TKMS Aktie: Absichtserklärung mit Fincantieri unterzeichnet
TKMS baut Kooperationen mit Fincantieri und Navantia aus, während Auftragsbestand und operative Kennzahlen wachsen, die Aktie jedoch nachgibt.

Kurz zusammengefasst
- Partnerschaften mit Fincantieri und Navantia
- Auftragsbestand erreicht 20,1 Milliarden Euro
- Umsatz und bereinigtes EBIT gestiegen
- Aktie 23 Prozent unter Jahreshoch
TKMS vertieft seine internationalen Kooperationen im U-Boot-Geschäft. Vor gut einer Woche unterzeichnete der Marineschiffbauer mit Fincantieri eine umfassende Absichtserklärung, die die Partnerschaft im U-Boot- und Unterwasserbereich vertiefen soll.
Ein gemeinsamer Kooperationsrahmen wird bis Jahresende angestrebt, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Damit setzt TKMS eine Strategie fort, die bereits im Juli mit einer zweiten Absichtserklärung mit dem spanischen Werftkonzern Navantia sichtbar wurde – auch dort soll bis Jahresende ein gemeinsamer Rahmen für Produktion und Vermarktung ausgewählter U-Boot-Projekte stehen.
Die beiden Vereinbarungen zeigen, wie TKMS versucht, seine Position im europäischen U-Boot-Markt strukturell abzusichern. Statt einzelner Länderaufträge geht es um Plattformen für künftige gemeinsame Projekte mit den beiden großen südeuropäischen Werftkonzernen – ein Signal an Marinen, die perspektivisch über neue U-Boot-Programme entscheiden.
Auftragsbestand bleibt der eigentliche Wertträger
Hintergrund der Partnerschaftsoffensive ist ein bereits gut gefüllter Auftragsbestand. Ende Januar hatte die norwegische Regierung TKMS mit zwei weiteren U-Booten der Klasse 212CD beauftragt, wodurch sich der norwegische Gesamtbestand von vier auf sechs Einheiten erhöhte.
Dieser Auftrag ist längst in den Zahlen verarbeitet: Zu den am 12. August vorgelegten Neun-Monats-Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 meldete TKMS einen Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro, zuzüglich weiterer 6,3 Milliarden Euro für vier MEKO-A-200-Fregatten für Deutschland, die nach dem Bilanzstichtag hinzukamen.
Operativ lief das Geschäft ebenfalls rund: Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT legte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro zu.
TKMS hob daraufhin vor rund einem Monat die Jahresprognose zum zweiten Mal an – Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent statt zuvor 2 bis 5 Prozent, eine bereinigte EBIT-Marge von bis zu 6,5 Prozent statt zuvor über 6 Prozent. Seither hat die Aktie allerdings rund 13,4 Prozent verloren.
Kurs unter Druck trotz operativer Stärke
Die Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf zeigt sich auch aktuell: Die Aktie notiert bei 83,50 Euro und liegt damit 23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, das Mitte August erreicht wurde. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 26 Prozent zu Buche – die Rekordgewinne aus der ersten Jahreshälfte wurden also nur teilweise abgegeben, nicht ausgelöscht.
Bernstein Research hatte das Kursziel für TKMS Mitte August von 76 auf 125 Euro angehoben und das Rating von „Market-Perform“ auf „Outperform“ hochgestuft – zu einem Zeitpunkt, als die Aktie noch deutlich höher notierte.
Angesichts der seither vergangenen Zeit lässt sich diese Einschätzung nicht mehr als aktuelle Analystenmeinung werten, sie markiert aber den Kontrast zwischen der optimistischen Einschätzung vom Sommer und der seitherigen Kursschwäche.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die Partnerschaften mit Fincantieri und Navantia den Auftragsbestand mittelfristig weiter absichern können, während der Kurs kurzfristig unter allgemeinem Sektordruck und Gewinnmitnahmen leidet. Operativ liefert TKMS mit steigenden Margen und einem prall gefüllten Orderbuch die Substanz – die Bewertungsfrage entscheidet der Markt derzeit unabhängig davon.
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