ITM Power Aktie: 47-Prozent-Sturz von 2,58 Euro
ITM Power verzeichnet trotz Rekordumsatz und Rheinmetall-Kooperation einen massiven Kursverlust. Analysten sehen Chancen und Risiken.
Kurz zusammengefasst
- Kurshalbierung nach Index-Aufnahme
- Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund
- Rheinmetall-Kooperation für synthetische Kraftstoffe
- Entscheidung über Millionen-Förderung im Juni
Starke Zahlen, schwache Kurse. Bei ITM Power klaffen Realität und Marktstimmung derzeit weit auseinander. Der britische Wasserstoff-Spezialist baut sein operatives Geschäft massiv aus. Die Börse straft den Wert trotzdem gnadenlos ab.
Der perfekte Sturm am Markt
Die Fallhöhe ist enorm. Ende Mai markierte das Papier noch ein Jahreshoch bei 2,58 Euro. Heute notiert die Aktie bei 1,35 Euro. Ein Verlust von fast der Hälfte des Wertes.
Drei Faktoren lösten diese Talfahrt aus. Der Aufstieg in den MSCI UK Small Cap Index führte zu massiven Gewinnmitnahmen. Arbitrageure stießen ihre Positionen aggressiv ab. Parallel dazu bestätigte Goldman Sachs eine Verkaufsempfehlung. Das Kursziel von 63 Pence liegt weit unter dem aktuellen Niveau.
Ein Branchenschock verschärfte die Lage. Konkurrenten wie Ballard Power und Plug Power brachen prozentual zweistellig ein. Clean Power Hydrogen setzte nach einem Anlagenschaden sogar den Handel aus. ITM Power geriet in diesen Abwärtsstrudel. Privatanleger griffen bei den tiefen Kursen allerdings beherzt zu.
Rüstungsdeal und volle Kassen
Operativ läuft es deutlich besser. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr auf den Rekordwert von 18 Millionen Pfund. Das Management hob die Jahresprognose spürbar an. Der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund. Davon gelten gut 70 Prozent als profitabel.
Ein strategischer Schritt hebt die Briten nun von der Konkurrenz ab. ITM Power kooperiert mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall. Gemeinsam planen sie ein europäisches Netzwerk für synthetische Kraftstoffe. Diese Anlagen sollen die NATO-Streitkräfte versorgen. Ein völlig neuer Absatzmarkt entsteht.
Finanziell ist das Unternehmen gut abgesichert. Der staatliche Fonds Great British Energy investierte 40 Millionen Pfund. Damit steigt die Liquidität im laufenden Jahr auf über 210 Millionen Pfund. Der britische Staat hält nun gut zehn Prozent der Anteile.
Wichtige Entscheidungen stehen an
Im Juni fallen wichtige Entscheidungen. Das Unternehmen wartet auf eine staatliche Förderung für seine automatisierte Produktion in Sheffield. Es geht um 46,5 Millionen Pfund. Zwei weitere Großprojekte könnten ebenfalls in diesem Monat den Zuschlag erhalten.
Analysten bewerten die Lage unterschiedlich. Jefferies sieht bei einem Scheitern der Förderung ein Abwärtsrisiko von 52 Prozent. Bei einem Erfolg liegt das Kursziel jedoch bei 200 Pence. Morgan Stanley stuft die Aktie auf „Overweight“ hoch. Die Experten erwarten den operativen Break-even bereits für das Jahr 2028.
Das dürfte spannend werden. Bis zur Vorlage der Jahreszahlen am 15. September müssen die Briten handfeste Ergebnisse liefern. Die operativen Fortschritte sind sichtbar. Jetzt braucht der Markt die finale Bestätigung der ausstehenden Aufträge.
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