Optimistische Kursziele, ein prall gefülltes Auftragsbuch – und gleichzeitig klare Warnungen vor nachlassender Profitabilität: Bei der Mercedes-Benz Aktie prallen derzeit zwei Lesarten aufeinander. Während einige Analysten auf Nachholpotenzial verweisen, stellen andere die Gewinnentwicklung im kommenden Jahr in Frage. Im Mittelpunkt steht damit die Frage, wie robust das Geschäftsmodell durch ein erwartbar schwächeres viertes Quartal 2025 kommt.
Analysten: Positive Kursziele, getrübter Gewinnblick
Die Einschätzung von JPMorgan bringt das Dilemma gut auf den Punkt. Die Bank bleibt bei „Overweight“ und einem Kursziel von 70 Euro, warnt aber explizit vor einem Rückgang der Profitabilität im vierten Quartal 2025. Das ist mehr als ein Detail: Für viele Investoren ist die Marge der zentrale Prüfstein, ob der Bewertungsabschlag zur Branche gerechtfertigt ist.
Auch andere Häuser zeichnen ein zweigeteiltes Bild:
- Bernstein Research hebt das Kursziel von 60 auf 66 Euro an, bleibt aber bei „Market-Perform“ und liegt mit seinen Gewinnschätzungen für 2026 bewusst unter dem Marktkonsens.
- Deutsche Bank Research bleibt klar positiv und empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf.
Damit entsteht ein bemerkenswert einheitliches Muster:
Die Aktie wirkt unterbewertet, gleichzeitig rechnen mehrere Analysten mit spürbarem Druck auf die Ergebnisse im Übergang zu 2026. Kurzfristige Enttäuschungen bei der Bilanzvorlage sind also durchaus eingepreist – aber nicht vollständig.
Operative Impulse: Lkw-Auftrag, Preise, Modelloffensive
Abseits der Bewertungsdiskussion liefert das operative Geschäft neue Argumente – sowohl auf der Chancen- als auch auf der Risikoseite.
Ein zentraler Baustein ist ein Großauftrag aus Frankreich: Die Armee bestellt 7.000 Lkw des Typs Zetros. Das stärkt die Sparte der Spezialfahrzeuge und sorgt für planbare Umsätze im staatlichen und behördlichen Bereich. Gerade in einem Umfeld schwankender Konsumentennachfrage kann ein solches Volumen Geschäftsschwankungen im Pkw-Bereich abfedern.
Zweitens nutzt der Konzern seine Preissetzungsmacht in einem wichtigen Wachstumsmarkt. In Indien werden ab Januar 2026 die Preise über das gesamte Modellportfolio hinweg um bis zu 2 % angehoben. Das signalisiert, dass höhere Kosten und Währungseffekte nicht vollständig auf die Marge durchschlagen müssen. Gleichzeitig zeigt der Schritt aber auch, dass der Inflations- und Kostendruck in den Lieferketten keineswegs verschwunden ist.
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Dazu kommt Rückenwind aus der Produktpalette: Der neue Mercedes CLA wird in Europa zum „Car of the Year 2026“ gekürt. Der Preis ist ein wichtiges Signal für die neue MMA-Plattform, die eine Schlüsselrolle in der Elektro- und Effizienzstrategie des Konzerns spielt. Allerdings wird die positive Schlagzeile von Berichten über Rückrufe erster Chargen begleitet – betroffen sind unter anderem Airbags und Assistenzsysteme. Kurzfristig könnten hier Zusatzkosten und Reputationsrisiken entstehen, strategisch bleibt das Modell dennoch zentral.
Die wichtigsten Punkte im Überblick
- JPMorgan bestätigt „Overweight“, warnt aber vor sinkender Profitabilität im Q4 2025
- Bernstein und JPMorgan liegen mit ihren 2026er-Schätzungen unter dem Marktkonsens
- Großauftrag: 7.000 Zetros-Lkw für die französische Armee stärken das Behördengeschäft
- Preiserhöhung in Indien um bis zu 2 % zeigt Pricing Power, aber auch anhaltenden Kostendruck
- Neuer CLA: „Car of the Year 2026“ – jedoch mit anfänglichen Rückrufen
- Quartals- und Jahreszahlen am 12. Februar 2026 als möglicher Wendepunkt
Bewertung und Kursbild: Günstig, aber mit Haken
Fundamental wirkt der Titel derzeit klar günstig. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 8,4 notiert Mercedes-Benz deutlich unter dem Branchenschnitt. Discounted-Cash-Flow-Modelle kommen auf faire Werte, die eine Unterbewertung nahelegen – vorausgesetzt, die von Analysten erwartete Margenschwäche bleibt zeitlich begrenzt.
Chartseitig zeigt sich ein zwiespältiges Bild:
Am Freitag schloss die Aktie bei 58,82 Euro, ein Minus von 0,88 % zum Vortag. Auf Sicht von sieben Tagen ergibt sich ein Rückgang von 2,57 %, in den vergangenen 30 Tagen etwa 1,84 %. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 5,02 %, auf Sicht von zwölf Monaten dagegen ein Plus von 6,65 %.
Auffällig ist der Abstand zu den Extremmarken der letzten zwölf Monate:
- 52-Wochen-Hoch: 70,10 Euro (26.12.2025), aktueller Abstand rund -16 %
- 52-Wochen-Tief: 47,05 Euro (08.04.2025), aktueller Abstand gut +25 %
Der Kurs liegt damit deutlich unter dem Hoch, aber komfortabel über dem Tief – ein klassischer „Mittelbereich“, in dem sich die Erwartungen neu sortieren. Technisch ist die Lage gemischt: Der aktuelle Kurs notiert leicht unter dem 50-Tage-Durchschnitt (60,25 Euro), aber noch spürbar über dem 200-Tage-Durchschnitt (54,74 Euro). Der RSI von 36,3 signalisiert eine eher schwache Dynamik, aber keine klare Überverkauft-Situation.
Ausblick: 12. Februar als Wegweiser
Die Gemengelage aus günstiger Bewertung, soliden Aufträgen und klaren Gewinnwarnungen für das vierte Quartal macht die Bilanzvorlage am 12. Februar 2026 zum entscheidenden Termin. Dann wird sich zeigen, ob die befürchtete Profitabilitätsschwäche tatsächlich so deutlich ausfällt, wie es JPMorgan und Bernstein in ihren 2026er-Prognosen andeuten.
Fallen Marge und Ausblick schwächer aus, könnte der Kurs angesichts der bereits skeptischen Schätzungen vor allem auf die Frage reagieren, ob noch weitere Korrekturen der Erwartungen nötig sind. Bestätigt sich dagegen, dass die Belastungen vor allem auf das Schlussquartal 2025 begrenzt bleiben, hätte die Kombination aus niedrigem KGV, Lkw-Großauftrag und einem ausgezeichneten neuen Modell das Potenzial, die Bewertungsdiskussion in eine positivere Richtung zu drehen.
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