KI-Aktien: Nvidias Zahlen-Feuerwerk zieht den ganzen Sektor mit

Nvidias Quartalszahlen beflügeln den KI-Sektor, während AMD Kursziele gewinnt, SAP bei KI-Agenten bremst und Infineon auf Stromchips setzt.

Eduard Altmann ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Nvidia steigert Umsatz um 106 Prozent
  • AMD erhält neue Kurszielanhebungen
  • Infineon übernimmt indischen Stromchip-Spezialisten
  • SAP kämpft mit langsamem Agenten-Ausbau

Ein Quartalsbericht, der die Erwartungen sprengt, und trotzdem zunächst rote Vorzeichen im nachbörslichen Handel— so lief der Auftritt von Nvidia diese Woche ab. Erst tags darauf drehte die Stimmung, und der Rest der Branche zog nach. Zwischen Chip-Riesen, Software-Konzernen und Halbleiterausrüstern zeigt sich derzeit, wie unterschiedlich die KI-Story je nach Geschäftsmodell ausfällt.

Nvidia: Rekordquartal mit Nervenkitzel

Nvidia legte am Mittwochabend seine Zahlen für das zweite Fiskalquartal vor, und die Dimensionen sind beeindruckend. Der Umsatz kletterte auf 96,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 46,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie verdoppelte sich nahezu auf 2,22 Dollar, die Bruttomarge verbesserte sich auf 75,0 Prozent.

Treiber bleibt das Rechenzentrumsgeschäft, das inzwischen 92 Prozent der Erlöse ausmacht. Hier meldete Nvidia rund 89 Milliarden Dollar Umsatz und übertraf damit die Markterwartung von 86,33 Milliarden Dollar deutlich— ein Plus von 117 Prozent im Jahresvergleich. Für das laufende Quartal stellte Konzernchef Jensen Huang eine Prognose von 108 Milliarden Dollar in Aussicht, ebenfalls über den Analystenschätzungen und ohne jegliche China-Erlöse im Rechenzentrumsgeschäft eingerechnet.

Huang selbst zeigte sich auf dem Earnings Call kämpferisch: „KI hat ihren Wendepunkt erreicht. Sie leistet nützliche Arbeit. Ihre Tokens sind produktiv und profitabel. Jetzt ist Rechenleistung gleich Umsatz.“ Untermauert wird diese Aussage durch die Ankündigung, dass die fünf größten Hyperscaler ihre Investitionsausgaben von 800 Milliarden Dollar im laufenden Jahr auf 1,3 Billionen Dollar im kommenden Jahr steigern wollen. Amazon Web Services kündigte zudem an, zwei Millionen Nvidia-GPUs samt der neuen Vera-CPU-Plattform zu ordern.

Die erste Kursreaktion fiel verhalten aus— die Aktie rutschte nachbörslich zunächst leicht ins Minus, ein Zeichen für die enorm hohen Erwartungen im Vorfeld. Am Donnerstag drehte das Bild komplett: Die Aktie sprang um 7,7 Prozent nach oben und markiert aktuell 193,90 Euro. Damit hat Nvidia seine Verlustserie aus der Vorwoche, die längste seit 2022, endgültig hinter sich gelassen und nähert sich mit einem Abstand von nur noch 4,2 Prozent wieder dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro.

SAP: Kursrally trifft auf geteiltes Analysten-Echo

SAP zeigte in den vergangenen Wochen einen bemerkenswerten Lauf, doch am Mittwoch bremste ausgerechnet UBS die Euphorie. Die Bank stufte die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ zurück, hob das Kursziel zwar auf 201 Euro von zuvor 164 Euro an, verwies aber auf die schleppende Auslieferung agentenbasierter KI-Funktionen als zentrales Problem.

Konkret bemängelte UBS-Analyst Michael Briest das Tempo: Bislang habe SAP 17 einsatzfertige KI-Agenten ausgeliefert, weitere 15 befänden sich in der Ramp-up-Phase. Das selbst gesetzte Ziel von 200 Agenten bis Jahresende erscheine damit ambitioniert. Hinzu kommt die Bewertung— bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27,86 sehen mittlerweile vier Analysten ihre Gewinnschätzungen nach unten korrigiert.

Diese Skepsis steht im Kontrast zu einer Welle bullischer Einschätzungen, die dem Rückschlag vorausging. Morgan Stanley erhöhte sein Kursziel auf 215 Euro, Wells Fargo zog auf 210 Euro nach— beide beließen ihr Rating auf „Overweight“. Nach den jüngsten Quartalszahlen, die ein Cloud-Wachstum von 24 Prozent und einen Auftragsbestand-Zuwachs von 26 Prozent zeigten, fiel das operative Ergebnis wegen Übernahmekosten unter den Erwartungen aus. Bernstein SocGen und TD Cowen senkten daraufhin ihre Kursziele wegen Margendruck, hielten aber an ihren positiven Einstufungen fest. Die Aktie steht aktuell bei 188,30 Euro, nach einem Tagesplus von 4,0 Prozent bleibt sie seit Jahresbeginn mit 10 Prozent im Minus.

Infineon: Zukauf gegen den Strom-Flaschenhals der KI

Während Chiphersteller um Rechenleistung wetteifern, setzt Infineon auf ein weniger glamouröses, aber entscheidendes Problem: die Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Am Montag verkündete der Münchner Konzern die Übernahme von C2i Semiconductors, einem indischen Spezialisten für softwaredefinierte Multiphasen-Controller und intelligente Power-Stages für KI-Rechenzentren. Der Deal soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden und bringt ein Team mit Erfahrung von Texas Instruments, National Semiconductor und Maxim Integrated ins Haus.

Bank of America bewertet den Zukauf als strategisch wichtig, auch wenn er die Zahlen kurzfristig kaum bewegen dürfte. Die Analysten verweisen auf einen Markt für KI-Analog-Stromchips, der bis 2030 auf 15,9 Milliarden Dollar anwachsen könnte. C2i liefert dabei die Technologie, die den Stromfluss von der Quelle bis zu Prozessoren wie Nvidias GPUs steuert und reguliert.

Der Zukauf folgt auf ein starkes drittes Quartal: Der Umsatz erreichte mit 4,17 Milliarden Euro einen Rekordwert, ein Plus von 13 Prozent im Jahresvergleich, getragen von allen Sparten. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Infineon nun mit rund 16,3 Milliarden Euro Umsatz. 24 Analysten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf, das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel von 85,79 Euro impliziert ein Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau von 56,89 Euro. Susquehanna und Berenberg zogen ihre Kursziele zuletzt auf jeweils 100 Euro nach.

AMD: Analysten überbieten sich mit Kurszielanhebungen

AMD hat sich zu einer der meistbeachteten KI-Infrastrukturwetten des Jahres entwickelt, und die vergangenen Tage brachten eine regelrechte Welle an Kurszielanhebungen. Raymond James lieferte am Dienstag den kühnsten Vorstoß: Analyst Simon Leopold stufte die Aktie auf „Strong Buy“ hoch und hob das Kursziel auf 641 Dollar von zuvor 565 Dollar an— ein implizites Aufwärtspotenzial von rund 40 Prozent.

Im Zentrum der Aufwertung stehen nicht nur KI-Chips, sondern Server-CPUs. Raymond James rechnet mit einem jährlichen Wachstum des Server-CPU-Umsatzes von 44 Prozent auf rund 201 Milliarden Dollar bis 2030. Leopold brachte seine Überzeugung auf den Punkt: AMD biete „die stärkste Kombination aus direkter Ertragshebelwirkung, Rechenzentrums-Positionierung und Marktanteilsgewinnen“.

Die Einschätzung stützt sich auf ein starkes zweites Quartal, in dem der Rechenzentrumsumsatz um 107 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar zulegte und damit erstmals mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von 11,54 Milliarden Dollar ausmachte. Auch bei x86-Prozessoren gewinnt AMD Marktanteile von Intel: Der Anteil stieg auf 30,7 Prozent, bei Server-Chips sogar auf 34,5 Prozent. BMO Capital nahm die Coverage mit „Outperform“ und einem Kursziel von 550 Dollar auf und verweist auf die Rack-Scale-Plattform Helios, die im September an den Start gehen soll— mit bereits gesicherten Kundenzusagen von OpenAI, Meta und Anthropic. Die Aktie selbst pendelte zuletzt seitwärts und notiert bei 408,75 Euro, leicht unter dem Schlusskurs vom Vortag.

ServiceNow: Leiseres Wachstum im Unternehmens-Ökosystem

Während die Chip-Werte diese Woche die Schlagzeilen dominierten, baute ServiceNow im Hintergrund sein Software-Ökosystem weiter aus. Bereits vor einigen Tagen verkündete der Konzern eine erweiterte Mehrjahrespartnerschaft mit Tech Mahindra, die Unternehmen den Sprung von KI-Pilotprojekten zu produktiven Anwendungen erleichtern soll.

Bemerkenswert ist das Validierungsmodell: Tech Mahindra und die Mahindra & Mahindra Group fungieren selbst als große Testumgebung, bevor bewährte Ansätze auf die breitere Kundenbasis übertragen werden. Bereits jetzt werden über die Plattform monatlich mehr als 100.000 Fälle in 90 Ländern abgewickelt. Die Partnerschaft zielt gezielt auf Branchen wie Fertigung, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen ab, wofür Tech Mahindra ein eigenes Kompetenzzentrum für KI-Innovation aufbaut.

CEO Bill McDermott ordnete den Schritt in eine größere Strategie ein: „Es braucht ein Ökosystem, um Geschäft neu zu erfinden.“ Der Deal spiegelt einen branchenweiten Trend wider— Unternehmen stehen unter Druck, aus KI-Projekten endlich echten Nutzen zu ziehen, statt in der Pilotphase zu verharren. Die Aktie honorierte die Nachrichtenlage mit einem Kurssprung von 9,0 Prozent auf 117,40 Euro, nach einem Plus von 21 Prozent binnen 30 Tagen.

Sektordynamik im Überblick

Die Nachrichtenlage dieser Woche zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich sich die KI-Monetarisierung über die fünf Werte hinweg entwickelt:

  • Nvidia bleibt der Taktgeber des gesamten Sektors— die Kursachterbahn zwischen nachbörslichem Rückgang und 7,7 Prozent Tagesplus zeigt, wie sensibel die Aktie auf die Lücke zwischen Rekordzahlen und ohnehin hohen Erwartungen reagiert
  • AMD positioniert sich als glaubwürdige Alternative in der Infrastruktur, gestützt durch eine Serie von Kurszielanhebungen
  • Infineon besetzt mit der Stromversorgung für KI-Rechenzentren eine weniger sichtbare, aber wachstumsstarke Nische
  • SAP steht zwischen anhaltendem Cloud-Wachstum und wachsender Ungeduld bei der Umsetzung von KI-Agenten
  • ServiceNow setzt auf leisen, aber stetigen Ausbau seines Partner-Ökosystems statt auf Schlagzeilen-Investitionen

Der gemeinsame Nenner bleibt: Ob GPU, Server-CPU, Stromchip, ERP-Agent oder Workflow-Automatisierung— KI-Infrastrukturausgaben treiben sowohl Umsatzwachstum als auch Analysten-Aufmerksamkeit in allen fünf Fällen.

Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten

Nvidias Zahlen setzen die Messlatte für den Rest der Branche hoch, und die anfängliche Zurückhaltung gefolgt vom kräftigen Rebound legt nahe, dass der Markt weiterhin austariert, wie viel gute Nachrichten bereits eingepreist sind. Die von Huang skizzierte Kapitalausgaben-Entwicklung der Hyperscaler— ein Anstieg auf 1,3 Billionen Dollar im kommenden Jahr— bleibt eine Schlüsselgröße sowohl für AMD als auch für Infineon, die beide von anhaltenden Infrastrukturinvestitionen abhängen.

Bei AMD dürfte der Start der Helios-Plattform im September zeigen, wie schnell sich der Abstand zu Nvidia tatsächlich verkleinern lässt. Infineons Integration von C2i und die nächsten Quartalszahlen liefern erste Hinweise, wie zügig sich die Nachfrage nach Stromversorgungslösungen in Umsatz verwandelt. Für SAP dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden, ob das Tempo bei der Auslieferung von KI-Agenten die Skeptiker überzeugen kann. ServiceNow wird man daran messen, ob aus Partnerschaften wie jener mit Tech Mahindra tatsächlich skalierte, zahlende Kundenbeziehungen werden— und nicht nur weitere Pilotprojekte.

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Nvidia Aktie

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Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
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Ø Kursziel 304,73 USD
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