Interviewmit Eduard Altmann

Lloyds Banking Aktie: Bleibt nach Steuern und Entschädigungen genug für Rückkäufe?

Eduard Altmann sieht Lloyds moderat unterbewertet, sofern nach Steuern und offenen Autofinanzierungsansprüchen genügend Kapital bleibt.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über Lloyds Banking
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Aktienrückkauf über eine Milliarde Pfund gestartet
  • Mögliche Bankensteuer bleibt politische Erwartung
  • Autofinanzierungsentschädigungen sind noch offen
  • Embark-Zukauf ohne belegten Renditenachweis

Lloyds geht mit einem seit Juli laufenden Aktienrückkauf in die britische Haushaltsdebatte, während zusätzliche Bankensteuern im Raum stehen und das Entschädigungsverfahren für Autofinanzierungen offenbleibt. Wie viel Kapital steht künftig für Ausschüttungen und Investitionen zur Verfügung? Eduard Altmann legt bei seiner Einschätzung besonderes Gewicht auf die Mittelverwendung des Managements.

Lloyds Banking (GB0008706128) — Schlusskurse 04.05.2026 bis 27.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 27.10.2026.

Lloyds Banking (GB0008706128) — Schlusskurse 04.05.2026 bis 27.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 27.10.2026.

Stock World Redaktion: Angenommen, die britische Regierung erhöht tatsächlich die Bankensteuern. Sollte Lloyds zuerst beim Rückkauf sparen oder bei den Investitionen?

Eduard Altmann: Beim Rückkauf. Investitionen, die das Geschäft dauerhaft günstiger oder leistungsfähiger machen, haben für mich Vorrang. Natürlich muss das Management deren Nutzen belegen; ein Technikbudget verdient keinen Blankoscheck.

Der Rückkauf über eine Milliarde Pfund wurde Ende Juli gestartet. Das zeigt Bereitschaft zur Kapitalrückgabe, legt aber noch keine vernünftige Reihenfolge für jede denkbare Belastung fest. Erst müssen die Bank und ihre Verpflichtungen ausreichend finanziert sein. Die mögliche Bankensteuer ist bislang eine politische Erwartung. Ich würde dafür keinen endgültigen Aufwand in die Rechnung schreiben, den es noch gar nicht gibt.

Stock World Redaktion: Lloyds verfügt über rund 28 Millionen Privatkunden und eine breite Einlagenbasis. Ist Ihr Vorbehalt gegenüber der Mittelverwendung angesichts dieses bewährten Geschäfts nicht übertrieben?

Eduard Altmann: Sie setzen eine große Kundenbasis schon mit guter Mittelverwendung gleich. Ich würde anders ansetzen: Was macht das Management aus dem Finanzierungsvorteil, den diese Kunden mitbringen?

Die Größe der Bank ersetzt keinen Renditenachweis. Sie verschafft Lloyds günstige Einlagen und verteilt die laufenden Kosten auf viele Kunden. Das erkenne ich ausdrücklich an. Die Erträge aus der strukturellen Zinsabsicherung hängen allerdings auch am Zinsumfeld; sie lassen sich dem Management nicht vollständig als eigene Leistung zurechnen.

Höhere Zinsen können auf der anderen Seite Hypothekenkunden belasten und die Nachfrage schwächen. Eine zusätzliche Steuer wäre ebenfalls ein äußerer Eingriff. Für seine Investitionen und Zukäufe bleibt das Management selbst verantwortlich.

Stock World Redaktion: Sie sagen: „Die Größe der Bank ersetzt keinen Renditenachweis.“ Bei Embark können Sie einen solchen Nachweis aus den vorliegenden Angaben nicht führen. Warum beurteilen Sie die Kapitalallokation dann überhaupt vorsichtig positiv?

Eduard Altmann: Weil die Rückgabe überschüssigen Kapitals grundsätzlich für Disziplin spricht. Daraus folgt noch kein Gütesiegel für Embark. Den Zukauf bewerte ich zurückhaltend, solange sein eigener Beitrag nach Kapitalkosten nicht nachvollziehbar ist.

Mein positives Urteil ist deshalb begrenzt: Es gilt stärker der Bereitschaft zur Kapitalrückgabe als dem bisherigen Nachweis erfolgreicher Zukäufe. Meine Skepsis gegenüber Embark müsste ich aufgeben, wenn belastbar sichtbar würde, dass das zugekaufte Geschäft dauerhaft mehr als seine Kapitalkosten verdient.

Umgekehrt würde meine vorsichtig positive Gesamtsicht kippen, wenn Lloyds Rückkäufe zulasten notwendiger Investitionen oder der Kapitalausstattung fortsetzte. Dafür liefern die vorliegenden Angaben keinen Beleg.

Stock World Redaktion: Welchen Bewertungsabschlag rechtfertigen die britischen Risiken tatsächlich? Ihr Urteil liegt schließlich praktisch beim Analysten-Konsens.

Eduard Altmann: Einen Abschlag halte ich für angemessen. Lloyds hängt stark an britischen Haushalten und Unternehmen, während die Preissetzungsmacht begrenzt bleibt. Die Größe schützt vor manchen Kosten, kaum vor einer zusätzlichen Steuer.

Trotzdem erscheint mir die Aktie moderat unterbewertet. Meine Einschätzung steht unter einer konkreten Bedingung: Nach Steuern und Entschädigungen muss ausreichend Kapital für Rückkäufe übrig bleiben. Dabei unterstelle ich weder eine bereits beschlossene Bankensteuer noch eine erledigte Autofinanzierungsfrage.

Mögliche Erleichterungen beim Ring-Fencing rechne ich ebenfalls noch nicht als verfügbares Kapital an. Dass mein Bewertungsurteil nahe am Analysten-Konsens liegt, stört mich wenig. Entscheidend ist, welche Annahmen dieses Urteil tragen.

Stock World Redaktion: Wie groß ist das Risiko, die erfassten Aktienzugänge von Führungskräften als Vertrauensbeweis zu lesen, obwohl sie aus einem Mitarbeiteraktienplan stammen?

Eduard Altmann: Wer regelmäßig über seinen Arbeitgeber Aktien erhält, setzt damit kaum ein persönliches Ausrufezeichen. Ein Teil wurde sogar kostenlos zugeteilt. Daraus lese ich weder besondere Zuversicht noch Misstrauen.

Stock World Redaktion: Nach Steuern und Entschädigungen muss ausreichend Kapital für Rückkäufe übrig bleiben, sagen Sie. Reicht Ihnen diese Bedingung für das Urteil „moderat unterbewertet“, wenn Sie damit praktisch beim Analysten-Konsens liegen?

Eduard Altmann: Ja, für ein vorsichtig positives Urteil reicht sie mir. Lloyds besitzt ein tragfähiges Geschäft, und ich halte einen Teil des Bewertungsabschlags für zu groß. Am stärksten gewichte ich, ob das Management nach den Belastungen tatsächlich frei über Kapital verfügen kann.

Ein Rückkauf verdient nur dann Anerkennung, wenn die Bank ihn sich leisten kann. Die offenen Entschädigungen wiegen für mich dabei schwerer als die wenig aussagekräftigen Aktienzugänge der Führungskräfte.

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Lloyds Banking Aktie

1,22 EUR

KGV 12,77
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 3,90 %
Marktkapitalisierung 57,78 Mrd. GBP
Ø Kursziel 1,21 GBP
ISIN: GB0008706128 WKN: 871784

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