Mercedes-Benz Aktie: Kaufen trotz China-Schwäche?
China-Schwäche und höhere Kosten belasten den Ausblick; zugleich bleiben die DZ Bank bei Kauf und UBS bei neutraler Einstufung.

Kurz zusammengefasst
- DZ Bank reduziert fairen Wert auf 48 Euro
- Kaufempfehlung der DZ Bank bleibt bestehen
- UBS senkt Kursziel auf 42,50 Euro
- Abfindungsprogramm soll im Dezember 2026 starten
Für Mercedes-Benz fallen die Bewertungsmaßstäbe vorsichtiger aus, ohne dass die Kaufargumente vollständig verschwinden. Die DZ Bank senkte am Freitag den fairen Wert von 55 auf 48 Euro und bestätigte ihre Kaufempfehlung. Für Anleger zeigt sich damit eine klare Trennung: Zutrauen in die Aktie bedeutet nicht automatisch Zuversicht für die kurzfristige Geschäftsentwicklung.
Analysten unterscheiden Bewertung und Ertragslage
DZ-Bank-Analyst Michael Punzet verwies auf die anhaltende China-Schwäche als Belastung für das Pkw-Geschäft und als Grund für die Prognosesenkung. Die Quartalszahlen hätten die Erwartungen allerdings leicht übertroffen. Dieser positive Befund reichte nicht aus, um den bisherigen Bewertungsansatz beizubehalten.
Die Empfehlung und der niedrigere faire Wert sind deshalb kein Widerspruch. Das Kaufvotum signalisiert weiterhin eine positive Einschätzung der Aktie. Die Absenkung berücksichtigt zugleich die schwierigeren operativen Bedingungen. Eine leichte Überraschung bei den Quartalszahlen ist damit noch kein Beleg für eine grundlegende Verbesserung.
Auch UBS reduzierte am Donnerstag das Kursziel: von 45,00 auf 42,50 Euro. Analyst Patrick Hummel beließ die Einstufung bei „Neutral“. Er erwartet bei der Jahresbilanz im Februar Ergebnisse einer Strategieüberarbeitung.
Im Mittelpunkt stehen nach Hummels Einschätzung die Rolle von Mercedes-Benz in China und die Investitionen. Damit richtet sich der Blick über das einzelne Quartal hinaus: Entscheidend ist auch, wie das Unternehmen seine strategischen Prioritäten unter den schwierigeren Bedingungen ausrichtet.
China und Mittelzufluss begrenzen den Spielraum
Die Gewinnwarnung vor gut einer Woche liefert den wirtschaftlichen Hintergrund der vorsichtigeren Bewertungen. Mercedes-Benz begründete den gesenkten Ausblick mit dem schwierigeren Marktumfeld in China sowie höheren Kosten im Schlussquartal, darunter Materialkosten.
Für Mercedes-Benz Cars erwartet das Unternehmen eine bereinigte Umsatzrendite von 2–3 %. Das Konzern-EBIT soll auf Vorjahresniveau liegen. Der Free Cash Flow des Industriegeschäfts dürfte deutlich unter dem Vorjahreswert ausfallen.
Damit betrifft die Belastung nicht allein die Profitabilität des Pkw-Geschäfts. Auch der erwartete Mittelzufluss fällt schwächer aus. Für die Einordnung der Aktie sind deshalb Ergebnisentwicklung und Barmittel gleichermaßen relevant.
Kostenschritte und Strategie als nächste Prüfsteine
Ab Dezember 2026 soll erneut ein freiwilliges Abfindungsprogramm für indirekte Bereiche in Deutschland starten. Es bleibt damit eine angekündigte Maßnahme, deren wirtschaftliche Wirkung noch nicht als erreicht gelten kann.
Der nächste strategische Bezugspunkt ist die von Hummel erwartete Vorstellung der Überarbeitung bei der Jahresbilanz im Februar. Bis dahin stehen die unterschiedlichen Analystenurteile für denselben Zielkonflikt: Kaufempfehlungen bestehen fort, während niedrigere Bewertungsansätze die operativen Belastungen berücksichtigen.
Eine überzeugendere Perspektive verlangt daher mehr als leicht übertroffene Quartalserwartungen. Im Zentrum stehen der Umgang mit China, die Investitionen und die Entwicklung des Mittelzuflusses.
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