Fuchs hebt an, Norma kürzt: Die Berichtssaison prüft die Kasse

Fuchs erzielt im dritten Quartal ein höheres EBIT als erwartet und erhöht das Jahresziel; Norma plant ab 2027 eine niedrigere Ausschüttungsquote.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Fuchs meldet 149 Millionen Euro Quartals-EBIT
  • Jahresziel steigt auf rund 500 Millionen Euro
  • Norma plant ab 2027 mindestens zehn Prozent Ausschüttung
  • BASF benötigt hohen Mittelzufluss im zweiten Halbjahr

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die deutsche Berichtssaison beginnt mit einer schlichten Frage: Wer verdient wirklich Geld? Diese Frage wiegt schwerer als jeder Umsatzrekord. Fuchs liefert heute die positive Antwort und hebt die Jahresprognose an. Norma Group gibt die negative und kürzt die Ausschüttung, um die Bilanz zu schonen.

Und BASF steht vor einem zweiten Halbjahr, in dem der freie Mittelzufluss ein Vielfaches des ersten erreichen muss. Das Umfeld bleibt unruhig. Der DAX gab die Freitagsgewinne wieder ab, belastet von Unruhen in Frankreich und einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Ölterminal in St. Petersburg.

Fuchs: Ein Quartal, das den Konsens um fast 30 Prozent schlägt

Der Mannheimer Schmierstoffhersteller Fuchs hat im dritten Quartal ein operatives Ergebnis (EBIT) von 149 Millionen Euro erzielt. Analysten hatten im Schnitt 116 Millionen Euro erwartet, im Vorjahresquartal standen 117 Millionen Euro in den Büchern. Nach neun Monaten summiert sich das EBIT auf 409 Millionen Euro, der Umsatz legte um 15,8 Prozent auf gut 3,1 Milliarden Euro zu.

Die Konsequenz: Fuchs peilt für 2026 nun ein EBIT von rund 500 Millionen Euro an, nachdem bisher 460 bis 480 Millionen Euro im Plan standen. Auch der Konsens von 481 Millionen Euro lag damit zu tief. Der Umsatz soll bei rund 4,1 Milliarden Euro landen.

Die im MDAX notierte Vorzugsaktie reagierte verhalten und lag im Verlauf mit einem leichten Plus bei rund 45,58 Euro, und dafür gibt es einen Grund. Fuchs warnt selbst vor einem saisonal schwächeren vierten Quartal, weil Kunden Bestellungen vorgezogen haben.

Für Anleger heißt das: Die Prognoseanhebung ist belastbar, aber ein Teil des Jahreserfolgs ist bereits eingefahren, und die Fantasie für den Jahresendspurt bleibt begrenzt. Die detaillierten Neunmonatszahlen folgen am Freitag, 30. Oktober.

Norma und BASF: Wenn die Kasse die Ausschüttung diktiert

Norma Group zeigt die Kehrseite derselben Medaille. Der Verbindungstechnik-Spezialist senkt die Ausschüttungsquote ab 2027 auf mindestens 10 Prozent des bereinigten Konzernjahresergebnisses, bisher galten 30 bis 35 Prozent. Die Norma-Aktie verlor am Vormittag bis zu 3,5 Prozent. Wer Norma als Dividendenwert im Depot hält, muss das Investment neu begründen: Das Unternehmen priorisiert erkennbar die Bilanz vor den Aktionären.

Bei BASF wird die Cashflow-Frage zur Nagelprobe für die Jahresziele. Das Analysehaus mwb research erwartet für das dritte Quartal ein bereinigtes EBITDA von 1,65 Milliarden Euro, nach 2,45 Milliarden Euro im zweiten Quartal, aber rund 8 Prozent über dem Konsens. Der eigentliche Knackpunkt steht in der Kapitalflussrechnung.

Im ersten Halbjahr lag der freie Mittelzufluss bei minus 1,6 Milliarden Euro. Um das Jahresziel von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro zu erreichen, müssen im zweiten Halbjahr 3,1 bis 3,9 Milliarden Euro hereinkommen. Gleichzeitig plant BASF für das zweite Halbjahr 2,5 Milliarden Euro Schuldentilgung und eine Milliarde Euro Aktienrückkauf.

Immerhin: Die Kostensenkungen erreichen bereits 2 Milliarden Euro auf Jahresbasis, Ziel bis Ende 2026 sind 2,3 Milliarden Euro. mwb research bleibt bei „Halten“ mit Kursziel 55 Euro, die BASF-Aktie notiert auf Xetra bei 52,47 Euro. Der Bewertungsabschlag ist klein, das Ausführungsrisiko im Cashflow dagegen groß.

Chips: Erholung nach acht Verlusttagen, und ein Upgrade mit Haken

Der Halbleitersektor versucht die Wende nach dem schärfsten Ausverkauf seit Jahren. Der Philadelphia-Halbleiterindex SOX hatte acht Handelstage in Folge verloren, die längste Serie seit Oktober 2008, und in der Vorwoche 11,4 Prozent eingebüßt. Rund zwei Billionen Dollar Börsenwert lösten sich auf. Trotzdem steht der SOX im laufenden Jahr noch 57,2 Prozent im Plus.

Am Montag drehen die Werte: Intel notiert im Verlauf 4,4 Prozent höher bei umgerechnet rund 93,70 Dollar, Micron legt gut 4 Prozent zu, Lam Research gewinnt 4,9 Prozent. Auslöser bei Intel ist eine Hochstufung durch JPMorgan von „Underweight“ auf „Neutral“ mit Kursziel 85 Dollar. Man beachte den Haken: Das Ziel liegt unter dem aktuellen Kurs.

JPMorgan lobt die Umsetzung unter Konzernchef Tan, verweist aber auf verlorene Marktanteile bei Server-Prozessoren von 77 auf 53 Prozent seit Ende 2022. Das Fremdgeschäft der Intel-Auftragsfertigung bringt annualisiert nur rund eine Milliarde Dollar, TSMC kommt auf 150 Milliarden.

Die fundamentale Gegenthese liefert TSMC selbst. Der TSMC-Umsatz im dritten Quartal stieg um 41,2 Prozent auf 46,7 Milliarden Dollar, die Bruttomarge kletterte auf 66,4 Prozent. Für das vierte Quartal stellt TSMC 52,3 bis 54,3 Milliarden Dollar in Aussicht. Die Nachfrage ist intakt, der Abverkauf war eine Bewertungs- und Kreditfrage.

Die Woche entscheidet, ob das trägt: Lam Research und Texas Instruments berichten in den kommenden Tagen, Intel am 29. Oktober. Auch Südkoreas Kospi fing sich nach einem Minus von über 3 Prozent zur Eröffnung und schloss im Plus.

Medtech und Industrie: Die stillen Qualitätswerte legen vor

Abseits von Big Tech beginnt am Dienstag und Mittwoch die Berichtssaison der Werte mit verlässlichen Margen. ABB legt am Dienstag Zahlen vor. Analysten erwarten einen Auftragseingang von 11,4 Milliarden Dollar nach 8,6 Milliarden im Vorjahresquartal und eine operative EBITA-Marge von 20,5 Prozent nach 19,2 Prozent. Die ABB-Übernahme von Rotork für 5,5 Milliarden Dollar soll im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden.

Am Mittwoch folgen vor US-Börsenstart Abbott und Danaher. Für Abbott rechnet der Konsens mit einem Gewinn je Aktie von 1,41 Dollar nach 1,30 Dollar und einem Umsatz von 12,99 Milliarden Dollar nach 11,37 Milliarden. Danaher soll 1,92 Dollar je Aktie nach 1,89 Dollar erreichen, bei 6,56 Milliarden Dollar Umsatz.

Beide Konsenswerte beziehen sich auf die von Analysten üblicherweise geschätzte bereinigte Basis. Bei Danaher haben TD Cowen und Barclays ihre Kursziele im Oktober auf jeweils 255 Dollar angehoben, die Aktie schloss am Freitag bei 229 Dollar. Auslöser war unter anderem eine am 14. Oktober angekündigte KI-Kooperation mit Nvidia.

In Europa sieht UBS vor den Zahlen Chancen bei Sonova, Smith & Nephew und Convatec. Bei Sonova erwartet die Bank zu den Halbjahreszahlen am 12. November eine Anhebung der Prognose auf 7 bis 9 Prozent Umsatzwachstum, Kursziel 273 Franken. Für ein Depot, das die Schwankungen der Chipwerte abfedern soll, sind diese Berichte die relevanteren Signale als Meta oder Tesla.

Standort Deutschland: Merz wirbt um Kapital, Berlin streitet über Enteignung

Während Bundeskanzler Merz heute mit mehr als 200 Kapitalgebern beim Investitionsgipfel in Berlin sitzt, verliert Vonovia im Verlauf 2,1 Prozent auf 16,39 Euro. Der Grund: In den Berliner Koalitionssondierungen wird erneut über die Vergesellschaftung privater Wohnungsbestände diskutiert. Die Vonovia-Aktie notiert damit knapp über dem 52-Wochen-Tief vom 8. Oktober, die geschätzte Dividendenrendite liegt laut FactSet bei 7,63 Prozent.

Der Kontrast ist die eigentliche Nachricht. Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland sind von Januar bis August auf 43 Milliarden Euro geschrumpft, nach 79 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das IW Köln beziffert die Investitionslücke seit 2020 auf rund 420 Milliarden Euro, das ifo-Institut zählt seit 2019 fast 496.000 verlorene Industriearbeitsplätze.

Merz setzt auf eine Kooperation mit Nvidia-Chef Jensen Huang für industrielle KI und die Initiative „Made for Germany“ mit 850 Milliarden Euro bis 2028. Dazu kommt eine Inflation, die laut Bundesbank bis 2027 „merklich erhöht“ bleibt; im September lagen die Verbraucherpreise 3,3 Prozent über Vorjahr.

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Unterm Strich

In dieser Woche entscheidet die Kasse über die Bewertung, nicht die Erzählung. Fuchs hat gezeigt, wie eine saubere Prognoseanhebung aussieht, Norma, wie teuer Bilanzschutz für Aktionäre wird. Dienstag ABB, Mittwoch Abbott, Danaher und SAP, dazu die Chip-Berichte: Wer jetzt Cashflow liefert, bekommt in diesem unruhigen Umfeld die Prämie.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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