Redcare Pharmacy liefert starke Wachstumszahlen – und wird an der Börse dennoch abgestraft. Vorläufige Daten für 2025 zeigen deutliche Zuwächse im Rezeptgeschäft, aber ein langsameres Tempo im restlichen Sortiment. Im Kern steht damit die Frage, wie viel Wachstumsfantasie der Markt der Aktie noch zugesteht, wenn einzelne Segmente an Dynamik verlieren.
Vorläufige Zahlen: Wachstum mit Bremsspuren
Am Mittwoch hat Redcare seine vorläufigen, ungeprüften Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vorgelegt. Die Botschaft: operativ geht es voran, aber weniger dynamisch als von vielen Marktteilnehmern erhofft.
Der Konzernumsatz stieg 2025 um 24 % auf 2,9 Mrd. Euro. Im wichtigen vierten Quartal legte der Umsatz im Jahresvergleich um 18 % auf 794 Mio. Euro zu. CEO Olaf Heinrich sprach von einer „starken Performance“ und betonte vor allem die Fortschritte im Markt für elektronische Rezepte (e-Rx).
Besonders auffällig ist der Sprung im verschreibungspflichtigen Geschäft in Deutschland. Durch die verpflichtende Einführung elektronischer Rezepte konnte Redcare die entsprechenden Umsätze im Kernmarkt nahezu verdoppeln: Rx-Erlöse legten um rund 98 % auf 503 Mio. Euro zu.
Weitere Kennzahlen unterstreichen die operative Expansion:
- Umsatz 2025 gesamt: 2,9 Mrd. Euro (+24 %)
- Q4-Umsatz 2025: 794 Mio. Euro (+18 %)
- Rx-Umsatz Deutschland 2025: 503 Mio. Euro (+98 %)
- Aktive Kundenbasis: 13,9 Mio. (+1,4 Mio. gegenüber Vorjahr)
- Net Promoter Score (NPS): 74, über dem Niveau der Vorquartale
Trotz dieser Zuwächse signalisiert die Marktreaktion, dass die Erwartungsmesslatte hoch lag. Vor allem im nicht verschreibungspflichtigen Bereich (OTC) ging offenbar Tempo verloren. Dieses nachlassende Momentum reichte nicht aus, um die ambitionierten Hoffnungen, die zuvor im Kurs eingepreist waren, zu bestätigen.
Marktreaktion und Analysten: Bewertung im Fokus
An der Börse überwogen am Mittwoch klar die Verkäufer. Die Aktie gab im Tagesverlauf deutlich nach und steht mit einem Schlusskurs von 67,25 Euro nur noch rund 11 % über dem 52‑Wochen-Tief, während sie zugleich mehr als 50 % unter dem Hoch vom März 2025 notiert. Angesichts eines 12-Monats-Rückgangs von fast 45 % ist der Titel technisch und stimmungstechnisch klar angeschlagen.
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Spannend ist dabei der Kontrast zum Gesamtmarkt: Während der DAX ein neues Allzeithoch markierte, gehörte Redcare im MDAX zu den schwächsten Werten. Das legt nahe, dass neben den konkreten Zahlen auch Faktoren wie Sektor-Rotation und eine kritischere Haltung gegenüber hoch bewerteten Wachstumswerten eine Rolle spielen.
Auf Analystenseite bleiben die langfristigen Einschätzungen dagegen überwiegend positiv – trotz des unmittelbaren Kursrutsches:
- Jefferies bestätigte „Buy“ mit Kursziel 150 Euro und hob das hohe Wachstum im Rx-Bereich hervor, sprach aber ebenfalls von einem „gemischten Bild“ wegen der schwächeren Entwicklung im OTC-Segment.
- Barclays bleibt bei „Overweight“ mit einem Ziel von 130 Euro. Analystin Sarah Roberts sieht ebenfalls gemischte Signale und will die endgültigen Zahlen vor allem mit Blick auf die Profitabilität genauer prüfen.
- Die Baader Bank bekräftigte ihre Kaufempfehlung, während UBS an einer neutralen Einstufung festhält.
Historisch wurde die Aktie mit hohen Multiples gehandelt – getragen von der Erwartung, dass Redcare im e-Rx-Bereich eine dominante Stellung aufbaut. Die Reaktion des Marktes zeigt nun, dass Investoren weniger Nachsicht zeigen, sobald im traditionellen OTC-Geschäft Anzeichen einer Abschwächung sichtbar werden, selbst wenn sich die e-Rx-Story im Grundsatz wie geplant entwickelt.
Der Abstand zwischen aktuellem Kursniveau und den teils deutlich über 130 Euro liegenden Analystenzielen macht die Diskrepanz zwischen Bewertungsmodellen und vorherrschender Marktstimmung deutlich.
Ausblick bis zum Geschäftsbericht
Der nächste zentrale Termin ist der 4. März 2026, wenn Redcare den vollständigen, testierten Geschäftsbericht vorlegt. Dann rückt die Ergebnisqualität stärker in den Vordergrund: Neben dem Umsatzwachstum werden vor allem die Entwicklung des bereinigten EBITDA und der Cashflows entscheidend sein, um die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells einzuordnen.
Charttechnisch steht die Aktie ebenfalls vor einer Bewährungsprobe. Nach dem jüngsten Rückschlag bei vergleichsweise hoher Volatilität und einem Kurs, der deutlich unter dem 200‑Tage-Durchschnitt liegt, braucht es eine Stabilisierung im Bereich der jüngsten Tiefs, um weitere technische Schwächesignale zu vermeiden. Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob Redcare im März belegen kann, dass die Verlangsamung im Nicht-Rx-Geschäft nur vorübergehend ist oder dass Margen und Erträge im e-Rx-Kerngeschäft den verlangsamten Volumenanstieg in anderen Bereichen ausreichend ausgleichen.
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