Gold: 14,4 Milliarden Dollar aus GLD abgezogen
Gold-ETFs verzeichnen Milliardenabflüsse, während Zentralbanken ihre Reserven ausbauen. Die gegenläufige Dynamik prägt den Markt.

Kurz zusammengefasst
- Rekordabflüsse aus Gold-ETFs
- Zentralbanken planen weitere Goldkäufe
- Gold überholt US-Staatsanleihen als Reserve
- Kurs nahe 52-Wochen-Tief
Gold notiert knapp über der 4.000-Dollar-Marke. Unter der Oberfläche zeigt sich aber eine tiefe Kluft. Westliche Anleger ziehen ihr Geld aus Gold-ETFs ab. Zentralbanken kaufen im selben Moment unbeirrt weiter zu.
Rekordabflüsse aus dem größten Gold-ETF
Der Gold-ETF GLD verlor seit März rund 14,4 Milliarden Dollar an Kapital. Bis Mitte Juli sank der Nettoinventarwert des Trusts auf knapp 128,61 Milliarden Dollar.
Der Rückzug erreichte am 4. März seinen Höhepunkt. Anleger zogen an einem einzigen Tag 2,91 Milliarden Dollar ab. In der Woche darauf folgten weitere 4,2 Milliarden Dollar.
Der Trend zeigt sich global. Gold-ETFs weltweit verzeichneten im Juni Abflüsse von 8,9 Milliarden Dollar. Alle Regionen waren betroffen, Nordamerika traf es am härtesten.
Nordamerikanische Fonds verloren im Juni allein 5,5 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr summierten sich die Abflüsse der Region auf 7,7 Milliarden Dollar. Das ist der schwächste Wert seit 2013.
Der Auslöser liegt im Kursrückgang selbst. Hinzu kommen restriktive Signale von Fed-Chef Warsh. Der US-Iran-Konflikt schürte Inflationsängste und trieb die Zinserwartungen nach oben.
Notenbanken kaufen unbeirrt weiter
Bei den offiziellen Reserven zeigt sich ein anderes Bild. Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council ergab einen Rekordwert: 45 Prozent der Zentralbanken planen einen weiteren Ausbau ihrer Goldreserven.
Die EZB bestätigte im Juni 2026 einen historischen Wechsel. Gold hat die US-Staatsanleihen als größten Reserve-Vermögenswert der Welt überholt. Der Anteil liegt bei 27 Prozent gegenüber 22 Prozent für Staatsanleihen.
Die strukturelle Nachfrage bleibt intakt. Zentralbanken kauften im ersten Quartal netto 244 Tonnen Gold. Das übertraf sowohl das Vorquartal als auch den Fünfjahresdurchschnitt.
Ein Gegengewicht bildet der ETF-Markt selbst. Nach Berechnungen von Standard Chartered liegen rund 298 Tonnen Gold in ETFs derzeit unter Wasser. Das entspricht etwa 38 Milliarden Dollar an Anlegerkapital mit Verkaufsanreiz.
Kursbild: Nah am Jahrestief
Gold schloss am Freitag bei 4.021,30 Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,03 Prozent zum Vortag. Der Kurs bleibt damit knapp über der psychologischen 4.000-Dollar-Marke.
Der Abstand zum 52-Wochen-Tief ist gering. Nur 3,08 Prozent trennen den aktuellen Kurs vom Jahrestief aus dem Oktober 2025. Zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand 6,57 Prozent, ein Zeichen für anhaltenden Abwärtsdruck.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Der erste Widerstand liegt zwischen 4.070 und 4.100 Dollar. Gelingt der Ausbruch, rückt die Marke von 4.240 Dollar in den Blick.
Auf der Unterseite drohen 3.800 Dollar als nächste Unterstützung. Darunter folgt die Marke von 3.720 Dollar.
Ausblick auf die kommende Woche
Der Datenkalender bleibt in der kommenden Woche dünn. Einzig die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für die USA am Freitag dürften den Kurs merklich bewegen. Bis dahin richten Investoren den Blick auf die Lage im Nahen Osten.
Die rund 298 Tonnen unter Wasser stehendes ETF-Gold dürften eine schnelle Erholung bremsen. Zentralbanken kaufen unabhängig vom Kursniveau weiter. Diese gegenläufige Dynamik dürfte den Goldpreis auch in den kommenden Wochen prägen.
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