OpenAI-Schock trifft SoftBank — Allianz warnt vor Blasenbildung

SoftBank verliert Milliarden nach OpenAI-Börsengang-Verschiebung. Allianz-Stratege sieht Märkte im Blasen-Territorium.

Andreas Sommer ·
Allianz Aktie

Kurz zusammengefasst

  • SoftBank-Aktie bricht um 12 Prozent ein
  • OpenAI verschiebt Börsengang auf 2027
  • Allianz-CIO warnt vor überhitzten Märkten
  • Nebius-Aktie korrigiert nach Rekordhoch

Ein einzelner Zeitungsbericht hat am Freitag Milliardenwerte vernichtet. OpenAI verschiebt seinen Börsengang offenbar auf 2027 — und SoftBank, mit rund 65 Milliarden Dollar in dem KI-Unternehmen investiert, erlebte den schwersten Kurssturz seit August 2024. Zeitgleich schlug ausgerechnet der Chefanlagestratege der Allianz Alarm: Die Märkte befänden sich in „Blasen-Territorium“. Eine Woche, die zeigt, wie dünn das Eis unter der KI-Euphorie geworden ist.

SoftBank: 38 Milliarden Dollar Marktwert — weg an einem Tag

Der Absturz kam mit Ansage — und traf trotzdem mit voller Wucht. SoftBank-Aktien brachen in Tokio um bis zu 14 % ein, bevor sie den Handel mit einem Minus von über 12 % beendeten. Rund 38 Milliarden Dollar an Marktwert lösten sich in Luft auf. In Frankfurt schloss die Aktie bei 34,20 Euro, ein Rückgang von knapp 7 % allein am Freitag.

Auslöser war ein Bericht der New York Times, wonach OpenAI seinen geplanten Börsengang auf 2027 verschieben will. Drei mit den Vorgängen vertraute Personen berichteten, dass OpenAIs Bankberater vor der aktuellen Marktvolatilität warnen — insbesondere angesichts der holprigen Börsenerfahrung von SpaceX.

Für SoftBank ist das ein doppeltes Problem. Das Unternehmen hält über seine Investitionen von rund 65 Milliarden Dollar etwa 13 % an OpenAI. Ein Versuch, mindestens 6 Milliarden Dollar über ein mit OpenAI-Anteilen besichertes Margendarlehen aufzunehmen, scheiterte — Kreditgeber konnten die Bewertung einer Beteiligung an einem Privatunternehmen nicht hinreichend einschätzen. Gleichzeitig läuft im März 2027 ein 40-Milliarden-Dollar-Überbrückungskredit aus, den SoftBank zur Finanzierung seiner OpenAI-Engagements aufgenommen hat. Ohne Liquiditätsereignis — etwa einen Börsengang — wird der Konzern alternative Rückzahlungswege finden müssen.

CEO Masayoshi Son hält an seiner Billionen-Dollar-KI-These fest und treibt parallel das KI- und Robotikprojekt „Roze“ voran. Morgan Stanley bewertet die Aktie mit „Hold“, das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 7.664 JPY — deutlich über dem aktuellen Kurs von 6.226 JPY, aber die Spannweite der Schätzungen reicht von 3.140 bis 11.200 JPY. Diese enorme Bandbreite spiegelt die fundamentale Unsicherheit wider.

Allianz: Rekordgewinn und Blasenwarnung in einem Atemzug

Während SoftBank taumelte, notierte die Allianz-Aktie am Freitag bei 407,30 Euro — nur einen Hauch unter dem frisch markierten 52-Wochen-Hoch von 408,80 Euro. Die Ironie: Ausgerechnet der eigene Chefanlagestratege warnte auf dem FT Global Insurance Summit vor überhitzten Märkten.

Ludovic Subran, CIO der Allianz, nahm den SpaceX-Bonddeal als Anschauungsobjekt. SpaceX hatte Anfang Juni seinen Börsengang über rund 86 Milliarden Dollar abgeschlossen und saß auf mehr als 100 Milliarden Dollar in bar. Dann ging das Unternehmen erneut auf Investoren zu und bat um weitere 25 Milliarden Dollar in Anleihen. Die Antwort: Bestellungen über fast 90 Milliarden Dollar. Für Subran ein klares Signal, dass Unternehmen überhöhte Aktienkurse und günstige Kreditbedingungen ausnutzen, um in einem Tempo Kapital einzusammeln, das auf eine Blasenbildung hindeutet.

Die eigenen Geschäftszahlen geben der Allianz hingegen wenig Grund zur Sorge:

  • Operativer Gewinn im Q1 2026: 4,52 Milliarden Euro (plus 6,6 % im Jahresvergleich) — ein neuer Rekord
  • PIMCO zog 37,6 Milliarden Euro an Drittmittelzuflüssen an
  • Laufendes Aktienrückkaufprogramm über 2,5 Milliarden Euro bis Dezember 2026
  • Jahresziel bestätigt: 17,4 Milliarden Euro operativer Gewinn (±1 Milliarde)

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 413,90 Euro — bei neun Kaufempfehlungen und nur zwei Verkaufsratings. RBC Capital Markets beließ seine Einstufung nach den Q1-Zahlen auf „Sector Perform“ mit einem Ziel von 400 Euro, hob aber die längerfristigen Gewinnprognosen an. Gutes Momentum im Schaden- und Unfallgeschäft sowie im Asset Management stützen den Kurs.

Nebius: Operativ auf Hochtouren, an der Börse unter Druck

176 % Kursgewinn seit Jahresbeginn. 372 % auf Zwölfmonatssicht. Die Zahlen von Nebius wirken wie aus einer anderen Ära — und genau darin liegt das Problem. Nach dem Rekordhoch bei 261 Euro am 22. Juni fiel die Aktie binnen einer Woche um fast 14 % und schloss am Freitag bei 211,60 Euro.

Das operative Tempo blieb davon unberührt. Am 24. Juni stellte Nebius die Version 3.6 seiner KI-Cloud-Plattform „Aether“ vor. Kernstück ist „Nebius Echo“, ein KI-Agent, der Cloud-Infrastruktur per natürlicher Sprache steuert. Neue Sicherheits- und Governance-Funktionen sowie verbesserte Speicherfähigkeiten ergänzen das Update. Parallel wählte Nebius den Kubernetes-Spezialisten Komodor, um Fehlerdiagnosen in seiner Hyperscale-KI-Umgebung zu beschleunigen.

Die Fundamentaldaten untermauern die Wachstumsstory. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 399 Millionen Dollar — ein Plus von 684 % im Jahresvergleich. 98 % davon entfielen auf das Kern-KI-Cloud-Geschäft. Der Fünfjahresvertrag mit Meta über bis zu 27 Milliarden Dollar und die strategische Investition von Nvidia über 2 Milliarden Dollar bilden das finanzielle Fundament. Seit dem 22. Juni ist Nebius zudem im Nasdaq-100 gelistet.

Die Korrektur ordnet sich in einen breiteren Trend ein: Anleger nehmen bei KI-Infrastrukturwerten Gewinne mit, während das Short-Interesse steigt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 97,5 % zeigt, wie nervös der Markt bei diesem Titel bleibt. Das Analysten-Konsens-Kursziel liegt bei rund 257 Dollar — bei einem breiten Spektrum von 120 bis 380 Dollar.

Mutares: Portfoliodisziplin vor der Hauptversammlung

Kein Crash, kein Rekord — Mutares bewegt sich in ruhigerem Fahrwasser. Die Aktie gab in der vergangenen Woche rund 5 % nach und schloss am Freitag bei 27,95 Euro. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt knapp 24 %, gleichzeitig liegt der Kurs fast 20 % über dem Jahrestief vom April.

Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Hauptversammlung am 3. Juli. Vorstand und Aufsichtsrat werden eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie vorschlagen — als Mindestdividende. Gelingen in Zukunft Exits mit signifikantem Ergebnisbeitrag, sollen Aktionäre über eine Performance-Dividende zusätzlich partizipieren. Bei aktuellem Kurs entspricht das einer Rendite von knapp 7 %.

Die Transaktionspipeline bleibt aktiv:

  • Unwiderrufliches Angebot von Reed Capital für den Verkauf von Walor Precision Turning, Abschluss im Sommer 2026 erwartet
  • Größter Deal der Unternehmensgeschichte: Übernahme des regionalen Engineering-Thermoplastics-Geschäfts von SABIC für einen Unternehmenswert von 450 Millionen Dollar, voraussichtlicher Abschluss im zweiten Halbjahr 2026
  • Die SABIC-Transaktion bringt rund 2 Milliarden Euro Umsatz und bildet die Basis für ein neues Segment „Chemicals & Materials“

Im ersten Quartal legte der Konzernumsatz auf 1,68 Milliarden Euro zu, nach 1,53 Milliarden im Vorjahr. Die drei beobachtenden Analysten vergeben geschlossen eine Kaufempfehlung, das durchschnittliche Kursziel von 45,20 Euro liegt mehr als 60 % über dem aktuellen Niveau.

PayPal: Radikaler Umbau unter neuem CEO

Am unteren Ende der Bewertungsskala findet sich PayPal. Die Aktie handelt bei 38,88 Euro — 45 % unter dem 52-Wochen-Hoch und gut 21 % tiefer als zu Jahresbeginn. Der leichte Kursanstieg von gut 4 % am Freitag wirkt wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Neuer CEO Enrique Lores setzt den Rotstift radikal an. PayPal wickelt seinen zehn Jahre alten Venture-Capital-Arm ab. Die Einheit hatte über drei Fonds rund 850 Millionen Dollar eingesammelt und mehr als 80 Investments getätigt — darunter die Krypto-Handelsplattform Talos Global und die Fintech-Infrastrukturfirma Plaid. Bestehende Beteiligungen sollen potenziell verkauft werden.

Der Umbau geht weit über das Venture-Geschäft hinaus. Insgesamt peilt PayPal Kosteneinsparungen von 1,5 Milliarden Dollar über die nächsten zwei bis drei Jahre an. Berichten zufolge sollen rund 20 % der Belegschaft — etwa 4.760 Stellen — gestrichen werden.

Die Q1-Zahlen zeigten, dass das Kerngeschäft noch funktioniert: Der Gewinn je Aktie von 1,34 Dollar übertraf die Prognose von 1,27 Dollar. Der Umsatz stieg um 7 % auf 8,4 Milliarden Dollar, das Zahlungsvolumen kletterte um 11 % auf 464 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal erwarten Analysten allerdings einen Gewinnrückgang von knapp 9 % auf 1,28 Dollar je Aktie. Von 24 Analysten raten nur zwei zum Kauf, 19 halten die Aktie, drei empfehlen den Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei 48,05 Dollar.

Finanzsektor zwischen Rekorden, Korrekturen und Strukturwandel

Die fünf Titel verdichten eine Woche, in der sich der Finanzsektor in klar getrennte Geschwindigkeitszonen aufspaltet. SoftBank steht am hochriskanten Ende — ein Beteiligungskonzern, dessen Bewertung de facto ein gehebelter Proxy auf den OpenAI-Börsengang ist. Der Kurseinbruch zog den gesamten Nikkei 225 um 4,15 % nach unten und löschte einen Großteil der Wochengewinne aus.

Nebius liefert operativ in atemberaubendem Tempo, erfährt aber die erste ernsthafte Korrektur, seit die KI-Infrastruktur-Rally ins Stocken gerät. Die Allianz notiert nahe dem Allzeithoch und warnt gleichzeitig vor genau der Euphorie, die Namen wie Nebius und SoftBank nach oben getrieben hat. Mutares rotiert sein Portfolio methodisch — raus aus dem Automotive-Bereich, rein in Chemie und Materialien — mit einer stabilen Dividende als Anker. PayPal kämpft um seine Identität und baut unter neuem Management die alte Architektur ab, um ein schlankeres Kerngeschäft aufzubauen.

Die kommenden Wochen bringen Klarheit: Mutares‘ Hauptversammlung am 3. Juli, der erwartete Abschluss des SABIC-Deals im zweiten Halbjahr und die Frage, ob SoftBank bis März 2027 einen Weg findet, seinen milliardenschweren Überbrückungskredit zu bedienen — mit oder ohne OpenAI-Börsengang.

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