Gerresheimer: Zweistellige Bieterzahl für Centor
Gerresheimer verzeichnet reges Interesse am Verkauf der US-Tochter Centor. Der Erlös soll die hohe Verschuldung senken, während Energiekosten und rechtliche Altlasten das operative Geschäft belasten.

Kurz zusammengefasst
- Zweistellige Bieterzahl für Centor
- Verkaufserlös zur Schuldenreduzierung geplant
- Steigende Energiekosten belasten Marge
- DSW prüft Haftungsansprüche gegen Ex-Vorstände
Zehn oder mehr Interessenten für eine Tochter, die man loswerden muss — das ist keine schlechte Ausgangslage. Bei Gerresheimer läuft der Verkaufsprozess für die US-Einheit Centor Inc. offenbar besser an als erwartet, und das ist für ein Unternehmen, das gerade unter erheblichem Schuldendruck steht, eine wichtige Nachricht.
Centor als Schlüssel zur Entschuldung
Finanzvorstand Wolf Lehmann hat den Verkauf der profitablen US-Tochter offiziell eingeleitet. Die Zahl der Bieter liegt bereits im zweistelligen Bereich — ein Zeichen, dass Centor am Markt als attraktives Asset gilt. Der Abschluss ist bis Ende 2026 geplant.
Der Erlös soll die Verschuldung des Konzerns spürbar drücken. Das ist keine Kür, sondern Pflicht: Die Kreditgeber haben die Frist für den testierten Jahresabschluss 2025 bis zum 30. September 2026 verlängert. Den geprüften Abschluss selbst stellt das Unternehmen für Juni 2026 in Aussicht. Bis dahin bleibt die Bilanz das zentrale Vertrauensproblem am Kapitalmarkt.
Energiekosten und Margenziel unter Druck
Die operative Erholung bekommt indes Gegenwind. Der Anstieg der deutschen Erzeugerpreise im März — der stärkste monatliche Zuwachs seit August 2022 — trifft Gerresheimer als energieintensiven Hersteller direkt. Energiekosten legten um 7,5 Prozent zu.
Ob das Unternehmen diese Mehrkosten an Kunden aus der Pharma- und Lebensmittelindustrie weitergeben kann, entscheidet maßgeblich darüber, ob die angestrebte bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent für 2026 erreichbar bleibt. Das Umsatzziel hält das Management unverändert bei 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro.
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Rechtlicher Druck kommt von mehreren Seiten
Parallel dazu verschärft sich die juristische Front. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz prüft Haftungsansprüche gegen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner im Zusammenhang mit Bilanzierungsfehlern der Vorjahre. Die DSW zieht dabei die Einbindung eines Prozessfinanzierers in Betracht.
Das neue Management muss Vertrauen zurückgewinnen — während im Hintergrund Auseinandersetzungen um das Fehlverhalten seiner Vorgänger laufen. Kein einfaches Umfeld.
Die Aktie notiert aktuell bei rund 22,30 Euro und damit bereits deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 15,57 Euro vom Februar. Auf Jahressicht steht allerdings ein Minus von fast 59 Prozent zu Buche — der Wiederaufbau des Kursniveaus ist eine Langzeitaufgabe. Gelingt der Centor-Verkauf zu einem attraktiven Preis und kommt der testierte Abschluss im Juni ohne neue Überraschungen, hätte das neue Management erstmals zwei konkrete Belege, dass die Sanierung greift.
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