Rheinmetall Aktie: Kritikbericht zu Skyranger und Boxer HWC
Bundeswehr bemängelt Reifegrad von Skyranger und Boxer-Systemen. Trotz Rekordzahlen und neuer Aufträge belastet die Kritik den Aktienkurs.

Kurz zusammengefasst
- Bundeswehr kritisiert Systemreife
- Rekordumsatz trotz gesenkter Prognose
- Neue Aufträge aus Dänemark
- Aktie verliert deutlich an Wert
Ein Kritikbericht aus dem Beschaffungsamt der Bundeswehr sorgt bei Rheinmetall für neue Unruhe. Interne Akten des BAAINBw bemängeln laut Medienberichten mangelnde Reife, Qualität und Leistung bei zwei Schlüsselprojekten des Düsseldorfer Rüstungskonzerns: dem Flugabwehrsystem Skyranger und dem Schweren Waffenträger Infanterie auf Boxer-Basis. Beide Vorhaben verzögern sich demnach deutlich.
Die Nachricht reiht sich in eine Serie von Problemen ein, mit denen Rheinmetall in den vergangenen Monaten zu kämpfen hatte. Anders als frühere Berichte über einzelne Lieferverzögerungen betreffen die aktuellen Vorwürfe direkt die technische Reife der Systeme – ein Punkt, der für den Auftraggeber Bundeswehr schwerer wiegt als reine Terminverschiebungen.
Bundeswehr bleibt trotz Kritik verlässlicher Großkunde
Parallel zur Kritik zeigt sich, dass die Bundeswehr Rheinmetall weiterhin als zentralen Lieferanten einsetzt. Erst am Montag hatte das Beschaffungsamt über die Tochter Rheinmetall Project Solutions 149 zusätzliche mobile Rettungsstationen im Wert von über 500 Millionen Euro brutto abgerufen, basierend auf einem Rahmenvertrag aus dem Jahr 2024. Der Produktionsstart der geschützten und ungeschützten Systeme ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Auch international bleibt Rheinmetall gefragt: Dänemark beauftragte den Konzern in der vergangenen Woche mit der Lieferung des Schiffsschutzsystems MASS für Fregatten der ABSALON- und IVER-HUITFELDT-Klasse. Der Auftragswert liegt im zweistelligen Millionenbereich, ergänzt um einen Versorgungsvertrag über 21 Jahre. Das zeigt: Trotz der Reifeprobleme bei einzelnen Landsystemen wächst das Geschäft in anderen Sparten weiter.
Rekordzahlen mit gedämpfter Prognose
Die operative Stärke des Konzerns bestätigten die Zahlen zum zweiten Quartal, die Rheinmetall vor knapp zwei Wochen vorlegte. Der Umsatz stieg um 69,8 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu – beides Rekordwerte. Dennoch senkte der Konzern seine Jahresprognose für den Umsatz, weil das Fregattenprojekt F126 weggefallen ist.
Diese Kombination aus operativer Rekordmarge und gleichzeitig gestutzter Prognose prägt seit Wochen das Bild der Aktie. Der Kritikbericht zu Skyranger und Boxer HWC dürfte diese Unsicherheit nun weiter nähren, zumal beide Programme zu den strategisch wichtigsten Landsystem-Projekten des Konzerns zählen.
Kursverlauf spiegelt die Verunsicherung
Am Freitag schloss die Aktie bei 1.156,40 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,0 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beträgt das Minus 26 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, erreicht Anfang Oktober vergangenen Jahres, liegt der aktuelle Kurs 42 Prozent zurück.
Die Analystenmeinungen zum Titel gehen weit auseinander. JPMorgan-Analyst David Perry beließ am Montag die Einstufung bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro und verwies auf wachsende Unsicherheiten bei den Prognosen für den Auftragsbestand bis Ende des Jahres sowie bei den Investitionsausgaben bis 2028. Deutlich optimistischer positionierte sich RBC-Analyst Colin Moody, der die Coverage vor rund zwei Wochen mit „Outperform“ und einem Kursziel von 1.600 Euro aufnahm; er rechnet bis 2030 mit einem durchschnittlichen jährlichen EBITA-Wachstum von 35 Prozent.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite stehen Rekordmargen und eine volle Auftragspipeline von der Bundeswehr bis nach Dänemark, auf der anderen Seite handfeste Zweifel an der technischen Reife zentraler Rüstungsprojekte. Wie stark der jüngste Kritikbericht das Vertrauen der Bundeswehr als Großkunde tatsächlich belastet, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen.
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