Nvidia nach Rekordquartal: Wohin führt der Weg nach der Hugging-Face-Offerte?

Nvidia übertrifft die Erwartungen beim Umsatz und hebt den Ausblick an. Gleichzeitig belasten Margenrisiken, Zinsen und offene Hugging-Face-Gespräche.

Dieter Jaworski ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Umsatz steigt auf 96,22 Milliarden Dollar
  • Data-Center-Erlöse wachsen um 117 Prozent
  • Hugging-Face-Beteiligung bislang nicht bestätigt
  • Bruttomarge von 71 bis 72 Prozent

Ausgangslage: Starke Zahlen, nervöser Markt

Nvidia hat mit dem jüngsten Quartalsbericht erneut Rekorde vorgelegt: Der Umsatz kletterte auf 96,22 Milliarden Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag mit 2,22 Dollar über der Konsensschätzung von 2,09 Dollar.

Das Segment Data Center, längst das Herzstück des Konzerns, wuchs sogar um 117 Prozent auf 89,02 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal stellt Nvidia einen Umsatz von rund 108 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich mehr, als Analysten mit 104,2 Milliarden Dollar erwartet hatten.

Trotzdem reagierte der Markt zunächst mit einem Kursrutsch von 4,6 Prozent, bevor sich die Aktie im Zuge der starken Prognose wieder erholte. Der Grund für die anfängliche Nervosität lag weniger im Zahlenwerk selbst als im makroökonomischen Umfeld: Fed-Chef Kevin Warsh hatte in Jackson Hole mit hawkischen Äußerungen die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September erhöht – ein Umfeld, in dem hoch bewertete Technologiewerte besonders sensibel reagieren. Hinzu kommt die geopolitische Lage: Ein Angriff auf die iranische Insel Larak und Vergeltungsschläge Irans trieben den Ölpreis nach oben und verunsicherten die Märkte zusätzlich.

Warum zählt das gerade jetzt? Weil Nvidia parallel zur Zahlenvorlage eine strategische Weichenstellung vollzieht: Der Konzern soll sich Berichten zufolge mit rund 12,9 Milliarden Dollar an Hugging Face beteiligen wollen, eine Übernahme, die laut DA Davidson als defensiver Schritt gegen wachsende Konkurrenz im KI-Ökosystem gewertet wird.

Ein finaler Vertragsabschluss ist bislang nicht bestätigt. Die Aktie notiert aktuell bei 188,26 Euro, ein Abstand von 3,8 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 181,32 Euro – ein Hinweis darauf, dass der kurzfristige Trend trotz der Volatilität intakt bleibt.

Die entscheidende Frage: Hält die Marge dem Wachstumstempo stand?

Der zentrale Punkt, an dem sich die Nvidia-Investmentthese in den kommenden Monaten entscheidet, ist nicht das Umsatzwachstum selbst – das bleibt beeindruckend –, sondern die Bruttomarge.

Nvidia hat für das vierte Fiskalquartal einen Margentiefpunkt von 71 bis 72 Prozent in Aussicht gestellt. Das klingt weiterhin hoch, markiert aber einen Rückgang gegenüber früheren Niveaus und signalisiert, dass steigende Speicherkosten und Lieferverpflichtungen von 279 Milliarden Dollar für Speicherkomponenten Druck aufbauen.

Ob Nvidia trotz explosiven Wachstums seine Preissetzungsmacht verteidigen kann, dürfte darüber entscheiden, ob die aktuelle Bewertung – der Konsens der Analysten sieht ein Kursziel um 322 Dollar – gerechtfertigt bleibt oder als zu optimistisch gilt.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die schiere Wucht der Nachfrage. ARK Invest von Cathie Wood kaufte nach den Zahlen Nvidia-Aktien im Volumen von rund 55,6 Millionen Dollar zu – ein Signal, dass prominente Wachstumsinvestoren an die Fortsetzung der Story glauben. Erste Group Bank hob ihre EPS-Schätzung für das Fiskaljahr 2027 auf 9,00 Dollar an und rechnet für 2028 mit 12,70 Dollar.

Sollte sich das von Nvidia in Aussicht gestellte Wachstum von rund 70 Prozent im Data-Center-Geschäft für 2028 bestätigen, während gleichzeitig die Integration von Hugging Face – falls sie zustande kommt – Nvidias Position im KI-Software-Ökosystem stärkt, hätte der Konzern gute Chancen, seine Dominanz auszubauen und die Aktie könnte in Richtung der oberen Analystenkursziele laufen.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kombination aus makroökonomischem Gegenwind und Bewertungsdruck. Steigende Zinsen würden die Finanzierung milliardenschwerer Rechenzentrenprojekte verteuern – ein Bereich, auf den Nvidia laut Marktbeobachtern besonders sensibel reagiert.

Zugleich holt die Konkurrenz auf: Marvell hat seine Umsatzprognose für das Fiskaljahr 2028 auf 18 Milliarden Dollar angehoben und strebt im Data-Center-Geschäft ein Wachstum von über 60 Prozent an, nahe an Nvidias eigener Zielmarke von über 70 Prozent.

Sollte sich die geplante Hugging-Face-Übernahme als teurer oder komplizierter erweisen als gedacht, oder sollte die Fed im September tatsächlich die Zinsen anheben, drohen weitere Rückschläge. Historisch gilt der September zudem als schwacher Börsenmonat für Nvidia.

Ausblick

Solange Nvidia seine Umsatzprognosen weiter übertrifft und die Marge sich im angekündigten Korridor von 71 bis 72 Prozent stabilisiert, dürfte die Aktie ihren Aufwärtstrend fortsetzen – gestützt durch einen Kurs, der aktuell rund 7 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro notiert und damit noch Luft nach oben lässt.

Kippt dagegen die Zinserwartung zu Ungunsten der Märkte oder verschlechtert sich die Marge stärker als angekündigt, droht ein Rücksetzer in Richtung der gleitenden Durchschnitte.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Fed-Sitzung im September, deren Ausgang die Risikobereitschaft für hoch bewertete Technologiewerte maßgeblich bestimmen dürfte. Parallel bleibt der endgültige Ausgang der Hugging-Face-Gespräche ein Faktor, der die strategische Ausrichtung des Konzerns über das reine Chipgeschäft hinaus prägen könnte.

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