BASF erwägt milliardenschwere Übernahme von Evonik
BASF hat die RAG-Stiftung wegen Evonik kontaktiert; eine formelle Offerte und weitere Schritte sind bislang offen.

Kurz zusammengefasst
- Evonik-Aktie steigt nach Bekanntwerden um 7,19 Prozent
- BASF-Papier verliert 3,59 Prozent
- RAG-Stiftung hält rund 43,8 Prozent
- Keine direkten Gespräche zwischen den Konzernen
BASF nimmt den Essener Spezialchemiekonzern Evonik ins Visier. Der Ludwigshafener Chemieriese hat eine unverbindliche Anfrage für eine Komplettübernahme vorgelegt, um sein Geschäft gegen Konkurrenz aus Übersee und hohe Energiekosten abzusichern. Während die Evonik-Aktie nach Bekanntwerden um 7,19 Prozent anzog, verlor das BASF-Papier 3,59 Prozent.
Defensive Konsolidierung unter Kostendruck
Hinter dem Vorstoß steht handfeste Notwendigkeit. Schwache Nachfrage und volatile Energiepreise setzen die europäische Chemiebranche unter Druck. Ein eigenständiges Überleben fällt vielen Produzenten schwer. Evonik befindet sich bereits mitten im Umbau und streicht mehr als 3.200 Stellen. Mit einem Zusammenschluss will BASF das Produktportfolio erweitern und im globalen Wettbewerb, vor allem gegenüber Anbietern aus China, an Durchschlagskraft gewinnen.
Europäische Aufsichtsbehörden signalisierten zuletzt Offenheit für Zusammenschlüsse kontinentaler Branchengrößen. Für BASF birgt der Schritt dennoch finanzielle Risiken. Wer ein Unternehmen im Sanierungsmodus kauft, übernimmt bestehende Probleme und muss eine Prämie bieten, die die eigene Bilanz strapaziert. Angesichts eines Börsenwerts von 45 Milliarden Euro bei BASF kletterte der Marktwert von Evonik infolge der Gespräche über die Marke von neun Milliarden Euro.
Schlüsselrolle der RAG-Stiftung
Ob es tatsächlich zu einer formellen Offerte kommt, hängt maßgeblich von einer Adresse ab. Die RAG-Stiftung hält rund 43,8 Prozent an Evonik und bestätigte, von BASF kontaktiert worden zu sein. Weitere Schritte ließ die Großaktionärin offen, verwies jedoch auf drei ausstehende Schuldverschreibungen mit Wandlungsrecht in Evonik-Aktien.
Aktuell finden keine direkten Verhandlungen zwischen den Konzernen statt, nachdem BASF den Schritt über mehrere Monate mit Beratern vorbereitet hatte. Die Konzernführung betont, man gehe diszipliniert vor und prüfe Zukäufe laufend auf Rentabilität und strategische Passung. Solange die RAG-Stiftung keine klare Verkaufsbereitschaft signalisiert, bleibt das Vorhaben ein unverbindliches Abtasten.
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