Evonik Aktie: BASF blitzt ab!

Evonik weist BASFs Angebot über rund 22,15 Euro je Aktie zurück; die Haltung der RAG-Stiftung könnte den weiteren Verlauf prägen.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Industrieanlage bei Sonnenuntergang als Symbol für Marktverhandlungen und Chemiebranche. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Evonik lehnt BASF-Angebot zunächst ab
  • Offerte bewertet Evonik mit 14 Milliarden Euro
  • RAG-Stiftung hält knapp 44 Prozent
  • Evonik plant Stellenabbau bis 2029

BASF blitzt mit Milliardenofferte im ersten Anlauf ab

Der Vorstoß aus Ludwigshafen hat die monatelange Lethargie in der deutschen Chemiebranche schlagartig beendet. Wie das Handelsblatt und die Nachrichtenagentur Reuters am gestrigen Montag berichteten, hat der Essener Spezialchemiekonzern Evonik eine Übernahmeofferte von BASF zurückgewiesen.

Der Ludwigshafener Rivale hatte dem Vernehmen nach rund 22,15 Euro je Aktie geboten. Dies entsprach einem Eigenkapitalwert von 10,3 Milliarden Euro sowie einem Gesamtwert von etwa 14 Milliarden Euro inklusive Schulden.

Für die Essener Führungsetage reichte diese Prämie von gut 28 Prozent über dem Kurs vor den ersten Marktspekulationen jedoch nicht aus. Nach Informationen der Financial Times stufte Evonik den Betrag als zu niedrig ein, um formelle Verhandlungen oder eine Buchprüfung zu rechtfertigen. Am Markt sorgte das Ringen dennoch für spürbare Bewegung.

Das Evonik-Papier kletterte gestern zum Börsenschluss auf 19,88 Euro. Damit notiert der Titel nur noch knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 20,00 Euro. Für Anleger verschiebt sich der Fokus damit grundlegend: Aus der Wette auf eine schleppende Branchenerholung wird plötzlich ein Übernahmepoker.

Die Haltung der RAG-Stiftung wird zur Richtungsentscheidung

Im Zentrum der künftigen Entwicklung steht nun eine fundamentale Weichenstellung: Wie positioniert sich der größte Anteilseigner? Die RAG-Stiftung kontrolliert knapp 44 Prozent der Evonik-Anteile und hält damit faktisch den Schlüssel für jeden Kontrollwechsel in der Hand. Ohne das Einverständnis der Stiftung ist ein Zusammenschluss unmöglich.

Hinzu kommt das Gewicht der Arbeitnehmerseite. Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft IGBCE, äußerte sich am Montag skeptisch zu den Fusionsplänen. Ein größerer Konzern sichere nicht automatisch Arbeitsplätze, mahnte er, und verlangte verbindliche Investitionszusagen für Standorte und Beschäftigte.

Da beide Konzerne bereits eigene Sparprogramme verfolgen, wächst der politische Druck. Evonik selbst hatte erst kürzlich den Abbau von 3.200 Arbeitsplätzen zwischen 2027 und 2029 angekündigt. Kann BASF der Stiftung und den Gewerkschaften keine tragfähigen Garantien vorlegen, dürfte die Tür für weitere Annäherungen verschlossen bleiben.

Ein nachgebessertes Gebot eröffnet neues Kurspotenzial

Finden die beiden Konzerne dennoch einen gemeinsamen Pfad, winkt den Anteilseignern ein deutlicher Bewertungsaufschlag. Analysten der Deutschen Bank verweisen darauf, dass sich die Aktivitäten bei rund einem Drittel des BASF-Umsatzes und etwa zwei Dritteln des Evonik-Geschäfts überschneiden. Ein Zusammenschluss böte daher beträchtliche Einsparmöglichkeiten in Verwaltung, Einkauf und Logistik.

Sollte BASF den strategischen Nutzen als zwingend erachten, müsste der Dax-Konzern finanziell nachlegen. Beobachter halten eine Aufstockung der bisherigen Offerte für denkbar, um das Evonik-Management an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Die Ludwigshafener verfügen nach dem Verkauf ihres Beschichtungsgeschäfts über zusätzlichen Spielraum. Gleichzeitig könnte die offizielle Abfuhr weitere Interessenten auf den Plan rufen. Solange ein Übernahmekampf oder ein verbessertes Angebot im Raum stehen, bleibt die Aktie nach unten gut abgesichert.

Scheitern der Gespräche legt strukturelle Branchenprobleme offen

Tritt BASF hingegen endgültig den Rückzug an, droht dem Papier eine spürbare Ernüchterung. Ohne Übernahmephantasie stünde Evonik wieder allein vor den massiven Herausforderungen der europäischen Chemiekrise. Die Unternehmensberatung Roland Berger beziffert den Anteil der europäischen Chemieproduktionskapazitäten, der vor dem Hintergrund schwacher Nachfrage und chinesischer Konkurrenz zur Stilllegung ansteht, auf nahezu ein Zehntel.

Zudem trüben sich die mittelfristigen Ertragsaussichten ein. Prognosen von Visible Alpha deuten darauf hin, dass Evoniks Betriebsgewinn im Jahr 2030 unter dem für das laufende Jahr erwarteten Niveau liegen könnte. Hinzu kommt das Risiko einer Zersplitterung: Wendet sich BASF alternativen Zielen wie Lanxess, Arkema oder Syensqo zu, verpufft der Übernahmeaufschlag im Evonik-Kurs rasch.

Die Marktkapitalisierung von 9,10 Milliarden Euro spiegelt derzeit bereits erhebliche Fusionshoffnungen wider, die bei einem Scheitern korrigiert werden müssten.

Verlauf der nächsten Wochen entscheidet über den weiteren Trend

Für Investoren hängt die taktische Ausrichtung nun an wenigen klaren Signalen. Solange der Kurs in Schlagdistanz zum jüngsten Höchststand verharrt, preist der Markt eine Fortsetzung des Pokers ein. Legt BASF ein nachgebessertes Angebot vor oder signalisiert die RAG-Stiftung Verhandlungsbereitschaft, dürften Notierungen jenseits der bisher gebotenen 22,15 Euro greifbar werden.

Kippt das Szenario jedoch durch eine endgültige Absage aus Ludwigshafen, dürften Gewinnmitnahmen einsetzen. Der nächste konkrete Prüfstein für Anleger ist die Reaktion der RAG-Stiftung auf die jüngste Gesprächsverweigerung der Essener Konzernspitze. Bestätigt die Stiftung den harten Kurs des Managements ohne Hintertür für Nachverhandlungen, verlagert sich das Augenmerk wieder vollständig auf die internen Kostensenkungspläne bis 2029.

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Evonik Aktie

20,22 EUR

+ 0,41 EUR +2,07 %
KGV 75,08
KUV 0,60
Sektor Grundlegende Materialien
Div.-Rendite 5,51 %
Marktkapitalisierung 9,42 Mrd. EUR
Ø Kursziel 18,05 EUR
ISIN: DE000EVNK013 WKN: EVNK01

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