iShares MSCI Global Semiconductors ETF: TSMC-Zahlen am 16. Juli

Zinssorgen und Lieferketten-Druck lassen Halbleiter-ETF um 3 Prozent fallen. Analysten sehen Korrektur als temporären Rücksetzer im Zyklus.

Dieter Jaworski ·
iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF USD Acc Aktie

Kurz zusammengefasst

  • ETF fällt um drei Prozent
  • Fed-Kurswechsel belastet Bewertungen
  • SK Hynix drosselt Speicherausbau
  • TSMC und Intel liefern nächste Signale

Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF fällt am Montag um 3,00 Prozent auf 18,43 Euro. Damit liegt der Fonds jetzt 14,38 Prozent unter seinem Rekordhoch von 21,52 Euro vom 22. Juni 2026. Der Rücksetzer ist Teil einer breiteren Neubewertung von KI-Chipaktien, die seit Anfang Juli anhält.

Warsh dreht die Zinsschraube

Der Auslöser sitzt in Washington. Die US-Notenbank unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh schlägt einen deutlich härteren Kurs ein. Bei seiner ersten Sitzung im Juni hielt Warsh die Federal Funds Rate zwar bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Neun von achtzehn Entscheidungsträgern befürworteten aber bereits Zinserhöhungen.

Das ist eine Kehrtwende. Im März hatte noch niemand im Fed-Gremium eine Erhöhung erwartet. Das Komitee rechnete damals sogar mit einer Zinssenkung für 2026.

Für hoch bewertete KI-Chipwerte ist das Gift. Steigen die Zinsen, sinkt der heutige Wert künftiger Gewinne — und genau auf diesen künftigen Gewinnen basieren die Bewertungen der Branche. Ein robuster US-Arbeitsmarktbericht verstärkte die Erwartung weiterer Zinsschritte zusätzlich.

Hinzu kommt Druck aus der Lieferkette. Berichte über eine Verlangsamung beim Ausbau der HBM-Speicherproduktion bei SK Hynix schürten Sorgen um Angebotsengpässe. Manche Anleger befürchten dadurch auch eine nachlassende Nachfragedynamik im KI-Sektor.

Ausmaß des Ausverkaufs

Die Zahlen zeigen, wie breit der Rücksetzer wirkt. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor 10,8 Prozent. Der VanEck Semiconductor Index fiel binnen zehn Handelstagen um 13 Prozent, der iShares Semiconductor ETF allein in der vergangenen Woche um 8 Prozent.

Insgesamt löschte der Sektor rund 1,3 Billionen Dollar an Marktwert aus. Intel, Micron, AMD und Samsung gerieten alle unter Druck. Analysten sehen die Ursache weniger in nachlassender Nachfrage als in einer Mischung aus Ängsten: Zweifel an der Rendite von KI-Infrastrukturinvestitionen, Bewertungen auf Dotcom-Niveau und eine restriktivere Fed.

Manche Strategen ziehen historische Vergleiche. Ein Bubble-Risk-Indikator von BofA-Stratege Michael Hartnett kletterte auf 0,91 — deutlich über dem Wert des Nasdaq 100 von 0,69. Überkaufte Marktbedingungen dieses Ausmaßes gab es zuletzt im Juni 2000, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase.

Optimisten setzen auf Gewinne und Engpässe

Nicht alle Marktbeobachter deuten den Rückgang als Beginn eines langen Abwärtstrends. Viele Analysten werten den Ausverkauf als „Reset mitten im Zyklus“ und halten an ihren Kurszielen für Chiphersteller wie Nvidia und Micron fest. Die Begründung: FactSet erwartet für das zweite Quartal 2026 ein Gewinnwachstum der Halbleiterbranche von 131 Prozent.

Wedbush-Analyst Dan Ives gehört zu den optimistischeren Stimmen und sieht im aktuellen Zyklus noch Potenzial. Auch die Angebotsseite stützt diese These: Der Markt für High-Bandwidth-Memory, einen zentralen Treiber des Sektorwachstums, ist laut CNBC bis weit ins Jahr 2027 ausverkauft.

Zwei Termine dürften die kurzfristige Richtung vorgeben. TSMC legt am 16. Juli Zahlen vor, Intel folgt am 23. Juli. Beide Werte stecken im Portfolio des ETFs und liefern erste Hinweise darauf, ob die hohen Erwartungen an den Sektor noch tragen.

Charttechnik bleibt uneindeutig

Trotz des Rückgangs seit dem Junihoch steht der Fonds für das laufende Jahr weiterhin klar im Plus, mit einem Zuwachs von 86,67 Prozent seit Jahresbeginn. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 18,37 Euro und damit knapp unter dem aktuellen Kurs. Der 100-Tage-Durchschnitt von 15,16 Euro zeigt, wie weit der Fonds selbst nach der Korrektur noch über seinem mittelfristigen Trend liegt.

Der RSI von 46,9 signalisiert derzeit weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 70,23 Prozent macht aber deutlich, wie unruhig der Handel seit Beginn der Neubewertung geworden ist. Die Geschäftszahlen von TSMC und Intel in den kommenden zwei Wochen werden zeigen, ob die Branche die hohen Erwartungen noch erfüllen kann.

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