Airbus vor dem A350F-Erstflug: Entscheidet das Auftragsbuch die nächste Kursphase?
Airbus verhandelt mit Qantas über mögliche A350- und 787-Bestellungen, während ein Spanien-Streik den geplanten A350F-Erstflug belastet.

Kurz zusammengefasst
- Qantas prüft feste A350- und 787-Aufträge
- United erwartet ausreichende A321XLR-Lieferungen
- Spanische Airbus-Werke unbefristet bestreikt
- A350F-Erstflug bleibt zeitlich offen
Ausgangslage
Airbus steckt in einer Phase, in der operative Fortschritte und strukturelle Kundenbindung gegeneinander abgewogen werden müssen. Die Aktie notiert bei 194,98 Euro und damit rund zwölf Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro vom 13. Januar.
Der RSI von 35,9 signalisiert eine überverkaufte Tendenz, während der Kurs knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 198,82 Euro, aber noch über dem 200-Tage-Durchschnitt von 191,58 Euro liegt. Diese Konstellation macht den Titel technisch unentschlossen – und genau in diese Phase fällt eine Nachrichtenlage, die zwei Kundenbeziehungen neu vermisst.
Qantas Airways kündigte an, ihre zehn A380 ab Mitte 2028 auszumustern – vier Jahre früher als ursprünglich geplant, wegen steigender Wartungskosten und neuerer Flugzeuge in der Flotte.
Zugleich befindet sich die australische Fluggesellschaft in Gesprächen mit Airbus und Boeing, um 20 Optionen in feste Bestellungen für A350 und 787 ab 2030 umzuwandeln. Parallel dazu erklärte United Airlines, ausreichende Lieferungen der A321XLR zu erwarten, um die geplante transatlantische Netzwerkerweiterung im kommenden Sommer zu stützen.
Die entscheidende Frage
Für Anleger läuft die zentrale Weichenstellung auf eine Frage hinaus: Gelingt es Airbus, die bestehenden Order-Signale von Kunden wie Qantas und United tatsächlich in belastbare Festbestellungen umzumünzen, während gleichzeitig operative Termine wie der A350F-Erstflug eingehalten werden?
Die Qantas-Gespräche befinden sich ausdrücklich noch im Verhandlungsstadium – aus Optionen werden erst dann Aufträge, wenn eine Entscheidung fällt. Genauso hängt der A350F-Zeitplan in der Schwebe: Reuters berichtete von einem angepeilten Erstflug Ende September, mit möglicher Verschiebung in den frühen Oktober.
Airbus selbst hat dieses konkrete Datum nicht öffentlich bestätigt. Beide Fragen – Bestellkonversion und Flugtermin – sind die Stellschrauben, an denen sich die Bewertung der kommenden Wochen entscheidet.
Bullisches Szenario
Wandeln sich die Qantas-Optionen tatsächlich in Festbestellungen für A350 und 787 um, würde dies das Auftragsbuch über 2030 hinaus stärken und ein Signal an weitere Fluggesellschaften senden, die ähnliche Flottenentscheidungen vor sich haben.
Gelingt zusätzlich der A350F-Erstflug im avisierten Zeitfenster Ende September oder Anfang Oktober ohne größere technische Rückschläge, würde das Vertrauen in die Programmreife des neuen Frachters gestärkt – ein Faktor, der auch für United und andere Kunden mit anstehenden Lieferzusagen relevant ist. In diesem Szenario könnte sich der Kurs von der überverkauften RSI-Lage lösen und in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts zurückarbeiten.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt nicht allein im Ausgang der Kundenverhandlungen, sondern in der operativen Basis, auf der Airbus produziert. Die spanischen Werke sind seit Dienstag von einem unbefristeten Streik betroffen, nachdem die Belegschaft das jüngste Lohnangebot und einen Vermittlungsvorschlag ablehnte – laut Gewerkschaftsangaben beteiligten sich rund 90 Prozent der berechtigten Beschäftigten am Ausstand, der auf 22 Streiktage im Juli folgt.
Hält dieser Arbeitskampf über Wochen an, drohen Verzögerungen entlang der Lieferkette, die sowohl den A350F-Zeitplan als auch laufende Auslieferungen an Kunden wie United gefährden könnten.
Zusätzlich bleibt die Volatilität mit 23 Prozent auf 30-Tage-Basis erhöht, was auf Nervosität im Markt hindeutet. Sollte der A350F-Erstflug ins Rutschen geraten oder sich die Qantas-Gespräche zerschlagen, dürfte der Kurs seinen Test des 200-Tage-Durchschnitts bei 191,58 Euro erneuern.
Ausblick
Solange sich die Kundenbeziehungen zu Qantas und United in Richtung fester Zusagen entwickeln und der Streik in Spanien nicht auf die Kernproduktion übergreift, bleibt das mittelfristige Bild für Airbus intakt – gestützt von einem Kurs, der trotz der jüngsten Schwäche noch 7,7 Prozent über dem Niveau vor zwölf Monaten liegt.
Kippt jedoch der Arbeitskonflikt in eine langwierige Produktionsstörung oder verschiebt sich der A350F-Erstflug über den Oktober hinaus, dürfte die Unsicherheit zunehmen und den Titel näher an sein 200-Tage-Mittel drücken.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der geplante A350F-Erstflug Ende September beziehungsweise Anfang Oktober – er wird zeigen, ob Airbus trotz der Streiklage seinen operativen Fahrplan hält.
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