S&P 500: Öl treibt Zinsangst
Der S&P 500 gab nach, während teures Öl und höhere Anleiherenditen die Erwartungen an eine mögliche Fed-Zinserhöhung verstärkten.

Kurz zusammengefasst
- Index fällt auf 7.604,60 Punkte
- US-Rohöl überschreitet erstmals 100 Dollar
- Fed-Zinserhöhung mit 67,6 Prozent eingepreist
- Wohnsektor verliert 2,4 Prozent
Die Marke von 100 Dollar je Barrel war es, die am Mittwoch die Nerven an der Wall Street strapaziert hat. Am Donnerstag setzt sich das Muster fort: Der S&P 500 fiel im Handelsverlauf auf den tiefsten Intraday-Stand seit über einem Monat, konnte sich zuletzt aber wieder etwas berappeln.
Zum Ende der Sitzung stand ein Minus von 0,4 Prozent auf 7.604,60 Punkten zu Buche, nachdem der Index bereits am Mittwoch um 37 Punkte auf 7.636,36 Zähler nachgegeben hatte.
Auslöser der Unruhe ist der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran. US-Rohöl kletterte am Donnerstag erstmals seit Mai über 100 Dollar je Barrel, bevor die Notierung einen Teil der Gewinne wieder abgab.
Ein Bericht des Wall Street Journal, wonach führende Berater im Weißen Haus intern bereits mit einem Andauern des Kriegs bis zum Ende von Trumps Amtszeit rechnen, dürfte die Verunsicherung zusätzlich befeuert haben.
Trump selbst hatte noch am Mittwoch ein rasches Ende nach den Zwischenwahlen in Aussicht gestellt — eine Ankündigung, die er in den vergangenen sieben Monaten wiederholt gemacht hat, ohne dass der Konflikt beendet wurde.
Zinsen rücken in den Fokus
Die steigenden Ölpreise schlagen direkt auf die Inflationserwartungen durch — und damit auf die Zinspolitik der Fed. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte am Donnerstag auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren, nachdem sie bereits an den Vortagen deutlich gestiegen war.
Der am Donnerstag veröffentlichte Erzeugerpreisindex für August fiel auf Monatssicht wie erwartet aus, die Jahresrate zog aber etwas stärker an als prognostiziert.
Am Terminmarkt preist das FedWatch Tool der CME Group inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 67,6 Prozent für eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt bei der Fed-Sitzung in der kommenden Woche ein.
Genau diese Kombination aus teurem Öl, steigenden Renditen und einer möglicherweise restriktiveren Notenbank lastete besonders auf zinssensiblen Branchen: Der Philadelphia Housing Sector Index brach um 2,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr ein, während auch Halbleiter-, Hardware- und Ölservice-Werte spürbar nachgaben.
Etwas robuster zeigte sich zuletzt die Technologieseite. Meta Platforms hatte am Mittwoch mit der Vorstellung des KI-Assistenten „Muse“ für Aufsehen gesorgt und war um 6,6 Prozent gestiegen, was Chip- und Speicherwerte wie Marvell, AMD und Micron mitzog. Alphabet und Apple blieben dagegen im Minus — Alphabet, weil Muse als direkter Konkurrent zu Gemini gilt.
Die kommende Woche bringt mit der Fed-Sitzung den nächsten möglichen Belastungstest für den Index. Bleibt der Ölpreis über der 100-Dollar-Marke, dürfte die Debatte um eine restriktivere Geldpolitik kaum abebben.
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