Marvell Technology Aktie: Wenn Gut nicht gut genug ist
Marvell Technology übertrifft Gewinnerwartungen, verfehlt jedoch Umsatzkonsens knapp. Der ambitionierte Ausblick für KI-Chips treibt die Aktie trotz anfänglicher Verluste.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzplus von 28 Prozent im ersten Quartal
- Gewinn je Aktie übertrifft Analystenschätzungen
- Ausblick für zweites Quartal über Erwartungen
- KI-Chip-Nachfrage treibt Jahresprognose an
Nach einer Kursrally von über 130 Prozent seit Jahresbeginn ist die Latte für Marvell Technology schlicht enorm hoch. Dass der Chipentwickler mit seinen jüngsten Quartalszahlen und einem ambitionierten Ausblick trotzdem kurzfristig abverkauft wird, sagt mehr über die Erwartungshaltung des Marktes als über die operative Leistung des Unternehmens.
Zahlen, die eigentlich überzeugen sollten
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Marvell einen Umsatz von 2,42 Milliarden Dollar — ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie kam mit 0,80 Dollar leicht über dem Analystenkonsens herein. Beim Umsatz blieb das Unternehmen allerdings rund 1,3 Prozent unter dem präzisierten Konsens einiger Analysten. Bei einer Bewertung von rund dem 64-Fachen der erwarteten Gewinne genügt das, um Gewinnmitnahmen auszulösen.
Das Ergebnis: zunächst ein Kursminus von fast fünf Prozent, das sich am Donnerstag aber teilweise wieder erholte.
Ausblick weit jenseits des Konsenses
Fürs laufende zweite Quartal stellt das Management einen Umsatz von 2,70 Milliarden Dollar in Aussicht — deutlich über der Analystenerwartung von 2,60 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie liegt die Guidance mit 0,93 Dollar ebenfalls über der Schätzung von 0,90 Dollar.
Das Jahresziel für das Geschäftsjahr 2027 hebt Marvell auf 11,5 Milliarden Dollar an. Für das Folgejahr nennt das Management 16,5 Milliarden Dollar — merklich über dem Analystenkonsens von 15,3 Milliarden Dollar. Treiber ist die Nachfrage nach maßgeschneiderten KI-Chips für Hyperscaler: Marvell beliefert Microsoft und Amazon und verhandelt Berichten zufolge über Eigenentwicklungen für Google.
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Mehrere Analysehäuser reagierten prompt mit höheren Kurszielen. Die Spanne reicht von 240 bis 275 Dollar, wobei Deutsche Bank, BofA Securities und Rosenblatt auf 240 Dollar gingen, Needham auf 270 Dollar und Barclays auf 275 Dollar. Das liegt deutlich über dem Kursniveau von rund 201 Dollar — allerdings hat der Analystenkonsens den Kurs nach der Rally noch nicht vollständig eingeholt.
Was Investoren im Hinterkopf behalten sollten
Kein Wunder, dass manche Beobachter die Luft bei dieser Bewertung für dünn halten. Die bereinigte Bruttomarge für das zweite Quartal wird zwischen 58,25 und 59,25 Prozent erwartet — ein leichter Rückgang gegenüber den 59,5 Prozent aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr. Der Druck auf die Margen bleibt also präsent. Auffällig ist zudem, dass Führungskräfte am 20. Mai Aktien zum Kurs von 186,80 Dollar verkauften, ohne dass Käufe bekannt wurden.
Das nächste harte Datum ist der 27. August, wenn Marvell die Ergebnisse zum zweiten Quartal vorlegt. Mit einer Guidance von 2,70 Milliarden Dollar Umsatz hat das Management die eigene Messlatte bereits hoch gelegt — Verfehlung zwecklos.
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