Commerzbank Aktie: 898 Millionen Euro Nettogewinn
Commerzbank meldet Rekordquartal mit 898 Mio. Euro Nettogewinn. UniCredit treibt Übernahme voran, Analysten reagieren positiv.

Kurz zusammengefasst
- Nettogewinn steigt um 94 Prozent
- Bestes operatives Quartal der Geschichte
- UniCredit hält fast 48 Prozent
- Analysten heben Kursziele an
Die Commerzbank hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die selbst optimistische Prognosen übertrafen. Der Nettogewinn im zweiten Quartal kletterte im Jahresvergleich um 94,2 Prozent auf 898 Millionen Euro und lag damit deutlich über der Analystenschätzung von 845 Millionen Euro. Getragen wurde das Ergebnis von einem robusten Kreditgeschäft. Für das erste Halbjahr insgesamt weist die Bank einen Rekordwert aus: Die Erträge stiegen um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn legte um 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu.
Bestes Quartal der Bankgeschichte
Das operative Ergebnis im zweiten Quartal erreichte mit 1,367 Milliarden Euro den höchsten je gemessenen Quartalswert des Instituts. Die Eigenkapitalrendite auf Basis des greifbaren Eigenkapitals kletterte auf 12,5 Prozent, die Erträge wuchsen im Jahresvergleich um 9 Prozent. Der Zinsüberschuss blieb mit 2,059 Milliarden Euro nahezu stabil zum Vorjahr, legte aber leicht gegenüber dem ersten Quartal zu. Das Provisionsergebnis wuchs um 7 Prozent. Die Commerzbank bestätigte zugleich ihre Jahresprognose: Erträge von rund 13,2 Milliarden Euro, ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro und eine harte Kernkapitalquote von über 14 Prozent sollen erreicht werden, ergänzt um eine spürbare Reduktion der risikogewichteten Aktiva aus genehmigten internen Modellanpassungen. Das Institut sieht sich nach eigenen Worten „voll auf Kurs“, das Gewinnziel zu erreichen.
Auch bei der Kapitalrückführung bleibt die Bank großzügig: Für 2026 sind 3,2 Milliarden Euro an die Aktionäre vorgesehen, was einer Gesamtrendite von 8 Prozent entspricht. Darin enthalten ist ein neues Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,2 Milliarden Euro.
UniCredit drängt, Orlopp bleibt gesprächsbereit
Die starken Zahlen fallen in eine Phase, in der die Zukunft der Commerzbank als eigenständiges Institut zunehmend offen ist. UniCredit treibt eine Übernahme voran, die die deutsche Bank formal ablehnt, gegenüber der sie sich aber gesprächsbereit zeigt. Vorständin Bettina Orlopp erklärte anlässlich der Quartalszahlen, UniCredit könne nicht „einseitig über grundlegende strukturelle Maßnahmen entscheiden“, selbst wenn die Italiener vor der nächsten Hauptversammlung eine Mehrheitsbeteiligung erwerben sollten. Zugleich betonte sie: „Wir sind bereit für konstruktive Gespräche mit der UniCredit.“ Am Samstag präzisierte Orlopp den Zeitplan der Aufseher: „Vom Zeitplan her gehen wir davon aus, dass es im vierten Quartal alle Genehmigungen geben wird.“
Nach dem Ende der Annahmefrist Anfang Juli hatten sich rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien zusätzlich zur bereits aufgebauten Position von UniCredit angedient. Der wirtschaftliche Anteil der Italiener summiert sich damit auf rund 47,6 Prozent des Kapitals beziehungsweise knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte, sobald die Papiere formal eingebucht sind. Über weitere stimmrechtslose Finanzinstrumente hält UniCredit zusätzlich gut 11 Prozent. Die Bundesregierung bleibt mit rund 12,7 Prozent zweitgrößter Aktionär und lehnt das aus ihrer Sicht „aggressive Vorgehen“ der Italiener weiterhin ab, will den Zusammenschluss aber nicht verhindern.
Die BaFin hatte den Übernahmeantrag Ende Juli als vollständig eingestuft und zur Entscheidung an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Ab diesem Zeitpunkt läuft eine gesetzliche Frist von 60 Arbeitstagen, die sich um bis zu 20 weitere Tage verlängern kann, falls die EZB zusätzliche Informationen anfordert. Neben der EZB-Entscheidung fehlen UniCredit noch die Zustimmungen der EU-Kartellbehörden, der deutschen Außenwirtschaftsprüfung, der US-Notenbank Federal Reserve sowie der polnischen Finanzaufsicht. Läuft das Verfahren reibungslos, könnte UniCredit die Kontrolle nach Einschätzung von Marktbeobachtern bereits im Herbst übernehmen, im ungünstigeren Fall erst Anfang Dezember.
Analysten reagieren überwiegend positiv
Die Reaktionen der Analysten auf die Quartalszahlen fielen am Freitag mehrheitlich wohlwollend aus, wenngleich mit unterschiedlicher Bewertung der weiteren Perspektiven. Die DZ Bank hob ihren fairen Wert für die Commerzbank-Aktie von 42 auf 46 Euro an und hielt an ihrer Kaufempfehlung fest. Die Deutsche Bank bestätigte ihr Kursziel von 42 Euro und beließ die Einstufung auf Buy. JPMorgan zeigte sich zurückhaltender: Das Kursziel wurde leicht von 37 auf 38 Euro erhöht, die Einstufung blieb angesichts des begrenzten Abwärtspotenzials bei Neutral, wobei das Haus seine Gewinnschätzungen für das laufende Jahr nach oben anpasste.
An der Börse kam die Nachrichtenlage gut an: Die Aktie schloss am Freitag bei 39,17 Euro, ein Plus von 1,61 Prozent, und nähert sich damit ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, von dem sie nur noch knapp entfernt notiert. Der Kursverlauf spiegelt damit sowohl die operative Stärke des Instituts als auch die wachsende Erwartung wider, dass sich die Übernahmefrage bis zum Jahresende klären dürfte.
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