Zurich Insurance Aktie: Finma stoppt Policenvertrieb

Zurich Insurance übertrifft mit Halbjahreszahlen die Prognosen, kämpft aber mit schwacher Farmers-Tochter und Integrationsrisiken bei Beazley-Übernahme.

Dr. Robert Sasse ·
Zurich Insurance Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Betriebsgewinn steigt um 13 Prozent
  • Schaden- und Unfallgeschäft als Wachstumstreiber
  • Farmers-Tochter enttäuscht mit operativem Gewinn
  • Beazley-Übernahme im Integrationsprozess

Zurich Insurance hat am Donnerstag Halbjahreszahlen vorgelegt, die den Analystenkonsens deutlich übertroffen haben. Der Betriebsgewinn stieg um 13 Prozent auf 4,77 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn kletterte um 14 Prozent auf 3,49 Milliarden US-Dollar. Für den Schweizer Versicherungskonzern ist das ein starkes Signal – doch der Blick ins Detail zeigt, dass nicht alle Sparten gleichermaßen liefern.

Starke Kernsegmente, schwache Farmers-Tochter

Treiber des Wachstums war vor allem das Schaden- und Unfallgeschäft. Der operative Gewinn im P&C-Segment legte like-for-like um 12 Prozent auf 2,81 Milliarden US-Dollar zu, die Combined Ratio verbesserte sich auf 92,7 Prozent. Die verbuchten Bruttoprämien in dieser Sparte näherten sich mit einem Plus von 7 Prozent auf 29,9 Milliarden US-Dollar erstmals der Marke von 30 Milliarden Dollar. Im Firmenkundengeschäft wuchs der Betriebsgewinn um 12 Prozent auf 2,0 Milliarden US-Dollar bei Prämien von 18,3 Milliarden Dollar. Besonders auffällig: Die Sparte Global Specialty legte bei den Prämien um 8 Prozent auf 5,5 Milliarden US-Dollar zu, angetrieben von der Bauversicherung – hier sorgt die Nachfrage nach Rechenzentren für den Ausbau von Künstlicher Intelligenz für zusätzliches Geschäft.

Auch das Lebensversicherungsgeschäft überraschte positiv: Der Betriebsgewinn sprang um 23 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar, während die Prämien mit einem Plus von 1 Prozent auf 19,5 Milliarden US-Dollar nur moderat wuchsen. Das fondsgebundene Volumen stieg um 5 Prozent auf 11,0 Milliarden US-Dollar. Ein Schatten liegt dagegen über der US-Tochter Farmers: Deren Betriebsgewinn blieb mit 1,18 Milliarden US-Dollar unter den Erwartungen. Die Farmers Exchanges selbst – rechtlich getrennt von der Zurich-Tochter – verzeichneten immerhin ein Prämienwachstum von 4 Prozent auf 15,6 Milliarden US-Dollar und 215.000 zusätzliche Policen.

Kapitalseitig steht der Konzern solide da: Die Eigenkapitalrendite im Kerngeschäft erreichte 27,1 Prozent und liegt damit über dem eigenen Ziel von 23 Prozent. Die Solvenzquote nach dem Schweizer SST-Modell lag bei 266 Prozent, weit über der regulatorischen Mindestanforderung von 160 Prozent. Die Barmittelrückführungen an die Gruppe summierten sich für den Zeitraum 2025/2026 auf 7,4 Milliarden US-Dollar – Zurich liegt damit auf Kurs zu seinem Dreijahresziel von über 19 Milliarden Dollar.

Analysten reagieren verhalten auf die Farmers-Schwäche

Trotz der insgesamt starken Zahlen fiel die Reaktion an den Kapitalmärkten gemischt aus. RBC Capital Markets senkte am Freitag das Kursziel für die Aktie von 670 auf 650 Schweizer Franken, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“ und hob die angehobene Life-Guidance als wichtigsten Pluspunkt hervor – Zurich erwartet für die Lebensversicherungssparte nun ein Betriebsgewinnwachstum von mindestens 10 Prozent im laufenden Jahr. Kritischer äußerten sich Vontobel und Oddo BHF, die den unterdurchschnittlichen operativen Gewinn der Farmers-Tochter monierten und damit auf den größten Schwachpunkt im Zahlenwerk verwiesen.

Beazley-Integration läuft, Finma-Verbot belastet einzelne Sparte

Parallel zur Berichtssaison treibt Zurich die milliardenschwere Übernahme des britischen Spezialversicherers Beazley voran. Der rund 11 Milliarden US-Dollar schwere Deal befindet sich im Integrationsprozess, der Abschluss wird für das zweite Halbjahr erwartet. Konzernchef Mario Greco signalisierte, bis zum Abschluss der Integration im Amt bleiben zu wollen. Die EU-Kommission hatte im Juni eine Phase-I-Prüfung für die Transaktion eingeleitet, im April hatten die Beazley-Aktionäre dem Deal mit 99,9 Prozent der Stimmen zugestimmt – die endgültige Umsetzung hängt noch von einer Gerichtsbestätigung sowie weiteren regulatorischen Genehmigungen in der Schweiz und Großbritannien ab.

Für zusätzlichen Wirbel sorgte Ende Juli ein Eingriff der Schweizer Finanzaufsicht Finma: Die Behörde verhängte einen Vertriebsstopp für Lebensversicherungspolicen der Einheit Corporate Life & Pensions, nachdem Preisabweichungen aufgefallen waren. Mehr als zwölf Mitarbeiter wurden entlassen, die betroffene Einheit darf vorerst nur noch Bestandskunden bedienen. Konzernchef Greco betonte, die Sparte erwirtschafte jährlich lediglich rund 20 Millionen Schweizer Franken Gewinn – Auswirkungen auf das Konzernergebnis erwarte er nicht.

Kurs bleibt trotz starker Zahlen unter Druck

An der Börse hat die Aktie die positiven Halbjahreszahlen bislang nicht in nachhaltigen Schwung umsetzen können. Am Freitag schloss das Papier bei 638,80 Euro und legte auf Tagesbasis um 1,11 Prozent zu, verlor aber über die vergangenen sieben Handelstage 3,74 Prozent. Oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts notiert die Aktie mit einem Abstand von 3,05 Prozent weiterhin, was den langfristigen Aufwärtstrend intakt hält, während die kurzfristige Schwäche vor allem die Skepsis gegenüber der Farmers-Sparte und den laufenden Integrationsrisiken der Beazley-Übernahme widerspiegelt.

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Zurich Insurance Aktie

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ISIN: CH0011075394 WKN: 579919

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