Wienerberger Aktie: Gewinnprognose auf 700 Millionen gesenkt

Wienerberger kappt die Jahresprognose auf 700 Mio. Euro und beschleunigt sein Sparprogramm. Analysten reagieren mit deutlichen Kurszielsenkungen.

Dr. Robert Sasse ·
Wienerberger Aktie

Kurz zusammengefasst

  • EBITDA-Ziel auf 700 Mio. Euro reduziert
  • Schwäche in USA, Kanada und UK belastet
  • Effizienzprogramm „Fit for Growth“ beschleunigt
  • Analysten senken Kursziele auf bis zu 18 Euro

Wienerberger senkt die eigene Gewinnprognose für das laufende Jahr deutlich. Der Baustoffkonzern rechnet nun mit einem operativen EBITDA von rund 700 Millionen Euro, wie das Unternehmen am 21. Juli mitteilte. Ursprünglich hatte der Vorstand für 2026 noch etwa 810 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Als Grund nennt Wienerberger die anhaltende Flaute im Wohnungsneubau in den USA, in Kanada und in Großbritannien.

Ergänzend zur Prognosesenkung veröffentlichte das Unternehmen am selben Tag sein Trading Update zum zweiten Quartal. Der Konzernumsatz kletterte um 13 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, davon wuchs der Umsatz um 7 Prozentpunkte organisch. Das operative EBITDA sank dagegen auf 230 Millionen Euro, nach 253 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Umsatzwachstum bei rückläufigem Ergebnis – dieses Missverhältnis zeigt, wie stark die schwachen Überseemärkte auf die Marge drücken, während Zukäufe weiterhin den Umsatz stützen.

Als Reaktion kündigte Wienerberger an, das bestehende Effizienzprogramm „Fit for Growth“ zu beschleunigen. Ziel ist eine raschere Senkung der Betriebskosten sowie eine Verbesserung des Working Capitals, um die schwächere Ergebnisentwicklung teilweise abzufedern.

Analysten reagieren mit spürbaren Kurszielsenkungen

Die Gewinnwarnung löste eine Welle von Kurszielsenkungen aus. Die Erste Group stufte die Aktie am Freitag von „Buy“ auf „Accumulate“ zurück und kappte das Kursziel kräftig von 34,70 auf 24,20 Euro. UBS bestätigte am 23. Juli ihre Verkaufsempfehlung „Sell“ und senkte das Kursziel von 21,00 auf 18,00 Euro – damit bleibt das Institut das skeptischste unter den Beobachtern.

Weitere Häuser zogen nach: Citi stufte Wienerberger am 22. Juli von „Buy“ auf „Neutral“ herab und reduzierte das Kursziel auf 22,00 Euro. Begründet wurde der Schritt damit, dass die Talsohle in den Überseemärkten noch nicht erreicht sei. Berenberg hielt am selben Tag zwar an seiner Kaufempfehlung fest, senkte das Kursziel aber ebenfalls deutlich von 34,00 auf 25,00 Euro. Die aktuellen Kursziele reichen damit von 18 bis 25 Euro – durchweg unterhalb der bisherigen Erwartungen.

Der Kurs spiegelt die eingetrübte Stimmung wider: Die Aktie notiert aktuell bei 20,76 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen 9,11 Prozent verloren. Vom jüngsten 52-Wochen-Tief trennen das Papier nur noch rund 4 Prozent, ein Hinweis darauf, dass die Verkaufswelle nach der Gewinnwarnung bereits einen Großteil ihrer Wucht entfaltet hat.

Strategische Zukäufe treffen auf schwierigeres Umfeld

Die Prognosesenkung kommt zu einer Zeit, in der Wienerberger seine Wachstumsstrategie über Zukäufe eigentlich vorantreibt. Mitte Juni schloss der Konzern die Integration der 2024 übernommenen Terreal-Gruppe mit Standorten in Frankreich, Italien, Spanien und den USA sowie der deutschen Creaton ab. Die Akquisition soll planmäßig rund 725 Millionen Euro zum Jahresumsatz beitragen. Ende Mai kam zudem die serbische Univerzum Group hinzu, mit der Wienerberger seine Position bei Hintermauerziegeln in Südosteuropa stärken will.

Auch personell hat sich der Vorstand neu aufgestellt: Anfang Juni übernahm Gerhard Hanke, zuvor COO für Zentral- und Osteuropa, das Amt des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden.

Ob die beschleunigten Effizienzmaßnahmen ausreichen, um die Schwäche in den nordamerikanischen und britischen Märkten auszugleichen, dürfte sich beim nächsten großen Termin zeigen: Am 12. August legt Wienerberger den vollständigen Zwischenbericht für das erste Halbjahr 2026 vor. Anleger dürften dabei vor allem auf Signale zur Preisdisziplin und zur Entwicklung des Cashflows achten.

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Wienerberger Aktie

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KGV 17,33
Sektor Grundlegende Materialien
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