Oracle Aktie: 130 Milliarden Schulden für KI-Wette

Oracle investiert massiv in KI-Rechenzentren, was den Schuldenberg auf 130 Milliarden Dollar anwachsen lässt. Die Aktie verlor binnen eines Jahres fast die Hälfte ihres Wertes.

Eduard Altmann ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Investitionen erreichen 55,7 Milliarden Dollar
  • Schuldenlast steigt auf 130 Milliarden
  • S&P stuft Kreditwürdigkeit herab
  • Aktie erholt sich vom 52-Wochen-Tief

Oracle steht vor einer Frage, die sich nicht mit einer Bilanzkennzahl beantworten lässt: Wie viel Schulden darf ein Konzern aufnehmen, um auf eine Zukunft zu wetten, die erst in Jahren Geld einbringt? Der Kurs legte am Freitag um 1,77 Prozent auf 112,60 Euro zu. Das ändert wenig an der eigentlichen Geschichte. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 32,25 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten sogar 49,37 Prozent.

Aus Oracle ist innerhalb weniger Quartale ein anderes Unternehmen geworden. Früher stand der Konzern für stabile Softwareumsätze. Heute ist er einer der aggressivsten Wetten der Branche auf die Infrastruktur hinter der künstlichen Intelligenz.

Das Stargate-Projekt und seine Rechnung

Im Geschäftsjahr 2026 hat Oracle 55,7 Milliarden Dollar in Investitionen gesteckt. Das entspricht 82,6 Prozent des gesamten Jahresumsatzes von 67,4 Milliarden Dollar. Ein Großteil davon fließt in das 10-Gigawatt-Projekt „Stargate“, das Oracle gemeinsam mit OpenAI aufbaut.

Diese Größenordnung hat einen Preis. Der freie Cashflow ist auf minus 23,7 Milliarden Dollar gefallen. Oracle finanziert seinen Umbau also nicht aus laufenden Einnahmen, sondern über Schulden.

Bis Mitte 2026 kletterte die Gesamtverschuldung auf rund 130 Milliarden Dollar. Um weiter zu expandieren, plant der Konzern eine zusätzliche Kapitalaufnahme von 40 Milliarden Dollar, über eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital. Die Ratingagentur S&P hat bereits reagiert und Oracle auf BBB- herabgestuft. Parallel dazu sind die Credit-Default-Swap-Spreads auf 218 Basispunkte gestiegen. Kreditmärkte drücken damit aus, dass sie das Risiko im Schuldenberg deutlich höher einpreisen als noch vor wenigen Monaten.

Ein Versprechen von 638 Milliarden Dollar

Die Investmentthese für Oracle stützt sich auf eine einzige, gewaltige Zahl: ein Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar an noch offenen Leistungsverpflichtungen, dem sogenannten RPO. Darin enthalten sind bereits 75 Milliarden Dollar an Kundenvorauszahlungen. Das klingt nach einem soliden Fundament.

Das Problem liegt im Timing. Nur etwa 12 Prozent dieses Auftragsbergs sollen in den kommenden zwölf Monaten überhaupt als Umsatz verbucht werden. Investoren finanzieren also im Grunde ein mehrjähriges Bauprojekt und müssen darauf vertrauen, dass die Erträge irgendwann tatsächlich fließen.

Für das Geschäftsjahr 2027 hat Oracle bereits angekündigt, dass die Investitionen auf bis zu 95 Milliarden Dollar steigen könnten. Kundenrückerstattungen von 20 bis 25 Milliarden Dollar sollen einen Teil davon abfedern. Der Nettoaufwand bleibt trotzdem enorm, gerade für ein Unternehmen, das 2026 bereits 21.000 Stellen gestrichen hat, um Kosten zu senken.

Charttechnik ohne klare Richtung

Die Aktie versucht sich derzeit vom 52-Wochen-Tief bei 100,76 Euro zu lösen, das erst am 28. Juli markiert wurde. Die Erholung der vergangenen sieben Handelstage von gut 11 Prozent wirkt auf den ersten Blick ermutigend. Vom 52-Wochen-Hoch bei 280,70 Euro aus dem September 2025 trennen Oracle aber immer noch fast 60 Prozent.

Der RSI von 43,2 zeigt: Die Aktie ist aus der überverkauften Zone heraus, aber von echter Aufwärtsdynamik weit entfernt. Das durchschnittliche Analystenkursziel von 215,09 Euro würde ein Kurspotenzial von 91 Prozent bedeuten. Ein solches Ziel setzt allerdings voraus, dass der Markt die akute Liquiditätsenge komplett ausblendet und sich ausschließlich auf die langfristigen Erträge aus der Infrastruktur konzentriert.

Genau das ist der Kern des Konflikts bei Oracle. Wer die Aktie kauft, kauft nicht die Gegenwart, sondern eine Wette auf das Jahr 2028 oder später. Ob der Markt diese Geduld aufbringt, während der Schuldenberg weiter wächst, entscheidet sich nicht in den nächsten Tagen. Für die kommende Handelswoche bleibt vor allem eine Beobachtung relevant: Kann Oracle die Erholung der letzten Tage verteidigen, oder setzt sich das Gewicht der 130-Milliarden-Dollar-Schuldenlast wieder durch?

Anzeige

Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 2. August liefert die Antwort:

Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 2. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Oracle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Oracle Aktie

112,60 EUR

+ 2,00 EUR +1,81 %
KGV 21,86
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,57 %
Marktkapitalisierung 374,09 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

Community Forum zu Oracle

Ähnliche Artikel

Oracle Aktie: 130 Milliarden Schulden für KI-Wette

Oracle Aktie: 130 Milliarden Schulden für KI-Wette

KI & Quantencomputing ·
Micron: 50-Milliarden-Prognose für das vierte Quartal

Micron: 50-Milliarden-Prognose für das vierte Quartal

Earnings ·
Deutsche Telekom Aktie: Elf von elf Ookla-Siegen

Deutsche Telekom Aktie: Elf von elf Ookla-Siegen

Telekommunikation ·
Bawag PSK Aktie: 255 Millionen Gewinn im Q2

Bawag PSK Aktie: 255 Millionen Gewinn im Q2

AeroVironment Aktie: Teledyne FLIR integriert in Titan MS

AeroVironment Aktie: Teledyne FLIR integriert in Titan MS

Rüstung & Luftfahrt ·

Weitere Artikel zu Oracle

Alle Artikel anzeigen
Oracle Aktie: 6,21 Prozent Sprung auf Auftragsbestand

Oracle Aktie: 6,21 Prozent Sprung auf Auftragsbestand

Nasdaq ·
Oracle Aktie: 55,7 Milliarden Investitionen, minus 23,7 Milliarden Cashflow

Oracle Aktie: 55,7 Milliarden Investitionen, minus 23,7 Milliarden Cashflow

Nasdaq ·
Oracle Aktie: 7-Milliarden-Deal mit Pentagon

Oracle Aktie: 7-Milliarden-Deal mit Pentagon

Rüstung & Luftfahrt ·
Oracle Aktie: 27 Prozent Monatsverlust trotz Pentagon-Deal

Oracle Aktie: 27 Prozent Monatsverlust trotz Pentagon-Deal

Rüstung & Luftfahrt ·
Oracle Aktie: Neues 52-Wochen-Tief bei 102,10 Euro

Oracle Aktie: Neues 52-Wochen-Tief bei 102,10 Euro

Rüstung & Luftfahrt ·