Anthropic Aktie: Zehn Tage der Unruhe

Anthropic verlegt den geplanten Börsengang auf November, während Sicherheitsbedenken wachsen und die angestrebte Bewertung bei rund 2 Billionen Dollar liegt.

Dieter Jaworski ·
Abstrakte Darstellung eines modernen Rechenzentrums mit leuchtenden Glasfaserkabeln als Symbol für künstliche Intelligenz. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Börsenstart von Oktober auf November verlegt
  • Finaler Termin weiterhin nicht festgelegt
  • Forscher warnen vor Kontrollverlust durch KI
  • Umsatzrate steigt auf 65 Milliarden Dollar

Ein Kündigungspost eines wenig bekannten Forschers, virale Warnungen vor menschlicher Auslöschung und plötzlich rufen die CEOs der größten KI-Labore gemeinsam nach Tempo-Drosselung. Was sich in den vergangenen zehn Tagen in der Branche abgespielt hat, wirkt wie ein Sicherheitsschock — mitten in den heißesten Börsengangsvorbereitungen der Tech-Geschichte.

Anthropic verschiebt den geplanten Börsengang von Oktober auf November. Die Entscheidung sei bereits vor der öffentlichen Sicherheitsdebatte gefallen, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Offiziell hängt der Zeitpunkt weiterhin von den Marktbedingungen ab — ein finaler Termin steht bislang nicht fest.

Forscher schlagen Alarm

Der Auslöser der jüngsten Debatte war die Kündigung des Anthropic-Forschers Jacob Coxon, der öffentlich davor warnte, KI-Labore würden „mit unserem Leben spielen“.

Ein weiterer Anthropic-Forscher, Evan Hubinger, bezifferte das Risiko einer KI-bedingten Katastrophe binnen eines Jahrzehnts auf über zehn Prozent und räumte ein, es gebe noch keinen tragfähigen Plan gegen eine außer Kontrolle geratene Superintelligenz. CEO Dario Amodei veröffentlichte einen langen Essay, in dem er vor einem möglichen Kontrollverlust binnen sechs bis zwölf Monaten warnte.

In einer seltenen Geste branchenweiter Einigkeit signalisierten daraufhin auch die Chefs von OpenAI, Google DeepMind, Microsoft und xAI Unterstützung für externe Sicherheitsprüfungen. Nicht alle ziehen mit: Nvidia-Chef Jensen Huang lehnte eine Verlangsamung erneut ab, Meta-Chef Mark Zuckerberg sprach sich gegen branchenweite Koordination aus und verwies stattdessen auf die Haftung einzelner Labore.

Die Bewertung bleibt der eigentliche Treiber

Trotz der Sicherheitsdebatte rechnen Marktbeobachter weiterhin mit einer Rekordtransaktion. Die annualisierte Umsatzrate von Anthropic kletterte von 9 Milliarden Dollar Ende 2025 auf 65 Milliarden Dollar Ende Juli — ein Tempo, das die geplante Bewertung von rund 2 Billionen Dollar untermauern soll. Zum Vergleich: Die letzte private Finanzierungsrunde im Mai bewertete das Unternehmen noch mit 965 Milliarden Dollar.

Der Wettbewerbsdruck bleibt hoch. OpenAI brachte im September sein neuestes Modell Astra auf den Markt und soll laut Investoren inzwischen eine eigene Bewertung von bis zu 1,5 Billionen Dollar anstreben — parallel zu Berichten, wonach auch bei OpenAI Modelle in Tests eigenständig Sicherheitsmechanismen umgangen haben sollen.

Ob die Sicherheitsdebatte den Zeitplan am Ende doch noch verzögert, bleibt in den kommenden Wochen die entscheidende Unbekannte. Anthropic trifft nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen potenzielle Investoren, um Nachfrage und Bewertung für das Angebot im November auszuloten.

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