Gold: J.P. Morgan hebt Prognose auf 6.300 Dollar
Der Goldpreis fällt kurzfristig, während Notenbanken, ETFs und optimistische Analystenprognosen die langfristige Nachfrage untermauern.

Kurz zusammengefasst
- Zentralbanken kauften 289 Tonnen Gold
- China erhöhte Reserven auf 2.377,5 Tonnen
- Gold-ETFs verbuchten drei Milliarden Dollar Zuflüsse
- Newmont meldete 2,2 Milliarden Dollar Cashflow
Der Goldpreis gibt zwar seit den Warsh-Signalen vom vergangenen Sonntag nach, doch die strukturelle Nachfrage der Notenbanken zeichnet ein anderes Bild. Am Dienstag notiert die Feinunze bei 4.375,05 US-Dollar, ein Rückgang von 1,7 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Minus von 6,1 Prozent zu Buche – der Preis bleibt damit aber 27 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom 1. September 2025.
Zentralbanken kaufen so kräftig wie selten zuvor
Der World Gold Council bestätigte, dass Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 netto 289 Tonnen Gold erwarben – mehr als das Fünffache der 57 Tonnen aus dem ersten Quartal.
Diese Beschleunigung der offiziellen Käufe gilt als einer der wichtigsten Stützpfeiler für den Markt, unabhängig von kurzfristigen Zinserwartungen. Die People’s Bank of China trug dazu bei: Sie stockte ihre Reserven im Juli um 20 Tonnen auf einen Rekordbestand von 2.377,5 Tonnen auf.
Auch private Anleger kehren zurück. Physisch besicherte Gold-ETFs verzeichneten im Juli weltweite Nettozuflüsse von 3 Milliarden US-Dollar, die Bestände wuchsen um 23 Tonnen auf 4.068 Tonnen.
Parallel dazu zeigt der jüngste Terminmarktbericht der US-Terminmarktaufsicht einen Anstieg der Netto-Long-Positionen spekulativer Händler von 222.200 auf 243.300 Kontrakte – ein Zeichen, dass auch kurzfristig orientierte Anleger wieder auf steigende Preise setzen.
Staatsverschuldung als langfristiger Preistreiber
Ned Davis Research verwies Ende August auf die weltweit steigende Staatsverschuldung als Treiber einer möglichen Verdopplung des Goldpreises gegenüber dem damaligen Niveau von über 4.000 US-Dollar.
Untermauert wird diese Sichtweise durch die Entwicklung in den USA: Die Staatsverschuldung überschritt am 24. August erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar, was die Nachfrage nach Gold als Absicherung gegen Währungsabwertung zusätzlich verstärkte.
Das US-Finanzministerium kündigte zudem an, seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren zu verdoppeln – laut UBS-Chefstratege Bhanu Baweja ein weiteres stützendes Signal für den Goldmarkt.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch
J.P. Morgan-Analysten Yuxuan Tang und Stephen Jury hoben am 25. August ihre Goldpreisprognose für 2026 auf eine Spanne von 6.000 bis 6.300 US-Dollar je Unze an. UBS-Analyst Giovanni Staunovo gab am 24. August ein neues Zwölf-Monats-Kursziel von 5.400 US-Dollar aus und verwies auf die Rückkehr früherer Preistreiber wie eben jene Zentralbankkäufe.
Der aktuelle Kurs von 4.375,05 US-Dollar liegt zwar 3,5 Prozent über dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt, aber 3,6 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Bild, das die Konsolidierung nach dem jüngsten Rekordhoch von 5.598,58 US-Dollar am 29. Januar widerspiegelt. Von diesem Hoch trennen den Goldpreis derzeit 22 Prozent.
Für Minenkonzerne zahlt sich das hohe Preisniveau dennoch aus: Newmont erzielte im zweiten Quartal einen Rekord-Free-Cashflow von 2,2 Milliarden US-Dollar bei einer Produktion von 1,3 Millionen Unzen, während Endeavour Mining seine Nettoliquidität auf 254 Millionen US-Dollar steigerte.
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