Commerzbank Aktie: Momentum 2030 mit 5,9 Milliarden
Die Commerzbank zeigt operative Stärke, während ihre Haltung zu UniCredit und die EZB-Prüfung des Übernahmevorhabens weiterhin offen sind.

Kurz zusammengefasst
- Commerzbank könnte UniCredit entgegenkommen
- UniCredit hält wirtschaftlich 47,6 Prozent
- Jahresziel beim Nettoergebnis angehoben
- Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch
Im Übernahmekampf um die Commerzbank zeichnet sich laut Handelsblatt eine Wende ab. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf interne Dokumente und Gespräche mit Insidern, dass die Bank ihren Widerstand gegen UniCredit aufzuweichen scheint. Eine offizielle Bestätigung der Bank für einen tatsächlichen Kurswechsel liegt bislang nicht vor.
Ausgangslage bleibt komplex
UniCredit hatte bis zum Ende der Annahmefrist am 3. Juli insgesamt 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient bekommen. Zusammen mit bereits gehaltenen Anteilen summiert sich der wirtschaftliche Anteil des italienischen Instituts nach Angaben der Commerzbank auf rund 47,6 Prozent des Kapitals, was knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte entspricht.
Auffällig dabei: Nur 2,7 Prozent stammten von institutionellen Investoren und Privatanlegern außerhalb des UniCredit-Umfelds – ein erheblicher Teil der angedienten Papiere kam laut Commerzbank-Angaben von Instituten, die mit UniCredit verbunden sind.
Die BaFin hatte den Übernahmeantrag von UniCredit Ende Juli als vollständig eingestuft und an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Die EZB hat nach dieser Einstufung 60 Arbeitstage Zeit für ihre Entscheidung. Ob die Aufsicht der Übernahme zuneigt, ist derzeit nicht offiziell bestätigt – entsprechende Berichte bleiben Spekulation, solange die EZB selbst keine Entscheidung verkündet.
Politisch bleibt die Lage angespannt. Bundeskanzler Klingbeil hatte den UniCredit-Chef Ende August zu einem Gespräch über die Commerzbank eingeladen, ein Termin dafür ist für den 14. September vorgesehen. Die Bundesregierung hat sich bislang nicht von ihrer kritischen Haltung gegenüber der Übernahme distanziert.
Operatives Geschäft läuft trotz Übernahmedruck rund
Unabhängig vom Übernahmepoker liefert die Commerzbank operativ ab. Anfang August meldete die Bank deutlich gesteigerte Erträge und Profitabilität und kündigte einen weiteren Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro an, den die EZB bereits im Juli genehmigt hatte.
Zugleich hob das Institut seine Jahresprognose an: Für 2026 soll das Nettoergebnis mindestens 3,4 Milliarden Euro erreichen, die Eigenkapitalrendite (RoTE) wurde auf ein Ziel von 12 Prozent erhöht, die Cost-Income-Ratio soll auf 53 Prozent sinken.
Noch ambitionierter liest sich die mittelfristige Perspektive: Unter dem Namen „Momentum 2030″ strebt die Bank bis zum Jahrzehntende ein Nettoergebnis von 5,9 Milliarden Euro, eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 43 Prozent an, getragen von einem geplanten Umsatzwachstum von jährlich 6 Prozent.
Flankiert wird die Strategie von einer Vereinbarung mit Betriebsrat und ver.di, die betriebsbedingte Kündigungen im Rahmen der Anpassung faktisch ausschließt und stattdessen auf freiwillige Austrittsprogramme setzt.
Kurs nahe am Jahreshoch
Die Aktie notiert aktuell bei 39,80 Euro und damit nur wenige Prozentpunkte unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro, das Ende August markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 10 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 19 Prozent zu Buche.
Der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 28,90 Euro beträgt satte 38 Prozent – ein Beleg dafür, dass Anleger die Kombination aus Übernahmespekulation und solider operativer Entwicklung honorieren.
Für Investoren bleibt die Lage vorerst eine Wette auf den Ausgang eines noch offenen Verfahrens. Weder die Haltung der Commerzbank-Führung noch die Entscheidung der EZB sind final geklärt, das Treffen zwischen Klingbeil und UniCredit-Chef Orcel am 14. September dürfte weitere Hinweise liefern, in welche Richtung sich der Übernahmestreit entwickelt.
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