KI-Aktien im Kräftemessen: Nvidia baut CPUs, Palantir verliert Europa
Nvidia stellt eigenen KI-Prozessor vor, AMD investiert fünf Milliarden in Anthropic. Palantir verliert europäische Aufträge, ServiceNow vor wichtigen Quartalszahlen.
Kurz zusammengefasst
- Nvidia präsentiert eigenen Server-Chip
- AMD investiert Milliarden in Anthropic
- ServiceNow vor richtungsweisendem Quartalsbericht
- Palantir verliert europäische Regierungsaufträge
Fünf Namen, fünf völlig gegensätzliche Geschichten: Während Nvidia seinen eigenen Chip-Partnern Konkurrenz macht und AMD mit einem Milliarden-Deal bei Anthropic andockt, kämpft ServiceNow vor wichtigen Zahlen mit Investorenskepsis. Palantir verliert derweil europäische Regierungsaufträge, und SoftBank experimentiert mit einem gänzlich neuen Geschäftsmodell.
Nvidia: Der GPU-König greift nach dem CPU-Markt
Nvidia hat mit „Vera“ einen eigenen Prozessor für KI-Rechenzentren vorgestellt und tritt damit direkt gegen AMD und Intel an. Am Dienstag veröffentlichte das Unternehmen technische Details und Benchmarks. Kunden wie OpenAI, Anthropic und SpaceX erhielten bereits im Juni erste Vera-Chips.
Der Vorstoß trifft auf Widerstand. Nvidia selbst räumt ein, dass die Nachfrage noch in einer frühen Phase steckt— außer Oracle ist bislang kein großer Cloud-Anbieter als Partner gelistet. Das etablierte Intel-AMD-Ökosystem lässt sich offenbar nicht so leicht aufbrechen. Laut Gartner-Analyst Kevin Knox bleibt AMD im Segment der Server-CPUs für Unternehmens-KI der Maßstab, mit einem Marktanteil von rund 33 Prozent gegenüber Intels 66,8 Prozent— wobei AMD dank enger Beziehungen zu Hyperscalern weiter zulegt.
An der Börse zeigt sich Nvidia von der Nachricht wenig beeindruckt. Die Aktie notiert aktuell bei 182,30 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Minus von 1,64 Prozent, der Titel bleibt damit knapp zehn Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro. Der RSI von 54 signalisiert eine neutrale Marktlage— weder überkauft noch ausverkauft.
AMD: Fünf Milliarden Dollar für Anthropic nach Microsoft-Coup
Die größte Schlagzeile des Sektors kommt von AMD. Das Unternehmen investiert bis zu fünf Milliarden Dollar in Anthropic, das im Gegenzug zwei Gigawatt an AMD-Instinct-MI450-GPUs in sogenannten Helios-Racksystemen einsetzen wird. Anthropic-Mitgründer Tom Brown betonte, Rechenleistung sei entscheidend, um Claude an der Spitze der KI-Entwicklung zu halten. AMD-Chefin Lisa Su sieht in der Partnerschaft einen Schritt, Helios als zentrale Plattform für KI-Infrastruktur der nächsten Generation zu etablieren.
Der Deal reiht sich in eine Serie positiver Nachrichten ein. Bereits Anfang der Woche hatte Microsoft angekündigt, AMDs Helios-Systeme und die kommende EPYC-Prozessorgeneration in Azure einzusetzen— ein Vertrauensbeweis, der die Aktie beflügelte.
Das spiegelt sich in den Kursdaten wider. AMD notiert bei 481,50 Euro, ein Plus von 0,88 Prozent zum Vortag und von starken 4,33 Prozent auf Wochensicht. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, auf Zwölfmonatssicht steht ein Kursgewinn von über 265 Prozent. Goldman Sachs erhöhte das Kursziel in diesem Monat von 450 auf 640 Dollar und begründete dies mit der stark steigenden Nachfrage nach Hochleistungs-CPUs für agentenbasierte KI-Anwendungen. Auch Jefferies bleibt mit einem Kursziel von 615 Dollar zuversichtlich und rechnet mit weiteren Kundenankündigungen.
ServiceNow: Vor dem wohl wichtigsten Quartalsbericht seit Jahren
Für ServiceNow steht einer der bedeutendsten Geschäftsberichte der jüngeren Firmengeschichte an. Morgan-Stanley-Analyst Sanjit Singh vergab im Vorfeld ein Overweight-Rating mit einem Kursziel, das erhebliches Aufwärtspotenzial signalisiert— er zählt ServiceNow inzwischen zu den fünf Unternehmen seiner Coverage mit den nachhaltigsten Wettbewerbsvorteilen.
Die Stimmung unter den Analysten ist gespalten. Während DA-Davidson-Analyst Gil Luria die Aktie weiterhin kaufen würde, weil das Geschäft von KI-Fortschritten profitieren sollte, sieht CLSA-Analyst Bhavtosh Vajpayee das künftige Wachstum bereits eingepreist und stufte auf Verkaufen. KeyBanc bestätigte sogar ein Underweight-Rating.
Die Aktie selbst leidet unter der Unsicherheit. ServiceNow ist heute um 4,91 Prozent auf 85,22 Euro eingebrochen, nach einem Rückgang von 6,74 Prozent binnen einer Woche. Der RSI von 41,6 deutet auf zunehmenden Verkaufsdruck hin. Der Bericht nach Börsenschluss dürfte zeigen, ob die Sorgen vor KI-bedingten Verschiebungen der IT-Budgets berechtigt sind oder ob die jüngste Kursschwäche eine Übertreibung war.
Palantir: Gegenwind aus Berlin und Paris
Während Palantir in den USA weiter reüssiert, bröckelt die Position in Europa. Frankreich und Deutschland suchen nach alternativen Anbietern für militärische Software und kündigten in einer gemeinsamen Erklärung an, eine „europäische souveräne digitale Basis“ prüfen zu wollen— mit Fokus auf datenzentrierte Sicherheit, künstliche Intelligenz und Cloud-Lösungen aus beiden Ländern.
Dem ging bereits eine Reihe von Rückzügen im Geheimdienstsektor voraus. Der französische Inlandsgeheimdienst DGSI ersetzt Palantir durch ArgonOS von ChapsVision, nur sechs Monate nach einer Vertragsverlängerung mit den Amerikanern. Der deutsche Verfassungsschutz traf dieselbe Entscheidung, und die Bundeswehr schloss Palantir komplett aus ihrer Cloud-Beschaffung für Verteidigungszwecke aus. Firmenchef Alex Karp reagierte scharf und bezeichnete Deutschlands Ablehnung in einem Bild-Interview als „Gespräche über Hexerei“.
Die Kursreaktion fällt entsprechend deutlich aus. Palantir verliert heute 4,64 Prozent auf 111,06 Euro, nachdem der Titel bereits in den vergangenen sieben Tagen fast fünf Prozent abgegeben hatte. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29,32 Prozent, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt inzwischen mehr als 38 Prozent. Die für den 3. August angesetzten Quartalszahlen dürften zeigen, ob das operative Geschäft die politischen Rückschläge kompensieren kann— D.A. Davidsons Gil Luria verweist bereits jetzt auf den sich rasch verdoppelnden Cashflow des Unternehmens.
SoftBank: Vom Nachrichtenlizenzgeschäft zur Gigawatt-Cloud
SoftBank fächert seine KI-Wetten breiter auf. Mit „Garan AI“ stellte das Unternehmen heute eine Plattform vor, die Zeitungsartikel für generative KI-Systeme aufbereitet und bereitstellt— inklusive eines Mechanismus, der Verlage für die Nutzung ihrer Inhalte vergütet. Medienhäuser wie Mainichi Shimbun, Sankei Shimbun und Kyodo News gehören zu den Kooperationspartnern. Nach einer rund halbjährigen Testphase soll die kommerzielle Version frühestens Anfang 2027 starten.
Parallel treibt SoftBank sein Infrastrukturgeschäft voran. Die neu in Delaware gegründete Cloud-Einheit SB Neo soll ab dem Geschäftsjahr 2027 kommerzielle Dienste anbieten und bis etwa 2030 eine Kapazität von zehn Gigawatt an KI-Rechenzentren aufbauen. Die kumulierten Investitionen der Gruppe in OpenAI belaufen sich inzwischen auf rund 65 Milliarden Dollar.
An der Börse kommt die Kombination aus Zukunftswetten und jüngster Rally gemischt an. Die Aktie fällt heute um 5,12 Prozent auf 30,83 Euro, nach einem Wochenverlust von sieben Prozent und einem Monatsrückgang von gut 20 Prozent. Ein Analyst der Deutschen Bank stufte den Titel zuletzt von Kaufen auf Halten zurück und erhöhte das Kursziel nur leicht— eine Reaktion auf die zuvor kräftige Kursrally, die die Bewertung nach Ansicht des Analysten ausgereizt hat.
Sektordynamik im Überblick
Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich sich KI-Engagement auswirken kann:
- Hardware-Wettlauf: Nvidia und AMD kämpfen um die Kontrolle der gesamten KI-Server-Architektur— von Chips über Racks bis zur Software
- Diversifizierungs-Trend: Hyperscaler wie Microsoft setzen zunehmend auf mehrere Chip-Anbieter statt auf einen einzigen Lieferanten
- Software unter Druck: ServiceNow steht nicht im Wettbewerb mit anderen Anbietern, sondern mit der Sorge, KI könnte klassische Softwarebudgets verändern
- Geopolitisches Risiko: Palantirs Stärke bei Regierungsaufträgen wird in Europa zur Schwäche, wo Vertrauen in US-Anbieter schwindet
- Kapitalallokation statt Betrieb: SoftBank positioniert sich als Geldgeber und Infrastrukturarchitekt, nicht als operativer Wettbewerber
Ausblick: Diese Termine entscheiden über die nächste Kursrichtung
Mehrere Ereignisse dürften in den kommenden Tagen richtungsweisend sein. AMDs Advancing-AI-Event könnte weitere Details zum Anthropic-Deal und zum Helios-Rollout liefern— ein Datum, das Analysten als entscheidend für die Bestätigung der diesjährigen Kursrally einstufen. ServiceNows Zahlen werden zeigen, ob die optimistische Morgan-Stanley-Einschätzung oder die vorsichtigeren Stimmen von CLSA und KeyBanc näher an der Realität liegen.
Bei Palantir stellt sich die Frage, ob aus den Absichtserklärungen von Frankreich und Deutschland verbindliche Beschaffungsentscheidungen werden— oder ob das Vorhaben wie frühere europäische Verteidigungsprojekte im Ankündigungsstadium verbleibt. Nvidias Vera-Chip muss beweisen, dass er über Oracle hinaus weitere Hyperscaler gewinnen kann, um AMDs Vorsprung im Server-CPU-Geschäft ernsthaft zu gefährden. SoftBanks Wetten auf Garan AI und SB Neo sind dagegen langfristige Projekte, deren Erfolg sich in den kommenden Quartalsberichten kaum ablesen lassen wird.
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