Oracle Aktie: 21.000 Stellen gestrichen

Oracle streicht 21.000 Stellen, die Aktie fällt auf Jahrestief. Analysten diskutieren über Risiken durch OpenAI-Abhängigkeit und hohe Schulden.

Eduard Altmann ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • 21.000 Stellen gestrichen
  • Aktie auf Jahrestief gefallen
  • S&P senkt Bonität auf BBB-
  • OpenAI als großes Klumpenrisiko

Oracle hat einen brutalen Monat hinter sich. Die Aktie fiel bis auf 105,10 Euro, den tiefsten Stand seit einem Jahr. Am Freitag erholte sich der Kurs zwar leicht auf 110,56 Euro, ein Plus von 1,79 Prozent. Das ändert wenig am Gesamtbild: Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast ein Drittel ihres Werts verloren, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar fast 50 Prozent.

Damit zählt Oracle zu den schwächsten Large-Cap-Technologiewerten des Jahres. Der Auslöser der jüngsten Talfahrt kam diese Woche aus dem eigenen Haus.

Der Jahresbericht schockt

Oracle hat in seinem aktuellen Geschäftsbericht offengelegt: Der Konzern hat im Geschäftsjahr 2026 rund 21.000 Stellen gestrichen. Das entspricht 13 Prozent der Belegschaft. Die Nachricht traf die Aktie hart. Der Kurs brach daraufhin um 5,1 Prozent ein, in einem ohnehin schwachen Tech-Umfeld.

Analysten werten den Schritt nicht als übliche Kostendisziplin. Sie sprechen von einer umfassenden Restrukturierung. Der Zeitpunkt macht es nicht besser: Oracle gehörte zusammen mit Arm und Western Digital zu den schwächsten Mega-Cap-Werten der Woche. Gemeinsam zogen sie den Nasdaq um 4,8 Prozent nach unten. Parallel bereiten sich Händler auf wichtige Konjunkturdaten vor. Eine restriktivere Fed unter Kevin Warsh und steigende Chancen auf weitere Zinserhöhungen verschärfen die Nervosität zusätzlich.

Kreditrisiko und OpenAI als Klumpenrisiko

Der Stellenabbau kommt zu einer Reihe von Kreditsorgen hinzu, die Oracle schon seit Wochen belasten. Eine rechtliche Auseinandersetzung mit OpenAI verstärkt Bedenken, die bereits zu einer Herabstufung durch S&P Global auf BBB- geführt hatten. Der Grund: extreme Kundenkonzentration. OpenAI macht rund die Hälfte von Oracles Auftragsbestand aus, der sich auf 638 Milliarden Dollar beläuft. S&P warnte, ein Zahlungsausfall von OpenAI könnte Oracle auf gewaltigen Rechenzentrums-Mietverträgen sitzen lassen, aus denen der Konzern nicht aussteigen kann.

Der freie Cashflow bleibt tief negativ. Oracle pumpt weiter Geld in den Ausbau von KI-Rechenzentren. S&P senkte die Bonität auf nur eine Stufe über Ramschniveau. Grund dafür: ein negativer freier Cashflow von 24 Milliarden Dollar bei gleichzeitig 56 Milliarden Dollar an Investitionsausgaben in den vergangenen zwölf Monaten. Das Management signalisiert dennoch, den Ausbau fortzusetzen. Für das laufende Geschäftsjahr ist bereits zusätzliche Finanzierung eingeplant.

Die Wall Street ist gespalten

Trotz der massiven Kursverluste haben viele Analysten die Aktie nicht abgeschrieben. Guggenheim-Analyst John DiFucci gehört zu den lautesten Optimisten. Er hält an seinem Kursziel von 400 Dollar fest und nennt Oracle seine beste Softwareidee für 2026. Für den Ausverkauf gebe es „keinen erkennbaren guten Grund“, so DiFucci. Die Sorge um kurzfristigen Margendruck überdecke seiner Ansicht nach ein beispielloses Signal beim Auftragsbestand.

Die Zahlen stützen diese These zumindest teilweise. Die noch nicht abgerechneten Auftragsverpflichtungen explodierten um 363 Prozent im Jahresvergleich auf 638 Milliarden Dollar. Der Cloud-Infrastrukturumsatz wuchs im Juni-Quartal um 93 Prozent, Cloud macht inzwischen 52 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das Management bekräftigte zudem sein Umsatzziel von 90 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2027, verbunden mit einem Gewinn je Aktie von 8,05 Dollar auf Non-GAAP-Basis.

Nicht alle teilen den Optimismus vorbehaltlos. Der Weg zurück zum Analystenkonsens führt über belastbare Quartalsbeweise: Die Margen der Cloud-Infrastruktur müssen im Bereich von 30 bis 40 Prozent bleiben, die GPU-Auslastung nahe 97,5 Prozent verharren. Zusätzlich muss die Bilanz eine geplante Kapitalaufnahme von 40 Milliarden Dollar verkraften, ohne eine weitere Herabstufung zu riskieren. Verschärft sich das Kreditumfeld weiter, gewinnt das Bärenlager an Zulauf.

Charttechnik zeigt extreme Überverkauftheit

Der Chart bestätigt das Bild eines Absturzes. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 30,75 Prozent zu Buche, der Kurs notiert rund 28 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und über 32 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der 14-Tage-RSI liegt bei 29,0 und signalisiert damit ein deutlich überverkauftes Niveau. Historisch ging ein solcher Wert oft kurzfristigen Erholungen voraus, bislang blieb eine nachhaltige Trendwende aber aus. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt über 47 Prozent, ein Zeichen dafür, wie heftig die Stimmung zwischen KI-Euphorie und Kreditangst hin- und herschwankt.

Die Kombination aus massivem Stellenabbau, Bonitätsabstufung und ungeklärten Fragen zur Zahlungsfähigkeit von OpenAI macht Oracle zu einem der umstrittensten Large-Cap-Werte des Jahres 2026. Bullen verweisen auf den Rekordauftragsbestand und die bestätigten Umsatzziele als Beleg dafür, dass der Ausverkauf übertrieben ist. Bären halten dagegen: Negativer Cashflow, steigende Schulden und nun auch eine schrumpfende Belegschaft deuten darauf hin, dass die KI-Wette die Bilanz schneller belastet, als der Auftragsbestand in echtes Geld umgewandelt werden kann. Bei einem Kurs knapp über dem Jahrestief dürften die kommenden Handelstage zeigen, ob die Marke von 105 Euro als Boden hält oder weiter nachgibt.

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Oracle Aktie

109,96 EUR

– 1,02 EUR -0,92 %
KGV 21,31
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,51 %
Marktkapitalisierung 357,78 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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