UBS Aktie: 80-Prozent-Lösung senkt Kapitalbedarf
Die Schweizer Politik debattiert über strengere Kapitalvorgaben für die UBS. Ein Kompromiss könnte den Kapitalbedarf auf 15 Milliarden Dollar senken.

Kurz zusammengefasst
- Parlament berät über Kapitalquoten
- Kompromiss könnte Kapitalbedarf senken
- Operativ starkes Quartal für UBS
- US-Marktanalyse trübt Stimmung
Die UBS-Aktie gibt am Montag leicht nach. Der Kurs notiert bei 45,50 Euro, ein Minus von 1,02 Prozent gegenüber Freitag. Der eigentliche Grund für die Zurückhaltung liegt aber nicht in den Geschäftszahlen. Er liegt in Bern.
Am 10. und 11. August berät die Wirtschaftskommission des Ständerats über die sogenannte „Lex UBS“. Es geht um eine einzige Zahl: Wie viel hartes Kernkapital muss die UBS künftig für ihre ausländischen Tochtergesellschaften vorhalten?
Der Bundesrat will 100 Prozent, das Parlament sucht einen Ausweg
Der Bundesrat fordert eine vollständige Unterlegung mit hartem Kernkapital, kurz CET1. Schätzungen zufolge würde das einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 20 bis 22 Milliarden US-Dollar auslösen. Für eine Bank, die gerade erst die aufwendige Integration der Credit Suisse abgeschlossen hat, wäre das ein schwerer Einschnitt.
Zuletzt mehrten sich allerdings Signale für einen Kompromiss. Parlamentarier prüfen offenbar eine Senkung der Quote auf 70 bis 80 Prozent. Alternativ steht die teilweise Anrechnung von Additional-Tier-1-Anleihen im Raum.
Eine 80-Prozent-Lösung würde den Kapitalbedarf auf etwa 15 Milliarden US-Dollar drücken. UBS-Chef Sergio Ermotti warnt seit Monaten, zu strenge Vorgaben schwächten die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber US-Banken. Das mindere am Ende auch die Attraktivität der Aktie für Investoren.
Die operativen Zahlen sprechen eine andere Sprache
Am 29. Juli hatte die UBS ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Sie zeigen eine Bank, die operativ deutlich an Kraft gewonnen hat.
Der Vorsteuergewinn lag bei 3,6 Milliarden US-Dollar, der Nettoertrag bei 2,8 Milliarden US-Dollar. Von den geplanten Bruttokosteneinsparungen aus der Credit-Suisse-Integration, insgesamt rund 12,6 Milliarden US-Dollar, hat die Bank bereits 90 Prozent realisiert. Die verwalteten Vermögen kletterten zur Jahresmitte auf 7.326 Milliarden US-Dollar.
Trotzdem bleibt die Bank beim Thema Aktienrückkäufe vorsichtig. Ein Programm über 3 Milliarden US-Dollar läuft zwar bis Mitte 2027. Eine Aufstockung dürfte das Management aber erst beschließen, wenn die Kapitalfrage aus Bern geklärt ist.
Vorsicht auch beim großen Ganzen
Zum politischen Risiko in der Schweiz kommt ein zweites Warnsignal hinzu. UBS-Strategen mahnten am Sonntag in einer eigenen Analyse zur Vorsicht bei US-Aktien. Als Gründe nennen sie die unsichere Zinspolitik der US-Notenbank und Stresssignale bei Tech-Krediten im KI-Sektor. Diese Marktstimmung drückt zu Wochenbeginn auch auf europäische Finanztitel.
Am Rande wurde zudem bekannt: Die UBS Group hat ihre Beteiligung an der deutschen United Internet AG zum 30. Juli auf 2,79 Prozent reduziert. Damit unterschreitet sie die Meldeschwelle von 3 Prozent.
Die Aktie notiert derzeit rund 3,6 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 43,91 Euro — ein Zeichen, dass der mittelfristige Trend intakt bleibt. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 48,19 Euro sind es dennoch fast sechs Prozent. Diese Lücke dürfte sich erst schließen, wenn aus Bern Klarheit kommt. Die Kommissionssitzungen am 10. und 11. August liefern dafür den nächsten Test.
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