Lufthansa Aktie: Überschuss bricht um 88 Prozent ein
Lufthansa verzeichnet massiven Gewinnrückgang und senkt Jahresziele. Analysten reagieren mit reduzierten Kurszielen, während operative Probleme den Kurs belasten.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert nach Quartalszahlen weiter
- Operativer Gewinn bricht um 56 Prozent ein
- Mehrere Bankhäuser senken ihre Kursziele
- Tarifkonflikt: Schlichtungsverfahren mit Piloten vereinbart
Die Lufthansa-Aktie gerät weiter unter Druck. Am Dienstag verlor das Papier 2,2 Prozent und schloss bei 7,90 Euro. Auslöser war keine neue Meldung, sondern die Nachwirkung der Quartalszahlen vom Vortag, die tags zuvor veröffentlicht wurden – der Markt verarbeitet die schwachen Ergebnisse offenbar erst mit Verzögerung vollständig.
Gewinn bricht massiv ein
Der Kranich-Konzern meldete für das zweite Quartal ein bereinigtes operatives Ergebnis von 383 Millionen Euro – ein Rückgang um 56 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.
Der Umsatz legte zwar um 8 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro zu, doch das half wenig: Der Konzernüberschuss brach um 88 Prozent auf nur noch 123 Millionen Euro ein. Als Belastungsfaktoren nannte das Unternehmen zusätzliche Kerosinkosten von 750 Millionen Euro sowie Streikkosten von rund 150 Millionen Euro.
Bereits Anfang August hatte Lufthansa seine Gewinnprognose für das laufende Jahr kassiert. Statt eines Ergebnisses „deutlich über“ dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro rechnet der Konzern nun nur noch mit einem bereinigten operativen Ergebnis zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro.
Auch die Wachstumspläne wurden gestrichen: Statt einer Ausweitung soll das Flugangebot 2026 nun stagnieren. Für Anleger bedeutet das ein deutlich vorsichtigeres Bild als noch vor wenigen Monaten kommuniziert.
Analysten kappen Kursziele reihenweise
Nach den Zahlen reagierten mehrere Bankhäuser mit Kürzungen ihrer Kursziele. Bernstein senkte sein Ziel von 10 auf 9 Euro und bestätigte die Einstufung „Market-Perform“. JPMorgan reduzierte seine Marke von 8 auf 7,50 Euro bei unveränderter Einstufung „Neutral“.
Die DZ Bank kappte ihr Kursziel von 10 auf 8,60 Euro und beließ die Einstufung bei „Hold“. Der Tenor ist eindeutig: Selbst die neuen, niedrigeren Zielmarken liegen zwar noch über dem aktuellen Kursniveau, spiegeln aber eine spürbar eingetrübte Erwartungshaltung wider.
Charttechnisch zeigt sich das Bild entsprechend angeschlagen. Die Aktie notiert rund 23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen 11 Prozent verloren. Der Relative-Stärke-Index von 31,8 signalisiert eine überverkaufte Situation, was kurzfristig für eine technische Gegenbewegung sprechen könnte – ändert aber nichts an der fundamentalen Schieflage.
Operative Baustellen abseits der Bilanz
Auch operativ häufen sich die Probleme. Am 17. August setzte ein Lufthansa-A380 bei der Landung in München zu früh auf und beschädigte die Landebahnbefeuerung – ein Zwischenfall, der nach bisheriger Einschätzung aber nicht kursrelevant war.
Immerhin gibt es auf der Tarifseite Bewegung: Am 11. August einigten sich Lufthansa und die Vereinigung Cockpit auf ein umfassendes Schlichtungsverfahren mit Mediation, das den seit Monaten schwelenden Konflikt mit den Piloten entschärfen soll.
Parallel treibt der Konzern seine Modernisierung voran. Ab dem 19. August rüstet Lufthansa die erste A320neo mit Satelliten-Internet von Starlink aus, langfristig soll die komplette Flotte folgen.
Zudem hat der Konzern im Juni seine Option gezogen, die Beteiligung an ITA Airways von 41 auf 90 Prozent auszubauen – ein strategischer Schritt, dessen finanzielle Wirkung sich erst mittelfristig zeigen dürfte. Kurzfristig bleibt der Blick der Anleger jedoch auf die operative Marge gerichtet, die durch hohe Treibstoffkosten und Streikfolgen spürbar belastet ist.
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