Nvidia Aktie: Warum Huang jetzt zugreift
Der Vorstand erhöhte die Rückkaufermächtigung auf 235 Milliarden Dollar; zugleich stieg die maximale Garantie-Exposition auf 108,5 Milliarden.

Kurz zusammengefasst
- Rückkaufermächtigung auf 235 Milliarden Dollar erhöht
- KGV für 2028 bei 14,5
- Garantie-Exposition auf 108,5 Milliarden Dollar gestiegen
- QumulusAI schloss GPU-Verträge über 240,9 Millionen Dollar
Wenn ein Konzern sein Rückkaufprogramm um 150 Milliarden Dollar aufstockt und der eigene Chef das als Schnäppchenkauf bezeichnet, lohnt sich ein zweiter Blick auf die Zahlen dahinter. Genau das ist bei Nvidia passiert – und die Begründung ist ungewöhnlich konkret.
Die günstigste Bewertung seit zehn Jahren
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Geschäftsjahr 2028 liegt bei Nvidia derzeit bei nur 14,5 — der niedrigste Wert seit einem Jahrzehnt und deutlich unter dem eigenen Fünfjahresschnitt von knapp 63. Damit notiert der Chipkonzern günstiger als Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon, aber auch günstiger als die direkten KI-Chip-Rivalen Broadcom, AMD und Intel.
Keiner dieser Wettbewerber stellt für das kommende Jahr ein Umsatzwachstum von 70 Prozent in Aussicht, wie es Nvidia im August in Aussicht gestellt hat.
Analysten rechnen für das Geschäftsjahr 2028 mit einem Nettogewinn von rund 385 Milliarden Dollar — ein Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als das Fünffache innerhalb von drei Jahren.
Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand die Rückkaufermächtigung auf ein Rekordvolumen von 235 Milliarden Dollar angehoben, die größte Erhöhung in der Firmengeschichte. Erst im Mai hatte Nvidia die Quartalsdividende von einem auf 25 Cent je Aktie erhöht.
Marktbeobachter werten den Schritt als klares Signal: Das Management sieht die eigene Aktie als unterbewertet an, obwohl sie seit Jahresbeginn bereits um 23 Prozent zugelegt hat und damit den Nasdaq outperformt. Das Wachstum der Gewinne läuft dem Kurs schlicht davon.
Bilanzsorgen parallel zum Rückkauf
Während der Rückkauf für Zuversicht sorgt, arbeitet Nvidia im Hintergrund an einem anderen Thema: der Auslagerung von Kreditrisiken. Der Konzern führt Gespräche mit Versicherungsgesellschaften, um einen Teil der Finanzierungsrisiken kleinerer Cloud-Anbieter abzusichern — jener Kunden, die Nvidia-Chips als Kreditsicherheit hinterlegen.
Die maximale Garantie-Exposition ist zuletzt auf 108,5 Milliarden Dollar gestiegen, davon allein 105 Milliarden Dollar aus dem Leasing-Arrangement mit OpenAI am Ohio-Campus.
Diese beiden Entwicklungen — aggressiver Rückkauf einerseits, wachsendes Bilanzrisiko andererseits — zeigen ein Unternehmen, das gleichzeitig Stärke demonstriert und Vorsorge trifft. Jensen Huang bezeichnet Nvidia als „growth value stock“ und wehrt sich damit gegen Kritiker, die angesichts der KI-Debatte um mögliche Übertreibungen skeptisch bleiben.
Im operativen Geschäft liefert die Aktivität rund um Nvidia-Hardware derweil weiter Beweise für die Nachfrage: Der Cloud-Anbieter QumulusAI etwa hat neue Dreijahresverträge über 240,9 Millionen Dollar für mehr als 2.000 Blackwell-B300-GPUs unterzeichnet, nachdem bereits im Juli ähnliche Abschlüsse mit denselben Kunden erfolgten.
Auf dem Kurs schlägt sich das bislang in Konsolidierung nieder. Die Aktie bewegt sich zwischen 225 und 231 Dollar, mit einer Widerstandsmarke bei 234,75 Dollar. Ob Nvidia diese Marke überwindet, dürfte auch davon abhängen, wie der Markt die parallelen Signale — Rekord-Rückkauf und wachsende Garantie-Exposition — in den kommenden Wochen einordnet.
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