Commerzbank Aktie: Zwei Prüfungen an einem Tag

Commerzbank veröffentlicht Quartalszahlen und trifft UniCredit-Chef Orcel. Die Aktie steht vor einem richtungsweisenden Tag.

Dr. Robert Sasse ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Quartalszahlen und Übernahmegespräch am Donnerstag
  • BaFin leitet UniCredit-Antrag an EZB weiter
  • Aktie nahe 52-Wochen-Hoch bei 39,23 Euro
  • Entscheidend: operative Stärke vs. Übernahmefantasie

Zahlen und Übernahmepoker kollidieren bei der Commerzbank an einem einzigen Tag. Am Donnerstag legt die Bank ihre Quartalszahlen vor. Am selben Tag treffen sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und UniCredit-CEO Andrea Orcel zum direkten Austausch. Für die Aktie, die bei 39,23 Euro nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,75 Euro notiert, wird der Tag zur Nagelprobe.

Ausgangslage: Zwei Ereignisse, ein Termin

Zwei Entwicklungen laufen parallel und treffen morgen aufeinander. Zum einen steht die operative Bilanz des zweiten Quartals an. Zum anderen hat die Übernahmesaga durch UniCredit einen wichtigen Schritt erreicht.

Die BaFin hat den Antrag der Italiener auf eine Mehrheitsbeteiligung Ende Juli als vollständig eingestuft. Sie hat ihn an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Dort läuft nun das offizielle Inhaberkontrollverfahren.

Die Aktie hat diese Entwicklung bereits eingepreist. Auf Sicht von 12 Monaten legte sie um 23,52 Prozent zu. Das morgige Treffen zwischen Orlopp und Orcel könnte die Tonlage der Verhandlungen für die kommenden Monate festlegen — vor allem, weil der Frankfurter Vorstand zuletzt von Abwehr auf pragmatischen Dialog umgeschwenkt ist.

Die entscheidende Frage: Zahlen oder Fantasie?

Bei einer Marktkapitalisierung von 41,31 Milliarden Euro stellt sich eine zentrale Frage. Reicht die operative Entwicklung aus, um dieses Niveau zu rechtfertigen, sollte der Übernahmepoker ins Stocken geraten? Oder hängt der Kurs primär an der spekulativen Prämie der UniCredit-Offerte?

Die Antwort dürfte den Trend der kommenden Wochen bestimmen. Bleibt die Commerzbank operativ stark, kann sie ihre Eigenständigkeit untermauern. Enttäuscht sie, bleibt nur noch die Übernahmefantasie als Stütze.

Bullisches Szenario: Zahlen als Turbo

Für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends spricht eine robuste Entwicklung im abgelaufenen Quartal. Übertreffen die Zahlen die Markterwartungen, könnte das die Aktie über ihr 52-Wochen-Hoch tragen. Das Momentum stützt bereits ein 7-Tage-Zuwachs von 6,75 Prozent.

Auch der RSI von 60,4 signalisiert Stärke, ohne bereits eine Überhitzung anzuzeigen. Verläuft das Treffen zwischen Orlopp und Orcel konstruktiv, könnte das die Übernahmefantasie zusätzlich festigen. Eine solide Kursuntergrenze wäre die Folge.

Bärisches Szenario: Enttäuschung mit Doppelwirkung

Das Risiko liegt in einer möglichen Enttäuschung bei der Bilanzvorlage. Bleibt die Umsatz- und Gewinnentwicklung hinter den Erwartungen zurück, dürfte die Aktie unter Druck geraten. Ein erstes Warnsignal wäre das Abrutschen unter den 50-Tage-Durchschnitt bei 37,43 Euro.

Hinzu kommt regulatorische Unsicherheit. Die Prüfung durch die EZB und weitere ausstehende Genehmigungen internationaler Behörden dürften mehrere Monate dauern. Bringt das Gespräch zwischen Orlopp und Orcel keine Annäherung, könnte die Aktie einen Teil ihres Aufschlags verlieren — der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 35,03 Euro beträgt derzeit noch 12,00 Prozent.

Ausblick: Der Donnerstag entscheidet

Solange die Aktie über der Unterstützung bei 37,43 Euro bleibt, spricht das Momentum für einen weiteren Test der 40-Euro-Marke. Entscheidend sind am Donnerstag nicht nur die nackten Zahlen. Mindestens genauso wichtig werden die Signale aus dem Treffen der beiden Bankchefs.

Kippt die Stimmung nach dem Gespräch oder enttäuschen die Zahlen, droht eine Korrektur Richtung des 100-Tage-Durchschnitts bei 35,92 Euro. Der nächste konkrete Termin danach folgt erst in der zweiten Oktoberhälfte: Dann will die EZB über die Erhöhung der UniCredit-Beteiligung entscheiden.

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39,35 EUR

– 0,30 EUR -0,76 %
KGV 17,86
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 2,92 %
Marktkapitalisierung 42,49 Mrd. EUR
ISIN: DE000CBK1001 WKN: CBK100

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