Commerzbank Aktie: Klingbeil lädt Orcel ein
Commerzbank-Chefin Orlopp fordert Gespräche mit UniCredit, während starke Halbjahreszahlen und neue Ziele ihre Position im Machtkampf stärken.

Kurz zusammengefasst
- UniCredit hält fast die Hälfte
- Orlopp knüpft Verbleib an Einigung
- Klingbeil lädt Orcel zum Gespräch
- Commerzbank hebt Jahresziele an
Bettina Orlopp hat vergangene Woche beim Handelsblatt-Bankengipfel eine deutliche Warnung ausgesprochen. „Wir sollten es jetzt tunlichst nicht vermasseln“, sagte die Commerzbank-Vorstandsvorsitzende mit Blick auf das Verhältnis zu UniCredit. Zugleich räumte sie erstmals unumwunden ein, dass die italienische Bank mit ihrem Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile „de facto einen Kontrollaktionär“ darstellt.
Die Aussage markiert einen Wendepunkt in der monatelangen Auseinandersetzung um die Zukunft der Commerzbank. Nachdem UniCredit im Sommer ihr Übernahmeangebot abgeschlossen hatte, meldete das Institut, dass ihm 17,6 Prozent der Aktien angedient wurden – ein erheblicher Teil davon von Finanzinstituten, die mit UniCredit verbunden sind.
Nur 2,7 Prozent der übrigen institutionellen und privaten Investoren folgten dem Angebot. Rechnerisch verfügt UniCredit dennoch über knapp die Hälfte der Stimmrechte, unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.
Klingbeil lädt Orcel ein – Kurswechsel in Berlin
Für den kommenden Montag, den 14. September, hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil UniCredit-Chef Andrea Orcel zu einem Gespräch ins Bundesfinanzministerium eingeladen.
Medienberichten zufolge signalisiert die Einladung einen Kurswechsel der Bundesregierung, weg von der bisherigen Blockadehaltung hin zu einem konstruktiveren Dialog. Für Orlopp ist genau diese Gesprächsbereitschaft entscheidend: Sie mahnt konstruktive Verhandlungen an, statt weiter auf Konfrontation zu setzen.
Auf die Frage nach ihrer eigenen beruflichen Zukunft antwortete Orlopp beim Bankengipfel ausweichend, aber klar konditioniert: „Solange man sich über Strategie und Weg nach vorn einig ist, ist das eine gute Basis.“ Ihr Vertrag läuft noch bis 2029, doch die Aussage macht deutlich, dass ihr Verbleib an eine Einigung mit dem italienischen Großaktionär geknüpft bleibt.
Starke operative Basis stützt Verhandlungsposition
Der Machtkampf um die Kontrolle findet vor dem Hintergrund einer bemerkenswert robusten operativen Entwicklung statt. Die Commerzbank hatte im August ihre Ergebnisse für das erste Halbjahr präsentiert und dabei Erträge sowie Profitabilität deutlich gesteigert.
Das Institut hob daraufhin seine Jahresziele an: Der Nettogewinn soll 2026 nun mindestens 3,4 Milliarden Euro erreichen, die Eigenkapitalrendite (RoTE) wurde auf 12 Prozent angehoben. Die Aufwand-Ertrags-Relation soll auf 53 Prozent sinken.
Noch ambitionierter fällt die längerfristige Strategie „Momentum 2030″ aus, die das Management ebenfalls im August vorstellte: Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Nettogewinn auf 5,9 Milliarden Euro klettern, die Eigenkapitalrendite auf 21 Prozent steigen. Diese Zahlen verschaffen Orlopp Argumente in den anstehenden Gesprächen – ein Institut, das seine eigenen Ziele überbietet, verhandelt aus einer stärkeren Position.
Am Kapitalmarkt kommt die Gemengelage aus operativer Stärke und politischer Bewegung gut an. Die Aktie notiert am heutigen Montag bei 42,58 Euro und damit nur noch 0,3 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 42,72 Euro, das am Freitag markiert wurde. Der RSI von 71 signalisiert, dass die Rally inzwischen als überkauft gelten könnte – ein Warnsignal für kurzfristig orientierte Anleger, auch wenn die fundamentale Story intakt bleibt.
Der Termin am 14. September dürfte zeigen, ob aus der neuen Gesprächsbereitschaft in Berlin tatsächlich eine tragfähige Lösung für das Aktionärsverhältnis zwischen UniCredit und der Commerzbank wird.
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