SK Hynix Aktie: 8,34 Prozent Minus trotz Nvidia-Deal
Trotz eines historischen Kooperationspakets mit den USA bricht der Aktienkurs von SK Hynix ein. Analysten sehen dennoch Einstiegschancen.

Kurz zusammengefasst
- Historisches Abkommen mit den USA besiegelt
- SK Hynix liefert Speicher im Wert von 500 Milliarden Dollar
- Aktie verliert über acht Prozent an einem Tag
- US-Banken bewerten Kursrutsch als Kaufgelegenheit
Südkorea hat mit den USA das größte Halbleiter-Kooperationspaket seiner Geschichte besiegelt – und ausgerechnet der Hauptprofiteur SK Hynix zahlt an der Börse zunächst einen hohen Preis dafür. Am Freitag verlor die Aktie 8,34 Prozent und schloss bei 1.759.000 Won. Damit weitet sich der Abstand zum erst im Juni erreichten 52-Wochen-Hoch von 2.987.000 Won auf 41,11 Prozent aus.
750 Milliarden Dollar für Nvidia und Co.
Bei einem Gipfeltreffen in San Francisco einigten sich südkoreanische Konzerne und US-Technologiefirmen am Freitag auf Kooperationsprojekte im Volumen von 950 Milliarden Dollar, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Präsident Lee Jae Myung verkündete dazu die „San Francisco AI Declaration“, mit der Südkorea zu einem zentralen Knotenpunkt der globalen KI-Lieferkette werden soll. Der SK-Konzern trägt mit 750 Milliarden Dollar den Löwenanteil, davon entfällt laut CNBC allein mehr als die Hälfte auf eine langfristige Speicherlieferung von SK Hynix an Nvidia im Wert von über 500 Milliarden Dollar. Samsung Electronics unterzeichnete parallel eine Absichtserklärung mit Broadcom über bis zu 200 Milliarden Dollar für Speicher, Foundry-Kapazitäten und Advanced Packaging.
Das Abkommen umfasst nach übereinstimmenden Berichten auch den Bau von Rechenzentren mit einer Kapazität von rund fünf Gigawatt und zwei Millionen Grafikprozessoren. SK Telecom will gemeinsam mit Nvidia ein zwei Gigawatt starkes Rechenzentrum auf Basis der Vera-Rubin-Plattform und der HBM4-Speicherchips von SK Hynix errichten, das 2027 ans Netz gehen soll. Nvidia kündigte zudem an, SK Hynix bei der Entwicklung künftiger HBM-Generationen zu unterstützen. SK-Group-Chairman Chey erklärte, der Speicherbedarf großer KI-Kunden könnte die bisherigen Projektionen noch übertreffen.
Kurssturz trotz Milliardenauftrag
Dass der Kurs trotz dieser Nachrichtenlage einbrach, überrascht auf den ersten Blick. Der Rückgang reiht sich jedoch in eine breitere Korrektur des koreanischen Speicherchip-Sektors ein: Auch Samsung Electronics verlor am selben Handelstag rund 7,6 Prozent. Zugleich hatten ausländische Investoren ihre Positionen in beiden Aktien im Juli bereits vor der offiziellen Bekanntgabe reduziert, wie mehrere Berichte übereinstimmend festhalten. Parallel dazu greift ab dem 31. Juli in Südkorea eine neue Regel für gehebelte Einzelaktien-Produkte auf Samsung und SK Hynix: Die Mindesteinlage steigt von 10 auf 30 Millionen Won, was kurzfristig auf die Positionierung spekulativer Anleger gedrückt haben dürfte.
Auf der anderen Seite bleibt die operative Dynamik bei SK Hynix intensiv. Das Unternehmen produziert HBM4-Speicher seit Februar in Serie und hat sich rund zwei Drittel der Bestellungen für Nvidias Vera-Rubin-Plattform gesichert. Die HBM-Umsätze haben sich binnen eines Jahres verdreifacht, die Bruttomargen in diesem Segment liegen bei rund 80 Prozent. Zusammen mit Samsung kontrolliert SK Hynix mehr als 80 Prozent des weltweiten HBM-Marktes.
Wall Street sieht Einstiegschance, Analysten uneinig über Dauer der Knappheit
Mehrere US-Banken werten den jüngsten Kursrückgang als Kaufgelegenheit. Morgan-Stanley-Analyst Joseph Moore bezeichnete den Rücksetzer als attraktiven Einstiegspunkt, da sich die Knappheit bei Speicherchips seiner Einschätzung nach bis 2027 und 2028 noch verschärfen dürfte. Evercore-Analyst Amit Daryanani sieht das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ebenfalls als strukturelles Thema, das sich in den kommenden Quartalen noch zuspitzen könnte. Beide Häuser verweisen auf erwartete Preissteigerungen bei Rechenzentrums-Speicher von mindestens 25 Prozent im dritten Quartal.
Der Vorstandschef von SK Hynix rechnet Berichten zufolge sogar damit, dass die Chip-Knappheit über das Jahr 2030 hinaus anhalten könnte. Diese Einschätzung dürfte am 29. Juli auf den Prüfstand kommen, wenn SK Hynix seine Quartalszahlen vorlegt – einen Tag vor Samsung Electronics und zwei Tage vor Kioxia. Analysten erwarten, dass steigende HBM4-Preise die Ergebnisse stützen. Wie stark der aktuelle Kursrutsch die Stimmung bis dahin belastet, dürfte sich auch daran zeigen, ob sich der Titel von seinem Abstand zum Jahreshoch erholen kann, bevor die Zahlen den nächsten Kurstreiber liefern.
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