Fed-Protokoll offenbart Risse in der US-Geldpolitik

Die Fed hob den Leitzins im September an; das Protokoll dokumentiert unterschiedliche Einschätzungen zum weiteren Kurs und zur Finanzmarktstabilität.

Felix Baarz ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • September-Zinsanhebung auf 3,75 bis 4,00 Prozent
  • Fed-Mitglieder uneins über Gründe und Kurs
  • Märkte erwarten Ende Oktober eine Zinspause
  • Fed bereitet sich auf Treasury-Marktstress vor

Die US-Notenbank Federal Reserve demonstriert nach außen Einigkeit, ringt intern aber mit einem Richtungskonflikt. Zwar hoben die Währungshüter den Leitzins im September geschlossen um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Das nun veröffentlichte Sitzungsprotokoll zeigt jedoch, dass die Notenbanker bei der Begründung und beim künftigen Kurs tief gespalten sind.

Während einige Ratsmitglieder den Zinsschritt primär als reine Vorsichtsmaßnahme gegen Energiepreisschocks einstuften, sah ein anderer Teil der Fed die Maßnahme als zwingende Reaktion auf eine anhaltend hohe Nachfrage. Zudem bewerteten mehrere Teilnehmer das aktuelle Zinsniveau weiterhin als kaum restriktiv. Die Mehrheit signalisierte allerdings, dass bis zum Jahresende ein weiterer Schritt nach oben angemessen sein dürfte.

Zinsspekulationen kühlen ab

An den Terminmärkten setzte sich nach den Veröffentlichungen dennoch die Einschätzung durch, dass die Notenbank auf ihrer nächsten Sitzung Ende Oktober zunächst pausieren wird. Fed-Funds-Futures preisen eine Anhebung um weitere 25 Basispunkte für den anstehenden Zinsentscheid lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 19 Prozent ein. Marktbeobachter rechnen vielmehr mit einer Fortsetzung der Straffung im Dezember.

Der Devisenmarkt reagierte verhalten auf die Signale aus Washington. Der US-Dollar behauptete sein Niveau nahe einem Eineinhalbjahreshoch, während der Dollar-Index bei 102,23 Punkten verharrte.

Sorge vor Verwerfungen am Anleihemarkt

Hinter den Zinsdebatten wächst im Führungsgremium der Notenbank die Aufmerksamkeit für die Stabilität der Staatsanleihen. Einzelne Ratsmitglieder mahnten, sich rechtzeitig auf möglichen Stress am Markt für US-Treasuries vorzubereiten. Die jüngste Zinswende hatte die Renditen am langen Ende merklich nach oben getrieben und die Finanzierungskosten für den Staat sowie Hypothekenkunden spürbar verteuert.

Fed-Vorsitzender Kevin Warsh verfolgt das Ziel, die Wertpapierbestände der Notenbank künftig zu verringern und Sondermaßnahmen zurückzufahren. Bei möglichen Marktstörungen stünden bestehende Liquiditätsfazilitäten als erste Verteidigungslinie bereit, um Interventionen über direkte Anleihekaufprogramme zu vermeiden.

Vor dem Zinsentscheid am 28. Oktober stehen nun Auftritte mehrerer regionaler Fed-Präsidenten an, die Hinweise auf die Mehrheitsverhältnisse im Zinsausschuss geben dürften.

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