Silber Preis: 52,56 Prozent unter Jahreshoch
Silber fällt auf 57,77 US-Dollar und notiert 52,56 Prozent unter dem Rekordhoch. Fed-Kurs und steigende Anleiherenditen setzen dem Edelmetall weiter zu.

Kurz zusammengefasst
- Silber fällt auf 57,77 Dollar
- Fed-Vertreter fordern Zinserhöhung
- US-Renditen erreichen Höchststände
- Minenwerte zeigen uneinheitliches Bild
Der Silberpreis kommt nicht von der Stelle. Zum Wochenschluss rutschte das Edelmetall auf 57,77 US-Dollar je Feinunze, ein Tagesminus von 2,51 Prozent. Ein Marktbericht vom Samstag beschreibt die aktuelle Lage treffend als „fragile Bodenbildung“ – Silber suche weiter nach Momentum und Symmetrie, ohne dass sich eine klare Richtung abzeichnet.
Der Rückgang reiht sich in eine längere Schwächephase ein. Seit dem Rekordhoch von 121,78 US-Dollar Ende Januar hat sich der Preis mehr als halbiert, der Abstand zum Jahreshoch beträgt aktuell 52,56 Prozent. Auch technisch bleibt das Bild angeschlagen: Der Kurs notiert klar unter allen gängigen gleitenden Durchschnitten, der 200-Tage-Schnitt liegt gut ein Fünftel über dem aktuellen Niveau. Der RSI von 43,8 signalisiert weder Überverkauft- noch Überkauft-Zustand, sondern schlicht Orientierungslosigkeit.
Fed-Politik und steigende Renditen belasten
Hinter der Schwäche steht vor allem die Zinspolitik der US-Notenbank. Fed-Chef Kevin Warsh hält den Leitzins seit seiner ersten Sitzung im Amt bei 3,50 bis 3,75 Prozent, zuletzt mit einem 9-3-Votum. Drei Vertreter des Offenmarktausschusses – Logan, Hammack und Kashkari – votierten sogar für eine Zinserhöhung, um die Inflation stärker zu bekämpfen. Warsh selbst verzichtet auf konkrete Forward Guidance und verweist auf reine Datenabhängigkeit, was Investoren zusätzlich verunsichert.
Die Folge zeigt sich am Anleihemarkt: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf über 4,7 Prozent, die dreißigjährige erreichte mit rund 5,28 Prozent den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Steigende Realrenditen verteuern das Halten von zinslosem Edelmetall und drücken damit auch auf Silber. BofA-Stratege Michael Hartnett bezeichnete die Fed dennoch als „unverhohlen taubenhaft“ und erwartet eine weitere Verschärfung der Finanzierungsbedingungen bis zu einem entscheidenden Wendepunkt auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole Ende August.
Parallel dazu verschärft sich die geopolitische Lage im Nahen Osten: Israel schloss sich einem US-Luftangriff auf den Iran an, Teheran bekannte sich zu einem Gegenangriff auf einen Öltanker in der Straße von Hormus. US-Botschaften in Jordanien, im Irak und in Israel rieten ihren Bürgern bereits zur Ausreisevorbereitung. Normalerweise würde eine solche Eskalation Fluchtgeld in Edelmetalle lenken – dass Silber dennoch nachgab, unterstreicht, wie stark der Gegenwind aus steigenden Zinsen und einem zeitweise robusten Dollar derzeit wirkt.
Minenwerte mit gemischtem Bild
Abseits des Preises liefert der Minensektor differenzierte Signale. Pacifica Silver meldete Rekordgehalte bei seinem Silber-Gold-Projekt Claudia in Mexiko, mit Spitzenwerten von bis zu 5.584 Gramm Silberäquivalent pro Tonne auf einzelnen Kernabschnitten. Das laufende Phase-II-Bohrprogramm hat bereits gut 16.000 der geplanten 20.000 Meter erreicht, drei Bohranlagen sind aktiv im Einsatz. Bei First Majestic Silver lief es dagegen weniger gut: Das BOTSI-Ranking stufte die Aktie in seiner jüngsten Trendauswertung von Rang 508 auf 574 ab, während Vizsla Silver im selben System hochgestuft wurde. Für Endeavour Silver berichteten Marktbeobachter zuletzt von starken Zahlen, die jedoch einen Haken hätten.
Für den Silberpreis selbst bleibt die Gemengelage aus geldpolitischer Unsicherheit, geopolitischer Eskalation und angeschlagenem Chartbild vorerst bestimmend. Erst ein nachhaltiger Befreiungsschlag über die gleitenden Durchschnitte dürfte der aktuellen fragilen Bodenbildung wieder klare Kontur verleihen.
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