Interviewmit Eduard Altmann

BioNTech Aktie: Macht geteilter Gewinn die Krebsforschung wertvoller?

Geteilte Entwicklungskosten stützen die Bewertung, doch BNT113 liefert bislang keinen signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über BioNTech
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Rund 115 Euro als Zwölfmonatswert
  • Bristol Myers Squibb teilt Entwicklungskosten
  • BNT113-Prüfung zum Gesamtüberleben läuft weiter
  • Gilead-Vereinbarung schafft Therapierahmen

BNT113 hat in der Studie AHEAD-MERIT beim progressionsfreien Überleben keinen statistisch signifikanten Vorteil gezeigt; die Prüfung des Gesamtüberlebens läuft weiter. Wie viel Bewertung trägt BioNTechs Krebsforschung damit schon heute? Eduard Altmann prüft den Fall vor allem daran, wie Partnerschaften das Entwicklungsrisiko verändern und welcher Behandlungserfolg noch belegt werden muss.

BioNTech (US09075V1026) — Schlusskurse 27.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 23.10.2026.

BioNTech (US09075V1026) — Schlusskurse 27.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 23.10.2026.

Stock World Redaktion: Ihr faires Niveau liegt praktisch beim Analysten-Konsens. Warum braucht es Ihre Analyse, wenn am Ende dieselbe Bewertung herauskommt?

Eduard Altmann: Weil dieselbe Zahl auf sehr unterschiedlichen Erwartungen beruhen kann. Mein faires Zwölfmonatsniveau liegt bei rund 115 Euro. Ich begründe das vor allem mit der Risikoteilung in der Krebsentwicklung, weniger mit einem schnellen Ersatz der früheren COVID-Erträge.

Bei Pumitamig teilt BioNTech mit Bristol Myers Squibb grundsätzlich Entwicklungskosten und spätere Gewinne beziehungsweise Verluste. Ein kleinerer Gewinnanteil kann mehr wert sein.

Die finanzielle Last einer alleinigen Entwicklung fällt schließlich ebenfalls weg. Das macht die Rechnung für mich belastbarer, obwohl der klinische Erfolg offenbleibt. Wer dagegen mögliche Meilensteinzahlungen bereits wie sichere Einnahmen behandelt, räumt der Bewertung zu viel Vorschuss ein.

Stock World Redaktion: „Ein kleinerer Gewinnanteil kann mehr wert sein“, sagen Sie. Reden Sie sich damit die Abgabe künftiger Erträge schön?

Eduard Altmann: Sie lesen den kleineren Anteil als Schwäche; ich sehe darin zunächst eine Entlastung. Geteilte Gewinne können die Krebsforschung wertvoller machen. Allein müsste BioNTech die Entwicklung auch selbst bezahlen.

Stock World Redaktion: Welche bereits belegte Substanz rechtfertigt dann Ihre positive Bewertung, solange die Krebsprogramme noch keinen verlässlichen Ertrag liefern?

Eduard Altmann: Das Patentportfolio, die Erfahrung mit Zulassungen und die technisch anspruchsvolle patientenspezifische Herstellung haben wirtschaftlichen Wert. Gerade die individualisierte Krebsbehandlung lässt sich schwer nachbauen. Diese Fähigkeiten erkenne ich ausdrücklich an. Aus ihnen folgt allerdings noch kein verkäufliches Krebsmedikament.

Meine Rechnung trägt nur, wenn die Onkologie belastbare Wirksamkeitsnachweise liefert und der Aufwand beherrschbar bleibt. Deshalb bewerte ich die Programme mit deutlichen Abschlägen für mögliche Fehlschläge.

Das COVID-Geschäft bekommt dabei wenig Vorschuss. Die nachlassende Nachfrage kommt aus dem Marktumfeld; eine neue angepasste Zulassung ist eigene regulatorische Leistung, hebt diese Nachfrageschwäche jedoch nicht auf. Auch die US-Anwendungsregeln begrenzen die Absatzplanung. Die frühere Pandemieökonomie taugt für mich kaum als Maßstab.

Stock World Redaktion: Bei BNT113 fehlt der Vorteil beim progressionsfreien Überleben, zugleich empfiehlt das Überwachungsgremium die Fortsetzung. Legen Sie mit Ihren Abschlägen die Studie vorschnell zu den Fehlschlägen?

Eduard Altmann: Nein, ich behandle BNT113 weiterhin als offenen Wertbeitrag. Der am 13. Oktober gemeldete Befund schwächt die Aussicht auf einen Behandlungserfolg. Ihn wegzuerklären wäre zu bequem.

Nach dem vorab festgelegten statistischen Design kann ein signifikanter Vorteil beim Gesamtüberleben weiterhin ein positives Studienergebnis begründen. Dafür muss die Studie weiterlaufen. Die Empfehlung des Gremiums hält diese Prüfung offen, sie bestätigt noch keine Wirkung.

Für meine Bewertung heißt das: weniger Vertrauen in diesen einzelnen Baustein, ohne die gesamte Onkologieentwicklung abzuschreiben. Auch die jüngste Vereinbarung mit Gilead schafft zunächst einen Rahmen für eine weitere Kombinationstherapie. Eine Unterschrift bekommt bei mir deutlich weniger Gewicht als ein überzeugendes Behandlungsergebnis.

Stock World Redaktion: Medien berichten über verunsicherte Beschäftigte wegen des Umbaus und der Gründerpläne. Wie gefährlich wird diese Unruhe für eine Bewertung, die ohnehin von ausstehenden Erfolgen abhängt?

Eduard Altmann: Gefährlich wird sie, wenn daraus Verzögerungen oder der Verlust wichtiger Fähigkeiten entstehen. Die Berichte belegen zunächst Unzufriedenheit und offene Fragen. Einen bereits eingetretenen Schaden an der Entwicklung kann ich daraus nicht ableiten.

Die geplante neue mRNA-Gesellschaft der Gründer ist noch nicht final vereinbart. Deshalb bleibt entscheidend, welche Aufgaben und Fähigkeiten bei BioNTech liegen und wie klar die Verantwortung während des Führungswechsels geregelt wird. Den Umbau muss das Unternehmen selbst bewältigen; dafür kann es weder die Impfstoffpolitik noch die schwächere COVID-Nachfrage verantwortlich machen.

Ungeschönt: Wiederholte klinische Enttäuschungen bei weiter hohem Aufwand würden meine Rechnung kippen. Wenn zusätzlich der Umbau die Entwicklung bremst, wären die heutigen Bewertungsabschläge zu klein. Das lässt sich durch gute Patente allein nicht auffangen.

Stock World Redaktion: Ihre Rechnung trägt nur, wenn die Onkologie belastbare Wirksamkeitsnachweise liefert und der Aufwand beherrschbar bleibt. Solange dieser Nachweis aussteht, welches Gesamturteil folgt daraus für die Bewertung?

Eduard Altmann: Ich halte BioNTech für vorsichtig attraktiv bewertet. Die Partnerschaften und die technologische Substanz rechtfertigen mehr Wert, als das schwächer werdende COVID-Geschäft allein hergibt. Am stärksten gewichte ich die geteilten Entwicklungskosten; BNT113 mahnt mich, beim erwarteten Behandlungserfolg streng zu bleiben. Der Bewertungsabstand erscheint mir plausibel, seine Bestätigung muss aus den Studien kommen.

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BioNTech Aktie

78,85 EUR

– 1,10 EUR -1,38 %
KGV —
KUV 8,73
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 20,99 Mrd. EUR
Ø Kursziel 104,14 EUR
ISIN: US09075V1026 WKN: A2PSR2

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