Bitcoin: Strohfeuer an der 80.000er-Marke

Tech-Verkäufe und Zwangsliquidationen drückten Bitcoin auf 75.463 Dollar; politische Hürden könnten Kryptoreformen verzögern.

Dr. Robert Sasse ·
Eine einzelne physische Bitcoin-Münze auf einem dunklen Schreibtisch in düsterer, melancholischer Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Bitcoin erreicht tiefsten Stand seit September
  • KI-Ausverkauf belastet breite Kryptomärkte
  • Long-Positionen im Wert von 428 Millionen liquidiert
  • US-Kryptoreformen könnten langsamer vorankommen

Der Wahlrebound war nach einem Tag vorbei. Bitcoin rutschte am Donnerstag auf 75.463 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte September. Noch am Mittag hatte die Kryptowährung über 80.000 Dollar gekostet.

Tech-Ausverkauf reißt Krypto mit

Auslöser war nicht allein die Politik. Ein Ausverkauf bei KI-Werten erfasste auch die Kryptomärkte: Der Nasdaq verlor zeitweise fast 4 Prozent, der Chipindex der Philadelphia-Börse rund 8 Prozent. Rund 90 Prozent der 100 größten Kryptowährungen drehten ins Minus.

Es folgten Zwangsliquidationen. Innerhalb einer Stunde wurden Long-Positionen im Wert von etwa 428 Millionen Dollar glattgestellt. Das verstärkte den Abwärtsdruck, weil Börsen unterfinanzierte Wetten automatisch schließen.

Der Rebound vom Mittwoch war ohnehin brüchig. Ein großer Teil des Kaufdrucks stammte von Händlern, die Short-Wetten eindeckten, rund 378 Millionen Dollar an Positionen wurden dabei liquidiert. „Das jüngste Meistern der 80.000-Dollar-Marke entpuppt sich damit als klassisches Strohfeuer“, kommentierte Timo Emden von CapTrader.

Washington wird zur Bremse

Hinzu kommt die Politik. Die Demokraten haben bei den Zwischenwahlen beide Kammern des Kongresses gewonnen. In den Ausschüssen dürften bald Politiker den Ton angeben, die Digitalwährungen skeptischer sehen als viele Republikaner. Der neue Kongress tritt erst im Januar zusammen.

Der Clarity Act, ein geplantes Regelwerk für Kryptomärkte, dürfte es schwerer haben. „Ich würde nicht sagen, dass es für Clarity vorbei ist, aber die Verabschiedung ist schwieriger geworden“, sagte Carlos Guzman vom Handelshaus GSR. Parallel dazu sollen Demokraten laut Berichten eine breitere Marktstrukturvorlage planen, die der Börsenaufsicht SEC mehr Befugnisse gäbe und die Rolle der Derivateaufsicht CFTC begrenzte.

James Butterfill von CoinShares ändert seine mittelfristige Einschätzung nicht. Langsamere Reformen könnten institutionelle Aktivität verzögern, die Folgen träfen vor allem US-Krypto-Unternehmen.

Belastete Jahresbilanz

Der Kurs liegt seit Jahresbeginn 13 Prozent im Minus, nach einem Minus von 6 Prozent 2025. Vom Rekordhoch über 126.000 Dollar im Oktober 2025 gingen rund 40 Prozent verloren. Auf Sicht von zehn Jahren bleibt die Bilanz dennoch eindrucksvoll: Seit November 2016 hat sich der Kurs fast verhundertfacht.

Charttechnisch zeigt sich die Lage fragil. Die nächste Marke liegt bei 75.000 Dollar, zuletzt wurden im Stundenchart rund 76.100 Dollar erreicht. Eine Rückeroberung der 80.000 Dollar könnte den Druck mindern. Am Freitag steht zudem der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober an, der die Zinserwartungen für Dezember verschieben könnte.

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