen an Inflation und Geldpolitik weiterhin eine zentrale Rolle.
Öl und Zinsen begrenzen die Wirkung
Reuters berichtet heute, dass höhere Ölpreise erneut Inflationssorgen schüren. Geopolitische Risiken und Meldungen über Angriffe auf saudische Infrastruktur stützten den Energiemarkt. Höhere Energiepreise verstärken wiederum die Sorge, dass die US-Notenbank ihre Zinsen länger hoch halten muss. Bloomberg verweist zudem auf höhere Renditen als Belastung für das unverzinsliche Gold.
Der Spotpreis schloss heute bei 4.123,30 USD je Feinunze. Das Tagesminus von -0,4% verdeutlicht, dass der Bestandsaufbau der Fonds den aktuellen Verkaufsdruck nicht aufheben konnte.
Zwischenzeitlich sorgten positive Meldungen zur Diplomatie zwischen den USA und Iran für Entlastung. Medienberichten zufolge erholte sich Gold im Tagesverlauf, als Ölpreise, Dollar und US-Anleiherenditen nachgaben. Die gegensätzlichen Reaktionen zeigen, wie stark der Markt derzeit auf Nachrichten zum Konflikt und deren Folgen für die Zinserwartungen reagiert.
Der nächste geldpolitische Termin ist die Fed-Sitzung am 27.–28.10. Laut Reuters werden kommende Woche außerdem die US-PCE-Inflationsdaten erwartet. Beide Ereignisse können die Einschätzung verändern, wie viel Spielraum die Notenbank für weitere Straffungen sieht.
Metals Focus erwartet längerfristige Erholung
Metals Focus wertet die Goldschwäche nicht als Beginn eines längerfristigen Abwärtstrends. Analyst Matthew Piggott spricht von einer Konsolidierung. Seiner Einschätzung nach kaufen institutionelle Anleger verstärkt nahe 4.000 US-Dollar je Feinunze; auch Zentralbankkäufe stützen die Nachfrage.
Damit unterscheidet das Analysehaus zwischen kurzfristigem Zinsdruck und längerfristigen Nachfragefaktoren. Die erwarteten Käufe der Zentralbanken sollen erheblich bleiben, allerdings geringer ausfallen als während der besonders starken Kaufjahre.
Für 2027 prognostiziert Metals Focus einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.330 US-Dollar je Feinunze. Das entspräche einem Anstieg von 16 % gegenüber dem erwarteten Jahresdurchschnitt dieses Jahres.
Diese Prognose ist keine Bestätigung einer bereits begonnenen Erholung. Sie beschreibt vielmehr das längerfristige Gegengewicht zum aktuellen Zinsdruck: anhaltende Käufe von Fonds, institutionellen Anlegern und Zentralbanken. Kurzfristig entscheidet jedoch auch, ob die kommenden Inflationsdaten die Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen verstärken.
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