Nel ASA Aktie: Samsung-Pakt bringt 100-MW-Lösung
Nel ASA präsentiert mit Samsung eine neue Elektrolyse-Plattform, kämpft aber mit rückläufigen Aufträgen und Analystenskepsis.

Kurz zusammengefasst
- Neue Druckelektrolyse-Plattform vorgestellt
- Auftragseingang um 73 Prozent gesunken
- Analysten raten mehrheitlich zum Verkauf
- Kursanstieg trotz schwacher Quartalszahlen
Die Nel-Aktie hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Hinter dem Kursanstieg steckt eine Mischung aus Technologiemeilensteinen und Partnerschaftsnachrichten — doch die Geschäftszahlen erzählen eine andere Geschichte.
CompassH2-A+: Bankability als eigentlicher Clou
Beim World Hydrogen Summit in Rotterdam hat Samsung E&A gemeinsam mit Nel das Produkt CompassH2-A+ vorgestellt. Die Lösung basiert auf Nels druckbasierter alkalischer Elektrolyse-Technologie und liefert bis zu 100 MW. Konfiguriert wird sie in containerisierten 25-MW-Modulen, die den Platzbedarf gegenüber konventionellen Systemen um rund 50 Prozent reduzieren.
Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt nicht in der Technik selbst. Samsung übernimmt eine einheitliche Vollgarantie für die gesamte Anlage — inklusive der Stacks. Bislang waren solche Garantien im Wasserstoffsektor auf mehrere Vertragspartner verteilt. Eine gebündelte Absicherung verbessert die Finanzierbarkeit von Projekten erheblich. Das dürfte für Projektentwickler und deren Banken ein entscheidendes Argument sein.
CompassH2-A+ ist das dritte Produkt im CompassH2-Portfolio. Es ergänzt die atmosphärische Alkali- und die PEM-Elektrolyse-Variante.
Acht Jahre Entwicklung, jetzt Serienreife
Nels neue Druckelektrolyse-Plattform wurde nach mehr als acht Jahren Entwicklung im Mai 2026 kommerziell gelauncht. Erfolgreiche Prototypentests am Standort Herøya in Norwegen gingen dem voraus.
Nel kalkuliert die schlüsselfertigen Vollkosten auf unter 1.450 US-Dollar je kW — bezogen auf eine 25-MW-Anlage. Gegenüber aktuellen Marktlösungen sollen die Investitionskosten so um 40 bis 60 Prozent sinken. Im Dezember 2025 fiel die finale Investitionsentscheidung für die Industrialisierung am Standort Herøya. Die Produktionskapazität soll dort auf bis zu 1 GW pro Jahr steigen, langfristig auf 4 GW.
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Parallel entwickelt Nel die nächste PEM-Generation. Das Ziel: rund 70 Prozent niedrigere Stackkosten. Marktreife ist frühestens 2028 oder 2029 realistisch.
Kurs hoch, Auftragsbuch dünn
Die Aktie notiert aktuell bei 0,35 Euro — knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 0,36 Euro, das Ende Mai erreicht wurde. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus gut 82 Prozent. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 0,21 Euro, der aktuelle Kurs damit rund 67 Prozent darüber.
Die Quartalszahlen dämpfen die Euphorie. Nel erzielte im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 148 Millionen Norwegischen Kronen — fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das EBITDA lag bei minus 100 Millionen Kronen. Besonders auffällig: Der Auftragseingang brach um 73 Prozent auf nur noch 85 Millionen Kronen ein. Das Auftragspolster schrumpfte um 24 Prozent auf 1,1 Milliarden Kronen.
Das Management räumte ein, dass der aktuelle Auftragsbestand für eine sinnvolle Auslastung der Kapazitäten 2027 nicht ausreicht. Nel verfügt über 1,4 Milliarden Kronen in der Kasse — genug Puffer, aber kein Ersatz für echte Großaufträge. Der Personalabbau auf rund 300 Mitarbeiter — ein Rückgang von 26 Prozent gegenüber dem Höchststand — hat die Personalkosten zwar um 21 Prozent gesenkt. Das Management warnte jedoch, dass damit auch Fertigungs- und Projektkapazitäten verloren gegangen sind.
Analysten bleiben skeptisch
Von 13 Analysten, die Nel beobachten, empfehlen sieben den Verkauf der Aktie. Die übrigen sechs votieren für Halten. Kaufempfehlungen gibt es keine. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2,12 Norwegischen Kronen — rund 45 Prozent unter dem aktuellen Kursniveau.
Die zentrale offene Frage ist, ob CompassH2-A+ tatsächlich Aufträge generiert oder vorerst Konferenzstoff bleibt. Am 15. Juli legt Nel den Halbjahresbericht vor. Dann wird sich zeigen, ob die Samsung-Partnerschaft schon konkrete Bestellungen ausgelöst hat. Hinzu kommt ein erwarteter EU-Zuschuss von 11 Millionen Euro im zweiten Quartal 2026 für die Industrialisierung der Druckelektrolyse-Plattform — eine überschaubare, aber willkommene Finanzierungshilfe.
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