Evonik Aktie: Neubaur sagt Nein!
Nordrhein-Westfalen spricht sich gegen den Zusammenschluss aus; die RAG-Stiftung wartet Gespräche ab, während Evonik BASFs Erstangebot zurückwies.

Kurz zusammengefasst
- NRW-Regierung lehnt BASF-Übernahme ab
- BASF sichert Beschäftigung bis 2032 zu
- RAG-Stiftung überlässt Klärung den Unternehmen
- Evonik wies 22,15 Euro je Aktie zurück
Bei Evonik geht es in der Übernahmedebatte nicht allein um den Preis. Die nordrhein-westfälische Landesregierung lehnt eine Übernahme durch BASF ab. Deren Beschäftigungszusagen greifen zwar zentrale politische Anliegen auf. Eine Zustimmung des Landes lässt sich daraus aber ebenso wenig ableiten wie eine Einigung zwischen den Unternehmen. Für Anleger bleiben Angebotshöhe und Akzeptanz deshalb getrennte Fragen.
Landesregierung setzt auf Eigenständigkeit
Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur erklärte am 14. Oktober im Landtag, die Landesregierung sei gegen die Übernahme. Sie wolle Beschäftigung und Standort erhalten. Damit formulierte sie eine politische Position, die über die Bewertung einer finanziellen Offerte hinausgeht.
BASFs Zusagen zielen auf genau diese Interessen. Reuters zufolge warb BASF-CEO Markus Kamieth in einer Videobotschaft für den Zusammenschluss. Betriebsbedingte Kündigungen sollten bis 2032 ausgeschlossen bleiben. Auch Tarifverträge und Sozialpartnerschaften sollten unangetastet bleiben. Essen und Nordrhein-Westfalen sollten wichtige Standorte bleiben.
Die Garantien sind damit ein Argument für die Übernahme, aber kein Beleg für deren politische Akzeptanz. Die erklärte Ablehnung der Landesregierung und die Zusagen des Interessenten stehen nebeneinander. Für die Einordnung ist diese Unterscheidung entscheidend: Beschäftigungsschutz beantwortet nicht automatisch die Frage nach der gewünschten Unternehmensstruktur.
RAG-Stiftung vermeidet eine Festlegung
Auch die RAG-Stiftung gab der Offerte keine ausdrückliche Rückendeckung. Nach einem Bericht des Handelsblatts ließ sich ihr Kuratorium am 9. Oktober über BASFs Übernahmeinteresse informieren. Es legte sich nicht fest und verwies die Unternehmen auf bilaterale Gespräche.
Diese Zurückhaltung ist weder eine Zustimmung noch eine Absage. Sie unterscheidet sich damit von der klaren politischen Position aus Nordrhein-Westfalen. Die Beteiligten setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Die Landesregierung betont den Erhalt von Beschäftigung und Standort, während die Stiftung auf Gespräche zwischen den Unternehmen verweist.
Höherer Preis allein schafft keine Einigung
Evonik hatte BASFs erstes Angebot von 22,15 Euro je Aktie abgelehnt. Medienberichte über eine mögliche Nachbesserung verknüpften diese mit Gesprächen und einem Einblick in Evoniks Bücher. Eine mögliche Erhöhung ist deshalb nicht mit einem vereinbarten höheren Angebot gleichzusetzen.
Die Übernahmefrage lässt sich folglich nicht auf einen möglichen Aufschlag reduzieren. Neben dem Preis stehen die Ablehnung Evoniks, politische Vorbehalte und die Bedingungen für Verhandlungen. BASFs Garantien adressieren einen Teil dieser Streitpunkte. Sie ersetzen jedoch weder die Zustimmung Evoniks noch eine Einigung über die Konditionen.
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