Nvidia Aktie: 91 Milliarden Dollar Umsatz erwartet

Nvidias Geschäftsmodell wandelt sich: Milliarden-Finanzierungen und Energiepartnerschaften prägen die Strategie vor den Q2-Zahlen.

Felix Baarz ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Q2-Ergebnis am Mittwoch erwartet
  • Partnerschaften für 500 Mrd. Dollar Kapital
  • Restwertgarantie für 105 Mrd. Dollar Campus
  • Analysten sehen Kurspotenzial bis 350 Dollar

Es gibt Wochen, in denen eine einzelne Kennzahl die Debatte um eine Aktie dominiert. Und es gibt Wochen wie diese bei Nvidia, in denen so viel gleichzeitig passiert, dass die reine Zahl fast zur Nebensache wird.

Am kommenden Mittwoch nach Börsenschluss legt der Chiphersteller die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor, mit einer Umsatzprognose des Managements von 91 Milliarden Dollar plus/minus zwei Prozent und einer non-GAAP-Bruttomarge von rund 75 Prozent.

Der Konsens erwartet einen Gewinn je Aktie zwischen 2,07 und 2,09 Dollar. Doch wer nur auf diese Zahlen starrt, übersieht den größeren Bogen, der sich gerade um Nvidia spannt: das Unternehmen baut nicht mehr nur Chips, es baut ein Finanz- und Energie-Ökosystem um seine Chips herum.

Vom Chiphersteller zum Infrastruktur-Architekten

Innerhalb weniger Wochen hat Nvidia gleich mehrere Bausteine dieses Ökosystems öffentlich gemacht. Anfang August kündigte das Unternehmen gemeinsam mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR Partnerschaften an, um unabhängige Finanzierungsplattformen für Rechenzentren aufzubauen – mit dem Ziel, mehr als 500 Milliarden Dollar an Drittkapital für den globalen Ausbau von KI-Infrastruktur zu mobilisieren.

Kurz darauf folgte die mehrjährige Partnerschaft mit SB Energy zum Bau des PORTS-Pike Technology Campus in Ohio: Nvidia übernimmt dafür eine auf 105 Milliarden Dollar gedeckelte Restwertgarantie für eine anfängliche Kapazität von 4,25 Gigawatt, die an OpenAI vermietet werden soll, um dort Nvidias DSX-KI-Fabrikinfrastruktur zu betreiben. S&P Global Ratings bestätigte daraufhin das Rating „AA“ mit stabilem Ausblick.

Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, wie sehr sich die Wachstumsstory verschoben hat. Es geht nicht mehr allein um die Frage, ob genug H100- oder Blackwell-Chips vom Band laufen. Es geht darum, ob genug Kapital, genug Strom und genug Rechenzentrumsfläche existieren, damit diese Chips überhaupt zum Einsatz kommen können. Nvidia positioniert sich zunehmend als derjenige, der diese Engpässe mitfinanziert – und sich damit gleichzeitig langfristige Abnehmer sichert.

Der Nachschub an Nachfrage-Signalen reißt nicht ab

Parallel dazu verdichten sich die Signale, dass die Nachfrage nach Nvidia-Hardware auch außerhalb der etablierten Cloud-Riesen wächst. Elon Musk erklärte während einer Telefonkonferenz von SpaceX, das Unternehmen werde seine KI-Anlagen ausschließlich mit Nvidia-Chips bestücken, da diese derzeit die beste verfügbare Hardware für KI-Berechnungen seien.

Zugleich befindet sich Nvidia Berichten zufolge in vorläufigen Gesprächen mit dem koreanischen KI-Chipdesigner Rebellions über eine mögliche Investition oder Übernahme, um die eigene Position im Bereich spezialisierter Inferenz-Hardware zu stärken. Auch bei Cloverleaf Infrastructure soll investiert werden, um sich Stromressourcen für künftige Großprojekte in Rechenzentren zu sichern.

Auf der Produktseite hat Nvidia zudem Nemotron 3 Super vorgestellt, ein neues, auf logisches Schließen ausgerichtetes KI-Modell, das mehrere neuronale Netzwerkarchitekturen kombiniert, um komplexe Aufgaben für Unternehmens-KI-Agenten zu automatisieren. Auch das fügt sich in das Bild eines Unternehmens, das seine Softwareschicht ausbaut, um die eigene Hardware noch unentbehrlicher zu machen.

Was der Markt bislang daraus macht

An der Börse spiegelt sich diese Fülle an strategischen Nachrichten bislang nur verhalten. Der Kurs schloss am Freitag bei 183,78 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent auf Tagesbasis, und liegt binnen sieben Tagen um 5,6 Prozent zurück. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 15 Prozent zu Buche – eine Entwicklung, die den S&P 500 übertrifft, wenngleich der breitere Halbleitersektor in diesem Zeitraum deutlich stärker zulegte.

Zwei Analystenhäuser haben sich zuletzt zu Wort gemeldet: BMO Capital nahm die Coverage am vergangenen Freitag mit einem Kursziel von 340 Dollar und dem Rating Outperform auf. Bank of America bekräftigte am 19. August ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 350 Dollar und begründete dies mit einer aus ihrer Sicht deutlichen Unterbewertung trotz der jüngsten Marktschwankungen.

Die eigentliche Frage vor den Zahlen am Mittwoch lautet deshalb weniger, ob 91 Milliarden Dollar erreicht werden. Sie lautet, ob Anleger bereit sind, Nvidia nicht mehr nur als Chipverkäufer zu bewerten, sondern als Architekten eines ganzen Finanzierungs- und Energie-Netzwerks, das erst noch beweisen muss, dass es trägt.

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Sektor Technologie
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