Gold: Warsh-Signale und Iran-Eskalation belasten
Höhere US-Anleiherenditen belasten Gold kurzfristig, während Iran-Konflikt und US-Schulden die längerfristige Preisstütze bilden.

Kurz zusammengefasst
- Gold verliert 0,4 Prozent
- Zehnjährige US-Rendite über 4,75 Prozent
- Ölpreise steigen wegen Iran-Eskalation
- US-Schulden übersteigen 40 Billionen Dollar
Der Goldpreis notiert am Montag bei 4.436,26 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,4 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss von 4.454,60 Dollar. Die Fed-Zinssignale von Notenbankchef Kevin Warsh drücken den Kurs bereits seit gestern, mittlerweile um rund 0,7 Prozent.
Doch die eigentliche Geschichte des Tages spielt sich am Anleihemarkt ab: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist auf über 4,75 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit Januar 2025. Die Rendite dreißigjähriger Bonds erreichte laut US-Finanzminister Scott Bessent zeitweise 5,337 Prozent – ein Niveau, das seit 2007 nicht mehr erreicht wurde, ehe sie sich auf 5,21 Prozent zurückzog.
Steigende Renditen erhöhen Opportunitätskosten
Für zinslos gehaltenes Gold sind stark steigende Anleiherenditen ein klassischer Belastungsfaktor: Je mehr Rendite Staatsanleihen abwerfen, desto teurer wird es relativ, Kapital in Gold zu parken.
Bessent spielte die Turbulenzen am Anleihemarkt beim G20-Treffen in Asheville, das am Montag begann, herunter. Er führte den Renditeanstieg auf steigende Energiepreise und den Konflikt mit Iran zurück und sprach explizit nicht von Marktchaos.
Gleichzeitig verteidigte er die Ausweitung des Rückkaufprogramms für Staatsanleihen, dessen Volumen bereits vor rund zwei Wochen verdoppelt wurde und seither mit einem Goldpreisplus von 1,1 Prozent einherging.
Iran-Eskalation treibt Ölpreise und Inflationssorgen
Parallel dazu eskaliert der Konflikt zwischen den USA und Iran erneut. Am Montag griffen amerikanische Streitkräfte erstmals seit Ende Juli wieder Ziele im Iran an, zwei Raketenabschussrampen auf der Insel Larak.
Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen auf zwei US-Stützpunkte in Jordanien, acht Raketen wurden abgefangen. Der Öltransport durch die Straße von Hormus liegt inzwischen bei geschätzt nur noch 30 bis 67 Prozent des Vorkriegsniveaus.
Brent-Rohöl kletterte auf über 90 US-Dollar je Barrel, WTI auf rund 85,66 Dollar. Diese geopolitische Eskalation nährt einerseits die Inflationssorgen, die Fed-Chef Warsh zu seiner restriktiven Haltung bewegen, treibt andererseits aber auch die klassische Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold.
Staatsschuldenberg als langfristiger Anker der Gold-These
Trotz des kurzfristigen Gegenwinds bleibt die strukturelle Bullen-These für Gold nach Einschätzung mehrerer Marktbeobachter intakt. Die US-Staatsverschuldung hat die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, das entspricht rund 122 Prozent der Wirtschaftsleistung und umgerechnet 116.000 Dollar je Einwohner. Das Haushaltsdefizit liegt bei rund 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Analysten sehen darin einen Fall fiskalischer Dominanz: Die Notenbank könne die Zinsen kaum beliebig anheben, ohne die Refinanzierung des Staates zu gefährden. Genau diese Konstellation gilt vielen Beobachtern als Fundament für weiter steigende Goldpreise auf Sicht mehrerer Monate, selbst wenn die kurzfristige Zinserwartung den Kurs derzeit belastet.
Mit Blick auf die technischen Marken notiert Gold aktuell rund 5,1 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.219,91 Dollar, während der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 4.542,22 Dollar bei minus 2,3 Prozent liegt – ein Hinweis darauf, dass die mittelfristige Erholung seit dem 52-Wochen-Tief von 3.437,07 Dollar Anfang September vergangenen Jahres intakt bleibt, der Kurs sich aber unterhalb seines längerfristigen Trends bewegt.
Der am Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht dürfte in dieser Gemengelage zum nächsten wichtigen Impulsgeber für die Zinserwartungen und damit auch für den Goldpreis werden.
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