Nebius Aktie: 27-Milliarden-Deal mit Meta
Nebius verliert 15 Prozent an einem Tag. Gewinnmitnahmen und Moody's Warnung zu KI-Investitionen belasten den Kurs.

Kurz zusammengefasst
- Aktie stürzt um 15 Prozent ab
- Moody's warnt vor Kreditrisiken
- Nvidia hält 9,3 Prozent an Nebius
- Umsatz steigt um 684 Prozent
Ein selten heftiger Kurseinbruch hat der Nebius-Aktie am Freitag den fulminanten Wochenstart wieder aufgezehrt. An der Nasdaq schloss das Papier bei 187,77 US-Dollar, ein Minus von 15,02 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 220,97 Dollar. Im deutschen Handel notierte die Aktie zum Freitagsschluss bei 165,20 Euro, ebenfalls fast 15 Prozent tiefer. Damit löschte der Rutsch einen Großteil des Kursschubs vom Dienstag aus, als Nvidias offengelegte Beteiligung die Aktie noch um mehr als 18 Prozent nach oben katapultiert hatte.
Gewinnmitnahmen treffen den gesamten KI-Infrastruktursektor
Auslöser des Ausverkaufs war keine unternehmensspezifische Hiobsbotschaft, sondern eine sektorweite Risikoaversion gegenüber KI-Infrastrukturwerten. Auch Wettbewerber wie CoreWeave und IREN gerieten unter Druck. Verstärkt wurde die Nervosität durch eine Warnung der Ratingagentur Moody’s, wonach die massiv steigenden Investitionsausgaben großer Technologiekonzerne die Kreditqualität mehrerer Cloud- und KI-Anbieter belasten könnten. Moody’s bezifferte die branchenweiten Investitionsausgaben für 2026 auf rund 785 Milliarden Dollar und erwartet für 2027 einen Anstieg auf nahezu eine Billion Dollar. Parallel dazu mussten Anleiheinvestoren rund um Metas geplanten Zwölf-Milliarden-Dollar-Bond für ein texanisches Rechenzentrum höhere Renditen durchsetzen – ein Signal dafür, dass der Kapitalmarkt die Finanzierung des KI-Booms zunehmend kritisch beäugt. Das Handelsvolumen bei Nebius schoss auf rund 4,77 Milliarden Dollar und machte die Aktie zur meistgehandelten des Tages, ein Plus von über 40 Prozent gegenüber dem Vortag.
Technisch zeigt sich das Bild angeschlagen: Der Relative-Stärke-Index (RSI) über 14 Tage liegt bei 42,6 und damit im neutralen Bereich, was auf eine abgekühlte, aber nicht überverkaufte Stimmung hindeutet. Auf Sicht von 30 Tagen hat die Aktie rund ein Viertel an Wert verloren, während sie seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im Plus notiert.
Nvidia-Milliarden und Meta-Großauftrag bleiben der fundamentale Anker
Hinter dem kurzfristigen Ausverkauf steht paradoxerweise eine der stärksten Nachrichten des Jahres für Nebius. Nvidia hatte in der vergangenen Woche über eine Meldung nach Schedule 13G offengelegt, rund 22,3 Millionen Aktien und damit 9,3 Prozent an Nebius zu halten – ein Investment von etwa zwei Milliarden Dollar, wobei der Großteil der Position aus Optionsscheinen besteht, die erst ab dem 11. September 2026 ausübbar sind. Begleitet wurde die Beteiligung von Berichten über einen Vertrag mit Meta über bis zu 27 Milliarden Dollar für dedizierte KI-Kapazität über fünf Jahre, zusätzlich zu einem bestehenden Microsoft-Auftrag über 17 Milliarden Dollar. Insgesamt sollen die Buchungen des Unternehmens mittlerweile mehr als 40 Milliarden Dollar überschreiten. Nebius plant, bis 2030 mehr als fünf Gigawatt an Nvidia-Systemen auszurollen, und hat kürzlich das erste Vera-Rubin-NVL72-Rack in Finnland validiert.
Um die Expansion zu finanzieren, hatte sich Nebius am 20. Juli eine besicherte Kreditfazilität über 775 Millionen Dollar von der japanischen Bank MUFG gesichert, verzinst mit dem Referenzsatz SOFR plus 2,50 Prozentpunkte und fällig Ende Oktober 2030. Zugleich stellte das Unternehmen ein neues Asset-Light-Partnerschaftsmodell vor, das die Kapitalintensität künftiger Rechenzentrumsprojekte reduzieren soll – angesichts einer für 2026 erwarteten Investitionssumme von 20 bis 25 Milliarden Dollar ein für Anleger relevanter Baustein.
Insiderverkäufe und geteilte Analystenmeinungen
Für zusätzliche Vorsicht sorgen jüngste Insidertransaktionen: CEO Volozh und der Finanzchef verkauften in den vergangenen drei Monaten zusammen 668.405 Aktien im Volumen von rund 140 Millionen Dollar, allein Volozh setzte Papiere im Wert von 10,98 Millionen Dollar ab. Solche Verkäufe fallen in eine Phase, in der Short-Positionen nach jüngeren Angaben rund 24 Prozent der frei handelbaren Aktien ausmachen.
Die Analystenlager bleiben gespalten. Northland hob sein Kursziel jüngst auf 410 US-Dollar an, Baird stufte die Aktie auf Strong Buy hoch. Der breitere Konsens fällt deutlich vorsichtiger aus und bewegt sich meist zwischen 222 und 259 Dollar bei überwiegend „Moderate Buy“-Einstufungen. Auch das Bewertungsniveau bleibt Diskussionsthema: Je nach Berechnungsgrundlage wird ein Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 60 und über 100 genannt, weit über dem Branchenschnitt von rund 27. Für Anleger bedeutet das: Das operative Wachstum – der Umsatz stieg im ersten Quartal um rund 684 Prozent auf 399 Millionen Dollar – bleibt intakt, doch die Bewertung lässt kaum Raum für Enttäuschungen.
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