Liebe Leserinnen und Leser,
Ironie ist an der Börse oft der verlässlichste Indikator. Ausgerechnet die Nominierung eines Mannes, der von Donald Trump auserkoren wurde, hat den sogenannten „Trump-Trade“ – zumindest in seiner Lesart als Flucht in harte Assets – vorerst implodieren lassen. Kevin Warsh soll neuer Fed-Vorsitzender werden. Diese Nachricht wirkte zum Wochenstart wie ein monetäres Kältemittel auf die überhitzten Märkte.
Warsh entpuppt sich nicht als der bequeme Geldpolitiker, auf den viele Spekulanten gewettet hatten, sondern als Überzeugungstäter mit einer tiefen Aversion gegen aufgeblähte Zentralbankbilanzen. Die Reaktion der Märkte ist brutal und logisch zugleich: Der Dollar gewinnt an Muskelmasse, und alles, was in den letzten Wochen als Absicherung gegen die Geldentwertung („Debasement“) in den Himmel gekauft wurde, wird nun gnadenlos auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Wir erleben heute einen jener Tage, an denen alte Gewissheiten über „Sichere Häfen“ neu kalibriert werden. Lassen Sie uns die Ereignisse dieses turbulenten Montags einordnen.
Das Ende des „Debasement Trades“?
Man muss in den Annalen der Rohstoffmärkte bis ins Jahr 1980 zurückblättern, um eine vergleichbare Implosion zu finden. Silber erlebte am Freitag und heute einen Absturz von historischen Ausmaßen – ein Minus von fast 30 Prozent an nur zwei Handelstagen. Auch Gold, das noch vor kurzem jenseits der 5.500 US-Dollar thronte, fiel heute weiter und kämpft nun mit der Marke von 4.790 US-Dollar.
Der Auslöser trägt einen Namen: Kevin Warsh. Die Märkte preisen unter seiner künftigen Ägide eine US-Notenbank ein, die die Zügel straffer hält und die Bilanzsumme aggressiver reduziert als bisher angenommen. Für Edelmetalle, die zuletzt fast ausschließlich von der Angst vor einer ausufernden US-Staatsverschuldung getrieben wurden, ist dieses Szenario pures Gift. Die neue Logik der Händler: Wenn die Fed ernsthaft gegen die Bilanzaufblähung vorgeht, verliert der „Bunker“ an Attraktivität. Kurzfristig gleicht das Orderbuch einem Schlachtfeld für die Bullen.
Krypto-Winter im Februar
Nicht nur Goldanleger lecken ihre Wunden. Auch Bitcoin, oft als „digitales Gold“ vermarktet, konnte sich dem Sog der Risikoaversion nicht entziehen. Über das Wochenende rutschte die Leitwährung erstmals seit April 2025 kurzzeitig unter die Marke von 75.000 US-Dollar. Zwar sahen wir zum Wochenstart eine leichte Stabilisierung auf rund 78.000 US-Dollar, doch der charttechnische Schaden ist angerichtet.
Besonders brisant ist die Lage für den wohl prominentesten Bitcoin-Bullen der Unternehmenswelt: MicroStrategy. Das Unternehmen hält mittlerweile rund 713.500 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von etwa 76.050 US-Dollar. Mit dem Rutsch unter diese Marke am Wochenende geriet das gigantische Portfolio kurzzeitig in die Verlustzone („underwater“).
Die Korrelation ist offensichtlich: Wenn die Liquidität versiegt und die Zinsangst zurückkehrt, werden hochspekulative Assets zuerst liquidiert. Allein am Samstag wurden Krypto-Positionen im Wert von über 2,5 Milliarden US-Dollar zwangsliquidiert. Der „Fear & Greed Index“ steht auf „Extreme Fear“ – Panik regiert.
Ein bitteres Lebewohl für London
Während die Rohstoffmärkte beben, vollzieht sich im Aktienmarkt eine tektonische Verschiebung, die für den Finanzplatz Europa schmerzhaft ist. Der Pharmariese AstraZeneca hat heute den Handel seiner Stammaktien an der New York Stock Exchange (NYSE) aufgenommen und sein ADR-Programm an der Nasdaq beendet.
Zwar bleibt das Unternehmen auch in London gelistet, doch die Botschaft ist unmissverständlich: Die Musik spielt in den USA. AstraZeneca strebt bis 2030 einen Jahresumsatz von 80 Milliarden US-Dollar an und investiert massiv jenseits des Atlantiks. Für die Londoner Börse ist dies ein weiterer Warnschuss, dass selbst europäische Champions die Liquidität und Bewertungstiefe der Wall Street suchen.
Technologisch gibt es ebenfalls Bewegung: Oracle (+2,5 %) plant eine gigantische Kapitalaufnahme von 50 Milliarden US-Dollar, um den Ausbau von Rechenzentren zu finanzieren – eine direkte Kampfansage im KI-Wettlauf, insbesondere um die Partnerschaft mit OpenAI zu stärken. Dagegen schwächelte Nvidia vorbörslich (-1,6 %), nachdem Berichte aufkamen, dass eine geplante 100-Milliarden-Dollar-Investition in OpenAI ins Stocken geraten könnte. Der KI-Hype wird selektiver.
Während die Diskussion um KI-Investitionen bei Nvidia und OpenAI die Schlagzeilen dominiert, entwickelt sich parallel ein technologischer Megatrend, der ähnliches Potenzial birgt: die Robotik-Revolution. Tech-Experte Bernd Wünsche hat in seiner aktuellen Analyse einen Marktführer identifiziert, der im Robotik-Segment eine vergleichbare Position einnehmen könnte wie Nvidia im KI-Bereich. In seinem kostenlosen Webinar zeigt er, wie KI und Robotik verschmelzen und welches Unternehmen mit über 75.000 intelligenten Robotern weltweit bereits heute eine Schlüsselrolle in dieser Revolution spielt. Sie erfahren konkret, warum der globale Robotik-Markt bis 2030 auf 200 Milliarden US-Dollar wachsen könnte und wie Sie von dieser Entwicklung profitieren können. Wünsche analysiert detailliert die Wachstumstreiber, Marktanteile und technologischen Vorsprünge des von ihm identifizierten Champions. Zur kostenlosen Robotik-Analyse von Bernd Wünsche
Lichtblick Konjunktur und Entspannung am Ölmarkt
Inmitten der Turbulenzen gab es heute Nachmittag ein fast übersehenes positives Signal aus der Realwirtschaft: Die US-Industrie lebt noch. Der ISM Manufacturing PMI stieg im Januar überraschend auf 52,6 Punkte – der erste Wachstumswert seit einem Jahr.
Gleichzeitig fiel der Ölpreis (Brent) deutlich auf rund 66 US-Dollar. Der Grund hierfür ist geopolitischer Natur: Berichte über mögliche Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran haben die Risikoprämie für den Nahen Osten reduziert. Für die Inflationsbekämpfung ist das eine gute Nachricht, für Energiewerte wie Shell (-1,5 %) eher weniger.
Der Fels in der Brandung
Und der deutsche Leitmarkt? Der DAX zeigte sich heute erstaunlich robust und schloss bei 24.559 Punkten im Plus. Ein Fels in der Brandung war die Deutsche Telekom, die mit einem Plus von gut 2,3 Prozent auf 28,81 Euro aus dem Handel ging. In stürmischen Zeiten suchen Anleger offenbar doch noch nach soliden Cashflows und Dividenden – ganz klassisch, ganz ohne Krypto-Hebel.
Was bleibt?
Der heutige Tag hat gezeigt, wie schnell sich Narrative an der Börse drehen können. Die Personalie Kevin Warsh hat das Spielfeld neu markiert. Die kommenden Tage werden zeigen, ob der massive Ausverkauf bei Gold und Krypto eine Kaufgelegenheit für Mutige oder der Beginn einer tieferen Korrektur ist.
Ich wünsche Ihnen einen entspannten Abend – vielleicht nutzen Sie ihn, um einmal nicht auf die Kurse zu schauen.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann
