Nvidia Aktie: 50-Milliarden-Leasing mit Hut 8

Nvidia schließt Rechenzentrums-Mietvertrag über bis zu 50 Mrd. Dollar, während Chip-Sektor massiv an Wert verliert.

Eduard Altmann ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Chip-Sektor verliert eine Billion Dollar
  • Nvidia als Ankermieter in Texas identifiziert
  • 50-Milliarden-Dollar-Deal mit Hut 8
  • Aktie fällt trotz Mega-Vertrag

Zwei Kräfte ziehen an der Nvidia-Aktie in entgegengesetzte Richtungen. Auf der einen Seite ein brutaler Ausverkauf, der Chip-Werten weltweit über eine Billion Dollar an Marktwert gekostet hat. Auf der anderen Seite die Bestätigung eines der größten Rechenzentrums-Verträge der US-Firmengeschichte. Die Aktie notiert bei 168,76 Euro, ein Plus von 1,56 Prozent am Tag — nach einer Woche, die den Kurs um über acht Prozent nach unten gedrückt hat.

Chip-Sektor verliert eine Billion Dollar

Der Auslöser kam aus Asien. SK Hynix meldete einen Rekordumsatz von 79,32 Billionen Won im zweiten Quartal, ein Plus von 257 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Gewinn schoss um 557 Prozent auf 60,54 Billionen Won nach oben.

Beide Werte verfehlten trotzdem die Erwartungen der Wall Street. Das reichte, um eine Verkaufswelle durch den gesamten Speicherchip-Sektor zu schicken.

Nvidia selbst verlor seit Freitag rund 238 Milliarden Dollar an Marktwert. SK Hynix, Samsung Electronics und Micron kamen zusammen auf Verluste von über 460 Milliarden Dollar. Hinzu kommt Sorge über Chinas Ambitionen: Der Speicherchip-Hersteller CXMT feierte einen starken Börsenstart, während Berichte über Fortschritte bei chinesischer Chip-Fertigungstechnik die Stimmung zusätzlich belasteten.

Charlie Dai, Analyst bei Forrester, ordnet die Bewegung ein: Investoren würden neu bewerten, ob kurzfristige Umsätze die beispiellosen Ausgaben für KI-Infrastruktur rechtfertigen. Es gehe „weniger um schwächelnde KI-Nachfrage als um eine Neubepreisung der Erwartungen nach einer außergewöhnlich starken Rally“. Der Vermögensverwalter Aberdeen sieht in dem Rückgang sogar eine Kaufchance — die Bewertungen seien jetzt attraktiver.

Nvidia als Ankermieter in Texas enttarnt

Während der Sektor taumelt, verdichtete sich diese Woche eine zweite Geschichte. Die Financial Times berichtete unter Berufung auf fünf informierte Personen, dass Nvidia Leasingverträge im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar für ein Rechenzentrum von Hut 8 in Texas unterschrieben hat.

Hut 8 hatte den Basisvertrag für seinen Beacon-Point-Campus mit einem Gigawatt Kapazität bereits beziffert: 19,6 Milliarden Dollar über 15 Jahre, bis zu 50,2 Milliarden Dollar bei Ausübung aller Verlängerungsoptionen. Den Mieter nannte das Unternehmen damals nicht — nur einen „bestehenden Investment-Grade-Kunden“.

Die Anlage entsteht auf 525 Acres Fläche und folgt Nvidias eigener DSX-Referenzarchitektur für KI-Fabriken im Gigawatt-Maßstab. Hut 8 plant, den Standort im ersten Quartal 2027 in Betrieb zu nehmen, eine zweite Bauphase soll im zweiten Quartal 2028 folgen. Der Financial-Times-Bericht legt nahe, dass Nvidia die Fläche an seine „Neocloud“-Partner untervermieten könnte — jene Firmen, die Nvidia-Chips kaufen und daraus Cloud-Computing-Leistung verkaufen.

Nvidia selbst hat den Deal bislang nicht direkt bestätigt. Das Unternehmen erklärte lediglich, mit Ökosystem-Partnern an der schnelleren Umsetzung seiner DSX-Architektur zu arbeiten — ohne die konkrete Hut-8-Partnerschaft zu bestätigen oder zu dementieren.

Sorge vor zirkulärer Finanzierung

Der Hut-8-Deal trifft auf eine Debatte, die bereits läuft. Nvidia soll parallel dazu Gespräche führen, um Schulden von OpenAI in Höhe von 250 Milliarden Dollar abzusichern. Bereits im laufenden Jahr sicherte sich Nvidia im Rahmen einer 5-Gigawatt-Vereinbarung mit IREN einen Optionsschein über 2,1 Milliarden Dollar.

Berichte über die OpenAI-Garantie hatten den Kurs bereits einmal erschüttert. Am Montag verlor die Aktie fünf Prozent, am Dienstag setzten sich die Verluste fort — Anleger fürchteten ein zirkuläres Finanzierungsgeflecht, bei dem Nvidia letztlich die eigene Nachfrage künstlich stützt.

Bewertung bleibt umstritten

Manche Wall-Street-Stimmen sehen in dem Kursrückgang eine Chance. Ein Bericht von Barron’s bezeichnete Nvidia als so günstig bewertet wie seit 2015 nicht mehr. Die Bank of America nennt das Unternehmen ein „einzigartiges, dauerhaftes Wachstumsfranchise“.

Der aktuelle Kurs liegt gut 16 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus dem Mai. Auf Jahressicht steht die Aktie trotz der schwachen Woche noch mit gut fünf Prozent im Plus.

Die nächste Weichenstellung folgt am 26. August. Dann berichtet Nvidia über das zweite Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2027, das am 26. Juli endete. Bis dahin dürften Investoren weiter auf die Investitionssignale der Hyperscaler achten — Microsoft hatte diese Woche mit starken Zahlen und einer Kapitalausgaben-Prognose deutlich über Vorjahresniveau vorgelegt, ein Hinweis darauf, dass die KI-Investitionen der Branche trotz wackelnder Chip-Bewertungen bislang nicht nachlassen.

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Nvidia Aktie

167,52 EUR

+ 1,36 EUR +0,82 %
KGV 30,12
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 4,77 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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