Commerzbank, Elliott und Thyssenkrupp: Drei Machtproben vor dem Wochenende

Politischer Druck belastet den Commerzbank-Poker, Elliott fordert bei der Telekom mehr Ausschüttungen und Thyssenkrupp muss Erwartungen belegen.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Rhein formuliert fünf Übernahmebedingungen
  • BlackRock senkt Commerzbank-Anteil auf 4,48 Prozent
  • Elliott stellt Telekom-Fusionspläne infrage
  • Thyssenkrupp-Aktie steigt seit Jahresbeginn 62 Prozent

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

fünf Forderungen, ein Ministerpräsident, ein Bankchef: Während die großen Indizes auf den US-Arbeitsmarktbericht warten, verhandelt Hessens Boris Rhein in Frankfurt über die Zukunft der Commerzbank. Wer heute nur auf den Gesamtmarkt schaut, verpasst die eigentlichen Kursimpulse des Tages – sie liegen im Übernahmepoker um die Commerzbank, im Aktivisten-Vorstoß bei der Telekom und in der Neubewertung deutscher Industriewerte.

Commerzbank: Der politische Preis der Übernahme steigt

Der Machtkampf um die Commerzbank hat die politische Bühne erreicht. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) traf sich am Freitag mit Unicredit-Chef Andrea Orcel und legte fünf Bedingungen auf den Tisch: Erhalt der Commerzbank als eigenständige AG deutschen Rechts mit eigener Börsennotierung, dauerhafter Sitz und Vorstand in Frankfurt, Erhalt der bestehenden Funktionen, die Marke Commerzbank als Hauptmarke – und kein Transfer des Firmenkundengeschäfts zur HypoVereinsbank. Keine dieser Forderungen ist reine Symbolpolitik: Jede einzelne würde Orcels Integrationsspielraum und damit die erhofften Synergien einer Vollübernahme spürbar beschneiden.

Parallel dazu reduzierte BlackRock sein Commerzbank-Engagement zum 31. August auf 4,48 Prozent der Stimmrechte, nach zuvor 4,71 Prozent – ein Hinweis darauf, dass nicht alle institutionellen Investoren auf einen schnellen Abschluss setzen. Die Aktie selbst lässt das kalt: Am Freitag markierte sie mit 42,11 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch, bevor sie sich knapp darunter einpendelte. Der Markt preist also weiterhin eine Übernahmeprämie ein, trotz des politischen Widerstands – ein Zeichen dafür, dass Rheins Forderungen Orcel eher zu Zugeständnissen zwingen dürften, als den Deal grundsätzlich zu gefährden.

Elliott fordert Kurswechsel bei der Telekom

Der aktivistische Hedgefonds Elliott Investment Management hat sich bei der Deutschen Telekom eingekauft und stellt sich damit gegen die geplante Fusion mit T-Mobile US. Sein Argument folgt einem bekannten Muster: mehr Kapitalrückführung an die Aktionäre statt strategischer Großfusion. Zusätzliches Gewicht bekommt die Forderung dadurch, dass die Telekom ihr Aktienrückkaufprogramm für 2026 bereits auf 5 Milliarden Euro aufgestockt hatte – Elliott verlangt also im Grunde mehr von etwas, das der Konzern selbst schon als Hebel identifiziert hat.

Wie unentschlossen der Markt die Lage bewertet, zeigt der Kursverlauf: Die Aktie zog im Tagesverlauf zunächst deutlich an, geriet dann wieder unter Druck und notiert aktuell mit rund 28 Euro leicht unter dem Donnerstagsschluss. Der Elliott-Einstieg ist damit vor allem ein Signal – die T-Mobile-Fusionslogik ist nicht mehr unangefochten, und das Tauziehen zwischen Wachstumsstrategie und Cash-Rückführung dürfte die Aktie über Monate begleiten.

Thyssenkrupp: Turnaround-Fantasie trifft auf Konkretisierungsdruck

Kaum ein DAX-Nebenwert hat 2026 eine derart steile Erholung hingelegt wie Thyssenkrupp: Die Aktie sprang am Freitag um knapp 6 Prozent auf ein neues 52-Wochen-Hoch von 15,26 Euro und steht seit Jahresbeginn rund 62 Prozent im Plus. Auslöser ist die Erwartung an den anstehenden Kapitalmarkttag, auf dem der Konzern Details zum Turnaround liefern soll – inklusive eines möglichen Börsengangs der Stahlsparte, während zuletzt geführte Verkaufsgespräche pausiert wurden. Deutsche Bank Research bestätigte parallel die Kaufempfehlung mit Kursziel 18 Euro.

Der Markt hat die Transformationsstory damit bereits weitgehend vorweggenommen. Genau das macht den Kapitalmarkttag zur Nagelprobe: Nach diesem Lauf dürften bloße Ankündigungen kaum noch reichen, um die Aktie weiter zu treiben – gefragt sind belastbare Zahlen zum Stahlgeschäft.

Autozulieferer: Ratings schlagen nicht immer durch

Ein Kontrast, der zeigt, wie wenig einzelne Analysten-Voten derzeit zählen: Continental wurde von der DZ Bank auf „Kaufen“ mit Kursziel 86 Euro hochgestuft, die Aktie zog daraufhin an und notiert nun bei knapp 72 Euro – nicht weit entfernt vom Juli-Hoch von 77,28 Euro. Daimler Truck dagegen wurde von Morgan Stanley abgestuft, doch die Aktie hält sich bislang unbeeindruckt stabil bei rund 45,75 Euro. Offenbar wiegt das allgemeine Sentiment im Automobilsektor, getragen von den branchenweiten Sanierungsschritten, derzeit schwerer als einzelne Ratingänderungen.

Für eine ausgewogene Portfolio-Strategie lohnt sich derzeit auch ein Blick über die hier besprochenen Branchen hinaus.

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Jörg Mahnert widmet sich im Live-Webinar „Gasnotstand 2026“ am 06.09.2026 um 18:00 Uhr der aktuell angespannten deutschen Gaslage – die Speicher sind Anfang September erst zu gut 53 Prozent gefüllt, während der europäische Gaspreis zeitweise auf mehr als 75 Euro je Megawattstunde gestiegen ist. Er stellt drei Energie-Aktien vor, die er aktuell auf seiner Watchlist ganz oben führt: eine davon legte seit Jahresbeginn bereits rund 64 Prozent zu, bei einer zweiten stieg der Gewinn im ersten Halbjahr um 156 Prozent, während der Kurs bislang kaum reagierte, und eine dritte übertraf die Analystenerwartungen zuletzt um fast 30 Prozent. Mahnert erläutert, warum die niedrigen Speicherstände für diese Unternehmen wirtschaftlich besonders interessant werden könnten und bei welchen Aktien der Markt die jüngsten Gewinnsprünge seiner Einschätzung nach noch nicht vollständig eingepreist hat. Jetzt zum kostenlosen Webinar anmelden

Bitcoin: Zwischen ETF-Zuflüssen und Nervosität

Auch am Kryptomarkt ging es in den vergangenen Tagen turbulent zu: Bitcoin kletterte zeitweise über 82.000 Dollar, fiel dann aber wieder auf rund 79.000 Dollar zurück – bleibt damit aber im Plus gegenüber dem Vortagesschluss. Getragen wird die Bewegung von kräftigen Zuflüssen in US-Spot-Bitcoin-ETFs, die im August rund 3,52 Milliarden Dollar eingesammelt haben. Mit dem heutigen US-Arbeitsmarktbericht und einer Fed-Zinsentscheidung im September, die der Markt derzeit als offenes Rennen einstuft, bleibt Krypto der direkteste Gradmesser für die Risikobereitschaft der Anleger – Ausschläge in beide Richtungen sollten Sie kurzfristig einkalkulieren.

Unterm Strich

Drei Geschichten, ein gemeinsamer Nenner: Bei der Commerzbank verhandelt die Politik die Bedingungen einer Übernahme, die der Markt längst für wahrscheinlich hält. Bei der Telekom testet ein Aktivist, ob Wachstumsstrategie und Kapitalrückführung sich vertragen. Und bei Thyssenkrupp entscheidet sich am Kapitalmarkttag, ob 62 Prozent Kursplus seit Jahresbeginn durch Substanz gedeckt sind oder auf Vorschuss beruhen. Der US-Arbeitsmarktbericht heute Nachmittag mag die großen Indizes bewegen – die Weichen für die kommenden Wochen werden anderswo gestellt. Für alle, die jetzt ins Wochenende starten: Die Kurszettel schließen, die Verhandlungen um die Commerzbank nicht.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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