BYD Aktie: Racco unterbietet Nissan Sakura
BYD fordert mit dem vollelektrischen Kleinstwagen Racco die japanischen Hersteller heraus. Der Racco unterbietet den Bestseller Nissan Sakura beim Preis und bietet mehr Reichweite.

Kurz zusammengefasst
- Vollelektrischer Kleinstwagen Racco vorgestellt
- Startpreis unter 2 Millionen Yen nach Förderung
- Mehr Reichweite als Nissans Sakura
- BYD-Aktie erholt sich um 23 Prozent
BYD wagt sich in ein Segment vor, das bislang fest in japanischer Hand war. Der chinesische Elektroauto-Hersteller hat am Dienstag den vollelektrischen Racco vorgestellt — ein sogenanntes Kei-Car, jene winzigen Kleinstwagen, die fast 40 Prozent aller Neuwagenverkäufe in Japan ausmachen. Damit fordert BYD Toyota, Honda und Nissan direkt auf deren Heimmarkt heraus.
Ein Preis, der aufhorchen lässt
Der Racco startet bei 2,145 Millionen Yen, umgerechnet rund 13.100 Dollar. Nach Abzug einer staatlichen Förderung von 150.000 Yen rutscht die Einstiegsversion unter die Marke von 2 Millionen Yen. Die Reichweite liegt bei 210 Kilometern nach WLTC-Norm.
Zum Vergleich: Nissans Sakura, aktuell meistverkauftes Elektroauto Japans, kostet etwa 2,44 Millionen Yen und schafft nur 180 Kilometer pro Ladung. BYD unterbietet den lokalen Bestseller also nicht nur beim Preis, sondern bietet zusätzlich mehr Reichweite.
Um den Markteintritt zu untermauern, baut BYD sein Vertriebsnetz gezielt aus. Das Unternehmen plant kleine Schauräume mit nur ein oder zwei Modellen in Regionalstädten unter 500.000 Einwohnern. Ziel ist der ländliche Raum, wo die Nachfrage nach Mini-Elektroautos besonders hoch ist.
Der Racco ist nicht BYDs erster Schritt in Japan. Bereits 2022 stieg der Konzern in den japanischen Pkw-Markt ein, im Januar 2023 folgte der Verkaufsstart des Atto 3. Im Januar dieses Jahres kündigte BYD zwei weitere Hybridmodelle an, den Atto 2 und den Seal 6 — Teil einer geplanten Acht-Modell-Palette für den japanischen Markt.
Aktie erholt sich deutlich
Die BYD-Aktie schloss am Dienstag bei 10,13 Euro, ein Plus von 2,08 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage steht ein Kursgewinn von 23,05 Prozent zu Buche — eine bemerkenswerte Erholung nach einem schwierigen Jahr.
Denn trotz der jüngsten Rally bleibt die Aktie 28,94 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,25 Euro, erreicht im Juli 2025. Auf Jahressicht steht weiterhin ein Minus von 5,41 Prozent. Die Erholung fällt zeitlich mit einer breiteren Divergenz zusammen: Während BYD im vergangenen Monat um rund 22 Prozent zulegte, verlor Tesla im selben Zeitraum etwa 23 Prozent.
Expansion mit Widerhaken
Der Japan-Vorstoß reiht sich in eine Serie internationaler Erfolge ein. In der Europäischen Union kletterten BYDs Neuzulassungen im ersten Halbjahr um 168 Prozent auf über 130.000 Fahrzeuge. Der US-Markt bleibt dem Konzern dagegen wegen Einfuhrzöllen komplett verschlossen.
In China selbst bleibt BYD zwar Marktführer bei Elektroautos, muss sich aber gegen Dutzende kleinere Wettbewerber behaupten. Diese setzen vor allem auf Preissenkungen, um im Wettbewerb zu bestehen — ein Preiskrieg, der auf die Margen drückt.
Genau dieses Spannungsfeld beschäftigt aktuell auch Investoren: internationale Expansionserfolge auf der einen Seite, anhaltender Margendruck durch Chinas Preiskampf auf der anderen. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 40 Prozent bleibt die Aktie entsprechend schwankungsanfällig. Ob der Kei-Car-Markt in Japan zum nächsten Wachstumstreiber wird, dürfte sich in den kommenden Absatzzahlen zeigen.
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