SAP: 2,18 Millionen Aktien in einer Woche
SAP treibt parallel KI-Expansion und Aktienrückkauf voran. Insiderkäufe und Analystenmeinungen prägen das Bild, während sich der Kurs erholt.

Kurz zusammengefasst
- SAP kauft 2,18 Mio. eigene Aktien
- Vorstand investiert rund 1,3 Mio. Euro
- Übernahmen von Dremio und Prior Labs
- Kursplus von 29,31 Prozent in 30 Tagen
Ein Konzern, der Milliarden in künstliche Intelligenz steckt und zugleich Millionen eigener Aktien vom Markt nimmt – das ist keine Widersprüchlichkeit, sondern Strategie. Bei SAP laufen beide Bewegungen derzeit parallel, und genau diese Gleichzeitigkeit lohnt einen genaueren Blick, gerade jetzt, wo die Aktie eine der heftigsten Erholungsphasen ihrer jüngeren Geschichte durchläuft.
Der Rückkauf wird konkret
Am Dienstag kündigte SAP ein neues Aktienrückkaufprogramm an. Das war noch die Absicht. Wie ernst es der Konzern damit meint, zeigte sich am Donnerstag: SAP erwarb in der Woche zuvor 2,18 Millionen eigene Aktien im Rahmen des laufenden Programms. Das ist kein symbolischer Akt, sondern eine Größenordnung, die tatsächlich Nachfrage aus dem Markt nimmt – und damit potenziell den Boden unter der Aktie stabilisiert, während sich der Kurs von seinem Tief im Sommer entfernt.
Wer Rückkäufe in diesem Umfang startet, sendet ein Signal: Das eigene Management hält die Aktie für unterbewertet, auch wenn die Bilanz zeitgleich hohe Investitionen in neue Geschäftsfelder verkraften muss. Diese Botschaft passt zu einem zweiten, kleineren, aber nicht minder aufschlussreichen Baustein der jüngeren Wochen.
Der Vorstand kauft mit
Am 24. Juli erwarb ein Vorstandsmitglied 2.435 SAP-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 133,56 Euro, umgerechnet rund 325.200 Euro. Nur drei Tage später, am 27. Juli, folgte ein weiterer Kauf über 10.000 Aktien zu 97,24 Euro – ein Volumen von knapp 972.400 Euro. Zwei Käufe binnen einer Woche, zu Kursen, die heute deutlich unter dem aktuellen Niveau liegen. Insider kaufen selten aus Zufall, und wenn sie es kurz nacheinander tun, ist das mehr als eine Randnotiz.
Diese privaten Wetten auf die eigene Aktie fallen in eine Phase, in der SAP zugleich massiv in die Zukunft investiert. Die Übernahmen von Dremio und dem Freiburger KI-Spezialisten Prior Labs wurden Anfang Juli beziehungsweise Mitte Juli abgeschlossen. Für das Forschungsteam von Prior Labs plant der Konzern in den kommenden vier Jahren Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro. Wer so viel Kapital in Künftiges bindet und gleichzeitig Aktien zurückkauft, muss beides finanzieren können – ein Vertrauensvotum in die eigene Ertragskraft, das über bloße Marketingrhetorik hinausgeht.
Die Analysten sind sich nicht einig
Nicht jeder am Kapitalmarkt teilt diese Zuversicht uneingeschränkt. Barclays senkte am 28. Juli sein Kursziel von 255 auf 220 Euro, bestätigte aber die Einstufung „Overweight“ – ein Rückzug bei der Zielmarke, kein Vertrauensverlust in die grundsätzliche Story. Ganz anders die DZ Bank: Sie stufte die Aktie am 24. Juli mit „Sell“ ein und senkte das Kursziel von 130 auf 120 Euro. Evercore ISI reduzierte am selben Tag sein Ziel von 175 auf 160 Euro bei der Einstufung „In-Line“. Drei Häuser, drei sehr unterschiedliche Blickwinkel auf denselben Konzern – ein Bild, das selten so gespalten ausfällt wie in diesen Wochen.
Was von der Rally bleibt
Der Markt selbst hat sich für eine Seite entschieden, zumindest vorerst. Am Freitag schloss die Aktie bei 178,66 Euro, ein Tagesplus von 3,46 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Anstieg auf 29,31 Prozent – eine Erholung, die sich sehen lassen kann, nachdem der Titel zuvor tief gefallen war. Zum 52-Wochen-Hoch klafft mit 30,67 Prozent aber immer noch eine erhebliche Lücke. Der Rückkauf schafft Nachfrage, die Übernahmen schaffen Zukunftshoffnung, die Insiderkäufe schaffen Vertrauen von innen – ob das reicht, um die Lücke zum Hoch zu schließen, muss der Markt in den kommenden Wochen selbst beantworten. Die nächste harte Probe folgt am 21. Oktober, wenn SAP die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt; Analysten erwarten dann einen Umsatz von 10,09 Milliarden Euro und einen Gewinn pro Aktie von 1,83 Euro.
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