Der Duisburger Exit, die Krypto-Bremse und der arktische Poker

Der US-Konzern Worthington Steel übernimmt Klöckner & Co mit hoher Prämie. Die Krypto-Regulierung in den USA stockt, während Trump mit Grönland-Ambitionen für geopolitisches Risiko sorgt.

Kurz zusammengefasst:
  • Übernahme von Klöckner & Co durch US-Konzern Worthington Steel
  • Krypto-Kurs korrigiert nach politischen Rückschlägen in den USA
  • Trump sorgt mit Grönland-Interesse für geopolitische Spannungen
  • DAX konsolidiert nach Rekordhoch bei robustem Gesamtumfeld

Liebe Leserinnen und Leser,

ist der Verkauf deutscher Industriekerne eigentlich ein Zeichen unserer Schwäche oder eine letzte, brillante Chance auf Wertrealisierung? Diese Frage schwebt über diesem Wochenende wie eine dunkle Wolke über dem Ruhrgebiet.

Während wir hierzulande oft über Standortnachteile lamentieren, justieren US-Investoren ihre Rechenschieber neu: Sie sehen Substanz zum Schnäppchenpreis. Was gestern als Eilmeldung über die Ticker lief, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Lehrstück über die transatlantische Bewertungsschere.

Herzlich willkommen zu Ihrem Markt-Update am Samstag.

Wir schreiben den 17. Januar 2026. Der DAX gönnt sich auf Rekordniveau eine Verschnaufpause, doch in den Vorstandsetagen und auf dem politischen Parkett herrscht Hochbetrieb. Duisburg schafft Fakten, die Krypto-Euphorie trifft auf Washingtoner Realpolitik, und Donald Trump greift nach Ressourcen im ewigen Eis.

Tauchen wir ein.

1. Duisburg: Der goldene Handschlag für die „Old Economy“

Es ist der finale Akt einer langen Tradition: Klöckner & Co wird amerikanisch. Was sich am Freitag bereits abzeichnete, ist nun Gewissheit. Der US-Konzern Worthington Steel legt 11 Euro pro Aktie auf den Tisch.

Warum ist dieser Deal mehr als nur eine Unternehmensmeldung? Weil er den massiven „Valuation Gap“ – den Bewertungsgraben – zwischen den USA und Europa schonungslos offenlegt. Das Angebot beinhaltet eine Prämie von fast 100 Prozent auf den Kurs vor der Ankündigung. Für Großaktionär Friedhelm Loh und die leidgeprüften Anteilseigner ist es ein warmer Geldregen. Die Aktie reagierte prompt und schoss am Freitag um über 28 Prozent nach oben, quasi deckungsgleich mit dem Übernahmepreis.

Klöckner-Chef Guido Kerkhoff unterstützt die Offerte, die das Duisburger Urgestein mit rund 2,1 Milliarden Euro bewertet. Die beruhigende Nachricht für die Belegschaft: Standorte und Jobs sollen sicher sein, der Sitz bleibt in Düsseldorf. Doch die Symbolik wiegt schwerer: Ein 1906 gegründetes Unternehmen, tief verwurzelt in der deutschen Industriegeschichte, findet seine Zukunft unter dem Dach eines US-Riesen. Es bestätigt eine These, die wir an dieser Stelle oft diskutieren: Deutsche Substanzwerte sind an der Börse so günstig bewertet, dass sie für dollarstarke US-Strategen zur leichten Beute werden.

2. Krypto-Markt: Der politische Kater

Wer darauf gewettet hatte, dass Bitcoin an diesem Wochenende die magische 100.000-Dollar-Mauer einreißt, sieht sich getäuscht. Der Kurs pendelt heute Mittag lustlos um die 95.000 US-Dollar.

Der Grund für die Abkühlung liegt nicht im Code, sondern im Kongress. Der sogenannte „Clarity Act“, der in den USA als der große regulatorische Befreiungsschlag gefeiert wurde, wankt bedenklich. Coinbase hat seine Unterstützung zurückgezogen, und Goldman Sachs CEO David Solomon goss gestern zusätzlich Wasser in den Wein: Das Gesetz habe noch einen „langen Weg vor sich“.

Die Reaktion des „Smart Money“ folgte auf dem Fuß: Am Freitag verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs Nettoabflüsse von fast 400 Millionen US-Dollar. Institutionelle Anleger nehmen Chips vom Tisch. Zwar betonen Charttechniker, dass die strukturelle Basis bei ca. 94.600 Dollar hält, doch die Euphorie der letzten Wochen, die maßgeblich von der Hoffnung auf eine krypto-freundliche Trump-Administration getrieben wurde, weicht einer nüchternen Erkenntnis: Regulierung ist ein Marathon, kein Sprint.

3. Makro-Blick: Trumps arktische Ambitionen

Ein Jahr nach Beginn seiner zweiten Amtszeit präsentiert sich die „Trumponomics“-Bilanz gespalten. Während der KI-Sektor boomt (+50,8 Prozent Aktienwert in diesem Segment), blutet die klassische US-Fertigung weiter aus – über 70.000 Jobs gingen hier seit April verloren.

Dennoch zeigen die gestern veröffentlichten Daten, dass die US-Wirtschaft insgesamt robust bleibt: Die Industrieproduktion stieg im Dezember überraschend um 0,4 Prozent. Es ist dieses „Goldilocks“-Szenario – nicht zu heiß, nicht zu kalt –, das die Wall Street stützt.

Doch Trump sorgt erneut für geopolitisches Störfeuer. Seine wiederholten Drohungen bezüglich einer Annexion Grönlands haben nicht nur in Dänemark Proteststürme ausgelöst, sie verunsichern auch die Märkte. Was zunächst wie eine bizarre Anekdote klingt, hat einen harten ökonomischen Kern. Grönland ist reich an jenen Mineralien, die für die Tech- und Rüstungsindustrie essenziell sind. In einer Welt, in der Handelskriege primär über Ressourcen geführt werden, ist dies ein geopolitischer Risikofaktor, den man 2026 nicht als bloße Rhetorik abtun darf.

4. Marktlage: Durchatmen auf hohem Niveau

Der DAX verabschiedete sich gestern mit 25.325 Punkten ins Wochenende. Nach dem Rekordhoch von 25.507 Punkten sehen wir hier eine klassische Konsolidierung. Die Luft wird dünner, aber die Stimmung bleibt grundsätzlich konstruktiv, gestützt von der Hoffnung auf eine robuste Berichtssaison.

Auch Gold nimmt eine Auszeit. Nach dem neuen Allzeithoch von über 4.640 US-Dollar in der Vorwoche notiert das Edelmetall aktuell bei rund 4.580 Dollar. Die Dynamik lässt nach, was nach einem solchen Lauf gesund ist. Solange die Marke von 4.465 Dollar hält, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend intakt.

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Was bleibt hängen?

Wir erleben eine Phase der globalen Neusortierung. In Deutschland wird das Tafelsilber zu attraktiven Preisen verkauft (Klöckner), während in den USA die politische Realität die Marktfantasien einholt (Krypto). Die kommende Woche wird zeigen, ob die Quartalszahlen der Unternehmen stark genug sind, um die ambitionierten Bewertungen im DAX und an der Wall Street zu rechtfertigen – oder ob wir reif für eine größere Korrektur sind.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes. Genießen Sie die freie Zeit, bevor am Montag die Bildschirme wieder flackern.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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