Commerzbank Aktie: 898 Millionen Euro Nettogewinn
Commerzbank übertrifft mit Quartalsgewinn die Prognosen und signalisiert Verhandlungsbereitschaft im Übernahmekonflikt mit UniCredit.

Kurz zusammengefasst
- Nettogewinn übertrifft Analystenerwartungen
- Operatives Ergebnis steigt um 17 Prozent
- Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro
- UniCredit hält rund 47,6 Prozent der Stimmrechte
Die Commerzbank hat am Donnerstag ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt – und liefert damit mitten im Übernahmestreit mit UniCredit ein starkes Argument für die eigene Unabhängigkeit. Der Nettogewinn von 898 Millionen Euro lag über den Erwartungen der Analysten. Gleichzeitig signalisierte Vorstandschefin Bettina Orlopp laut Reuters Gesprächsbereitschaft gegenüber dem italienischen Großaktionär, um eine einvernehmliche Lösung im seit Monaten schwelenden Machtkampf zu finden.
Operatives Ergebnis springt um 17 Prozent
Die Frankfurter Bank steigerte ihr operatives Ergebnis im zweiten Quartal um 17 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Die Gesamterträge kletterten um 9 Prozent auf 3,30 Milliarden Euro. Treiber war vor allem das Provisionsgeschäft, das um 7 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro zulegte. Der Zinsüberschuss blieb mit 2,06 Milliarden Euro dagegen auf dem Niveau des Vorjahresquartals – ein Hinweis darauf, dass die Bank ihr Wachstum zunehmend über Gebühren und Dienstleistungen statt über die klassische Zinsmarge generiert.
Die Commerzbank bestätigte zugleich ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Der Konzern strebt weiterhin ein Ergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro bei Gesamterträgen von rund 13,2 Milliarden Euro an. Untermauert wird dieses Ziel durch ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro, das laut dpa-AFX die Kapitalrückgabe an die Aktionäre weiter erhöhen soll. Für ein Institut, dessen Kontrolle derzeit offen zur Debatte steht, ist das eine deutliche Botschaft an den eigenen Aktionärskreis.
Übernahmepoker mit UniCredit spitzt sich zu
Die operative Stärke fällt in eine Phase, in der die Zukunft der Commerzbank als eigenständiges Institut alles andere als geklärt ist. UniCredit kontrolliert nach Abschluss der Nachfrist für sein freiwilliges Übernahmeangebot rechnerisch rund 47,6 Prozent der Stimmrechte – ein Berichten zufolge fast schon mehrheitsähnlicher Zugriff auf den Frankfurter Konkurrenten. Die Italiener erhöhten zuletzt den Druck: Berichten zufolge droht UniCredit mit der Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, um den Commerzbank-Aufsichtsrat auszutauschen, sollte das Management keine konstruktiven Verhandlungen über eine Kontrollübernahme aufnehmen.
Orlopp positioniert sich in dieser Auseinandersetzung als Verhandlungspartnerin, nicht als reine Gegnerin. In einem Bloomberg-Interview am Dienstag betonte sie das Ziel, im Falle einer Fusion mit UniCredit das globale Netzwerk der Bank weitgehend zu erhalten und eine eigenständige Börsennotierung anzustreben. Mit der nun signalisierten Gesprächsbereitschaft gegenüber UniCredit deutet sich an, dass beide Seiten nach einer Lösung suchen, die einen offenen Machtkampf um den Aufsichtsrat vermeidet – auch wenn die grundsätzlichen Fragen zur künftigen Eigenständigkeit damit noch nicht beantwortet sind.
Kurs nahe Rekordhoch
An der Börse kommt die Mischung aus starken Zahlen und diplomatischer Öffnung gut an. Die Aktie notiert aktuell bei 39,48 Euro und liegt damit nur 0,68 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,75 Euro, das erst am Mittwoch markiert wurde. Der Kurs hat sich damit von seinem Jahrestief im Oktober weit entfernt und spiegelt das gewachsene Anlegervertrauen sowohl in die operative Entwicklung als auch in eine geordnete Lösung des UniCredit-Konflikts.
Der Ausbildungsstart mit rund 320 Auszubildenden und dual Studierenden an bundesweiten Standorten, den die Bank am Montag vermeldete, fällt neben Übernahmepoker und Milliardengewinnen eher am Rande ins Gewicht, unterstreicht aber, dass der operative Betrieb trotz der Unsicherheit an der Aktionärsfront ungebremst weiterläuft. Die nächste Standortbestimmung folgt am 5. November mit den Zahlen zum dritten Quartal – bis dahin dürfte sich zeigen, ob aus der signalisierten Gesprächsbereitschaft tatsächlich eine einvernehmliche Lösung mit UniCredit wird.
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