OHB SE Aktie: 20 Milliarden Euro in der Pipeline

OHB meldet starke Halbjahreszahlen mit Rekordauftragsbestand von 3,3 Mrd. Euro. Analysten sehen unterschiedliches Kurspotenzial, Indexaufnahme im September erwartet.

Dieter Jaworski ·
OHB SE Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordauftragsbestand von 3,3 Milliarden Euro
  • Jahresprognose für 2026 bestätigt
  • Kapitalerhöhung bringt 484 Millionen Euro
  • Uneinige Analystenurteile zu Kurszielen

OHB SE hat am Donnerstag Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 vorgelegt, die operativ deutlich nach oben zeigen. Der Bremer Raumfahrt- und Rüstungszulieferer verbuchte einen Umsatz von 627,90 Millionen Euro, ein bereinigtes EBITDA von 60,40 Millionen Euro und ein bereinigtes EBIT von 38,90 Millionen Euro. Der Auftragsbestand kletterte nach sechs Monaten auf 3,30 Milliarden Euro und markiert damit einen Rekordwert für das Unternehmen. Die liquiden Mittel lagen zum 30. Juni bei 526,90 Millionen Euro. Trotz dieser Fortschritte notiert die Aktie mit einem Schlusskurs von 233,50 Euro am Freitag rund 66 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro – ein Abstand, der die Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf schlaglichtartig zeigt.

Guidance bestätigt, Pipeline auf 20 Milliarden Euro

Das Management bekräftigte die Jahresprognose für 2026: Die Gesamtleistung soll bei 1,4 Milliarden Euro liegen, die bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent. Nach Unternehmensangaben verweist OHB zudem auf eine Projektpipeline von rund 20 Milliarden Euro. Mehrere erwartete Großaufträge – darunter Sentinel, ClearSpace-1, Upstart und Iris² – befinden sich laut Unternehmen noch in Verhandlung oder werden erst später vergeben. Verteidigungsbezogene Aufträge sollen nach Einschätzung von OHB erst ab 2027 im Einklang mit den deutschen Beschaffungszeitplänen an Bedeutung gewinnen. CEO Marco Fuchs erklärte, das Ziel bleibe, „European champion in the growing space economy“ zu werden, und das Unternehmen habe bei seinem „Right to Win“ bereits „quite some good progress“ erzielt.

Diese Formulierung ordnet die Zahlen ein: OHB wächst zwar profitabel, doch die größten Wachstumstreiber liegen noch vor dem Unternehmen. Anleger müssen sich also auf eine Phase einstellen, in der der Auftragsbestand zwar hoch ist, konkrete Neuvergaben aber erst mit Verzögerung durchschlagen.

Kapitalerhöhung ebnet Weg in TecDAX und SDAX

Im Juni hatte OHB eine Kapitalerhöhung über brutto rund 484 Millionen Euro abgeschlossen, im Zuge derer 1.613.023 neue Aktien ausgegeben wurden. Die Familie Fuchs behielt mit 60,3 Prozent ihre Mehrheitsposition, während der Finanzinvestor KKR über seine Einheit Orchid Lux HoldCo einen Anteil von 19,7 Prozent hält. Der Streubesitz wuchs im selben Umfang auf 19,7 Prozent. Diese breitere Aktionärsbasis positioniert das Unternehmen für eine erwartete Aufnahme in den TecDAX und den SDAX im September – ein Schritt, der die Handelbarkeit der Aktie und ihre Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren erhöhen dürfte.

Analysten uneinig über weiteres Kurspotenzial

Am Mittwoch nahmen Jefferies und Goldman Sachs die Coverage für OHB auf und kamen zu gegensätzlichen Schlüssen. Jefferies startete mit einer „Buy“-Einstufung und einem Kursziel von 280 Euro, was auf Basis des vorangegangenen Schlusskurses von 233,50 Euro ein Aufwärtspotenzial von rund 20 Prozent implizierte. Beide Häuser betonten die Chancen aus dem kräftig steigenden institutionellen Raumfahrtbudget in Europa, bewerteten die jüngste Kursrally aber unterschiedlich. Goldman Sachs setzte dagegen auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 250 Euro und argumentierte, ein Großteil der langfristigen Wachstumschance sei nach den vorangegangenen Kursgewinnen bereits eingepreist. Weitere Häuser wie Rothschild & Co Redburn, Berenberg und die Deutsche Bank sahen im Anschluss ebenfalls Potenzial und riefen Kursziele zwischen 275 und 360 Euro aus, wobei die Deutsche Bank auf rund 35 Milliarden Euro verwies, die Deutschland in den kommenden fünf Jahren allein für verteidigungsbezogene Raumfahrtausgaben vorgesehen habe.

Charttechnisches Bild bleibt angespannt

Die fundamentale Story trifft derzeit auf ein technisch angeschlagenes Chartbild. Die Aktie fiel binnen 30 Tagen um 13,52 Prozent und notiert rund 24 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 38,4 signalisiert keine extreme Überverkauftheit, deutet aber auf anhaltenden Verkaufsdruck hin. Für Anleger bedeutet das: Die operative Entwicklung – Rekordbacklog, bestätigte Guidance, breite Analystenunterstützung – steht im Widerspruch zu einer Kursbewegung, die stark von der vorangegangenen Rally und der anschließenden Korrektur seit dem Hoch im Mai geprägt ist. Die geplante Indexaufnahme im September sowie mögliche Vertragsentscheidungen bei Sentinel, Iris² oder ClearSpace-1 dürften in den kommenden Wochen die nächsten Impulse liefern.

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233,50 EUR

– 3,50 EUR -1,48 %
KGV 79,07
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,25 %
Marktkapitalisierung 4,74 Mrd. EUR
ISIN: DE0005936124 WKN: 593612

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