Commerzbank Aktie: 5,2-Prozent-Sturz auf 36,31 Euro
UniCredit erhöht Gewinnprognose und bekräftigt Übernahmepläne der Commerzbank, was die Aktie des Frankfurter Instituts belastet.

Kurz zusammengefasst
- Commerzbank-Kurs fällt um über fünf Prozent
- UniCredit peilt Kontrollübernahme an
- EZB-Zustimmung noch 2026 erwartet
- Aktienrückkauf gestrichen für Kapitalpuffer
Die Commerzbank-Aktie gerät am Donnerstag deutlich unter Druck. Der Kurs fällt um 5,20 Prozent auf 36,31 Euro und entfernt sich damit weiter vom 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, zu dem nun ein Abstand von 7,33 Prozent klafft. Auslöser ist keine Commerzbank-eigene Meldung, sondern die Bilanz des künftigen Mehrheitseigentümers: UniCredit hat am selben Tag ihre Jahresprognose angehoben und gleichzeitig bekräftigt, mit der Kontrollübernahme des Frankfurter Instituts fest zu rechnen.
UniCredit rechnet fest mit der Übernahme
UniCredit-Chef Andrea Orcel bezeichnete die Commerzbank-Transaktion als strategisches Vorhaben und geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank die nötige Genehmigung noch im vierten Quartal 2026 erteilt. Nach eigenen Angaben hält UniCredit direkt sowie über die Umtauschofferte 44,37 Prozent der Commerzbank-Aktien. Unter Einbeziehung von Finanzinstrumenten steigt der Anteil auf 47,59 Prozent – womit das italienische Institut faktisch bereits die Kontrolle ausüben könnte, auch ohne die formale Mehrheitsschwelle zu überschreiten. Nach der EZB-Zustimmung will UniCredit die Kontrolle ausüben und notfalls eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Orcel skizzierte zudem eine Übergangsphase von zwei bis drei Jahren, in der die HypoVereinsbank und die Commerzbank organisatorisch getrennt bleiben sollen, bevor eine Fusion folgt. Für diesen Umbau plant UniCredit Investitionen von 2,2 Milliarden Euro.
Höheres Gewinnziel, gestrichener Rückkauf
Parallel zur Commerzbank-Offensive legte UniCredit Zahlen vor, die die Marschrichtung unterstreichen. Der Nettogewinn im zweiten Quartal lag bei 2,9 Milliarden Euro, ein Rückgang von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, belastet unter anderem durch Hedging-Kosten von 245 Millionen Euro. Dennoch übertraf das Ergebnis die Erwartungen der Analysten, und der Halbjahresgewinn kletterte auf mehr als 6,1 Milliarden Euro. UniCredit hob daraufhin die Prognose für 2026 von zuvor mindestens 11 Milliarden Euro auf deutlich über 11 Milliarden beziehungsweise nach anderen Angaben über 11,5 Milliarden Euro an. Für 2028 stellt das Institut einen Nettogewinn von mehr als 13 Milliarden Euro in Aussicht, für 2030 mehr als 15 Milliarden Euro – Zielmarken, in die das Commerzbank-Geschäft laut UniCredit noch nicht vollständig eingerechnet ist.
Der Preis für die Übernahmepläne zeigt sich in der Kapitalausstattung: Die harte Kernkapitalquote soll nach einer Konsolidierung der Commerzbank auf rund 13 Prozent sinken, gut zwei Prozentpunkte niedriger als aktuell mit 14,3 Prozent. Um Kapitalpuffer zu sichern, strich UniCredit einen bereits angekündigten Aktienrückkauf im Volumen von 4,75 Milliarden Euro. Die Bewertung der Commerzbank im Rahmen des Angebots beziffert UniCredit auf rund 43,6 Milliarden Euro.
Gespräche mit Politik und Commerzbank-Führung
Auf der Beziehungsebene bahnt sich Bewegung an. Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp planen nach der Vorlage der Commerzbank-Zahlen am 6. August 2026 eine Videokonferenz – ein Signal, dass der zuvor stockende Dialog zwischen beiden Häusern wieder aufgenommen wird. Zudem will Orcel Gespräche mit der Bundesregierung und dem Betriebsrat der Commerzbank suchen. Bundeskanzler Merz zeigte sich laut Berichten gesprächsbereit; der Bund hält rund 12 Prozent an der Commerzbank.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Einerseits untermauert UniCredit mit der höheren Gewinnprognose die eigene finanzielle Schlagkraft für die Übernahme, andererseits belastet der gestrichene Rückkauf und die sinkende Kapitalquote die UniCredit-Aktie – was über die Verzahnung beider Werte auch auf die Commerzbank-Aktie durchschlägt. Der RSI von 42,4 signalisiert dabei keine Überverkauft-Situation, sondern spiegelt lediglich die jüngste Konsolidierung nach dem Rekordhoch wider. Die kommenden Wochen bis zur Commerzbank-Bilanzvorlage und dem angekündigten Gespräch zwischen Orcel und Orlopp dürften weitere Hinweise liefern, wie schnell sich die angekündigte Kontrollübernahme konkretisiert.
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