Gold: China kauft im Juli 20 Tonnen
Nach dem stärksten Wochenanstieg seit Januar sinkt der Goldpreis leicht. Notenbankkäufe und institutionelle Nachfrage stützen das Edelmetall jedoch weiterhin.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis fällt nach starker Rally
- US-Arbeitsmarkt schwächt Zinserhöhungserwartungen
- China kauft 20 Tonnen Gold
- Morgan Stanley setzt auf Gold
Der Goldpreis ist heute unter Druck geraten. Nach der stärksten Wochenrally seit Januar nehmen Anleger Gewinne mit: Das Edelmetall notiert aktuell bei 4.448,40 US-Dollar je Feinunze, ein Tagesminus von 0,5 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 4.469,00 Dollar. Die Konsolidierung folgt auf einen Anstieg von rund sieben Prozent innerhalb einer Woche, in der Gold zeitweise auf den höchsten Stand seit Anfang Juni geklettert war.
Schwacher US-Arbeitsmarkt trieb die Rally
Ausgelöst hatte den Sprung ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht: Statt der erwarteten 80.000 neuen Stellen meldeten die Behörden einen Rückgang von 23.000 Jobs. Damit rückte die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September in den Hintergrund, was Gold als zinslosem Anlagewert Rückenwind verschaffte.
Am Mittwoch dämpfte dann die US-Inflationszahl für Juli mit 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr – nach 3,5 Prozent im Juni – die Furcht vor einer restriktiveren Fed weiter. Laut Terminmarktdaten sank die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September zuletzt auf rund 36 Prozent, nachdem sie zuvor noch bei 55 Prozent gelegen hatte.
Analyst Ross Norman erklärte die aktuelle Bewegung mit klassischen Gewinnmitnahmen nach dem kräftigen Lauf der vergangenen Tage. Auch Silber, Platin und Palladium gaben im Sog von Gold nach.
Notenbanken und institutionelle Anleger als Stützen
Strukturell bleibt die Nachfrageseite robust. China kaufte im Juli rund 20 Tonnen Gold – der größte monatliche Zugang seit zwei Jahren. Auch ETF-Investoren kehrten zuletzt zurück, während Spekulanten ihre Long-Positionen ausbauten. Der Weltgoldrat verweist zudem auf anhaltende Käufe der Zentralbanken, mit Polen als größtem Käufer.
Auf der institutionellen Seite sorgte zuletzt eine strategische Neuausrichtung von Morgan Stanley für Aufmerksamkeit: Die Bank ersetzt ihren klassischen 60/40-Ansatz aus Aktien und Anleihen durch eine 60/20/20-Aufteilung, bei der Gold als eigenständige Anlageklasse 20 Prozent des Portfolios ausmachen soll.
Chief Investment Officer Mike Wilson begründet dies mit historisch geringen erwarteten Aktienrenditen und dem Inflationsschutz, den Gold biete – das Edelmetall werde damit zur „antifragilen Anlage“.
Analysten uneins über die nächsten Monate
Bei den Kurszielen für die kommenden Monate gehen die Einschätzungen der großen Häuser deutlich auseinander. Während die Deutsche Bank ihre Jahresendprognose für 2026 auf 4.800 Dollar gesenkt hat – von zuvor 5.000 Dollar –, rechnet Citigroup mit einem kurzfristigen Rückgang auf 4.000 Dollar binnen null bis drei Monaten, nachdem das Institut sein bisheriges Ziel von 4.300 Dollar im Juni nach unten revidiert hatte. Die Spanne der Einschätzungen zeigt, wie unsicher der weitere Kursverlauf trotz der jüngsten Stärke bleibt.
In China spiegelt sich die zwischenzeitliche Preisschwäche bereits im Konsumverhalten: Schmuckhändler meldeten fallende Preise und einen Rückgang der Barrenkäufe um rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem der Goldpreis von seinem Jahreshoch bei 5.598,75 Dollar im Januar zeitweise mehr als 1.000 Dollar verloren hatte.
Ausblick für Anleger
Mit einem Abstand von 6,7 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.169,90 Dollar bleibt der kurzfristige Trend intakt, auch wenn der Goldpreis noch rund 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 Dollar aus Ende Januar notiert.
Für Anleger bedeutet die aktuelle Gemengelage: Die grundsätzliche Unterstützung durch Notenbankkäufe und institutionelle Nachfrage bleibt bestehen, während kurzfristig die Zinserwartungen und Gewinnmitnahmen für Volatilität sorgen dürften.
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