Applied Digital Aktie: Kurs-Umsatz-Verhältnis 21 gegenüber CoreWeave
Applied Digital erholt sich, doch die hohe Bewertung im Vergleich zu CoreWeave sorgt für Diskussionen vor den anstehenden Quartalszahlen.

Kurz zusammengefasst
- Aktie erholt sich nach heftigem Ausverkauf
- Bewertungsvergleich mit CoreWeave steht im Fokus
- Quartalszahlen zum Fiskaljahresende erwartet
- Operative Entwicklung könnte Bewertungsprämie erklären
Applied Digital erholt sich – und wirft damit gleich eine unbequeme Frage auf. Wie rechtfertigt ein Data-Center-Vermieter eine Bewertung, die deutlich über der seines größten Mieters liegt? Die Aktie legte am Dienstag um 7,62 Prozent zu und schloss bei 26,26 Euro. Der Sprung reiht sich in eine breitere Erholung bei KI-Infrastruktur-Werten ein, die zuvor wochenlang unter Druck standen.
Technische Erholung nach heftigem Ausverkauf
Der Rebound bei Applied Digital lief parallel zu einer Gegenbewegung bei ehemaligen Krypto-Minern und KI-Infrastrukturfirmen. IREN legte zu Wochenbeginn um 17 Prozent zu, TeraWulf um 7 Prozent. Applied Digital selbst war zuvor binnen eines Monats um 43 Prozent eingebrochen.
Analysten stufen die Bewegung als technische Gegenreaktion ein, nicht als Trendwende. Die fundamentale Lage bei den Branchenwerten bleibt gespalten. Zum Handelsschluss des Vortags lag der RSI der Aktie bei 26,3 – tief im überverkauften Bereich. Das signalisiert, dass der Verkaufsdruck überzogen war, während der Chart auf mittlere Sicht klar abwärts gerichtet blieb.
Aktuell notiert die Aktie rund 24 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und knapp 40 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 43,48 Euro. Das zeigt, wie weit der Kurs von seinem Frühjahrsniveau entfernt ist. Charttechnisch gilt eine Marke um 29 US-Dollar als Widerstand, eine Marke um 24 US-Dollar als Unterstützung.
CoreWeave-Vergleich rückt die Bewertung ins Rampenlicht
Was die Diskussion um Applied Digital zusätzlich anheizt: ein direkter Vergleich mit CoreWeave. Die beiden Firmen verbindet ein enges Geschäftsverhältnis – Applied Digital vermietet seine Rechenzentren an CoreWeave, das dort KI-Workloads abwickelt. Genau diese Beziehung lenkt den Blick auf die auseinanderlaufenden Wachstumspfade und Bewertungen beider Unternehmen.
CoreWeaves Umsatz hat sich über acht Quartale in etwa verfünffacht, mit konstantem Wachstum von Quartal zu Quartal. Applied Digitals Entwicklung verlief dagegen deutlich unruhiger, trotz zuletzt spürbarer Beschleunigung. Ausgerechnet der kleinere und volatilere Umsatzträger ist an der Börse teurer bewertet.
CoreWeave handelt aktuell mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund sechs – ein Jahrestief für den Konzern. Applied Digital kommt dagegen auf einen Faktor von 21. Diese Kluft ist der eigentliche Kern der aktuellen Debatte.
Auf Ebene der nackten Zahlen kann Applied Digital durchaus überzeugen: Der Umsatz stieg im dritten Fiskalquartal um 139 Prozent auf 126,6 Millionen US-Dollar. Beide Unternehmen tragen zudem eine hohe Schuldenlast, die Investoren zuletzt abgeschreckt hat – ein Belastungsfaktor, der sich in den Kursrückgängen beider Aktien niedergeschlagen hat.
Zahlen stehen kurz bevor
Die Bewertungsfrage trifft Applied Digital ausgerechnet kurz vor dem nächsten großen Termin. Das Unternehmen wird seine Ergebnisse für das vierte Fiskalquartal und das Gesamtjahr zum 31. Mai 2026 veröffentlichen, samt Telefonkonferenz nach Handelsschluss.
Die Erwartungshaltung ist gespalten. TV-Investor Jim Cramer sagte kürzlich, er möge die Aktie bei den gefallenen Kursen – riet Anlegern aber, „klein anzufangen, nicht groß“, weil das Unternehmen weiterhin Verluste schreibt.
Der Blick auf die jüngste Historie spricht dafür, dass Applied Digital operativ liefert. Im letzten Quartalsbericht meldete das Unternehmen einen Gewinn von 0,09 US-Dollar je Aktie – Analysten hatten einen Verlust von 17 Cent erwartet. Der Umsatz von 126,6 Millionen US-Dollar übertraf die Konsensschätzung von 77,11 Millionen deutlich. Es war bereits die siebte Überraschung in Folge bei den Gewinnzahlen.
Ob diese Serie anhält, entscheidet sich mit den kommenden Zahlen zum Fiskaljahresende. Bestätigt sich das aggressive, leasinggetriebene Wachstum, dürfte das die Bewertungsprämie gegenüber CoreWeave zumindest teilweise erklären. Bleibt die operative Entwicklung hinter den vertraglich zugesicherten Kapazitäten zurück, dürfte der Vergleich mit dem größeren Rivalen für zusätzlichen Druck auf die Aktie sorgen.
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