SanDisk: 36,43-Prozent-Talfahrt in einer Woche

SanDisk-Aktie fällt auf 52-Wochen-Tief, verliert über 50% seit Juni. Trotz starkem Cash-Bestand und Aktienrückkauf belasten Branchen- und Zinssorgen den Kurs.

Andreas Sommer ·
SANDISK Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie erreicht neues Jahrestief
  • Wöchentlicher Verlust von über 36 Prozent
  • Starke Bilanz mit Milliarden-Cashreserve
  • Quartalszahlen am 5. August erwartet

SanDisk-Aktionäre erleben einen der brutalsten Kurseinbrüche der jüngeren Chipbranche. Die Aktie fiel am Mittwoch auf ein neues 52-Wochen-Tief von 880 Euro, bevor sie sich bei 890 Euro einpendelte. Das entspricht einem Tagesminus von 8,25 Prozent — und ist nur der jüngste Baustein einer Talfahrt, die den Wert binnen einer Woche um 36,43 Prozent gedrückt hat.

Seit dem Rekordhoch im Juni hat der Speicherchiphersteller mehr als die Hälfte seines Börsenwerts verloren. Über einen Monat gerechnet steht ein Minus von 50,56 Prozent zu Buche. Der RSI von 33 signalisiert eine überverkaufte Aktie — technisch ein Hinweis auf Erholungspotenzial, fundamental aber kein Freifahrtschein.

Speicherbranche insgesamt unter Druck

Der Auslöser der jüngsten Verkaufswelle wirkt auf den ersten Blick paradox. Der chinesische Speicherhersteller CXMT ging am 27. Juli in Shanghai an die Börse und schoss am ersten Handelstag um 466 Prozent nach oben. Binnen drei Handelssitzungen verlor SanDisk daraufhin 24 Prozent — noch bevor am 5. August die Quartalszahlen anstehen.

Das Problem: CXMT stellt DRAM-Chips her. SanDisk verkauft gar kein DRAM, sondern ist ein reiner NAND-Flash-Hersteller. Die Verbindung zum eigenen Geschäft ist also dünn. Trotzdem fiel die Aktie fast so stark wie die der tatsächlichen CXMT-Konkurrenten Micron und SK Hynix.

Analysten von TradingKey nennen handfestere Gründe für den Ausverkauf. Eine enttäuschende Umsatzprognose und schwache Nachfrage aus dem Unternehmenssegment drücken den Kurs. Hinzu kommen sinkende NAND-Wafer-Preise, verschärfter Wettbewerb in der Branche sowie steigende Inflationssorgen und eine restriktivere Zinserwartung an die US-Notenbank.

Der Ausverkauf zog sich durch die ganze Woche. Am Freitag verlor die Aktie 10,8 Prozent, am Montag folgten weitere 11 Prozent. Firmenspezifische Nachrichten gab es an beiden Tagen nicht — Speicherchip- und KI-Infrastrukturwerte fielen einfach als Gruppe. Noch vor einem Monat galten Speicherchips als Lieblingsthema der Wall Street im KI-Boom. Jetzt sind SanDisk, Micron und Western Digital gemeinsam auf dem Rückzug.

Die Bilanz gibt Rückhalt

Trotz des heftigen Kursverfalls hat sich die finanzielle Basis von SanDisk deutlich verbessert. Zum Ende des April-Quartals hielt das Unternehmen 3,74 Milliarden Dollar in bar. Der Kredit über 2 Milliarden Dollar ist vollständig zurückgezahlt, zusätzlich hat der Vorstand ein Aktienrückkaufprogramm über 6 Milliarden Dollar genehmigt.

Das ist eine deutlich robustere Ausgangslage als noch 2023 und 2024, als SanDisk mit negativem freiem Cashflow kämpfte. Allerdings schützt die Kassenreserve nicht vor den Preisdynamiken im NAND-Markt. Sie verschafft Zeit — die Preisbildung selbst kann das Unternehmen damit nicht steuern.

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, wie stark das Geschäft an den Preisen hängt. Im dritten Fiskalquartal stieg der Umsatz um 97 Prozent auf 5,95 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte von 6,20 auf 23,41 Dollar, die bereinigte Bruttomarge verbesserte sich um 27,3 Prozentpunkte auf 78,4 Prozent.

Getrieben wurde dieser Sprung vor allem durch die Preisentwicklung, nicht durch höhere Absatzmengen. Der Preis pro Gigabyte legte um 248 Prozent zu, während die verkaufte Datenmenge in Exabyte auf Vorjahresniveau verharrte.

Blick auf den 5. August

Die Aufmerksamkeit der Investoren richtet sich nun auf den Ergebnisbericht zum vierten Fiskalquartal und das Gesamtjahr 2026. SanDisk hat die Telefonkonferenz für den 5. August angesetzt und erwartet einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden Dollar.

Beim Blick auf die Marge bleibt das Management optimistisch. Für das vierte Quartal wird eine bereinigte Bruttomarge zwischen 79 und 81 Prozent angepeilt — nach 78,4 Prozent im Vorquartal und lediglich 51,1 Prozent zwei Quartale zuvor. Diese Zielspanne deutet darauf hin, dass sich die Preisstärke im NAND-Geschäft fortsetzen könnte.

Einen detaillierten Ausblick auf das Fiskaljahr 2027 wird SanDisk erst beim Investor Day im August liefern. Mit einem Kurs, der kaum über dem frischen Jahrestief notiert, dürften die Zahlen zum 5. August und der anschließende Investor Day darüber entscheiden, ob sich der Ausverkauf stabilisiert oder in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt.

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