Marinomed Biotech Aktie: Sanierungsplan vom November gescheitert

Marinomed Biotech stellt Insolvenzantrag nach Zahlungsausfällen von Unither Pharmaceuticals. Die Aktie verliert massiv an Wert, Analysten setzen Rating aus.

Dr. Robert Sasse ·
Marinomed Biotech Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Sanierungsantrag beim Landesgericht Korneuburg eingereicht
  • Zahlungsausfälle von Unither Pharmaceuticals als Auslöser
  • Earn-out-Streit um Carragelose-Verkauf eskaliert
  • RBI beendet Market Making, Aktie verliert 71,73 Prozent

Das österreichische Biopharma-Unternehmen Marinomed Biotech hat beim Landesgericht Korneuburg einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Grund für diesen drastischen Schritt sind massive finanzielle Schwierigkeiten, nachdem ein bereits bestehender Sanierungsplan aus dem Jahr 2024 nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Die Unternehmensführung sieht sich zu dieser Maßnahme gezwungen, da wesentliche Zahlungseingänge eines wichtigen Geschäftspartners ausgeblieben sind.

Zahlungsausfälle führen in die Insolvenz

Die finanzielle Stabilität von Marinomed geriet ins Wanken, als Zahlungen von Unither Pharmaceuticals ausblieben. Laut einer Mitteilung via EQS News ist der gerichtlich genehmigte Sanierungsplan vom 14. November 2024 aufgrund dieser fehlenden Mittel nicht mehr erfüllbar. In der Folge konnte das Unternehmen seine laufenden Verpflichtungen nicht mehr im geplanten Rahmen bedienen. Dieser Schritt markiert eine deutliche Verschlechterung der Lage, nachdem Marinomed noch am 19. März dieses Jahres eine Bar-Kapitalerhöhung durchgeführt hatte, um einen kurzfristigen Kapitalbedarf von rund 2,0 Millionen Euro zu decken.

Das nun eingeleitete Verfahren ohne Eigenverwaltung bedeutet, dass die Kontrolle über wesentliche Entscheidungsprozesse im Sanierungsverlauf auf einen gerichtlich bestellten Verwalter übergeht. Damit reagiert das Management auf das endgültige Scheitern der Verhandlungen über Earn-out-Zahlungen, die eine zentrale Säule der Unternehmensfinanzierung darstellten. Bereits am 16. Juli hatte die Gesellschaft per Ad-hoc-Mitteilung über die Absicht informiert, diesen gerichtlichen Weg einzuschlagen.

Streit um Earn-out-Zahlungen mit Unither Pharmaceuticals

Im Zentrum der Krise steht ein eskalierter Konflikt um den Verkauf des Carragelose-Geschäfts. Im Februar 2025 hatte Unither Pharmaceuticals diesen Geschäftsbereich im Rahmen eines Asset-Deals übernommen. Die Vereinbarung sah damals einen fixen Kaufpreis von 5,0 Millionen Euro sowie zusätzliche, bedingte Earn-out-Zahlungen von bis zu 15,0 Millionen Euro vor. Diese erfolgsabhängigen Zahlungen sollten fließen, wenn bestimmte Geschäftsziele erreicht werden.

Marinomed wirft dem Partner nun jedoch schuldhafte Verzögerungen beim Abschluss von Kundenverträgen vor. Medienberichten zufolge macht das Unternehmen geltend, dass die vereinbarten Ziele nur deshalb nicht erreicht wurden, weil Unither die notwendigen Abschlüsse nicht rechtzeitig herbeigeführt habe. Während Marinomed rechtliche Schritte gegen Unither Pharmaceuticals prüft, sind die Verhandlungen über die Auszahlung der Millionenbeträge endgültig gescheitert. Diese Mittel fehlen nun in der Liquiditätsplanung des Biotech-Unternehmens.

Konsequenzen für den Kapitalmarkt und Analystenbewertung

Die Nachricht vom Sanierungsantrag löste unmittelbare Reaktionen am Finanzmarkt aus. Die Raiffeisen Bank International kündigte am 22. Juli mit sofortiger Wirkung den Vertrag über die Bereitstellung von Liquiditätsleistungen. Damit entfällt das sogenannte Market Making für die Aktien von Marinomed, was die Handelbarkeit der Titel erschweren kann. Zudem wurde die für den 16. September geplante Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts 2026 auf unbestimmte Zeit verschoben, wie das Unternehmen via APA-OTS mitteilte.

Auch die Analysten reagierten prompt auf die neue Sachlage. Die GBC AG setzte am 24. Juli sowohl das bisherige „Kaufen“-Rating als auch das Kursziel für das Papier aus und stufte die Aktie auf „Under Review“ zurück. An der Börse bleibt die Lage angespannt: Die Aktie verzeichnete seit Jahresbeginn einen Kursrückgang von 71,73 Prozent. Zwar konnte sich der Wert am gestrigen Dienstag mit einem Plus von 8,00 Prozent leicht erholen und schloss bei 5,40 Euro, dennoch notiert das Papier weiterhin massiv unter den Niveaus des Vorjahres. Ob und in welcher Form das Unternehmen über das Sanierungsverfahren erhalten werden kann, hängt nun maßgeblich von den weiteren gerichtlichen Entscheidungen und möglichen Verwertungserlösen ab.

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Marinomed Biotech Aktie

5,40 EUR

+ 0,40 EUR +8,00 %
KGV 0,51
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 9,99 Mio. EUR
ISIN: ATMARINOMED6 WKN: A2N9MM

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