Oracle Aktie: Der Preis des Wachstums
Die Kapitalaufnahme bringt Oracle rund 19,9 Milliarden Dollar netto, während hohe Anleihezinsen und der Kursrückgang Finanzierungsfragen aufwerfen.

Kurz zusammengefasst
- 86,2 Millionen Aktien zu 116 Dollar
- Anleihen mit Kupons bis 8,65 Prozent
- Jährliche Zinslast von rund 777 Millionen Dollar
- Aktie seit Hoch 17,5 Prozent niedriger
Der Markt hat Oracles Wachstumsplan gekauft, nicht aber die Rechnung dafür. Fünf Tage nach dem Investorentag hat der Konzern sein Finanzierungspaket vollständig platziert. Die Wirkung reicht inzwischen weit über die eigene Aktie hinaus.
Aktien mit Abschlag, Anleihen mit hohen Zinsen
Oracle gibt 86,2 Millionen neue Aktien zu je 116 Dollar aus. Das liegt 11,2 Prozent unter dem Schlusskurs vom 30. Oktober. Hinzu kommen Anleihen über zehn Milliarden Dollar, netto fließen dem Konzern rund 19,9 Milliarden Dollar zu. Beide Platzierungen schließen am 4. November.
Teurer wird vor allem die Schuldenseite. Die fünf Tranchen laufen von 2029 bis 2046 und tragen Kupons von sieben bis 8,65 Prozent. Das summiert sich auf rund 777 Millionen Dollar Zinsen pro Jahr. Eine Anleihe mit Fälligkeit 2046 hatte Oracle im Februar noch mit 6,55 Prozent platziert.
Der Hintergrund ist der Ausbau der Rechenzentren. Zum 31. August standen Kreditverbindlichkeiten von gut 125 Milliarden Dollar in den Büchern. Dazu kommen Leasingzusagen von 288 Milliarden Dollar, die noch nicht begonnen haben und fast vollständig auf Rechenzentren entfallen.
Die Aktie rutscht, der Sektor leidet mit
Am Montag verlor die Aktie 8,76 Prozent und schloss bei 119,22 Dollar. Seit dem Hoch nach dem Investorentag am 28. Oktober summiert sich das Minus auf 17,5 Prozent. Die Kapitalaufnahme befeuert zudem die Sorgen um die Finanzierung des KI-Booms insgesamt.
Heute zeigte sich das an den Börsen. In Europa gaben die Chipwerte nach, der DAX büßte knapp ein Prozent ein. Auch in Asien gerieten Seoul und Taipeh unter Druck, der Nasdaq 100 liegt rund 10 Prozent unter seinem Rekordhoch. Neben Oracle belastete dort auch die Finanzierungsplanung von Anthropic. In Europa kam eine Margenwarnung von Apple hinzu.
Charttechnik und Zeitplan
Der Platzierungspreis von 116 Dollar gilt als erste Unterstützung, weil dort die neuen Aktionäre eingestiegen sind. Darunter folgt das Tief vom 28. Juli bei 114,50 Dollar. Als Widerstand dient der Schlusskurs vor der Ankündigung bei 130,67 Dollar. Die 200-Tage-Linie verläuft deutlich höher bei 156,61 Dollar.
Fällt die Aktie auf Schlusskursbasis unter 116 Dollar, liegen die neuen Aktionäre im Minus. Das Juli-Tief rückt dann in Reichweite.
Oracle verspricht, bis zum Geschäftsjahr 2030 kein weiteres Kapital aufzunehmen, Umschuldungen ausgenommen. Der freie Cashflow soll in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 positiv werden und 2029 mindestens 30 Milliarden Dollar erreichen. Erste Hinweise, ob dieser Weg trägt, liefern die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal am 14. Dezember.
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