Lenzing Aktie: Berenberg senkt EBITDA-Prognose auf 55 Millionen

Berenberg senkte Kursziel und Empfehlung; die garantierte Kapitalmaßnahme bringt rund 300 Millionen Euro, während operative Risiken bestehen.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte, stimmungsvolle Darstellung einer industriellen Anlage bei Dämmerung, die wirtschaftliche Unsicherheit symbolisiert. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aktie verlor am Freitag 28 Prozent
  • Bezugspreis liegt bei 8,65 Euro
  • Berenberg senkte Kursziel auf 17 Euro
  • Bezugsrechtehandel soll am 6. Oktober beginnen

Herber Rückschlag nach Festlegung der Bezugskonditionen

Ein Kurssturz von 28 Prozent am gestrigen Freitag hat die Stammaktionäre des Faserherstellers tief getroffen. Auslöser des massiven Verkaufsdrucks waren die konkreten Konditionen der angekündigten Kapitalmaßnahme sowie eine skeptische Analystenreaktion.

Das Unternehmen legte den Bezugspreis für die neuen Anteile auf 8,65 Euro fest, verbunden mit einem Bezugsverhältnis von 10 zu 9. Parallel stufte das Analysehaus Berenberg die Aktie gestern von „Kaufen“ auf „Halten“ herab und reduzierte das Kursziel deutlich von 29,50 Euro auf 17 Euro. Das Papier beendete den Handelstag bei 14,02 Euro, nachdem es im Tief bis auf das neue 52-Wochen-Tief von 13,68 Euro abgerutscht war.

Der Markt preist nun die reale Verwässerung ein, die mit der Ausgabe von 34.756.362 neuen Aktien einhergeht. Zwar ist die Transaktion mit einem angestrebten Bruttoerlös von rund 300 Millionen Euro vollständig garantiert, doch der hohe Abschlag des Bezugspreises zum bisherigen Börsenwert verunsichert die Anleger.

Da die bestehenden Aktien seit gestern ex Bezugsrecht notieren, stehen Investoren nun unmittelbar vor der Wahl, frisches Kapital nachzuschießen oder einen erheblichen Wertverlust ihrer Position hinzunehmen.

Belastungsprobe durch massive Verwässerung des Aktienbestands

Im Zentrum der Debatte steht das Volumen der Kapitalerhöhung im Verhältnis zur bestehenden Marktkapitalisierung. Für zehn gehaltene Papiere können Altaktionäre neun neue Anteile erwerben.

Diese Verdoppelung der rechnerischen Basis bedeutet eine drastische Verwässerung der Stimmrechte und des künftigen Gewinns je Aktie. Medienberichten zufolge wiesen Marktbeobachter wie Raiffeisen genau auf diese Verwässerungskomponente hin, die den Verkaufsdruck am Markt verstärkte.

Zugleich wiegen Zweifel an den strategischen Partnern schwer. Berenberg begründete die Rücknahme der Kaufempfehlung nicht allein mit den formalen Transaktionsparametern, sondern auch mit Unsicherheiten hinsichtlich der Beteiligungsabsicht des Großaktionärs Suzano.

Zwar haben sich die B&C-Gruppe, Suzano S.A. sowie die Oberbank AG grundsätzlich dazu verpflichtet, ihre Bezugsrechte auszuüben, doch das Vertrauen des breiten Marktes in die langfristige Stabilität dieses Aktionärskreises hat spürbare Risse bekommen.

Hoffnung auf finanzielle Entlastung und erfolgreiche Platzierung

Für eine mittelfristige Stabilisierung spricht die vollständige Absicherung der Kapitalmaßnahme. Sollten Altaktionäre ihre Bezugsrechte verfallen lassen, greift die bestehende Garantie. Dem Unternehmen fließen somit planmäßig rund 300 Millionen Euro an liquiden Mitteln zu. Diese Mittel stärken die Bilanz und verschaffen dem Konzern in einem schwierigen Branchenumfeld dringend benötigten Handlungsspielraum.

Gelingt es dem Management, die Sanierungsschritte nach dem Zufluss der Gelder zügig umzusetzen, könnte das aktuelle Bewertungsniveau eine Basis bilden. Sobald die Phase der technischen Umschichtungen rund um den Bezugsrechtehandel abklingt, rückt die fundamentale Restrukturierung wieder in den Vordergrund.

Anleger, die an den Erfolg der Neuausrichtung glauben, könnten den drastischen Bewertungsabschlag als Einstiegsgelegenheit werten, sofern das operative Geschäft im kommenden Jahr wieder Tritt fasst.

Anhaltender Margendruck und das Risiko verfallender Rechte

Dem stehen erhebliche operative Risiken gegenüber, die Berenberg in seiner Analyse hervorhebt. Das Bankhaus verwies auf Belastungen durch Rohstoffkosteninflation sowie auf Restrukturierungsrückstellungen, die im Zusammenhang mit Standortschließungen anfallen.

Für das Jahr 2026 senkte Berenberg die EBITDA-Prognose auf 55 Millionen Euro. Diese gedämpften operativen Aussichten zeigen, dass die finanzielle Entlastung allein nicht ausreicht, um die strukturellen Ertragsprobleme zu lösen.

Zudem droht Aktionären, die passiv bleiben, ein spürbarer Vermögensschaden. Nach offiziellen Angaben verfallen nicht ausgeübte oder nicht verkaufte Bezugsrechte mit dem Ende der Frist wertlos.

Für Privatanleger besteht die Gefahr, dass sie die Fristen verpassen und neben dem Kursrückgang der Altaktie auch den rechnerischen Gegenwert des Bezugsrechts einbüßen. Das Vertrauen in eine zeitnahe operative Wende bleibt angesichts der gekappten Prognosen fragil.

Die Weichenstellungen der kommenden Handelstage

Solange das gestern markierte Niveau über der Marke von 13,68 Euro verteidigt werden kann, besteht die Aussicht auf eine Beruhigung des Handels. Kippt der Kurs jedoch weiter ab und nähert sich der Notierung von 8,65 Euro an, dürfte sich die Abwärtsspirale durch zusätzlichen Verkaufsdruck aus dem Kreis der Altaktionäre verschärfen.

Für Marktteilnehmer markiert die kommende Woche die entscheidende Phase. Am Dienstag, dem 6. Oktober 2026, beginnen voraussichtlich sowohl die Bezugsfrist als auch der Handel der Bezugsrechte an der Wiener Börse.

Während der Bezugsrechtshandel nach offizieller Planung bereits am 14. Oktober 2026 endet, läuft die Bezugsfrist noch bis einschließlich 20. Oktober 2026. Erst mit dem voraussichtlichen Handelsstart der neuen Aktien am 23. Oktober 2026 wird feststehen, wie der Markt die veränderte Eigentümerstruktur und die bereinigte Bilanz final bewertet.

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Lenzing Aktie

13,98 EUR

– 5,44 EUR -28,01 %
KGV —
KUV 0,38
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 540,01 Mio. EUR
Ø Kursziel 24,62 EUR
ISIN: AT0000644505 WKN: 852927

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