Nvidia Aktie: Die Apple-Parallele
Nvidia steigert Umsatz und Ausblick deutlich, während Analysten ihre Gewinnziele anheben und über weiteres Bewertungspotenzial diskutieren.

Kurz zusammengefasst
- Umsatz wächst im zweiten Quartal 106 Prozent
- Data-Center-Geschäft legt 117 Prozent zu
- Analysten erhöhen Gewinnschätzung für 2028
- Nvidia führt 26 Milliarden Dollar zurück
Nvidia liefert Zahlen, die selbst hohe Erwartungen übertreffen – und löst damit an der Wall Street eine ungewöhnliche Debatte aus. Analysten ziehen Vergleiche zu Apple nach 2010, als der iPhone-Konzern trotz Rekordgewinnen jahrelang unter dem Marktdurchschnitt bewertet blieb, ehe sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis mehr als verdreifachte. Bei Nvidia könnte sich ein ähnliches Muster andeuten.
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 kletterte der Umsatz auf 96,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über dem Analystenkonsens von rund 92 Milliarden Dollar. Das Data-Center-Segment wuchs sogar um 117 Prozent auf 89 Milliarden Dollar.
Die Bruttomarge hielt bei 75 Prozent, soll im laufenden Quartal aber leicht auf 74 Prozent sinken – Finanzchefin Colette Kress verwies auf einen branchenweiten Engpass bei Speicherchips, der die Einkaufspreise treibt.
Der Ausblick überrascht die Wall Street
Statt einer erwarteten Abkühlung auf rund 45 Prozent Wachstum kündigte Kress für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzplus von etwa 70 Prozent an – ungewöhnlich früh und deutlich über den Prognosen der Analysten.
Jensen Huang ergänzte, ein Nachfrageproblem gebe es nicht, im Gegenteil: Die Wachstumsrate könne bei nachlassenden Lieferengpässen sogar noch steigen. Die Aktie reagierte zunächst mit Verlusten auf die schwächere Margenprognose, drehte aber binnen Minuten ins Plus.
Die Reaktion der Analystenzunft fiel entsprechend heftig aus. Von 60 erfassten Häusern veröffentlichten 39 innerhalb eines Tages neue Einschätzungen, die durchschnittliche Gewinnschätzung je Aktie für 2028 stieg von 12,81 auf 14,86 Dollar. Das daraus abgeleitete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 liegt weiterhin deutlich unter dem Niveau des S&P 500 – genau der Punkt, an dem die Apple-Parallele ansetzt.
Kapitalrückführung als Kernargument
Im abgelaufenen Quartal führte Nvidia rund 26 Milliarden Dollar über Rückkäufe und Dividenden an Aktionäre zurück, von der bestehenden Rückkaufautorisierung blieben noch rund 99 Milliarden Dollar übrig.
Evercore-ISI-Analyst Mark Lipacis rechnet für 2026 mit einer Kapitalrückführung von rund 115 Milliarden Dollar, für 2027 mit rund 230 Milliarden Dollar – eine Größenordnung, die seiner Einschätzung nach eine ähnliche Bewertungsausweitung auslösen könnte wie bei Apple ab 2015.
Kritiker relativieren den Vergleich allerdings: Anders als Apple nach dem Hardwarehöhepunkt verfüge Nvidia über zusätzliche Wachstumsoptionen – etwa durch Kooperationen in Netzwerktechnik und optischer Verbindungstechnik mit Partnern wie Nokia, Marvell oder Lumentum.
Auch ein frisches Investment in den spanischen Photonik-Spezialisten iPronics und die Erweiterung der Partnerschaft mit Equinix für ein globales KI-Inferenz-Netzwerk unterstreichen, wie breit Nvidia sein Ökosystem inzwischen aufstellt.
Parallel dazu warb Huang bei einem G20-Treffen in North Carolina gemeinsam mit US-Handelsminister Howard Lutnick für eine zurückhaltende KI-Regulierung – Vorschriften sollten sich an realen Problemen orientieren, nicht an „theoretischen Schäden“. Die Botschaft passt zur aktuellen Wachstumsstrategie: Je freier der Ausbau der KI-Infrastruktur, desto größer der Rückenwind für Nvidias Kerngeschäft.
Ob sich die Apple-Parallele bei der Bewertung tatsächlich bestätigt, hängt an zwei Stellschrauben: Kehrt die Bruttomarge wie angekündigt Richtung 72 bis 73 Prozent zurück, und wächst die Kapitalrückführung tatsächlich in die von Evercore ISI und BofA skizzierten Dimensionen hinein? Beide Fragen dürften sich erst über die kommenden Quartale beantworten lassen.
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