Silber Preis: UBS senkt Ziel auf 80 Dollar

Silber fällt auf Mehrjahrestief. Starker Dollar, steigende Ölpreise und Zinsängste setzen dem Edelmetall zu, trotz anhaltendem Angebotsdefizit.

Felix Baarz ·
Silber Preis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Silber auf tiefstem Stand seit Monaten
  • Fed-Sorgen und Dollarstärke belasten
  • Angebotsdefizit bleibt strukturell bestehen
  • Analysten uneins über weitere Kursentwicklung

Auslöser waren eine anhaltende Erholung des US-Dollar, ein kräftiger Anstieg der Ölpreise sowie neue Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank. Charttechnisch rutschte das Edelmetall auf den tiefsten Stand seit mehreren Monaten und notiert damit klar unterhalb sämtlicher gängiger gleitender Durchschnitte – ein Bild, das Analysten von FXStreet als klar abwärtsgerichtet beschreiben.

Zinssorgen und starker Dollar drücken auf den Kurs

Die Gemengelage aus geopolitischen Spannungen und geldpolitischer Unsicherheit belastet Edelmetalle derzeit gleich von mehreren Seiten. Fed-Vizechef Philip Jefferson erklärte laut Reuters am 16. Juli 2026, die Notenbank halte eine aktuell stabile Zinspolitik zwar für angemessen, könnte aber zu einer Erhöhung gezwungen sein, sollte sich die Inflation nicht bald abschwächen. Er warnte zugleich, dass der Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz die Inflation anheizen könnte, bevor entsprechende Produktivitätsgewinne überhaupt sichtbar werden. Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan ergänzte, KI-Investitionen und steigende Strompreise durch Rechenzentren seien kurzfristige Inflationstreiber, während von der Lohnentwicklung derzeit kein Druck ausgehe. Die nächste Fed-Sitzung ist für den 28. und 29. Juli 2026 angesetzt.

Parallel dazu trieben die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise weiter an. Die Straße von Hormus gilt Berichten zufolge weiterhin als blockiert, Teheran droht zudem mit einer möglichen Schließung des Roten Meeres über verbündete Huthi-Kräfte. Die dadurch verschärften Inflationssorgen lassen Anleger vorsichtiger werden und stützen zusätzlich den US-Dollar – zulasten von zinslosen Anlagen wie Silber. Auch ein breiterer Ausverkauf bei Technologiewerten habe laut ntg24.de zur schwachen Stimmung beigetragen.

Strukturelles Angebotsdefizit hält an

Trotz der aktuellen Kursschwäche bleibt die fundamentale Angebotslage angespannt. Das Silver Institute rechnet für 2026 bereits mit dem sechsten Marktdefizit in Folge, konkret werden rund 46,3 Millionen Unzen erwartet, wie mehrere internationale Quellen übereinstimmend berichten. Über die vergangenen fünf Jahre summierte sich das kumulierte Defizit demnach auf rund 716 Millionen Unzen, während die oberirdischen Lagerbestände in den vergangenen 15 Jahren um etwa 473 Millionen Unzen abgeschmolzen sind.

Besonders im Fokus steht Mexiko, das laut FXEmpire und IndexBox rund 172,9 Millionen Unzen und damit etwa ein Fünftel der weltweiten Silberförderung liefert. Seit dem 1. Juli 2026 wird das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA nicht mehr in seiner bisherigen Form verlängert, sondern jährlich überprüft – ein Novum, das zusätzliche Unsicherheit in die Lieferketten bringt. Ein zehnprozentiger Importzuschlag nach Section 122 läuft zudem am 24. Juli 2026 aus, während eine Entscheidung über mögliche Kupferzölle noch aussteht. Auf der Nachfrageseite verweist FXStreet auf strukturelle Treiber wie Solarindustrie, Elektrofahrzeuge, militärische Anwendungen und KI-Infrastruktur, die dem Angebot zunehmend entgegenstehen – ein Ungleichgewicht, das kurzfristige Kursrückgänge, etwa durch die Auflösung von Optionspositionen, nach Einschätzung der Analysten nur überlagert, nicht aber auflöst.

Analysten uneins über weiteren Verlauf

Die Einschätzungen zum weiteren Kursverlauf gehen auseinander. Die Schweizer Großbank UBS senkte ihr Kursziel für 2026 auf 80 US-Dollar je Feinunze, nachdem eine zwischenzeitliche Rally im Zusammenhang mit einer von Peru ausgerufenen Energie-Notlage wieder abgeebbt war – die Bank verweist zudem auf mögliches „De-Silvering“ in der Solarindustrie, das die Nachfrage um bis zu 19 Prozent drücken könnte. Das Gold-Silber-Verhältnis fiel unterdessen unter die Marke von 55, was auf eine relative Stärke des Silbers gegenüber Gold hindeutet.

Auf Produzentenseite zeigt sich First Majestic Silver von der angespannten Marktlage unbeeindruckt: Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal 2026 eine um 3 Prozent gestiegene Silberproduktion auf 3,8 Millionen Unzen und hob die Jahresprognose für mehrere Minen, darunter Los Gatos und La Encantada, an. Zudem verkaufte der Konzern die Mine Del Toro für bis zu 60 Millionen kanadische Dollar und wies zuletzt eine Marktkapitalisierung von 11,01 Milliarden kanadischen Dollar aus. Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: kurzfristigem Verkaufsdruck durch Zins- und Dollarsorgen steht eine seit Jahren angespannte physische Angebotslage gegenüber, die viele Marktbeobachter langfristig weiter als preisstützend werten.

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