80 Prozent Marge: SK Hynix zeigt, wo die KI-Milliarden ankommen

Der Speicherhersteller meldet eine operative Marge von 80 Prozent und plant für 2026 Rückzahlungen von rund 67 Milliarden Euro.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • SK Hynix plant hohe Aktionärsrückzahlungen
  • Vertiv-Aktie steigt nach starken Aufträgen
  • Deutsche Bank übertrifft Quartalserwartungen
  • Boeing verschiebt Cashflow-Ziel auf 2029

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

das Geld für künstliche Intelligenz landet dort, wo es knapp ist. SK Hynix hat das heute mit einem Quartal ohne Vorbild belegt. Der koreanische Speicherhersteller meldet eine operative Marge von 80 Prozent. Diese Kennzahl zeigt, welcher Anteil vom Umsatz im laufenden Geschäft als Gewinn übrig bleibt.

Doch nicht jeder, der am KI-Boom mitbaut, wird dafür belohnt. Das zeigen ein Rechenzentrums-Ausrüster und ein Kraftwerksbauer mit fast gleichen Zahlen und entgegengesetzten Kursen. Dazu kommen eine Deutsche Bank in Rekordlaune und ein Boeing, das seine Kassenziele verschiebt. Die eigentliche Prüfung kommt heute Nacht.

SK Hynix: Ein Rekord, der verteilt wird

SK Hynix verdient gerade so viel wie nie. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 328 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einen Schönheitsfehler gibt es: Beim Nettogewinn blieb der Konzern deutlich unter den Erwartungen.

Was macht SK Hynix mit dem Geld? Es geht an die Aktionäre zurück. Für 2026 sind umgerechnet rund 67 Milliarden Euro geplant, als Dividende und über Aktienrückkäufe. Bei einem Rückkauf erwirbt eine Firma eigene Aktien und zieht sie ein, der Gewinn verteilt sich danach auf weniger Anteile.

Für einen Chiphersteller ist die Planbarkeit ungewöhnlich. Langfristverträge mit Großkunden binden mehr als die Hälfte der Kapazität für 2027 und 2028. Ein Schnäppchen ist die Aktie trotzdem nicht.

Samsung holt auf, der Marktanteil von SK Hynix beim Hochleistungsspeicher sank zuletzt von 58 auf 50 Prozent. Wer hier einsteigt, kauft einen Gewinner, dessen Bewertung die Bestellungen bis 2028 schon einpreist. Die Ausschüttung ist der Puffer, falls die Preise früher drehen.

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Vertiv und GE Vernova: Gleiche Stärke, andere Quittung

Vertiv liefert Kühlung und Stromversorgung für Rechenzentren und hat die Erwartungen weit übertroffen. Der Umsatz stieg um 61 Prozent, der Auftragseingang hat sich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Die Börse feiert das: Die Vertiv-Aktie liegt im Verlauf rund 12 Prozent höher.

GE Vernova meldet ähnlich starke Zahlen. Die Aufträge stiegen um 96 Prozent, der Rückkaufrahmen verdoppelt sich. Trotzdem gibt die Aktie rund 3 Prozent nach.

Warum also der Abschlag? Der Grund dürfte der Zukauf sein. GE Vernova übernimmt die Trench Group für 9 Milliarden Dollar, abgeschlossen wird erst Ende 2027. Dazu bleibt das Windgeschäft ein Klotz, für das ein Jahresverlust erwartet wird. Meine Lesart: Organisches Wachstum schlägt teure Übernahmen.

Deutsche Bank: Die Zahlen liefern, nicht die Hoffnung

Die Deutsche Bank hat ein starkes drittes Quartal abgeliefert. Nach Steuern blieben rund 1,9 Milliarden Euro, erwartet waren 1,7 Milliarden. Die Unternehmensbank steuerte einen Rekord bei.

Viele hatten vorher nur auf eine Zahl geschaut: die Risikovorsorge, also das Geld, das eine Bank für mögliche Kreditausfälle zurücklegt. Sie stieg um 9 Prozent. Ist das ein Problem? Nicht bei einer Eigenkapitalrendite von 10,6 Prozent. Vorstandschef Sewing will das Renditeziel für 2028 sogar übertreffen, Details folgen im Januar.

Die Analysten ziehen nach. UBS stuft die Deutsche Bank auf Kaufen hoch, mit Kursziel 37 Euro. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie dennoch rund 10 Prozent im Minus. Der Abstand zu den Kurszielen schrumpft diesmal durch Zahlen statt durch Hoffnung.

Boeing: Volle Bücher, leere Versprechen

Boeing hat das Ziel von 10 Milliarden Dollar freiem Cashflow um ein Jahr auf 2029 verschoben. Gemeint ist das Geld, das nach allen Ausgaben und Investitionen wirklich in der Kasse bleibt. Die Stabilisierung der 737-Produktion verzögert sich wegen eines Engpasses im Tragflächenbau.

Die Boeing-Aktie brach gestern um knapp 11 Prozent ein und notiert nahe dem tiefsten Stand seit einem Jahr. Morgan Stanley, Baird und Jefferies senken ihre Kursziele. Goldman Sachs bleibt bei Kaufen.

Gibt es Lichtblicke? Ja. 161 Auslieferungen im Quartal sind der höchste Wert seit 2018. Dazu kommt der Zuschlag für das Kampfflugzeug der sechsten Generation der US Navy. Doch die Schulden übersteigen die Kasse deutlich. Boeing bleibt eine Wette auf Produktionsdisziplin.

Microsoft und Alphabet: Die Rechnung kommt heute Nacht

SK Hynix und Vertiv haben belegt, dass die KI-Milliarden ankommen. Ob sie sich für die Geldgeber rechnen, zeigen Microsoft und Alphabet nach US-Börsenschluss, also in der Nacht auf Donnerstag. Bei Microsoft werden die Investitionen im Quartal auf 51 Milliarden Dollar geschätzt. Der freie Cashflow soll um 69 Prozent fallen.

Bei Alphabet ist das Bild noch schärfer. Google Cloud soll um über 90 Prozent wachsen. Gleichzeitig werden die KI-Investitionen 2026 auf rund 202 Milliarden Dollar geschätzt, der freie Cashflow dürfte negativ werden.

Wie reagiert die Börse auf solche Ausgaben? Meta hat es vorgemacht: minus 7 Prozent nach höheren Ausgabenplänen. Der Zinsentscheid der Fed heute Abend gilt daneben als Formsache, erwartet wird eine Pause.

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Unterm Strich

Der Tag trennt die KI-Profiteure sauber. SK Hynix und Vertiv verdienen jetzt, weil sie liefern, was knapp ist. GE Vernova zahlt für künftiges Wachstum und bekommt dafür die Quittung. Microsoft und Alphabet müssen heute Nacht erklären, wann ihre Milliarden zurückfließen.

Jenseits der Chips zeigt die Deutsche Bank, dass auch klassische Geschäfte Rekorde tragen. Boeing erinnert daran, dass volle Auftragsbücher ohne Produktion wenig wert sind. Mein Rat zum Hinschauen: Achten Sie heute Nacht weniger auf das Wachstum als auf den Cashflow.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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