BioNTech Aktie: 613 Millionen von Bristol Myers Squibb erwartet
BioNTech verzeichnet starken Quartalsverlust, senkt Prognose und kündigt CEO-Wechsel an. Analysten bleiben trotz reduziertem Kursziel optimistisch.

Kurz zusammengefasst
- Aktienkurs steigt trotz Umsatzminus
- Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro
- Umsatzprognose für 2026 gesenkt
- Guido Oelkers wird neuer CEO
Trotz eines drastischen Umsatzeinbruchs im zweiten Quartal hat sich die BioNTech-Aktie am Freitag deutlich erholt. Das Papier schloss bei 80,90 Euro und legte damit um 2,34 Prozent zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 2,93 Prozent, zum bisherigen Jahreshoch vom 22. Januar bei 105,80 Euro fehlen dem Titel aber weiterhin 23,53 Prozent.
Q2-Zahlen zeigen deutlichen Einbruch
Die am Dienstag veröffentlichten Geschäftszahlen offenbaren das Ausmaß der Schwäche im Corona-Impfstoffgeschäft. BioNTech erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 105,6 Millionen Euro – ein Rückgang von 59,4 Prozent gegenüber den 260,8 Millionen Euro aus dem Vorjahresquartal. Der Nettoverlust belief sich auf 820,8 Millionen Euro, bereinigt lag er bei 562,3 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr kappte das Unternehmen seine Umsatzprognose auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro, nachdem zuvor noch 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro in Aussicht standen. Als Gründe nannte BioNTech die schwächere Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff sowie verzögerte Meilensteinzahlungen.
Auf Halbjahressicht summierte sich der Umsatz auf 223,7 Millionen Euro, verglichen mit 443,6 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. Der Nettoverlust für die ersten sechs Monate wuchs auf 1.352,7 Millionen Euro von 802,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Auf der Kostenseite zeigte sich ein gemischtes Bild: Die bereinigten Forschungs- und Entwicklungsausgaben sanken um 6,3 Prozent auf 477 Millionen Euro, während die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten um 44,5 Prozent auf 198 Millionen Euro kletterten. Der bereinigte operative Verlust weitete sich von 463 auf 690 Millionen Euro aus, der bereinigte Verlust je Aktie stieg von 1,45 auf 2,22 Euro.
Finanziell steht BioNTech dennoch solide da. Zum 30. Juni 2026 verfügte das Unternehmen über liquide Mittel und Wertpapiere von 16,6 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal kaufte BioNTech im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde US-Dollar rund 1,69 Millionen American Depositary Shares zu einem Durchschnittspreis von 77,85 Euro zurück, was einem Gegenwert von 131,8 Millionen Euro entspricht.
Oelkers folgt auf Sahin an der Unternehmensspitze
Parallel zu den Zahlen bestätigte der Aufsichtsrat am Montag die bereits erwartete Personalie an der Konzernspitze: Guido Oelkers übernimmt spätestens zum 1. Februar 2027 als Chief Executive Officer und tritt die Nachfolge von Prof. Ugur Sahin an. Oelkers leitete zuvor neun Jahre lang das schwedische Biopharma-Unternehmen Sobi, wo er den Umsatz nach Unternehmensangaben vervierfachte. Der Führungswechsel fällt damit in eine Phase, in der BioNTech sein Geschäftsmodell von der Abhängigkeit vom Corona-Impfstoff auf die onkologische Pipeline umstellen muss.
Zahlung von Bristol Myers Squibb soll zweite Jahreshälfte stützen
Für das dritte Quartal 2026 rechnet BioNTech mit einer Kooperationszahlung von 613 Millionen Euro von Bristol Myers Squibb im Zusammenhang mit der Pumitamig-Partnerschaft. Der Großteil des Jahresumsatzes soll ohnehin erst in der zweiten Jahreshälfte anfallen. Die Prognose für die bereinigten Forschungs- und Entwicklungsausgaben 2026 hob BioNTech leicht auf 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro an, während die Vertriebs- und Verwaltungskosten weiterhin mit 700 bis 800 Millionen Euro veranschlagt werden.
In der Pipeline laufen derzeit 14 zulassungsrelevante Studien im Onkologiebereich, bis 2030 und darüber hinaus erwartet das Unternehmen mehr als 17 Auswertungen aus Spätphasenstudien. Konkrete Fortschritte meldete BioNTech bei zwei Wirkstoffkandidaten: In der Phase-2/3-Studie ROSETTA Lung-02 zeigte Pumitamig bei nicht kleinzelligem Lungenkrebs in der Erstlinienbehandlung eine ermutigende Antitumor-Aktivität. Bei Gotistobart wiederum meldete die Phase-2-Studie PRESERVE-004 bei platinresistentem Ovarialkarzinom eine dauerhafte Wirkung und einen klinisch bedeutsamen Vorteil beim Gesamtüberleben.
Evercore senkt Kursziel, hält aber an Kaufempfehlung fest
Auf die Zahlen reagierten auch die Analysten von Evercore ISI Group: Am Mittwoch senkten sie ihr Kursziel für BioNTech von 135 auf 130 US-Dollar, beließen die Aktie aber auf „Outperform“. Der reduzierte Zielwert spiegelt die schwächeren kurzfristigen Umsatzaussichten wider, signalisiert aber zugleich, dass die Analysten dem onkologischen Pipeline-Potenzial und der komfortablen Kassenlage weiterhin Vertrauen schenken. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Wert im Umbau: Die kurzfristigen Zahlen belasten, während Führungswechsel und Studienfortschritte die längerfristige Ausrichtung des Unternehmens prägen.
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