Interviewmit Eduard Altmann

LVMH Aktie: Analyst Altmann setzt auf Erholung von Vuitton und Dior

Altmanns Bewertung setzt auf eine Rückkehr der Ertragskraft bei Vuitton und Dior; die Segmentrechnung liegt elf Prozent über dem Börsenwert.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über LVMH
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Faires Zwölfmonatsniveau bei rund 490 Euro
  • Segmentwert elf Prozent über Börsenwert
  • Mode und Lederwaren: organisch fünf Prozent weniger Umsatz
  • Erholung bei Vuitton und Dior bleibt Voraussetzung

Die Analystenschätzungen für LVMH liegen weit auseinander; die jüngste Umsatzveröffentlichung vom 12. Oktober zeigte erneut Schwäche bei Mode und Lederwaren. Wie viel Erholung der wichtigsten Marken setzt eine höhere Bewertung voraus? Diese offene Frage gibt die Redaktion an Eduard Altmann weiter.

LVMH (FR0000121014) — Schlusskurse 30.04.2026 bis 27.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 27.10.2026.

LVMH (FR0000121014) — Schlusskurse 30.04.2026 bis 27.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 27.10.2026.

Stock World Redaktion: Sie sehen bei LVMH Bewertungsspielraum. Wenn ausgerechnet Louis Vuitton und Dior schwächeln, bezahlen Sie damit nicht einfach für eine Erholung, die das Geschäft noch gar nicht belegt?

Eduard Altmann: Einen Teil der Erholung setze ich voraus, ja. Wer das verschweigt, macht seine Bewertung belastbarer, als sie ist. Mein faires Zwölfmonatsniveau liegt bei rund 490 Euro und damit praktisch beim Analysten-Konsens. Meine Eigenständigkeit liegt hier in der Gewichtung der Risiken, nicht in einer besonders originellen Zahl.

Die Markenstärke trägt meinen Optimismus. Louis Vuittons kontrollierter Vertrieb ohne Rabattverkäufe ist ein handfester wirtschaftlicher Vorteil. Eine schwächere Nachfrage in China beseitigt diesen Vorteil nicht automatisch. Sie belastet allerdings das Geschäft, an dem besonders viel Konzerngewinn hängt. Deshalb gewichte ich die Entwicklung bei Vuitton und Dior deutlich höher als ein leichtes Wachstum des gesamten Konzerns.

Stock World Redaktion: „Die Markenstärke trägt meinen Optimismus“, sagen Sie. Wenn die Kunden trotzdem weniger Mode und Lederwaren kaufen, ist diese Markenstärke für Ihre Einschätzung nicht reichlich bequem?

Eduard Altmann: Die schwächeren Verkäufe sind belegt. Dass die Namen deshalb dauerhaft weniger wert sind, folgt daraus noch nicht. Mein Vertrauen reicht allerdings nur so weit, wie die Kunden wiederkommen, ohne mit Nachlässen gelockt zu werden.

Stock World Redaktion: Wie groß ist der durch die einzelnen Geschäfte gedeckte Bewertungsabschlag tatsächlich, wenn Sie die Erholungshoffnung zurückstellen?

Eduard Altmann: Die Segmentrechnung ergibt nach Abzug der angesetzten Nettofinanzverschuldung einen Eigenkapitalwert rund elf Prozent über dem Börsenwert. Das ist ein überschaubarer Puffer. Für eine besonders günstige Bewertung reicht mir dieser Abstand allein nicht.

Wichtig ist die Begrenzung dieser Rechnung: Leasingverbindlichkeiten und Verpflichtungen aus Verkaufsrechten von Minderheitsgesellschaftern wurden dabei nicht zusätzlich abgezogen. Man sollte den ausgewiesenen Abstand deshalb nicht als frei verfügbares Sicherheitspolster behandeln. Die Segmentwerte beruhen außerdem auf geschätzten Ergebnissen und Bewertungsmultiplikatoren. Auch eine sorgfältige Rechnung bleibt von ihren Annahmen abhängig.

Stock World Redaktion: Zenith berät gerade über eine stärkere Ausrichtung auf profitablere Luxusuhren und möglichen Stellenabbau. Droht aus solchen Anpassungen ein konzernweites Kostenproblem zu werden, das Ihren ohnehin kleinen Puffer aufzehrt?

Eduard Altmann: Dafür liefert die laufende Konsultation bei Zenith noch keinen ausreichenden Beleg. Ich werte den Vorstoß zunächst als Versuch, die Wirtschaftlichkeit einer einzelnen Marke zu verbessern. Der endgültige Umfang möglicher Kürzungen steht noch nicht fest.

Für meine Bewertung ist eine andere Belastung wesentlich schwerer: Im am 12. Oktober veröffentlichten dritten Quartal 2026 sank der organische Umsatz von Mode und Lederwaren um fünf Prozent. Hier sitzt das größere Ergebnisrisiko. Ein profitableres Uhrengeschäft kann helfen; die Schwäche der wichtigsten Modemarken kann es kaum auffangen.

LVMHs Portfolio aus 75 Maisons federt Belastungen ab. Diese Breite rechtfertigt Vertrauen in die Widerstandskraft des Konzerns. Sie rechtfertigt keine beliebige Bewertung.

Stock World Redaktion: Was müsste sich im Geschäft zeigen, damit Sie Ihre positive Einschätzung aufgeben – auch wenn die Nachfrage in China weiterhin als Erklärung für die Schwäche dient?

Eduard Altmann: Meine tragende Voraussetzung ist, dass Vuitton und Dior ihre Ertragskraft bei einer Normalisierung der Nachfrage weitgehend zurückgewinnen können. Wenn eine bessere Nachfrage an den Marken vorbeiläuft oder nur über Preiszugeständnisse zu gewinnen ist, wäre diese Voraussetzung beschädigt. Ohne sie bliebe ein wertvoller Konzern mit deutlich weniger Erholungspotenzial übrig.

China erklärt das Umfeld. Wie attraktiv Produkte bleiben und wie diszipliniert Vertrieb und Kosten geführt werden, liegt stärker beim Unternehmen. Auch die Zollbelastung im US-Geschäft lässt sich nicht einfach wegargumentieren: Entscheidend ist, wie viel davon LVMH weitergeben kann, ohne Kunden zu verlieren.

Ich würde meine Einschätzung deshalb zuerst an der Ertragskraft der Modehäuser überprüfen. Besucherandrang bei den Journées Particulières ist dafür zu wenig. Begeisterung für Handwerk bezahlt noch keine Rechnung.

Stock World Redaktion: Elf Prozent Abstand zum Börsenwert liefert Ihre Segmentrechnung. Ist das höhere faire Niveau des Analysten-Konsenses damit für Sie belastbar – oder verlangt es bereits zu viel Vertrauen in die Erholung von Vuitton und Dior?

Eduard Altmann: Als bedingte Erholungseinschätzung halte ich es für belastbar. Die elf Prozent allein tragen dieses Urteil nicht; entscheidend ist die Rückkehr der Ertragskraft bei Vuitton und Dior. Ich bin vorsichtig zuversichtlich, weil deren wirtschaftliche Vorteile fortbestehen. Eine großzügige Bewertung für bloße Konzernstabilisierung wäre mir zu viel.

Anzeige

Stand heute, 27. Oktober: LVMH – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in LVMH investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 27. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

LVMH: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …

LVMH Aktie

384,95 EUR

– 2,30 EUR -0,59 %
KGV 17,57
KUV 2,36
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 3,39 %
Marktkapitalisierung 190,53 Mrd. EUR
Ø Kursziel 491,54 EUR
ISIN: FR0000121014 WKN: 853292

Community Forum zu LVMH

Ähnliche Artikel

LVMH Aktie: Analyst Altmann setzt auf Erholung von Vuitton und Dior

LVMH Aktie: Analyst Altmann setzt auf Erholung von Vuitton und Dior

Interview ·
Daimler Truck Aktie: Strafzahlungen trotz E-Lkw?

Daimler Truck Aktie: Strafzahlungen trotz E-Lkw?

Auto & E-Mobilität ·
Branicks Group Aktie: Gläubiger-Votum!

Branicks Group Aktie: Gläubiger-Votum!

Immobilien & REITs ·
Bayer Aktie: Sunharbo sorgt für Furore!

Bayer Aktie: Sunharbo sorgt für Furore!

Gesundheit ·
Ballard Power Aktie: Underperform-Urteil bleibt?

Ballard Power Aktie: Underperform-Urteil bleibt?

Wasserstoff ·

Weitere Artikel zu LVMH

Alle Artikel anzeigen
LVMH Aktie: Luxus-Uhren-Kurs?

LVMH Aktie: Luxus-Uhren-Kurs?

Konsum & Luxus ·
LVMH Aktie: Rückkauf-Meldung ohne Wirkung?

LVMH Aktie: Rückkauf-Meldung ohne Wirkung?

Konsum & Luxus ·
LVMH Aktie: Mode bricht ein, Einzelhandel trägt

LVMH Aktie: Mode bricht ein, Einzelhandel trägt

Konsum & Luxus ·
LVMH Aktie: Modesparte schrumpft ohne Rabatte

LVMH Aktie: Modesparte schrumpft ohne Rabatte

Konsum & Luxus ·
LVMH Aktie: Zyklische Schwäche, tiefe Bewertung

LVMH Aktie: Zyklische Schwäche, tiefe Bewertung

Konsum & Luxus ·