Mercedes-Benz Aktie: Brudermüller fordert 40-Stunden-Woche
Der Vorstoß von Aufsichtsratschef Brudermüller zur 40-Stunden-Woche trifft Mercedes-Benz in einer Phase schwacher Rendite und trifft auf Widerstand der IG Metall.

Kurz zusammengefasst
- Aufsichtsratschef fordert längere Arbeitszeit
- Aktie fällt auf Jahrestief
- Quartalsrendite liegt nur bei 4,1 Prozent
- Tarifkonflikt mit IG Metall zeichnet sich ab
Martin Brudermüller, Aufsichtsratschef von Mercedes-Benz, hat eine Debatte losgetreten, die den Autobauer in seiner verletzlichsten Phase trifft. Der Manager forderte laut dpa die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – ein massiver Einschnitt in die deutsche Tariflandschaft, wo 35 Stunden Standard sind.
Die Aktie reagiert nervös. Sie notiert bei 45,23 Euro, ein Minus von 0,78 Prozent am Dienstag. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 43,99 Euro beträgt nur 2,82 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 26,63 Prozent verloren.
Ein heikler Zeitpunkt
Brudermüllers Vorstoß kommt nicht zufällig. Im Herbst 2026 stehen die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie an. Die IG Metall hatte erst im April eine Entgelterhöhung von 3,1 Prozent durchgesetzt.
Jetzt prallen zwei Welten aufeinander. Das Management drängt auf niedrigere Arbeitskosten und höhere Produktivität. Die Gewerkschaft hält am bestehenden Tarifrahmen fest.
Die operative Lage gibt dem Vorstoß Dringlichkeit. Mercedes-Benz meldete für das erste Quartal eine bereinigte Umsatzrendite von nur 4,1 Prozent – am unteren Ende der eigenen Zielspanne. Der Konzern spricht von intensivem Wettbewerb und gedämpfter Nachfrage, besonders in China.
Was rechtlich möglich wäre
Eine 40-Stunden-Woche lässt sich nicht einfach verordnen. Der Manteltarifvertrag der IG Metall legt 35 Stunden fest, individuelle Abweichungen auf 40 Stunden sind im gegenseitigen Einvernehmen möglich.
Das sogenannte Pforzheimer Abkommen erlaubt in wirtschaftlichen Krisen vorübergehende Abweichungen. Die Hürden sind hoch: klare Bedingungen, Zustimmung von Betriebsrat und Tarifpartnern. Die Gewerkschaft muss nicht zustimmen.
Kurz gesagt: ein politisch und tariflich umkämpfter Vorschlag.
Der Markt hat bereits geurteilt
Die Aktie notiert deutlich unter ihren gleitenden Durchschnitten. Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 49,63 Euro, der 200-Tage-Schnitt bei 55,17 Euro. Der Markt preist nicht nur schwächere Branchendaten ein, sondern auch die ungelöste Frage der Kostenanpassung.
Ob Brudermüllers Vorstoß in konkrete Vereinbarungen mündet oder vor allem als Signal vor der Tarifrunde wirkt, bleibt offen. Klar ist: Die Diskussion macht den Margendruck im Autosektor für jeden sichtbar.
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