Volkswagen Aktie: Streik-Drohung nach Emden?

Volkswagens Sparziele hängen von einer noch offenen Verständigung über Entgelte, Stellenabbau und Beschäftigungssicherung ab.

Eduard Altmann ·
Modernes Interieur einer Automobilfabrik mit atmosphärischer Beleuchtung und industrieller Ästhetik. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Erste Gesprächsrunde für November angesetzt
  • IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt
  • Zusätzlicher Abbau von 12.000 Stellen vorgesehen
  • Volkswagen plant Kostensenkungen bis 2030

Volkswagen und IG Metall haben gestern den Einstieg in Tarifverhandlungen vereinbart. Eine Entschärfung des Konflikts bedeutet das noch nicht: Der Konzern will die Arbeitskosten senken, während die Gewerkschaft höhere Entgelte und die Rücknahme gekündigter Tarifverträge verlangt. Für Anleger steht damit die Umsetzbarkeit des Sparkurses im Mittelpunkt. Ein Verhandlungsfahrplan liegt vor, eine Einigung über die strittigen Maßnahmen dagegen nicht.

Verhandlungen unter wachsendem Zeitdruck

Die erste Verhandlungsrunde soll am 24. November in Emden stattfinden. Als Fortsetzung ist der 15. Dezember in Zwickau vereinbart. Reuters berichtete gestern über die Verständigung zwischen Volkswagen und IG Metall.

Die Gespräche müssen gegensätzliche Positionen zusammenführen. Volkswagen begründet den zusätzlichen Kostendruck mit der verschlechterten Wirtschaftslage. Die Gewerkschaft verlangt dagegen nicht nur mehr Geld, sondern auch Verlässlichkeit bei den bestehenden Vereinbarungen.

IG Metall fordert 5 % mehr Entgelt. Volkswagen hat zehn von zwölf Haustarifverträgen gekündigt. Gewerkschaft und Betriebsrat verlangen laut Reuters, diese Kündigungen bis Ende Oktober zurückzunehmen.

Damit steht noch vor dem eigentlichen Verhandlungsbeginn eine weitere Frist an. Sie erhöht den Druck auf beide Seiten, ohne bereits einen Kompromiss vorzuzeichnen.

Die Friedenspflicht endet am 31. Dezember. Danach sind Streiks möglich. IG Metall droht mit Arbeitskampf, falls Volkswagen die Tarifkündigungen nicht zurücknimmt. Der vereinbarte Gesprächsstart beseitigt dieses Risiko somit nicht.

Zusätzlicher Personalabbau bleibt umstritten

Nach Angaben von Volkswagen ist an deutschen VW-Standorten bereits ein sozialverträglicher Abbau von mehr als 35.000 Stellen bis 2030 vereinbart. Das Konzernzielbild sieht bei der Volkswagen AG zusätzlich 12.000 Stellen weniger vor.

Entscheidend ist nun, mit welchen Instrumenten der zusätzliche Abbau gelingen soll. Volkswagen schlägt unter anderem öffentlich förderfähige Transfergesellschaften vor. Zugleich betont das Unternehmen, am Zukunftstarifvertrag und der Beschäftigungssicherung festzuhalten.

IG Metall und Betriebsrat lehnen diesen Vorschlag ab. Laut Handelsblatt wirft die Gewerkschaft dem Vorstand vor, damit die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 auszuhebeln. Außerdem würden Kosten des Personalabbaus auf die Allgemeinheit verlagert. Betriebsratschefin Daniela Cavallo sieht die Beschäftigungssicherung ebenfalls gefährdet.

Für Aktionäre liegt hier ein zentraler Umsetzungskonflikt: Volkswagen will die Personalkosten schneller reduzieren, muss sich über die dafür vorgesehenen Instrumente aber erst mit den Arbeitnehmervertretern verständigen. Die angekündigten Gespräche sind deshalb ein Verfahrensschritt, noch kein Nachweis gesicherter Einsparungen.

Kostenziele brauchen eine tragfähige Vereinbarung

Volkswagen plant bis 2030 rund 20 Mrd. Euro Kostensenkungen entlang der Wertschöpfungskette. Hinzu kommen rund 11 Mrd. Euro weniger Gemeinkosten. Es handelt sich um Ziele, nicht um bereits erzielte Entlastungen.

Der Personalstreit ist damit Teil eines umfassenderen Umbaus. Neben den Arbeitskosten geht es auch darum, wie Volkswagen seine Produktion künftig organisiert und welche Perspektiven die Standorte erhalten.

Bis Mitte 2027 soll ein Konzept für eine wettbewerbsfähige europäische Produktionsstruktur entstehen. Der Betriebsrat kritisiert laut Reuters ausbleibende Produktzusagen für VW-Werke.

Der Tarifstart schafft somit einen Rahmen für die nächsten Entscheidungen. Ob Volkswagen seine Sparziele sozialverträglich umsetzen kann, hängt jedoch an einer noch offenen Verständigung über Personalinstrumente, Entgelt und Standortperspektiven. Solange diese fehlt, bleiben die geplanten Kostensenkungen mit einem erheblichen Verhandlungsrisiko verbunden.

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Volkswagen Aktie

68,82 EUR

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Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 7,58 %
Marktkapitalisierung 34,50 Mrd. EUR
Ø Kursziel 101,66 EUR
ISIN: DE0007664039 WKN: 766403

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