Palantir Aktie: Insider verkaufen für 116,8 Millionen Dollar
Palantir steigert Umsatz und Aufträge deutlich, während Insider sowie Ark Invest Aktien abgeben und die Bewertung kritischer erscheint.

Kurz zusammengefasst
- Mehrere neue Partnerschaften und Aufträge
- Umsatz im zweiten Quartal stark gewachsen
- Insider verkauften Aktien für 116,8 Millionen Dollar
- Aktie 18 Prozent unter 52-Wochen-Hoch
Palantir sammelt derzeit Partnerschaften wie andere Unternehmen Quartalszahlen. Für mich zeigt sich darin ein Muster, das Anleger nicht ignorieren sollten: Das operative Geschäft wächst rasant, während Insider und prominente Investoren gleichzeitig Kasse machen. Diese Gleichzeitigkeit ist die eigentliche Geschichte dieser Aktie im September.
Die Deal-Maschine läuft heiß
Innerhalb weniger Tage hat Palantir gleich mehrere strategische Weichen gestellt. Am 8. September wurde Nebius zum bevorzugten Infrastrukturpartner für souveräne KI-Anwendungen ernannt – Kunden sollen künftig offene Modelle auf vertrauenswürdiger Infrastruktur betreiben können, ohne die Kontrolle über Daten zu verlieren.
Am selben Tag sicherte sich das Unternehmen einen Vertrag mit dem britischen Netzbetreiber-Regulierer NESO über 21,2 Millionen britische Pfund, der bis Juli 2027 läuft und um weitere sechs Monate bis 2028 verlängerbar ist.
Zuvor hatte Palantir am 3. September seine Allianz mit PwC US ausgeweitet, um Unternehmensberatung und ERP-Modernisierung mit KI-Werkzeugen wie Foundry und AIP zu verzahnen – die neue Plattform soll Transaktionen bis zu 50 Prozent schneller abwickeln.
Auch militärisch bleibt Palantir gefragt: Die US Army hat das TITAN-Programm in die Produktionsphase überführt, Palantirs Regierungssparte erhielt dafür einen Lieferauftrag über 127 Millionen Dollar für acht Systeme.
Für mich ist bemerkenswert, dass das Unternehmen hier nicht allein agiert, sondern als Generalunternehmer mit Partnern wie Anduril und L3Harris kooperiert – ein Zeichen dafür, dass Palantir sich in komplexen Rüstungsprogrammen als Systemintegrator etabliert hat, nicht nur als Software-Lieferant.
Zahlen, die die Erzählung stützen
Die operative Substanz hinter diesen Meldungen ist beeindruckend. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 93 Prozent auf 1,935 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie lag mit 0,41 Dollar deutlich über der Erwartung von 0,28 Dollar.
Besonders das US-Geschäft mit Unternehmenskunden explodierte förmlich: 149 Prozent Wachstum, dazu eine Kundenbindungsrate von 157 Prozent. Palantir hob daraufhin die Umsatzprognose für 2026 kräftig an, auf 8,15 bis 8,158 Milliarden Dollar. Wer diese Zahlen liest, versteht, warum die Aktie trotz aller Kritik ihre Bewertung bislang verteidigen konnte.
Und doch: Peter Zaffino, ehemaliger CEO und Executive Chairman von AIG, wird ab Januar 2027 den Bereich Finanzdienstleistungen leiten – eine Personalie, die auf ambitionierte Wachstumspläne in Banken- und Versicherungssegmenten hindeutet. Solche Personalentscheidungen kosten Geld und Zeit, bevor sie Ertrag bringen. Das relativiert die kurzfristige Euphorie etwas.
Die Kehrseite: Wer verkauft, und warum das zählt
Hier wird es für mich interessant. CEO Alexander Karp verkaufte am 20. August rund 492.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 174,79 Dollar, ein Erlös von etwa 86 Millionen Dollar – offiziell im Rahmen eines automatisierten 10b5-1-Plans zur Begleichung von Steuerlasten auf vestete Anteile.
Insgesamt haben Insider in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von 116,8 Millionen Dollar abgestoßen. Auch Cathie Woods Ark Invest reduzierte ihre Position um etwa 25 Millionen Dollar und rotierte stattdessen in Block und Rocket Lab.
Diese Verkäufe sind rechtlich unauffällig und teilweise steuerlich motiviert. Trotzdem sendet die Häufung ein Signal: Wer ganz oben in der Kapitalstruktur sitzt, nutzt hohe Kurse zum Teilausstieg. Das muss kein Misstrauensvotum gegen das Geschäftsmodell sein – aber es passt schlecht zu einer Aktie, die von Anlegern als Wachstumsstory mit noch viel Potenzial gehandelt wird.
Fazit: Wachstum ja, Euphorie mit Vorsicht
Der aktuelle Kurs von 146,74 Euro liegt rund 18 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro, das Anfang November markiert wurde. Gleichzeitig notiert die Aktie zehn Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der jüngste Rücksetzer bereits teilweise ausgeglichen wurde.
Für mich ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert Palantir Zahlen und Aufträge, die für sich genommen jede Wachstumsstory rechtfertigen würden. Gleichzeitig verkaufen ausgerechnet jene, die das Unternehmen am besten kennen, in beachtlichem Umfang eigene Anteile.
Beide Beobachtungen schließen sich nicht aus – aber sie sprechen dafür, die Bewertung der Aktie kritischer zu hinterfragen, als es die Schlagzeilen der vergangenen Wochen nahelegen.
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