ITM Power Aktie: Neptune-V-Abnahme für Guttroff
ITM Power meistert Abnahmetest für neuen Elektrolyseur und steigert Anlagenverfügbarkeit per KI. Leuna-Projekt verzögert sich jedoch um Jahre.

Kurz zusammengefasst
- Neptune-V-Abnahmetest erfolgreich bestanden
- KI-Wartung erhöht Verfügbarkeit deutlich
- Leuna-Projekt mit Linde stark verzögert
- Kurs trotz Jahresplus unter Druck
ITM Power hat am 21. August die Werksabnahmeprüfung für sein erstes Neptune-V-Elektrolyseursystem abgeschlossen, bestimmt für den deutschen Industriegashersteller Guttroff. Der Test markiert einen weiteren Schritt der Sheffielder Gesellschaft, ihre neue Elektrolyseur-Generation in den kommerziellen Einsatz zu bringen.
Effizienzgewinne in Sheffield
Parallel dazu verweist ein Bericht von BCC Research auf technische Fortschritte an der firmeneigenen Wasserstofftankstelle in Sheffield. Durch KI-gestützte vorausschauende Wartung steigerte ITM Power dort die Verfügbarkeit der Elektrolyseur-Stacks um 8 Prozent, die der Kompressoren um 12 Prozent.
Solche Betriebsdaten sind für Investoren relevant, weil sie zeigen, wie das Unternehmen seine bestehende Anlagenbasis wirtschaftlicher betreibt, während es gleichzeitig neue Kapazitäten aufbaut.
Diese operative Verbesserung fällt in eine Phase, in der ITM Power ohnehin expandiert: Medienberichten zufolge will das Unternehmen am Standort Sheffield rund 400 neue Stellen schaffen, um die Produktion auszuweiten. Eine wachsende Belegschaft passt zum Bild eines Herstellers, der von Prototypen- und Pilotphasen zunehmend in die Serienfertigung übergeht.
Schatten aus der Vergangenheit: Leuna-Verzögerung
Nicht jede Nachricht der vergangenen Wochen war positiv. Ein investigativer Bericht beleuchtete Ende vergangener Woche Risse in der Partnerschaft zwischen ITM Power und Linde.
Demnach führten ein Unfall Ende 2025 sowie sicherheitsbedingte Neukonstruktionen am Chemiestandort Leuna zu mehrjährigen Verzögerungen beim gemeinsamen 24-MW-PEM-Elektrolyseurprojekt. Der Vorfall zeigt, dass Großprojekte im industriellen Wasserstoffgeschäft trotz technologischer Fortschritte weiterhin mit erheblichen Ausführungsrisiken behaftet sind.
Im Kontext dieser Verzögerung wirkt die Lingen-Lieferung an Evonik, die vor gut drei Wochen als erste industrielle Grünwasserstoff-Lieferung über die 120 Kilometer lange Pipeline zum Marler Chemiepark begann, umso bedeutsamer für den Ruf des Unternehmens als verlässlicher Partner. Seither hat sich der Kurs allerdings leicht rückläufig entwickelt, ein Hinweis darauf, dass der Markt operative Meilensteine zunehmend nüchtern bewertet.
Wettbewerbsumfeld bleibt in Bewegung
Dass ITM Power nicht der einzige Akteur im Lingen-Projekt ist, zeigt eine Lieferung von RWE, die am 17. August 100 Megawatt an druckalkalischen Elektrolyseur-Stacks von Sunfire für die dritte Ausbaustufe des GET-H2-Nukleus-Projekts erhielt. ITM Power und Linde Engineering hatten dort zuvor die ersten 200 Megawatt PEM-Kapazität geliefert.
Der Wettbewerb um Marktanteile im Elektrolyseur-Segment bleibt damit intensiv, auch wenn eine Marktstudie von Coherent Market Insights ITM Power weiterhin als wichtigen Akteur im globalen PEM-Elektrolyseur-Markt einstuft, der bis 2033 auf einen Wert von 3.614,6 Millionen US-Dollar anwachsen soll.
Der Aktienkurs notierte am Mittwoch bei 1,22 Euro und damit 53 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro, das Ende Mai erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 68 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass Anleger die grundsätzliche Wachstumsstory trotz einzelner Rückschläge wie in Leuna weiterhin honorieren, auch wenn die jüngste Kursentwicklung von Vorsicht geprägt ist.
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