UBS: Reformplan kostet neun Prozent Gewinn je Aktie
RBC beziffert den möglichen Rückgang des UBS-Gewinns je Aktie auf rund neun Prozent; die Parlamentsberatung steht noch aus.

Kurz zusammengefasst
- RBC schätzt neun Prozent Gewinnrückgang
- UBS nennt 16 Milliarden Dollar Kapitalbedarf
- Führungskräfte verkauften UBS-Aktien im September
- Parlamentskommission prüft Reform im Herbst
Die Debatte über die regulatorischen Rahmenbedingungen für die UBS erreicht die Ertragsprognosen der Analysten. Nach den jüngsten politischen Beschlüssen im Schweizer Parlament beziffern Marktbeobachter die potenziellen Belastungen für das Institut. Die Analysten von RBC schätzen, dass der vorliegende Reformplan den Gewinn je Aktie um rund neun Prozent schmälern könnte, und stufen die Entwicklung als nahe am schlimmsten Szenario ein.
Im Zentrum der Berechnungen steht die Forderung, ausländische Tochtergesellschaften künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) abzusichern. Die UBS beziffert den daraus resultierenden zusätzlichen Kapitalbedarf bei der Schweizer Einheit auf rund 16 Milliarden US-Dollar, während Schätzungen für die Gesamtbelastung bis zu 18 Milliarden US-Dollar erreichen. Die Bank hatte ursprünglich darauf abgezielt, Teile der Anforderungen über AT1-Anleihen abzudecken.
Führungsriege trennte sich von Aktien
Die regulatorischen Hürden zeichneten sich bereits vor den jüngsten Diskussionen ab. Anfang September nutzten führende Organe der Großbank das damalige Bewertungsniveau für Anteilsverkäufe nahe der Marke von 45 Schweizer Franken.
Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, veräußerte ein Vorstandsmitglied am 4. September ein Paket von 100.000 Aktien für 4,5 Millionen Franken. Bereits am Vortag hatte ein Mitglied des Verwaltungsrats 75.000 Anteilsscheine im Gegenwert von 3,3 Millionen Franken abgestoßen.
Am Aktienmarkt lasten die Vorgaben weiterhin auf der Stimmung. Im europäischen Handel notiert das Papier heute bei 42,80 Euro, was einem Tagesverlust von 1,8 Prozent entspricht. Gegenüber dem bisherigen 52-Wochen-Hoch von 48,19 Euro beträgt der Abstand damit elf Prozent.
Weiterer Fahrplan im Schweizer Parlament
Gleichzeitig formiert sich unter Wirtschaftsexperten eine Debatte über die strategischen Folgen möglicher Gegenmaßnahmen der Großbank. Während Verwaltungsratschef Colm Kelleher vor einer Überprüfung des Schweizer Standorts warnte, sieht der Berner Ökonom Aymo Brunetti erhebliche Hürden für radikale Schritte.
Ein Wegzug oder der Verlust der Schweizer Identität könnte das Institut vor allem für ausländische und asiatische Kunden in der Vermögensverwaltung unattraktiver machen. Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch verweist zudem auf mögliche Nachteile bei der Kreditvergabe für Schweizer mittelständische Unternehmen.
Die politische Entscheidung ist indes noch nicht abgeschlossen. Eine zuständige Parlamentskommission wird den Reformplan im Oktober und November prüfen, bevor der Nationalrat voraussichtlich in der Wintersession zwischen dem 30. November und dem 18. Dezember über den Entwurf berät.
Im Raum steht unter anderem ein Alternativvorschlag, der eine Quote von 75 Prozent vorsieht. Bei RBC rechnet man vor Vorliegen der endgültigen Regeln nicht mit einer offiziellen Stellungnahme der Bank an die Kapitalmärkte.
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