Anthropic Aktie: 65 Milliarden Dollar annualisiert Ende Juli
Anthropic peilt mit 65 Mrd. Dollar Umsatzrate und Sonderaktien für die Führung einen Rekord-Börsengang an. Eigene Chips und Zukäufe sollen die Nvidia-Abhängigkeit reduzieren.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzrate klettert auf 65 Milliarden
- IPO könnte SpaceX-Rekord brechen
- Sonderstimmrechte für CEO Amodei
- Chip-Strategie gegen Nvidia-Abhängigkeit
Anthropic steuert auf einen historischen Börsengang zu. Die annualisierte Umsatzrate des KI-Unternehmens kletterte bis Ende Juli auf 65 Milliarden Dollar – nach 47 Milliarden im Mai und lediglich 9 Milliarden Ende 2025. Investoren rechnen für das Gesamtjahr 2026 mittlerweile mit einem Umsatz zwischen 100 und 120 Milliarden Dollar, wie Bloomberg berichtete.
Diese Wachstumsdynamik bildet die Grundlage für Spekulationen über die Bewertung beim geplanten Börsengang. Bloomberg berichtete am 21. August, der Börsengang könnte die Rekordmarke des SpaceX-Debüts von 1,77 Billionen Dollar erreichen oder übertreffen. Konkrete Registrierungsunterlagen könnten bereits Ende August eingereicht werden, blieben zum Wochenbeginn aber noch vertraulich.
Machtstrukturen vor dem Gang aufs Parkett
Vor dem Börsengang sichert sich die Unternehmensführung erweiterten Einfluss. CEO Dario Amodei und die Mitgründer erhalten Aktien mit Sonderstimmrechten. Amodei selbst hält nach Berichten von The Information und Bloomberg lediglich rund 2 Prozent der Anteile, gewinnt durch die neue Aktienklasse aber deutlich mehr Kontrolle.
Der Long-Term Benefit Trust, der über die Berufung der Mehrheit des Vorstands wacht, bleibt davon unberührt – seit dem Ausscheiden von Mariano-Florentino Cuéllar, der zum Chief Global Affairs Officer aufstieg, zählt das Gremium noch drei Mitglieder: Neil Buddy Shah, Richard Fontaine und Ben Bernanke.
Parallel dazu bereitet sich Anthropic auf die finanzielle Seite des Börsengangs vor. Eine revolvierende Kreditlinie soll das ursprüngliche Ziel von 10 Milliarden Dollar übertreffen, da Banken um Mandate für den Börsengang konkurrieren.
Eigene Chips statt Nvidia-Abhängigkeit
Ein strategischer Baustein betrifft die Hardware-Basis des Unternehmens. Anthropic holte Amir Salek an Bord, der zuvor Googles Programm für kundenspezifische Chips und das TPU-Geschäft leitete. Berichten zufolge soll er den Aufbau einer eigenen Halbleiter-Entwicklung vorantreiben, um die Abhängigkeit von Nvidia-Grafikprozessoren zu verringern.
Flankiert wird dieser Schritt durch einen Chip-Auftrag über 250 Millionen Dollar an den britischen Anbieter Fractile mit Option auf Erweiterung sowie Kapazitätsvereinbarungen mit Riot Platforms und Volta Infra Holdings.
Zudem verhandelt Anthropic laut Bloomberg über eine Übernahme des israelischen Start-ups Decart für rund 6 Milliarden Dollar – die bislang größte bekannte Akquisition des Unternehmens, deren Abschluss allerdings noch offen ist.
Marktanteil hält, doch Preisdruck wächst
Bei der Nutzung durch Geschäftskunden bleibt Anthropic laut Daten des Zahlungsdienstleisters Ramp vorn: Im Juli hielt das Unternehmen 44 Prozent der erfassten US-Geschäftsnutzer gegenüber 40 Prozent für OpenAI, das im dritten Quartal jedoch schneller wächst.
Gleichzeitig berichtete die Financial Times, dass Kunden zunehmend auf günstigere Alternativmodelle wie GPT-5.5 oder offene Modelle statt auf das Premiumangebot Fable 5 ausweichen – eine Entwicklung, die die Frage aufwirft, ob technologischer Fortschritt tatsächlich in höhere Kundenausgaben übersetzt oder stattdessen sinkende Preise erzwingt.
Auf der regulatorischen Seite verzeichnete Anthropic zudem einen Rückschlag: Die Kryptobörse OKX suspendierte kurzzeitig ihr Firmenkonto wegen eines Regelverstoßes und untersagte anschließend Mitarbeitern in Hongkong und China den Zugriff auf Claude.
Im eigenen Risikobericht hob Anthropic die Einschätzung des Fehlausrichtungsrisikos von „sehr niedrig“ auf „niedrig“ an – unter Verweis auf jüngste Cybersicherheitsvorfälle. Ein internes, leistungsfähigeres Modell mit dem Namen „Model 2“ soll vorerst nicht veröffentlicht werden.
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