Evotec Aktie: Jahrestief bei 3,03 Euro
Evotec verzeichnet sinkende Halbjahreserlöse und höhere Verluste. Das Horizon-Programm soll Kosten senken, während neue Kooperationen den Kurs nicht stützen.

Kurz zusammengefasst
- Aktie fällt auf 3,03 Euro
- Umsatzprognose für 2026 deutlich reduziert
- Halbjahres-EBITDA rutscht weiter ins Minus
- Horizon soll Standorte und Kosten verringern
Evotec bleibt unter Druck. Der Aktienkurs fiel am Freitag auf 3,03 Euro und markiert damit ein neues Jahrestief nahe der Marke von 2,97 Euro, die am Vortag erreicht wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit 44 Prozent an Wert verloren, allein in den vergangenen 30 Tagen waren es 21 Prozent.
Der relative Stärke-Index von 28,9 signalisiert eine überverkaufte Situation – ein technisches Warnsignal, das die fundamentale Schieflage des Unternehmens aber nicht verdeckt.
Gesenkte Prognose wirkt nach
Vor rund zwei Wochen hatte Evotec seine bereits im Juli massiv gekürzte Jahresprognose 2026 bestätigt: Der Umsatz soll nun zwischen 570 und 610 Millionen Euro liegen, statt der ursprünglich anvisierten 700 bis 780 Millionen Euro.
Beim adjustierten EBITDA rechnet das Unternehmen mit einem Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro, nachdem zuvor noch ein positiver Wert von bis zu 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden war.
Seit dieser Bestätigung hat die Aktie weitere 9,9 Prozent eingebüßt. Als Ursache für den Einbruch nennt Evotec verschobene Meilensteinzahlungen und verzögerte Partnerschaftsverträge – ein Muster, das sich durch das gesamte laufende Geschäftsjahr zieht.
Die Halbjahreszahlen unterstreichen die Schwäche: Der Umsatz sank auf 300,1 Millionen Euro, ein Rückgang von 19,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das adjustierte EBITDA rutschte auf minus 42,7 Millionen Euro, nach lediglich minus 1,9 Millionen Euro im Vorjahr.
Beide Kernsegmente leiden: Discovery & Preclinical Development verzeichnete im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von 15,8 Prozent auf 108,1 Millionen Euro, Just-Evotec Biologics fiel um 17,4 Prozent auf 35,4 Millionen Euro.
Horizon-Transformation als Gegengewicht
Evotec setzt seine im März angekündigte Restrukturierung unter dem Namen „Horizon“ fort. Die Zahl der globalen Standorte soll von 19 auf 10 sinken, strukturelle Einsparungen von rund 75 Millionen Euro pro Jahr sind bis Ende 2027 angepeilt. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen 20 bis 30 Prozent dieser Einsparsumme.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Nettoumsätze im Discovery-Segment ohne strategische Partnerschaften im ersten Halbjahr um 28 Prozent zulegten – ein Hinweis darauf, dass das operative Kerngeschäft trotz der Verwerfungen bei Meilensteinzahlungen intakt bleibt.
Parallel dazu treibt Evotec neue Forschungskooperationen voran, etwa mit Plectonic Biotech zur Entwicklung T-Zell-aktivierender Ansätze gegen solide Tumore sowie mit Odyssey Therapeutics im Bereich KI-gestützter Wirkstoffforschung. Solche Partnerschaften liefern zwar wissenschaftliche Substanz, konnten den Kursverfall bislang aber nicht bremsen – die Aktie verlor seit der Odyssey-Kooperation vor über einem Monat bereits 12,3 Prozent.
Anleger zwischen Substanz und Vertrauensverlust
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die Kostensenkungen der Horizon-Transformation schneller greifen als der Auftragsrückgang das Geschäft belastet. Mit einem Abstand von 38 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt und einer Marktkapitalisierung von 557,61 Millionen Euro spiegelt der Kurs bereits erhebliche Skepsis wider.
Solange Evotec keine neuen, belastbaren Vertragsabschlüsse vermelden kann, dürfte das Vertrauen der Investoren fragil bleiben – unabhängig davon, wie überverkauft die Aktie technisch erscheint.
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