Nvidia Aktie: Verdopplung lässt Kurs kalt
Nvidia stellt für 2027 doppelte Chip-Verkäufe in Aussicht, doch die Aktie gibt nach. Anleger nehmen Gewinne mit, während sich der Markt neu ordnet.

Kurz zusammengefasst
- Nvidia stellt doppelte Verkäufe in Aussicht
- Aktie verliert trotz Branchenstärke leicht
- SK Hynix prüft neue NAND-Fabrik
- KI-Anbieter setzen auf kleinere Rechenzentren
Jensen Huang verspricht die nächste Wachstumswelle – und der Markt reagiert mit einem Schulterzucken. Während Zulieferer wie SanDisk, Lam Research und Seagate am Freitag um bis zu 5,7 Prozent zulegten, hinkte die Nvidia-Aktie selbst der guten Branchenstimmung mit leichten Verlusten hinterher. Ein Detail, das aufhorchen lässt.
Huang hatte in Aussicht gestellt, die Chip-Verkäufe im kommenden Jahr gegenüber 2026 zu verdoppeln. Für das Geschäftsjahr bis Januar 2028 peilt der Konzern zudem ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent an.
Zahlen, die unter normalen Umständen für Kurssprünge sorgen würden – bei Nvidia verpuffte die Ansage jedoch weitgehend. Nach dem kräftigen Kursplus der Vortage nahmen offenbar viele Anleger Gewinne mit, statt der Prognose weiteres Vertrauen zu schenken.
Konkurrenz und Kunden ziehen nach
Der Markt drumherum bleibt in Bewegung. SK Hynix prüft über seine Tochter Solidigm den Bau einer neuen NAND-Fabrik im Norden des US-Bundesstaats New York – ein weiterer Baustein im globalen Rennen um Speicherkapazitäten für KI-Rechenzentren. Moderne KI-Systeme benötigen neben Nvidias Prozessoren auch enorme Mengen an Speicherlösungen, insbesondere High-Bandwidth-Memory-Chips.
Parallel verändert sich die Nachfragestruktur selbst. OpenAI und Anthropic suchen inzwischen gezielt nach kleineren Rechenzentrums-Deals mit Kapazitäten von etwa 20 bis 30 Megawatt, statt ausschließlich auf gigantische Standorte zu setzen.
Der Grund liegt in der wachsenden Bedeutung von Inference-Anwendungen: Anders als beim Training großer Modelle lassen sich fertige KI-Systeme oft über mehrere kleinere Cluster betreiben. Auch Nvidia beschäftigt sich bereits mit kleineren Rechenzentren für solche verteilten Anwendungen – ein Hinweis darauf, dass der Konzern sein Geschäftsmodell an die veränderte Nachfrage anpasst.
Politisches Umfeld bleibt unübersichtlich
Abseits der Produktstrategie sorgt Nvidia-Chef Huang auch politisch für Gesprächsstoff. Gemeinsam mit Präsident Trump widersprach er öffentlich Forderungen von Elon Musk, das Tempo der KI-Entwicklung zu drosseln – Huang plädiert stattdessen für mehr Geschwindigkeit statt strengerer Regulierung. Trump selbst hält laut seiner jüngsten Offenlegung Nvidia-Aktien und bezeichnete Sorgen vor außer Kontrolle geratener KI als „Hoax“.
Die Gemengelage zeigt: Nvidia bewegt sich zwischen technologischer Aufbruchsstimmung und einem Markt, der nach der jüngsten Rally erst einmal verdauen muss. Der große Verfallstermin an den Terminbörsen dürfte am Freitag zusätzlich zur Zurückhaltung beigetragen haben. Ob die angekündigte Verdopplung der Chip-Verkäufe im kommenden Jahr tatsächlich eintritt, wird sich an den nächsten Quartalszahlen ablesen lassen.
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