SAP Aktie: Zeiss zieht sich aus Großprojekt zurück
Der Zeiss-Rückzug belastet SAPs Aktie, obwohl Gewinn und Umsatz im zweiten Quartal 2026 zulegten und das Unternehmen profitabel blieb.

Kurz zusammengefasst
- Zeiss steigt aus SAP-Projekt aus
- SAP-Aktie verliert 13 Prozent 2026
- Gewinn je Aktie deutlich gestiegen
- Quartalszahlen folgen am 21. Oktober
SAP steht am Montag erneut im Fokus enttäuschter Anleger. Auslöser ist der Rückzug von Zeiss aus einem SAP-Großprojekt, das nach einem sogenannten Greenfield-Ansatz aufgesetzt war und Kosten von über 200 Millionen Euro verursacht hatte. Der Konzern aus Oberkochen kehrt dem Vorhaben den Rücken – für SAP ein weiterer Rückschlag in einer ohnehin angespannten Phase.
Die Aktie reagierte am Montag deutlich: Im XETRA-Handel fiel das Papier am Nachmittag um 2,0 Prozent auf 181,90 Euro, mit einem Tagestief von 179,92 Euro nach einer Eröffnung bei 183,56 Euro.
Zum Handelsschluss stand ein Minus von 1,5 Prozent auf 182,26 Euro zu Buche. Damit setzt sich der Abwärtstrend der vergangenen Wochen fort, seit Jahresbeginn steht bei SAP nun ein Minus von 13 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 21 Prozent.
Ein Rückzug mit Symbolkraft
Der Zeiss-Ausstieg trifft SAP zu einem heiklen Zeitpunkt. Greenfield-Projekte gelten in der Branche als Königsdisziplin bei der Umstellung auf S/4Hana, weil Kunden ihre Prozesse dabei komplett neu aufsetzen statt bestehende Systeme zu migrieren.
Scheitert ein solches Vorhaben nach Kosten in dieser Größenordnung, wirft das Fragen zur Umsetzungsfähigkeit auf – gerade weil SAP genau solche Transformationsprojekte als Wachstumstreiber für sein Cloud-Geschäft verkauft.
Dass es auch anders laufen kann, zeigt zeitgleich ein anderes Projekt: Der IT-Dienstleister CBS baut für den Schokoladenhersteller Ritter Sport eine S/4Hana-Zukunftsplattform auf, mit On-Premise Digital Core und Cloud-Analytics-Komponenten sowie geplanten Rollouts in Europa und Asien. Das mehrjährige Vorhaben zeigt, dass Kunden SAP-Umstellungen weiterhin angehen – wenn auch offenbar mit unterschiedlichem Erfolg.
Marktumfeld verstärkt den Druck
Der Kursrutsch bei SAP ereignete sich in einem insgesamt schwachen Marktumfeld. Der DAX rutschte am Montag um 0,4 Prozent auf 25.953 Punkte und damit unter die Marke von 26.000 Zählern.
Während Halbleitertitel wie Infineon von guten Vorgaben aus den USA und Asien profitierten und um bis zu 3,3 Prozent zulegten, gehörte SAP zu den schwächsten DAX-Werten des Tages mit einem Minus von 1,9 Prozent im Index-Vergleich.
Auch der Ölpreis belastete die Stimmung, Brent notierte nahe der 100-Dollar-Marke, während Anleger zudem eine mögliche EZB-Zinserhöhung um 0,25 Punkte auf 2,5 Prozent einpreisten.
Fundamental bleibt SAP jedoch profitabel: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Gewinn je Aktie auf 1,89 Euro von 1,46 Euro im Vorjahr, der Umsatz kletterte um 9,42 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro. Die Dividende für 2025 lag bei 2,50 Euro, für 2026 erwarten Analysten 2,66 Euro.
Die nächsten Quartalszahlen sind für den 21. Oktober terminiert – ein Termin, an dem Anleger auch Antworten darauf erwarten dürften, wie stark verlorene Großprojekte wie das von Zeiss das Cloud-Wachstum am Ende belasten.
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