Thyssenkrupp Aktie: Analysten treiben Rally an

Thyssenkrupp-Aktie steigt dank positiver Analystenstimmen um fast sechs Prozent. Die neuen Kursziele von bis zu 22 Euro liegen deutlich über dem aktuellen Niveau.

Eduard Altmann ·
Thyssenkrupp Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie springt um 5,9 Prozent
  • DZ Bank stuft auf Kauf hoch
  • BofA erhöht Kursziel auf 22 Euro
  • Spin-off von tk accelis beschlossen

Zwei Kursziel-Anhebungen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Das reicht, um Thyssenkrupp am Freitag um 5,9 Prozent nach oben zu katapultieren. Die Aktie steht bei 13,44 Euro, nur noch 4,4 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,05 Euro.

Die DZ Bank stufte den Titel am Freitag von Hold auf Buy hoch und hob das Kursziel von 11 auf 16 Euro an. Einen Tag zuvor hatte BofA nachgelegt: Kursziel rauf von 19 auf 22 Euro, Einstufung Buy bestätigt. Beide Kursziele liegen damit deutlich über dem aktuellen Niveau.

Die Rally trifft auf einen Konzern mitten im Umbau. Die außerordentliche Hauptversammlung hat der Abspaltung der Werkstoffhandelssparte unter dem neuen Namen tk accelis zugestimmt. Der rechtliche Vollzug ist aber erst für Ende Oktober 2026 geplant. Beschlossen, aber noch nicht vollzogen – das ist der Unterschied, der zählt.

Die entscheidende Frage

Die Kursziele von DZ Bank und BofA implizieren deutliches Aufwärtspotenzial. Doch der Kurs selbst notiert bereits nah am Jahreshoch. Können die operativen Zahlen die frisch geweckten Erwartungen stützen, oder handelt es sich um eine reine Sentiment-Rally rund um den Spin-off?

In den kommenden Wochen dürften Anleger genau darauf schauen: auf Unternehmens-Updates und Quartalszahlen, die zeigen, ob die angehobenen Kursziele fundamental unterlegt sind.

Das bullische Argument

Charttechnisch sieht die Lage stabil aus. Der RSI liegt bei 60,4 – die Aktie ist also noch nicht überkauft. Operativ hat der Konzern zuletzt geliefert: Im dritten Quartal lag der Umsatz bei 8,79 Milliarden Euro und übertraf die Erwartungen. Der bereinigte operative Gewinn stieg um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro.

Thyssenkrupp hob zudem die Untergrenze seiner Jahresprognose an. Statt 500 Millionen Euro peilt der Konzern nun mindestens 600 Millionen Euro beim bereinigten operativen Ergebnis an. Die Obergrenze bleibt bei 900 Millionen Euro.

Mit der geplanten Verselbstständigung von tk accelis dürfte der Konzern seinen Konglomeratsabschlag weiter senken. Nach der bereits abgeschlossenen Abspaltung der Marinesparte TKMS wäre das der nächste Schritt zur schlanken Finanzholding. Die Kurszielanhebungen zeigen: Institutionelle Analysten bewerten das Chancen-Risiko-Profil zunehmend positiver.

Das bärische Risiko

Die Kehrseite: Die Bewertung ist nach dem starken Lauf bereits sportlich. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie um 44 Prozent verteuert. Ein Gutteil der Übernahmefantasie und der Umbau-Story dürfte damit eingepreist sein.

Die Schwankungsanfälligkeit bleibt hoch. Die annualisierte Volatilität liegt bei 42 Prozent – Rücksetzer sind jederzeit möglich, wie der Rückgang von 2,7 Prozent auf Sieben-Tage-Sicht bereits andeutet.

Operativ gibt es Baustellen. Der bereinigte operative Gewinn stieg zwar um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt aber mit 207 Millionen Euro gerechnet – der Konzern blieb hinter den Erwartungen zurück.

Hinzu kommt: Der tk-accelis-Spin-off ist beschlossen, aber rechtlich noch nicht wirksam. Verzögerungen oder eine schwächere Eigenständigkeit der neuen Gesellschaft könnten die aktuelle Kursfantasie belasten. Auch das zyklische Stahlgeschäft bleibt konjunkturabhängig und damit ein Unsicherheitsfaktor für die Gesamtbewertung.

Ausblick

Solange der operative Trend intakt bleibt – steigende Umsätze, angehobene Prognose, positive Analystenreaktionen – spricht mehr für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung in Richtung der neuen Kursziele von 16 bis 22 Euro. Kippt die operative Dynamik, etwa durch erneut verfehlte Ergebniserwartungen oder Verzögerungen bei der Abspaltung, dürfte die Luft für weitere Kursgewinne schnell dünner werden.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der für Ende Oktober 2026 geplante Vollzug der tk-accelis-Abspaltung. Begleitet von weiteren Unternehmens-Updates wird sich zeigen, ob die frisch angehobenen Kursziele fundamental Bestand haben.

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Sektor Industrieunternehmen
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