ASML Holding Aktie: Hybrid-Bonding-Allianz?
Die Zusammenarbeit mit Besi bestätigt kein neues ASML-Produkt; zugleich übersteigt die Kundennachfrage 2027 und 2028 die geplanten Liefermengen.

Kurz zusammengefasst
- Besi sieht ASML nicht als Bonding-Konkurrenten
- Kein neues ASML-Bonding-Werkzeug bestätigt
- Terafab-Lieferungen werden beschleunigt
- Geplante Kapazitäten decken Nachfrage nicht vollständig
ASML arbeitet mit Besi an einer höheren Präzision bei der Chipplatzierung. Das erklärte Besi-Chef Richard Blickman am Donnerstag Medienberichten zufolge. Zugleich grenzte er die Zusammenarbeit von einem möglichen Konkurrenzverhältnis ab: Besi betrachtet ASML beim sogenannten Hybrid-Bonding nicht als Wettbewerber.
Ein konkurrierendes Bonding-Werkzeug hat ASML nicht bestätigt. Die Nachricht belegt damit eine Kooperation, aber keinen bestätigten Einstieg in ein neues Konkurrenzgeschäft.
Kooperation statt bestätigter Konkurrenz
Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich. Blickmans Aussage beschreibt die Zusammenarbeit aus Sicht von Besi. Sie ist keine Produktankündigung von ASML. Aus der gemeinsamen Arbeit an der Chipplatzierung lässt sich deshalb kein bestätigtes zusätzliches Geschäftsfeld für ASML ableiten.
Eine weitere Nachricht betrifft die Auslieferung bestehender Anlagen. Bloomberg berichtete am Dienstag über Aussagen von Elon Musk. Demnach beschleunigten ASML und andere Ausrüstungslieferanten ihre Lieferungen für das Terafab-Projekt von Tesla und SpaceX. SpaceX strebt dort eine Chipfertigung in großen Stückzahlen im dritten oder vierten Quartal 2028 an.
Der angestrebte Produktionsbeginn bleibt ein Ziel. Auch die beschleunigten Lieferungen sind von der Frage zu trennen, ob ASML insgesamt ausreichend Kapazität bereitstellen kann. Die Meldung beschreibt Fortschritte bei einem konkreten Projekt, nicht die vollständige Deckung der Kundennachfrage.
Hohe Nachfrage trifft auf Liefergrenzen
Diesen Unterschied unterstreichen die Geschäftsaussagen von ASML. Vor rund zwei Wochen erklärte das Management, dass die geplanten Liefermengen die Kundennachfrage 2027 und 2028 nicht vollständig decken würden. Einige Kunden interessierten sich bereits für Bestellungen für die darauffolgenden beiden Jahre.
Damit stehen die jüngsten Meldungen nebeneinander, ohne sich zu widersprechen: Einzelne Lieferungen können schneller erfolgen, während die insgesamt geplanten Kapazitäten hinter den Kundenwünschen zurückbleiben.
Im dritten Quartal 2026 erzielte ASML einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 5,0 Milliarden Euro. Die Zahlen bilden den finanziellen Hintergrund für die Diskussion über Nachfrage und Auslieferungen.
Die vor rund zwei Wochen angehobene Prognose sieht für das Gesamtjahr einen Umsatz von 44 bis 45 Milliarden Euro vor. ASML erwartet dabei eine Bruttomarge von rund 56 Prozent.
Für die Einordnung der jüngsten Nachrichten zählt daher vor allem die Trennung zwischen bestätigter Zusammenarbeit, beschleunigten Projektlieferungen und unbestätigten Produktplänen. Die Kooperation mit Besi erweitert nicht automatisch das Geschäftsmodell. Die Terafab-Aussagen wiederum heben die vom Management beschriebenen Liefergrenzen nicht auf.
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