Novo Nordisk Aktie: Werbekrieg ohne Sieger?
Der Eilantrag scheiterte mangels ausreichender Schadensbelege; über die Rechtmäßigkeit von Lillys Vergleichsanzeigen ist weiterhin nicht entschieden.

Kurz zusammengefasst
- Gericht erkennt bislang kaum Marktwirkung
- Werberechtmäßigkeit bleibt weiterhin ungeklärt
- Novos Klage aus dem Juli läuft weiter
- Lilly darf Anzeigen vorerst fortführen
Stabile Verschreibungen von April bis Juli sprechen gegen einen erheblichen unmittelbaren Schaden durch Eli Lillys Vergleichswerbung. Das ist für Novo Nordisks Anleger die zentrale wirtschaftliche Einordnung des Werbestreits. Ob die Anzeigen irreführend sind, bleibt dagegen offen. Aus dem fehlenden Schadensnachweis lässt sich deshalb kein abschließendes Urteil über die Rechtmäßigkeit der Werbung ableiten.
Laut Reuters sah US-Bundesrichter Zahid Quraishi keine ausreichenden Belege für drohende Umsatzeinbußen, Rufschädigung oder einen dauerhaften Schaden. Die Marktwirkung der Anzeigen bewertete das Gericht für den untersuchten Zeitraum als höchstens vernachlässigbar. Für Anleger trennt das zwei Fragen: die wirtschaftlichen Folgen einer Werbekampagne und die juristische Bewertung ihrer Aussagen.
Unterschiedliche Studien erschweren die Einordnung
Lilly bewirbt Zepbound zur Gewichtsabnahme im Vergleich mit Wegovy sowie Mounjaro im Vergleich mit Ozempic bei Typ-2-Diabetes. Novo beanstandet, dass höhere Dosierungen der Lilly-Präparate niedrigeren Dosierungen der eigenen Medikamente gegenübergestellt würden. Außerdem kritisiert das Unternehmen die Verwendung veralteter Studiendaten.
Eine Anzeige nennt einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 50 Pfund mit Zepbound gegenüber 33 Pfund mit Wegovy. Grundlage ist eine 2025 veröffentlichte Direktvergleichsstudie. Diese Zahlen beschreiben damit einen bestimmten Studienvergleich und nicht automatisch sämtliche zugelassenen Dosierungen.
Novo hält Ergebnisse aus separaten Studien dagegen. Diese sind jedoch kein neuer direkter Vergleich beider Präparate innerhalb derselben Untersuchung.
Das Unternehmen verweist auf durchschnittlich 47 Pfund Gewichtsverlust mit hoch dosiertem Wegovy und 48 Pfund mit Zepbound. Die FDA genehmigte die höhere Wegovy-Dosis im März; Novo begann im April mit der Vermarktung. Lilly ergänzte neuere Zepbound-Anzeigen nach Novos Abmahnung um Hinweise auf hoch dosiertes Wegovy und den fehlenden Vergleich damit.
Wirtschaftliche Bedeutung bleibt erheblich
Der Streit betrifft für Novo ein umsatzstarkes Geschäft. Mit Adipositasmitteln und Ozempic zusammen erzielte das Unternehmen 2025 rund 32 Milliarden US-Dollar Umsatz. Entsprechend relevant ist die Frage, wie Wettbewerber die Wirksamkeit dieser Produkte gegenüberstellen dürfen.
Der abgelehnte Eilantrag beendet die Auseinandersetzung nicht. Novos im Juli eingereichte Klage läuft weiter; Lilly darf die beanstandete Werbung vorerst fortsetzen. Die gerichtliche Einschätzung zur bisherigen Marktwirkung ersetzt dabei keine Entscheidung über den Vorwurf irreführender Werbung.
Für Anleger ist deshalb entscheidend, die Ebenen auseinanderzuhalten: Der bisherige Schadensnachweis reichte nicht für einen vorläufigen Werbestopp. Die weitergehenden Vorwürfe bleiben ungeklärt. Einen nächsten Termin für die Beurteilung der Geschäftsentwicklung liefern Novos angekündigte Quartalszahlen am 4.11. Sie betreffen das operative Geschäft, während der Ausgang des Werbeverfahrens weiterhin offen ist.
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