BYD Aktie: Über 15 Prozent Wochenplus
BYD verzeichnet trotz Einbruchs im Heimatmarkt einen Kurssprung von 15 Prozent, getragen von boomenden Exporten und Produktionsfortschritten.

Kurz zusammengefasst
- Kurssprung von über 15 Prozent
- Exporte steigen um 70 Prozent
- China-Verkäufe brechen um 40 Prozent ein
- Neue Batterie-Generation verursacht Lieferstau
Starke Nachfrage im Ausland, Einbruch auf dem Heimatmarkt. Bei BYD klaffen Realität und Stimmung massiv auseinander. Die Aktie beendete die Woche mit einem satten Plus von über 15 Prozent. Das schiebt den Kurs zurück auf 9,58 Euro. Die nackten Zahlen verdecken jedoch ein grundlegendes Problem.
Ein Blick auf das erste Halbjahr offenbart eine gefährliche Spaltung. BYD verkaufte bis Ende Juni insgesamt rund 1,8 Millionen Fahrzeuge. Das entspricht einem Rückgang von knapp 16 Prozent zum Vorjahr. Die Ursache liegt tief im chinesischen Heimatmarkt. Dort brachen die Verkäufe um fast 40 Prozent ein.
Das ist kein statistischer Ausrutscher. Es ist ein beispielloser Rückschlag auf dem wichtigsten Markt des Konzerns. Das florierende internationale Geschäft rettet die Bilanz vorerst. Die Exporte schossen um gut 70 Prozent nach oben. Fast 800.000 Einheiten gingen ins Ausland.
Hausgemachte Probleme bremsen
Warum griffen Investoren in der vergangenen Woche trotzdem zu? Der Konzern verarbeitet gerade einen komplexen Technologiewechsel. BYD rüstet seine Flotte auf eine neue Batterie-Generation mit extremen Ladekapazitäten um. Die Folge: lange Lieferzeiten und ungeduldige Kunden.
Dieser Produktionsstau löst sich nun offenbar auf. BYD lieferte im Juni 5,4 Prozent mehr Autos aus. Das markiert eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem fast stagnierenden Mai. Die Börse liest diese Zahlen als Entwarnung. Die internen Probleme scheinen überstanden.
Die Quartalszahlen stützen diese Lesart. BYD überholt Tesla voraussichtlich wieder als weltgrößten Verkäufer reiner Elektroautos. Knapp 557.000 reine E-Modelle lieferten die Chinesen im zweiten Quartal aus. Ein wichtiger Meilenstein. Dennoch liegt diese Zahl unter dem Vorjahresniveau. Ein Sieg gegen einen schwächelnden Konkurrenten ist kein echtes Wachstum.
Europa als neues Schlachtfeld
Derweil bereitet das Management den nächsten Schritt vor. BYD kauft offenbar bald ein bestehendes europäisches Autowerk. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern vollzieht damit den Sprung vom reinen Exporteur zum lokalen Produzenten. BYD könnte so kommende EU-Zölle elegant umgehen. Europa wächst damit zu einer dauerhaften Säule heran.
Trotz der jüngsten Euphorie bleibt das Chartbild angespannt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 12 Prozent an Wert verloren. Auf Jahressicht steht sogar ein Minus von 28 Prozent auf der Anzeigetafel. Die jüngste Erholung startete von einem historisch schwachen Niveau. Erst Ende Juni markierte der Titel ein neues Jahrestief bei gut acht Euro.
Nach dem Kurssprung nähert sich der Wert nun dem 50-Tage-Durchschnitt bei 9,96 Euro. Der Weg nach oben bleibt allerdings steinig. Die wichtigere 200-Tage-Linie liegt mit 10,76 Euro noch in weiter Ferne. Die moderate Markttechnik deutet auf eine Atempause hin. Der RSI signalisiert aktuell einen neutralen Bereich. Die extremen Preisschwankungen der letzten Wochen zeigen jedoch das hohe Risiko.
Das Bild bleibt widersprüchlich. BYD wettet hart darauf, dass das Auslandsgeschäft die heimische Schwäche ausgleicht. Neue internationale Werke müssen schnell Ergebnisse liefern. Der jüngste Kursanstieg belohnt lediglich eine kurzfristige Beschleunigung der Produktion. Die wichtigste Kennzahl bleibt der Verkauf in China. Gelingt hier im dritten Quartal keine Stabilisierung, verpufft die gesamte Export-Strategie. Der Konzern muss den Heimatmarkt zwingend verteidigen. Nur so kann er seine globale Expansion dauerhaft finanzieren.
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