Evonik Aktie: Ashland als Ausweg?
Evonik hat noch nicht auf BASFs höhere Offerte reagiert; weder Verhandlungen noch eine Einigung sind bestätigt.

Kurz zusammengefasst
- BASF bietet nun 24 Euro je Aktie
- Evonik hat noch nicht geantwortet
- Direkte Verhandlungen sind bislang unbestätigt
- Ashland-Prüfung ist keine beschlossene Übernahme
Der höhere Preis verändert die Anlegerentscheidung
Für Evonik-Anleger hängt das weitere Übernahmepotenzial daran, ob der höhere Preis erstmals den Weg zu direkten Verhandlungen öffnet. Laut Reuters hat BASF seine unbestätigte Offerte gestern auf 24 Euro je Aktie angehoben. Für Anleger steht damit die Entscheidung an, wie viel Gewicht sie einem möglichen Abschluss beimessen – gegenüber einer eigenständigen Zukunft von Evonik.
Die Kursreaktion zeigt, dass der Markt dem Vorstoß Bedeutung beimisst. Evonik schloss gestern mit einem Plus von 3,4% bei 21,40 €. Der Schlusskurs liegt damit weiterhin unter dem kolportierten Angebotspreis. Diese Differenz ist allerdings kein zugesicherter Ertrag, sondern besteht bei weiterhin offenem Ausgang.
Weder eine Einigung noch ein revidierter Angebotspreis sind von den Unternehmen bestätigt. Entscheidend ist deshalb nicht allein die höhere Summe. Ebenso wichtig wird sein, ob Evonik nun bereit wäre, die Bedingungen eines Zusammenschlusses näher zu prüfen.
Evoniks Gesprächsbereitschaft ist der zentrale Prüfstein
Die entscheidende Frage lautet: Reicht die Nachbesserung aus, um Evoniks bisherige Ablehnung zu überwinden? Das erste Angebot von etwa 22,15 Euro je Aktie hatte das Unternehmen Medienberichten zufolge als zu niedrig zurückgewiesen. Auch Gespräche beziehungsweise den Zugang für eine vertiefte Unternehmensprüfung hatte Evonik demnach abgelehnt.
Laut dpa lag auf die erhöhte Offerte zunächst keine Antwort vor. Damit fehlt gerade jener Schritt, der aus einem höheren Preis einen belastbareren Übernahmeprozess machen könnte. Anleger sollten eine mögliche Gesprächsaufnahme deshalb stärker gewichten als weitere Spekulationen über die Bewertung.
Am 25. September hatte BASF Sondierungsgespräche mit Evonik und der RAG-Stiftung bestätigt. Evonik bestätigte damals einen unverbindlichen Ansatz für ein freiwilliges öffentliches Angebot für sämtliche Aktien, aber keine laufenden Gespräche. Auch nach der nun berichteten Nachbesserung werden bislang keine direkten Verhandlungen gemeldet.
Die Unterscheidung ist wesentlich: Ein unverbindlicher Vorstoß schafft eine Möglichkeit. Er ersetzt weder eine Verständigung über den Preis noch eine Vereinbarung über die weiteren Bedingungen.
Arbeitsplatz-Zusagen könnten eine Annäherung erleichtern
Für ein positives Szenario müsste Evonik die höhere Offerte als ausreichende Grundlage für Gespräche betrachten. Dann könnte sich die Bewertung der Aktie stärker am möglichen Übernahmepreis orientieren. Das wäre zunächst ein Fortschritt im Prozess, aber noch keine Zusage für dessen Abschluss.
BASF-Chef Markus Kamieth hat zudem Bedingungen für einen möglichen Zusammenschluss umrissen. Bestehende Standortvereinbarungen sollen übernommen werden. Betriebsbedingte Kündigungen würden bei einer Übernahme bis 2032 ausgeschlossen; Tarifverträge und Sozialpartnerschaft sollten unangetastet bleiben.
Diese Zusagen könnten die Diskussion über die Folgen einer Übernahme erleichtern. Sie adressieren Fragen, die über den Kaufpreis hinausgehen. Ob sie Evonik und die beteiligten Akteure überzeugen, ist jedoch offen.
Der Beschäftigungsaspekt trifft auf einen bereits laufenden Umbau. Evonik plant bis Ende 2029 weltweit rund 3.200 Stellen abzubauen, davon etwa 2.150 in Deutschland. Wie die Übernahmezusagen zu diesem Umbau passen würden, wäre daher ein wichtiger Gegenstand möglicher Verhandlungen. Aus den Zusagen allein lässt sich keine Änderung der bestehenden Abbaupläne ableiten.
Eine eigenständige Strategie könnte die Einigung erschweren
Das ernsthafte Gegenargument zur Übernahmehoffnung ist Evoniks bisherige Haltung. Das Unternehmen hat die erste Offerte nicht lediglich zur Kenntnis genommen, sondern als unzureichend bewertet. Eine Preiserhöhung muss diese Einschätzung nicht automatisch ändern. Bleibt Evonik bei seiner Ablehnung, könnte die Aktie wieder stärker an den Perspektiven ohne BASF gemessen werden.
Hinzu kommt eine mögliche strategische Alternative. Laut Reuters prüft Evonik Ashland, dessen Börsenwert mit rund 3,3 Milliarden US-Dollar angegeben wird. BASF hält einen solchen Kauf einer Reuters-Quelle zufolge für zu riskant.
Damit könnten unterschiedliche Vorstellungen über Evoniks künftigen Kurs die Annäherung zusätzlich erschweren. Die Prüfung von Ashland ist allerdings keine beschlossene Übernahme. Ebenso wenig steht fest, dass Evonik diesen Weg tatsächlich einschlagen würde.
Für Anleger liegt das Risiko darin, einen erfolgreichen Abschluss bereits vorauszusetzen. Scheitert die Annäherung, wäre der kolportierte Angebotspreis keine verlässliche Bewertungsstütze. Die verbleibende Kursdifferenz lässt sich deshalb nicht isoliert betrachten: Ihr steht die Möglichkeit gegenüber, dass kein verbindliches Angebot zustande kommt.
Eine belastbare Antwort wäre das nächste Signal
Solange BASF an dem Vorstoß festhält und Evonik eine Annäherung nicht ausschließt, bleibt ein Übernahmeszenario möglich. Aussagekräftiger würde es durch eine Bestätigung der Konditionen und die Bereitschaft zu direkten Verhandlungen. Beides wäre getrennt von einer endgültigen Einigung zu bewerten.
Kippt dagegen Evoniks Bereitschaft zur Prüfung oder verfolgt das Unternehmen entschlossen eine eigenständige Alternative, würde das die Übernahmeerwartung belasten. Der nächste konkrete Katalysator wäre deshalb eine belastbare Reaktion auf die erhöhte Offerte. Ein Termin dafür ist nicht bestätigt. Bis dahin bleibt die Gesprächsbereitschaft der wichtigere Prüfstein als der höhere Preis allein.
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