BioNTech Aktie: Darmkrebs-Studie wegen Überlebensungleichgewicht beendet

BMO stuft BioNTech herab, während ein Onkologie-Rückschlag und geplante Standortentscheidungen die Ertragsperspektiven belasten.

Eduard Altmann ·
Modernes, steriles Laborumfeld mit medizinischen Forschungsgeräten, symbolisch für die Biotechnologiebranche. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • BMO reduziert Einstufung und Kursziel
  • Darmkrebsstudie wegen Sicherheitsungleichgewicht beendet
  • Entscheidung zu drei Werken angekündigt
  • Goldman Sachs hält an Kaufempfehlung fest

BioNTech steht vor einer Häufung schlechter Nachrichten. Am Dienstag stufte BMO Capital die Aktie von Outperform auf Market Perform zurück und senkte das Kursziel von 128 auf 105 Dollar.

Die Analysten begründeten den Schritt mit schwächerer Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff, einem anhaltenden Lagerabbau in Deutschland und der Einschätzung, dass zentrale Onkologie-Programme erst 2028 nennenswert entrisikiert werden dürften. Nach der Herabstufung gab die Aktie im US-Handel nach.

Der Zeitpunkt trifft BioNTech in einer ohnehin angespannten Phase. Erst am vergangenen Dienstag hatte das Unternehmen die Studie zu seinem experimentellen mRNA-Impfstoff gegen Darmkrebs beendet, nachdem ein unabhängiges Komitee ein „numerisches Ungleichgewicht“ beim Gesamtüberleben zwischen den Studiengruppen festgestellt hatte.

Die US-notierten Aktien fielen damals um 7,5 Prozent. BioNTech betonte, die parallel laufende Studie zum selben Wirkstoffkandidaten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs werde fortgesetzt.

Werksentscheid als nächster Prüfstein

Während der BMO-Schritt die Stimmung belastet, richtet sich der Blick der Anleger zunehmend auf einen bereits angekündigten Termin: Bis Ende September will BioNTech entscheiden, wie es mit drei Produktionsstandorten in Deutschland und Singapur weitergeht. Betroffen sein könnten die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur.

Hintergrund ist die schrumpfende Nachfrage nach Corona-Impfstoffen, die das Unternehmen zu einer grundlegenden Neuausrichtung seiner Produktionskapazitäten zwingt. Die Entscheidung dürfte zeigen, wie ernst BioNTech die strukturelle Nachfrageschwäche einschätzt und welche Kosten Anleger im kommenden Geschäftsjahr einzupreisen haben.

Etwas Rückenwind lieferte zuletzt die Zulassungsseite: Die US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigte den von Pfizer und BioNTech aktualisierten Corona-Impfstoff für die Saison 2026/27, der auf die derzeit dominante XFG-Variante zugeschnitten ist. Die Zulassung sichert dem Unternehmen zumindest regulatorisch den Zugang zum saisonalen Impfstoffgeschäft, kann aber den strukturellen Nachfragerückgang bislang nicht ausgleichen.

Analysten bleiben trotz Kürzungen bei Kaufempfehlungen

Nicht alle Analysten teilen die skeptischere BMO-Sicht. Goldman Sachs senkte am 4. September zwar sein Kursziel von 128 auf 127 Dollar, beließ die Einstufung aber bei Buy. Die geringfügige Anpassung deutet darauf hin, dass Goldman die operativen Herausforderungen zwar einpreist, das Kurspotenzial aber weiterhin intakt sieht.

An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus Studienabbruch, Downgrade und Unsicherheit vor dem Werksentscheid deutlich: Die Aktie notiert aktuell bei 82,65 Euro und hat allein in den vergangenen sieben Handelstagen 6,6 Prozent verloren.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 105,80 Euro, das im Januar markiert wurde, trennen das Papier mittlerweile 22 Prozent – ein Abstand, der die Verunsicherung der Anleger über die künftige Ertragskraft des Unternehmens widerspiegelt.

Für Investoren bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Ein belastbarer Zulassungserfolg im Impfstoffgeschäft steht einem strategischen Rückzug bei der Produktion und einem Rückschlag in der Onkologie-Pipeline gegenüber. Der Werksentscheid Ende September dürfte zeigen, wie stark BioNTech seine Kostenbasis tatsächlich anpassen muss.

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BioNTech Aktie

82,90 EUR

– 0,90 EUR -1,07 %
KGV
KUV 9,84
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 22,33 Mrd. EUR
Ø Kursziel 103,52 EUR
ISIN: US09075V1026 WKN: A2PSR2

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