Nvidia Aktie: Jensen Huang wird zum Kreditgeber
Nvidia plant mit Wall-Street-Partnern 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur. Die Aktie fällt, Analysten bleiben optimistisch.

Kurz zusammengefasst
- Wall-Street-Allianz für KI-Rechenzentren
- Nvidia beteiligt sich an Krediten
- Vergleiche mit Immobilienblase
- Analysten sehen Kursziel über 300 Dollar
Nvidia baut sein Geschäftsmodell um eine neue Säule aus: die Finanzierung der eigenen Kundschaft. Sechs Schwergewichte der Wall Street – Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR – haben Absichtserklärungen unterzeichnet, um mehr als 500 Milliarden Dollar an Drittkapital für den Bau von KI-Rechenzentren zu mobilisieren. Die Aktie reagierte darauf mit einem Rückgang von rund 2 Prozent.
Compute als Anlageklasse
Jensen Huang nennt es sein „big concept“: Rechenleistung soll zu einer eigenständigen, investierbaren Anlageklasse werden. In einem Interview beschrieb er Nvidias Chips als „revenue-generating assets“ – langlebig, produktiv und flexibel einsetzbar. Über sogenannte Finanzierungsplattformen sollen Kunden Zugang zu Rechenleistung erhalten, während institutionelle Investoren wie bei Anleihen oder verbrieften Krediten an den Erträgen der AI-Factories teilhaben.
Nvidia selbst bleibt dabei nicht außen vor. Das Unternehmen kann sich mit bis zu 25 Prozent an jedem einzelnen Kredit beteiligen – ein Schritt, der Kreditnehmern günstigere Konditionen verschaffen soll, gleichzeitig aber Nvidias eigenes Bilanzrisiko erhöht. Kritiker sehen darin ein verschärftes Muster zirkulärer Finanzierung: Der Chiphersteller pumpt Kapital in genau jene Kunden, die anschließend wieder seine Produkte kaufen.
Vergleiche mit der Immobilienblase
Die Parallelen zur Verbriefung von Hypotheken vor der Finanzkrise 2007 bis 2009 blieben in der Debatte nicht aus. BlackRock-Chef Larry Fink zog selbst einen Vergleich – allerdings zu den Anfängen des Markts für hypothekenbesicherte Wertpapiere in den 1970er-Jahren, nicht zu dessen Kollaps. Goldman-Sachs-Chef David Solomon räumte ein, dass es im KI-Wettbewerb „Gewinner und Verlierer“ geben werde. Details zu Zinssätzen, konkreten Kreditnehmern oder Zeitplänen blieben in der Ankündigung offen, die Vereinbarungen stehen unter dem Vorbehalt endgültiger Verträge.
Trotz der Skepsis bleibt das Analystenbild für die Aktie klar positiv. Von 37 erfassten Häusern stufen 36 Nvidia als Kaufempfehlung ein, das mittlere Kursziel liegt bei rund 309 Dollar. UBS bestätigte zuletzt ein Kursziel von 280 Dollar, Bernstein und Wells Fargo nannten unabhängig voneinander 315 Dollar. Auch Cathie Woods ARK Invest baute ihre Nvidia-Position zuletzt weiter aus und stockte um Aktien im Wert von rund 26,6 Millionen Dollar auf, während gleichzeitig Palantir-Anteile verkauft wurden.
Der nächste konkrete Prüfstein folgt am 26. August, wenn Nvidia die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal vorlegt. Dann wird sich zeigen, wie belastbar die operative Basis für ein Finanzierungsvorhaben dieser Größenordnung tatsächlich ist.
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