IQM QUANTUM COMPUTERS OY-ADR Aktie: Neues 52-Wochen-Tief bei 7,80 Euro

IQM meldet Rekord-Auftragsbuch von 102,1 Mio. Euro, bleibt aber operativ tief in den roten Zahlen. Die Aktie fällt trotz Rückkaufprogramms auf ein neues 52-Wochen-Tief.

Eduard Altmann ·
IQM QUANTUM COMPUTERS OY-ADR Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Auftragsbestand übersteigt 102 Millionen Euro
  • Umsatz wächst, operative Verluste bleiben hoch
  • Aktienrückkauf über 25 Millionen Anteile angekündigt
  • Neues 52-Wochen-Tief bei 7,80 Euro

IQM Quantum Computers Oyj hat am Dienstag zum ersten Mal Geschäftszahlen als notiertes Unternehmen präsentiert – und dabei einen kräftig gewachsenen Auftragsbestand offengelegt. Der finnische Quantencomputer-Hersteller bezifferte sein Orderbuch zum 3. August auf über 102,1 Millionen Euro, nachdem allein nach dem Quartalsstichtag 30. Juni neue Verträge im Volumen von 33,0 Millionen Euro hinzugekommen waren. Für Anleger, die das Papier erst seit dem Nasdaq-Debüt Anfang Juli verfolgen, war es der erste echte Testlauf der operativen Substanz hinter der Notierung.

Umsatz wächst, Verluste bleiben hoch

Im ersten Halbjahr 2026 erzielte IQM Gesamterlöse von 8,9 Millionen Euro, dem stand ein operativer Verlust von 60,5 Millionen Euro gegenüber. Im zweiten Quartal allein kletterte der Umsatz auf 6,7 Millionen Euro, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während der operative Verlust bei 30,9 Millionen Euro lag. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Unternehmen mit Erlösen zwischen 42 und 47 Millionen Euro sowie einem neuen Auftragseingang von 65 bis 75 Millionen Euro. Die Zahlen zeigen ein Unternehmen in früher Skalierungsphase: Wachstum ist da, Profitabilität liegt noch in weiter Ferne.

Finanziell gibt sich IQM dennoch komfortabel ausgestattet. Zum 2. Juli verfügte das Unternehmen über eine Barmittelposition von 309,4 Millionen Euro, gespeist unter anderem durch die Erlöse aus dem Doppellisting an der Nasdaq in New York unter dem Kürzel IQMX und in Helsinki, das am 2. Juli abgeschlossen wurde. Diese Reserve soll den Angaben zufolge bis ins zweite Quartal 2028 reichen und damit deutlich über den Zeitraum hinaus, in dem sich laut Guidance die operative Basis verbreitern soll.

Lieferungen an Oak Ridge und Kooperationen mit Deutscher Bahn und NVIDIA

Operativ kann IQM auf mehrere konkrete Meilensteine verweisen. Im Juni lieferte das Unternehmen seinen ersten in den USA gefertigten Quantencomputer an das Oak Ridge National Laboratory des US-Energieministeriums aus. Parallel wurde eine Vereinbarung mit CSC geschlossen, um ein System in die LUMI AI Factory zu integrieren – jener Deal, der maßgeblich zum Sprung im Auftragsbestand beitrug. Daneben laufen Kooperationen mit der Deutschen Bahn zur quantenklassischen Optimierung von Fahrplänen sowie technische Partnerschaften mit NVIDIA für KI-gestützte Qubit-Kalibrierung und mit HPE für hybride HPC-Quantensysteme. Diese Kombination aus staatlichen Großkunden, Industriepartnern und Technologiekonzernen verschafft IQM eine breitere Abnehmerbasis, als es viele Wettbewerber im Quantencomputing derzeit vorweisen können.

Aktienrückkauf über bis zu 25 Millionen Anteile

Am gestrigen Mittwoch legte IQM mit einer weiteren Ankündigung nach: Das Unternehmen kündigte ein Rückkaufprogramm für bis zu 25.000.000 Stammaktien an, das bis zum 27. August 2027 laufen soll. Angesichts der komfortablen Kassenlage signalisiert das Management damit Vertrauen in die eigene Bewertung, auch wenn ein operativer Gewinn noch nicht absehbar ist.

Am 27. Juli hatte das Analysehaus Rothschild & Co (Rothschild Redburn) die Coverage von IQM mit einem „Neutral“-Rating und einem Kursziel von 12,88 US-Dollar aufgenommen. Die Analysten verwiesen auf den nach Auftragsvolumen führenden Marktanteil des Unternehmens, äußerten aber Zurückhaltung mit Blick auf den ungewissen „ChatGPT-Moment“ der Quantencomputing-Branche – jenen Punkt also, an dem die Technologie den Sprung zur breiten kommerziellen Anwendung schaffen müsste.

Kurs kämpft mit Volatilität

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Wachstumsstory und Verlustlast in ausgeprägten Schwankungen. Die Aktie markierte am heutigen Donnerstag mit 7,80 Euro ein neues 52-Wochen-Tief, bevor sie sich auf zuletzt 8,00 Euro erholte – ein Tagesplus von 1,20 Prozent und ein Abstand von 2,56 Prozent zum frischen Tiefpunkt. Der Kursverlauf der vergangenen Woche zeigt, wie nervös der Markt auf die Mischung aus starken operativen Nachrichten und anhaltend hohen Verlusten reagiert: Selbst der überraschend kräftige Auftragsbestand und das Rückkaufprogramm konnten den Abwärtsdruck bislang nicht vollständig stoppen. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Fall, bei dem die fundamentale Auftragslage und die kurzfristige Kursreaktion deutlich auseinanderlaufen.

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