Sellas Life Sciences Aktie: Alliance erhöht Kursziel auf 35 Dollar
Sellas-Aktie profitiert von Immuntherapie-Euphorie, doch die Zukunft hängt am REGAL-Studienergebnis. Analysten sehen Potenzial, Risiken bleiben hoch.

Kurz zusammengefasst
- Kursplus nach Moderna-Merck-Daten
- REGAL-Studie als entscheidender Katalysator
- Analysten erhöhen Kursziele
- Hohe Volatilität und Bewertungsrisiko
Ein Blick auf die vergangenen zwei Wochen genügt, um zu verstehen, warum sich bei Sellas Life Sciences derzeit die Gemüter scheiden. Am Freitag legte die Aktie um 13 Prozent zu, nachdem Moderna und Merck positive Phase-3-Daten zu einem Krebsimpfstoff beim Melanom präsentiert hatten. Für mich ist das mehr als eine kurzfristige Sektor-Rally – es ist ein Signal, das die eigentliche Wette auf Sellas neu einrahmt.
Die These: Ansteckungseffekt mit echter Substanz
Die Verbindung zwischen Moderna/Merck und Sellas mag auf den ersten Blick konstruiert wirken – unterschiedliche Indikationen, unterschiedliche Wirkstoffklassen. Doch genau hier widerspreche ich der oberflächlichen Lesart.
Der Maxim-Group-Analyst bezeichnete die Moderna-Merck-Daten laut Medienberichten als „Sieg für Krebsimpfstoffe“ generell – und das ist entscheidend, wenn man bedenkt, dass Sellas‘ GPS-Programm im Kern genau diesem Wirkprinzip folgt: dem Immunsystem beibringen, Tumorzellen zu erkennen.
Maxim Group bekräftigte am 19. August sein Kursziel von 30 Dollar bei Buy-Rating. Zwei Tage zuvor, am 17. August, hatte Alliance Global Partners ihr Kursziel sogar von 25 auf 35 Dollar angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt – mit Verweis auf die Stärke der Pipeline vor dem GPS-Readout.
Für mich überwiegt hier die Logik der Erwartungsbildung: Wenn der Markt bereit ist, Immuntherapie-Ansätze in der Onkologie neu zu bewerten, profitiert ein Unternehmen wie Sellas überproportional, weil seine gesamte Bewertung von genau einem Katalysator abhängt – dem Ausgang der Phase-3-Studie REGAL.
REGAL bleibt der eigentliche Prüfstein
Man darf die Moderna-Euphorie nicht mit der eigenen Studienrealität verwechseln. Die REGAL-Studie zu GPS bei akuter myeloischer Leukämie nähert sich dem vorgegebenen 80. Ereignis, das die finale Wirksamkeitsanalyse auslöst und potenziell den Weg zu einer Zulassungseinreichung ebnet. Das ist der eigentliche Moment der Wahrheit, nicht die Kursreaktion auf fremde Studiendaten.
Parallel dazu läuft eine Phase-2-Studie zu SLS009 bei neu diagnostizierter AML, die mit 28 von 80 eingeschlossenen Patienten nach Unternehmensangaben schneller voranschreitet als der Branchendurchschnitt; Top-Line-Daten werden für das vierte Quartal 2026 erwartet.
Hinzu kommt ein Nebenstrang, der bislang unterbewertet scheint: präklinische Hinweise auf Wirksamkeit von SLS009 (Tambiciclib) bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs, der gegen RAS-Inhibitoren resistent ist. Die klinische Entwicklung dazu wird an einer akademischen Top-Institution vorbereitet. Noch ist das Zukunftsmusik, aber es zeigt, dass die Pipeline breiter ist, als es die Fixierung auf REGAL vermuten lässt.
Bewertung und Risiko: Wo ich vorsichtig bleibe
Die Kursentwicklung spricht für sich: Seit Jahresanfang steht ein Plus von 360 Prozent zu Buche, auf Sicht von 30 Tagen sind es 21 Prozent. Das ist eine Bewertung, die praktisch vollständig auf Erwartung beruht – die Q2-Zahlen von vor zwei Wochen mit einem Nettoverlust von 9,6 Millionen Dollar und einer Kassenposition von 138,3 Millionen Dollar liefern zwar eine gewisse finanzielle Reichweite, aber keine operative Rechtfertigung für eine Marktkapitalisierung von 2,32 Milliarden Euro.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 15,25 Euro beträgt aktuell 14 Prozent – die Aktie hat also bereits einen Teil der jüngsten Euphorie wieder abgegeben. Das passt zu meiner Einschätzung: Der Markt preist ein positives REGAL-Ergebnis zunehmend ein, ohne dass es bereits vorliegt. Die Volatilität von 100 Prozent auf 30-Tage-Basis unterstreicht, wie nervös dieses Wetten auf einen einzelnen Datenpunkt ist.
Mein Fazit
Der Moderna-Merck-Ansteckungseffekt ist kein Strohfeuer, sondern verstärkt eine bereits laufende Neubewertung von Immunonkologie-Ansätzen – davon profitiert Sellas fundamental.
Doch wer hier investiert ist, kauft im Kern eine binäre Wette auf den Ausgang von REGAL, garniert mit optimistischen, aber noch unbewiesenen Zusatzchancen bei SLS009. Die Kursziele von Alliance Global Partners und Maxim Group signalisieren, dass Profis an ein positives Szenario glauben – die extreme Volatilität zeigt aber, dass der Markt selbst sich seiner Sache nicht sicher ist. Unterm Strich: Die Chancen erscheinen mir intakt, das Risiko bleibt jedoch außergewöhnlich hoch.
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