Navitas: 34-Prozent-Rutsch nach Wolfspeed-Klage
Wolfspeed verklagt Navitas wegen Patentverletzung. Trotz starkem KI-Wachstum bricht die Aktie ein und notiert nahe dem Jahrestief.

Kurz zusammengefasst
- Patentklage von Wolfspeed eingereicht
- Navitas weist Vorwürfe zurück
- KI-Infrastrukturgeschäft wächst 50 Prozent
- Aktie verliert über 34 Prozent im Monat
Wolfspeed verklagt Navitas Semiconductor wegen Patentverletzung. Die Aktie reagiert mit einem Kursrutsch, der einen ohnehin schon miserablen Monat noch schlimmer macht. Am Freitag schloss das Papier bei 11,70 Euro, ein Minus von 6,40 Prozent an einem einzigen Tag.
Wolfspeed geht juristisch vor
Wolfspeed reichte die Klage rund um den 10. Juli 2026 beim US-Bezirksgericht in Delaware ein. Der Vorwurf: Navitas verletze mehrere Patente mit zentralen Produktlinien. Betroffen sind die Galliumnitrid-Transistoren der GaNFast-, GaNSlim- und GaNSafe-Familien sowie die GeneSiC-Siliziumkarbid-MOSFETs und SiCPAK-Module.
Navitas reagierte bereits am 8. Juli 2026 mit einer Stellungnahme. Das Unternehmen bezeichnete die Vorwürfe als haltlos und kündigte an, sich mit allen Mitteln zu verteidigen. Nach eigener Aussage ist Navitas überzeugt, den Rechtsstreit zu gewinnen. Das Unternehmen wertet die Klage als Versuch von Wolfspeed, sich einen Vorteil zu verschaffen, den der Wettbewerb am Markt nicht hergibt.
Wachstum trotz Rechtsstreit
Parallel zur juristischen Auseinandersetzung hält Navitas an seiner Wachstumsstrategie fest. Der Konzern zählt zu den führenden Anbietern von GaN- und SiC-Halbleitern und verweist auf jahrzehntelange eigene Forschung und Entwicklung.
Im Fokus steht der Ausbau in margenstarken Bereichen: KI-Rechenzentren, Energie- und Netzinfrastruktur sowie industrielle Elektrifizierung. Gerade KI-Workloads brauchen effiziente GaN- und SiC-Komponenten, um Wärme abzuführen und Strom schneller bereitzustellen. Erst kürzlich sicherte sich Navitas einen kommerziellen Liefervertrag für GaNFast- und GeneSiC-Chips, die in 800-Volt-Architekturen für KI-Rechenzentren zum Einsatz kommen.
Im ersten Quartal 2026 brachte das Unternehmen eine 20-Kilowatt-GaN-Plattform für die Umwandlung von 800 auf 6 Volt auf den Markt. Dazu kamen neue Gen-5-SiC-Produkte für KI-Netzteile. Mehrere Projekte haben inzwischen die Testphase bei Herstellern erreicht und nähern sich der kommerziellen Fertigung. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 18 Prozent zum Vorquartal, getrieben von der Nachfrage aus Hochleistungsmärkten. Besonders stark legte das KI-Infrastrukturgeschäft zu: Hier wuchs der Umsatz um 50 Prozent zum Vorquartal.
Kurs unter Druck
Die Zahlen aus dem operativen Geschäft wirken robust. Der Aktienkurs zeigt derzeit ein anderes Bild. Binnen sieben Tagen verlor das Papier 10,69 Prozent, auf Monatssicht summiert sich das Minus auf 34,27 Prozent.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 29,20 Euro aus dem Mai beträgt inzwischen fast 60 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 18,58 Euro, aktuell notiert die Aktie gut 37 Prozent darunter. Ein RSI von 33,7 signalisiert eine überverkaufte Situation, die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei ungewöhnlich hohen 121 Prozent.
Am 27. Juli 2026 legt Navitas nach Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal vor. CEO Chris Allexandre und CFO Tonya Stevens erläutern im anschließenden Call den Geschäftsausblick. Dann wird sich zeigen, ob die operative Dynamik bei KI-Infrastruktur die juristische Unsicherheit rund um Wolfspeed aufwiegen kann.
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