Interviewmit Eduard Altmann

Aguia Resources Aktie: Was ist der Vorrat wert, wenn das Abbaurecht wackelt?

30.000 Tonnen Phosphaterz stehen einem aufgehobenen Umweltgenehmigungsverfahren und ungeklärten Nachbestellungen gegenüber.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über Aguia Resources
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • TRF4 erklärte Umweltverfahren für nichtig
  • Aussetzungsanträge scheiterten am 7. Oktober
  • 825 Tonnen Pampafos wurden verkauft
  • Abbaurecht und Wiederkäufe bleiben offen

Bei Aguia Resources liegen in Südbrasilien 30.000 Tonnen verarbeitungsbereites Phosphaterz, während das Bundesregionalgericht TRF4 das Umweltgenehmigungsverfahren für Três Estradas im September für nichtig erklärt hat.

Wie viel ist ein solcher Vorrat wert, wenn am 7. Oktober auch die Anträge gescheitert sind, diese Entscheidung auszusetzen, und die rechtliche Grundlage des Abbaus damit offen bleibt? Eduard Altmann prüft in solchen Fällen zuerst, was ein Geschäft schützt, wenn der Rückenwind ausbleibt, und mit genau dieser Frage geht er auch an Aguia heran.

Aguia Resources (AU000000AGR4) — Schlusskurse 28.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in AUD. Stand: 23.10.2026.

Aguia Resources (AU000000AGR4) — Schlusskurse 28.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in AUD. Stand: 23.10.2026.

Stock World Redaktion: Wer die Meldungen der vergangenen Monate liest, sieht eine Firma auf dem Sprung: Vertriebsfreigabe im Mai, erste bezahlte Verkäufe seit September. Warum sollte ausgerechnet Ihr Zweifel schwerer wiegen als diese Fortschrittskette?

Eduard Altmann: Weil Fortschritt und Schutz zwei verschiedene Dinge sind. Bei jedem Rohstoffgeschäft frage ich zuerst, was einen Konkurrenten davon abhält, mir die Marge wegzunehmen, sobald die Nachfrage einknickt. Bei Aguia fällt die Antwort darauf bisher dünn aus.

Einen Standortvorteil hat Três Estradas durchaus: Die Lagerstätte liegt nah an den Ackerflächen von Rio Grande do Sul, und das spart Wege gegenüber Ware, die erst über den Hafen hereinkommt. Das erkenne ich an. Allerdings hat das Umfeld in diesem Jahr kräftig mitgeholfen.

Als im Mai mehrere importierte Phosphatprodukte im Hafen Rio Grande nicht verfügbar waren, kamen die Kundenanfragen fast von selbst. Wie viel davon war eigene Leistung, wie viel bloße Knappheit? Das kann heute niemand sauber trennen. Und die Absichtserklärungen von damals waren ausdrücklich unverbindlich.

Stock World Redaktion: Bei einem Kurs von 0,01 AUD bekommt man Lagerstätte, Genehmigungen und ein Goldprojekt in Kolumbien praktisch mitgeliefert. Ist das nicht schon Substanz genug?

Eduard Altmann: Substanz ist für mich etwas, das verlässlich Geld abwirft. Genau das ist hier unbelegt. Es gibt keine bezifferte Guidance, keine Analystenschätzungen und keine Margenhistorie über auch nur einen einzigen Preiszyklus. Was es gibt, sind 825 Tonnen bezahlte Pampafos-Verkäufe seit Mitte September, im Schnitt zu 192 AUD je Tonne. Das waren überwiegend saisonale Testbestellungen.

Mehr nicht. Substanz wird aus dem Vorrat für mich erst, wenn dieselben Kunden in der nächsten Saison nachbestellen, ohne dass der Preis unter diese 192 AUD rutscht. Wiederkehr zum gleichen Preis, das ist die Bedingung. Solange sie fehlt, erwirbt man mit dieser Aktie eine Projektwette auf zwei Kontinenten.

Stock World Redaktion: Sie sagen, Substanz entstehe erst, „wenn dieselben Kunden in der nächsten Saison nachbestellen“. CEO Timothy Hosking betrachtet die 30.000 Tonnen dagegen schon heute als Vermögenswert, der schrittweise in Umsatz umgewandelt wird. Wer von Ihnen beiden hat recht?

Eduard Altmann: Auf dem Papier hat er recht. Erz auf Halde ist ein Wert, solange man es verarbeiten und verkaufen darf. Und an diesem „darf“ hängt alles. Das Gericht hat das Umweltgenehmigungsverfahren für nichtig erklärt.

Eine sofortige Betriebseinstellung hat es laut Unternehmen nicht angeordnet, und Betrieb wie Verkauf liefen nach eigenen Angaben weiter. Die Vertriebsfreigabe des Landwirtschaftsministeriums heilt das nicht, denn sie regelt den Verkauf, nicht das Abbaurecht. Wer beides vermischt, rechnet sich den Vorrat schön. Wo könnte ich danebenliegen?

Meine Rechnung kippt, wenn die erneute gerichtliche Prüfung, die innerhalb von 30 bis 60 Tagen erwartet wurde, die Genehmigungsgrundlage hält und Pampafos dann im nächsten Frühjahr ohne Preisnachlass weiterläuft. In dem Fall hätte ich den Standortvorteil unterschätzt, und der Vorrat wäre tatsächlich das, was Hosking darin sieht.

Für wahrscheinlich halte ich diesen Fall derzeit nicht. Unmöglich ist er aber nicht. Die Meldung aus Kolumbien, wonach Santa Barbara erstmals seine Kosten deckt, ändert an der Gewichtung wenig. Dort läuft eine Pilotanlage, und Gold bindet keinen Käufer an einen bestimmten Produzenten.

Stock World Redaktion: Spitzen wir es zu: Was bleibt von Aguia, wenn das Gericht in der Hauptsache endgültig gegen Três Estradas entscheidet?

Eduard Altmann: Dann bleibt eine Firma, die einen Dünger verkaufen darf, den sie nicht mehr abbauen darf. Dazu ein Goldprojekt in Kolumbien, das plötzlich alles allein tragen müsste. Auf diesen Ausgang möchte ich ehrlich gesagt nicht angewiesen sein.

Stock World Redaktion: In ihrem eigenen Preisvergleich stellt Aguia Pampafos unter die importierten Alternativen. Wer billiger sein muss, hat keine Preismacht. Ist nicht genau das der stärkste Beleg für Ihre Skepsis?

Eduard Altmann: Ich lese es andersherum. Dass Aguia unter dem Niveau der Importware anbieten kann und trotzdem bezahlte Aufträge bekommt, ist bislang der einzige greifbare Hinweis darauf, dass der Transportvorteil überhaupt existiert. Ein Neuling ohne Vorgeschichte gewinnt Landwirte über den Preis, anders geht es nicht. Niemand testet einen unbekannten Dünger aus Gefälligkeit.

Insofern zeigt der Abschlag eine funktionierende Kostenposition, zumindest in der Anlaufphase. Schwierig würde es erst, wenn dieser Abschlag auch dann nötig bleibt, wenn die Importware im Hafen wieder reichlich verfügbar ist. Dann wäre der Vorteil aufgezehrt, und übrig bliebe ein Anbieter, der um jede Tonne feilschen muss. Genau diesen Test hat Pampafos noch nicht bestanden.

Stock World Redaktion: Ihre Bedingung war die Wiederkehr zum gleichen Preis, also Nachbestellungen in der nächsten Saison, ohne dass der Preis unter 192 AUD je Tonne rutscht. Solange diese Wiederkehr fehlt: Ist Aguia für Sie ein Geschäft mit Schutz oder eine Projektwette?

Eduard Altmann: Eine Projektwette, und zwar eine, bei der ein Gericht mehr zu sagen hat als jeder Kunde. Der Standortvorteil in Südbrasilien ist das Beste, was Aguia vorzuweisen hat, und er ist noch nicht durch einen einzigen Zyklus ohne Rückenwind gegangen.

Kolumbien streut das Genehmigungsrisiko, mehr leistet es vorerst nicht. Ob daraus ein Geschäft wird, entscheidet sich an zwei Stellen: im Gerichtssaal und an der Frage, ob die Bauern im nächsten Frühjahr wieder anrufen.

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Aguia Resources Aktie

0,01 EUR

– 0,00 EUR -8,33 %
KGV —
KUV 47,55
Sektor Grundlegende Materialien
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 26,40 Mio. AUD
ISIN: AU000000AGR4 WKN: A1C58J

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