Ferrari kauft zurück, Steyr Motors rüstet auf — fünf Auto-Aktien im Stresstest

Felix Baarz ·
BYD Aktie

BYDs Jahresgewinn sinkt zum ersten Mal seit 2021 — und ausgerechnet jetzt erhöht der Konzern sein Exportziel um 15 Prozent. Was auf den ersten Blick widersprüchlich klingt, folgt einer klaren Logik: Die Margen im Ausland sind bis zu viermal so hoch wie daheim. Während BYD den Angriff auf Europa beschleunigt, kämpft Volkswagen mit Qualitätsproblemen und halbiertem Betriebsergebnis. Ferrari setzt auf kontrollierte Verknappung, Steyr Motors stapelt Rüstungsaufträge, und Schaeffler will vom Komponentenlieferanten zum Systemintegrator aufsteigen. Ein Quartal, fünf grundverschiedene Strategien.

BYD: Exportoffensive als Überlebensstrategie

Der chinesische Elektroautobauer hat am 30. März Analysten mitgeteilt, dass er 2026 mit 1,5 Millionen Auslandsverkäufen rechnet. Das liegt 15 Prozent über der erst im Januar kommunizierten Zielmarke. Die Dringlichkeit ist offensichtlich: In den ersten beiden Monaten 2026 brachen die Inlandsverkäufe um 58 Prozent ein, während Exporte um über 50 Prozent auf 201.082 Einheiten kletterten.

Der Grund für die Flucht nach vorn liegt in den Margen. Pro exportiertem Fahrzeug erzielt BYD in Europa und Brasilien geschätzte 20.000 CNY — verglichen mit mageren 5.000 CNY auf dem heimischen Markt. Citigroup prognostiziert sogar Verluste im chinesischen Autogeschäft während des ersten Quartals 2026.

Die Jahreszahlen 2025 untermauern den Handlungsdruck:

  • Nettogewinn: minus 19 Prozent auf 32,62 Milliarden CNY — der erste Rückgang seit 2021
  • Umsatzwachstum: nur 3,46 Prozent auf 804 Milliarden CNY, das schwächste Plus seit sechs Jahren
  • Analysten-Kursziel: durchschnittlich 139,51 HKD bei einer Spanne von 98,05 bis 175,36 HKD

Die enorme Bandbreite der Analystenschätzungen spiegelt echte Unsicherheit wider. Wie schnell das Werk in Ungarn hochfährt und ob sich das europäische Zollumfeld stabilisiert, entscheidet darüber, ob das ambitionierte Exportziel erreichbar ist.

Volkswagen: Halbierter Gewinn und Rückrufwelle

Europas größter Autobauer hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Das Betriebsergebnis 2025 sackte um 53 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro ab — unter den erwarteten 9,4 Milliarden. CEO Oliver Blume bezifferte die direkten und indirekten Auswirkungen der US-Zölle allein auf rund fünf Milliarden Euro.

Für 2026 stellt der Konzern ein Umsatzwachstum von null bis drei Prozent in Aussicht, bei einer operativen Marge zwischen 4,0 und 5,5 Prozent. Zum Vergleich: 2025 lag die Marge bei 2,8 Prozent. Fortschritt, ja — aber auf niedrigem Niveau.

Hinzu kommen hartnäckige Qualitätsprobleme. Volkswagen rief zuletzt knapp 100.000 batterieelektrische Fahrzeuge wegen Brandgefahr durch defekte Hochvolt-Batteriemodule zurück. Betroffen sind ID.3, ID.4, ID.5 und der Cupra Born. Es ist nicht der erste Rückruf: Lose Radbolzen, Airbag-Fehler im Tiguan, weitere Batterie-Probleme im ID.4 — die Serie reißt nicht ab.

Die VW-Vorzugsaktie notiert bei 86,34 Euro und damit rund 20 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der Konsens der Analysten liegt bei 114,89 Euro, was erhebliches Erholungspotenzial signalisiert. Sechs Kaufempfehlungen stehen fünf Halte-Ratings gegenüber, Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Die Kluft zwischen Kurs und Kursziel zeigt, wie viel Restrukturierungsarbeit der Markt noch sehen will, bevor er die Transformation honoriert.

Ferrari: Aktienrückkauf mit Schweizer Präzision

Während andere Hersteller um Margen kämpfen, exekutiert Ferrari sein Kapitalrückgabeprogramm mit fast schon demonstrativer Gelassenheit. Allein zwischen dem 23. und 27. März kaufte der Luxushersteller 107.859 eigene Aktien zurück. Seit Programmstart am 5. Januar 2026 summieren sich die Rückkäufe auf 737.600 Stammaktien im Wert von rund 217 Millionen Euro — Teil eines auf 3,5 Milliarden Euro angelegten Programms bis 2030.

Die Finanzkraft dahinter ist beeindruckend. Ferraris EBITDA-Marge erreichte 2025 stolze 39,5 Prozent, eine der höchsten in der gesamten Autoindustrie. Hybridmodelle machen mittlerweile über 60 Prozent der Auslieferungen aus. Der Auftragsbestand reicht bis 2028 — ein Luxuspuffer, der den Konzern von konjunkturellen Schwankungen weitgehend abschirmt.

JPMorgan bekräftigte im März das Overweight-Rating mit einem Kursziel von 447 US-Dollar. Die Begründung: Ferrari genieße den Status eines „Veblen-Guts“, bei dem steigende Preise die Nachfrage sogar erhöhen. Aktuell notiert die Aktie bei 287,60 Euro — rund 36 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Für April ist zudem eine Bardividende von 3,615 US-Dollar je Aktie angekündigt.

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Das vielleicht meistbeachtete Ereignis steht allerdings noch bevor: der Marktstart von Ferraris erstem vollelektrischem Modell Ende 2026. Ob die Marke ihren Exklusivitätsanspruch auch elektrisch durchsetzen kann, wird die Bewertungsfrage der kommenden Quartale.

Steyr Motors: Vom Nischenhersteller zum Rüstungsprofiteur

Klein, aber ambitioniert. Der österreichische Spezialmotorenhersteller hat in den vergangenen Wochen gleich mehrere strategische Pflöcke eingeschlagen.

Anfang März sicherte sich Steyr Motors einen erweiterten Rahmenvertrag mit KNDS, Europas führendem Systemintegrator für Landstreitkräfte. Der Vertrag umfasst die Lieferung von mindestens 500 Motor-Generator-Einheiten bis 2034 und bindet das Unternehmen direkt in das Leopard-2-Kampfpanzerprogramm ein. Im Februar kam die Übernahme des dänischen Schiffsmotorenherstellers BUKH A/S hinzu — ein Spezialist für SOLAS-konforme Marineanwendungen mit globalem Vertriebs- und Servicenetz.

Die Zahlen untermauern die Dynamik:

  • Umsatz 2025: plus 16,4 Prozent auf 48,5 Millionen Euro
  • Umsatzprognose 2026: 75 bis 95 Millionen Euro bei einer EBIT-Marge von mindestens 15 Prozent
  • Auftragsbestand: über 300 Millionen Euro, zusätzliche Pipeline von über 500 Millionen Euro
  • Geplante Dividende: 0,25 Euro je Aktie, Abstimmung auf der Hauptversammlung am 10. April

Der CEO spricht von „hoher Visibilität bis Ende 2030″. Die Wachstumstreiber reichen von verstärkten Aktivitäten in Asien und der MENA-Region über unbemannte Systeme bis hin zu weiteren Akquisitionen. Bei einem aktuellen Kurs von 38,10 Euro liegt die Aktie allerdings fast 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch — der Markt preist die Skalierung offenbar noch nicht vollständig ein.

Schaeffler: Wette auf die Software-definierte Zukunft

Schaeffler hat sich nach der Integration von Vitesco Technologies grundlegend gewandelt. Mit rund 120.000 Mitarbeitern, über 100 Werken und erwarteten Jahresumsätzen zwischen 23 und 25 Milliarden Euro ist der Konzern aus Herzogenaurach längst kein klassischer Komponentenlieferant mehr.

Die jüngste strategische Offensive zielt auf die E/E-Architektur softwarebasierter Fahrzeuge. Vor dem 13. Schaeffler Automotive Symposium hat das Unternehmen eine zentralisierte Architektur vorgestellt, die auf Multi-Domain-Controllern, Ethernet-basierten Datenkanälen und dem Remote Control Protocol basiert. Das Ziel: weniger dezentrale Steuergeräte, geringere Systemkomplexität, Hardware-Migration über Fahrzeuggenerationen hinweg.

„Damit ein softwaredefiniertes Fahrzeug sein Potenzial entfalten kann, braucht es eine zentralisierte, robuste und intelligente E/E-Architektur“, erklärte E-Mobilitäts-Chef Thomas Stierle. Ergänzend entwickelt Schaeffler 48-Volt-Systeme, Leistungselektronik und sicherheitskritische Komponenten wie Steer-by-Wire.

Mit einer Dividende von 0,30 Euro je Aktie (Ex-Tag: 27. April) ergibt sich eine aktuelle Dividendenrendite von 6,48 Prozent. Das Growth-Ranking des Unternehmens liegt bei 89 — besser als 89 Prozent der Wettbewerber. Das Symposium im Juni in Bühl wird zeigen, wie aggressiv Schaeffler die SDV-Architekturverträge angeht, die die nächste Generation automobiler Lieferketten prägen werden.

Strukturelle Divergenz statt gemeinsamer Trend

Die fünf Aktien bilden nahezu das gesamte Spektrum der Autobranche ab. BYD und Volkswagen ringen beide mit Zöllen und chinesischem Preiskampf — aber ihre Antworten sind Spiegelbilder: BYD expandiert nach außen, Volkswagen restrukturiert nach innen. Volkswagens Auslieferungen sanken um zehn Prozent in Nordamerika und acht Prozent in China, wo genau jene Rivalen erstarken, die nun auch den europäischen Heimatmarkt angreifen.

Ferrari und Steyr Motors bedienen völlig unterschiedliche Nischen, teilen aber eine Gemeinsamkeit: Beide sind vom massenhaften EV-Preiskampf isoliert. Ferraris Preismacht speist sich aus Knappheit und Marke, Steyrs aus jahrzehntelangen Verteidigungsverträgen. Schaeffler wiederum sitzt am Knotenpunkt aller Kräfte — als Zulieferer sowohl für traditionelle OEMs als auch für EV-Hersteller hängt sein Erfolg davon ab, wie schnell die SDV-Transformation vorankommt.

Die gemeinsame Variable bleibt die Zollpolitik. Kein Hersteller und kein Zulieferer kann sie vollständig kontrollieren — aber jedes Unternehmen in diesem Überblick kalkuliert sie mittlerweile als Kernbestandteil seiner Strategie ein. Für Anleger wird das zweite Quartal mit Volkswagens Q1-Zahlen am 30. April, Ferraris EV-Premiere und Schaefflers Symposium im Juni entscheidende Signale liefern.

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BYD Aktie

11,75 EUR

+ 0,19 EUR +1,69 %
KGV 67,03
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 0,34 %
Marktkapitalisierung 965,51 Mrd. EUR
ISIN: CNE100000296 WKN: A0M4W9

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