Rheinmetall Aktie: 5.200 Schutzplatten ausgemustert
Verzögerte Rüstungsprojekte und Qualitätsmängel setzen Rheinmetall zu. Ein US-Auftrag stützt den Kurs kaum, während Arminius Hoffnung bietet.

Kurz zusammengefasst
- Bundeswehr kritisiert verspätete Lieferungen
- Mehr als 5.200 Schutzplatten ausgemustert
- US-Auftrag im einstelligen Millionenbereich
- Arminius-Abstimmung am 9. Dezember geplant
Rheinmetall kämpft mit einer Häufung schlechter Nachrichten abseits der reinen Kurszahlen. Medienberichten zufolge bemängeln Bundeswehr und Beschaffungsamt Lieferverzögerungen bei mehreren Rüstungsprojekten, darunter das Flugabwehrsystem Skyranger 30 und der Schwere Waffenträger Infanterie.
Zusätzlich sollen aus dem Konzernkreis mehr als 5.200 Schutzplatten aus Polizeischutzwesten wegen Qualitätsmängeln aus dem Einsatz genommen worden sein. Die Aktie schloss am Freitag bei 993,00 Euro, ein Minus von 2,1 Prozent.
Handelsblatt berichtet, CEO Armin Papperger stehe wegen gestoppter Großprojekte, Lieferverzögerungen und einer stark auf ihn zugeschnittenen Führungsstruktur unter Druck. Insider sprächen von einer fehlenden Industrialisierungsstrategie.
Rheinmetall habe bereits Strafzahlungen wegen nicht termingerechter Auftragsabwicklung geleistet, unter anderem weil acht Fahrzeuge des Typs Schwerer Waffenträger Infanterie nicht rechtzeitig ausgeliefert wurden. Das Verteidigungsministerium äußerte sich öffentlich kritisch zu den Verzögerungen.
Kurs nähert sich Jahrestief
Der Kursverlauf spiegelt die angespannte Stimmung wider. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 36 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 47 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober 2025, trennen die Aktie inzwischen 51 Prozent.
Zum 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro vom 25. Juni 2026 beträgt der Abstand dagegen nur noch 10 Prozent. Der RSI von 33,8 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, die Volatilität bleibt mit 35 Prozent auf Jahressicht hoch.
Der Ausverkauf beschränkt sich nicht auf Rheinmetall allein. Medienberichten zufolge gaben am Mittwoch auch andere europäische Rüstungswerte wie Hensoldt, Thales, Saab und Leonardo zwischen ein und fünf Prozent nach – ein Hinweis darauf, dass die Sektorstimmung insgesamt gedämpft ist, auch wenn die konzernspezifischen Vorwürfe gegen Rheinmetall den stärksten Einzeltreiber darstellen.
US-Navy-Auftrag als Gegengewicht
Trotz der negativen Schlagzeilen meldete Rheinmetall Canada am Freitag einen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums über die Canadian Commercial Corporation. Es geht um Ersatzkomponenten für mobile Startgeräte des Typs MSU-200NAV, der Wert liegt im einstelligen Millionenbereich, die Auslieferung ist zwischen Ende 2026 und Ende 2028 geplant. Der Auftrag konnte den Kursrückgang am Freitag jedoch nicht auffangen.
Die operativen Probleme treffen einen Konzern, der zuletzt bereits mit gesenkten Erwartungen zu kämpfen hatte. Im August hatte Rheinmetall seine Umsatzprognose für 2026 nach dem Stopp des Fregattenprojekts F126 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro reduziert, nachdem der Bund das Marineprojekt beendet und stattdessen kleinere Fregatten bei Thyssenkrupp Marine Systems bestellt hatte. Die operative Marge sollte trotzdem bei rund 19 Prozent bleiben, doch der operative Free Cashflow bleibt nach eigenen Angaben negativ.
Blick nach vorn: Arminius als möglicher Kurstreiber
Anleger richten den Blick zunehmend auf den 9. Dezember, wenn der Bundestag über den Großauftrag Arminius für Boxer-Fahrzeuge abstimmen soll. Rheinmetall erwartet nach eigenen Angaben binnen zehn Tagen nach der Abstimmung einen Vertragsschluss über einen Fixauftrag von rund 12,4 Milliarden Euro, hinzu käme ein Servicevertrag über etwa 2 Milliarden Euro.
Optionen könnten den Gesamtrahmen auf bis zu 77 Milliarden Euro heben. Ob dieser Termin die aktuelle Vertrauenskrise um Lieferqualität und Führungsstruktur auflösen kann, dürfte für den weiteren Kursverlauf entscheidend sein.
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