Silber Preis: 1,2-Prozent-Sprung auf 64 Dollar
Silber zeigt sich nach US-Anleihe-Ankündigungen volatil. Analysten uneins über weitere Entwicklung angesichts hoher Staatsverschuldung und Angebotsdefiziten.

Kurz zusammengefasst
- Silberpreis reagiert auf Anleihe-Nachrichten
- US-Renditen fallen nach Rückkauf-Ankündigung
- Citi sieht strukturelle Gold- und Silberrallye
- HSBC warnt vor überbewertetem Silber
Der Silberpreis zeigt sich am Freitag volatil, nachdem Aussagen von US-Finanzminister Scott Bessent zu den Anleiherückkäufen des Finanzministeriums die Edelmetallmärkte in dieser Woche kräftig durchgeschüttelt haben.
Am Mittwoch hatte das Finanzministerium angekündigt, sein Rückkaufprogramm für 10- bis 30-jährige Staatsanleihen ab dem 9. September auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation zu verdoppeln. Am Donnerstag legte Bessent nach: Gegenüber CNBC erklärte er, die Operationen könnten sogar noch größer ausfallen als die genannte Untergrenze.
Die Ankündigung vom Mittwoch hatte zunächst für spürbare Entlastung gesorgt. Die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe, die zuvor mit 5,34 Prozent den höchsten Stand seit 2001 erreicht hatte, fiel im Zuge der Nachricht auf 5,19 Prozent. Silber reagierte darauf mit einem Sprung um rund 1,2 Prozent auf 64 Dollar je Feinunze. Der Dollar-Index gab zeitgleich deutlich nach und markierte ein Tief seit Ende Mai, was Edelmetalle zusätzlich stützte.
Renditen ziehen wieder an, Gewinne bröckeln
Der Effekt erwies sich jedoch als flüchtig. Bereits am Donnerstag zogen die Anleiherenditen wieder an — die 10-jährige Rendite kletterte auf 4,7 Prozent, die 30-jährige auf 5,25 Prozent. Silber gab daraufhin einen Teil seiner Gewinne wieder ab und konsolidierte um 66,70 Dollar, ein Minus von 0,44 Prozent.
Zum Handelsschluss am Donnerstag notierte der Preis laut Marktdaten bei 67,95 Dollar, ein Plus von 1,51 Prozent auf Tagesbasis. Auch der breitere Anleihemarkt blieb nervös: Der S&P 500 verlor 0,9 Prozent, der Dow Jones sackte um 703 Punkte beziehungsweise 1,3 Prozent ab, belastet von steigenden Renditen und Inflationssorgen.
Die grundsätzliche Debatte dreht sich um die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen. Die Gesamtverschuldung überstieg zuletzt 40 Billionen Dollar, eine Verdopplung binnen eines Jahrzehnts, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Die Zinslast des Bundeshaushalts liegt bei rund 3 Milliarden Dollar täglich.
Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte laut Berichten, dass eine Zinserhöhung derzeit nicht die bevorzugte Option der Notenbank sei, während das jüngste Sitzungsprotokoll der Fed weiterhin Sorgen mehrerer Vertreter über die Inflation zeigte.
Analysten uneins über die Richtung
Die Bank Citi äußerte sich nach den Ereignissen dieser Woche laut chinesischen Medienberichten strukturell bullisch für Gold und argumentierte, Bessents Maßnahmen zur Stabilisierung des Anleihemarkts liefen faktisch auf eine Abwertung des Dollar hinaus, was auch Silber unterstütze.
Morgan Stanley sieht Gold bis 2027 über 5.000 Dollar steigen, was indirekt auch für Silber als Signal gilt. Demgegenüber steht die skeptischere Einschätzung von HSBC, wonach Silber fundamental überbewertet sei, sowie eine gesenkte Jahresendprognose von UBS auf 80 Dollar.
Der Weltverband für Silber (World Silver Institute) rechnet für das laufende Jahr mit dem sechsten Angebotsdefizit in Folge, das sich um 15 Prozent ausgeweitet habe.
Zusätzliche Unsicherheit bringt eine Notlage in Peru, wo ein Energienotstand die dortige Minenproduktion belasten könnte. Für Anleger bleibt der Markt damit zweigeteilt: kurzfristig treibt die Zinsdebatte die Kurse, mittelfristig sprechen Angebotsdefizite für strukturelle Unterstützung.
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