Oracle Aktie: 21.000 Jobs weg

Oracle investiert 70 Milliarden Euro in Cloud-Ausbau, während Schulden und Stellenabbau die Bilanz belasten.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • Massiver Stellenabbau um 13 Prozent
  • Cloud-Umsatz steigt um 93 Prozent
  • Freier Cashflow auf minus 23,7 Milliarden
  • OpenAI-Vertrag treibt Auftragsbestand auf 638 Milliarden

Oracle ist kein Softwarekonzern mehr. Das Unternehmen ist eine hochriskante Infrastrukturwette — finanziert durch Schulden, angetrieben von KI-Euphorie, und gerade dabei, sich selbst neu zu erfinden.

Dieser Umbau hat einen hohen menschlichen Preis. In einem SEC-Filing vom Juni 2026 bestätigte Oracle, dass die globale Belegschaft von 162.000 auf 141.000 Mitarbeiter geschrumpft ist. 21.000 Jobs weg — ein Minus von 13 Prozent. Die Begründung: KI-getriebene Restrukturierung. Und es geht weiter: In Rumänien läuft gerade eine zweite Entlassungswelle mit rund 500 Betroffenen.

Das Paradox des Wachstums

Hier liegt der eigentliche Widerspruch. Oracles Cloud-Infrastruktur wächst rasant — der Umsatz stieg im letzten Quartal um 93 Prozent. Trotzdem notiert die Aktie fast 50 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro. Aktuell kostet sie 140,96 Euro.

Der Markt sieht also ein Unternehmen, das technologisch expandiert und gleichzeitig schrumpft. Mehr Rechenzentren, weniger Menschen. Mehr Vertragsvolumen, weniger freier Cashflow. Das klingt nach Effizienz. Es fühlt sich nach Risiko an.

70 Milliarden Euro Capex — und kein freier Cashflow

Um im Rennen der großen Cloud-Anbieter zu bleiben, plant Oracle für das Geschäftsjahr 2027 Investitionen von 70 Milliarden Euro. Das ist kein normales Wachstumsbudget. Das ist eine Generationenwette.

Der Auslöser für diese Summe: Oracles Auftragsbestand ist auf 638 Milliarden Euro explodiert — ein Anstieg von 363 Prozent. Ein erheblicher Teil davon, über 300 Milliarden Euro, soll aus einem fünfjährigen Vertrag mit OpenAI stammen, der 2027 beginnt.

Das Problem: Die Infrastruktur muss jetzt gebaut werden, die Einnahmen kommen später. Der freie Cashflow ist bereits auf minus 23,7 Milliarden Euro abgerutscht. Um die Lücke zu schließen, plant Oracle eine Kapitalerhöhung von 40 Milliarden Euro — eine Mischung aus Schulden und neuen Aktien.

Reicht das OpenAI-Versprechen aus, um diesen Kapitalbedarf dauerhaft zu rechtfertigen?

Die Antwort darauf bestimmt, ob Oracle die nächsten drei Jahre übersteht oder sich im eigenen Schuldenturm vergräbt. Analysten sind optimistisch: Das Konsensziel liegt bei 222,98 Euro, rund 58 Prozent über dem aktuellen Kurs. Ihr Argument ist ein Umsatzwachstum von 31 Prozent jährlich bis 2030. Das ist eine ambitionierte Projektion für ein Unternehmen, das gerade tief im Investitionsloch sitzt.

Technisch erschöpft, fundamental offen

Die Kursentwicklung spiegelt die Unsicherheit wider. Der RSI liegt bei 35,1 — nahe überverkauftem Terrain. Die Aktie notiert knapp 19 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 173,40 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie 15,6 Prozent verloren, auf Jahressicht über 22 Prozent. Die annualisierte Volatilität von 72,56 Prozent zeigt: Der Markt hat noch keine klare Meinung zu diesem Unternehmen.

Was Oracle gerade durchmacht, ist kein normaler Zyklus. Es ist ein struktureller Bruch. Der Konzern hat seinen Personalbestand automatisiert, seinen Cashflow geopfert und seine Bilanz belastet — alles auf die Wette, dass KI-Infrastruktur in fünf Jahren so unverzichtbar sein wird wie Cloud-Speicher heute.

Kein Wunder, dass die Aktie so volatil ist. Wer Oracle kauft, kauft nicht die Gegenwart. Er kauft eine These über die Zukunft des Internets — und trägt das volle Gewicht des Zweifels, solange diese These unbewiesen bleibt.

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Oracle Aktie

140,04 EUR

– 0,90 EUR -0,64 %
KGV 28,33
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,14 %
Marktkapitalisierung 475,74 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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