Xiaomi vor der Produktoffensive: Kann die Chip- und Foldable-Strategie die Aktie drehen?
Xiaomi bündelt neue Smartphones, Elektroautos und Smart-Home-Produkte. Die Aktie bleibt unter Druck, während Margen und Europa-Pläne zählen.

Kurz zusammengefasst
- Xiaomi zeigt faltbares Smartphone mit Eigenchip
- Mehrere Elektro-SUVs stehen im Mittelpunkt
- Aktie seit Jahresbeginn rund 28 Prozent schwächer
- Europa-Start der Autosparte für 2027 angekündigt
Ausgangslage
Xiaomi steht vor einer der dichtesten Produktwochen des Jahres. Am 7. September präsentiert der Konzern in China das Xiaomi 18 Fold, ein faltbares Smartphone mit selbst entwickeltem XRing-O3-Chip und nach Unternehmensangaben weltweit erstem LPDDR6-Arbeitsspeicher.
Parallel laufen die Vorstellungen des Pad 9 Pro Max sowie dreier Elektro-SUVs unter dem Namen SkyNomad. Zeitgleich expandiert Xiaomi mit der Redmi-Note-17-Serie in Malaysia, den Philippinen und Nigeria, während auf der IFA in Berlin die Europa-Offensive für Elektroautos und die Smart-Home-Marke Mijia angekündigt wurde.
Diese Verdichtung an Ankündigungen fällt in eine Phase, in der die Aktie technisch angeschlagen ist. Der Kurs schloss am Mittwoch bei 3,12 Euro und legte damit 2,8 Prozent zu, bleibt aber seit Jahresbeginn rund 28 Prozent im Minus. Der Zeitpunkt zählt deshalb jetzt: Die Produktoffensive soll zeigen, ob Xiaomi operativ Boden gutmacht, während die Marktkapitalisierung von knapp 77,7 Milliarden Euro die Skepsis der Anleger widerspiegelt.
Die entscheidende Frage
Der eine Faktor, der über die kommenden Monate entscheidet, ist die Marge im Premium- und Foldable-Segment. Xiaomi hat mit dem hauseigenen XRing-O3-Chip erstmals einen Prozessor im 3-Nanometer-Verfahren mit eigener Architektur an den Start gebracht – ein Schritt weg von der reinen Abhängigkeit von Qualcomm- und MediaTek-Chips. Gelingt es, diese Eigenentwicklung in Stückzahl profitabel zu skalieren, sinkt die Kostenbasis strukturell.
Das Xiaomi 18 Fold soll laut kolportierten Preisen bei umgerechnet rund 1.785 US-Dollar positioniert werden – deutlich oberhalb der Massenmarkt-Modelle wie Redmi Note 17, die in Malaysia bereits ab umgerechnet niedrigen dreistelligen Euro-Beträgen verkauft werden. Ob Xiaomi den Spagat zwischen Volumengeschäft und Premium-Marge schafft, entscheidet, ob die Aktie ihre Bewertungsdiskrepanz schließen kann.
Bullisches Szenario
Setzt sich die Eigenchip-Strategie durch, könnte Xiaomi mittelfristig unabhängiger von externen Chipzulieferern werden und gleichzeitig mit dem 18 Fold ein Premium-Image aufbauen, das bislang Apple und Samsung vorbehalten war.
Eine Analyse von Simply Wall St beziffert den fairen Wert der in Hongkong gelisteten Aktie auf 41,16 Hongkong-Dollar gegenüber einem letzten Schlusskurs von 28,06 Hongkong-Dollar – ein Abschlag von 31,8 Prozent, der bei operativer Bestätigung Aufholpotenzial andeutet.
Zusätzlich könnte die für 2027 geplante Europa-Offensive im Elektroauto-Segment, für die Konzernchef Lei Jun laut Berichten aktiv Unterstützung sucht, einen neuen Wachstumshebel liefern, sollte der Markteintritt wie angekündigt gelingen.
Die parallele Expansion der Smart-Home-Marke Mijia nach Europa mit Produkten wie einer Tri-Drum-Waschmaschine und einem Kühlschrank mit Kryo-Fresh-Technologie würde das Ökosystem-Argument stärken, das Xiaomi von reinen Smartphone-Herstellern abhebt.
Bärisches Szenario
Die Risiken sind ebenso konkret. Auf Zwölfmonatssicht hat die Aktie fast die Hälfte ihres Werts verloren, und die Volatilität liegt mit 57 Prozent auf Jahressicht auf einem Niveau, das kurzfristige Rückschläge wahrscheinlich macht.
Die Autosparte, die zuletzt mit einem Verlust im Milliardenbereich belastet war, bleibt ein Unsicherheitsfaktor – der Europa-Start ist erst für 2027 angekündigt und noch nicht vollzogen, jede Verzögerung würde die Investitionsphase verlängern.
Zudem drängt praktisch die gesamte Konkurrenz zeitgleich in den Foldable-Markt: Huawei kündigt eigene Falt-Smartphones an, und Samsung hat mit der Galaxy-Z-Reihe bereits ein erstes weitfaltendes Modell lanciert, während Apple nur zwei Tage nach Xiaomi sein erstes Foldable vorstellen soll. Der Wettbewerbsdruck auf Preise und Marge im Premiumsegment dürfte damit eher steigen als sinken.
Ausblick
Solange der 50-Tage-Durchschnitt von 2,95 Euro als Unterstützung hält und der RSI mit 55 Punkten keine Überhitzung anzeigt, bleibt Raum für eine technische Stabilisierung, sollte die Produktpräsentation am 7. September positiv aufgenommen werden.
Kippt die Wahrnehmung der Chip-Strategie – etwa durch Lieferengpässe beim neuen LPDDR6-Speicher oder schwache Verkaufszahlen des 18 Fold – dürfte der Kurs erneut Richtung des 52-Wochen-Tiefs von 2,34 Euro tendieren, das erst im Juni erreicht wurde.
Der nächste konkrete Prüfstein ist die Markteinführung des 18 Fold am 7. September selbst, gefolgt von den ersten Verkaufszahlen der Redmi-Note-17-Serie in Südostasien und Afrika sowie weiteren Details zur Europa-Strategie der Autosparte im Laufe des Jahres.
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