Rekordaufträge, rote Zahlen: Verteidigungs-Aktien zeigen ihr Doppelgesicht

Rheinmetall, DroneShield, Hensoldt, Kraken Robotics und AeroVironment zeigen trotz hoher Aufträge unterschiedliche Ergebnisse und Kursreaktionen.

Andreas Sommer ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rheinmetall erhält Auftrag aus Litauen
  • DroneShield steigert Umsatz trotz Verlust
  • Hensoldt mit weit auseinanderliegenden Kurszielen
  • Kraken bestätigt Jahresprognose nach Übernahme

Ein Rekordumsatz, der in einen Verlust mündet. Ein Rüstungskonzern, der die beste Quartalszahl seiner Firmengeschichte meldet – und trotzdem abstürzt. Wer aktuell auf Verteidigungs-Aktien blickt, sieht vor allem eines: Die Börse honoriert Wachstum längst nicht mehr automatisch, sondern fragt knallhart nach Marge und Substanz.

Rheinmetall, DroneShield, Hensoldt, Kraken Robotics und AeroVironment stehen exemplarisch für diesen Stimmungswandel. Jeder der fünf Titel navigiert gerade durch eine eigene Mischung aus Auftragsdynamik, Margendruck und einer zunehmend gespaltenen Analystengemeinde.

Rheinmetall: Neuer Litauen-Auftrag trifft auf gespaltene Analystenmeinungen

Rheinmetall schloss am Freitag bei 1.152,40 Euro, ein Minus von 2,1 Prozent an einem einzelnen Handelstag. Seit Jahresbeginn steht der Titel mit 26 Prozent im Minus, zum Rekordhoch von 2.007 Euro aus dem Oktober fehlen inzwischen 43 Prozent.

Frischen Rückenwind lieferte diese Woche ein neuer Auftrag aus Litauen: Der Konzern erhielt den ersten Abruf unter dem Rahmenprogramm G-CAP II SU für ein modulares Feldlager für bis zu 2.000 Soldaten. Der Bauauftrag ist rund 250 Millionen Euro schwer, der jährliche Betrieb ab Mitte 2027 bringt weitere 40 Millionen Euro. Rheinmetall übernimmt dabei die Rolle des Generalunternehmers für Planung, Lieferung und Bau.

Der Auftrag kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Anfang August meldete Rheinmetall das beste Quartal seiner 137-jährigen Firmengeschichte – der Umsatz kletterte um gut ein Drittel, der Gewinn je Aktie fiel mit 2,66 Euro dennoch niedriger aus als im Vorjahr. Die Aktie brach am selben Tag zeitweise um 8,5 Prozent ein. Ein klassischer Fall von „sell the news“.

Bei den Analysten zeigt sich seither ein tiefer Graben. Goldman Sachs bleibt mit einem Kursziel von 2.300 Euro und der Einstufung „Buy“ der optimistischste Beobachter. mwb research schlug den entgegengesetzten Weg ein und stufte die Aktie von „Hold“ auf „Sell“ herab, das Kursziel sank von 1.150 auf 1.050 Euro. Kritisiert werden vor allem die halbierte Investitionsquote und das gesenkte Auftragsbestandsziel.

DroneShield: Rekordumsatz verpufft im Verlustschock

Bei DroneShield reichte selbst ein Rekordumsatz nicht, um die Anleger zu beruhigen. Die Aktie notierte zuletzt bei 1,08 Euro, nach einem Wochenverlust von 4,5 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 40 Prozent, der RSI von 38,7 signalisiert eine überverkaufte Lage.

Der australische Drohnenabwehr-Spezialist meldete für das erste Halbjahr einen Umsatz von 125,8 Millionen US-Dollar, ein Plus von 74 Prozent. Die wiederkehrenden Erlöse legten sogar um 229 Prozent zu. Dem stand ein Nettoverlust von 32,2 Millionen US-Dollar gegenüber, während die Bruttomarge von 65 auf 60 Prozent zurückging. Der Markt reagierte prompt mit zweistelligen Kurseinbußen an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen.

Verschärft wurde die Reaktion durch eine bereits vor den Zahlen extrem hohe Shortquote von 15,7 Prozent – der höchste Wert unter allen Werten an der australischen Börse. Positiv fällt auf: Das Unternehmen ist schuldenfrei und verfügt über bereits gesichertes Auftragsvolumen von 240 Millionen US-Dollar für das laufende Geschäftsjahr, das die Jahresprognose damit fast vollständig abdeckt. Die Mehrheit der Analysten stuft den Titel dennoch mit „Sell“ ein, ein Kursziel von 2,40 australischen Dollar impliziert trotzdem ein Aufwärtspotenzial von 30 Prozent.

Hensoldt: BlackRock baut um, Analysten liegen weit auseinander

Hensoldt schloss am Freitag bei 87,20 Euro, ein Tagesminus von 2,5 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 19 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch bei 117,70 Euro fehlen 26 Prozent.

Institutionell bleibt der Sensorspezialist im Blick von BlackRock. Der US-Investor erhöhte seine direkte Position von 2,81 auf 3,17 Prozent, reduzierte im Gegenzug seinen Anteil aus Wertpapierleihe und Differenzgeschäften. Unterm Strich handelt es sich eher um eine Umschichtung als um einen substanziellen Positionsaufbau, die Gesamtbeteiligung liegt knapp unter der Meldeschwelle von 5 Prozent.

Selten war die Analystenlandschaft so uneinig. Jefferies erhöhte das Kursziel auf 94 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. DZ Bank hält ebenfalls an „Buy“ fest, senkte den fairen Wert nach der Messe Eurosatory aber leicht. Am anderen Ende der Skala steht mwb research: Die Analysten stuften den Titel auf „Sell“ herunter und sehen den fairen Wert bei nur 62 Euro – deutlich unter dem aktuellen Kurs. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 96 gibt der kritischen Fraktion zumindest auf den ersten Blick recht. Einen sektorweiten Rückenwind liefert derweil die angekündigte Partnerschaft zwischen der EU und der Ukraine zur gemeinsamen Drohnenproduktion, die das Interesse an Sensorik und Luftabwehrtechnik weiter befeuern dürfte.

Kraken Robotics: Erste Zahlen nach der Covelya-Übernahme überzeugen

Kraken Robotics legte mit den Zahlen zum zweiten Quartal den ersten Bericht seit Abschluss der milliardenschweren Übernahme von Covelya Group vor, die formal erst nach Quartalsende vollzogen wurde. Auf eigenständiger Basis meldete das Unternehmen einen Umsatz von 27,3 Millionen US-Dollar und ein bereinigtes EBITDA von 5 Millionen US-Dollar. Neue Produktaufträge summierten sich auf über 27 Millionen US-Dollar, kombiniert mit Covelya liegt das für 2026 angekündigte Auftragsvolumen bei 355 Millionen US-Dollar.

Die Aktie kam davon zuletzt wenig unbeeindruckt: Sie schloss am Freitag bei 3,33 Euro, ein Wochenminus von 9,9 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Plus von 55 Prozent, ein Beleg für die insgesamt positive Neubewertung des Titels im Zuge der Übernahme.

Bereinigt um einen einmaligen Effekt aus einer Vertragsanpassung wäre das Wachstum sogar deutlicher ausgefallen. Management bestätigte die Jahresprognose unverändert bei 290 bis 320 Millionen US-Dollar Umsatz und 65 bis 75 Millionen US-Dollar EBITDA. CEO Greg Reid bezeichnete den Zukauf als „bedeutenden Wendepunkt“, der den adressierbaren Markt spürbar erweitere. Personell verstärkte sich das Unternehmen zudem mit Joanne Roberts als neuer Chefin für Systeme und Services.

AeroVironment: Neue Köpfe, neuer Campus, geteilte Analystenmeinungen

AeroVironment schloss die Woche bei 128,00 Euro, ein Minus von 2,1 Prozent am Freitag und 6,7 Prozent auf Wochensicht. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 40 Prozent zu Buche – der stärkste Rückgang im gesamten Vergleich.

Operativ war das Unternehmen zuletzt dennoch aktiv. Der Aufsichtsrat wurde um Michael D. Ruppert erweitert, der zuvor als Finanzchef bei ManTech tätig war und mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Luft- und Raumfahrtbranche mitbringt. Parallel kündigte AeroVironment eine Investition in einen neuen, unternehmenseigenen Campus in Kalifornien an, ergänzt um eine Expansion nach Griechenland über ein Joint Venture.

Die Analystenreaktionen fielen uneinheitlich aus. Mehrere Häuser senkten ihre Kursziele, hielten aber an positiven Einstufungen fest, während Jefferies und BTIG den milliardenschweren Titan-Auftrag der US-Armee zur Drohnenabwehr als Argument für verbesserte Umsatzsichtbarkeit anführten. RBC ging den entgegengesetzten Weg und stufte den Titel auf „Sector Perform“ zurück, mit gesenktem Kursziel. Der Analystenkonsens bleibt trotzdem konstruktiv: Im Schnitt wird ein Kursziel genannt, das ein Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau impliziert.

Sektordynamik im Überblick

  • Rheinmetall und Hensoldt kämpfen beide mit einem „Sell the news“-Phänomen: Starke operative Zahlen treffen auf valuierungsgetriebene Skepsis einzelner Analysten.
  • DroneShield zeigt exemplarisch, wie explosives Umsatzwachstum von Margendruck überschattet werden kann – verstärkt durch eine bereits hohe Shortquote.
  • Kraken Robotics ist der einzige Titel der Gruppe, der seinen adressierbaren Markt aktuell per Übernahme erweitert.
  • AeroVironment balanciert Expansionspläne gegen eine zunehmend gespaltene Analystenmeinung zu Vertragslaufzeiten und Ausführungsrisiken.
  • Auftragsbestände bleiben sektorweit ein Lichtblick – Anleger unterscheiden aber immer genauer zwischen Umsatzwachstum und tatsächlicher Ergebnisqualität.

Rüstungsbranche zwischen Auftragsboom und Bewertungsskepsis

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich der Graben zwischen Wachstumsstory und Kursreaktion wieder schließt. Bei Rheinmetall wird entscheidend sein, ob weitere europäische Infrastruktur- und Munitionsaufträge die Sorgen um Kapitalintensität und Free Cashflow ausgleichen können. Hensoldts weiterer Kursverlauf dürfte davon abhängen, ob sich die EU-Ukraine-Partnerschaft in konkrete Auftragseingänge übersetzt.

DroneShields zweites Halbjahr wird zeigen müssen, ob aus dem gesicherten Auftragsvolumen tatsächlich bessere Margen werden. Kraken Robotics steht mit dem ersten vollständig konsolidierten Quartal inklusive Covelya vor einer Bewährungsprobe für die versprochenen Synergien. Bei AeroVironment richten sich die Blicke auf die nächsten Quartalszahlen und weitere Entscheidungen im Rahmen der Armeeprogramme – ein Test dafür, ob die Wachstumsgeschichte nach der BlueHalo-Integration trägt.

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– 17,60 EUR -1,50 %
KGV 45,33
KUV 4,72
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,00 %
Marktkapitalisierung 53,87 Mrd. EUR
Ø Kursziel 1.679,38 EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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