KI-Aktien: Apple-Milliarden für Broadcom, DeepSeek-Schreck für Micron und AMD

Broadcom profitiert von Milliarden-Deal mit Apple, während Micron und AMD unter DeepSeek-Eigenentwicklungen leiden. Nvidia erholt sich dank China-Hoffnung.

Dr. Robert Sasse ·
Micron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Milliarden-Deal zwischen Apple und Broadcom
  • DeepSeek belastet Micron und AMD
  • Nvidia erholt sich durch China-Signale
  • IBM präsentiert Nanostack-Durchbruch

Ein Achterbahnkurs prägte die Woche im KI-Sektor. Broadcom feierte einen Milliarden-Deal mit Apple, Nvidia erholte sich von Verlusten dank Hoffnung auf ein China-Tauwetter, und IBM sonnte sich im Glanz eines Chip-Durchbruchs. Micron und AMD dagegen mussten einen scharfen Ausverkauf verdauen, ausgelöst durch Berichte, wonach der chinesische KI-Entwickler DeepSeek an eigenen Prozessoren arbeitet.

Der Sektor spaltet sich damit sichtbar: strukturelle Gewinner des KI-Infrastruktur-Booms auf der einen Seite, Unternehmen mit neu aufgeflammten Sorgen um Kundenkonzentration und geopolitische Risiken auf der anderen.

Micron: Rekordquartal trifft auf DeepSeek-Turbulenzen

Die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal waren außergewöhnlich. Micron meldete einen Rekordumsatz von 41,5 Milliarden Dollar – ein gewaltiger Sprung gegenüber rund 9,3 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum und rund 23,8 Milliarden Dollar im Vorquartal. Die bereinigte Gewinnkennziffer lag bei 25,11 Dollar je Aktie, die Bruttomarge erreichte mit etwa 85 Prozent einen Firmenrekord.

Trotz dieser starken Vorlage geriet die Aktie unter Druck. Berichte, wonach DeepSeek eigene KI-Chips fertigen lassen will, ließen Micron zeitweise um bis zu 15 Prozent einbrechen, bevor sich der Kurs auf ein Minus von rund 9 Prozent stabilisierte. Heute zeigt sich die Aktie mit einem Kurs von 880,80 Euro und einem Tagesplus von 5,99 Prozent deutlich erholt, bleibt aber rund 20 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro.

Strategisch bleibt High-Bandwidth-Memory der Wachstumstreiber. Die Kapazitäten für die begehrten HBM-Chips sind für die kommenden Jahre praktisch ausverkauft, gestützt durch mehrjährige Milliarden-Verträge mit Großkunden – darunter eine vertiefte Partnerschaft mit Anthropic für Speicher- und Storage-Lösungen. Analysten bleiben trotz der Volatilität konstruktiv: Bei durchschnittlich 45 Kaufempfehlungen liegt das mittlere Kursziel bei 1.486 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von 50,9 Prozent entspräche.

Konkurrenzdruck bleibt jedoch ein Thema. Investor Michael Burry hat eine neue Short-Position gegen Micron aufgebaut, während Rivale SK Hynix mit einem geplanten US-Börsengang für Aufsehen sorgt. Der südkoreanische Speicherhersteller will dabei rund 28 Milliarden Dollar einsammeln – etwas weniger als die ursprünglich anvisierten 29 Milliarden Dollar. SK Hynix hatte im Mai bereits die Marke von einer Billion Dollar Marktkapitalisierung geknackt, kurz nachdem Micron denselben Meilenstein erreicht hatte.

Nvidia: China-Hoffnung trifft auf günstigere Bewertung

Nach einer schwächeren Phase hat Nvidia wieder Tritt gefasst. Auslöser sind Signale, dass Peking seine Haltung zu fortschrittlichen US-Chips lockern könnte. Chinesische Behörden sollen Alibaba, ByteDance und DeepSeek in den vergangenen Wochen signalisiert haben, dass sie bald eine begrenzte Menge an H200-Chips kaufen dürften – Berichten zufolge weniger als 200.000 Einheiten, deutlich unter der zuvor nachgefragten Menge.

Die Aussicht auf ein wieder geöffnetes China-Geschäft trieb den Kurs spürbar an. Hinzu kommt ein Bewertungsargument: Nach dem zweistelligen Rückgang vom Rekordhoch notiert die Aktie nun auf dem günstigsten Kurs-Gewinn-Niveau seit Jahren. Aktuell steht Nvidia bei 180,22 Euro, ein Plus von 0,86 Prozent zum Vortag, nach einem Wochenplus von 5,94 Prozent. Zum bisherigen Jahreshoch von 202,50 Euro fehlen noch rund 11 Prozent.

Die Analystenstimmung bleibt überwiegend positiv. Bank of America bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 350 Dollar. Dennoch bleibt das China-Geschäft ein Schatten seiner selbst: CEO Jensen Huang bezifferte die aktuellen China-Umsätze zuletzt als praktisch bei null – vor zwei Jahren waren es noch 25 Milliarden Dollar.

Broadcom: Apples 30-Milliarden-Dollar-Vertrauensbeweis

Die Schlagzeile der Woche gehörte Broadcom. Apple kündigte eine mehrjährige Vereinbarung zur Entwicklung und Produktion von Custom-Silicon-Komponenten sowie modernster drahtloser Verbindungstechnologie an. Der Vertrag soll ein Volumen von über 30 Milliarden Dollar erreichen und die Fertigung von mehr als 15 Milliarden in den USA hergestellten Chips bis mindestens 2031 umfassen.

Die Vereinbarung ist Apples bisher größte Verpflichtung dieser Art. Broadcom will 1,5 Milliarden Dollar in die Modernisierung seines Werks in Fort Collins, Colorado, investieren, wo künftig fortschrittliche Hochfrequenzkomponenten wie FBAR-Filter sowie Konnektivitätstechnologie entstehen sollen. Der Markt reagierte prompt: Die Aktie legte am Mittwoch nach der Ankündigung um fast 5 Prozent zu. Heute notiert Broadcom bei 354,80 Euro, ein Tagesplus von 4,06 Prozent, nach einem Wochengewinn von starken 12,56 Prozent.

Der Deal unterstreicht Broadcoms Doppelrolle als Custom-Silicon-Schmiede für Hyperscaler und zentraler Zulieferer für Apples Geräte-Ökosystem. Diese Diversifikation macht den Konzern zu einem der widerstandsfähigsten Profiteure des KI-Infrastruktur- und Premium-Hardware-Booms.

IBM: Nanostack-Durchbruch stärkt Forschungsruf

IBM sorgte weniger mit kurzfristigen Zahlen als mit einem Meilenstein in der Halbleiterforschung für Aufmerksamkeit. Der Konzern stellte die weltweit erste Sub-1-Nanometer-Chiptechnologie vor, basierend auf einer neuartigen Transistorarchitektur im 0,7-Nanometer- beziehungsweise 7-Angström-Bereich.

Der Prototyp packt rund 100 Milliarden Transistoren auf eine Fläche von der Größe eines Fingernagels – doppelt so dicht wie die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2021. Für KI-Workloads verspricht die neue Architektur konkrete Vorteile: In Experimenten stieg die Leistung um bis zu 50 Prozent, die Energieeffizienz um 70 Prozent gegenüber der 2-Nanometer-Generation.

Die Marktreaktion fiel zunächst positiv aus, kühlte sich danach aber ab. Nach der Ankündigung stieg die Aktie um 4 Prozent auf 268,85 Dollar. Heute notiert IBM bei 251,95 Euro, ein Tagesminus von 4,69 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 264,35 Euro. Die kommerzielle Umsetzung bleibt Zukunftsmusik: IBM präsentierte die Ergebnisse auf der VLSI-Konferenz 2026 und rechnet mit einem Produktionsstart in frühestens fünf Jahren. Da der Konzern seit dem Ausstieg aus der eigenen Chipfertigung 2014 seine Forschung an Foundries wie TSMC, Samsung und Intel lizenziert, bleibt IBM eher Impulsgeber als direkter Chipverkäufer.

AMD: DeepSeek-Schock stellt Wachstumsstory auf die Probe

AMD stand im Zentrum der disruptivsten Geschichte der Woche. Berichte, wonach DeepSeek eigene Spezialprozessoren entwickeln und sich damit von seinen bisherigen Lieferanten AMD und Nvidia unabhängig machen will, lösten Verkäufe aus – die Aktie verlor zeitweise fast 7 Prozent. Eine Teilerholung folgte prompt.

Unter der Oberfläche des Ausverkaufs wächst das Rechenzentrumsgeschäft weiter kräftig. Im ersten Quartal 2026 legte der Bereich um mehr als 50 Prozent im Jahresvergleich zu, für das zweite Quartal stellt das Management ein Wachstum von rund 70 Prozent in Aussicht. Der MI300X-Beschleuniger gewinnt bei Cloud-Anbietern weiter an Akzeptanz. Hinzu kommt ein bedeutender Großauftrag: AMD hat mit Meta einen Vertrag über bis zu sechs Gigawatt KI-Rechenleistung abgeschlossen, die ersten Systeme der MI450-Familie sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 live gehen.

Heute steht die Aktie bei 469,40 Euro, ein Plus von 3,47 Prozent, nach einem starken Monat mit fast 14 Prozent Zuwachs. Goldman Sachs erhöhte das Kursziel jüngst auf 640 Dollar und verweist auf langfristiges Potenzial durch agentenbasierte KI-Anwendungen auf CPU-Basis. Konkrete Termine folgen: Die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal 2026 werden am 4. August nach Börsenschluss veröffentlicht.

Sektordynamik im Überblick

Die vergangene Woche hat eine deutliche Spaltung offengelegt, wie der Markt KI-Hardware-Exposure bewertet:

  • Broadcom und Nvidia profitierten von konkretem Deal-Flow und geopolitischer Entspannung
  • Micron und AMD – beide stärker abhängig von Speicherpreiszyklen und chinesischen Kundenbeziehungen – trugen die Hauptlast der DeepSeek-Sorgen
  • IBM bewegt sich in einer eigenen Kategorie: Der Forschungsdurchbruch zählt für die langfristige Positionierung, weniger für kurzfristige Umsätze
  • Der gemeinsame Nenner: Die KI-Infrastrukturnachfrage bleibt in absoluten Zahlen robust, während Anleger empfindlicher auf jedes Anzeichen reagieren, dass Hyperscaler oder chinesische Entwickler auf Eigenentwicklungen setzen könnten

Auffällig war zudem die enge Korrelation zwischen Speicher- und GPU-Werten während des Ausverkaufs: Micron und AMD gaben im Gleichschritt nach. Broadcoms breit gestreute Kundenbasis aus Apple, Hyperscalern und Netzwerkkunden schützte die Aktie dagegen vor demselben Abwärtsdruck.

Was Anleger in den kommenden Wochen im Blick behalten sollten

Mehrere Termine dürften die Stimmung im Sektor weiter prägen. AMDs „Advancing AI“-Event später im Juli sowie die Quartalszahlen am 4. August werden zeigen, ob das Rechenzentrumswachstum die Wettbewerbssorgen aufwiegen kann. Nvidia-Anleger warten auf eine formelle Bestätigung der H200-Lizenzentscheidungen für China – ein Punkt mit erheblichem Einfluss auf die Erzählung um die verlorenen China-Umsätze.

Broadcoms Apple-Partnerschaft liefert einen mehrjährigen Umsatzanker bis 2031, während IBMs Nanostack-Technologie eine Geschichte für die kommenden Jahre bleibt, deren kommerzielle Wirkung erst mit konkreten Produktionsplänen greifbar wird. Bei Micron richtet sich der Blick auf den Nasdaq-Börsengang von SK Hynix, der Kapitalströme innerhalb des Speichermarkts verschieben könnte. Die zentrale Spannung im gesamten Sektor bleibt bestehen: robuste KI-Infrastrukturausgaben treffen auf wachsende Sorgen um Kundenkonzentration, Custom-Silicon-Konkurrenz und zyklische Speicherpreise.

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Micron Aktie

884,10 EUR

+ 53,10 EUR +6,39 %
KGV 22,27
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,05 %
Marktkapitalisierung 1,06 Bio. EUR
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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