Der 5.111-Dollar-Paukenschlag, die Ifo-Ernüchterung und das Vorwerk-Signal

Der Goldpreis erreicht ein Rekordhoch als Zeichen geopolitischer Unsicherheit, während der Ifo-Index die deutsche Konjunkturschwäche bestätigt und Tech-Riesen weiter investieren.

Kurz zusammengefasst:
  • Goldpreis schießt auf Rekordhoch von 5.111 US-Dollar
  • Ifo-Geschäftsklimaindex stagniert auf niedrigem Niveau
  • Nvidia investiert Milliarden in KI-Infrastruktur
  • Deutsche Wirtschaft zeigt gespaltene Entwicklung

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern blickten wir an dieser Stelle noch auf die psychologische 5.000-Dollar-Marke beim Gold und fragten uns, wann diese Bastion fallen würde. Die Antwort lieferte der Markt heute Vormittag mit einer historischen Wucht: Die Barriere wurde nicht nur berührt, sie wurde pulverisiert.

Während der DAX zum Wochenstart bei rund 24.900 Punkten fast schon apathisch verharrte, vollzog sich an den Rohstoffmärkten eine tektonische Verschiebung. Dass Gold in der Spitze bis auf 5.111 US-Dollar schoss, ist weit mehr als eine charttechnische Randnotiz. Es ist das ultimative Misstrauensvotum des globalen Kapitals gegen die geopolitische Stabilität.

Wir erleben einen Montag der extremen Kontraste: Hier die Flucht in „Hard Assets“, dort die ernüchternde Realität der deutschen Konjunkturdaten.

Hier ist das Briefing für Ihren Feierabend.

1. Das goldene Misstrauensvotum

Wenn ein Edelmetall, das bereits im Vorjahr um 65 Prozent zugelegt hat, an einem einzigen Montagvormittag derart dynamisch durch die 5.000er-Marke bricht, haben wir den Bereich der normalen Spekulation verlassen. Was wir sehen, ist eine Fluchtbewegung.

Die Treiber sind so vielfältig wie beunruhigend: Die Zollpolitik unter US-Präsident Trump, die schwelenden Konflikte vom Iran bis Grönland und die wachsende Sorge um die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed treiben Zentralbanken und private Anleger gleichermaßen in das gelbe Metall. Goldman Sachs hat das Kursziel für Ende 2026 bereits auf 5.400 Dollar angepasst.

Bemerkenswert ist die Breite dieser Bewegung: Auch Silber hat die 100-Dollar-Marke hinter sich gelassen. Der Markt preist ein Szenario ein, in dem Währungen zunehmend politisch instrumentalisiert werden. Dass Bitcoin in diesem Umfeld unter 90.000 Dollar verharrt und seinen Anspruch als „digitales Gold“ heute nicht untermauern konnte, sollte Krypto-Enthusiasten zu denken geben.

2. Ifo-Index: Der Blick in den leeren Maschinenraum

Während Gold glänzt, lieferte der Ifo-Geschäftsklimaindex heute Morgen den statistischen Beleg für die trübe Stimmung im Land. Statt des erhofften Anstiegs auf 88,2 Punkte stagnierte das Barometer im Januar bei 87,6 Zählern.

Viel alarmierender als der Index selbst ist jedoch ein Detail aus dem Maschinenraum der Industrie: Die Kapazitätsauslastung ist auf 77,5 Prozent gefallen. Dieser Wert liegt dramatisch unter dem langfristigen Mittel von 83,2 Prozent. Wenn Fabriken nicht ausgelastet sind, wird nicht investiert – so einfach und brutal ist die ökonomische Logik.

Ifo-Chef Clemens Fuest spricht treffend davon, dass die Wirtschaft „ohne Schwung“ ins neue Jahr startet. Wenn nun auch die Bundesbank für das erste Quartal nur noch „verhaltenes Wachstum“ sieht und die Jahresprognose 2026 bei mageren 1 Prozent liegt, wird klar: Die strukturellen Bremsklötze sitzen fest.

3. Nvidia und die 2-Milliarden-Wette

Der Blick über den Atlantik zeigt eine völlig andere Dynamik. Bevor in dieser Woche die Tech-Schwergewichte Apple, Microsoft, Meta und Tesla ihre Bücher öffnen, sendete Nvidia heute ein unmissverständliches Signal.

Der Chip-Gigant investiert weitere 2 Milliarden US-Dollar in den Cloud-Anbieter CoreWeave. Die Botschaft an die Zweifler: Der Ausbau der KI-Infrastruktur wird nicht gedrosselt, er wird beschleunigt. Ungeachtet der Debatten über die kurzfristige Monetarisierung der Künstlichen Intelligenz wird das Fundament weiter gegossen. Für Anleger bedeutet dies, dass die Ausrüster dieses Goldrauschs ihren Zenit offenbar noch nicht erreicht haben.

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Dazu passt perfekt eine aktuelle Analyse zur Halbleiter-Revolution, die weit über Nvidia hinausgeht. In einem kostenlosen Webinar werden vier Chip-Aktien vorgestellt, die vom KI-Boom massiv profitieren könnten – darunter auch weniger bekannte Unternehmen, die als Zulieferer dieser Infrastruktur-Wette fungieren. Sie erfahren, warum Mikrochips als „das neue Öl“ gelten und welche Unternehmen konkret von den Milliardeninvestitionen in KI-Rechenzentren profitieren. Details zur Chip-Aktien-Analyse ansehen

4. Die gespaltene Wirtschaft: Vorwerk vs. Stabilus

Wie sehr die deutsche Wirtschaft in zwei Geschwindigkeiten zerfällt, zeigten heute zwei Meldungen aus der zweiten Reihe:

  • Der Aufsteiger: Friedrich Vorwerk. Der Spezialist für Energieinfrastruktur beweist, dass die Transformation profitable Geschäftsmodelle hervorbringt. Mit einem Umsatzsprung auf über 700 Millionen Euro im Jahr 2025 zeigt sich: Wer Lösungen für den Umbau der Energienetze liefert, wächst auch in der Stagnation.
  • Der Absteiger: Stabilus. Der Autozulieferer meldet zweistellige Umsatzrückgänge. Es ist das Spiegelbild der Krise in der Automobilindustrie. Zusammen mit den gestern diskutierten Filialschließungen der Deutschen Bank verdichtet sich das Bild eines schmerzhaften Strukturwandels, der keine Gefangenen macht.

Quintessenz

Lassen Sie sich von der heutigen Lethargie im DAX nicht täuschen. Die Ruhe ist trügerisch. Der historische Ausbruch des Goldpreises signalisiert ein hohes Maß an systemischer Anspannung, während die Ifo-Daten die Hoffnung auf einen automatischen Selbstläufer-Aufschwung in Deutschland dämpfen.

Für die kommenden Tage gilt: Der Fokus liegt auf den Ausblicken der US-Tech-Konzerne. Sollten diese enttäuschen, könnte die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit und hohen Bewertungen schnell für Turbulenzen sorgen. Die „Woche der Wahrheit“ hat gerade erst begonnen.

Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Abend und starke Nerven.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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