Xiaomi Aktie: Lei Jun zeigt N90 und N70
Xiaomi kündigt zwei neue Elektro-SUVs an, während eine Beteiligung an einem Speicherchiphersteller für Kursfeuerwerk sorgt.

Kurz zusammengefasst
- Zwei neue Elektro-SUVs vorgestellt
- Smartphone-Umsatz im ersten Quartal gesunken
- Absatzziel für 2026 auf 110 Millionen erhöht
- Beteiligung an CXMT sorgt für Kursrallye
Morgen tritt Lei Jun vor die Kameras und zeigt der Welt, wohin Xiaomi in den kommenden Jahren steuern will: nicht länger nur ins nächste Smartphone-Regal, sondern in die Garage. Der Konzernchef hatte das „Pengcheng“-Technologie-Event am Montag über soziale Medien angekündigt, im Zentrum stehen zwei neue Elektro-SUVs der „SkyNomad“-Serie namens N90 und N70. Der Markt hat die Vorfreude längst eingepreist – heute springt die Aktie um 6,59 Prozent nach oben, nachdem sie bereits in den vergangenen Tagen kräftig zugelegt hatte.
Ein SUV als Befreiungsschlag
Wer verstehen will, warum ausgerechnet ein Auto Anleger elektrisiert, muss auf das Smartphone-Geschäft schauen. Dort drückt der Margendruck seit Monaten auf die Zahlen: Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz um 10,9 Prozent auf 99,14 Milliarden Renminbi, der bereinigte Nettogewinn brach auf 6,07 Milliarden Renminbi ein. Analysten werten die SUV-Offensive daher als strategische Antwort auf ein Kerngeschäft, das an seine Grenzen stößt. Xiaomi ist damit ein Musterbeispiel für einen größeren Umbruch in Chinas Tech-Branche: Wer im gesättigten Smartphone-Markt keine Margen mehr findet, sucht sie im Auto – und riskiert dabei, ein Massenprodukt gegen ein noch kapitalintensiveres einzutauschen.
Zwischen Lieferkettenkrise und Zielanhebung
Die Datenlage der vergangenen Wochen wirkt widersprüchlich. Nikkei Asia berichtete Mitte Juli über angebliche Produktionskürzungen bei chinesischen Smartphone-Herstellern, Xiaomi eingeschlossen, von bis zu 30 Prozent wegen hoher Lagerbestände. Nur zwei Tage später konterte der Konzern mit dem Gegenteil: Das Absatzziel für 2026 wurde von 90 auf 110 Millionen Einheiten angehoben, begründet mit einer Stabilisierung der Lieferketten für Speicherkomponenten. Für Anleger heißt das: Die Lage an der Chip-Front hat sich offenbar schneller entspannt, als es noch vor wenigen Wochen aussah. Genau diese Entspannung dürfte auch das Vertrauen in die parallele Auto-Wette gestärkt haben.
Die stille Chip-Wette
Ein zweiter Treiber der jüngsten Rally liegt abseits des Kerngeschäfts. Xiaomi ist strategischer Investor bei ChangXin Memory Technologies, kurz CXMT, einem chinesischen Speicherchiphersteller. Dessen Börsendebüt in Shanghai am Montag geriet zum Kursfeuerwerk: Ein Plus von mehr als 460 Prozent ließ auch Xiaomis Beteiligungsportfolio spürbar an Wert gewinnen. Es ist eine bemerkenswerte Volte – während das Handygeschäft schrumpft, wächst der Wert einer Nebenwette auf die chinesische Halbleiter-Souveränität munter weiter. Der Aktionär hatte bereits am 17. Juli im „China Stock Report“ einen Optionsschein auf Xiaomi wegen des Turnaround-Potenzials im EV-Bereich neu empfohlen – ein früher Fingerzeig darauf, dass am Markt genau diese Kombination aus Auto- und Chip-Fantasie goutiert wird.
Rekordlauf mit Fragezeichen
Auch operativ zeigt Xiaomi Rückgrat: Seit Anfang Juni wurden im Rahmen eines 20-Milliarden-Hongkong-Dollar-Programms bereits 30,1 Millionen eigene Aktien zurückgekauft, dazu läuft seit dieser Woche der weltweite Rollout eines Sicherheitsupdates für 58 Geräte der Marken Xiaomi, Redmi und POCO. Der Kurs hatte am Dienstag bereits die 100-Tage-Linie überschritten, notiert nun aber mit einem Abstand von knapp 5 Prozent noch unterhalb seines 200-Tage-Durchschnitts – die Rally ist also beeindruckend, aber noch nicht überall angekommen. Der 14-Tage-RSI von 75,5 signalisiert zudem eine kurzfristig überkaufte Lage, was Rücksetzer nach der morgigen Produktshow nicht ausschließt.
Bleibt die Frage, die sich jeder Beobachter stellen muss: Reicht ein SUV-Launch, um aus einem strauchelnden Smartphone-Riesen dauerhaft eine Wachstumsgeschichte zu machen? Die Antwort dürfte sich erst zeigen, wenn am 18. August die Zahlen für das zweite Quartal vorliegen und belegen, ob die Zielanhebung auf 110 Millionen Smartphones tatsächlich trägt – oder ob die Euphorie vor allem der Vorfreude auf zwei neue Autos geschuldet war.
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