Gold: Warsh-Debüt am 14. Juli im Fokus
Gold notiert trotz Schließung der Straße von Hormus schwächer. Fed-Chef Warsh und Inflationsdaten rücken in den Fokus.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis fällt auf Wochensicht
- Iran schließt strategische Meerenge
- Neuer Fed-Chef vor Kongress
- Psychologische Marke bei 4.000 Dollar
Ein geschlossener Nahost-Handelsweg, ein neuer Fed-Chef mit Falken-Ruf und ein Goldpreis, der trotzdem kaum reagiert. Diese Woche zeigt ein seltenes Paradoxon: Geopolitische Eskalation und Zinssorgen ziehen in unterschiedliche Richtungen. Anleger müssen entscheiden, welche Kraft am Ende gewinnt.
Der Goldpreis schloss am Freitag bei 4.127,60 US-Dollar. Das entspricht einem Minus von 0,12 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,43 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Plus von 0,81 Prozent.
Iran schließt die Straße von Hormus
Am Sonntag erklärte der Iran die strategisch wichtige Straße von Hormus für geschlossen. Der Schritt folgte auf eine dritte Welle von US-Luftangriffen. Das US-Militär traf dabei rund 140 militärische Ziele im Iran.
Auslöser waren Angriffe der Islamischen Revolutionsgarden auf das Containerschiff „GFS Galaxy“. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, der Iran müsse für seine Entscheidungen bezahlen. Die Ölpreise reagierten sofort: Brent-Rohöl stieg auf über 80 US-Dollar.
Gold blieb dagegen auffällig ruhig. Analysten sprechen von einem geopolitischen Paradoxon. Die Unsicherheit stützt zwar die Nachfrage nach sicheren Häfen. Gleichzeitig treiben steigende Energiepreise die Inflationserwartungen nach oben – und damit auch die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen.
Warsh debütiert vor dem Kongress
In der kommenden Woche rückt ein anderes Ereignis in den Mittelpunkt. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh gibt am 14. Juli vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses seine erste halbjährliche Zeugenaussage ab. Am 15. Juli folgt der Auftritt vor dem Senat.
Marktbeobachter erwarten von Warsh eine deutlich restriktivere Tonlage als von seinem Vorgänger. Er gilt als Verfechter strikter Preisstabilität. Aktuelle FedWatch-Daten beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September bereits auf 69 Prozent.
Am Dienstag folgen die US-Inflationsdaten für Juni. Ökonomen erwarten einen Rückgang der Kerninflation auf 2,8 Prozent. Diese Zahl dürfte Warshs Argumentation vor dem Kongress maßgeblich prägen.
Charttechnik: 4.000 Dollar als Bewährungsprobe
Der Goldpreis notiert derzeit rund 26,64 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar beträgt der Abstand dagegen nur noch 5,80 Prozent. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 44,0 und damit im neutralen Bereich.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 4.539,11 US-Dollar klafft eine Lücke von 9,07 Prozent. Die Marke von 4.000 US-Dollar bildet aktuell die wichtigste psychologische Unterstützung. Analysten der Bank of Taiwan und von StoneX warnen: Bricht der Kurs darunter, drohen weitere Abgaben.
StoneX siedelt sein Kursziel für Ende 2026 ebenfalls im Bereich von 4.000 US-Dollar an. Nach oben blockiert die Zone zwischen 4.200 und 4.300 US-Dollar jeden nachhaltigen Ausbruch. Selbst die geopolitische Eskalation am Wochenende konnte diesen Widerstand in der vergangenen Woche nicht knacken.
Die kommende Woche liefert gleich zwei Testfälle für diese Marke. Warshs Auftritt vor dem Kongress am 14. und 15. Juli trifft auf die Inflationsdaten vom Dienstag. Bleibt die Kerninflation nahe der Prognose von 2,8 Prozent, dürfte sich der Blick schnell wieder auf die Unterstützung bei 4.000 US-Dollar richten.
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