Gerresheimer: 870 Millionen Euro Schulden gestundet

Fehlender Jahresabschluss, Prüferaffäre und Centor-Verkauf prägen die unsichere Lage bei Gerresheimer.

Felix Baarz ·
Gerresheimer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kursverlust von fast 18 Prozent seit Januar
  • Testierter Jahresabschluss 2025 fehlt noch
  • Gläubiger stimmen Fristverlängerung zu
  • Centor-Verkauf als wichtiger Kurstreiber

Seit Jahresbeginn hat die Gerresheimer-Aktie fast 18 Prozent verloren — und das nach einem Jahr, in dem der Kurs um mehr als die Hälfte eingebrochen ist. Was den Pharmaverpackungsspezialisten belastet, ist kein einzelnes Problem, sondern ein ganzes Bündel aus Bilanzaufarbeitung, Prüferaffäre und offenen Verkaufsprozessen.

Kein Jahresabschluss, kein Fixpunkt

Der Finanzkalender ist derzeit weitgehend leer. Weil Gerresheimer den testierten Jahresabschluss 2025 noch nicht vorgelegt hat, musste das Unternehmen sowohl die Quartalsmitteilung für Q1 als auch die Hauptversammlung verschieben. Neue Termine stehen noch aus. Frühestens im Juni rechnet das Unternehmen mit belastbaren Informationen.

Dieser Abschluss ist mehr als eine buchhalterische Pflichtübung. Er ist die Voraussetzung für die Sicherung der Bankfinanzierung — und damit für die Glaubwürdigkeit der Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für das laufende Geschäftsjahr.

Gläubiger geben Zeit, BaFin prüft weiter

Mitte April verschaffte eine Einigung mit Gläubigern etwas Luft: Mit einer Mehrheit von 96 Prozent stimmten sie einer Fristverlängerung für Schuldscheine im Volumen von 870 Millionen Euro bis September 2026 zu. Der Kurs reagierte mit einem Wochenplus von rund 20 Prozent und liegt aktuell bei 22,76 Euro — immerhin deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 15,57 Euro.

Allerdings steht die operative Prognose ausdrücklich unter dem Vorbehalt eines positiven BaFin-Ergebnisses. Solange das aussteht, fehlt institutionellen Investoren die Grundlage für eine Positionierung. Erschwerend kommt hinzu, dass das Wirtschaftsprüfer-Aufsichtsorgan APAS berufsrechtliche Disziplinarverfahren gegen KPMG eingeleitet hat — jenen Prüfer, der den fehlerhaften Abschlüssen ein uneingeschränktes Testat erteilt hatte.

Centor-Verkauf als wichtigster Kurstreiber

Operativ ist der laufende Verkauf der US-Tochter Centor der entscheidende Katalysator. Die auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisierte Tochter soll noch vor Jahresende veräußert werden. Morgan Stanley begleitet den Prozess, eine zweistellige Zahl von Interessenten soll im Rennen sein.

Parallel treibt Gerresheimer die Separierung des Moulded-Glass-Geschäfts voran — der eigentliche Verkaufsprozess ist jedoch auf nach 2026 verschoben. Das Werk in Chicago Heights wird bis Jahresende geschlossen, das Geschäft verlagert sich auf Standorte in Italien und Indien.

Volatile Aktie, wenig Orientierung

Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von rund 95 Prozent gehört Gerresheimer derzeit zu den unruhigsten Titeln im deutschen Mittelfeld. Der RSI liegt bei knapp 30 — technisch überverkauft, fundamental aber weiter mit erheblichen Fragezeichen behaftet.

Konkrete Meldungen aus dem Centor-Prozess oder ein Signal zur BaFin-Prüfung könnten die Aktie kurzfristig in beide Richtungen bewegen. Der testierte Jahresabschluss im Juni bleibt das alles entscheidende Datum — ohne ihn bleiben Bankfinanzierung, Prognose und Hauptversammlung in der Schwebe.

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Gerresheimer Aktie

22,54 EUR

+ 0,38 EUR +1,71 %
KGV 33,47
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,18 %
Marktkapitalisierung 786,13 Mio. EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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