Micron Aktie: 5,32 Prozent Minus nach Broadcom-Warnung
Micron-Aktie fällt nach Broadcoms schwachem KI-Ausblick. Analysten bleiben trotz Kursrücksetzer optimistisch für den Speicherchip-Hersteller.

Kurz zusammengefasst
- Aktie fällt um über fünf Prozent
- Broadcom-Ausblick belastet Sektor
- Rekordhoch erst Anfang Juni
- Analysten sehen weiteres Potenzial
Der KI-Trade bekommt Risse — und Micron Technology spürt den Druck besonders deutlich. Die Aktie fällt am Freitag um 5,32 Prozent auf 813,80 Euro. Der Auslöser liegt nicht im eigenen Haus, sondern bei Broadcoms verhaltenem KI-Ausblick.
Broadcom zieht den Sektor nach unten
Broadcom traf bei den jüngsten Zahlen zunächst die Erwartungen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 2,44 Dollar statt erwarteten 2,40 Dollar; der KI-Halbleiterumsatz sprang um 143 Prozent.
Die Enttäuschung kam mit dem Ausblick. Für das nächste Quartal stellte Broadcom KI-Chip-Umsätze von 16 Milliarden Dollar in Aussicht, während Analysten mit 17,2 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Eine höhere KI-Prognose für 2026 blieb aus.
Das reichte, um den Halbleitersektor breit unter Druck zu setzen. Micron verlor bereits am Donnerstag 7,7 Prozent, der iShares Semiconductor ETF gab 2 Prozent nach. Kein Wunder, dass nach der starken Rally nun Gewinne mitgenommen werden.
Rekordhoch, dann Rücksetzer
Das Timing macht die Bewegung brisant. Erst am 3. Juni markierte Micron bei 938,70 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch.
Am Freitag notiert die Aktie bei 813,80 Euro. Damit beträgt der Abstand zum jüngsten Hoch 13,31 Prozent.
Der langfristige Trend bleibt dennoch außergewöhnlich stark. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 202,53 Prozent zu Buche; auf Sicht von zwölf Monaten liegt der Zuwachs bei 775,81 Prozent.
Analysten bleiben optimistisch
Morgan Stanley hält an der positiven Einschätzung fest. Die Bank erhöhte am 3. Juni das Kursziel von 520 auf 1.050 Dollar und bestätigte das Votum „Overweight“.
Analyst Joseph Moore sieht den Speicherchipmarkt weiter angespannt. Er sprach von „keiner schnellen Lösung für den Speicherchip-Engpass“ und rechnet mit einer Knappheit über weitere zwei bis drei Jahre — oder länger.
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Bei DRAM-Preisen kalkuliert Moore mit einem Anstieg von 40 Prozent im Mai-Quartal und weiteren 15 Prozent im August-Quartal. Lieferkettenprüfungen deuteten sogar auf Zuwächse von 20 Prozent oder mehr hin.
Raymond-James-Analyst Karl Ackerman bleibt vorsichtiger. Er warnt, dass die Durchschnittspreise für DRAM und NAND Mitte 2026 ihren Höhepunkt erreichen könnten. Langfristige Preisvereinbarungen dürften einen möglichen Rückgang aber teilweise abfedern.
Fundamentale Messlatte liegt hoch
Micron hat die Erwartungen zuletzt selbst kräftig nach oben geschoben. Im jüngsten Quartal stieg der Umsatz auf 23,86 Milliarden Dollar, nach 8,05 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.
Auch die Profitabilität war stark. Der GAAP-Nettogewinn erreichte 13,79 Milliarden Dollar, der operative Cashflow lag bei 11,90 Milliarden Dollar.
Für das laufende Quartal stellte Micron einen Rekordumsatz von 33,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Die Spanne liegt bei 750 Millionen Dollar nach oben oder unten.
Die Bruttomarge soll rund 81 Prozent erreichen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sieht der Konzern bei 19,15 Dollar, mit einer Schwankungsbreite von 0,40 Dollar.
Der Investitionsbedarf bleibt hoch. Für 2026 erwartet Micron Kapitalausgaben von mehr als 25 Milliarden Dollar; im Geschäftsjahr 2027 sollen die Ausgaben deutlich steigen.
Hinter der Rally steht vor allem die Nachfrage nach Speicherchips für KI-Rechenzentren. Ein großer Teil der Produktion ist bereits für die nächsten zwei Jahre vergeben. Branchenverbände warnen allerdings, dass KI-Rechenzentren immer mehr Kapazitäten binden und dadurch Engpässe bei Verbraucher- und Industrieprodukten verschärfen könnten.
Am 24. Juni 2026 veröffentlicht Micron die nächsten Quartalszahlen, die Telefonkonferenz beginnt um 14:30 Uhr Mountain Time. Nach dem Broadcom-Dämpfer liegt die Messlatte hoch: Der Markt will sehen, ob Micron die starke Speicherchip-Nachfrage weiter in Rekordmargen und belastbare Prognosen übersetzen kann.
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