Rheinmetall und RWE trotzen dem DAX-Ausverkauf

Rheinmetall und RWE legen im DAX zu, während Finanz- und Technologiewerte unter geopolitischen Spannungen leiden.

Dieter Jaworski ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rheinmetall steigt um 2,6 Prozent
  • RWE als defensiver Hafen gefragt
  • Deutsche Telekom profitiert von Aktienrückkäufen
  • SAP und Scout unter Verkaufsdruck

Ein Rüstungskonzern, der nach oben schießt, während Bankaktien und Softwarewerte nachgeben – der DAX zeigt heute ein Bild der Gegensätze. Nahost-Sorgen und ein Tech-Ausverkauf drücken auf die breite Stimmung, doch einzelne Werte koppeln sich demonstrativ ab. Wer profitiert, wer leidet – und warum das ausgerechnet jetzt so ist, lohnt einen genaueren Blick.

Der Leitindex kämpfte bereits gestern mit Gegenwind und schloss knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten. Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Faktoren: schwache Vorgaben aus der internationalen Technologiebranche und die Furcht vor einer weiteren Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Anleger befürchten Engpässe bei der Ölversorgung, zumal die Lagerbestände in vielen Ländern bereits niedrig sind. Charttechnisch bleibt der langfristige Aufwärtstrend des Index dennoch intakt – erst Anfang Juli hatte er ein neues Allzeithoch markiert.

Innerhalb des Index zeigt sich dabei eine klare Trennlinie:

  • Verteidigung und Versorger im Aufwind: Rheinmetall und RWE profitieren von ihrer defensiven beziehungsweise geopolitisch getriebenen Positionierung
  • Telekom stabilisiert sich: Kapitalrückführung stützt den Kurs nach schwachem Vormonat
  • Finanzwerte und Technologie unter Druck: Deutsche Bank, SAP und Scout leiden unter allgemeiner Risikoaversion und branchenspezifischen Sorgen

Rheinmetall: Rüstungsboom koppelt sich vom Gesamtmarkt ab

Rheinmetall legt heute um 2,62 Prozent zu und notiert bei 982,70 Euro – nach einem Schlusskurs von 957,60 Euro am Vortag. Damit setzt der Düsseldorfer Rüstungskonzern seine Sonderrolle im Index fort, auch wenn der Blick auf die längerfristige Kursentwicklung ernüchtert: Auf Jahressicht steht ein Minus von 36,72 Prozent zu Buche, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 1.995 Euro liegt die Aktie sogar rund die Hälfte niedriger.

Der fundamentale Treiber hinter der jüngsten Stärke bleibt unverändert. Neue Meldungen zur Zusammenarbeit mit Lockheed Martin und zur möglichen Produktion von ATACMS-Raketen in Deutschland stützen das Interesse an der Aktie. Die Debatte über europäische Produktionskapazitäten für Munition und Raketen bleibt ein wichtiger Kurstreiber. Die geopolitische Eskalation im Nahen Osten, die den breiten DAX belastet, wirkt für Rheinmetall paradoxerweise als zusätzlicher Kaufimpuls – steigende Verteidigungsausgaben gelten in unsicheren Zeiten als nahezu gesetzt.

Mit einem RSI von 38,5 ist die Aktie technisch noch nicht überkauft, trotz der jüngsten Erholung vom 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro. Der übergeordnete Trend bleibt stark von der politischen Großwetterlage getrieben, weniger von kurzfristigen Einzelmeldungen.

Deutsche Telekom: Rückkaufprogramm gibt Halt

Die Deutsche Telekom gewinnt 1,27 Prozent und steigt auf 27,04 Euro, nachdem sie gestern bei 26,70 Euro geschlossen hatte. Auf Wochensicht summiert sich der Anstieg bereits auf 3,21 Prozent – ein deutliches Zeichen der Stabilisierung nach einem schwachen Juni.

Getragen wird die Erholung vom laufenden Aktienrückkaufprogramm, das die Bonner in den vergangenen Wochen konsequent fortgesetzt haben. Zwischen dem 1. und 3. Juli wurden über Xetra rund 908.700 eigene Aktien erworben, das Gesamtprogramm hat ein Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro und läuft planmäßig bis Jahresende. Ein solches Signal wird am Markt nicht nur als technische Finanzmaßnahme gewertet, sondern als strategisches Bekenntnis des Vorstands zur Aktionärsrendite.

Die Kombination aus Rückkäufen und der defensiven Ausrichtung des Telekommunikationssektors macht den Titel derzeit für Anleger attraktiv, die in einem unruhigen Marktumfeld Stabilität suchen. Mit einem RSI von 56 bewegt sich die Aktie zudem in einem unauffälligen, eher neutralen technischen Bereich.

RWE: Defensiver Charakter zahlt sich aus

RWE steigt um 0,90 Prozent auf 55,86 Euro und reiht sich damit in die Riege der Werte ein, die von der aktuellen Marktverunsicherung eher profitieren als leiden. Als Versorger mit stabilen, regulierten Cashflows gilt das Unternehmen traditionell als defensiver Hafen in Phasen erhöhter geopolitischer Risiken.

Der langfristige Aufwärtstrend ist eindrucksvoll intakt: Auf Jahressicht steht ein Plus von 54,35 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat die Aktie 23,42 Prozent zugelegt. Der Abstand zur 200-Tage-Linie fällt mit knapp 8 Prozent deutlich positiv aus. Der Fokus auf erneuerbare Energien und klimafreundliche Kraftwerke zahlt sich damit weiterhin aus.

Steigende Ölpreis-Sorgen infolge der Nahost-Krise dürften zudem indirekt der Attraktivität von Energieversorgern mit diversifiziertem Erzeugungsportfolio zugutekommen. Anleger suchen hier tendenziell Absicherung gegen volatile fossile Energiepreise – ein Trend, von dem RWE strukturell profitiert.

Scout: Gewinnmitnahmen nach Analysten-Rückenwind

Scout verliert heute 2,42 Prozent und fällt auf 72,70 Euro zurück, nach einem Schlusskurs von 74,50 Euro am Vortag – trotz eigentlich positiver fundamentaler Nachrichtenlage. Erst kürzlich hatte die Aktie von einer kräftigen Kurszielanhebung profitiert: Die Privatbank Berenberg erhöhte ihr Kursziel von 100 auf 140 Euro und bestätigte die Einstufung „Buy“, begründet mit erwarteten Wachstumsimpulsen durch Künstliche Intelligenz. Der Analyst sieht das Immobilienportal dabei klar an der Spitze der KI-Innovation in seinem Segment.

Nach dieser Rally wirkt der heutige Rücksetzer wie eine klassische Gewinnmitnahme, zumal die Aktie erst vor wenigen Tagen die 50-Tage-Linie nach oben gekreuzt hatte. Auf Monatssicht bleibt dennoch ein Minus von 6,19 Prozent bestehen, auf Jahressicht sogar von 38,80 Prozent.

Fundamental bleibt das Unternehmen gut aufgestellt und setzt sein eigenes Aktienrückkaufprogramm fort, was üblicherweise unterstützend wirkt. Die Schwankungsanfälligkeit dürfte auch auf die insgesamt technologielastige Ausrichtung zurückzuführen sein – der breite Tech-Ausverkauf im DAX-Umfeld sorgt hier für kurzfristigen Verkaufsdruck, selbst wenn die langfristige Wachstumsstory durch die KI-Strategie intakt bleibt.

Deutsche Bank: Sektorschwäche trifft solide Fundamentaldaten

Die Deutsche Bank gibt 1,78 Prozent nach und rutscht auf 30,92 Euro ab, nach einem gestrigen Schlusskurs von 31,48 Euro. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil das Institut zuletzt eigentlich mit Stärke aufwarten konnte – erst vor wenigen Tagen war der Kurs zeitweise über die 32-Euro-Marke gestiegen.

Der heutige Rückgang dürfte primär sektorspezifische Gründe haben. Finanzwerte leiden in Phasen erhöhter geopolitischer Unsicherheit häufig überproportional, da Anleger eine Belastung des Kreditgeschäfts durch mögliche Konjunktureffekte einer eskalierenden Nahost-Krise fürchten. Fundamental bleibt das Institut jedoch auf Kurs: Bis 2028 strebt das Management eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von mehr als 13 Prozent an, bei einem geplanten Ertragswachstum von über fünf Prozent jährlich und einer steigenden Ausschüttungsquote ab 2026.

Auf Jahressicht steht trotz des heutigen Rücksetzers ein Plus von 19,04 Prozent zu Buche. Der heutige Kursrückgang erscheint damit eher als marktweite Risikoaversion denn als unternehmensspezifisches Problem – ein Effekt, der sich bei einer Entspannung der geopolitischen Lage rasch umkehren könnte.

SAP: Nervosität vor der Zahlenvorlage

SAP verliert 1,87 Prozent auf 138,42 Euro, nach einem Schlusskurs von 141,06 Euro am Vortag, und bleibt damit nahe seinem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro. Der Blick der Anleger richtet sich zunehmend auf den bevorstehenden Quartalsbericht: Am 23. Juli veröffentlicht Europas größter Softwarekonzern seine Ergebnisse für das zweite Quartal.

Diese Unsicherheit belastet den Kurs bereits im Vorfeld. Nach einer langen Phase schwacher Kursentwicklung – auf Jahressicht steht ein Minus von 47,91 Prozent, seit Jahresbeginn von 33,56 Prozent – erwarten Investoren konkrete Belege dafür, dass sich die Milliardeninvestitionen in Cloud und künstliche Intelligenz auszahlen. Enttäuschen die Ergebnisse oder bleibt der Ausblick verhalten, könnte der Druck auf die Aktie anhalten.

Hinzu kommt branchenweiter Gegenwind: Der gesamte Technologiesektor steht derzeit unter dem Einfluss von Zinsentwicklungen, Konjunkturdaten und der globalen KI-Euphorie. Mit einem RSI von 47,2 ist die Aktie weder überkauft noch überverkauft – die Richtung dürfte sich erst mit den Zahlen am 23. Juli klären.

Rüstung und Versorger als Stabilitätsanker

Der heutige Handelstag zeigt exemplarisch, wie stark der DAX derzeit zwischen geopolitischer Risikoaversion und unternehmensspezifischen Sondersituationen hin- und hergerissen wird. Rheinmetall demonstriert einmal mehr, dass Verteidigungswerte von der Nahost-Eskalation profitieren, während RWE als defensiver Versorger und die Deutsche Telekom dank ihres Rückkaufprogramms Stabilität bieten. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass selbst fundamental gut aufgestellte Werte wie die Deutsche Bank oder Scout unter der allgemeinen Risikoaversion leiden können.

Für SAP dürfte der 23. Juli mit den Q2-Zahlen richtungsweisend werden. Anleger sollten in den kommenden Tagen vor allem die Entwicklung im Nahen Osten sowie die anlaufende Berichtssaison im Blick behalten – beide Faktoren dürften kurzfristig für erhöhte Schwankungen im Index sorgen.

Anzeige

Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 17. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Rheinmetall Aktie

984,20 EUR

+ 20,30 EUR +2,11 %
KGV 42,37
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,18 %
Marktkapitalisierung 44,70 Mrd. EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

Community Forum zu Rheinmetall

Ähnliche Artikel

Rheinmetall und RWE trotzen dem DAX-Ausverkauf

Rheinmetall und RWE trotzen dem DAX-Ausverkauf

Rüstung & Luftfahrt ·
Renk Aktie: 620 Millionen Auftragseingang im Q2

Renk Aktie: 620 Millionen Auftragseingang im Q2

Rüstung & Luftfahrt ·
Pentixapharm Aktie: Fast-Track für PentixaFor-Diagnostikum

Pentixapharm Aktie: Fast-Track für PentixaFor-Diagnostikum

Gesundheit ·
Bayer Aktie: RAGT-Lizenz für Hybridweizen

Bayer Aktie: RAGT-Lizenz für Hybridweizen

Pharma & Biotech ·
Lang & Schwarz Aktie: 42-Prozent-Crash in 30 Tagen

Lang & Schwarz Aktie: 42-Prozent-Crash in 30 Tagen

Earnings ·

Weitere Artikel zu Rheinmetall

Alle Artikel anzeigen
Rheinmetall Aktie: 40 Prozent Minus trotz 73-Milliarden-Aufträge

Rheinmetall Aktie: 40 Prozent Minus trotz 73-Milliarden-Aufträge

Rüstung & Luftfahrt ·
Rheinmetall Aktie: 1-Milliarden-Auftrag von Raytheon UK

Rheinmetall Aktie: 1-Milliarden-Auftrag von Raytheon UK

Industrie ·
Chips fallen, Fabriken wachsen: TSMCs 265-Milliarden-Dollar-Wette gegen die Rotation

Chips fallen, Fabriken wachsen: TSMCs 265-Milliarden-Dollar-Wette gegen die Rotation

Industrie ·
Rheinmetall Aktie: 270-Millionen-Deal mit Renk

Rheinmetall Aktie: 270-Millionen-Deal mit Renk

Industrie ·
Rheinmetall Aktie: 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro

Rheinmetall Aktie: 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro

Raumfahrt ·