Volkswagen Aktie: ID.Golf liegt auf Eis
Kostengründe bremsen die ID.Golf-Entwicklung; zugleich verzögert sich das Braunschweiger Verfahren zum Dieselskandal.

Kurz zusammengefasst
- ID.Golf-Projekt aus Kostengründen pausiert
- Braunschweiger Dieselprozess bis Donnerstag unterbrochen
- Deutsche Bank senkt Kursziel auf 100 Euro
- 48,75 Millionen Dollar für Anleihegläubiger
Volkswagen pausiert Berichten zufolge aus Kostengründen die Entwicklung des ID.Golf. Damit gerät ausgerechnet einer der wenigen Hoffnungsträger im Elektroprogramm ins Stocken. Hinzu kommen juristische Altlasten: Die Aufarbeitung des Dieselskandals zieht sich weiter hin.
Dieselprozess: Angeklagter fehlt
Mehr als elf Jahre nach Aufdeckung der Affäre stockt die juristische Aufarbeitung. Zum geplanten Auftakt des vierten größeren Betrugsprozesses am Landgericht Braunschweig fehlte einer von drei Angeklagten aus gesundheitlichen Gründen. Aus Sicht des Gerichts ist er nicht ausreichend entschuldigt. Die Anklageschrift wurde nicht verlesen, der Prozess ist bis Donnerstag, 5. November, unterbrochen.
Den drei ehemaligen Führungskräften wird vorgeworfen, die illegale Abschalteinrichtung mitentwickelt oder nicht gegen deren Weiterentwicklung eingeschritten zu sein. Einem von ihnen legt die Anklage zudem eine uneidliche Falschaussage zur Last.
Das Verfahren richtete sich zunächst gegen elf Beschuldigte. Gegen acht wurde es gegen Geldauflagen eingestellt. Angesetzt sind 150 Verhandlungstage bis Ende 2028. Am 24. November soll der fünfte und wohl letzte Prozess beginnen, dann gegen sieben ehemalige Führungskräfte und Mitarbeiter, mit demselben Zeitplan.
Der erste Prozess endete im Mai 2025 mit Haft- und Bewährungsstrafen. Die Verurteilten gingen in Revision, eine Entscheidung ist nicht absehbar. Das Verfahren gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn ist wegen Verhandlungsunfähigkeit vorläufig eingestellt.
Die Aktie notierte zeitweise leicht im Plus bei 69,90 Euro. Die Prozessverzögerung belastete den Kurs also nicht.
Analysten und China-Geschäft
Deutsche Bank Research senkte das Kursziel von 105 auf 100 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Buy“. Anlass war ein Gespräch mit Finanzchef Arno Antlitz. Es drehte sich um die laufende Restrukturierung, den Kostenabbau in Deutschland und die weiter schwierige Lage in China.
Beim Thema China setzt der Konzern zugleich auf Kooperation. Bei der chinesisch-deutschen Automobilkonferenz in der Wolfsburger Autostadt bezeichnete Vorstandsmitglied Thomas Schmall China als unverzichtbaren Technologieknotenpunkt, nicht mehr nur als Absatzmarkt. Fast 600 Branchenvertreter diskutierten dort unter anderem über Software-definierte Fahrzeuge und Batterietechnik.
Altlast in den USA
Aus den USA kommt eine weitere Nachwirkung des Dieselskandals. Ein von der Börsenaufsicht SEC verwalteter Entschädigungsfonds über 48,75 Millionen Dollar steht Anleihegläubigern offen, die bestimmte Volkswagen-Anleihen zwischen November 2014 und September 2018 erworben haben. Anträge sind bis zum 26. Februar 2027 möglich. Für den Konzern selbst ist das ein abgeschlossener Vorgang, die Summe haben die Beklagten bereits eingezahlt.
Der nächste feste Termin ist die Fortsetzung des Braunschweiger Prozesses am 5. November.
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