Vonovia Aktie: ifo-Index bricht auf minus 28,4 Punkte

Der Wohnungsriese Vonovia profitiert von steigenden Mieten, leidet aber unter hohen Finanzierungskosten. Die Aktie notiert deutlich unter ihrem Jahreshoch.

Eduard Altmann ·
Vonovia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Wohnungsbau auf Tiefstand seit 2012
  • Operatives Geschäft zeigt sich robust
  • Finanzierungskosten belasten das Ergebnis
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Rund eine Million Wohnungen fehlen in Deutschland — und die Lage verschlechtert sich. Für Vonovia bedeutet das ein widersprüchliches Umfeld: struktureller Rückenwind durch steigende Mieten, aber anhaltender Druck durch Finanzierungskosten und schwache Portfolio-Bewertungen. Die Aktie notiert mit fast 30 Prozent Abstand zum Jahreshoch.

Fertigstellungen auf tiefstem Stand seit 2012

Der Wohnungsbau in Deutschland befindet sich in einer ausgewachsenen Krise. 2025 wurden nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt — 18 Prozent weniger als im Vorjahr, der niedrigste Wert seit 2012. Besonders hart traf es Neubauten in Wohngebäuden: minus 20 Prozent auf 172.600 Einheiten.

Erschwerend kommt hinzu, dass 2025 rund 35.700 Baugenehmigungen verfielen — ein Viertel mehr als im Vorjahr. Und selbst neue Genehmigungen helfen kurzfristig kaum: Die Zeit zwischen Genehmigung und Fertigstellung ist auf 27 Monate gestiegen, vor fünf Jahren waren es noch 20 Monate. Neue Projekte, die heute genehmigt werden, liefern frühestens 2028 Wohnungen.

Erholungssignale — gegen die Stimmungslage

Auf dem Papier gibt es erste Lichtblicke. Im März 2026 wurden bundesweit rund 21.800 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bei Mehrfamilienhäusern lag der Zuwachs im ersten Quartal 2026 sogar bei knapp 15 Prozent.

Die Branche selbst glaubt nicht daran. Das ifo-Geschäftsklima im Wohnungsbau brach im April 2026 von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte ein — der stärkste Rückgang seit April 2022. Hohe Baukosten, regulatorische Hürden und geopolitische Unsicherheiten drücken die Erwartungen. Die Genehmigungszahlen steigen, aber die Unternehmen wollen oder können nicht bauen.

Operativ stabil, finanziell unter Druck

Für Vonovia als Bestandshalter läuft das operative Geschäft solide. Das Adjusted EBITDA im Vermietungsgeschäft stieg im ersten Quartal 2026 um 6,3 Prozent — trotz eines um rund 4.000 Wohnungen reduzierten Bestands. Das organische Mietwachstum lag bei 4,0 Prozent, die Vermietungsquote bei 97,7 Prozent.

Der Zinseffekt schlägt allerdings durch. Das Adjusted EBT fiel auf 462,2 Millionen Euro, weil gestiegene Finanzierungskosten einen Teil der operativen Gewinne auffressen. Das Adjusted EBITDA Total erreichte 711,6 Millionen Euro — im Rahmen der Erwartungen, aber kein Befreiungsschlag.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Vonovia ein Adjusted EBITDA Total von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro sowie ein Adjusted EBT von 1,9 bis 2,0 Milliarden Euro. An diesen Zielen hält der Konzern fest.

Analysten tief gespalten

Die Bandbreite der Kursziele ist außergewöhnlich weit. Berenberg-Analyst Kai Klose sieht den fairen Wert bei 38 Euro und bewertet die Aktie mit „Buy“ — er hebt das verbesserte Finanzprofil und die stabile Profitabilität hervor. Am anderen Ende steht Barclays-Analyst Paul May mit einem Kursziel von 23 Euro und einer Verkaufsempfehlung; er sieht die Q1-Zahlen im Jahresvergleich als schwächer. Der Analystenkonsens liegt bei 32,82 Euro, zehn von elf Analysten empfehlen den Kauf.

Die Aktie schloss den Freitag bei 21,40 Euro — rund 14 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt und fast 30 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Juni 2025. Am 5. August 2026 legt Vonovia den Halbjahresbericht vor, inklusive vollständiger Portfoliobewertung. Wie sich die Immobilienwerte darin entwickeln, dürfte maßgeblich davon abhängen, wohin sich die Finanzierungskosten bis dahin bewegen.

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Vonovia Aktie

21,43 EUR

– 0,23 EUR -1,06 %
KGV 6,67
Sektor Liegenschaften
Div.-Rendite 5,78 %
Marktkapitalisierung 18,28 Mrd. EUR
ISIN: DE000A1ML7J1 WKN: A1ML7J

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