Gold: 1,97 Prozent unter 4.053 Dollar
Steigende Ölpreise und Inflationssorgen drücken den Goldpreis unter den 50-Tage-Durchschnitt. Notenbanken halten trotzdem an ihren Goldkäufen fest.

Kurz zusammengefasst
- Gold fällt unter 4.100 Dollar
- Ölpreis steigt über 100 Dollar
- EZB signalisiert mögliche Zinserhöhung
- Notenbanken planen weitere Goldkäufe
Der Goldpreis ist am Donnerstag deutlich unter Druck geraten. Nach einem Zwei-Wochen-Hoch von 4.165,87 Dollar rutschte die Notierung auf 4.132,01 Dollar ab, US-Gold-Futures für August gaben um 0,4 Prozent auf 4.134,60 Dollar nach. Aktuell notiert Gold bei 4.053,40 US-Dollar, ein Minus von 1,97 Prozent im Tagesverlauf. Damit liegt der Preis auch spürbar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.252,94 Dollar, ein Abstand von 4,69 Prozent. Seit Jahresbeginn steht für Gold ein Rückgang von 6,45 Prozent zu Buche.
Ölschock und Zinsspekulation belasten Edelmetall
Auslöser des Rücksetzers ist der Ölmarkt. Brent-Rohöl kletterte am Donnerstag um 6,5 Prozent auf 100,05 Dollar je Barrel und damit erstmals seit Ende Mai wieder über die 100-Dollar-Marke, wie der SPIEGEL berichtete. Grund sind Huthi-Angriffe auf die saudischen Öltanker „Encelia“ und „Layla“ im Roten Meer – eine neue Eskalationsstufe zusätzlich zur bereits angespannten Lage in der Straße von Hormus. Die Huthi-Attacken bedrohen damit auch jene saudischen Exportrouten über das Rote Meer, die bislang als Ausweichoption dienten. Parallel griff das US-Militär in der zwölften Nacht in Folge iranische Ziele an, Iran drohte mit Vergeltung. Die Analysten von Goldman Sachs befürchten laut SPIEGEL bei anhaltender Blockade der Straße von Hormus einen Brent-Preis von 120 Dollar im vierten Quartal.
Steigende Ölpreise nähren Inflationssorgen und stützen damit Wetten auf steigende Zinsen – ein Umfeld, das zinslos gehaltenes Gold unattraktiver macht. Die Europäische Zentralbank beließ ihren Einlagensatz zwar bei 2,25 Prozent, Präsidentin Christine Lagarde bezeichnete die Entwicklung am Persischen Golf jedoch als alarmierend. Die Inflation im Euroraum lag im Juni bei 2,8 Prozent, Ökonomen erwarten nun eine Zinserhöhung im September. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte parallel auf 3,20 Prozent, den höchsten Stand seit 2011.
Zentralbanken bauen Goldreserven trotz Rücksetzers weiter aus
Während der kurzfristige Preistrend nach unten zeigt, bleibt die strukturelle Nachfrage von Notenbanken robust. Einer Umfrage des World Gold Council zufolge erwarten 89 Prozent der befragten Reservemanager, dass die globalen Goldreserven der Zentralbanken in den kommenden zwölf Monaten weiter steigen. 45 Prozent planen, ihre eigenen Bestände auszubauen – der höchste Wert in der Geschichte der Erhebung. Mittlerweile halten 93 Prozent der befragten Institutionen Gold, im Vorjahr waren es noch 81 Prozent. Als Hauptgründe nennen die Reservemanager die Wertentwicklung in Krisenzeiten, die Funktion als langfristiger Wertspeicher sowie die Diversifikation des Portfolios. Zentralbanken kauften den vergangenen vier Jahren im Schnitt jeweils mehr als 1.000 Tonnen Gold pro Jahr, als bevorzugter Lagerort außerhalb der Heimatländer gilt bei 57 Prozent der Befragten die Bank of England.
Laut Bloomberg hat Gold in den Devisenreserven der Zentralbanken inzwischen US-Staatsanleihen überholt: Ende 2025 machte Gold demnach 27 Prozent der offiziellen globalen Reserven aus, US-Staatsanleihen kamen auf 22 Prozent, der Euro auf 15 Prozent. Zugleich erwarten 74 Prozent der befragten Reservemanager, dass der Dollar-Anteil an den globalen Währungsreserven in den kommenden fünf Jahren weiter sinkt.
Paulson sieht Rally erst am Anfang
Der Hedgefonds-Investor John Paulson erklärte laut Business Insider, die Goldhausse stehe erst am Anfang, da das Vertrauen in Fiat-Währungen weiter schwinde. Gold notiere zwar unter seinem Rekordhoch von 5.600 Dollar aus dem späten Januar, die Kaufbereitschaft der Notenbanken halte aber an. Paulson selbst setzt eigenen Angaben zufolge lieber auf frühphasige Minenbetreiber als auf physisches Gold – seine Gesellschaft NovaGold übernahm demnach seinen 40-Prozent-Anteil am Donlin-Gold-Projekt und schuf damit ein Unternehmen im Wert von 4,2 Milliarden Dollar. JPMorgan senkte laut Business Insider zwar die eigene Prognose für das vierte Quartal, bleibt für Gold aber langfristig bullish gestimmt.
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