D-Wave Quantum: 7,1 Millionen Aktien für Washington
D-Wave Quantum erhält bis zu 100 Millionen Dollar und eine staatliche Beteiligung, während Umsatz und kommerzielle Umsetzung hinter den Zielen zurückbleiben.

Kurz zusammengefasst
- Greg Golkov übernimmt kommissarisch den CFO-Posten
- US-Regierung erhält Minderheitsanteil an D-Wave
- Buchungen steigen auf 35,5 Millionen Dollar
- Zacks Research stuft Aktie auf Hold
Manchmal sagt ein Wechsel im Finanzressort mehr über ein Unternehmen aus als jede Pressemitteilung über Milliarden-Fördertöpfe. Bei D-Wave Quantum verließ Anfang September, nach der Ankündigung Ende August, der langjährige Finanzchef John Markovich seinen Posten.
Sein Nachfolger kommissarisch: Greg Golkov, bislang Senior Vice President Finance, übernimmt nun als amtierender CFO. Ein Wechsel im Top-Management just in dem Moment, in dem der Staat als Großaktionär an Bord kommt – das wirft Fragen auf, die über den reinen Personalvorgang hinausgehen.
Denn genau diese Konstellation ist das eigentliche Strukturthema, das D-Wave gerade prägt: Ein Quantencomputer-Unternehmen, dessen Umsatz im zweiten Quartal bei mageren 3,1 Millionen Dollar verharrte, wird gleichzeitig zum industriepolitischen Prestigeprojekt der US-Regierung.
Die Fördervereinbarung mit dem Handelsministerium, vor rund einer Woche vollzogen, brachte D-Wave nicht nur bis zu 100 Millionen Dollar für die Halbleiterentwicklung ein – das Ministerium erhält im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung, nicht kontrollierend, aber real. 7,1 Millionen QBTS-Aktien wurden dafür an die US-Regierung ausgegeben.
Wenn Politik zum Anteilseigner wird
Das ist bemerkenswert, weil es das Verhältnis zwischen Staat und Unternehmen neu justiert. Washington finanziert nicht nur, es partizipiert. Die Mittel sollen in die Skalierung von D-Waves Annealing- und Gate-Modell-Systemen fließen, mit dem erklärten Ziel, Systeme mit 100.000 beziehungsweise 10.000 Qubits zu realisieren. Das sind Zielmarken, die weit über das hinausgehen, was das Unternehmen bislang kommerziell umsetzt.
Und hier liegt die Spannung, die sich durch die gesamte Geschichte von D-Wave zieht: Auf der einen Seite steht ein Geschäft, das im ersten Halbjahr 2026 zwar Buchungen um 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen Dollar steigern konnte, darunter ein Systemverkauf über 20 Millionen Dollar – auf der anderen Seite ein laufender Umsatz, der davon kaum etwas widerspiegelt.
Die Differenz zwischen Auftragseingang und tatsächlich verbuchtem Umsatz ist bei einem Unternehmen, das an der Schwelle zur Serienreife steht, kein Randdetail, sondern die zentrale Frage, an der sich die gesamte Bewertung entzündet.
Zacks Research stufte die Aktie am 21. August von Strong Buy auf Hold zurück – ein Warnsignal, das in der öffentlichen Wahrnehmung neben der Fördermeldung fast unterging, aber es markiert einen Bruch in der bis dahin durchweg optimistischen Analystenlinie.
Der Kurs als Spiegel der Unsicherheit
Am Markt zeigt sich diese Zerrissenheit deutlich. Die Aktie schloss am Freitag bei 14,49 Euro, nach einem Jahr, das mit einem Hoch von 40,41 Euro im Oktober begann und die Aktie inzwischen 36 Prozent unter ihren Jahresanfangsstand gedrückt hat.
Seit dem 50-Tage-Durchschnitt von 16,21 Euro notiert sie elf Prozent darunter – ein Bild, das zu den durchwachsenen Nachrichten passt: Fortschritt bei der Technologie, aber noch keine überzeugende Antwort auf die Ertragsfrage.
Was bleibt, ist ein Muster, das man bei kaum einem anderen börsennotierten Quantencomputer-Unternehmen in dieser Deutlichkeit beobachtet: der Staat als Kapitalgeber und Miteigentümer, ambitionierte technische Roadmaps mit Fünf- und Sechsstelligen Qubit-Zielen, und ein Finanzchef-Wechsel mitten in dieser Übergangsphase.
Ob Golkov das Unternehmen dauerhaft führen wird oder nur eine Brücke baut, ist noch offen. Fest steht: D-Wave ist längst mehr als ein Tech-Startup mit Börsennotiz – es ist zum Testfall dafür geworden, wie weit staatliche Industriepolitik und private Kapitalmärkte im Quantencomputing zusammenwachsen können, ohne dass die kommerzielle Substanz bereits mitgewachsen wäre.
Für Anleger bedeutet das: Die eigentliche Geschichte spielt sich nicht in der Kursbewegung eines einzelnen Tages ab, sondern in der Frage, ob aus staatlich geförderten Roadmaps irgendwann zahlende Kunden werden.
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