Intel Aktie: 11,3-Prozent-Sprung auf 91,13 Dollar
Intel übertrifft Erwartungen dank KI-Boom im Rechenzentrum, während die Foundry-Sparte weiter Verluste schreibt. Analysten zeigen sich gespalten.

Kurz zusammengefasst
- KI-Nachfrage beflügelt Rechenzentrumsumsatz
- Foundry-Sparte schreibt weiter Verluste
- Analystenmeinungen zu Intel stark gespalten
- Aktie trotz Rally unter 50-Tage-Linie
Intel hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal die Wall Street überrascht. Die Aktie schoss am Donnerstag an der Nasdaq um 11,3 Prozent auf 91,13 Dollar nach oben – der stärkste Tagesgewinn seit Langem und Teil einer neuntägigen Gewinnserie, wie mehrere Marktbeobachter festhielten. Im deutschen Handel zeigt sich am heutigen Freitag ein deutlich verhaltenerer Ausschlag: Die Aktie notiert bei 79,94 Euro, ein Plus von 1,09 Prozent.
Rechenzentrumsgeschäft treibt das Ergebnis
Intel meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den Markterwartungen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,42 Dollar – doppelt so hoch wie von Analysten prognostiziert. Zugleich drehte die operative Marge auf Zwölf-Monats-Basis erstmals seit Jahresfrist wieder ins Positive.
Kern des Wachstums ist das Data-Center-&-AI-Geschäft, das um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar zulegte und einen operativen Gewinnsprung von 1,8 Milliarden Dollar lieferte. Im Servergeschäft stiegen die durchschnittlichen Verkaufspreise um 48 Prozent, das Volumen um 9 Prozent – zusammen ein Umsatzplus von 61,3 Prozent, wovon der überwiegende Teil auf höhere Preise und einen besseren Produktmix zurückgeht. Intel-Chef Lip-Bu Tan sprach von einer „beispiellosen“ Nachfrage nach KI-Hardware. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 16,3 Milliarden Dollar in Aussicht, deutlich über dem Analystenkonsens von 15,1 Milliarden Dollar, sowie ein Ergebnis je Aktie von 0,38 Dollar gegenüber erwarteten 0,27 Dollar. Die Investitionsausgaben für das laufende Jahr wurden auf 20 Milliarden Dollar angehoben.
Foundry-Sparte bleibt Belastung
Während das Kerngeschäft brummt, schreibt die Foundry-Sparte weiter tiefrote Zahlen. Der Verlust belief sich im Quartal auf 2,1 Milliarden Dollar, externe Kunden trugen mit 293 Millionen Dollar nur 5,1 Prozent zum Foundry-Umsatz bei. Intel setzt hier auf neue Fertigungstechnologien: Am Standort Rio Rancho in New Mexico treibt der Konzern fortschrittliche Chip-Verpackungstechniken wie Foveros, EMIB und die neue Variante EMIB-T voran, die zusätzliche Kanäle für die Stromversorgung integriert. Damit will Intel im Wettbewerb mit TSMC bestehen, das eigenen Berichten zufolge an einer vergleichbaren Packaging-Technologie arbeitet. Intel war zudem einer der Chiphersteller, die im Rahmen des CHIPS Act eine Minderheitsbeteiligung des Staates erhielten – zusätzlich zu ursprünglichen Zuschüssen von 8,9 Milliarden Dollar aus der Zeit der Biden-Regierung.
Analysten zwischen Euphorie und Vorsicht
Die Reaktionen der Analysten fallen gemischt aus. Der US-Investor Jim Cramer erklärte, die Intel-Aktie „gehöre auf 110 Dollar“, und machte für den Kursrückgang nach den ursprünglichen Zahlen nicht das Geschäft, sondern den erzwungenen Verkaufsdruck des angeschlagenen Hedgefonds Situational Awareness verantwortlich. Verhaltener äußerte sich UBS-Analyst Timothy Arcuri: Er sieht zwar robuste Ergebnisse, aber nur begrenztes weiteres Aufwärtspotenzial, da die Aktie bereits mit dem 20-Fachen eines optimistischen Bewertungsszenarios für 2030 gehandelt werde. Bank of America hob ihr Kursziel am Dienstag auf 160 Dollar an, Baird zog am Montag auf 125 Dollar nach, D.A. Davidson hatte bereits am 24. Juli ein Ziel von 100 Dollar ausgegeben. In der Summe liegt der Analystenkonsens bei „Hold“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 109,07 Dollar. Deutlich kritischer bewertet das Analysehaus GuruFocus die Aktie: Es sieht Intel mit einem fairen Wert von 31,19 Dollar um 192,2 Prozent überbewertet und verweist zudem auf Insiderverkäufe von 6,5 Millionen Dollar in den vergangenen drei Monaten.
Deutscher Kurs spiegelt Nervosität wider
Der Blick auf die Handelsdaten zeigt, dass der Optimismus rund um die Quartalszahlen den Kurs bislang nicht nachhaltig getragen hat. Über die vergangenen 30 Tage verlor die Aktie 28,43 Prozent an Wert, und aktuell notiert sie 18,99 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der Kontrast zur Jahresbilanz bleibt trotzdem enorm: Zwölf Monate zurückblickend steht ein Plus von 360,17 Prozent, seit Jahresbeginn summiert sich der Gewinn auf 154,59 Prozent. Für Anleger bleibt damit die Frage im Raum, ob die jüngste Schwäche eine Verschnaufpause nach der starken Rally darstellt oder Ausdruck tieferliegender Zweifel an der Bewertung ist – Zweifel, die Häuser wie GuruFocus deutlich formuliert haben, während Cramer den Kursrückgang eher als Kollateralschaden des Hedgefonds-Debakels einordnet.
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