DAX: Ölkonflikt hält Anleger in Schach
Der DAX verliert zur Wochenmitte 0,45 Prozent, während steigende Ölpreise und US-Renditen Europas Aktienmärkte belasten.

Kurz zusammengefasst
- DAX bleibt über 50-Tage-Linie
- Brent erreicht höchsten Stand seit Juni
- GEA platziert fünf Millionen Aktien
- Deutsche Bank hebt Kursziel an
Der Nahost-Konflikt bleibt der Taktgeber an den europäischen Börsen. Der DAX gibt zur Wochenmitte weiter nach, nachdem sich die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran fortsetzen. Über eine Stunde nach Handelsbeginn notiert der deutsche Leitindex bei 25.854 Punkten, ein Rückgang von 0,45 Prozent — die Verluste fallen damit etwas moderater aus als am Vortag befürchtet.
Auslöser der Unruhe ist die eskalierende Lage rund um die Straße von Hormus. Das US-Militär griff nach eigenen Angaben Luftabwehrstellungen und Radarsysteme iranischer Revolutionsgarden an, der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf mit Washington verbündete Golfstaaten.
Die Ölpreise ziehen als Folge kräftig an: Brent kostet rund 95 Dollar je Fass und damit so viel wie seit Mitte Juni nicht mehr. Parallel dazu kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,8 Prozent — ein Niveau, das nach Einschätzung mancher Marktbeobachter bei einem weiteren Anstieg auf 5 Prozent zum Belastungsfaktor für Aktien werden könnte.
Index bleibt über wichtiger Unterstützung
Trotz des Gegenwinds hält sich der DAX über der 50-Tage-Linie, die aktuell bei 25.648 Punkten verläuft. Das Juli-Zwischenhoch bei 25.900 Punkten konnte den Index zwischenzeitlich nur kurz stützen, die Marke von 26.000 Punkten bleibt damit außer Reichweite.
UBS-Vermögensverwalter Mark Haefele bleibt trotz des kurzfristigen Drucks positiv gestimmt für die Eurozone-Aktienmärkte — er verweist auf anziehende Wirtschaftsaktivität, robuste Unternehmensgewinne und vertretbare Bewertungen.
Die erwartete EZB-Zinserhöhung in der kommenden Woche sieht er nicht als Startschuss für einen generellen Zinserhöhungszyklus, da die Inflation vor allem energiepreisgetrieben sei.
Auf Einzelwerteebene ragt die GEA-Aktie mit einem Kursrückgang von rund 2,8 Prozent auf knapp 65 Euro heraus. Der kuwaitische Staatsfonds Kuwait Investment Authority platziert rund fünf Millionen Aktien zu einem Preis zwischen 64,85 und 65,50 Euro — ein Abschlag von zwei bis drei Prozent zum letzten Schlusskurs.
Die KIA reduziert damit ihre Beteiligung von 10,5 Prozent, bleibt aber einer der bedeutendsten Großaktionäre des Anlagenbauers. Deutsche Bank Research sieht in dem Rücksetzer nach dem jüngsten Allzeithoch eine Kaufchance und hob das Kursziel nach starken Quartalszahlen von 71 auf 76 Euro an.
Deutsche Bank-Aktien zählen mit einem Plus von 1,5 Prozent zu den Gewinnern im Index, gestützt durch eine Hochstufung von Goldman Sachs, die eine „Ära höherer Profitabilität“ ausmacht.
Auch Adidas legt nach einer positiven Einstufung durch Barclays zu — die Innovationstage des Sportartikelherstellers am 23. und 24. September gelten dabei als möglicher Kurstreiber. Volkswagen-Vorzüge verlieren dagegen 2,8 Prozent, nachdem der Autobauer den EuroStoxx 50 zum 21. September verlassen muss.
Für den weiteren Wochenverlauf bleibt die Entwicklung an der Straße von Hormus der entscheidende Risikofaktor. Hält der Ölpreis die Marke von 95 Dollar oder nähert sich weiter der psychologischen Schwelle von 100 Dollar, dürfte der Druck auf die Anleiherenditen und damit auf die Aktienmärkte anhalten.
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