Commerzbank Aktie: UniCredit nähert sich Mehrheit
UniCredit hält laut Reuters rund 48 Prozent der Commerzbank. Ein Berlin-Treffen am 14. September soll die Deal-Bedingungen klären.

Kurz zusammengefasst
- UniCredit besitzt rund 48 Prozent
- Klingbeil lädt Orcel nach Berlin
- EZB-Entscheidung bleibt noch offen
- Commerzbank-Aktie nahe 52-Wochen-Hoch
Der Übernahmekonflikt um die Commerzbank verschiebt sich in eine neue Phase. Nach Angaben von Reuters hält UniCredit inzwischen rund 48 Prozent an der deutschen Bank – nur einen kleinen Schritt von der Mehrheit entfernt. Die Debatte drehe sich damit nicht mehr um die Frage, ob eine Übernahme abgewehrt werden kann, sondern um die Bedingungen eines möglichen Deals.
Politisches Gipfeltreffen rückt näher
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat UniCredit-Chef Andrea Orcel für den 14. September nach Berlin eingeladen, um über die Commerzbank-Pläne zu sprechen. Reuters wertet die Einladung als klarstes Zeichen einer direkten politischen Gesprächsbereitschaft seit Beginn des Übernahmekonflikts.
Bereits am 26. August hatte Reuters berichtet, dass die Bundesregierung erstmals unmittelbar mit UniCredit in Verhandlungen eintreten wolle, um ihre Position bei diesem Termin darzulegen.
Der nun nahezu erreichte Anteil von 48 Prozent verändert die Ausgangslage für dieses Treffen erheblich. Mit einer Position knapp unter der Mehrheitsschwelle sitzt UniCredit am Verhandlungstisch nicht mehr als Bittsteller, sondern als faktisch kontrollierender Aktionär. Für Berlin bedeutet das: Der Spielraum, den Deal noch grundsätzlich zu verhindern, schrumpft – die Verhandlungsmacht verschiebt sich auf die Frage der Konditionen.
Regulatorische Weichen bereits gestellt
Parallel zur Aktionärsstruktur bewegt sich auch die aufsichtsrechtliche Seite. Reuters hatte bereits am 18. August unter Verweis auf ein internes Dokument der Europäischen Zentralbank berichtet, dass deren Aufsichtsrat zur Genehmigung der Übernahme neige. Die regulatorische Freigabe gilt seither als der zentrale noch offene Schritt im Prozess. Nach Angaben von Euronews wird eine finale Entscheidung im Zeitraum September bis Oktober erwartet.
Zu diesem Zeitpunkt hatten laut Euronews auch bereits erste formale Gespräche zwischen Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp stattgefunden – Thema waren die Auswirkungen einer künftigen Kontrolländerung auf Bilanzierung, Recht und Risikomanagement. Nachrichtlich wurde zudem berichtet, dass Orlopp die Tür für Gespräche mit Orcel geöffnet und Aufsichtsratschef Jens Weidmann die strategischen Gespräche befürwortet habe.
Kursverlauf spiegelt die neue Ausgangslage
Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 39,64 Euro und hat damit im laufenden Jahr rund 9,8 Prozent zugelegt. Über die vergangenen zwölf Monate steht ein Plus von 19 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 41,00 Euro, erreicht Ende August, trennen das Papier derzeit 3,3 Prozent – ein Abstand, der zeigt, wie nah die Aktie trotz des schwebenden Übernahmekonflikts an ihrem Jahreshöchststand notiert.
Der zunehmend konkrete Zugriff von UniCredit auf die Mehrheit dürfte den Markt in den kommenden Wochen stärker beschäftigen als bisherige Spekulationen. Mit dem Berlin-Termin am 14. September und einer regulatorischen Entscheidung, die laut Euronews-Berichten im Herbst fallen soll, stehen zwei konkrete Fixpunkte fest, an denen sich zeigen wird, ob aus der fast erreichten Mehrheit eine vollständige Kontrolle wird.
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