Western Digital Aktie: Toshiba-Pläne belasten
Toshibas unbestätigte Kapazitätspläne belasten Festplattenaktien; langfristige Verträge könnten Western Digital und Seagate vor raschem Preisdruck schützen.

Kurz zusammengefasst
- Western Digital zeitweise rund zehn Prozent schwächer
- Toshiba plant Kapazitätsverdopplung bis März 2028
- Rund 380 Millionen US-Dollar Investition vorgesehen
- Langfristverträge bieten Schutz vor schnellem Preisdruck
Ein Konkurrent plant den Ausbau, und die Festplattenwerte rutschen zweistellig ab. Western Digital verlor an der NASDAQ zeitweise rund zehn Prozent auf 416,11 US-Dollar. Seagate traf es ähnlich hart, Sandisk kam mit knapp vier Prozent Minus vergleichsweise glimpflich davon.
Toshiba will Kapazität verdoppeln
Auslöser ist ein Bericht über Toshiba. Der japanische Hersteller will demnach seine Produktionskapazität für Festplatten in KI-Rechenzentren bis zum Geschäftsjahr, das im März 2028 endet, verdoppeln. Rund 60 Milliarden Yen, umgerechnet etwa 380 Millionen US-Dollar, sollen in das Werk auf den Philippinen fließen. Es wäre die erste größere Investition in dieses Geschäft seit etwa fünf Jahren.
Mittelfristig peilt Toshiba einen Marktanteil von rund 30 Prozent an, derzeit liegt er knapp über zehn Prozent. Bestätigt sind die Pläne bislang nicht.
Warum die Reaktion so heftig ausfällt
Festplatten sind zu einem Grundpfeiler des KI-Ausbaus geworden, weil Rechenzentren riesige Datenmengen ablegen müssen. Speicher ist knapp, die Hersteller setzen hohe Preise durch und fahren Rekordgewinne ein. Genau diese Preissetzungsmacht sehen Anleger nun in Gefahr: Mehr Angebot entspannt den Markt.
Dem stehen mehrere Bremsen gegenüber. Toshiba ist mit Abstand der kleinste der drei Anbieter. Die Investitionssumme wirkt gering gegen die erwarteten Ausgaben von Western Digital und Seagate, die für das Geschäftsjahr 2027 zusammen bei etwa 1,7 Milliarden US-Dollar liegen dürften. Kapazitätserweiterungen dauern zudem lange: Die Umsetzung in Produktionseinheiten braucht mindestens 12 bis 18 Monate.
Langfristverträge als Puffer
Evercore verweist auf die Vertragslage. Seagate hat den Großteil seiner Nearline-Exabytes bis ins Jahr 2028 vergeben, Western Digital verhandelt Langfristverträge bis 2031. Das schützt vor schnellem Preisdruck.
Mizuho-Analyst Jordan Klein hält Toshibas Zeitplan für wenig glaubwürdig und vergleicht die Ankündigung mit dem Wunsch, für die New York Yankees zu spielen. Spürbare Folgen für die Verhandlungsmacht der Kunden erwartet er erst 2028. Seine erste Reaktion auf den Kursrutsch: die Schwäche zum Kauf nutzen.
Den nächsten belastbaren Datenpunkt liefert eine offizielle Stellungnahme von Toshiba mit konkretem Zeitplan. Bis dahin dürfte der Bericht die Aktie weiter beschäftigen.
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