Rocket Lab Aktie: Neutron-Versatz!
KeyBanc und Citizens senkten ihre Kursziele, hielten aber an positiven Bewertungen für Rocket Lab fest.

Kurz zusammengefasst
- Neutron-Erstflug auf 2027 verschoben
- KeyBanc senkte das Kursziel auf 100 Dollar
- Citizens reduzierte das Ziel auf 90 Dollar
- Beide Analysehäuser behielten Kaufempfehlungen bei
An der Börse wird Zukunft gehandelt, doch im Raumfahrtsektor wiegt Zeit oft schwerer als Visionen. Die Aktie von Rocket Lab gibt am heutigen Dienstag um 2,7 Prozent auf 44,60 Euro nach und setzt damit eine volatile Phase fort. Für mich markiert diese Schwächephase jedoch keine fundamentale Krise, sondern die typische Reifeprüfung eines Wachstumsunternehmens, das den Sprung in eine neue Leistungsklasse wagt.
Dass die Pläne für den Erstflug der Neutron-Rakete von 2026 auf 2027 verlegt wurden, nachdem Fertigungsprozesse angepasst und Bauteile weiter getestet werden mussten, hat an den Märkten Spuren hinterlassen. Unterm Strich zeigt die Reaktion der Wall Street allerdings ein differenziertes Bild: Trotz gestutzter Erwartungen halten zentrale Beobachter an ihren positiven Einschätzungen fest.
Analysten korrigieren Kursziele, nicht die Zuversicht
Die Neubewertung der Zeitpläne führte bei den Analysehäusern zu spürbaren Anpassungen. Am 15. Oktober bestätigte KeyBanc-Analyst Michael Leshock zwar seine Einstufung mit „Buy“, reduzierte das Kursziel jedoch von $135 auf $100. Neben dem angepassten Neutron-Zeitplan verwies er auf allgemein niedrigere Bewertungsmultiplikatoren für wachstumsstarke Raumfahrtaktien.
Einen ähnlichen Schritt vollzog Citizens am 16. Oktober. Analyst Trevor Walsh senkte das Kursziel von $130 auf $90, behielt die Einstufung „Market Outperform“ jedoch bei. Aus Sicht des Analysehauses liegt die spürbarste Auswirkung der Verzögerung auf der Monetarisierung von Starts in den Geschäftsjahren FY27 und FY28.
Dass beide Häuser trotz herber Zielkorrekturen bei ihren Kaufempfehlungen verharren, spricht für eine intakte Grundüberzeugung. Der Markt straft vor allem die Verschiebung künftiger Cashflows ab, stellt das Geschäftsmodell als solches jedoch nicht infrage.
Technische Hürden im Fertigungsprozess
Auslöser der Verzögerung waren strukturelle Anpassungen bei der Entwicklung. Unternehmenschef Peter Beck erläuterte, dass bei einer Treibstoffkuppel der ersten Neutron-Stufe Lufteinschlüsse in den Kohlefaserschichten aufgetreten seien.
Da dieser Abschnitt die strengen Sicherheitsmargen verfehlte, musste der Fertigungsprozess nachjustiert werden. Bevor die Stufe integriert und getestet werden kann, müssen Ersatzkomponenten gefertigt, ausgehärtet und geprüft werden.
Medienberichten zufolge gerieten im Sog dieser unternehmensspezifischen Verzögerung zeitweise auch andere Branchenwerte wie Planet Labs unter Druck. Für mich ist diese Reaktion übertrieben: Fertigungsmängel an Prototypen sind in der Raketenentwicklung keine Seltenheit, sondern die Regel. Ein gewissenhafter Stopp im Fertigungsprozess zeugt von ingenieurtechnischer Disziplin, auch wenn er kurzfristig am Aktienkurs zehrt.
Fazit: Chancen überwiegen das Verzögerungsrisiko
Mit einem Abschlag von 25 Prozent gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 59,14 Euro preist der Markt die operativen Risiken inzwischen deutlich ein. Das Vertrauen der Anleger hat durch den verschobenen Neutron-Start gelitten, doch die langfristigen Treiber bleiben bestehen.
Wer im New-Space-Sektor investiert, muss mit solchen Rückschlägen umgehen können. Entscheidend ist, dass Rocket Lab die Schwachstellen in den Kohlefaserstrukturen frühzeitig im Teststadium identifiziert hat, statt einen Fehlschlag auf der Startrampe zu riskieren.
Für langfristig orientierte Investoren spricht die robuste Auftragslage dafür, dass die strategischen Chancen das operative Verzögerungsrisiko überwiegen. Der Weg ins Jahr 2027 verlangt Disziplin – bietet auf dem aktuellen Bewertungsniveau aber auch Raum für eine Neubewertung, sobald die nächsten Meilensteine erreicht werden.
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