Circus Aktie: 35-Prozent-Crash nach Prognose-Kappt
Circus SE senkt Umsatzerwartung für 2026 massiv und baut Führungsspitze um. Die Aktie verliert zeitweise über ein Drittel ihres Wertes.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzprognose drastisch nach unten korrigiert
- Aktie bricht um über 35 Prozent ein
- Vorstand wird komplett umgebaut
- Erster Roboter-Einsatz in der Ukraine
Circus SE kappt die eigene Jahresprognose drastisch. Die Aktie bricht am Donnerstag zeitweise um mehr als 35 Prozent ein und fällt auf rund 3 Euro. Parallel dazu baut der Vorstand die Führungsspitze komplett um.
Prognose bricht ein
Am frühen Morgen meldete Circus per Ad-hoc-Mitteilung eine massive Korrektur der Jahresziele. Die Umsatzprognose für 2026 sinkt von 44 bis 55 Millionen Euro auf nur noch 5,2 Millionen Euro.
Der Grund: Circus verschiebt geplante Systemauslieferungen aus der zweiten Jahreshälfte 2026 ins Jahr 2027. Das Management drosselt bewusst das Tempo neuer Einführungen. Ziel ist es, die Wirtschaftlichkeit der Technologie zu schärfen, bevor eine globale Skalierung folgt.
Auch beim EBITDA muss der Vorstand nachjustieren. Statt eines Verlustes zwischen 6 und 8 Millionen Euro erwartet Circus nun ein Minus von rund 17 Millionen Euro. Im Vorjahr lag der Umsatz bei 1,6 Millionen Euro, das EBITDA bei minus 18,8 Millionen Euro.
Der operative Aufwand für Onboarding und Service ist laut Unternehmen bisher nicht im geplanten Maße mit der Anzahl der Systeme gewachsen. Bevor die Skalierung weitergeht, will Circus erst die Zuverlässigkeit des gesamten Ökosystems stärken – von der Lieferkette bis zur KI-Roboterwartung.
Neue Führung: Bullwinkel übernimmt allein
Der Vorstand stellte heute auch einen neuen Co-CEO und CFO vor. Der Manager bringt langjährige Erfahrung in Unternehmensstrategie und internationaler Expansion mit, vor allem in der Luftfahrt- und Automobilindustrie.
Die Personalie markiert einen echten Umbau im Führungsteam. Nikolas Bullwinkel führt Circus künftig als alleiniger Managing Director und CEO. Der neue Co-CEO soll die operativen Strukturen professionalisieren.
Der bisherige Co-CEO Claus Holst Gydesen wechselt als Vorsitzender in den Beirat. Der frühere Finanzchef Fabian Becker bleibt dem Unternehmen erhalten – als Berater und als Aufsichtsrat der Circus Defence SE.
Verteidigungssparte: Erster Einsatz in der Ukraine
Trotz der finanziellen Rückschläge meldet Circus operative Fortschritte im Verteidigungssektor. Am 16. Juli 2026 startete der Live-Betrieb robotergestützter Verpflegungssysteme beim 3. Army Corps im Raum Kiew.
Das ist der erste Einsatz der autonomen Systeme in einem aktiven Konfliktumfeld. Circus wertet den Einsatz als Bestätigung für den Fokus auf institutionelle Kunden. Neben der Gemeinschaftsverpflegung soll Verteidigung künftig eines der beiden Kernsegmente bilden.
Blick auf 2027
Der Vorstand betonte im heutigen Call, dass Circus weiterhin ausreichend finanziert sei. Die laufenden Investitionen in Forschung und Entwicklung seien gesichert. Das Unternehmen konzentriert sich nun auf proprietäre Zutatensysteme und die vollständige Autonomie der Lieferkette.
Die heutige Neuausrichtung zeigt eine klare Priorität: Profitabilität auf Systemebene und technologische Stabilität stehen vor kurzfristigem Umsatzwachstum. Der Großteil der Wachstumsdynamik verlagert sich damit auf das Geschäftsjahr 2027 – dort muss Circus die verschobenen Systemeinführungen nun auch tatsächlich liefern.
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