Alphabet Aktie: Erstmals negativer Cashflow von 5,9 Milliarden
Alphabet verzeichnet erstmals negativen freien Cashflow, da Milliarden in KI fließen. Cloud-Wachstum überzeugt, doch Schulden steigen rasant.

Kurz zusammengefasst
- Erstmals negativer freier Cashflow seit Börsengang
- Cloud-Umsatz steigt um 82 Prozent
- Kapitalausgaben verdoppeln sich auf 44,9 Milliarden Dollar
- Berkshire Hathaway baut Alphabet-Anteil deutlich aus
Alphabet hat am Mittwoch Zahlen vorgelegt, die Anleger in zwei Lager teilen. Der Google-Mutterkonzern meldete für das zweite Quartal 2026 erstmals seit dem Börsengang 2004 einen negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden Dollar. Grund ist die massiv gestiegene Investitionssumme in künstliche Intelligenz, die den Konzern zwingt, frisches Kapital am Markt aufzunehmen. Die Aktie reagierte mit einem der schärfsten Kursrutsche der vergangenen Monate.
Rekordumsatz, aber roter Cashflow
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar. Die Google-Suche trug 63,3 Milliarden Dollar bei, ein Plus von 17 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag bei 9,11 Dollar, darin enthalten war jedoch ein Bewertungsgewinn von 6,26 Dollar aus Beteiligungen an SpaceX und Anthropic. Ohne diesen Sondereffekt lag der bereinigte Gewinn je Aktie bei rund 2,85 Dollar und verfehlte damit die Konsensschätzung von 2,88 Dollar knapp.
Für Unruhe sorgte vor allem die Investitionsseite. Die Kapitalausgaben verdoppelten sich im Quartal auf 44,9 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 490 Millionen Dollar pro Tag. Finanzchefin Anat Ashkenazi hob die Jahresprognose für 2026 von zuvor 180 bis 190 Milliarden Dollar auf nun 195 bis 205 Milliarden Dollar an und kündigte für 2027 einen nochmals deutlichen Anstieg an. Um die Lücke zu schließen, nahm Alphabet 49,6 Milliarden Dollar über eine Aktienplatzierung samt Vorzugsanteil mit 6,25 Prozent Dividende sowie 20,3 Milliarden Dollar über Anleihen auf. Die langfristigen Schulden stiegen dadurch von zuvor rund 16 Milliarden auf 98,2 Milliarden Dollar. Aktienrückkäufe pausiert der Konzern vorerst.
Cloud-Sparte als Wachstumsmotor
Während die Investitionslast belastet, liefert das Cloud-Geschäft die Gegenargumente der Optimisten. Google Cloud steigerte den Umsatz um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar, der operative Gewinn kletterte von 2,8 auf 8,8 Milliarden Dollar. Die operative Marge der Sparte verbesserte sich von 20,7 auf 35,6 Prozent. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft erreichte 514 Milliarden Dollar und wuchs allein im Quartal um weitere 50 Milliarden Dollar. Befürworter der Ausgabenstrategie argumentieren, dieser Bestand belege, dass die milliardenschweren Investitionen bereits verkauft seien, bevor sie überhaupt anfallen.
Ratingagentur Moody’s mahnt dennoch zur Vorsicht. Der Wechsel großer Technologiekonzerne von einem kapitalleichten zu einem kapitalintensiven Geschäftsmodell erfordere beispiellose Investitionen und Kapitalaufnahmen, warnte die Agentur mit Blick auf Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft, Oracle und CoreWeave. Die addierten Investitionsbudgets der großen Cloud-Anbieter dürften 2026 auf etwa 785 Milliarden Dollar zulaufen und sich 2027 der Marke von einer Billion Dollar nähern.
Analysten uneins, Berkshire baut Position aus
Die Analystenmeinungen fallen gemischt aus. Bereits am 16. Juli, vor der Vorlage der Quartalszahlen, hatte Wedbush Alphabet in seine Liste bevorzugter Technologiewerte aufgenommen. Nach den Zahlen erhöhten insgesamt rund 20 Broker ihre Kursziele, der Median liegt nun bei 430 Dollar. Ein Kommentator von Seeking Alpha bezeichnete die Marktreaktion als überzogen und sieht auf Basis der eigenen Modellrechnung noch rund 31 Prozent Kurspotenzial.
Auf der institutionellen Seite baute Berkshire Hathaway unter der Führung von Greg Abel die Alphabet-Position im zweiten Quartal 2026 deutlich aus. Der Anteil an Alphabet-Aktien wuchs auf 8,7 Prozent des US-Aktienportfolios der Investmentholding. Damit zählt Alphabet mittlerweile zu den größten Einzelpositionen im Depot.
Kursreaktion und Ausblick
Am Markt zeigte sich die Skepsis deutlich: Binnen einer Woche verlor die Aktie 7,19 Prozent. Zum Handelsschluss am Freitag stand das Papier bei 281,30 Euro, ein moderates Tagesplus von 0,77 Prozent konnte den Wochenverlust nicht ausgleichen. Der Relative-Stärke-Index von 32,5 signalisiert eine überverkaufte Situation und deutet darauf hin, dass ein Teil der Verkaufswelle bereits eingepreist sein könnte.
Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Ein historisch starkes Cloud-Wachstum trifft auf eine Finanzierungsstruktur, die sich binnen eines Jahres grundlegend verändert hat. Ob sich die milliardenschwere Wette auf künstliche Intelligenz auszahlt, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn die angekündigten höheren Investitionen für 2027 tatsächlich anfallen.
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