Evotec Aktie: Horizon soll 75 Millionen sparen
Evotec will mit dem Programm Horizon 75 Millionen Euro sparen und Standorte bündeln. Schwache Zahlen und die Prognosekürzung belasten die Aktie.

Kurz zusammengefasst
- Horizon soll 75 Millionen Euro einsparen
- Standortzahl soll auf zehn sinken
- Jahresprognose deutlich nach unten korrigiert
- Aktie nahe dem 52-Wochen-Tief
Evotec setzt auf eine radikale Kostenkur, um aus der Krise zu finden. Auf der Morgan Stanley Global Healthcare Conference stellte Finanzvorständin Claire Hinshelwood am Mittwoch das Transformationsprogramm „Horizon“ vor.
Ziel sind Einsparungen von 75 Millionen Euro, von denen 20 bis 30 Prozent bereits im laufenden Jahr wirken sollen. Das Unternehmen plant zudem, die Zahl seiner Standorte auf zehn zu reduzieren und stattdessen Kompetenzzentren aufzubauen.
Hinshelwood machte auf der Konferenz deutlich, dass die größte Herausforderung nicht in der wissenschaftlichen Substanz liege, sondern in der Wahrnehmung des Geschäftsmodells am Markt. Evotec kombiniert Forschungsdienstleistungen, Biologika-Produktion und Partnerschaften mit Pharmaunternehmen – ein Mix, den Investoren derzeit offenbar schwer einordnen können.
Das Management berichtete zugleich von besseren Marktbedingungen und gestärktem Kundenvertrauen, räumte aber ein, dass Finanzierungen im Sektor selektiv blieben und sich auf fortgeschrittene Entwicklungsphasen konzentrierten.
Prognosekürzung und schwache Zahlen belasten weiter
Der Vertrauensverlust der vergangenen Monate hat handfeste Gründe. Bereits im August hatte Evotec seine Jahresprognose deutlich gesenkt: Der erwartete Umsatz schrumpfte auf eine Spanne von 570 bis 610 Millionen Euro, zuvor waren 700 bis 780 Millionen Euro angepeilt.
Beim bereinigten EBITDA rechnet das Unternehmen nun mit einem Verlust zwischen 70 und 105 Millionen Euro, während vorher noch ein positives Ergebnis von bis zu 40 Millionen Euro in Aussicht stand.
Im zweiten Quartal fiel der Umsatz um 16,2 Prozent auf 143,5 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA lag bei minus 20,8 Millionen Euro. Die Biologika-Sparte Just-Evotec Biologics profitierte von hoher Kapazitätsauslastung und einer wachsenden Kundenbasis. Diese Lichtblicke reichten bislang jedoch nicht, um den Gesamttrend zu drehen.
Aktie nahe am Jahrestief
Der Kurs spiegelt die angespannte Lage wider. Am Mittwoch schloss die Aktie bei 2,84 Euro, nur 2,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 2,77 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast die Hälfte seines Werts verloren, binnen zwölf Monaten sogar mehr als die Hälfte.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 4,85 Euro beträgt 41 Prozent – ein Zeichen dafür, wie weit sich der Kurs von seinem mittelfristigen Trend entfernt hat.
Ob „Horizon“ das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob die angekündigten Einsparungen tatsächlich greifen und die Standortkonsolidierung ohne größere Reibungsverluste gelingt. Erste konkrete Fortschritte dürften Anleger bei den Q3-Zahlen am 5. November erwarten, wenn sich zeigen muss, ob die Kombination aus Kostensenkung und operativen Lichtblicken ausreicht, um die Talfahrt der Aktie zu stoppen.
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