Wer hält eine Zinserhöhung aus? MTU und Merck ja, Vonovia nicht
MTU und Merck erhöhen ihre Jahresziele, während Vonovia wegen hoher Zinsen Investitionen stoppt und geringeres Mietwachstum erwartet.

Kurz zusammengefasst
- MTU steigert Umsatz durch Wartung
- Merck hebt Jahresziele für Umsatz und Gewinn
- Vonovia stoppt neue Investitionen
- EZB hält Einlagensatz vorerst konstant
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
die Börse bezahlt heute Kasse, nicht Ankündigungen. MTU hebt die Umsatzprognose, Merck & Co. die Gewinnziele, Rheinmetall bekommt einen Zusatzauftrag aus Europa. Der DAX klettert wieder über 26.000 Punkte, die EZB lässt den Leitzins unverändert.
Das ist angenehmer Rückenwind. Spannender ist das Kleingedruckte. Viele gute Nachrichten des Tages haben einen Haken, und eine schlechte hat eine sehr klare Bedingung.
MTU: Geld verdient man mit dem Reparieren
MTU Aero Engines wächst kräftig, aber nicht dort, wo man es zuerst vermuten würde. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 14 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Woher kommt das? Aus der Wartung, nicht aus dem Verkauf neuer Triebwerke. Fast jeder zweite Wartungseuro entfällt auf das GTF-Triebwerk für den Airbus A320neo.
MTU hebt deshalb das Umsatzziel für 2026 an. Auch in der Kasse bleibt spürbar mehr hängen, weil die Entschädigungen für am Boden stehende GTF-Flugzeuge gesunken sind. Wo ist der Haken? Der operative Gewinn ohne Sondereffekte wuchs kaum. Die Marge im Geschäft mit neuen Triebwerken fiel von 34,8 auf 28,6 Prozent. Die Marge ist der Teil vom Umsatz, der als Gewinn übrig bleibt.
Airbus zeigt dasselbe Muster von der anderen Seite. Umsatz und operativer Gewinn sanken im Quartal, Mängel an der A330neo und der A321neo kosteten Geld. Konzernchef Faury bestätigt trotzdem rund 870 Auslieferungen für 2026, dafür müssen im Schlussquartal 323 Maschinen raus. Für Anleger heißt das: Die Luftfahrt wird derzeit fürs Reparieren bezahlt, nicht fürs Bauen.
Rheinmetall: Ein Auftrag, der bestätigt
Rheinmetall bekommt frischen Rückenwind. Über das Gemeinschaftsunternehmen Artec mit KNDS ruft die Beschaffungsagentur OCCAR 69 weitere Radschützenpanzer Schakal ab. Die Rheinmetall-Aktie steigt im Verlauf um 4,6 Prozent. Der eigentliche Treiber ist laut Entwurfslage aber eine Umschichtung: Kapital fließt aus schwachen US-Technologiewerten wie Alphabet und ServiceNow zurück in Verteidigung, solange die Kriege in der Ukraine und im Iran andauern.
Ist das schon die Wende? Rheinmetall liegt seit Jahresbeginn immer noch 32 Prozent im Minus. Bernstein nennt ein Kursziel von 1.200 Euro. Entscheidend werden die Quartalszahlen am 5. November und der Kapitalmarkttag im November mit der erwarteten Arminius-Bestellung. Der Schakal-Abruf bestätigt nur. Die Frage bleibt, ob die Aufträge das Tempo liefern, das die Bewertung längst unterstellt.
Wenn Kapital aus schwachen US-Techwerten in europäische Verteidigung umgeschichtet wird, lohnt der Blick auf die Frage, welche Unternehmen neben Rheinmetall noch profitieren. Analyst Volkmar Michler zeigt in einem kostenlosen PDF-Sonderreport, welche Firmen aus Verteidigung, Hightech, Energie und Infrastruktur von Europas über 800 Milliarden Euro schwerer Investitionswelle getragen werden. Die Profiteure des Sicherheits-Megatrends im Report entdecken
Merck & Co.: Stark, mit kleinem Vorschuss
Merck & Co., in Europa als MSD bekannt und nicht zu verwechseln mit der Darmstädter Merck KGaA, hat die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Quartalsumsatz lag bei 18,1 Milliarden Dollar, erwartet waren 17,3 Milliarden.
Ein Teil davon ist allerdings vorgezogen. Kunden haben Käufe früher getätigt, das relativiert den Schub. Die Substanz hält trotzdem: Das Krebsmittel Keytruda wuchs auf 8,6 Milliarden Dollar, auch dank der neuen Variante QLEX, die unter die Haut gespritzt wird.
Merck hebt die Jahresprognose für Umsatz und Gewinn an. Nach einem Jahresplus von 46 Prozent ist die Aktie kein Schnäppchen mehr. Doch die neuen Medikamente ersetzen das auslaufende Diabetes-Geschäft schneller als erwartet.
EZB pausiert, Vonovia zahlt die Rechnung
Die EZB lässt den Einlagensatz heute unverändert, nach Erhöhungen im Juni und September. Das ist der Zins, den Banken für ihr Geld bei der Notenbank bekommen. Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 Prozent, getrieben von Energiepreisen aus dem Iran-Krieg. Christine Lagarde signalisiert eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung am 17. Dezember und tritt im Februar vorzeitig ab.
Für deutsche Depots zählt weniger die Personalie als der Zinspfad. Frankreichs zehnjährige Staatsanleihen rentieren erstmals seit 2002 über 5 Prozent. Wer trägt diese Zinslast? Vonovia, und zwar direkt. Der Wohnungskonzern erwartet beim operativen Ergebnis nur die untere Hälfte seiner Spanne, senkt das Ziel fürs Mietwachstum und stoppt Neuinvestitionen.
Die Vonovia-Aktie markierte ein neues Jahrestief und liegt seit Jahresbeginn 35 Prozent im Minus. Die geschätzte Dividendenrendite von knapp 8 Prozent klingt verlockend. Gemeint ist die Ausschüttung im Verhältnis zum Kurs. Sie trägt aber nur, wenn die EZB im Dezember nicht nachlegt.
Adidas und Henkel: Preise statt Menge
Adidas meldet ein Rekordquartal und hebt das Jahresziel auf rund 2,5 Milliarden Euro operativen Gewinn. Klingt nach Stärke aus eigener Kraft? Darin steckt eine US-Zollrückerstattung von rund 200 Millionen Euro, die den Großteil der Anhebung ausmacht. Schwach bleibt Europa, wegen Rabatten und hoher Lager.
Henkel zeigt, woher das Wachstum derzeit kommt. Von 6,5 Prozent Wachstum aus eigener Kraft, also ohne Zukäufe, stammen 5,4 Prozentpunkte aus höheren Preisen. Salzgitter hebt sein Ergebnisziel bereits zum zweiten Mal an, die Aktie springt im MDAX kräftig. Die Börse bezahlt Unternehmen, die Preise durchsetzen.
Unterm Strich
Der Tag liefert gute Zahlen, aber mit Fußnoten: stagnierende Marge bei MTU, vorgezogene Käufe bei Merck, eine Zollrückerstattung bei Adidas. Wer heute MTU, Merck oder Rheinmetall im Depot hat, sitzt dennoch auf Zahlen, die auch eine Zinserhöhung im Dezember aushalten. Wer Vonovia hält, braucht genau das Gegenteil.
Der nächste Test kommt morgen. Dann erscheint die deutsche Inflation für Oktober, erwartet werden 3,0 Prozent. Dazu berichten BP, Chevron, ExxonMobil und Puma, und die Bank of Japan entscheidet über ihren Leitzins.
Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann
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