Mercedes-Benz Aktie: VW-Gewinnwarnung reißt Sektor mit
Volkswagens Prognosekorrektur belastet Mercedes-Benz und den Autosektor. Berenberg reduziert das Kursziel, während der GLA-Serienstart Impulse setzt.

Kurz zusammengefasst
- Mercedes-Aktie verliert drei Prozent
- Volkswagen senkt Renditeziel für 2026
- Berenberg reduziert Mercedes-Kursziel
- Neuer GLA startet in Rastatt
Eine massive Gewinnwarnung des Konkurrenten Volkswagen hat am Freitag die europäischen Automobilwerte erschüttert und auch Mercedes-Benz spürbar unter Druck gesetzt. Das Papier der Stuttgarter büßte am Freitag 3,0 Prozent ein und ging bei 44,55 Euro aus dem Handel. Der gesamte Sektor geriet in Mitleidenschaft, nachdem deutlich wurde, wie tief die operativen und strukturellen Belastungen die deutschen Hersteller treffen.
Verfehlte Prognosen belasten das Sentiment
Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war eine drastische Prognosesenkung in Wolfsburg. Wegen Einmalbelastungen in Höhe von 10 Milliarden Euro, die vor allem die Tochter Porsche betreffen, kappte Volkswagen die erwartete operative Umsatzrendite für 2026 auf höchstens 1,0 Prozent, nachdem zuvor 4,0 bis 5,5 Prozent prognostiziert worden waren. Laut Reuters griff der daraus resultierende Ausverkauf unmittelbar auf andere Branchenvertreter einschließlich Mercedes-Benz über.
Die Gewinnwarnung verstärkt die Nervosität der Anleger mit Blick auf die gesamte deutsche Automobilindustrie. Volkswagen kalkuliert laut Berichten zudem rund 16 Milliarden Euro für Stellenabbau sowie mögliche Werksschließungen ein, was den Abbau von weltweit rund 50.000 Arbeitsplätzen umfassen könnte.
Zudem wurde eine vorläufige Vereinbarung über den Verkauf des Werks Osnabrück an das Land Niedersachsen und Aurelius Capital getroffen, wo eine Umstellung auf Rüstungsgüter geplant ist.
Zulieferer und Politik schlagen Alarm
Dass es sich bei den Problemen nicht um isolierte Einzelfälle handelt, unterstreichen Entwicklungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Arbeitnehmervertreter des Zulieferers Bosch forderten am Mittwoch Maßnahmen der Europäischen Union gegen Stellenstreichungen.
Bosch plant im Kerngeschäft Mobility bis zum Ende des Jahrzehnts den Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen und begründet dies mit verschärfter chinesischer Konkurrenz, Handelszöllen sowie hohen Fertigungskosten.
Parallel dazu wandten sich am Donnerstag drei deutsche Bundesländer mit großen Automobilstandorten an die Bundesregierung und die EU. Sie verlangten schnellere Hilfen für den Sektor angesichts der historischen Umwälzungen.
Auch Analysten reagierten verhalten: Berenberg senkte am Mittwoch in einer Branchenstudie das Kursziel für Mercedes-Benz von 56 auf 52 Euro und bestätigte das Votum „Hold“. Als Belastungsfaktoren nannte das Haus neben geopolitischen Risiken und der Inflation vor allem die Lage auf dem chinesischen Markt.
Operative Impulse und anhaltender Kursschnitt
Trotz des schwierigen Marktumfelds treibt Mercedes-Benz die Modellpalette voran. Am Donnerstag meldete der Konzern den offiziellen Serienanlauf des neuen GLA im Werk Rastatt. Zudem stützte das Unternehmen den Kurs über ein Aktienrückkaufprogramm, das vor rund zwei Wochen lief; seither verlor der Titel 6,1 Prozent.
Für die Aktionäre bleibt die Lage herausfordernd. Seit Jahresanfang summiert sich das Minus der Mercedes-Benz-Aktie auf 26 Prozent, womit das Papier weiterhin unter den anhaltenden sektoralen Belastungen leidet.
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