Gold: Monatsverlust seit 2008 nicht gesehen
Gold steuert auf den größten monatlichen Kursrückgang seit der Finanzkrise zu. Zinsangst, starker Dollar und geopolitische Entspannung setzen dem Edelmetall zu.

Kurz zusammengefasst
- Zweistelliger Kursrutsch im Juni
- Fed-Kurs und Dollar belasten
- Nahost-Entspannung schwächt Nachfrage
- Zentralbanken kaufen trotz Abverkauf
Gold steuert auf den massivsten Monatsverlust seit der Finanzkrise 2008 zu. Der Preis stürzte im Juni zweistellig ab. Aktuell notiert das Edelmetall bei rund 4.043 US-Dollar. Der sichere Hafen bröckelt unter dem Druck von Zinsen und Geopolitik.
Zinsdruck und starker Dollar
Die US-Notenbank hält die Zügel straff. Unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh bleibt die Fed auf einem restriktiven Kurs. Marktteilnehmer rechnen mehrheitlich mit einer weiteren Zinserhöhung im September 2026. Das Zinsniveau von bis zu 3,75 Prozent macht Gold ohne Zinsertrag unattraktiv.
Parallel dazu verharrt der US-Dollar auf einem Jahreshoch. Analysten von Goldman Sachs und der Deutschen Bank reagieren bereits. Sie senkten ihre Preisprognosen für das dritte Quartal deutlich. Ein robuster US-Arbeitsmarkt könnte diesen Trend weiter befeuern.
Entspannung in Nahost drückt den Preis
Ein weiterer Belastungsfaktor kommt aus dem Nahen Osten. In Doha verhandeln US-Gesandte und regionale Vertreter über Schifffahrtsrechte. Ein erstes Rahmenabkommen sichert eine zweimonatige gebührenfreie Durchfahrt in der Straße von Hormus. Das mindert den Druck auf die globalen Lieferketten erheblich.
Die geopolitische Entspannung schickt die Energiemärkte auf Talfahrt. Der Ölpreis brach zeitweise von 120 auf rund 72 US-Dollar ein. Sinkende Energiekosten dämpfen die weltweiten Inflationserwartungen spürbar. Damit verliert Gold sein wichtigstes Kaufargument als klassischer Inflationsschutz.
Zentralbanken kaufen, ETFs bluten aus
An den Terminmärkten dominiert der Verkaufsdruck. Der weltgrößte Gold-ETF, der SPDR Gold Trust, meldet schrumpfende Bestände. In China zogen Investoren in nur drei Monaten Milliarden aus Gold-ETFs ab. Die Stimmung der Finanzinvestoren ist im Keller.
Die physische Nachfrage zeichnet ein völlig anderes Bild. Die chinesischen Goldimporte stiegen im Mai um 63 Prozent. Auch die Notenbanken greifen weiterhin zu. Die chinesische Zentralbank kaufte im Frühjahr 23 Tonnen Gold für ihre Reserven.
Der charttechnische Abwärtstrend bleibt intakt. Seit dem Jahresanfang verbucht der Goldpreis ein Minus von knapp sieben Prozent. Der Kurs notiert deutlich unter seiner 50-Tage-Linie. Am 2. Juli liefern neue US-Arbeitsmarktdaten den nächsten Impuls. Fallen die Jobdaten stark aus, droht dem Edelmetall ein weiterer Rückschlag.
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