Oracle Aktie: 55 Prozent unter 52-Wochen-Hoch

Oracle steht vor wichtigen Quartalszahlen, während die EU-Kommission Lizenzpraktiken prüft und Anleger über Cloud-Wachstum sowie Finanzierung beraten.

Felix Baarz ·
Abstrakte Darstellung eines modernen Bürogebäudes bei Sonnenuntergang als Symbol für den Finanzsektor. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Quartalsbericht als KI-Branchenprüfung
  • EU sammelt Informationen zu Lizenzpraktiken
  • Oracle-Aktie verliert heute 3,5 Prozent
  • Analysten senken teils ihre Kursziele

Heute Nachmittag, nach US-Börsenschluss, wird Oracle Zahlen vorlegen, die als Test für das gesamte KI-Versprechen der Branche gelten. Reuters beschreibt den Bericht als möglichen Weichensteller für den gesamten AI-Trade der Hyperscaler. Das ist die eine Geschichte des Tages. Die andere, leisere, spielt in Brüssel – und sie erzählt etwas über die Kehrseite von Oracles Erfolg.

Die EU-Kommission holt Medienberichten zufolge Informationen von Dritten zu Oracles Softwarelizenzierungspraktiken ein. Reuters berichtete bereits am 1. September davon, eine Woche später, am Dienstag, wiederholte sich die Meldung: Noch ist keine förmliche Untersuchung eröffnet, die Kommission sammelt lediglich Auskünfte. Das klingt nach Verwaltungsroutine.

Ist es aber nicht ganz, wenn man bedenkt, wie zentral Lizenzmodelle für Oracles Geschäft seit Jahrzehnten sind – und wie oft genau dieses Thema in Europa schon für Ärger gesorgt hat.

Zwei Erzählungen, ein Unternehmen

Was macht dieses Nebeneinander so interessant? Auf der einen Seite steht ein Konzern, der milliardenschwere Wetten auf Cloud- und KI-Infrastruktur eingeht und dessen Aktienkurs an jedem Quartalsbericht hängt wie ein Fieberthermometer.

Auf der anderen Seite ein Kartellthema, das an das alte Oracle erinnert: an Softwarelizenzen, Wartungsverträge, an ein Geschäftsmodell, das lange vor der Cloud-Ära entstand. Beide Erzählungen treffen sich gerade an derselben Aktie, und das ist selten ein Zufall – es zeigt, wie sehr Oracle inzwischen zwei Unternehmen in einem ist.

Der Kurs selbst gibt einen Hinweis darauf, wie nervös der Markt vor dem Abend ist. Die Aktie notiert aktuell bei 134,06 Euro und verliert damit heute 3,5 Prozent – ein Vorgeschmack auf die Erwartungsspannung, die sich vor der Zahlenvorlage aufgebaut hat.

Zum Vergleich: Vom 52-Wochen-Hoch bei 294,85 Euro, erreicht im vergangenen September, trennen das Papier mittlerweile 55 Prozent. Das ist keine gewöhnliche Kurskorrektur, das ist ein fundamentaler Vertrauensverlust, der sich über Monate aufgebaut hat.

Der Preis der Größe

Investoren richten den Blick laut Beobachtern vor allem auf zwei Fragen: Wie schnell wächst das Cloud-Geschäft wirklich, und wie finanziert Oracle den enormen Ausbau seiner Rechenzentren? Genau diese Finanzierungssorgen sind es, die den Wochenausblick seit Anfang September prägten.

Ein Unternehmen, das gigantische Summen in Infrastruktur steckt, um von der KI-Nachfrage zu profitieren, muss diese Wetten auch bezahlen können – und der Markt fragt sich zunehmend, woher das Geld kommt.

Am Kapitalmarkt hat sich die Stimmung längst gespalten. Jefferies-Analyst Brent Thill senkte am 2. September sein Kursziel von 320 auf 290 Dollar, beließ die Einstufung aber bei Buy.

Am selben Tag bekräftigte Bernstein SocGen sein Outperform-Rating mit einem Kursziel von 325 Dollar. Einen Tag zuvor hatte TD Cowen sein Ziel deutlich kräftiger gestutzt, von 300 auf 240 Dollar, bei ebenfalls unveränderter Kaufempfehlung.

Drei Häuser, drei unterschiedliche Nervositätsgrade – aber alle halten grundsätzlich an ihrer positiven Einstufung fest. Das sagt etwas über die Ambivalenz, mit der der Markt Oracle gerade begegnet: Niemand zweifelt am strukturellen KI-Trend, aber alle fragen sich, was er kostet.

Was heute wirklich zählt

Vor der Veröffentlichung lag der Konsens bei rund 1,74 Dollar Gewinn je Aktie und 19,13 Milliarden Dollar Umsatz für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027. Diese Zahlen sind der eigentliche Prüfstein – nicht nur für Oracle, sondern stellvertretend für die Frage, ob die milliardenschweren KI-Wetten der gesamten Branche sich in echtem Wachstum niederschlagen oder nur in Bilanzen aufblähen.

Die Brüsseler Anfrage wird darüber nicht entscheiden. Aber sie erinnert daran, dass Oracle nicht nur ein KI-Wettbewerber ist, sondern auch ein Softwarekonzern mit einer langen, manchmal unbequemen Geschichte im Lizenzgeschäft. Beide Kapitel laufen heute parallel weiter – das eine leise in einem Brüsseler Aktenordner, das andere laut, nach Börsenschluss, in einer Telefonkonferenz um 23 Uhr deutscher Zeit.

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Oracle Aktie

136,72 EUR

– 2,16 EUR -1,56 %
KGV 27,87
KUV 6,79
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,23 %
Marktkapitalisierung 457,36 Mrd. USD
Ø Kursziel 242,05 USD
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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