BMW Aktie: Von Boxberg übernimmt Personalressort
Dorothea von Boxberg übernimmt bei BMW vor dem geplanten Abbau von 8.000 Stellen. Der Kapitalmarkttag soll weitere Klarheit bringen.

Kurz zusammengefasst
- Von Boxberg übernimmt Personalressort
- Freiwilliger Abbau von 8.000 Stellen
- BMW senkt Gewinnprognose für 2026
- Kapitalmarkttag Ende September geplant
Dorothea von Boxberg hat am 1. September ihr Amt als Arbeitsdirektorin und Personalvorständin bei BMW angetreten. Die 52-Jährige, zuvor Chefin von Brussels Airlines, folgt auf Ilka Horstmeier. Ihr Einstand fällt in eine Phase, in der der Münchner Autobauer einen der größten Umbauten seiner jüngeren Geschichte organisiert.
Stellenabbau als zentrale Aufgabe
Von Boxbergs wichtigste Baustelle ist bereits terminiert: Ab Oktober startet ein freiwilliges Abbauprogramm, das bis Ende 2027 rund 8.000 Arbeitsplätze weltweit kosten soll. Betroffen sind vor allem Verwaltung und Entwicklung, nicht die Produktion.
BMW will die Reduktion sozialverträglich über Vorruhestand, Nichtverlängerung befristeter Verträge und freiwillige Vertragsaufhebungen gestalten. Ab 2028 sollen daraus jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro resultieren. Für die neue Personalvorständin bedeutet das: Sie muss den größten Personalumbau der letzten Jahre verhandeln, kaum dass sie im Amt ist.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. BMW hatte Mitte Juni die Gewinnprognose für 2026 deutlich gesenkt – die EBIT-Marge im Automobilgeschäft soll nur noch zwischen 1 und 3 Prozent statt der ursprünglich anvisierten 4 bis 6 Prozent liegen. Als Gründe nannte der Konzern die Marktkrise in China, den Nahost-Konflikt sowie Einmalkosten aus Sparmaßnahmen von rund einer Milliarde Euro.
Die im Juni gemeldeten Halbjahreszahlen bestätigten den Ergebniseinbruch, das Konzern-Ergebnis vor Steuern fiel im ersten Halbjahr um 29,4 Prozent auf gut 4 Milliarden Euro. Seit der Vorlage dieser Zahlen vor rund einem Monat hat sich die Aktie um 3,7 Prozent erholt, seit der Ankündigung des Abfindungsprogramms um 5,8 Prozent.
Kapitalmarkttag als nächster Prüfstein
Die eigentliche Nagelprobe für BMW und seine neue Führungsmannschaft steht Ende September an: Am 29. und 30. September veranstaltet der Konzern seinen ersten Kapitalmarkttag unter der neuen operativen Führung von CEO Milan Nedeljković. Im Zentrum stehen die Modelloffensive der „Neuen Klasse“, weitere Kostensenkungen und die künftige Finanzstärke des Konzerns.
Deutsche Bank Research erwartete Anfang September eine eher evolutionäre als revolutionäre Strategiepräsentation und hielt das Kursziel von 90 Euro bei einer „Buy“-Einstufung aufrecht – allerdings mit dem Hinweis, dass BMW seine Margenzielspanne möglicherweise um zwei Jahre bis Anfang der 2030er-Jahre verschieben könnte.
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt stabilisiert: Am Freitag schloss das Papier bei 62,90 Euro, ein Plus von 1,6 Prozent auf Tagesbasis. Vom 52-Wochen-Hoch bei 97,90 Euro im Dezember trennen den Kurs allerdings weiterhin 36 Prozent – ein Abstand, der die tiefen Spuren der Gewinnwarnung und der China-Schwäche in der Bewertung widerspiegelt.
Elektrifizierung läuft, doch Belastungen bleiben
Operativ zeigt der Konzern Fortschritte bei der Elektrifizierung: Im August übergab BMW sein zweimillionstes vollelektrisches Fahrzeug, einen i5 M60 xDrive, an einen Kunden. Das Werk München hat die Serienproduktion des BMW i3 gestartet und soll ab 2027 komplett auf Elektroautos umgestellt sein.
In Europa entfällt inzwischen jedes dritte bestellte batterieelektrische Fahrzeug auf den iX3. Diese Fortschritte ändern jedoch wenig an der Kernherausforderung: Der chinesische Markt bleibt schwach, und Analysten wie das Team von Citigroup sehen die Erwartungen an BMW inzwischen so niedrig angesetzt, dass sie Ende August eine „Positive Catalyst Watch“ bis zum Kapitalmarkttag eröffneten – bei gleichzeitig neutralem Rating. Ob von Boxberg ihren Einstand mit einem Befreiungsschlag verbinden kann, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
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