Oracle Aktie: Schulden als Wachstumspreis
Oracles Rekordquartal mit starkem Cloud-Wachstum wird von massiven Investitionsplänen und sinkenden Margen überschattet.

Kurz zusammengefasst
- Cloud-Umsatz steigt um 92 Prozent
- Investitionsbudget von 95 Milliarden Dollar
- Freier Cashflow tief negativ
- Auftragsbestand erreicht Rekordniveau
Rekordergebnisse waren gestern — heute kämpft Oracle mit einer Frage, die Anleger um den Schlaf bringt: Wie viel Kapital braucht dieser Konzern noch?
Nach der Veröffentlichung der Q4-FY2026-Zahlen am Mittwochabend fiel die Aktie im vorbörslichen Handel am Donnerstag um rund zehn Prozent. Dabei stimmten die operativen Zahlen durchaus: Adjusted EPS von 2,11 Dollar übertraf die Konsenserwartung von 1,95 Dollar, der Umsatz kletterte 21 Prozent auf 19,18 Milliarden Dollar. Oracle Cloud Infrastructure legte sogar 92 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar zu.
Wenn Wachstum teuer wird
Das eigentliche Problem liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden Dollar — weit mehr als die von Analysten erwarteten rund 67,7 Milliarden Dollar. Etwa 70 Milliarden davon entfallen auf eigenes Kapital, der Rest soll von Kunden zurückgeflossen sein, ohne dass CFO Hilary Maxson einen konkreten Zeitplan nannte.
Um diese Expansionspläne zu stemmen, will Oracle rund 40 Milliarden Dollar über eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital aufnehmen — darunter eine bereits angekündigte Aktienplatzierung im Umfang von 20 Milliarden Dollar. Für Bestandsaktionäre bedeutet das Verwässerung. Hinzu kommt, dass der freie Cashflow im abgelaufenen Geschäftsjahr mit minus 23,7 Milliarden Dollar tief im negativen Bereich lag.
Obendrein warnte das Management offen, dass die Bruttomargen im laufenden Jahr „zurückgehen“ werden, während der Ausbau der Rechenzentren Fahrt aufnimmt. Stifel verwies genau darauf als Hauptgrund für den Kursrückgang.
Rekordauftragsbestand ändert nichts an der Skepsis
Auf der anderen Seite der Gleichung steht ein Auftragsbestand, der seinesgleichen sucht: Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen — ein Maßstab für künftige Umsätze — erreichten einen Rekordwert von 638 Milliarden Dollar. Wolfe Research lobte das Quartal als rundherum stark und sah erste Anzeichen, dass Befürchtungen über einen strukturellen Rückgang im SaaS-Geschäft übertrieben sein könnten.
Für das erste Quartal FY2027 erwartet Oracle einen Umsatzanstieg von 27 bis 29 Prozent sowie ein adjustiertes EPS zwischen 1,72 und 1,76 Dollar. Der Konsens hatte 1,69 Dollar erwartet. Das Gesamtjahresziel von 90 Milliarden Dollar Umsatz wurde bestätigt, der Gewinnausblick auf 8,05 Dollar je Aktie angehoben.
Das Marktumfeld erschwerte die Lage zusätzlich. Geopolitische Spannungen infolge US-amerikanischer Militäraktionen und ein unerwarteter Anstieg der US-Inflation auf 4,2 Prozent trieben die Risikoprämien hoch — kein günstiges Umfeld für eine kapitalintensive Wachstumswette mit steigender Verschuldung.
Der Auftragsbestand zeigt, dass die Nachfrage nach Oracles KI-Infrastruktur real ist. Ob die Kapitalrendite dieser Investitionswelle irgendwann die Margen wieder stabilisiert, wird sich spätestens mit den Q1-FY2027-Ergebnissen im Herbst konkretisieren.
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