AMD Aktie: Die unscheinbare Server-Wette?

Analysten sehen neben GPUs auch Server-CPUs als Wachstumstreiber; AMD legt seine Quartalszahlen am 3. November vor.

Felix Baarz ·
Abstrakte Darstellung moderner Halbleiterfertigung und technologischer Innovation in einem Reinraum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Susquehanna hebt Kursziel auf 650 Dollar
  • Rolland prognostiziert 41 Milliarden Dollar GPU-Umsatz
  • Für Serverprozessoren erwartet er 33 Milliarden
  • AMD veröffentlicht Quartalszahlen am 3. November

Bei AMD zieht vor den Quartalszahlen nicht nur die Hoffnung auf neue KI-Beschleuniger. Susquehanna-Analyst Christopher Rolland hat sein Kursziel am Dienstag auf 650 US-Dollar angehoben. Hinter dem Optimismus steht auch eine weniger spektakuläre Produktgruppe: Serverprozessoren.

Für mich liegt darin der entscheidende Punkt. AMDs nächste Bewährungsprobe ist nicht allein der Wettbewerb um die leistungsfähigste GPU, sondern die Frage, wie breit das Geschäft mit KI-Rechenzentren tatsächlich wächst.

Die Unterscheidung ist wichtig. Wer AMD ausschließlich als Herausforderer von Nvidia betrachtet, verengt den Blick auf Beschleuniger. Im Prozessorgeschäft konkurriert das Unternehmen zugleich mit Intel. Damit hängt die nächste Wachstumsphase an unterschiedlichen Produkten und Wettbewerbsverhältnissen. Genau diese Breite rückt vor dem Ergebnisbericht stärker in den Vordergrund.

Die unscheinbarere Hälfte der KI-Geschichte

Rollands Modell macht deutlich, wie groß die Erwartungen inzwischen sind. Für 2027 veranschlagt er rund 41 Milliarden US-Dollar Umsatz mit Rechenzentrums-GPUs und rund 33 Milliarden US-Dollar mit Serverprozessoren. Das sind Prognosen, keine bereits gesicherten Erlöse. Bemerkenswert ist dennoch, welches Gewicht der Analyst dem Prozessorgeschäft neben den Beschleunigern gibt.

Die verbreitete Erzählung vom GPU-Wettrennen greift damit selbst innerhalb eines optimistischen AMD-Modells zu kurz. Serverprozessoren erscheinen darin nicht als bloßes Begleitgeschäft. Sie bilden eine zweite tragende Säule. Das verändert auch die Anlegerfrage: Es geht nicht nur darum, ob AMD bei KI-Beschleunigern Marktchancen nutzt. Ebenso wichtig wird, ob das Unternehmen die erwartete Nachfrage nach Server-CPUs bedienen kann.

Wedbush-Analyst Matt Bryson setzt einen ähnlichen Akzent. Er bewertet AMD mit „Outperform“ und einem Kursziel von 600 US-Dollar. Für kurzfristiges Aufwärtspotenzial könnte nach seiner Einschätzung die Stärke der Server-CPUs wichtiger sein als das eigentliche Quartalsergebnis.

Ich halte diese Gewichtung für aufschlussreicher als das nächste besonders hohe Kursziel. Sie verschiebt den Maßstab vom einzelnen Quartal auf die Belastbarkeit des Geschäfts. Wenn mehrere Produktgruppen tragen sollen, muss sich das auch in Nachfrage, Lieferfähigkeit und Managementausblick erkennen lassen. Ein gutes Ergebnis allein beantwortet diese Fragen noch nicht.

Der Ausblick muss die Größenordnung tragen

AMD veröffentlicht am 3. November nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das dritte Quartal 2026. Ein Analystenkonsens erwartet 13,08 Milliarden US-Dollar Umsatz. Damit steht zunächst eine konkrete Messlatte für das unmittelbar anstehende Geschäft fest.

Der interessantere Teil dürfte allerdings die anschließende Einordnung sein. Bryson sieht gerade in den Managementaussagen zum kommenden Geschäftsjahr einen möglichen Schlüssel für die Bewertung. Das passt zu Rollands weitreichendem Modell: Je stärker die Erwartungen auf künftiges Wachstum setzen, desto weniger genügt ein bloßer Rückblick.

Bei den Beschleunigern erwartet Rolland zunehmende Auslieferungen von MI450 und Helios gegen Jahresende und im kommenden Jahr. Gleichzeitig rechnet er im Gaming-Geschäft mit einem starken zweistelligen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorquartal. Auch ein optimistischer Ausblick auf Rechenzentren bedeutet folglich nicht, dass alle Bereiche gleichzeitig zulegen.

Diese Gegenläufigkeit gehört zur Investmentgeschichte. Sie schützt vor der bequemen Annahme, eine starke KI-Nachfrage übersetze sich automatisch in durchgehend starke Konzernzahlen. Produktanläufe, Lieferengpässe und die Entwicklung anderer Geschäftsfelder bleiben Teil derselben Rechnung.

Nicht jedes Wachstum ist schon verdient

An der Börse hat AMD bereits einen erheblichen Vertrauensvorschuss erhalten: Seit Jahresanfang beträgt das Kursplus 177%. Gerade deshalb erscheint mir die Qualität des Ausblicks wichtiger als die nächste optimistische Schlagzeile.

Die entscheidende Prüfung lautet nun, ob AMD den erwarteten Ausbau seines Rechenzentrumsgeschäfts überzeugend unterlegen kann. Dazu gehören Aussagen über Kunden, Nachfrage und Lieferfähigkeit ebenso wie über neue Produkte. Die hohen Analystenschätzungen beschreiben eine mögliche Zukunft; der Ergebnisbericht muss zeigen, wie belastbar der Weg dorthin ist.

AMDs größere Geschichte ist damit nicht nur der Angriff auf den führenden GPU-Anbieter. Es ist der Versuch, am Ausbau der KI-Infrastruktur mit Prozessoren und Beschleunigern zugleich zu verdienen. Der bevorstehende Bericht wird daran zu messen sein, ob dieses breite Wachstumsversprechen konkreter wird.

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AMD Aktie

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Sektor Technologie
Div.-Rendite —
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Ø Kursziel 637,61 USD
ISIN: US0079031078 WKN: 863186

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