Alphabet Aktie: Capex steigt auf 205 Milliarden Dollar
Alphabet stockt seine Kapitalausgaben-Prognose auf bis zu 205 Milliarden Dollar auf. Der KI-Ausbau, steigende Speicherkosten und ein Führungswechsel prägen die aktuelle Lage.
Kurz zusammengefasst
- Investitionsrahmen auf 205 Milliarden erhöht
- Gemini 3.7 Flash für Entwickler veröffentlicht
- Speicherpreise steigen um bis zu 83 Prozent
- DeepMind bekommt neuen Leiter
Alphabet hat die Kapitalausgaben-Prognose für das laufende Geschäftsjahr kräftig nach oben korrigiert. Statt der bisherigen Spanne von 180 bis 190 Milliarden Dollar rechnet der Konzern nun mit Investitionen zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar.
Allein im zweiten Quartal hatte Alphabet bereits 44,9 Milliarden Dollar ausgegeben. Die Aktie notiert aktuell bei 300,75 Euro und liegt damit rund 14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro, das im Mai erreicht wurde.
Die höheren Ausgaben fallen in eine Phase, in der Alphabet sein KI-Angebot stark ausbaut. Google brachte am Donnerstag mit Gemini 3.7 Flash ein neues Modell auf den Markt, das speziell für Softwareentwicklung und autonome Agenten-Workflows optimiert ist. Gleichzeitig bestätigte der Konzern laut Reuters weitere Verzögerungen beim eigentlichen Flaggschiffmodell Gemini 3.5 Pro.
Erst am Dienstag hatte Google gemeldet, dass der KI-Assistent Gemini die Marke von einer Milliarde monatlich aktiven Nutzern überschritten hat – nach eigenen Angaben das am schnellsten wachsende Produkt der Firmengeschichte.
Zusatzbelastung durch Speicherpreise
Neben den steigenden Investitionen kommt eine weitere Kostenbelastung hinzu: Google kündigte Preiserhöhungen für kommende Smartphone-Hardware an. Grund ist ein globaler Speicherengpass, der die Vertragspreise für mobilen Speicher im zweiten Quartal um 78 bis 83 Prozent nach oben trieb. Für Anleger verschärft das die Frage, wie stark steigende Hardwarekosten und die massiv ausgeweiteten Rechenzentrums-Investitionen auf die Margen drücken werden.
Parallel dazu wehrt sich Alphabet gegen rechtlichen Gegenwind: Rund 300 französische Verlage reichten eine Kartellklage gegen Google ein. Sie werfen der „AI Overviews“-Funktion in der Suche vor, Traffic von Nachrichtenseiten abzuziehen, ohne die Verlage dafür zu entschädigen.
Führungswechsel bei DeepMind
Bei der KI-Sparte Google DeepMind kam es zudem zu einem personellen Umbau. Demis Hassabis wechselte in die Rolle des Chairman, Koray Kavukcuoglu übernimmt als neuer Leiter der Division. Der Wechsel folgt auf den Abgang zweier technischer Co-Leiter des Gemini-Teams.
Auch bei den Großaktionären bewegt sich etwas: Die institutionellen Investoren Gardner Russo & Gardner LLC und Columbus Hill Capital Management meldeten deutliche Reduzierungen ihrer Alphabet-Beteiligungen. Zudem legte Konzern-Mitgründer Sergey Brin eine Formmeldung vor, wonach er 673.200 Class-B-Aktien in Class-A-Aktien umwandelte und anschließend jeweils 673.200 Class-A- und Class-C-Aktien als Schenkungen übertrug.
Finanzierung und Zahlenlage
Um die ausgeweiteten Investitionen zu stemmen, hatte Alphabet bereits am Montag eine Anleiheemission über 25 Milliarden Dollar mit Laufzeiten bis 2066 abgeschlossen. Die Mittel sollen allgemeinen Unternehmenszwecken dienen.
Im zweiten Quartal hatte der Konzern einen Umsatz von 119,80 Milliarden Dollar erzielt, mehr als die von Analysten erwarteten 116,91 Milliarden Dollar, bei einem Gewinn pro Aktie von 9,11 Dollar. Belastet wurden die Zahlen jedoch von einem negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden Dollar, während ein Bewertungsgewinn von 99 Milliarden Dollar aus Aktienbeteiligungen das Ergebnis stützte.
Die BNP Paribas-Analystin Nick Jones bekräftigte am 11. August ihr „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 420 Dollar und verwies auf die vertikal integrierte KI-Infrastruktur des Konzerns sowie mögliches Potenzial durch TPU-Verkäufe ab 2027. JPMorgan bestätigte am selben Tag die Einstufung „Overweight“, senkte das Kursziel jedoch ebenfalls auf 420 Dollar.
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