Commerzbank Aktie: Klingbeil lädt Orcel ein
Finanzminister Klingbeil trifft UniCredit-Chef Orcel am 14. September. Zugleich stützen starke Commerzbank-Zahlen und Rückkäufe die Aktie.

Kurz zusammengefasst
- Klingbeil bittet Orcel zum direkten Austausch
- Bund hält rund zwölf Prozent
- EZB-Entscheidung zwischen September und Oktober erwartet
- Quartalsgewinn auf 898 Millionen Euro gestiegen
Die Übernahmegespräche zwischen Commerzbank und UniCredit rücken auf die politische Bühne. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat UniCredit-Chef Andrea Orcel für den 14. September zu einem Gespräch ins Bundesfinanzministerium eingeladen. Das direkte Treffen zwischen Berlin und der Konzernspitze markiert eine neue Phase im monatelangen Ringen um die deutsche Bank.
Bislang hatten sich Vertreter des Bundes vor allem über Zwischenrufe zu Wort gemeldet. Nun sucht Klingbeil offenbar das direkte Gespräch mit dem Mann, der die Übernahme vorantreibt. Für Anleger ist das Treffen ein Signal: Die Frage, ob und zu welchen Bedingungen der Staat seinen verbliebenen Anteil abgibt, bewegt sich sichtbar in Richtung Entscheidung.
Der Bund als Verhandlungsmasse
Der Bund hält aktuell rund 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit nach UniCredit, die sich Anfang Juli 47,6 Prozent der Aktien gesichert hatte, zweitgrößter Aktionär. Berlin ist laut Medienberichten grundsätzlich bereit, seinen Anteil unter bestimmten Bedingungen an die Italiener zu verkaufen. Zentrale Voraussetzung sei, dass die amtierende Commerzbank-Führung den strategischen Plänen von UniCredit zustimmt.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte zuletzt gefordert, der Bund solle vorerst Aktionär bleiben, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten. Das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel dürfte zeigen, wie viel Verhandlungsspielraum zwischen dieser Position und dem Interesse der Italiener an einer schnellen Lösung tatsächlich besteht.
Parallel dazu läuft das aufsichtsrechtliche Verfahren weiter. Eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank zur Genehmigung der Übernahme wird zwischen September und Oktober erwartet. Die EZB soll intern keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Zusammenschluss haben, warnt aber vor einem herausfordernden und langwierigen Integrationsprozess.
Fundamentaldaten stützen die Kursbasis
Der politische Poker findet vor dem Hintergrund solider Geschäftszahlen statt. Im zweiten Quartal verdiente die Commerzbank unter dem Strich 898 Millionen Euro, nach 462 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Bereits im ersten Quartal war das operative Ergebnis um 11 Prozent auf einen Rekordwert von 1,4 Milliarden Euro gestiegen, woraufhin das Institut seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr auf ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro anhob.
Die Bank untermauert ihre Eigenständigkeit zusätzlich mit einem groß angelegten Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro sowie der weiterentwickelten „Momentum 2030″-Strategie, die bis 2030 kumuliert rund 600 Millionen Euro in den KI-Bereich lenken soll. Bis dahin peilt das Management eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent an.
An der Börse kommt diese Mischung aus Übernahmefantasie und operativer Stärke gut an. Die Aktie notiert am Mittwoch bei 40,46 Euro und legt damit 1,9 Prozent zu, nach einem Schlusskurs von 39,69 Euro am Vortag. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 12 Prozent zu Buche, binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs um 24 Prozent verteuert.
Zum 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro fehlen nur noch 1,3 Prozent – ein Abstand, der zeigt, wie nah das Papier an seinem bisherigen Höchststand notiert, während sich die politische Entscheidung über die Zukunft der Bank zuspitzt.
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