Gewinne schmelzen, Aufträge boomen — BMW, VW und Tesla im Spagat

BMW, VW, Porsche und Daimler Truck verzeichnen teils massive Gewinnrückgänge, während Daimler Truck einen Auftragsschub meldet. Tesla kämpft mit EU-Regulierung.

Felix Baarz ·
BMW Aktie

Kurz zusammengefasst

  • BMW-Gewinn sinkt um 24,6 Prozent
  • VW verfehlt Analystenerwartungen deutlich
  • Porsche verschlankt Vorstand in Krise
  • Daimler Truck Aufträge steigen um 50%

Profit-Einbrüche von 25 bis 80 Prozent, ein Steuer-Skandal in den USA und ein Vorstandsumbau in Stuttgart-Zuffenhausen: Die jüngsten Quartalszahlen der großen Autobauer zeichnen ein zweigeteiltes Bild. Die Gewinne fallen — aber die Geduld der Anleger hält. Noch.

BMW: Gewinnrückgang trifft auf vorsichtigen Optimismus

Der Münchner Premiumhersteller meldete für das erste Quartal einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses um 24,6 % auf 2,3 Milliarden Euro. Im Automobilsegment fiel das Minus mit 33,5 % noch deutlicher aus. Der Konzernumsatz sank um mehr als 8 % auf 31 Milliarden Euro.

Besonders alarmierend: Die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge brachen um 20,1 % auf 87.000 Einheiten ein. Ihr Anteil an den Gesamtverkäufen schrumpfte von 18,7 % auf 15,5 %. In China — dem weltgrößten Automarkt — gingen die Konzernauslieferungen um 10 % zurück, während der Gesamtmarkt dort um 17,5 % einbrach. BMW schlug sich also besser als die Konkurrenz, verlor aber trotzdem Boden.

Die Aktie reagierte zunächst positiv, weil die Zahlen knapp über den Analystenerwartungen lagen. Am Freitag notierte BMW bei 81,30 Euro — seit Jahresbeginn ein Minus von gut 15 %. Der eigentliche Hoffnungsträger liegt in der Zukunft: Ab August 2026 rollt in München der elektrische i3 auf der neuen „Neue Klasse“-Plattform vom Band. Der elektrische iX3 ist in den Märkten, in denen er bereits angeboten wird, massiv überzeichnet. Die Hälfte aller X3-Bestellungen entfällt mittlerweile auf die E-Variante.

Volkswagen: Wenn Sparprogramme nicht mehr reichen

Europas größter Automobilkonzern verfehlte die Analystenerwartungen deutlich. Das operative Ergebnis sank um 14,3 % auf 2,5 Milliarden Euro — erwartet worden waren fast 4 Milliarden. Bei einer operativen Marge von 4,3 % sprach Finanzvorstand Arno Antlitz Klartext: Die geplanten Kostensenkungen genügen nicht mehr. Das Geschäftsmodell müsse „grundlegend transformiert“ werden.

Die Schwachstellen sind klar identifizierbar:

  • China-Auslieferungen fielen um 15 % im Quartal
  • US-Auslieferungen brachen um 20,5 % ein — belastet durch Zölle und politische Unsicherheit
  • US-Zölle kosten den Konzern geschätzt 4 Milliarden Euro pro Jahr
  • CO₂-Strafzahlungen von 400 bis 500 Millionen Euro jährlich drohen, weil VW die europäischen Emissionsziele zwischen 2025 und 2027 voraussichtlich verfehlt

Der Konzern plant den Abbau von rund 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030. Ein positives Signal: Der Netto-Cashflow im Automobilgeschäft drehte von minus 0,8 Milliarden auf plus 2,0 Milliarden Euro. Die VW-Vorzugsaktie notiert bei 87,76 Euro — tief unter dem 200-Tage-Durchschnitt und seit Jahresanfang fast 17 % im Minus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,49 signalisiert extremen Pessimismus des Marktes gegenüber der Erholungsfähigkeit.

Porsche AG: Vorstandsumbau in der Krise

Porsche hat seinen Vorstand von acht auf sieben Ressorts verschlankt. Die Car-IT-Sparte wird zum 1. Juli 2026 aufgelöst und in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung unter Michael Steiner integriert. Vorstandsmitglied Sajjad Khan verlässt das Gremium und wechselt in eine beratende „Software-Partnerschaft“. Unter seiner Leitung hatte Porsche unter anderem die neue digitale Interaktionssprache für den elektrischen Cayenne entwickelt.

Die Reorganisation ist das jüngste Glied in einer Kette struktureller Anpassungen. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sprach von einer „herausfordernden Transformationsphase“. Die Zahlen unterstreichen das: Im Gesamtjahr 2025 sanken die Auslieferungen um 10,1 % auf 279.449 Fahrzeuge. In China stürzten die Volumen um 26 % ab. Der Umsatz fiel von 40,08 auf 36,27 Milliarden Euro — und der Vertriebsgewinn kollabierte von 5,64 Milliarden auf nur noch 413 Millionen Euro.

Am Freitag legte die Aktie gegen den Trend um knapp 3 % auf 42,83 Euro zu. Seit dem Allzeittief von 35,62 Euro im März hat sich der Kurs damit spürbar erholt. Die Prognose für 2026 sieht eine Umsatzrendite von 5,5 % bis 7,5 % vor — allerdings werden Restrukturierungskosten in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro die Profitabilität belasten.

Daimler Truck: 80 % weniger Gewinn, 50 % mehr Bestellungen

Der Nutzfahrzeughersteller lieferte das dramatischste Zahlenpaar der Woche. Das Konzernergebnis brach im ersten Quartal um 80 % ein — von 749 Millionen auf 149 Millionen Euro. Bereinigt lag das operative Ergebnis bei 498 Millionen Euro, gut die Hälfte des Vorjahreswertes. In Nordamerika erreichten die Verkäufe mit 29.432 Fahrzeugen den niedrigsten Q1-Wert seit 2010.

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Verantwortlich war vor allem die schwache Auftragslage im Jahr 2025, die auf die Zollpolitik der Trump-Administration zurückging. Allein die nordamerikanische Sparte absorbierte im Quartal 624 Millionen Euro an Belastungen durch schwächere Volumina, Währungseffekte und Zölle.

Der Blick nach vorn fällt deutlich besser aus. Konzernweit stiegen die Auftragseingänge um 50 % auf 114.043 Einheiten. In Nordamerika schossen sie um 86 % nach oben. CEO Karin Rådström erwartet für das zweite Halbjahr eine deutliche Besserung. Die Jahresprognose — ein bereinigtes EBIT von 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro — steht. Am Mittwoch wurde eine Dividende von 1,90 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Die Aktie notiert bei 40,50 Euro und hat damit in der vergangenen Woche rund 6 % verloren. Die Analystenmeinungen sind gespalten: Kepler Cheuvreux stufte im April auf „Reduce“ herab, RBC Capital hält dagegen mit einer Kaufempfehlung, UBS und Goldman Sachs bleiben neutral.

Tesla: Regulierungskampf in Europa, Steuerdebatte in Washington

Teslas drängendste Baustelle liegt nicht in den Finanzkennzahlen — sondern in Brüssel. Europäische Regulierungsbehörden zeigen sich skeptisch gegenüber dem „Full Self-Driving“-System. Behörden aus Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen haben Bedenken angemeldet — unter anderem wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen, Verhalten auf vereisten Straßen und Fahrerablenkung.

Zwar hat die niederländische Zulassungsbehörde RDW im April eine erste europäische Genehmigung für FSD (Supervised) erteilt. Für eine EU-weite Zulassung müssen aber Mitgliedstaaten mit 55 % der Stimmen und 65 % der Bevölkerung zustimmen. Die nächsten Abstimmungstermine im Technischen Ausschuss für Kraftfahrzeuge werden erst für Juli und Oktober erwartet. Teslas Ziel, FSD bis Sommer 2026 europaweit anzubieten, rückt damit in weite Ferne.

Parallel sorgt ein Steuerstreit für Schlagzeilen: Tesla verdoppelte seinen Jahresgewinn 2025 auf 5,7 Milliarden Dollar — und zahlte nach eigenen Angaben keinen Cent an föderaler Einkommensteuer. Beschleunigte Abschreibungen und Steuervergünstigungen für Aktienoptionen des Managements machten es möglich. Die Enthüllung zieht Aufmerksamkeit in Washington und an der Wall Street auf sich.

Operativ hat sich das Bild aufgehellt. Im ersten Quartal 2026 stieg die Bruttomarge im Autogeschäft auf 21,1 % — nach 16,2 % im Vorjahr. Das operative Ergebnis legte um 136 % zu. Bezahlte FSD-Abonnements erreichten fast 1,3 Millionen, und in Dallas und Houston starteten erste Robotaxi-Fahrten ohne Sicherheitsfahrer. Die Aktie legte in den vergangenen 30 Tagen um rund 24 % zu und notierte am Freitag bei 363,50 Euro.

Zölle, China-Schwäche und der teure Weg zur Elektromobilität

Alle fünf Titel kämpfen mit denselben strukturellen Gegenwindkräften. US-Zölle belasten Volkswagen mit 4 Milliarden Euro jährlich. Daimler Truck spürte allein im ersten Quartal über 600 Millionen Euro Belastung in Nordamerika. China bleibt das am härtesten umkämpfte Schlachtfeld — BMW, VW und Porsche melden dort zweistellige Rückgänge bei den Auslieferungen.

Die Elektro-Transformation verschlingt gleichzeitig Investitionsmittel, ohne kurzfristig Margen zu liefern. VW rechnet mit jährlichen CO₂-Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe, weil die BEV-Verkäufe zu langsam steigen. Die einzige Ausnahme im Quintett: Daimler Truck operiert in einem anderen Zyklus. Nutzfahrzeuge folgen einer eigenen Nachfragedynamik — und dort signalisiert der Auftragseingang von plus 50 % eine bevorstehende Erholung.

Entscheidende Monate für den Sektor

BMW muss ab August mit der i3-Produktion beweisen, dass die Neue-Klasse-Plattform echte Nachfrage generiert. Volkswagen steht unter Druck, vor den Q2-Zahlen Ende Juli messbare Fortschritte bei der Margentransformation vorzuweisen. Porsche muss die anvisierte Umsatzrendite von mindestens 5,5 % trotz laufender Restrukturierungskosten erreichen.

Für Daimler Truck ist der 86-prozentige Anstieg der nordamerikanischen Auftragseingänge das stärkste Erholungssignal im gesamten Sektor. Tesla hingegen wartet auf die EU-Abstimmung zu FSD — frühestens im Juli. Cybercab, Tesla Semi und Megapack 3 sollen noch 2026 in die Volumenproduktion gehen. Ob diese Meilensteine ausreichen, um die Schwäche im europäischen Kerngeschäft — minus 28 % bei den Auslieferungen 2025 — aufzufangen, wird die Bewertungsfrage der kommenden Quartale.

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BMW Aktie

78,50 EUR

+ 0,94 EUR +1,21 %
KGV 6,55
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 5,67 %
Marktkapitalisierung 47,31 Mrd. EUR
ISIN: DE0005190003 WKN: 519000

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