Almonty Aktie: Sangdong-Wette geht auf?
Almonty hat einen Rechtsstreit beigelegt; der weitere Aktienkurs hängt vor allem vom geplanten Ausbau der Sangdong-Mine ab.

Kurz zusammengefasst
- Pure Tungsten korrigierte Angaben zu Tiger Kim
- Erste Wolframkonzentrat-Säcke für Export bereit
- Stifel startete mit Kaufempfehlung und Kursziel
- Aktie verlor binnen 30 Tagen 21 Prozent
Juristische Einigung beendet Spekulationen um frühere Rollen
Am vergangenen Freitag hat Almonty ein juristisches Störfeuer beigelegt. Im Rahmen eines Vergleichs veröffentlichte Pure Tungsten eine berichtigende Erklärung zu Personalfragen. Darin wurde bestätigt, dass Tiger Kim zu keinem Zeitpunkt eine Position als leitender Angestellter, Vorstand oder Direktor bei Almonty innehatte. Seine Tätigkeit als unabhängiger Auftragnehmer endete bereits am 31. Dezember 2015.
Diese Klarstellung schafft für Anleger Rechtssicherheit in einer sensiblen Übergangsphase. Das Unternehmen kann sich damit wieder auf das operative Geschäft konzentrieren, anstatt Ressourcen in langwierige rechtliche Auseinandersetzungen zu binden.
Flankiert wurde dieser Schritt vor gut einer Woche durch einen Wechsel auf Ebene der Rechnungslegung. Die Gesellschaft berief PricewaterhouseCoopers LLP zum neuen Abschlussprüfer bis zur nächsten Jahreshauptversammlung, nachdem Zeifmans LLP das Mandat niedergelegt hatte. Laut Unternehmensangaben gab es dabei keinerlei Meinungsverschiedenheiten in Rechnungslegungsfragen.
Sangdong-Hochlauf bildet den zentralen Bewertungshebel
Mit der Bereinigung administrativer Nebenschauplätze rückt der industrielle Kern in den Fokus. Die entscheidende Frage für die künftige Bewertung lautet: Schafft das Unternehmen den planmäßigen Hochlauf der zweiten Ausbauphase bei der Sangdong-Wolframmine in Südkorea?
Vor gut einer Woche meldete der Konzern, dass die ersten Säcke mit Wolframkonzentrat in Sangdong produziert wurden und für den Export bereitstehen. Währenddessen läuft die Entwicklung von Phase II weiter.
Das Management peilt den Abschluss dieser zweiten Ausbaustufe für das Jahr 2027 an. Nach Fertigstellung soll die Verarbeitungskapazität bei bis zu 1,2 Millionen Tonnen Erz pro Jahr liegen, was einer potenziellen Jahresproduktion von mehr als 460.000 MTU entspricht.
Das Erreichen dieser operativen Kennzahlen bildet das Fundament für das künftige Erlöswachstum. Für Marktteilnehmer ist dieser Meilenstein der wichtigste Gradmesser, um die Tragfähigkeit der langfristigen Unternehmensstrategie zu beurteilen.
Analystenlob und Aktienrückkäufe stützen den Optimismus
Gelingt die termingerechte Fertigstellung von Phase II bis 2027, winkt dem Unternehmen ein deutlicher Ausbau seiner globalen Marktanteile im Wolframsektor. Eine stabile Produktion zu prognostizierten Spitzenvolumina würde den Cashflow merklich stärken und die Positionierung im Rohstoffmarkt festigen.
Diesen operativen Ausblick honorieren auch institutionelle Beobachter. Am 24. September nahm das Analysehaus Stifel die Beobachtung von Almonty mit einer Kaufempfehlung auf und bezifferte das Kursziel auf 25,00 US-Dollar.
Eine derart positive Einschätzung basiert maßgeblich auf dem Potenzial der südkoreanischen Lagerstätte bei erfolgreicher Produktionsskalierung.
Zusätzlichen Rückenwind liefert das aktive Kapitalmanagement. Vor gut einer Woche zog das Unternehmen 2.914.739 eigene Stammaktien ein, die für rund 48 Millionen US-Dollar zurückgekauft worden waren. Zudem beabsichtigt das Management, einen automatischen Rückkaufplan für Handelsruhephasen einzuführen.
Derartige Maßnahmen reduzieren die Zahl der ausstehenden Anteile nachhaltig. Sollte der operative Gewinn künftig wie geplant steigen, profitieren bestehende Aktionäre durch einen entsprechend verbesserten Gewinn je Aktie.
Operative Verzögerungen und technischer Verkaufsdruck belasten
Dem optimistischen Pfad stehen jedoch substanzielle Risiken gegenüber, die bei komplexen Bergbauprojekten regelmäßig auftreten. Sollten unvorhergesehene geologische oder technische Probleme den Zeitplan der zweiten Ausbauphase über das Jahr 2027 hinaus verzögern, drohen empfindliche Kostensteigerungen. Auch ein Verfehlen der angestrebten Jahreskapazität von 1,2 Millionen Tonnen würde die Rentabilität belasten.
Zudem binden die jüngsten Aktienrückkäufe liquide Mittel, die im Falle unerwarteter Mehraufwendungen am Minenstandort fehlen könnten. Investoren fordern deshalb verlässliche Belege für den reibungslosen Fortgang der einzelnen Bauabschnitte.
Die Skepsis spiegelte sich zuletzt auch im Handelsverlauf wider. Innerhalb der vergangenen 30 Tage verlor die Aktie 21 Prozent an Wert. Mit einem aktuellen Kurs von 12,03 Euro notiert das Papier zudem spürbar unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 13,66 Euro.
Dieser charttechnische Rückschlag signalisiert eine anhaltende Vorsicht der Marktteilnehmer vor den anstehenden Großinvestitionen.
Klare Meilensteine bis zum Zieljahr definieren den Trend
Für Anleger kommt es nun auf eine differenzierte Abwägung der weiteren Projektfortschritte an.
Solange die Ausbauarbeiten der Phase II im vorgesehenen Zeitplan verbleiben und keine Verzögerungen bis 2027 gemeldet werden, bleibt die fundamentale Aufstellung des Minenbetreibers intakt. Kippt dieser Zeitplan hingegen oder zeichnen sich unerwartete Budgetüberschreitungen ab, dürften die Notierungen weiter nachgeben.
Als nächster konkreter Termin steht die anstehende Jahreshauptversammlung im Kalender. Dort müssen die Aktionäre formell über die Bestellung von PricewaterhouseCoopers LLP als Abschlussprüfer abstimmen. Bis dahin bleibt der operative Baufortschritt in Sangdong der entscheidende Taktgeber für die Kursentwicklung.
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