Ölmarkt trotzt Huthi-Angriffen auf Saudi-Arabien

Unbeschädigte Ölanlagen dämpfen die Marktreaktion, während Goldman Sachs seine Brent-Prognose für Dezember auf 90 Dollar anhebt.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Brent notiert zwischen 103,90 und 105,48 Dollar
  • Saudische Förder- und Verladeanlagen arbeiten weiter
  • Angriffe beschädigen zwei Schiffe nahe Oman
  • Goldman Sachs erhöht Brent-Dezemberprognose auf 90 Dollar

Die Eskalation im Nahen Osten erreicht saudische Verkehrsknotenpunkte, doch die Rohölnotierungen treten auf hohem Niveau auf der Stelle. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zum Wochenauftakt zwischen 103,90 und 105,48 Dollar. Dass der Markt die jüngsten Angriffe vergleichsweise gelassen quittiert, hat einen handfesten Grund: Die eigentliche Förder- und Verladeinfrastruktur der Region arbeitet bislang ohne Ausfälle weiter.

Am Wochenende hatte die jemenitische Huthi-Miliz ihre Schläge gegen das Nachbarland intensiviert. Nach einem Angriff auf den internationalen Flughafen der Hauptstadt Riad am Samstag folgte am Sonntag eine weitere Attacke auf den King-Chalid-Airport. Dabei kam ein Mensch ums Leben, elf weitere Personen wurden verletzt. Die Angriffe erfolgten als Reaktion auf eine Offensive saudisch unterstützter Truppen im Jemen.

Tanker im Visier, Förderanlagen unberührt

Gleichwohl richten Rohstoffexperten den Blick auf das operative Geschehen vor Ort. Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei der ING Groep, führt die verhaltene Preisreaktion direkt darauf zurück, dass die saudischen Ölanlagen unversehrt blieben. Solange Pipelines und Terminals pumpen, bleibt der physische Fluss intakt.

Die Bedrohung für die Transportrouten nimmt allerdings zu. Vor der Küste von Oman traf eine Drohne einen Öltanker, während ein weiteres Schiff in der Straße von Hormus durch ein Projektil beschädigt wurde. Diese Zwischenfälle gefährden die Erholung der Ölexporte, die sich im Vormonat noch stabilisiert hatten. Zudem erwägt die US-Regierung laut jüngsten Aussagen, sich saudischen Gegenangriffen auf die Huthi-Miliz anzuschließen.

Analysten heben Jahresend-Prognosen an

Die anhaltenden Spannungen hinterlassen an den Terminmärkten spürbare Spuren. Goldman Sachs beziffert die aktuelle geopolitische Risikoprämie im Ölpreis auf knapp über 20 Dollar je Barrel. Das Analystenhaus hob die Preisprognose für Brent-Öl für Dezember von zuvor 85 auf nun 90 Dollar an.

Mittelfristig erwarten die Experten eine allmähliche Entspannung der Angebotslage. Für die US-Sorte West Texas Intermediate prognostiziert Goldman Sachs für Dezember 2026 einen Durchschnittspreis von 81 Dollar. Für das Gesamtjahr 2027 rechnen die Analysten mit einem Rückgang auf durchschnittlich 73 Dollar je Barrel.

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