BayWa Aktie: 4,37 Prozent auf Gläubiger-Einigung

Gläubigerbanken und BayWa-Eigentümer stehen kurz vor einer Einigung. Die Aktie reagiert positiv, doch operative und juristische Hürden bleiben bestehen.

Eduard Altmann ·
BayWa Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Einigung zwischen Banken und Eigentümern naht
  • Aktie legt am Freitag zu
  • Umsatz bricht im ersten Quartal ein
  • Agravis startet Offensive in BayWa-Kerngebiet

Gläubigerbanken und Eigentümer des angeschlagenen BayWa-Konzerns stehen kurz vor einer Einigung. Nach drei intensiven Verhandlungswochen geht es nur noch um technische Details — so berichtet es das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Die Aktie legte am Freitag um 4,37 Prozent auf 11,95 Euro zu. Auf Jahressicht steht sie allerdings mit fast 39 Prozent im Minus.

Zielgerade bei der Sanierung

Bisher blockierten unterschiedliche Vorstellungen über Kapitalzuführungen und Sicherheiten einen Deal. Nun nähern sich beide Seiten an. Der PLATOW Brief schreibt, die Rettung befinde sich auf der Zielgeraden.

BayWa operiert aktuell unter einem Stillhalteabkommen. Es gewährt dem Vorstand eine Atempause bis Herbst 2026. Eine feste Vereinbarung mit Kernbanken wie DZ Bank und UniCredit würde die Unsicherheit beenden — doch bis dahin müssen drei Dinge gleichzeitig gelingen: Bankenzustimmung zum neuen Sanierungsplan, Abschluss des T&G-Verkaufs und Vorlage des testierten Jahresabschlusses.

Vom Schuldenabbauziel von vier Milliarden Euro bis 2028 hat BayWa bislang rund 1,3 Milliarden Euro durch Beteiligungsverkäufe gesichert. Noch fehlen 2,7 Milliarden Euro.

Operativ: EBITDA über Plan, Umsatz bricht ein

Das bereinigte EBITDA lag im ersten Quartal 2026 über den Vorgaben des Sanierungsplans und klar über dem Vorjahresniveau. Ein echter Lichtblick.

Der Umsatz erzählt eine andere Geschichte. Er brach von 3,6 Milliarden Euro auf 2,3 Milliarden Euro ein. BayWa begründet das mit Portfolioverkäufen — darunter der Verkauf der niederländischen Cefetra Group — sowie mit der Bereinigung des Produktsortiments.

Agravis greift an, Landwirte zweifeln

Während die Finanzierungsseite auf eine Lösung zusteuert, wächst der operative Druck von außen. Agravis Raiffeisen, Deutschlands zweitgrößter Agrarhandelskonzern, hat im März 2026 eine gezielte Offensive in Süddeutschland gestartet — dem Kerngebiet von BayWa. Agravis-Chef Dr. Dirk Köckler will mit Primärgenossenschaften in Bayern und Württemberg kooperieren. Erste Beteiligungen sind noch 2026 möglich.

Die Stimmung an der Basis ist angespannt. Eine Umfrage des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts zeigt: Knapp die Hälfte der Teilnehmer hat das Vertrauen endgültig verloren und will die Ernte nicht mehr über BayWa vermarkten. Nur ein Viertel will die Geschäftsbeziehung bei der Ernte fortsetzen.

Juristische Baustellen

Parallel zur Sanierung verdichtet sich die juristische Aufarbeitung. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger wegen des Verdachts auf Untreue und falsche Darstellung im Jahresabschluss 2023. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Die Tübinger Kanzlei TILP formiert geschädigte Aktionäre für Schadensersatzklagen. Grundlage ist eine formelle Rüge der BaFin: BayWa verschwieg im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit sowie zu Refinanzierungsrisiken einer Anleihe über 500 Millionen Euro.

Ferner fehlt noch der verschobene Konzernfinanzbericht für 2025. Den Abschluss soll künftig KPMG prüfen — der Aufsichtsrat plant den Prüferwechsel für das laufende Geschäftsjahr.

Die bevorstehende Getreideernte wird zum stillen Stresstest. Kehren abgewanderte Landwirte zurück oder festigen sich die neuen Geschäftsbeziehungen zu Agravis? Von dieser Antwort hängt ab, ob die Sanierung nachhaltig trägt — oder ob ein Schuldenschnitt am Ende nur Zeit kauft.

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BayWa Aktie

11,95 EUR

+ 0,50 EUR +4,37 %
KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 708,83 Mio. EUR
ISIN: DE0005194005 WKN: 519400

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