Cerebras: 86 Prozent Umsatz aus UAE-Kunden

Cerebras veröffentlicht ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen. Hohe Kundenkonzentration auf Abu Dhabi und sinkende Bruttomarge belasten die Aktie.

Felix Baarz ·
CEREBRAS SYSTEMS INC - A Aktie

Kurz zusammengefasst

  • 86 Prozent Umsatz aus zwei UAE-Quellen
  • Bruttomarge auf 39 Prozent gesunken
  • Insider-Aktien durch Lock-up-Klausel freigegeben
  • Zehn Analysten raten zum Kauf

Cerebras Systems veröffentlicht diese Woche seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen. Der Verlust je Aktie interessiert dabei kaum jemanden. Was Anleger wirklich bewegt: Kann das Unternehmen beweisen, dass es mehr als ein Abu-Dhabi-Projekt ist?

86 Prozent Umsatz aus zwei Quellen

Die Zahlen aus dem Börsenprospekt sind eindeutig. Im Jahr 2025 entfielen 62 Prozent des Umsatzes auf die Abu Dhabi Universität MBZUAI und weitere 24 Prozent auf den Technologiekonzern G42 — ebenfalls aus den Emiraten. Zusammen stehen zwei UAE-nahe Kunden für rund 86 Prozent der Einnahmen.

Solange diese Kunden wachsen, ist Konzentration kein Problem. Pausiert einer davon, verhandelt neu oder wechselt den Anbieter, trifft das den Kurs sofort. Genau das macht den Kundenmix zur zentralen Schwachstelle.

Was die Zahlen zeigen werden

Der Konsens der Analysten erwartet für das erste Quartal 2026 einen Verlust von 14 Cent je Aktie. Der Umsatz soll bei rund 56,65 Millionen Dollar liegen. Das klingt wenig — ist aber kein Alarmsignal. Cerebras hatte für das Gesamtjahr 2025 rund 510 Millionen Dollar gemeldet. Großaufträge für Hardware fließen unregelmäßig, nicht gleichmäßig über Quartale.

Wichtiger als der Umsatz ist die Bruttomarge. Sie ist bereits auf 39 Prozent gesunken. Cerebras baut sogenannte Wafer-Scale-Chips — riesige Prozessoren, die deutlich komplexer und fehleranfälliger sind als herkömmliche Halbleiter. Das drückt auf die Marge. Wie sich dieser Trend entwickelt, wird das Bild für den Rest des Jahres prägen.

Hinzu kommt die Frage nach dem Auftragsbestand. Cerebras meldet einen Backlog von 24,6 Milliarden Dollar. Wann dieser in Umsatz umgewandelt wird — 2026, 2027 oder erst später — dürfte die Reaktion auf den Bericht maßgeblich bestimmen.

Lock-up und Wettbewerb als Gegenwind

Neben dem Quartalsbericht lauert ein strukturelles Risiko. Über 60 Millionen Insider-Aktien werden bereits mit dem Q2-Bericht freigegeben. Eine ungewöhnliche Klausel im Lock-up-Vertrag erlaubt die vorzeitige Freigabe, sobald die Marktkapitalisierung 40 Milliarden Dollar übersteigt. Diesen Schwellenwert hat Cerebras bereits überschritten. Das erhöht den Angebotsdruck kurzfristig erheblich.

Der Wettbewerb verschärft sich parallel. Nvidia hat kürzlich den Inference-Spezialisten Groq für 20 Milliarden Dollar übernommen — ein direkter Angriff auf das Kerngeschäft von Cerebras. Ferner konkurriert das Unternehmen mit AMD, Google, AWS, Microsoft, Meta sowie Chip-Designfirmen wie Broadcom und Marvell. Cerebras richtet sich gezielt an Hyperscaler und nationale Labore, die Nvidia-Alternativen suchen. Das ist ein echter Markt — aber kein breiter.

Wall Street bleibt optimistisch

Zehn Analysten beobachten die Aktie, alle zehn empfehlen den Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 294 Dollar, das höchste bei 340 Dollar. Zum Vergleich: Der Schlusskurs am 20. Juni lag bei 234,71 Dollar. Morgan Stanley, UBS, Wedbush, Citigroup, Barclays und Needham haben nach Ende der Quiet Period alle mit positiven Ratings gestartet.

Die langfristigen Wachstumsprognosen sind ambitioniert: Umsatz soll jährlich um 43,8 Prozent wachsen, der Gewinn je Aktie um 48,4 Prozent. Diese Projektionen bekommen mit dem Debüt-Quartal ihre erste echte Bewährungsprobe — und der Markt schaut genau hin.

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