Bitcoin: Doppelter Belastungstest
Nach dem gescheiterten US-Krypto-Gesetz fällt Bitcoin auf rund 75.800 Dollar. Nun richtet sich der Blick auf den Fed-Ausblick.

Kurz zusammengefasst
- Senat verfehlt Clarity-Act-Hürde
- Bitcoin sinkt auf 75.800 Dollar
- Krypto-Liquidationen erreichen 570 Millionen
- Fed-Zinsentscheid sorgt für neue Spannung
Ein gescheitertes Gesetzesvorhaben, ein Zinsentscheid am Abend – der Kryptomarkt bekommt an einem einzigen Tag gleich zwei Belastungsproben. Bitcoin rutschte nach dem Votum im US-Senat auf rund 75.800 US-Dollar ab, ein Minus von etwa 2 bis 4 Prozent binnen 24 Stunden. Für Anleger, die auf regulatorische Klarheit gewartet hatten, ist das ein herber Dämpfer.
Der Clarity Act ist erst einmal vom Tisch
Der US-Senat verfehlte am Dienstagabend die nötige Sechzig-Stimmen-Hürde für die Cloture-Abstimmung zum Digital Asset Market Clarity Act deutlich – das Ergebnis lag bei 49 zu 50 Stimmen.
Kein einziger Demokrat stimmte zu, und auch unter den Republikanern fehlten Stimmen. Damit endet vorerst jede realistische Chance auf ein Marktstruktur-Gesetz für Kryptowährungen in diesem Jahr, obwohl das Repräsentantenhaus eine frühere Fassung bereits im Sommer 2025 mit deutlicher Mehrheit verabschiedet hatte.
Zentraler Streitpunkt war die Ethikregel für Amtsträger mit Krypto-Beteiligungen: Demokraten forderten schärfere Veräußerungspflichten, auch mit Blick auf die Krypto-Verbindungen der Trump-Familie zu World Liberty Financial. Selbst ein letztes Gegenangebot kurz vor der Abstimmung scheiterte.
Ripple-Chef Brad Garlinghouse sprach von einem schmerzhaften Rückschlag für die gesamte Branche, sieht die Dynamik seines Unternehmens dadurch aber nicht gebrochen. Ein neuer Anlauf im Kongress gilt frühestens nach den Midterm-Wahlen als realistisch – Kritiker rechnen sogar erst mit einer Wiederaufnahme um 2030.
Der Ausverkauf traf den gesamten Markt
Der Verkaufsdruck blieb nicht auf Bitcoin beschränkt. Ethereum fiel auf rund 2.400 bis 2.470 US-Dollar, Solana auf etwa 100 US-Dollar, XRP verlor mit einem Rückgang auf rund 1,30 bis 1,40 US-Dollar besonders deutlich – ein Ergebnis der engen Verknüpfung von Ripples Rechtslage mit der Frage regulatorischer Klarheit.
Insgesamt wurden Long-Positionen im Volumen von 570 Millionen US-Dollar liquidiert. Coinbase und Circle gaben an den Aktienmärkten ebenfalls spürbar nach.
Ganz ohne Kontext ist der Rücksetzer allerdings nicht zu sehen: Auf Sicht von dreißig Tagen steht Bitcoin noch immer deutlich im Plus. Der Aufwärtstrend der vergangenen Wochen ist durch das Senats-Votum belastet, aber nicht gebrochen.
Heute Abend folgt der zweite Test
Um 20 Uhr MESZ gibt die Federal Reserve ihre Zinsentscheidung bekannt, begleitet vom ersten neuen Dot Plot seit Juni und Fed-Chef Kevin Warshs Pressekonferenz eine halbe Stunde später.
Eine Erhöhung um 25 Basispunkte gilt als nahezu sicher eingepreist und dürfte für sich genommen kaum überraschen. Entscheidend wird der Ausblick: Deutet der Dot Plot auf weitere Zinsschritte bis Ende 2026 oder 2027 hin, dürfte der Druck auf Bitcoin zunehmen.
Signalisiert die Fed dagegen, dass der heutige Schritt vorerst der letzte war, könnte sich der Markt trotz des regulatorischen Rückschlags stabilisieren. Im ungünstigsten Fall einer restriktiven Fed-Kommunikation halten Marktbeobachter einen weiteren Rückgang Richtung 73.000 US-Dollar für möglich.
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