Nel ASA Aktie: Håkon Volldal tritt Mitte Juni zurück
Nel sucht neuen CEO, während Energieriesen Projekte verschieben. Der Elektrolyseur-Hersteller setzt auf Nischenpartner und Kostensenkung, um die Lücke zu füllen.

Kurz zusammengefasst
- CEO-Rücktritt Mitte Juni angekündigt
- BP und andere verschieben Wasserstoffprojekte
- Nel fokussiert auf spezialisierte Industriepartner
- Neue Elektrolyseur-Generation soll Kosten halbieren
Nel ASA sucht einen neuen Chef. Gleichzeitig kühlt Big Oil sein Interesse an grünem Wasserstoff spürbar ab. Für den norwegischen Elektrolyseur-Hersteller trifft das zusammen — mitten in einer Phase, in der sich die Branche neu sortiert.
Die Aktie schloss am Dienstag bei 0,1974 Euro, ein Plus von 0,41 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 2,49 Prozent zu Buche. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt allerdings ein Minus von 7,54 Prozent — ein Hinweis darauf, dass die kurzfristige Erholung noch wackelig ist.
Große Energiekonzerne bremsen, Nel setzt auf Nischenpartner
Berichte vom 4. August zeigen: Große Energiekonzerne wie BP haben mehrere Grünwasserstoff-Projekte zurückgestellt oder verschoben. Der Fokus verschiebt sich zurück zum Kerngeschäft. Für Elektrolyseur-Hersteller wie Nel bedeutet das: Das Auftragsvolumen für Großprojekte im Gigawatt-Maßstab dünnt kurzfristig aus.
Nel reagiert darauf mit einer anderen Strategie. Statt auf wenige Großprojekte zu setzen, arbeitet das Unternehmen mit kleineren, spezialisierten Partnern zusammen. Der langjährige Partner H2 Energy erteilte im Oktober 2025 eine feste Bestellung für den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur in der Schweiz. Auch die Lieferungen an A.H.T. Syngas laufen weiter. Während die große Energiebranche zögert, füllt Nel die Lücke mit industrieller Spezialnachfrage.
Ein Chef fehlt, ein Nachfolger wird gesucht
Håkon Volldal kündigte Mitte Juni 2026 seinen Rücktritt als CEO an. Er befindet sich aktuell in einer sechsmonatigen Kündigungsfrist, die für Kontinuität sorgen soll. Der Aufsichtsrat sucht parallel nach einem Nachfolger — bislang ohne Ergebnis.
Die Führungssuche fällt in eine Phase des Umbaus. Nel hatte im Juni 2024 sein Tankstellen-Geschäft als eigenständiges Unternehmen Cavendish Hydrogen abgespalten. Der Schritt sollte Nel erlauben, sich vollständig auf die Kerntechnologie zu konzentrieren: Elektrolyseure auf Basis von PEM- und alkalischer Technologie. Für Investoren wurde der Investment Case dadurch einfacher zu bewerten.
Kostenziel als zentraler Hebel
Ein Kernstück der Strategie ist die neue Generation der druckalkalischen Plattform, das PA-Series-System. Nel peilt für 25-Megawatt-Anlagen Systemkosten unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt an. Das liegt deutlich unter dem bisherigen Branchenstandard, der oft über 3.000 US-Dollar pro Kilowatt lag.
Diese Kostensenkung soll die Wirtschaftlichkeit von Wasserstoffprojekten verbessern — ein Punkt, an dem viele Vorhaben bislang scheitern. Finanziell hat Nel dafür etwas Zeit: Das Unternehmen ging mit einer Kassenreserve von rund 1,3 Milliarden Norwegischen Kronen ins zweite Halbjahr 2026.
Zahlen mit Sonderbelastung
Die jüngsten Quartalszahlen zum 30. Juni 2026 zeigten einen Umsatz von 153,41 Millionen Kronen bei einem EBITDA von minus 155 Millionen Kronen. Ein Einmaleffekt drückte das Ergebnis zusätzlich: Eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen, umgerechnet etwa 7,5 Millionen US-Dollar, im Rechtsstreit mit Iwatani Corporation of America belastete die Bilanz.
Die Aktie notiert derzeit 45,99 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, das Ende Mai erreicht wurde. Der RSI von 41,1 liegt außerhalb überkaufter Zonen — ein Zeichen, dass sich der Kurs nach der Volatilität der vergangenen Monate stabilisiert.
Die nächste Standortbestimmung liefern die Zahlen zum dritten Quartal, angesetzt für den 21. Oktober 2026. Bis dahin bleiben zwei Fragen offen: Wer wird neuer CEO, und ob europäische Förderprogramme später im Monat neue Impulse liefern.
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