Novo Nordisk Aktie: Klage gegen Lilly eskaliert
Im Juli eingereichte Klage belastet Novo-Aktie, während Lilly Marktanteile gewinnt. Analysten bleiben wegen Pillen-Wettbewerb skeptisch.

Kurz zusammengefasst
- CEO verteidigt Klage gegen Lilly
- Neue Wegovy-Dosis zeigt bessere Ergebnisse
- Novo-Aktie verliert seit Klageeinreichung
- Berenberg streicht Kaufempfehlung für Novo
Der Ton zwischen Novo Nordisk und Eli Lilly wird schärfer. CEO Mike Doustdar verteidigte in einem TV-Interview die Klage seines Unternehmens gegen den US-Rivalen wegen dessen Werbung für das Konkurrenzprodukt Zepbound. „Wettbewerb muss fair sein“, so Doustdar – eine Formulierung, die den Kern des Streits trifft.
Novo Nordisk wirft Lilly vor, mit veralteten Vergleichsdaten zu werben. Die von Lilly zitierte Kopf-an-Kopf-Studie stellt Zepbound der älteren, niedriger dosierten Version von Wegovy gegenüber. Laut Doustdar liefert die neue 7,2-Milligramm-Hochdosis-Variante von Wegovy, die im März von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen wurde, in einer eigenen Studie einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von etwa 19 Prozent über 72 Wochen – ein Wert, der deutlich näher an Zepbound heranrückt als die alten Vergleichszahlen suggerieren. Lilly weist die Kritik zurück und verweist darauf, dass es bislang keine direkte klinische Studie gebe, die diesen Vergleich stütze.
Marktanteile verschieben sich
Der Rechtsstreit fällt in eine Phase, in der Lilly bei injizierbaren Abnehmmitteln spürbar Marktanteile gewinnt – das räumte Doustdar selbst ein. Seit Einreichung der Klage im Juli ist die Novo-Aktie um 6 Prozent gefallen, während Lilly-Papiere um knapp 4 Prozent zulegten. Novo setzt gegen diesen Trend auf die neue Wegovy-Pille, die laut Doustdar in den USA bereits mehr als 5 Millionen Verschreibungen erreicht hat und als „bester Produktstart in der Geschichte der Pharmaindustrie“ bezeichnet wird. Lillys Pillen-Pendant Foundayo, seit April auf dem Markt, blieb in den jüngsten Quartalszahlen hinter den Erwartungen zurück – Novo hat hier einen zeitlichen Vorsprung.
Analysten bleiben skeptisch
Zusätzlichen Druck erzeugten diese Woche Analystenstimmen. Berenberg strich die Kaufempfehlung für Novo Nordisk und senkte das Kursziel von 325 auf 305 dänische Kronen, verwiesen wurde auf den erwarteten „Kampf um die Pille“ im zweiten Halbjahr. Auch eine mögliche Öffnung des US-Gesundheitsprogramms Medicare für Abnehmpräparate dürfte laut Berenberg eher Lilly nutzen als Novo. Die DZ Bank hob ihr Kursziel zwar leicht auf 315 dänische Kronen an, blieb aber ebenfalls bei „Halten“ – mit Verweis auf drastische US-Listenpreissenkungen ab 2027, die das langfristige Ertragspotenzial im wichtigsten Markt schmälern könnten. Die Aktie fiel an der Heimatbörse zeitweise um fast 3 Prozent auf 298,50 Kronen.
Der Rechtsstreit dürfte sich über Monate hinziehen. Wie ein US-Gericht die Frage nach „vollständiger“ versus „wahrer“ Werbung bewertet, könnte darüber mitentscheiden, welches Unternehmen die öffentliche Deutungshoheit im GLP-1-Markt behält.
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