VW-Aufsichtsrat stoppt Blume – CATL und Steyr Motors im Aufwind
Volkswagens Aufsichtsrat lehnt den Sparkurs von CEO Blume ab. Währenddessen sichern sich CATL und Steyr Motors mit neuen Strategien Kursgewinne.

Kurz zusammengefasst
- VW-Aufsichtsrat blockiert Sparplan
- CATL investiert in Graphit aus Holz
- Steyr Motors profitiert von Dividendenhoffnung
- BYD mit Exportrekorden bei Kursstagnation
Ein Sparplan scheitert am eigenen Kontrollgremium, ein Batteriegigant kauft sich in neuseeländisches Forstholz ein, und ausgerechnet ein kleiner österreichischer Motorenbauer sorgt für die freundlichste Kursreaktion der Woche. Die Autobranche zeigt sich derzeit von ihrer widersprüchlichsten Seite. Während sich Volkswagen intern zerlegt, sichern sich Zulieferer wie CATL neue Rohstoffquellen, und Nischenanbieter wie Steyr Motors profitieren von der Aussicht auf höhere Ausschüttungen.
BYD: Exportrekorde treffen auf einen skeptischen Markt
BYD startet den Sommer mit einem vertrauten Muster: operative Stärke, aber ein Aktienkurs, der sich davon wenig beeindrucken lässt. Der chinesische Elektroautobauer hob zuletzt die Preise für sein gesamtes Pkw-Sortiment in Indien leicht an, verwies dabei auf Wechselkurseffekte, und brachte mit dem Seal 08 ein neues Modell auf den Markt. Parallel erhöhte das Unternehmen sein Übersee-Absatzziel für das laufende Jahr.
Am Aktienmarkt zeigt sich zumindest kurzfristig eine Stabilisierung. Der Titel schloss am Freitag bei 9,58 Euro, ein Plus von 3,01 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht bewegt sich die Aktie mit +0,05 Prozent praktisch seitwärts.
Das kurzfristige Aufatmen täuscht über den längerfristigen Trend hinweg. Seit Jahresbeginn hat der Titel spürbar an Wert verloren, im Jahresvergleich bleibt der Rückgang zweistellig – ein Nachhall der verschärften Konkurrenz im chinesischen Heimatmarkt, wo BYDs Marktanteil binnen eines Jahres deutlich gesunken ist. Exportseitig läuft es dagegen rund: Die Auslandsauslieferungen legten kräftig zu, Auslandsmärkte machten zuletzt fast die Hälfte aller Monatsauslieferungen aus.
Macquarie senkte sein Kursziel für die Hongkong-Notierung leicht, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“ – ein Signal, dass die Bank die bekannten Risiken größtenteils für eingepreist hält. Charttechnisch bleibt das Bild dennoch angeschlagen: Mit 9,58 Euro notiert die Aktie unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 9,76 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,70 Euro. Der RSI von 55,8 signalisiert immerhin eine neutrale bis leicht positive Kurzfristdynamik, nachdem sich der Kurs bereits rund 19 Prozent von seinem 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro gelöst hat.
Volkswagen: Aufsichtsrat verweigert Blume die Gefolgschaft
Volkswagens Aufsichtsrat hat sich vergangene Woche gegen den Sparplan von Vorstandschef Oliver Blume gestellt – eine Abfuhr, wie sie der Konzern lange nicht erlebt hat. Zwölf der neunzehn Mitglieder stimmten gegen das Konzept mit dem internen Titel „Group Target Picture“. Der Plan sah den Abbau von bis zu 70.000 zusätzlichen Stellen sowie die Schließung von vier Werken vor, konkret Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm, frühestens ab 2031.
Blockiert wurde das Vorhaben von einer ungewöhnlichen Allianz: dem Land Niedersachsen, das rund ein Fünftel der Anteile hält, und der Arbeitnehmerseite. Aus Konzernkreisen heißt es, Einigkeit habe zwar über die Notwendigkeit weitreichender Veränderungen bestanden – der Plan selbst habe aber zu viele offene Fragen aufgeworfen. Blume äußerte sich öffentlich nicht direkt zur Abstimmung, bekräftigte jedoch, der Vorstand treibe die Transformation weiter voran. Der Vorstand prüft nun offenbar die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung.
Der Betriebsrat spricht von einem massiven Vertrauensbruch. Bislang gilt bei Volkswagen eine Beschäftigungssicherung bis 2030, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Rund 28.000 Abgänge wurden bereits über Altersteilzeit und Aufhebungsverträge vereinbart, und Blume will die Produktionskapazität auf etwa 9 Millionen Fahrzeuge senken.
Die Aktie reagierte prompt: Am Freitag schloss das Papier bei 71,06 Euro, ein Rückgang von 1,31 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich das Minus bereits auf 5,25 Prozent. Der Ausverkauf hat die Aktie nah an ihr Jahrestief herangeführt und den RSI tief in überverkauftes Terrain gedrückt – ein klares Zeichen dafür, wie sehr die Unsicherheit inzwischen auf den Kurs durchschlägt.
Auf Monatssicht beträgt der Rückgang 17,85 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Minus bei 33,03 Prozent. Der RSI von 30,2 bestätigt die überverkaufte Lage, während sich der Titel seinem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro weiter annähert. Operativ liefert der Konzern zusätzlichen Gegenwind: Im ersten Halbjahr wurden weltweit rund 4,13 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders der chinesische Markt bereitet Sorgen – dort brachen die Verkäufe im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ein.
Porsche AG: Rückkehr zum Verbrennungsmotor als Rettungsanker
Porsches strategische Kehrtwende weg von einer rein elektrischen Zukunft dominiert weiter die Schlagzeilen vor dem nächsten Quartalsbericht. Hochmoderne Verbrennungsmotoren sollen im Portfolio eine bedeutende Rolle behalten, um stabile Margen im Premiumsegment zu sichern, während Plug-in-Hybride wieder aggressiver vermarktet werden. Die kommende 718-Generation macht das sichtbar: Boxster und Cayman kommen nicht rein elektrisch, sondern behalten Verbrennungsmotoren – insbesondere für die leistungsstärksten Topmodelle.
Operativ bleiben die Zahlen unter Druck. Im ersten Quartal sank der Umsatz auf 8,40 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie fiel auf 0,44 Euro. Die Halbjahresauslieferungen bestätigen die Schwäche: Von Januar bis Juni wurden weltweit 122.306 Fahrzeuge ausgeliefert, 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders China schwächelt mit einem Rückgang von 32 Prozent auf 14.501 Fahrzeuge, während Nordamerika um 13 Prozent auf 37.712 Auslieferungen zurückfiel.
Am Kapitalmarkt zeigt sich die Aktie zuletzt schwächer als der operative Ausblick mancher Analysten vermuten lässt. Am Freitag schloss der Titel bei 45,21 Euro, ein Minus von 2,67 Prozent. Auf Monatssicht beträgt der Rückgang 4,46 Prozent, der RSI von 46,3 deutet auf eine neutrale Marktstimmung hin.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Analystenmeinung. UBS-Analyst Patrick Hummel sieht durch die Rückkehr zu Verbrennungs- und Hybridmodellen sowie eine schlankere Organisation zunehmend Elemente einer Trendwende und nennt ein Kursziel von 60 Euro. Goldman-Sachs-Analyst Christian Frenes argumentiert, die strukturellen Gegenwinde seien bereits eingepreist, und sieht unterschätztes Potenzial in einem verbesserten Modellmix. Ob diese Einschätzung trägt, zeigt sich am 29. Juli, wenn Porsche seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt.
CATL: Graphit aus Holz für die nächste Batteriegeneration
CATL nutzte die vergangene Woche, um seinen Griff auf die Batterie-Lieferkette weit über die reine Zellproduktion auszudehnen. Gemeinsam mit der Hongkonger Investmentgesellschaft Lochpine übernahm der chinesische Batteriegigant eine 20-prozentige Beteiligung am neuseeländischen Unternehmen CarbonScape, das Graphitmaterialien für Batterien aus forstwirtschaftlichen Nebenprodukten herstellt. Die Technologie soll zunächst in Demonstrationsanlagen von CATL in China getestet werden, bevor eine kommerzielle Umsetzung folgt.
Die strategische Logik ist klar: Mehr als drei Viertel des heute verwendeten Batteriegraphits stammt aus erdölbasierten Rohstoffen. Eine holzbasierte Alternative würde CATL unabhängiger von dieser Lieferkette machen. Operativ bleibt der Konzern ohnehin dominant – seit acht Jahren in Folge weltweit die Nummer eins bei EV-Batterien mit rund 38 Prozent Marktanteil, fünfzehn Werke weltweit inklusive Standorten in Deutschland und Ungarn, als Zulieferer unter anderem für Tesla, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen.
Am Aktienmarkt kam davon zuletzt wenig an. Der Titel schloss am Freitag bei 348,76 Yuan, ein Rückgang von 3,39 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 8,22 Prozent, der RSI von 33,8 signalisiert eine überverkaufte Aktie. Die Analystenstimmung bleibt davon unbeeindruckt bullisch: 90 Prozent der Einstufungen lauten auf Kaufen, keine einzige auf Verkaufen – ein deutlicher Unterschied zwischen kurzfristiger Kursschwäche und langfristiger Überzeugung.
Steyr Motors: Erholung dank Dividendenfantasie
Der österreichische Motorenspezialist war der leise Gewinner der Woche. Die Aktie kletterte spürbar von ihrem Jahrestief nach oben, getragen von der Aussicht auf eine höhere Gewinnausschüttung für das laufende Geschäftsjahr. Am Freitag schloss der Titel bei 32,88 Euro, nahezu unverändert mit einem Minus von 1,08 Prozent. Auf Wochensicht steht dagegen ein Plus von 0,61 Prozent zu Buche – Steyr Motors ist damit der einzige Wert im Sektor mit positiver Wochenperformance.
Das operative Bild bleibt allerdings gemischter, als es der Kursanstieg vermuten lässt. Der Umsatz im ersten Quartal stieg nur moderat von 11,5 auf 11,7 Millionen Euro, und dies allein wegen der BUKH-Übernahme – ohne diesen Effekt hätte der Umsatz bei 10,0 Millionen Euro gelegen, 13 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Das EBIT fiel von 2,1 auf 0,9 Millionen Euro, die Marge sackte von 18 auf 8 Prozent ab.
Trotz dieser operativen Delle bleibt der Titel mit einem RSI von 45,5 in neutralem Terrain, rund 20 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 27,50 Euro. Investoren richten den Blick nun auf zwei Termine: den Halbjahresbericht im August sowie strategische Details zu autonomen Systemen bei der Baader Investment Conference im September.
Sektordynamik im Überblick
Die fünf Werte lassen sich derzeit klar in Lager einteilen:
- Chinesischer Batterie-EV-Komplex (BYD, CATL): starkes operatives Wachstum, aber unter Druck stehende Kurse – BYD über Exporte, CATL über Rohstoffkontrolle
- Etablierte europäische Hersteller (Volkswagen, Porsche): Rückzug von reinen EV-Zusagen, aber sehr unterschiedliches Ausmaß an Disruption – VW mit existenzieller Kapazitätsfrage, Porsche mit Feinjustierung des Premium-Mix
- Nischenspieler (Steyr Motors): Schicksal hängt stärker von Auftragslage und Dividendenpolitik ab als von EV-Marktanteilskämpfen
Ein durchgängiges Thema bleibt die China-Exposition – Wachstumsmotor für BYD und CATL, Belastungsfaktor für Volkswagen und Porsche, wo lokale Premiummarken zunehmend Druck ausüben. Die Rückkehr zu Verbrennungs- und Hybridtechnologie, sichtbar bei Porsche und in Teilen bei VWs blockierter Restrukturierung, deutet darauf hin, dass sich europäische Premiumhersteller gegen eine langsamer als erwartet verlaufende EV-Adoption absichern.
Ausblick: Diese Termine entscheiden über die nächsten Wochen
Mehrere kurzfristige Katalysatoren dürften die Stimmung im Sektor prägen. Porsche berichtet am 29. Juli über das zweite Quartal – ein Termin, der klären dürfte, ob sich die Verbrenner-Hybrid-Strategie margentechnisch stabilisiert. Bei Volkswagen bleibt die eigentliche Krise ungelöst: Nach der Ablehnung des Sparplans steht der Konzern vor der Frage, ob eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen wird und wie eine Neuauflage der Verhandlungen mit Niedersachsen und den Arbeitnehmervertretern aussehen könnte.
BYDs Auslieferungszahlen für das dritte Quartal und der Hochlauf der neuen Fertigungskapazitäten in Ungarn gelten als Test dafür, ob sich die Exportstärke endlich in eine Kurserholung übersetzen lässt. CATLs CarbonScape-Partnerschaft entwickelt sich über einen mehrjährigen Zeithorizont und dürfte kurzfristig kaum Kursimpulse liefern, langfristig aber die Rohstoffabhängigkeit reduzieren. Steyr-Motors-Anleger richten den Blick auf den Halbjahresbericht im August und die September-Konferenz für mehr Klarheit zu Wachstumszielen und der Strategie für autonome Systeme.
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