Heidelberger Druck: Wird die Marge zum Wendepunkt?

Heidelberger Druckmaschinen verzeichnet deutliche Umsatz- und Margeneinbußen im ersten Quartal. Der Vorstand hält an der Jahresprognose fest, während ein CFO-Wechsel für zusätzliche Unsicherheit sorgt.

Dr. Robert Sasse ·
Heidelberger Druckmaschinen Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Umsatz sinkt um 13 Prozent
  • Nettoverlust von 32 Millionen Euro
  • Jahresprognose bleibt trotzdem bestehen
  • CFO-Wechsel zum 1. Oktober

Ausgangslage

Heidelberger Druckmaschinen hat heute Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 vorgelegt, und sie fallen deutlich schwächer aus als vor einem Jahr. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf 404 Millionen Euro, die bereinigte EBITDA-Marge brach von 4,4 auf 0,2 Prozent ein, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 32 Millionen Euro nach 11 Millionen im Vorjahresquartal.

Der Auftragseingang gab um 4 Prozent auf 537 Millionen Euro nach, wobei allein das Auslaufen eines italienischen Förderprogramms mehr als 60 Millionen Euro Nachfrage kostete. Die Aktie reagierte mit einem Kursrückgang von rund 5 Prozent auf das schwache Zwischenergebnis, notiert aktuell bei 1,40 Euro und damit 2,6 Prozent im Minus.

Der Zeitpunkt macht die Zahlen besonders relevant: Der Vorstand hält trotz des roten Auftakts an der Jahresprognose fest – stabiler Umsatz, verbesserte Marge.

Diese Ansage steht nun unter Beobachtung, denn ein einziges schwaches Quartal ist verzeihlich, ein zweites würde die Glaubwürdigkeit der Guidance erschüttern. Hinzu kommt ein personeller Wechsel an der Finanzspitze: Christoph Burkhard übernimmt zum 1. Oktober den Posten des Finanzvorstands, sein Nachfolger im laufenden Amt heißt Volker Herdin. Ein neuer CFO kurz nach einem Verlustquartal bedeutet für Anleger zusätzliche Unsicherheit über die künftige Bilanzpolitik.

Die entscheidende Frage

Der eine Faktor, der über die Aktie entscheidet, ist die Marge im weiteren Jahresverlauf. Heidelberg hat versprochen, dass sich die bereinigte EBITDA-Marge gegenüber dem historisch schwachen ersten Quartal deutlich erholt.

Ob das gelingt, hängt davon ab, ob die durch das Ende des italienischen Förderprogramms verursachte Nachfragelücke im Rest des Jahres kompensiert werden kann und ob neue Geschäftsfelder wie Drohnenabwehr-Technik in Kooperation mit Skyeton und die geplante Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriespeichern für Phenogy AG tatsächlich Umsatzbeiträge liefern.

Die Serienproduktion der Speichersysteme in Wiesloch soll laut einem Unternehmenssprecher erst ab Januar 2027 starten – ein Beitrag zum laufenden Geschäftsjahr ist damit noch nicht gesichert, sondern eine Frage der Zukunft.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht, dass Warburg Research die Zahlen als milder als vom Markt befürchtet einordnet. Der zuständige Analyst Stefan Augustin verweist darauf, dass der ausgewiesene Verlust die eigene Schätzung unterschreitet und die Auftragslage im Kern robust bleibt. Warburg bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1,80 Euro – deutlich über dem aktuellen Niveau.

Gelingt der Umstieg auf neue Geschäftsfelder wie Batteriespeicher und Sicherheitstechnik, könnte das über die klassische Druckmaschinensparte hinaus zusätzliche Wachstumsimpulse liefern. Zudem notiert die Aktie mit 1,40 Euro nur wenige Cent über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,29 Euro, was Bewertungsspielraum nach oben eröffnet, sollte sich die Margenerholung tatsächlich einstellen.

Bärisches Risiko

Dagegen steht ein Quartalsverlust, der sich fast verdreifacht hat, und eine Marge, die faktisch auf null gefallen ist. Der Wegfall staatlicher Förderprogramme wie in Italien zeigt, wie abhängig Teile der Nachfrage von politischen Rahmenbedingungen sind – ein Risiko, das sich in anderen Märkten wiederholen könnte.

Der Wechsel an der CFO-Position mitten in einer schwierigen Phase kann zudem zu Unsicherheit über Bilanzierungsentscheidungen und Kostenprogramme führen.

Die neuen Geschäftsfelder Drohnenabwehr und Batteriespeicher befinden sich noch im Aufbau; die Serienfertigung der Speichersysteme startet frühestens Anfang 2027, ein greifbarer Umsatzbeitrag im laufenden Geschäftsjahr ist damit nicht gesichert. Sollte die Marge auch im zweiten Quartal nicht anziehen, dürfte der Markt die bestätigte Jahresprognose zunehmend anzweifeln.

Ausblick

Solange Heidelberg die Auftragslage jenseits der italienischen Sondereffekte stabil hält und die neuen Geschäftsfelder erste Erfolge zeigen, bleibt das Warburg-Kursziel von 1,80 Euro ein realistischer Orientierungspunkt für optimistische Szenarien.

Kippt die Marge im zweiten Quartal erneut ins Negative oder verzögert sich der Hochlauf der Batteriespeicher-Fertigung weiter, dürfte der Druck auf die Jahresprognose und damit auf den Kurs zunehmen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der Amtsantritt von Christoph Burkhard als Finanzvorstand am 1. Oktober – von ihm dürfte auch abhängen, wie das Unternehmen die zweite Jahreshälfte kommunikativ und operativ angeht.

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Heidelberger Druckmaschinen Aktie

1,40 EUR

– 0,04 EUR -2,43 %
KGV 28,72
KUV 0,19
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 441,96 Mio. EUR
Ø Kursziel 2,30 EUR
ISIN: DE0007314007 WKN: 731400

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