Jede zwölfte Firma bangt ums Überleben – und der Markt schaut auf Bayer
Ifo-Umfrage zeigt Rekord-Insolvenzen im Einzelhandel. Bayer-Quartalszahlen am Dienstag erwartet, GEA trotz Rekordmarge im Minus.
Kurz zusammengefasst
- Jede zwölfte Firma bangt um Existenz
- GEA mit Rekordmarge, Kurs verliert
- Bayer-Quartalszahlen am Dienstag erwartet
- Goldman verschiebt Fed-Zinssenkung auf Dezember
Liebe Leserinnen und Leser,
am Sonntag schrieb ich, dass diese Berichtswoche der härteste Realitätscheck der laufenden Saison wird. Der erste Handelstag liefert bereits die Kulisse dafür: Der LUS-DAX notiert am Montagnachmittag 0,45 Prozent tiefer bei 24.326 Punkten. Donald Trump hat den jüngsten iranischen Verhandlungsvorschlag als „völlig inakzeptabel“ zurückgewiesen, die Energiepreise ziehen weiter an – und morgen früh um 7:30 Uhr liefert Bayer die Zahlen, auf die Leverkusen-Aktionäre seit Monaten warten.
Deutschland: Existenzangst im Einzelhandel
Die Ifo-Konjunkturumfrage vom April zeichnet ein Bild, das man nicht beschönigen kann. 8,1 Prozent der deutschen Unternehmen sehen ihren Fortbestand gefährdet – jede zwölfte Firma. Im Einzelhandel liegt der Wert bei 17,4 Prozent, ein neuer Höchststand. Das IWH in Halle unterlegt die Stimmung mit Fakten: 1.776 Insolvenzen im April, so viele wie seit Juni 2005 nicht mehr.
Der Staat kann wenig abfedern. Ökonomen des Stabilitätsrats warnen Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, dass Deutschland 2026 ein Defizit von 4,25 Prozent des BIP droht – weit jenseits der EU-Obergrenze von 3 Prozent. Klingbeil hält dennoch an einer jährlichen Neuverschuldung von rund 200 Milliarden Euro bis 2030 fest, begründet mit Verteidigungsausgaben. Die geplante 1.000-Euro-Entlastungsprämie für Bürger scheiterte am vergangenen Freitag im Bundesrat.
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GEA liefert Rekordmarge – und verliert trotzdem 5 Prozent
Wie Unternehmen in diesem Umfeld operativ bestehen, zeigt der Anlagenbauer GEA Group. Im ersten Quartal stieg der Umsatz organisch um 5,3 Prozent, das bereinigte EBITDA erreichte mit 205,9 Millionen Euro eine Rekordmarge von 16,2 Prozent für ein Startquartal. Der Nettogewinn wuchs um 5,7 Prozent auf 99,7 Millionen Euro.
Die Börse honorierte das nicht. Die Aktie fiel am Montag um knapp 4,9 Prozent auf 56,35 Euro. Der Grund: ein negativer freier Barmittelfluss von 190 Millionen Euro, auf den JPMorgan-Analyst Akash Gupta sofort verwies. Operativ treibt GEA indes Innovationen voran – gemeinsam mit dem Partner Watttron wurde eine Lösung für vollständig recycelbare Wurstverpackungen entwickelt, die 35 Prozent Material einspart. Das klingt nach Nische, trifft aber den Nerv einer Branche unter regulatorischem Druck.
Auch Logitech passt sich an. 40 Prozent der US-Exporte kommen aus China, die neuen Zölle treffen das Unternehmen hart. Das Management reagiert mit Preiserhöhungen von 10 Prozent in den USA, einer Verlagerung Richtung B2B-Geschäft und einem angekündigten Aktienrückkaufprogramm von bis zu 2 Milliarden US-Dollar über drei Jahre. Die mittelfristigen Ziele wurden vorerst ausgesetzt.
Chemie und Pharma: Bayer vor dem Moment der Wahrheit
Morgen um 7:30 Uhr MESZ veröffentlicht Bayer die Q1-Zahlen, ab 10:00 Uhr stellen sich CEO Bill Anderson und CFO Wolfgang Nickl den Fragen. Die Erwartungen sind klar: Anleger wollen Belege sehen, dass die operative Trendwende mehr ist als eine Absichtserklärung.
BASF stützt den eigenen Kurs derweil mit Kapitalrückflüssen. Allein zwischen dem 4. und 8. Mai erwarb der Konzern 4,8 Millionen eigene Aktien; das laufende Rückkaufprogramm umfasst inzwischen über 24,3 Millionen Stück. Goldman Sachs bekräftigte am Montag die Kaufempfehlung. Im Pharma-Umfeld bewertete TD Cowen Novo Nordisk nach einem Investorentreffen in New York weiterhin mit „Hold“ bei einem Kursziel von 42,00 US-Dollar – die Aktie notiert bei 47,15 US-Dollar. Das Management betonte den Fokus auf die Markteinführung der Pille Wegovy HD.
Zinsen: PIMCO warnt, Goldman verschiebt
Die gescheiterte Iran-Diplomatie wirkt über den Ölpreis direkt auf die Geldpolitik. PIMCO warnte am Montag, dass steigende Energiekosten der Fed eine Zinssenkung unmöglich machen könnten. Goldman Sachs hat seine Erwartung für den ersten Fed-Zinsschritt bereits auf Dezember 2026 verschoben, den zweiten auf März 2027. In Europa dämpfte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos die Hoffnung auf schnelle Lockerung, während OeNB-Gouverneur Martin Kocher vor Stagflation warnte.
Der US-Technologiesektor trotzt dem Umfeld bislang – der S&P 500 Tech-Index liegt 14,99 Prozent im Plus seit Jahresbeginn. Am Mittwoch legt Cisco Systems Quartalszahlen vor. Die Wall Street erwartet einen Umsatzanstieg von 9,9 Prozent auf 15,56 Milliarden US-Dollar. Im Fokus stehen die KI-Auftragseingänge, die im Vorquartal 2,1 Milliarden US-Dollar erreichten.
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Was jetzt zählt
Diese Woche wird nicht durch eine einzelne Zahl entschieden, sondern durch die Summe der Signale. Bayer morgen früh, Cisco am Mittwochabend, dazwischen Allianz, Siemens, Deutsche Telekom. Die Frage, die ich am Sonntag gestellt habe – zieht die erste Reihe nach, oder wächst die Kluft zur zweiten? –, bekommt in den nächsten 96 Stunden eine Antwort. Der Ölpreis bestimmt dabei das Tempo, in dem die Notenbanken reagieren können. Wer Quartalszahlen liest, sollte nicht bei den Gewinnen stehenbleiben, sondern die Margenkommentare und die Ausblicke genau studieren. Dort steht, was die Vorstände wirklich erwarten.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann