Commerzbank Aktie: Weidmann fordert Verhandlungen mit UniCredit
Commerzbank-Chefaufseher Weidmann drängt auf direkte Verhandlungen mit UniCredit. Die Italiener melden Rekordgewinne und planen Stellenabbau.

Kurz zusammengefasst
- Weidmann fordert direkte Übernahmegespräche
- UniCredit erzielt Rekordquartalsgewinn
- Geplanter Stellenabbau in der Hierarchie
- Aktie zeigt verhaltene Kursentwicklung
Der Machtkampf um die Commerzbank nimmt eine neue Wendung. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat den italienischen Großaktionär UniCredit öffentlich zu direkten Verhandlungen über eine Übernahme aufgefordert. „Die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten Hauptversammlung sind klar“, erklärte Weidmann und machte damit deutlich, dass ein Umweg über politische Kanäle in Berlin keine Option mehr sei. UniCredit hat sich zuletzt fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert und gilt damit faktisch als bestimmender Aktionär.
Aufsichtsrat öffnet die Tür
Monatelang hatte sich die Commerzbank-Führung gegen die italienischen Avancen gestemmt. Nun signalisiert das Institut Gesprächsbereitschaft: Der Widerstand gegen die Offerte aus Mailand ist einer Öffnung gewichen, Vorstandschefin Bettina Orlopp gilt als bereit, sich auf einen Dialog einzulassen. Die italienische Zeitung Corriere della Sera berichtete, ein Videocall zwischen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Orlopp sei für Anfang August verabredet – möglicherweise bereits am 6. August, direkt im Anschluss an die Commerzbank-Quartalszahlen. Damit rückt ein Termin in den Fokus, der über die künftige Eigenständigkeit der Frankfurter Bank entscheiden könnte.
Politisch bleibt das Thema brisant. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein forderte den Erhalt der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt sowie den Schutz der Arbeitsplätze, sollte es tatsächlich zu einer Übernahme kommen. Die deutsche Regierung und das Land Hessen unterstützen laut Berichten grundsätzlich einen Dialog zwischen den Parteien, ohne sich bislang auf eine Position festzulegen.
UniCredit meldet Rekordquartal und plant Stellenabbau in der Hierarchie
Rückenwind für Orcels Ambitionen liefert die eigene Bilanz: UniCredit wies für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 3,1 Milliarden Euro aus, für das erste Halbjahr summierte sich der Gewinn auf 6,3 Milliarden Euro – ein Plus von 20 Prozent auf bereinigter Basis. Die Eigenkapitalrendite lag im zweiten Quartal bei 23 Prozent, die harte Kernkapitalquote bei 14,3 Prozent, mit dem selbst gesteckten Ziel von rund 15 Prozent zum Jahresende. Für das Gesamtjahr 2026 stellt UniCredit einen Nettogewinn von etwa 11,5 Milliarden Euro in Aussicht, exklusive Integrationskosten.
Für die Commerzbank-Übernahme kalkuliert UniCredit mit einem Investment von 2,2 Milliarden Euro und einer Kapitalauswirkung von rund 200 Basispunkten, dem stehen anvisierte Synergien von 800 Millionen Euro bis 2028 gegenüber. WELT berichtete zudem über konkrete Umbaupläne für den Fall einer Übernahme: UniCredit kritisiert intern „zu viele Hierarchieebenen“ bei der Commerzbank und will diese im Zuge der Integration abbauen. Ein dänisches Kompromissverfahren im Übernahmeprozess wird für September erwartet.
Aktie pendelt vor der Richtungsentscheidung
An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit in einer eher verhaltenen Kursentwicklung wider. Am Freitag schloss die Commerzbank-Aktie bei 36,60 Euro, ein Plus von 0,83 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Kursgewinn von fast 22 Prozent zu Buche – ein deutliches Zeichen dafür, dass Anleger die Übernahmefantasie längst eingepreist haben. Vom 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, erreicht Mitte Juli, ist der Titel derzeit noch rund 6,6 Prozent entfernt.
Die kommenden Wochen dürften entscheidend werden. Mit dem für den 6. August terminierten Zahlenwerk der Commerzbank und dem parallel erwarteten Spitzengespräch zwischen Orcel und Orlopp bekommt der Übernahmepoker einen konkreten Fahrplan. Ob daraus tatsächlich Verhandlungen über eine Fusion erwachsen, bleibt offen – Weidmanns öffentlicher Appell erhöht jedenfalls den Druck auf beide Seiten, endlich Klarheit zu schaffen.
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