IREN Aktie: Canaccord hält Kaufempfehlung trotz Bilanzschock
Trotz eines Jahresverlusts von 702,6 Millionen US-Dollar bestätigt Canaccord das Kaufvotum für IREN und setzt das Kursziel auf 79 US-Dollar.

Kurz zusammengefasst
- IREN-Aktie verliert binnen einer Woche 14 Prozent
- Jahresverlust folgt hohen Wertberichtigungen
- KI-Cloud-Umsatz steigt auf 128,8 Millionen Dollar
- Kapitalbedarf übersteigt bislang gesicherte Mittel
Nach dem heftigen Kursrückgang der vergangenen Tage hat sich Canaccord Genuity Group am Freitag klar positioniert: Die Analysten bestätigten ihre Kaufempfehlung für IREN und riefen ein Kursziel von 79,00 US-Dollar aus. Das Signal kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt die jüngsten Unternehmensnachrichten offenbar deutlich skeptischer bewertet als die Analysten selbst.
Die Aktie schloss am Freitag bei 30,80 Euro, ein Minus von 12 Prozent binnen eines Tages. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 14 Prozent zu Buche, vom 52-Wochen-Hoch aus Anfang November trennen das Papier inzwischen 55 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 40,2 deutet auf einen Markt hin, der IREN derzeit eher meidet als sucht.
Bilanzschock trifft auf Wachstumsstory
Grund für den Ausverkauf war die Vorlage der Geschäftszahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 am heutigen Tag. IREN wies für das Gesamtjahr einen Nettoverlust von 702,6 Millionen US-Dollar aus, nach einem Gewinn von 86,9 Millionen US-Dollar im Vorjahr.
Ursache waren vor allem nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen von 450,4 Millionen US-Dollar auf stillgelegte Mining-Hardware sowie ein Wertverlust von 102,1 Millionen US-Dollar bei zum Verkauf stehenden Geräten – Folgen des geplanten Ausstiegs aus dem Bitcoin-Mining.
Der Umsatz des Gesamtjahres kletterte dennoch um 41,1 Prozent auf 707 Millionen US-Dollar, getragen vom AI-Cloud-Geschäft, das von 16,4 Millionen auf 128,8 Millionen US-Dollar zulegte. Im vierten Quartal allein erlöste die Sparte 70,5 Millionen US-Dollar.
Das Unternehmen bezifferte seine annualisierten wiederkehrenden Umsätze für 2026 mittlerweile auf eine Milliarde US-Dollar operativ, mit vertraglich gesicherten vier Milliarden US-Dollar für das laufende Jahr.
Warum Canaccord trotzdem optimistisch bleibt
Dass Canaccord seine Kaufempfehlung trotz des Bilanzschocks bekräftigte, spricht dafür, dass die Analysten die Impairments als buchhalterische Altlast werten und nicht als operatives Warnsignal. Das Kursziel von 79,00 US-Dollar liegt weit über dem aktuellen Kursniveau und signalisiert Vertrauen in die Transformation vom Bitcoin-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter.
Diese Transformation hat allerdings ihren Preis. IREN bezifferte den Kapitalbedarf für das Geschäftsjahr 2027 auf 25 bis 30 Milliarden US-Dollar, wovon bislang lediglich 14 Milliarden US-Dollar gesichert sind.
Weitere acht Milliarden US-Dollar sollen über künftige Finanzierungsrunden eingeworben werden. Genau diese Finanzierungslücke dürfte den Markt zusätzlich zu den Wertberichtigungen verunsichert haben – ein Umstand, den auch das positive Analystenvotum nicht kaschieren kann.
Ausblick: Zwischen Kapitalbedarf und KI-Ambitionen
Das Unternehmen treibt den Ausbau seiner Rechenzentrumskapazität auf rund 1,2 Gigawatt voran, gestützt auf zuletzt rund 19 Milliarden US-Dollar an Finanzierungszusagen. Die Mining-Aktivitäten sollen bis Dezember 2026 vollständig eingestellt werden.
Für Anleger bleibt die Aktie damit eine Wette mit zwei Gesichtern: hohes Wachstumstempo im KI-Cloud-Geschäft auf der einen Seite, ein enormer und noch nicht vollständig gedeckter Kapitalbedarf auf der anderen.
Der 50-Tage-Durchschnitt von 35,94 Euro liegt derzeit 14 Prozent über dem aktuellen Kurs – ein Hinweis darauf, dass sich die kurzfristige Stimmung erst noch stabilisieren muss, bevor das von Canaccord ausgerufene Kursziel wieder in greifbare Nähe rückt.
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