Siemens Energy Aktie: Omterra spart 300 Millionen Lizenzgebühren

Siemens Energy firmiert künftig als Omterra und spart jährlich über 300 Millionen Euro Lizenzgebühren. Rekordauftragseingang und erstmals positive Windtochter stützen die Wende.

Eduard Altmann ·
Siemens Energy Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Umbenennung spart 300 Millionen Euro jährlich
  • Rekordauftragseingang von 17,9 Milliarden Euro
  • Windtochter erstmals seit 2022 profitabel
  • Aktienrückkauf über eine Milliarde Euro abgeschlossen

Manchmal sagt ein Name mehr über eine Firma aus als ihre Bilanz. Siemens Energy nennt sich künftig Omterra – ein Kunstwort, das nach Erde und Wandel klingt, nach Abschied von der alten Konzernmutter Siemens AG.

Wer diese Woche auf den Kurs schaute, sah zunächst nur Ernüchterung: Nach der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Sonntag verlor die Aktie binnen sieben Tagen 3,7 Prozent. Heute allerdings zieht das Papier um 1,9 Prozent auf 154,74 Euro an – ein kleines Signal, dass der Markt die Geschichte hinter dem Namenswechsel noch einmal neu bewertet.

Denn Omterra ist keine Marketingübung. Der Konzern spart mit dem Wegfall der Namenslizenzgebühren an die Siemens AG künftig jährlich rund 300 bis 320 Millionen Euro – Geld, das bislang schlicht für das Recht floss, „Siemens“ im Namen zu tragen.

Unter der neuen Dachmarke sollen Siemens Energy und die Windkrafttochter Siemens Gamesa enger zusammenwachsen. Das ist mehr als Kosmetik: Es ist der Versuch, aus zwei Geschwistern mit sehr unterschiedlichem Ruf eine Einheit zu machen, die sich selbst trägt.

Die Windtochter liefert das Argument, das lange fehlte

Ausgerechnet Siemens Gamesa, jahrelang das Sorgenkind des Konzerns, lieferte im dritten Geschäftsquartal ein positives Quartalsergebnis – zum ersten Mal seit 2022. Wer sich erinnert, wie oft die Windsparte als Klotz am Bein bezeichnet wurde, versteht die Symbolkraft dieser Zahl. Sie fällt zusammen mit Konzernzahlen, die für sich genommen beeindrucken: Der Auftragseingang kletterte auf einen Rekordwert von 17,9 Milliarden Euro, der Auftragsbestand liegt bei 162 Milliarden Euro.

Der Umsatz wuchs vergleichbar um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 1,188 Milliarden Euro. Der Vorstand traut sich mittlerweile zu, die Profitmarge vor Sondereffekten am oberen Ende der Spanne von 10 bis 12 Prozent zu erreichen, bei einem Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent.

Das ist die eigentliche Pointe dieser Kolumne: Während die Öffentlichkeit über einen neuen Firmennamen diskutiert, hat sich das operative Fundament des Unternehmens in aller Stille verändert. Die Frage ist nicht mehr, ob Siemens Energy profitabel werden kann – das war noch vor zwei Jahren die bange Sorge vieler Beobachter. Die Frage ist, ob der Markt diesen Wandel schon vollständig eingepreist hat.

Rekorde und Rückschläge – ein Muster, das sich wiederholt

Auffällig ist ein Muster, das sich seit Monaten zeigt: Operativ positive Nachrichten treffen auf einen Kurs, der trotzdem nachgibt. Am Mittwoch fiel die Aktie um rund 5 Prozent und unterschritt dabei den gleitenden 100-Tage-Durchschnitt, der aktuell bei 162,26 Euro liegt. Das illustriert, wie nervös Anleger auf strukturelle Umbrüche reagieren, selbst wenn die Zahlen dahinter stimmen.

Erst kürzlich schloss das Unternehmen zudem ein Aktienrückkaufprogramm über rund eine Milliarde Euro ab und erwarb dabei 6,47 Millionen eigene Aktien – ein Signal, dass der Vorstand die eigene Bewertung für attraktiv hält, während der Kapitalmarkt noch zögert.

Der Trend, der über Siemens Energy hinausweist, ist größer als der Konzern selbst: Der Boom der KI-Rechenzentren treibt die Nachfrage nach Stromversorgungs- und Kühltechnik in bislang ungekannte Höhen. Bernstein Research bekräftigte am gestrigen Donnerstag seine „Outperform“-Einstufung mit einem Kursziel von 210 Euro und begründete dies genau mit dieser Nachfragewelle.

Einen Tag zuvor hatte RBC Capital Markets sein Kursziel von 210 auf 200 Euro gesenkt, die Einstufung „Outperform“ aber beibehalten – Analyst Mark Fielding bezeichnete das zweite Quartal als das stärkste im Kapitalgütersektor der vergangenen drei Jahre.

Am 11. November wird sich zeigen, ob der Rekordauftragsbestand von 162 Milliarden Euro tatsächlich in nachhaltige Margen übersetzt wird – dann veröffentlicht das Unternehmen seinen Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2026. Bis dahin bleibt die eigentliche Geschichte nicht der neue Name, sondern die stille Frage, ob aus einem einstigen Sanierungsfall tatsächlich ein Gewinner der Energiewende geworden ist.

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Siemens Energy Aktie

153,92 EUR

+ 2,12 EUR +1,40 %
KGV 49,95
KUV 3,27
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,45 %
Marktkapitalisierung 131,32 Mrd. EUR
Ø Kursziel 196,83 EUR
ISIN: DE000ENER6Y0 WKN: ENER6Y

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