BASF-Aktie vor dem Praxistest: Hält die Prognose-Anhebung dem Halbjahresbericht stand?
BASF hebt Gewinnprognose an, doch Analysten streiten über die Nachhaltigkeit der Erholung im Chemiekernbereich. Der Halbjahresbericht am 29. Juli soll Klarheit bringen.

Kurz zusammengefasst
- Gewinnprognose für 2026 angehoben
- Coatings-Verkauf bringt Milliarden-Buchgewinn
- Analysten uneins über operative Erholung
- Halbjahresbericht am 29. Juli entscheidend
Ausgangslage
BASF hat seine Anleger in den vergangenen zwei Wochen mit einer Serie von Nachrichten konfrontiert, die kaum unterschiedlicher hätten ausfallen können. Am 15. Juli hob der Ludwigshafener Konzern seine Gewinnprognose für 2026 an: Das erwartete EBITDA vor Sondereinflüssen soll nun zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro liegen, nach zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Grundlage waren vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal, die einen Umsatzsprung um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro zeigten. Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte von 1,6 auf 2,4 Milliarden Euro, das Nettoergebnis schoss von 79 Millionen auf 4,1 Milliarden Euro hoch – begünstigt auch durch den zum 30. Juni vollzogenen Verkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle, der einen Buchgewinn von rund 3,9 Milliarden Euro vor Steuern brachte.
Parallel dazu meldete BASF organisatorische Kontinuität: Der Aufsichtsrat verlängerte am Donnerstag die Mandate von Arbeitsdirektorin Katja Scharpwinkel und Vorstandsmitglied Anup Kothari vorzeitig bis zur Hauptversammlung 2030. Am selben Tag setzte der Konzern den geplanten Komplettverkauf von rund 3.300 Werkswohnungen der Tochter BASF Wohnen + Bauen vorläufig aus – der Einzelverkauf von etwa 1.100 Einheiten läuft dagegen weiter. Diese Häufung an Meldungen trifft die Aktie, die am Freitag mit 48,60 Euro schloss, ein Minus von 0,42 Prozent, in einer entscheidenden Phase: Am 29. Juli folgt der vollständige Halbjahresfinanzbericht samt Analysten-Konferenz. Genau dort muss sich zeigen, ob die vorläufigen Zahlen mehr waren als ein optischer Ausreißer.
Die entscheidende Frage
Der Kern der Debatte um BASF lässt sich auf eine Frage verdichten: Ist die Ergebnisverbesserung im Kerngeschäft mit Basischemikalien struktureller Natur, oder beruht sie auf einer vorübergehenden Preiserholung, die bereits wieder abebbt? Genau an diesem Punkt trennen sich die Lager der Analysten. Die DZ Bank hob am Dienstag ihren fairen Wert für die Aktie nach Auswertung der vorläufigen Quartalszahlen von 63,00 auf 64,00 Euro an und bestätigte die Einstufung „Kaufen“. Auf der Gegenseite hält JPMorgan seit Freitag vergangener Woche an der Einstufung „Underweight“ mit Kursziel 40,00 Euro fest; Analyst Chetan Udeshi begründet dies mit geringer Visibilität, ob sich die positiven Trends fortsetzen lassen. Diese Kluft von 24 Euro zwischen den Kurszielen spiegelt exakt die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der Margenerholung wider.
Bullisches Szenario
Setzt sich die operative Erholung fort, hätte BASF mit der angehobenen Prognosespanne noch Luft nach oben. Der Konzern befindet sich mitten in der strategischen Neuausrichtung „Winning Ways“, für die im Mai ein „Core Transformation Office“ unter Leitung von Julia Raquet eingerichtet wurde, um die Kerngeschäfte zu stärken. Bestätigt der Halbjahresbericht am 29. Juli, dass der Ergebnissprung nicht allein dem Coatings-Verkauf geschuldet war, sondern auch das operative Geschäft breiter trägt, dürfte dies die optimistischeren Kursziele von DZ Bank und Deutscher Bank – letztere sieht 60,00 Euro bei Einstufung „Buy“ – untermauern. Auch die vorzeitige Verlängerung der Vorstandsmandate signalisiert Kontinuität in der laufenden Transformation, was Anleger in Phasen struktureller Umbauten häufig honorieren.
Bärisches Szenario
Dagegen steht die Warnung, dass die Basischemikalien-Preise sich bereits wieder normalisieren. Berenberg senkte sein Kursziel am 16. Juli von 52,00 auf 47,00 Euro und stufte die Aktie auf „Hold“ zurück – als Begründung nannte das Haus explizit die Normalisierung der Preise sowie Nachfragerisiken in China. Auch Bernstein bewertete BASF zwar am 17. Juli weiterhin mit „Outperform“ und Kursziel 61,00 Euro, verwies aber ausdrücklich auf anhaltende Unsicherheiten in der Basischemie. Sollte der Halbjahresbericht zeigen, dass der Q2-Schub tatsächlich vor allem auf den Einmaleffekt aus dem Coatings-Verkauf zurückgeht und das operative Kerngeschäft schwächer bleibt, dürfte die zurückhaltende JPMorgan-Position an Gewicht gewinnen. Zusätzliche Unsicherheit bringt der ausgesetzte Wohnungsverkauf: Ob und wann der Gesamtverkauf der 3.300 Einheiten wieder aufgenommen wird, ist offen, während die Einzelveräußerung parallel weiterläuft.
Ausblick
Der Kurs bewegt sich derzeit rund 12 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, das im April markiert wurde – ein Abstand, der zeigt, dass der Markt die Prognose-Anhebung bislang nicht vorbehaltlos gefeiert hat. Solange die operative Margenverbesserung im Halbjahresbericht bestätigt wird und die China-Nachfrage nicht weiter einbricht, dürfte das bullische Lager um DZ Bank und Deutsche Bank die Oberhand behalten. Kippt dagegen die Preisdynamik bei Basischemikalien schneller als erwartet, wie Berenberg bereits andeutet, rückt das skeptische JPMorgan-Szenario näher. Der nächste konkrete Prüfstein ist der 29. Juli, wenn BASF den vollständigen Halbjahresbericht samt Analysten-Konferenz vorlegt und damit erstmals belastbare Details hinter den vorläufigen Q2-Zahlen liefert.
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