Starker US-Jobaufbau erhöht Druck auf die Federal Reserve
Mehr Beschäftigung und höhere Löhne stützen den Inflationsfokus der Fed; an den Märkten wächst die Erwartung steigender Dezemberzinsen.

Kurz zusammengefasst
- 165.000 zusätzliche Stellen im Oktober
- Arbeitslosenquote sinkt auf 4,1 Prozent
- Stundenlöhne steigen jährlich um 3,1 Prozent
- Rendite zehnjähriger US-Anleihen erreicht 4,859 Prozent
Der US-Arbeitsmarkt trotzt den Zinssorgen mit unerwarteter Wucht. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden im Oktober 165.000 neue Stellen, während Ökonomen im Vorfeld lediglich mit 59.000 bis 70.000 gerechnet hatten. Dieser kräftige Stellenzuwachs verschafft der Notenbank Federal Reserve den geldpolitischen Spielraum, ihren Fokus weiter voll auf die Bekämpfung der Inflation zu richten. An den Märkten wächst dadurch die Erwartung, dass die Zinsen im Dezember weiter steigen könnten.
Breite Stärke über Branchen hinweg
Die Dynamik beschränkt sich nicht nur auf den vergangenen Monat. Das Arbeitsministerium korrigierte die Werte für August auf 186.000 und für September auf 60.000 Stellen nach oben. Insgesamt ergibt sich damit für die beiden Vormonate ein rechnerisches Plus von 84.000 Arbeitsplätzen gegenüber früheren Erhebungen.
Parallel dazu sank die Arbeitslosenquote leicht von 4,2 Prozent im Vormonat auf 4,1 Prozent. Die Erwerbsquote stieg leicht auf 61,9 Prozent. Der Beschäftigungsaufbau reicht damit aus, um mit dem wachsenden Arbeitskräfteangebot Schritt zu halten.
Ein wesentlicher Treiber für die Zinsdebatte liegt bei den Gehältern. Die durchschnittlichen Stundenlöhne kletterten um 0,4 Prozent auf 38,00 Dollar. Im Jahresvergleich entspricht dies einem Lohnanstieg von 3,1 Prozent. Der Zuwachs fiel damit so hoch aus wie seit Jahresbeginn nicht mehr.
Anleihemärkte reagieren mit Renditeanstieg
Weil der Preisdruck in den USA weiterhin spürbar über dem Zielwert verharrt, werten Marktbeobachter die Zahlen als Argument für straffere monetäre Zügel. In der Vorwoche hatte die Notenbank die Zinsen noch unverändert gelassen. Die robusten Lohndaten könnten die Diskussionen innerhalb der Fed nun wieder verschärfen.
Die US-Staatsanleihen gaben am Freitag nach der Veröffentlichung ihrer Kursgewinne wieder nach. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Papiere kletterte im Gegenzug um 2,2 Basispunkte auf 4,859 Prozent.
Die nächste reguläre Zinsentscheidung der Federal Reserve steht im Dezember an. Sollte sich der Preisdruck bis dahin nicht weiter abschwächen, dürften die Befürworter eines Zinsschritts innerhalb der Notenbank die Oberhand behalten.