ASML: 12-Prozent-Rückgang in sieben Tagen
Chinesische Firma Aishengna startet Serienproduktion von DUV-Lithografiemaschinen. Analysten sehen ASMLs EUV-Vorsprung aber weiterhin unangefochten.

Kurz zusammengefasst
- Aishengna beginnt mit DUV-Serienfertigung
- Asml-Aktie verliert über zwölf Prozent
- EUV-Monopol bleibt vorerst unberührt
- US-Exportgesetz könnte Druck erhöhen
Ein neuer Wettbewerber aus Shanghai bringt den niederländischen Lithografie-Konzern ins Wanken. Die staatliche Shanghai Aishengna Electronic Technology Group hat mit der Serienfertigung von Immersions-DUV-Lithografiemaschinen begonnen – jener Maschinenklasse, die bislang fast ausschließlich ASML-Domäne war. Die Nachricht, laut Reuters erstmals mit Aishengna als treibender Kraft hinter dem Vorhaben in Verbindung gebracht, hat die ASML-Aktie seit Anfang der Woche unter erheblichen Druck gesetzt.
Kurs unter Druck, Erholung nur teilweise
Der erste Rückgang um bis zu acht bis zehn Prozent binnen zweier Handelstage folgte auf Berichte, die noch vor dem Wochenbeginn kursierten. Am gestrigen Dienstag gab das Papier dann noch einmal rund 1,8 Prozent nach, bevor sich die Verluste zuletzt etwas verlangsamten. Am heutigen Mittwoch notiert die Aktie bei 1.382,40 Euro und damit 0,58 Prozent leichter als am Vortag. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf 12,32 Prozent. Vom Rekordhoch, das ASML Ende Juni markierte, trennen das Papier inzwischen rund 21 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, wie nervös der Markt auf die China-Nachricht reagiert hat, auch wenn die Aktie auf Jahressicht weiterhin deutlich im Plus notiert.
Aishengna: Kapital, Personal, ambitionierte Ziele
Aishengna wurde im August 2023 mit einem Stammkapital von 7 Milliarden Yuan – umgerechnet rund einer Milliarde Dollar – gegründet, getragen von der Shanghai Electric Holding und dem Shanghai International Trust. Das Unternehmen hat Teams der Vorgängerprojekte Yuliangsheng und SMEE übernommen. Für 2026 plant Aishengna die Auslieferung von etwa fünf Immersions-DUV-Systemen an die Chipfertiger SMIC, Hua Hong und CXMT, für 2027 sind rund zwanzig Einheiten vorgesehen. Zum Vergleich: ASML selbst lieferte 2025 insgesamt 131 DUV-Systeme aus und plant für das laufende Jahr rund 130 weitere Maschinen. Die chinesischen Geräte können demnach direkt Strukturen bei 28 Nanometern belichten, über Mehrfachbelichtung sind auch 7 Nanometer erreichbar – allerdings bei laut Fachanalysen um 40 bis 50 Prozent höheren Waferkosten. Zudem stecken in den Maschinen weiterhin importierte japanische Komponenten.
Analysten: EUV-Vorsprung bleibt intakt
Die Analysten von JPMorgan ordnen die Entwicklung nüchtern ein: Die Produktion einer Handvoll Maschinen sei nicht dasselbe wie eine belastbare Hochvolumenfertigung. Bank of America ging noch weiter und bezeichnete den Kursrutsch als Überreaktion des Marktes. Der Grund für diese Zurückhaltung liegt in der Technologie selbst: ASML hält weiterhin ein faktisches Monopol bei EUV-Lithografie, die für fortgeschrittene Logik-Chips und Hochleistungsspeicher unverzichtbar ist. Eine Standard-EUV-Anlage kostet nach Marktschätzungen mehr als 220 Millionen Dollar, ein High-NA-Modell bis zu 400 Millionen Dollar – ein DUV-System liegt dagegen zwischen 5 und 90 Millionen Dollar. Ein chinesisches EUV-Prototyp existiert zwar bereits, gilt aber laut mehreren Einschätzungen noch als Jahre von einer kommerziellen Produktion entfernt.
Für ASML selbst bleibt der China-Umsatz relevant, aber überschaubar: Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 16 Prozent der Netto-Umsätze auf China, nach 29 Prozent im Gesamtjahr 2025, was damals rund 9,5 Milliarden Euro entsprach. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem China-Anteil von etwa 20 Prozent, umgerechnet rund 9 Milliarden Euro. Zugleich hat ASML die Umsatzprognose für 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro angehoben und will die EUV-Kapazität in den Jahren 2026 und 2027 jeweils um 30 Prozent steigern.
Politik als zweite Front
Neben dem technologischen Wettlauf spielt die Politik eine wachsende Rolle. Der US-Kongress berät derzeit über ein Gesetz, das ASML auch die verbliebenen DUV-Exporte nach China untersagen würde – nachdem frühere Exportkontrollen laut einer Einschätzung des Marktforschers TrendForce erst den Anreiz für Chinas Eigenentwicklung geschaffen hatten. TrendForce sieht in der chinesischen DUV-Fertigung zwar kurzfristig keine ernsthafte Gefahr für ASML, warnt aber vor zunehmenden Übernahmeaktivitäten chinesischer Ausrüster, die westliche und japanische Anbieter besonders im Bereich ausgereifter Fertigungsknoten unter Druck setzen könnten. Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: kurzfristige Kursnervosität durch die Symbolik des chinesischen Vorstoßes, langfristig aber ein technologischer Graben, den Analysten weiterhin für schwer überwindbar halten.
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