Gold: Nur Verschnaufpause?
Der Goldpreis legt um 0,9 Prozent zu; Inflationsdaten halten die Erwartungen an weitere US-Zinserhöhungen jedoch hoch.

Kurz zusammengefasst
- Spotgold steigt auf 4.138,74 US-Dollar
- Dollar gibt nach jüngstem Hoch nach
- September-Inflation verstärkt Zinserwartungen
- UBS sieht kurzfristig 4.000 Dollar als Unterstützung
Der nachgebende Dollar verschafft Gold heute eine Erholung vom jüngsten Rücksetzer. Der Spotpreis steigt zum Tagesschluss um 0,9% auf 4.138,74 USD je Feinunze. Damit gewinnt das Edelmetall wieder Boden, obwohl die überraschend kräftige US-Inflation die Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen nicht ausgeräumt hat.
Die Gegenbewegung folgt auf einen schwachen Handelstag. Laut Reuters war Gold gestern auf den niedrigsten Stand seit dem 7. Oktober gefallen. Heute gab der Dollar von seinem jüngsten Hoch nach und unterstützte damit die Erholung. Eine Entspannung bei den geldpolitischen Belastungsfaktoren ist das allerdings noch nicht.
Dollar-Rückgang bringt kurzfristige Entlastung
Nach Angaben von Reuters hatte die US-Währung gestern ein 18-Monats-Hoch erreicht. Ihr anschließender Rückgang bildet den unmittelbaren Hintergrund für die Goldkäufe. Zuvor hatten ein starker Dollar und steigende US-Anleiherenditen das Edelmetall belastet.
Der Wechsel beim Dollar erklärt die Gegenbewegung besser als ein veränderter Inflationsausblick. Die jüngsten Preisdaten haben die Erwartungen an die amerikanische Geldpolitik vielmehr verschärft. Gold erholt sich somit trotz der Zinssorgen, nicht wegen ihres Verschwindens.
Die US-Verbraucherpreise stiegen im September gegenüber dem Vormonat um 0,6%. Das war der stärkste monatliche Anstieg seit April. Die Veröffentlichung verstärkte am Markt die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung durch die US-Notenbank.
Für Anleger treffen damit gegenläufige Kräfte aufeinander: Der schwächere Dollar hilft dem Goldpreis kurzfristig. Die Inflationsentwicklung spricht dagegen weiterhin für eine restriktive Geldpolitik und begrenzt die Entlastung.
Weitere US-Daten werden zum Prüfstein
Mary Daly hält laut Reuters einen weiteren Anstieg der kurzfristigen Zinsen wahrscheinlich für notwendig. Zugleich signalisierte sie keinen Bedarf für eine Erhöhung bei der Sitzung am 27.–28. Oktober. Ihre Aussagen unterscheiden damit zwischen dem grundsätzlichen Straffungsbedarf und dem Zeitpunkt eines nächsten Schritts.
Zusätzliche Hinweise sollen die für heute angekündigten US-Erzeugerpreise und Einzelhandelsumsätze liefern. Beide Veröffentlichungen stehen neben den Verbraucherpreisen im Fokus der Zinsdebatte. Sie können zeigen, ob sich der jüngste Inflationsdruck auch in weiteren Daten widerspiegelt.
Die heutige Erholung liefert deshalb noch keine eindeutige Antwort auf die weitere Preisrichtung. Entscheidend bleibt, ob die Entlastung durch die US-Währung anhält oder neue Daten die Zinserwartungen erneut nach oben treiben.
Banken unterscheiden zwischen Rücksetzer und Erholung
UBS-Stratege Giovanni Staunovo erwartet kurzfristig einen Test der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar je Feinunze. Für Dezember 2026 prognostiziert UBS dagegen 4.600 US-Dollar. Die Bank verbindet damit kurzfristige Vorsicht mit einer späteren Erholung.
Ihre Einschätzung stützt sich unter anderem auf erwartete Zentralbankkäufe und Zuflüsse in Gold-ETFs. Diese Nachfrage bildet ein Gegengewicht zu den Belastungen durch Zinsen und Dollar. Sie verhindert aber nach der UBS-Einschätzung nicht zwingend einen erneuten Rücksetzer.
Bank of America rechnet für das vierte Quartal 2026 mit einem Durchschnittspreis von 4.000 US-Dollar je Feinunze. Bei einem Bruch der Unterstützung hält die Bank zeitweise auch 3.750 US-Dollar für möglich.
Zudem warnt Bank of America davor, dass weitere Preisverluste Verkäufe aus Gold-ETFs auslösen könnten. Für eine nachhaltigere Erholung nennt sie klarere Fed-Signale, nachlassende Inflationssorgen und ein Ende der geldpolitischen Straffung. Der heutige Dollar-Rückgang erfüllt damit nur einen Teil der Bedingungen, die eine breiter abgestützte Erholung benötigen würde.
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