Berkshire Hathaway Aktie: Abel überlässt Stock-Picking Buffett
Berkshire Hathaway übertraf im zweiten Quartal die Erwartungen, reduzierte seine Barreserve und setzte auf Rückkäufe sowie Taylor Morrison.

Kurz zusammengefasst
- Gewinn je Aktie übertrifft Konsens
- Barreserve sinkt auf 365,5 Milliarden
- Taylor-Morrison-Übernahme Ende Juli vollzogen
- UBS hebt Kursziel der B-Aktie
Berkshire Hathaway steht nach einem starken zweiten Quartal vor der Frage, wie viel Einfluss CEO Greg Abel tatsächlich auf die Aktienauswahl des Konzerns nimmt. Medienberichten zufolge überlässt Abel Entscheidungen im Aktienportfolio weiterhin Warren Buffett und Portfoliomanager Ted Weschler – ein Hinweis darauf, dass sich die Führungsdynamik beim Stock-Picking auch unter neuem Management kaum verändert hat.
Die Aktie schloss am Montag bei 651.000,00 Euro und gab damit 0,5 Prozent nach. Über die vergangenen 30 Tage steht ein Rückgang von 2,6 Prozent zu Buche, während sich das Papier seit Jahresbeginn mit einem Plus von 2,2 Prozent behauptet. Zum 52-Wochen-Hoch von 686.000,00 Euro aus dem August fehlen aktuell 5,1 Prozent.
Operatives Geschäft übertrifft Erwartungen
Die im August veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal 2026 fielen deutlich besser aus als von Analysten erwartet. Das Ergebnis je Aktie lag bei 6,02 US-Dollar und übertraf den Konsens von 5,13 US-Dollar um mehr als 17 Prozent.
Die operativen Erträge kletterten um 16 Prozent auf 13,0 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn erreichte 25,7 Milliarden US-Dollar, getrieben von Investitionsgewinnen in Höhe von 12,7 Milliarden US-Dollar.
Innerhalb des Konzerns zeigte sich ein gemischtes Bild. Berkshire Hathaway Energy legte um 27 Prozent zu, die Eisenbahnsparte BNSF verbesserte sich um 6 Prozent, und das Segment Fertigung, Dienstleistung und Handel wuchs um 24 Prozent auf 4,5 Milliarden US-Dollar.
Auf der anderen Seite brach das Versicherungs-Underwriting um 13 Prozent ein, die Kapitalanlageerträge sanken um 9 Prozent. Besonders auffällig: Bei GEICO fiel der Underwriting-Gewinn um 45 Prozent.
Cash-Berg schrumpft erstmals seit Jahren
Berkshire setzte im zweiten Quartal 4,5 Milliarden US-Dollar für Aktienrückkäufe ein, im ersten Halbjahr summierten sich die Rückkäufe auf rund 4,8 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig sank die Barreserve um 8,0 Prozent auf 365,5 Milliarden US-Dollar, nachdem sie im Vorquartal noch bei 397,4 Milliarden US-Dollar gelegen hatte. Die Versicherungs-Floatreserve stieg dagegen leicht auf 177,5 Milliarden US-Dollar.
Zu dieser Kapitalallokation zählt auch die Ende Juli abgeschlossene Übernahme von Taylor Morrison für 72,50 US-Dollar je Aktie in bar. Der Deal bewertet das Eigenkapital mit 6,8 Milliarden US-Dollar und den Unternehmenswert mit 8,5 Milliarden US-Dollar. Taylor-Morrison-Chefin Sheryl Palmer leitet die Integration in die zu Berkshire gehörende Clayton Properties Group weiterhin selbst.
UBS erhöht Kursziel deutlich
UBS-Analyst Brian Meredith hob am 29. Juli sein Kursziel für die B-Aktie auf 585 US-Dollar an, von zuvor 570 US-Dollar. Für die A-Aktie lautet die neue Zielmarke 877.848 US-Dollar.
Meredith begründete die Anhebung mit stärkeren Aktienrückkäufen, robusten BNSF-Ergebnissen und geringeren Schadenskosten aus Katastrophen. Er schätzte die Rückkäufe zwischen Mitte April und Mitte Juli auf rund 8,5 Milliarden US-Dollar und erhöhte seine Gewinnschätzungen je B-Aktie für 2026 und 2027 auf 21,05 beziehungsweise 21,32 US-Dollar. Die Einstufung Buy bestätigte er.
Rechtsstreit um Immobilienprovisionen bleibt Thema
Ein Berufungsgericht bestätigte im August den 2024 geschlossenen Vergleich in einer Sammelklage gegen die Berkshire-Tochter HomeServices of America wegen der Praxis bei Immobilienprovisionen. HomeServices zahlt davon 250 Millionen US-Dollar der insgesamt mehr als eine Milliarde US-Dollar schweren Einigung. Einzelne Kläger könnten noch vor den Supreme Court ziehen, sodass das Verfahren nicht vollständig abgeschlossen ist.
Für Anleger bleibt Berkshire damit ein Konzern im Spannungsfeld zwischen robustem operativem Wachstum und schrumpfenden Versicherungsmargen bei GEICO. Die zunehmende Kapitalallokation in Übernahmen und Rückkäufe signalisiert, dass das Management den historischen Cash-Berg gezielt abbaut – während die Aktie selbst mit einem RSI von 47,8 derzeit weder überkauft noch überverkauft erscheint.
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