Wasserstoff-Aktien: Plug Power überzeugt, Nel ASA kämpft mit schwindender Kasse
Plug Power überzeugt mit reduzierten Verlusten und höherer Prognose, während Nel ASA unter sinkenden Reserven leidet. Bloom Energy meldet Rekordumsatz, ITM Power starkes Halbjahr.

Kurz zusammengefasst
- Plug Power übertrifft Erwartungen deutlich
- Nel ASA: Auftragsplus, aber Kassenbestand sinkt
- Bloom Energy mit Rekordumsatz dank KI-Boom
- ITM Power: Rekordhalbjahr, Prognose angehoben
Ein Quartalsbericht kann einen ganzen Sektor umsortieren. Plug Power lieferte in der Nacht auf Dienstag genau so einen Bericht – schmalere Verluste, eine angehobene Umsatzprognose, sofortige Kursreaktion. Während der Wasserstoff-Pionier neue Zuversicht ausstrahlt, kämpfen andere Namen der Branche mit ganz anderen Problemen: schwindenden Kassenreserven, gekürzten Kurszielen oder schlicht fehlenden Umsätzen.
Ein Sektor mit zwei Geschwindigkeiten
Die Wasserstoff-Branche im Sommer 2026 zerfällt zunehmend in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen Unternehmen, die vom Strombedarf der KI-Rechenzentren profitieren und sich der Profitabilität nähern. Auf der anderen Seite kämpfen Firmen, die zwar mehr Aufträge einsammeln, aber weiterhin Geld verbrennen, während sich die Umwandlung von Bestellungen in tatsächliche Umsätze verzögert. Plug Power und Bloom Energy zeigen, wie stark AI-getriebene Nachfrage inzwischen den Kurs bestimmt. Nel ASA und ITM Power hängen dagegen zwischen Auftragswachstum und Liquiditätssorgen. SunHydrogen wiederum bewegt sich in einer eigenen Kategorie – als Technologie-Wette ohne nennenswerten Umsatz.
Plug Power: Zahlen-Coup treibt die Aktie an
Die Aktie sprang heute um 11,27 Prozent auf 2,05 Euro, nachdem sie gestern noch bei 1,84 Euro geschlossen hatte. Auf Wochensicht steht damit ein Plus von 9,10 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Titel um 21,99 Prozent verteuert.
Der Auslöser war ein Quartalsbericht, der die operative Wende greifbarer macht als je zuvor. Der Umsatz kletterte auf rund 178 Millionen Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Bruttomarge näherte sich der Nulllinie, nachdem sie ein Jahr zuvor noch tief im negativen Bereich lag. Gleichzeitig senkte das Unternehmen seine Betriebskosten spürbar und reduzierte den Barmittelverbrauch gegenüber dem Vorquartal deutlich.
Besonders das Servicegeschäft stach hervor: Es wuchs kräftig und unterstreicht, wie viel Wert die wachsende installierte Basis mittlerweile generiert. Management erhöhte zudem die Umsatzprognose für das laufende Jahr und stellte weitere Margenfortschritte im zweiten Halbjahr in Aussicht. Die Aktie bleibt mit einem Abstand von rund 49 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 4,04 Euro trotzdem noch weit von alten Bestmarken entfernt – die Rally der vergangenen Tage zeigt aber, wie sensibel der Markt auf jedes Zeichen operativer Disziplin reagiert.
Nel ASA: Auftragsschub trifft auf Kassenschwund
Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller notiert aktuell bei 0,2030 Euro, ein Plus von 2,22 Prozent im Tagesvergleich. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 7,52 Prozent, auf Zwölfmonatssicht bewegt sich der Kurs praktisch unverändert.
Die operative Geschichte ist widersprüchlicher, als es die Kursbewegung vermuten lässt. Der Auftragseingang stieg gegenüber dem Vorjahresquartal massiv, wobei fast der gesamte Zuwachs auf das PEM-Segment entfiel. Gleichzeitig sanken die Umsätze, und die Verluste blieben hoch – belastet auch durch eine Vergleichszahlung im Zusammenhang mit dem Partner Iwatani. Die Barreserven schmolzen binnen zwölf Monaten deutlich zusammen.
JPMorgan reagierte auf diese Gemengelage mit einer kräftigen Kürzung des Kursziels und beließ die Einstufung auf „Neutral“. Die Bank begründete den Schritt mit der Kombination aus sinkenden Umsätzen, hohen Verlusten und schrumpfender Liquidität – trotz des ermutigenden Auftragswachstums. Auch der breitere Analystenkonsens bleibt skeptisch: Die Mehrheit der Bewertungen tendiert Richtung Verkaufen, das durchschnittliche Kursziel liegt kaum über dem aktuellen Niveau.
Bloom Energy: Rekordumsatz, aber Kurs unter Druck
Bloom Energy notiert bei 185,80 Euro und legt im Tagesvergleich um 1,53 Prozent zu. Auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von 6,16 Prozent, über 30 Tage sogar von 9,37 Prozent – trotz eines Kursplus von 147,57 Prozent seit Jahresbeginn und einem Sprung von 472,48 Prozent binnen zwölf Monaten.
Diese Diskrepanz zwischen fundamentaler Stärke und kurzfristiger Kursschwäche prägt die aktuelle Situation. Das Unternehmen meldete einen Rekordumsatz für das zweite Quartal, der sich gegenüber dem Vorjahr nahezu verdreifachte, und hob die Jahresprognose kräftig an. Als Treiber gilt vor allem die beschleunigte Nachfrage aus dem Bau von KI-Rechenzentren – Bloom Energy gilt inzwischen als zugelassener Lieferant für sämtliche großen US-Hyperscaler. Zusätzlich baute das Unternehmen seine Partnerschaft mit MiTAC um ein neues KI-fokussiertes Microgrid-Projekt in Kalifornien aus.
Der freie Cashflow drehte im Jahresvergleich massiv ins Positive, was die operative Wende unterstreicht. Trotzdem senkten mehrere Banken nach der jüngsten Kursschwäche ihre Kursziele: Wells Fargo reduzierte sein Ziel auf 176 Dollar, Truist auf 218 Dollar, während Mizuho die Aktie sogar auf „Outperform“ hochstufte und ein Ziel von 242 Dollar nannte. JPMorgan blieb mit einem Ziel von 314 Dollar und einer „Overweight“-Einstufung der optimistischste unter den großen Häusern – ein Zeichen, dass die fundamentale Story trotz der Kursdelle intakt bleibt.
ITM Power: Rekordhalbjahr, aber Momentum kühlt ab
ITM Power notiert bei 1,32 Euro und gab heute um 3,23 Prozent nach. Über die vergangene Woche steht dennoch ein Plus von 6,72 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich die Aktie um beachtliche 82,17 Prozent verteuert.
Der britische Elektrolyseur-Hersteller aus Sheffield meldete das umsatzstärkste erste Halbjahr seiner Geschichte und hob anschließend die Jahresprognose an – ein Signal, das die Aktie zunächst nach oben trieb. Analysten von RBC Capital Markets bewerteten die Anhebung als leicht positiv und verwiesen sowohl auf eine bessere Projektumsetzung als auch auf Effekte aus veränderten Bilanzierungsregeln bei der Umsatzerfassung. Die operativen Verluste bleiben allerdings beträchtlich, und das Nettokassenpolster dürfte bis Jahresende weiter schrumpfen.
Die Analystenmeinungen zu ITM Power gehen deutlich auseinander. Während die Mehrheit der Bewertungen auf „Kaufen“ lautet, bleibt Goldman Sachs skeptisch gegenüber dem Titel. Mit einem Abstand von fast 49 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro zeigt die Aktie, wie schnell operative Fortschritte von Bewertungssorgen überschattet werden können.
SunHydrogen: Effizienzmeilenstein statt Umsatz
SunHydrogen bleibt ein Micro-Cap im Cent-Bereich. Der Titel schloss gestern bei 0,0196 Dollar, ein Rückgang von 2,00 Prozent, und verzeichnet auf Wochensicht ein Minus von 6,67 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 27,41 Prozent, binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs nahezu halbiert.
Fundamental bewegt sich hier wenig über klassische Umsatzkennzahlen. Stattdessen dreht sich die jüngste Nachricht um einen technologischen Meilenstein: Das Unternehmen erreichte in vorläufigen Tests eine Solar-zu-Wasserstoff-Effizienz von über 10 Prozent – eine Schwelle, die weltweit nur wenige Gruppen bei Technologien zur direkten Wasserspaltung mit Sonnenlicht demonstriert haben. Auf Basis dieses Ergebnisses ging SunHydrogen eine Technologie-Kooperation mit Sparc Hydrogen ein, einem Gemeinschaftsunternehmen von Sparc Technologies, Fortescue und der University of Adelaide. CEO Tim Young bezeichnete das Testergebnis als externe Bestätigung der eigenen Technologie.
Die Zusammenarbeit ist in Phasen gegliedert und läuft über 24 Monate, beginnend mit Labortests bei steigender Sonnenkonzentration. Bei Erreichen vereinbarter Meilensteine soll das Projekt bis zur On-Sun-Erprobung in der SHARP-Pilotanlage im südaustralischen Roseworthy fortschreiten. Formale Wall-Street-Coverage existiert für den Titel kaum – Anlegerinteresse hängt fast ausschließlich an solchen wissenschaftlichen Fortschrittsmeldungen statt an Quartalszahlen.
Sektordynamik im Überblick
Die fünf Namen zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich sich Wasserstoff-Investments derzeit entwickeln:
- Skalierer mit Margenwende: Plug Power und Bloom Energy profitieren am stärksten vom KI-getriebenen Strombedarf und rücken näher an nachhaltige Profitabilität.
- Mittelfeld mit Auftragsschub, aber Cash-Sorgen: Nel ASA und ITM Power verzeichnen deutliches Auftragswachstum, kämpfen aber mit dünnen Margen und schwindenden Reserven.
- Technologie-Wette ohne Umsatzbasis: SunHydrogen bleibt pre-revenue und reagiert primär auf wissenschaftliche Validierungsschritte.
- Kapitalflüsse werden selektiver: Investoren belohnen zunehmend jene Unternehmen, die einen glaubwürdigen Weg vom Auftragsbestand zum tatsächlichen Cashflow zeigen können.
Wasserstoff-Branche zwischen Aufbruch und Ausdünnung
Ob Plug Power und Bloom Energy ihre Margenfortschritte ins zweite Halbjahr tragen können, dürfte über die kurzfristige Stimmung im gesamten Sektor entscheiden – zumal die Nachfrage aus dem Ausbau von KI-Rechenzentren die Auftragsbücher von Brennstoffzellen- und Elektrolyseur-Herstellern gleichermaßen prägt. Für Nel ASA wird der nächste Quartalsbericht im Herbst zeigen müssen, ob der Auftragsschub im PEM-Segment endlich beginnt, den Barmittelabfluss zu kompensieren. ITM Power steht im September vor der Aufgabe, seine angehobene Prognose gegen das Ausführungsrisiko älterer, verlustbringender Verträge zu verteidigen. SunHydrogen bleibt derweil ein Sonderfall: Der Übergang von Labortests zur Pilotanlage in Südaustralien wird zeigen, ob sich der Effizienzmeilenstein tatsächlich in einen kommerziellen Weg übersetzen lässt.
Plug Power-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Plug Power-Analyse vom 11. August liefert die Antwort:
Die neusten Plug Power-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Plug Power-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Plug Power: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...