Inflation trifft Amerika: Krieg treibt Preise

Hohe Energiepreise und steigende Mieten lassen die US-Inflation auf 3,8 Prozent klettern. Die Fed sieht sich zu Zinspausen gezwungen.

Felix Baarz ·
Inflation trifft Amerika: Krieg treibt Preise

Kurz zusammengefasst

  • Ölpreisschock treibt Inflation
  • Fed-Spielraum für Zinssenkungen schwindet
  • EV-Boom als Profiteur der Krise
  • US-Haushaltsdefizit wächst rasant

Der Iran-Krieg schlägt immer deutlicher auf die Geldbörsen amerikanischer Haushalte durch. Die US-Inflationsrate kletterte im April auf 3,8 Prozent – der größte Jahresanstieg seit Mai 2023. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Ölpreisschock als Inflationstreiber

Die Rechnung ist brutal simpel: Die effektive Schließung der Straße von Hormus hat die globalen Öllieferketten abgewürgt. Brent-Rohöl notiert bei 107 Dollar je Barrel – weit über dem Vorkriegsniveau von rund 70 Dollar. Benzinpreise stiegen im April um 5,4 Prozent, nach einem rekordverdächtigen Anstieg von 21,2 Prozent im März. Andere Kraftstoffe wie Diesel legten sogar um 17 Prozent zu.

Der Energiesektor allein verantwortet mehr als 40 Prozent des gesamten CPI-Anstiegs vom April. Die Zweitrundeneffekte kommen erst noch: Höhere Transportkosten verteuern nahezu alle Güter, die per Lkw bewegt werden. Nahrungsmittelpreise zogen bereits um 0,5 Prozent an – Rindfleisch allein um 2,7 Prozent, Kaffee um 2,0 Prozent. „Prices are going up everywhere you look“, brachte es Ökonomin Janelle Jones vom Century Foundation auf den Punkt.

Gleichzeitig sorgte ein einmaliger statistischer Korrekturfaktor bei den Mietpreisen für zusätzlichen Auftrieb. Der durch den Regierungsshutdown im vergangenen Jahr ausgefallene Datenerhebungszyklus hatte die Mietindizes künstlich gedrückt – April brachte die Korrektur: Mietkosten stiegen um 0,5 Prozent, Hotelpreise sogar um 2,8 Prozent.

Fed sitzt in der Falle

Für die US-Notenbank ist die Lage unangenehm. Chicago-Fed-Präsident Austan Goolsbee bezeichnete den Inflationsbericht als „unerwartet enttäuschend“ – und das nicht nur wegen der Energiepreise. Besonders der Dienstleistungssektor bereitet ihm Sorgen: „That’s the part that I’m nervous about.“ Denn steigende Servicepreise lassen sich nicht mit Ölpreisen erklären – sie deuten auf eine breitere Verfestigung des Inflationsdrucks hin.

An den Märkten kam die Botschaft an: Anleiherenditen zogen an, der Nasdaq verlor 0,8 Prozent zum Handelsstart, der S&P 500 gab 0,4 Prozent nach. Peter Cardillo von Spartan Capital Securities ist überzeugt, dass dem neuen Fed-Vorsitzenden – Kevin Warsh wurde gerade bestätigt – die Hände gebunden sind: „He’s not likely to lower rates anytime this year.“ Ökonomen rechnen inzwischen sogar damit, dass die Zinsen bis weit in das Jahr 2027 unverändert bleiben könnten.

Dabei hat die Fed gerade ihren langjährigen Vorsitzenden Jerome Powell verabschiedet, der laut Goolsbee ein „Hall of Fame Fed Chair“ gewesen sei. Warsh übernimmt in einem denkbar schwierigen Umfeld – mit steigender Inflation, einem blockierten Seeweg und politischem Druck aus dem Weißen Haus.

Trumps Prioritäten – und ihre Kosten

Geopolitisch zeigt Präsident Trump wenig Interesse an einem schnellen Kompromiss. Auf die Frage, inwieweit die finanzielle Lage der Amerikaner seine Iran-Verhandlungen beeinflusse, antwortete er schlicht: „Not even a little bit.“ Das einzige, was zähle: Iran dürfe keine Atomwaffe haben.

Dabei wächst der Druck auch aus den eigenen Reihen. Republikanische Abgeordnete fürchten, dass die wirtschaftlichen Folgen des Krieges – steigende Spritpreise, höhere Inflation – bei den Midterm-Wahlen im November zur Belastung werden könnten. Trumps Vorschlag, die Benzinsteuer um 18,4 Cent zu senken, fand unter Ökonomen wenig Anklang. Das sei „robbing Peter to pay Paul“, wie Jones es formulierte.

Die Verhandlungslage selbst bleibt verfahren. Irans Gegenentwurf – Anerkennung seiner Souveränität über die Straße von Hormus, Kriegsschadensersatz, sofortiger Waffenstillstand auf allen Fronten – nannte Trump „inakzeptabel“. Der Waffenstillstand sei auf „massive life support“. Beobachter setzen Hoffnungen auf das bevorstehende Treffen zwischen Trump und Xi Jinping in Peking – ob China als Garant eines Friedensabkommens fungieren kann, ist aber mehr Spekulation als belastbare Aussicht.

EV-Boom als unerwarteter Gewinner

Während der Krieg die Weltwirtschaft belastet, profitiert ein Sektor von den hohen Spritpreisen: Elektrofahrzeuge. Weltweit stiegen die EV-Neuzulassungen im April um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,6 Millionen Einheiten, zeigen Daten der Beratungsfirma Benchmark Mineral Intelligence. Europa legte dabei besonders stark zu – ein Plus von 27 Prozent auf rund 400.000 Einheiten.

Das Bild ist allerdings nicht überall einheitlich. In Nordamerika brachen die Zulassungen um 28 Prozent ein, nachdem das US-Steuerkreditprogramm für Elektroautos ausgelaufen ist. China verzeichnete ebenfalls einen Rückgang von 8 Prozent auf dem Heimatmarkt – chinesische Hersteller kompensieren das jedoch mit aggressiver Exportstrategie: Allein im April wurden mehr als 400.000 Elektrofahrzeuge ausgeführt.

Haushaltsdefizit wächst trotz Surplusmonat

Ein weiterer Datenpunkt vervollständigt das makroökonomische Bild: Das US-Finanzministerium meldete für April einen Budgetüberschuss von 215 Milliarden Dollar – rund 43 Milliarden weniger als im Vorjahr. Höhere Steuererstattungen, gestiegene Zinszahlungen und erhöhte Militärausgaben im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg drückten das Ergebnis. Im bisherigen Fiskaljahr 2026 türmt sich das Defizit bereits auf 954 Milliarden Dollar auf.

Die Zahlen zeichnen das Bild einer Wirtschaft unter Stress. Inflation steigt schneller als Löhne, die Notenbank hat kaum Spielraum, und politisch ist kein schnelles Ende des Konflikts in Sicht. Was bleibt, ist eine zentrale Frage: Wie lange halten Verbraucher und Konjunktur diesem Druck noch stand?

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