Branicks: 60,4 Prozent der Gläubiger stimmen zu
Branicks Group einigt sich mit Gläubigern auf Umschuldung. Die Verbindlichkeiten werden neu strukturiert, frisches Kapital fließt, und der Vorstand wird umgebaut.

Kurz zusammengefasst
- Gläubigervereinbarung zur Umschuldung steht
- Zweistufiger Plan mit Laufzeiten bis 2038
- Neue Finanzmittel für Mutter und Tochter
- Vorstandswechsel: Wärntges geht, Schultheis kommt
Die Branicks Group hat ihre Restrukturierung von Finanzverbindlichkeiten unter Dach und Fach gebracht. Nach Angaben der Immobilien Zeitung ist die Vereinbarung mit den Gläubigern abgeschlossen, CEO Sonja Wärntges scheidet spätestens Ende 2026 aus dem Vorstand aus.
Zwei-Phasen-Plan mit langen Laufzeiten
Der Plan sieht laut einer Marktpräsentation vom 30. Juli zwei Phasen vor. In Phase eins wird im August 2026 eine Stundung der Anleihe bis zum 31. Dezember 2026 vereinbart, mit Verlängerungsoption bis Ende März 2027. In Phase zwei, im Herbst 2026, sollen die Verbindlichkeiten in Senior Secured und Subordinated Instruments mit Laufzeiten bis 2030 beziehungsweise 2038 aufgeteilt werden.
Die Senior-Secured-Papiere sollen mit 7,5 Prozent per anno in bar verzinst werden, die nachrangigen Instrumente mit 15 Prozent, zahlbar in bar oder als PIK-Zinsen.
Rückhalt für die Transaktion kommt von einem Großteil der Gläubiger: Nach Angaben von BondGuide unterstützen 60,4 Prozent des Anleihevolumens sowie mehr als 90 Prozent der Schuldscheingläubiger den Plan.
Die entsprechenden Lock-Up-Vereinbarungen zur 400-Millionen-Euro-Anleihe und zu Schuldscheindarlehen über 179,5 Millionen Euro mit Fälligkeiten zwischen 2026 und 2031 waren am 30. Juli unterzeichnet worden und Anfang August vollständig wirksam. Die Anwaltskanzlei Dentons hat nach eigenen Angaben zahlreiche Kreditinstitute als Schuldscheingläubiger bei dem Abschluss beraten.
Frisches Kapital und neuer Vorstand
Neben der Umschuldung fließt der Gruppe frisches Kapital zu. Medienberichten zufolge stehen 35 Millionen Euro für Branicks selbst und weitere 60 Millionen Euro für die Tochter VIB Vermögen bereit. Das neue Geld soll die Liquidität während der Umsetzung des Restrukturierungsplans sichern.
Auf der Führungsebene vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel. Josef Schultheis wurde als Chief Restructuring Officer in den Vorstand berufen, der Aufsichtsratsvorsitzende ist zurückgetreten. Wärntges bleibt zwar zunächst im Amt, ihr Ausscheiden bis spätestens Ende des Jahres ist damit aber gesetzt.
Die technische Umsetzung der Anleiherestrukturierung soll über zwei aufeinanderfolgende Abstimmungen ohne Versammlung nach dem Schuldverschreibungsgesetz erfolgen – die erste, zur Stundung, wurde am 31. Juli veröffentlicht.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse spiegelt sich die Schieflage weiterhin deutlich. Die Aktie notiert bei 0,82 Euro und damit rund 62 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2,15 Euro, das im September vergangenen Jahres markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier 53 Prozent an Wert verloren.
Die jüngste Erholung um gut zwei Prozent binnen einer Woche ändert an diesem Bild wenig – für Anleger bleibt entscheidend, ob der ausgehandelte Gläubigerkompromiss in Phase zwei tatsächlich wie geplant umgesetzt wird.
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