Brent zieht wieder an, Ferrari fällt nach E-Auto-Premiere — ein Dienstag der Ernüchterung

Der DAX gibt nach, während der Ölpreis wieder anzieht. Ferrari enttäuscht mit vorsichtigen E-Auto-Zielen und fällt im Euro Stoxx 50.

Eduard Altmann ·
Brent zieht wieder an, Ferrari fällt nach E-Auto-Premiere — ein Dienstag der Ernüchterung

Kurz zusammengefasst

  • DAX verliert nach kurzer Erholung
  • Ferrari stellt E-Auto vor, Aktie fällt
  • BASF und FMC kaufen eigene Aktien zurück
  • SDAX erreicht neue Rekordhöhen

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schloss ich mit der Einschätzung, dass die Erholung am Montag unter Vorbehalt steht — abhängig davon, ob aus dem Doha-Memorandum ein belastbarer Waffenstillstand wird. Am Dienstagnachmittag liefert der Markt eine erste Antwort: Brent notiert wieder bei rund 98 Dollar je Barrel, nach weniger als 96 Dollar am Vortag. Der DAX steht bei 25.252,90 Punkten, ein Minus von 0,49 Prozent. Der Euro Stoxx 50 verliert 0,83 Prozent auf 6.090,63 Punkte, der CAC 40 gibt 0,98 Prozent auf 8.189,99 Punkte ab. Zweifel an einer schnellen Einigung im Iran-Konflikt und US-Militäraktionen drücken auf die Risikobereitschaft. Die Erleichterung vom Montag war kurzlebig.

DAX: 250 Punkte unter dem Rekordhoch

Am Montag hatte der DAX noch 2,0 Prozent auf 25.389 Punkte zugelegt und sich dem Allzeithoch bei 25.507 Punkten genähert. Charttechniker sehen dieses Niveau kurzfristig weiter in Reichweite; mittelfristig wurden Perspektiven bis 26.430 Punkte genannt. Am Dienstag fehlt der Schwung. Der MDAX fällt um 0,37 Prozent auf 32.693,44 Punkte, der TecDAX um 0,68 Prozent auf 4.061,80 Punkte. Gegen den Trend legen der ATX um 0,22 Prozent auf 6.152,38 Punkte und der FTSE Athex 20 um 0,86 Prozent auf 5.840,00 Punkte zu.

Unter den DAX-Werten führen Zalando mit plus 1,61 Prozent, Porsche Holding SE mit plus 0,93 Prozent und E.ON mit plus 0,88 Prozent. Am Ende der Tabelle stehen Scout24 mit minus 1,52 Prozent, MTU Aero Engines mit minus 1,45 Prozent und Siemens Healthineers mit minus 1,38 Prozent. Bemerkenswert: MTU hatte am Montag noch den DAX angeführt — der schnellste Favoritenwechsel seit Wochen.

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Infineon, Wacker Chemie, Merck: Analysten sortieren neu

Technologiewerte gehören am Dienstag zu den schwächeren Segmenten. Infineon gibt nach, nachdem MWB Research die Empfehlung auf „Verkaufen“ gesenkt und ein Kursziel von 60 Euro genannt hat. Europäische Chipwerte stehen insgesamt unter Druck.

Besonders auffällig ist Wacker Chemie. Die Aktie verliert nach einer kräftigen Rally deutlich. UBS stufte den Titel von „Kaufen“ auf „Neutral“ ab, erhöhte das Kursziel aber von 84 auf 104 Euro. Die Begründung: Die Kursentwicklung seit Jahresbeginn hat viel vorweggenommen, während das Polysilizium-Geschäft durch Überproduktion und schwache Solarpreise belastet bleibt. Die Hochstufung des Kursziels bei gleichzeitiger Abstufung der Empfehlung — ein Signal, das man zweimal lesen muss.

Merck KGaA fällt auf 127,60 Euro. Jefferies bleibt bei „Hold“ mit einem Kursziel von 129 Euro, JPMorgan sieht eine Unterbewertung. Wer recht hat, wird das zweite Halbjahr zeigen.

Ferrari, BASF, FMC: Rückkäufe und eine teure Premiere

Ferrari war am Dienstag der größte Verlierer im Euro Stoxx 50. Der Sportwagenhersteller stellte sein erstes vollelektrisches Modell „Luce“ vor — einen Fünfsitzer für 550.000 Euro, Auslieferung ab dem vierten Quartal 2026. Gleichzeitig reduzierte Ferrari seine Elektrifizierungsziele: 2030 soll die Modellpalette zu 40 Prozent aus Verbrennern, zu 40 Prozent aus Hybriden und nur zu 20 Prozent aus vollelektrischen Fahrzeugen bestehen. Der Markt quittiert die Zurückhaltung mit Verkäufen.

BASF meldete Fortschritte beim Aktienrückkaufprogramm. Zwischen dem 18. und 22. Mai wurden 1.568.571 eigene Aktien erworben. Seit dem Start am 3. November 2025 summiert sich das Volumen auf 26.885.549 Aktien. Fresenius Medical Care beschloss ein neues Rückkaufprogramm über 1 Milliarde Euro. Zwei Unternehmen, die lieber eigene Aktien kaufen als investieren — das sagt etwas über die Erwartungen an das operative Geschäft.

Delivery Hero bleibt durch die Übernahmespekulationen rund um Uber Technologies im Blick. Uber hält bereits 19,5 Prozent des Kapitals sowie weitere 5,6 Prozent über Optionen. Ein unverbindliches Angebot von 33 Euro je Aktie wurde abgelehnt; Großaktionäre erwarten mindestens 40 Euro. Die Aktie stieg seit Anfang Mai um mehr als 83 Prozent auf 37,58 Euro.

Nebenwerte und Europa: SDAX auf Rekordhoch, Stockholm bricht Serie ab

Der SDAX markierte am Dienstag neue Rekordhochs — relative Stärke im deutschen Nebenwertesegment, die seit Wochen anhält. Im MDAX gehörten Schaeffler, United Internet und TKMS zu den stärksten Werten. Schwach zeigten sich Hensoldt, Wacker Chemie und Redcare Pharmacy.

In Stockholm endete die sechstägige Gewinnserie. Der OMXS30 verlor rund 0,9 Prozent. Bonesupport fiel um 11,7 Prozent — das US-Marktpotenzial wurde zwar höher eingeschätzt, doch die erwarteten Kosten für neue Studien belasteten. Oncopeptides legte dagegen nach einer Vertriebsvereinbarung für Pepaxti deutlich zu. Der Schweizer SMI gab 1,15 Prozent auf 13.567,18 Punkte ab.

Was diese Woche noch zählt

Am Dienstag steht in den USA das Verbrauchervertrauen im Fokus; erwartet wird ein Rückgang auf rund 90 bis 91,9 Punkte. Am 28. Mai folgen die Wirtschaftsstimmung der Eurozone, US-Auftragseingänge langlebiger Güter und der Preisindex der privaten Konsumausgaben. Für die Kernrate wird ein Anstieg um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat erwartet. Am 29. Mai kommen die deutschen Inflationsdaten; die erwartete Jahresrate liegt bei 2,7 bis 2,9 Prozent.

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Die Lage lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen. Der DAX notiert 250 Punkte unter seinem Rekordhoch, die Berichtssaison fiel weniger schwach aus als befürchtet, und Rückkaufprogramme von BASF und FMC stützen einzelne Kurse. Gleichzeitig zeigt der Dienstag, dass die Erleichterung vom Montag genau so lange hielt, wie der Ölpreis unter Kontrolle blieb — nämlich einen Tag.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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