Alphabet Aktie: Streaming-Macht und Cloud-Panne
Streaming soll 2026 in Deutschland erstmals mehr Umsatz als Fernsehen und Radio erzielen; Googles Londoner Cloud-Ausfall beeinträchtigte zahlreiche Dienste.

Kurz zusammengefasst
- Google Cloud stellte britische Dienste wieder her
- Stromproblem traf Londons Cloud-Region
- Streamingumsatz soll auf 8,6 Milliarden Euro steigen
- Alphabet-Aktie notierte nahe 337 Dollar
Alphabet steht gleich an zwei Fronten im Blick: Der Konzern gehört zu den größten Profiteuren des Streaming-Booms in Deutschland. Zugleich hat ein Stromausfall in der Londoner Cloud-Region gezeigt, wie verwundbar kritische Infrastruktur sein kann.
Cloud-Ausfall legt britische Dienste lahm
Google Cloud hat die Dienste in Großbritannien nach einem stundenlangen Ausfall wiederhergestellt. Ursache war laut Unternehmen ein „power event“ in der Region europe-west2, einem Verbund von Rechenzentren in London. Zunächst meldete Google, die meisten betroffenen Kunden seien wieder online, später folgte die Bestätigung der vollständigen Verfügbarkeit.
Die Folgen reichten weit. Betroffen waren unter anderem Revolut, Lloyds Bank, Halifax, HSBC und DPD, ebenso gab es Probleme bei Royal Mail, Rightmove und NHS England. Auch Teile der Gerichtssysteme meldeten Störungen. Revolut berichtete von beeinträchtigten Kartenzahlungen und Geldautomaten-Abhebungen, versicherte aber, Kundengelder und Daten seien sicher gewesen.
Der Vorfall dürfte die Debatte über die Abhängigkeit des Finanzsektors von wenigen Cloud-Anbietern neu anfachen. Britische Aufseher hatten Google Cloud und weitere große Anbieter in diesem Jahr als kritische Drittdienstleister unter direkte Beobachtung gestellt.
Streaming überholt klassische Medien
Rückenwind kommt dagegen aus dem Werbemarkt. Nach der Herbstprognose des Verbands Privater Medien erzielen Streamingangebote in Deutschland 2026 erstmals mehr Umsatz als Fernsehen und Radio. Ihr Erlösvolumen soll auf rund 8,6 Milliarden Euro steigen, das entspricht 52 Prozent des Audio- und audiovisuellen Marktes. 2019 waren es noch 26 Prozent.
Die Werbeerlöse im Videostreaming sollen um 15 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro zulegen. Die Fernsehwerbung dürfte dagegen um sechs Prozent schrumpfen.
Den Löwenanteil sichern sich allerdings die Großen: 72 Prozent der Werbeumsätze im Videostreaming entfallen auf Alphabet, Amazon, ByteDance und Meta. „Der Werbemarkt wächst jedoch zunehmend an ihnen vorbei“, sagte verbandsseitig Geschäftsführer Frank Giersberg mit Blick auf die privaten Medienanbieter. Für YouTube, die Streamingplattform des Konzerns, ist das ein starkes Argument.
Chart bleibt angeschlagen
An der Börse überwiegt zunächst die Vorsicht. Die Aktie notierte am Dienstag bei rund 339 Dollar knapp über der Unterstützung bei 337 Dollar, die schon dreimal getestet wurde. Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte liegen über dem Kurs, der Abwärtstrend ist intakt.
Fällt der Wert auf Schlusskursbasis unter 337 Dollar, rückt aus technischer Sicht die Marke bei etwa 330 Dollar in den Blick. Ein Anstieg über 348,82 Dollar würde das bärische Bild dagegen entwerten.
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