Thyssenkrupp Aktie: Nucera meldet minus 69 Millionen EBIT
Thyssenkrupp steht vor richtungsweisenden Entscheidungen: schwache Nucera-Zahlen, Aktionärsvotum zur accelis-Abspaltung und positive Jahresbilanz der Aktie.

Kurz zusammengefasst
- Nucera-Umsatz sinkt auf 145 Millionen Euro
- Aktionäre entscheiden über accelis-Abspaltung
- TKMS erhält Kursziel von 76 Euro
- Thyssenkrupp-Aktie seit Jahresbeginn plus 30 Prozent
Thyssenkrupp steuert auf eine ereignisreiche Woche zu. Die Wasserstoff-Tochter nucera hat vorläufige Quartalszahlen vorgelegt, und am Freitag entscheiden die Aktionäre über die Abspaltung der Sparte tk accelis. Beide Termine rücken den Konzern in den Fokus der Anleger, während parallel die Marinesparte TKMS und das Stahlgeschäft eigene Nachrichten liefern.
Nucera meldet schwaches Quartal, Neunmonatszahlen belastet
Thyssenkrupp nucera berichtete für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 nach vorläufigen Angaben einen Umsatz von 145 Millionen Euro, nach 184 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis (EBIT) lag im dritten Quartal bei minus 2 Millionen Euro. Über die ersten neun Monate des Geschäftsjahres kumulierte sich das EBIT auf minus 69 Millionen Euro. Laut dpa-AFX lagen die Werte aufgrund von Vorzieheffekten im Chlor-Alkali-Segment leicht über den Markterwartungen. Die vollständige Quartalsmitteilung will nucera am 12. August veröffentlichen, einen Tag bevor der Mutterkonzern seinen eigenen Zwischenbericht zum dritten Quartal vorlegt.
Operativ zeigte sich nucera zuletzt aktiv: In Palmeira in Brasilien übergab das Unternehmen eine neu in Betrieb genommene Chlor-Alkali-Elektrolyseanlage an den Kunden Chlorum Solutions. In Indien unterzeichnete nucera eine strategische Kooperationsvereinbarung mit dem Staatskonzern Bharat Heavy Electricals Limited zur lokalen Fertigung alkalischer Wasser-Elektrolyseure. Zudem berief das Bundeswirtschaftsministerium nucera-Chef Werner Ponikwar in den Nationalen Wasserstoffrat der Bundesregierung.
Hauptversammlung entscheidet über tk accelis
Am kommenden Freitag stimmen die Thyssenkrupp-Aktionäre auf einer außerordentlichen, virtuell abgehaltenen Hauptversammlung über den Abspaltungs- und Übernahmevertrag der Sparte tk accelis ab. Das Votum gilt als einer der wichtigsten Termine des Konzerns in diesem Jahr, da es den Weg für die Verselbstständigung des Geschäfts endgültig freimachen oder verzögern würde.
Wenige Tage zuvor hatte tk accelis auf einem Capital Markets Day ihre mittelfristigen Ziele konkretisiert. Die Sparte strebt ein jährliches Umsatzwachstum von über 4 Prozent an, bei einer EBITDA-Marge zwischen 4 und 5 Prozent. Diese Zahlen dürften Anleger als Maßstab heranziehen, wenn sie am Freitag über die Zukunft der Sparte entscheiden.
TKMS erhält Kursziel, Steel verkauft HKM-Anteil
Für die separat betrachtete Marinesparte TKMS bestätigte Bernstein Research am 22. Juli das Rating „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 76,00 Euro. Die Analysten bezeichneten die Unternehmensprognosen zugleich als „zu defensiv“ – ein Hinweis darauf, dass sie der Sparte mehr operatives Potenzial zutrauen, als das Management bislang kommuniziert.
Im Stahlgeschäft vollzog sich derweil ein struktureller Einschnitt: Die Salzgitter AG erwarb Anfang Juli sämtliche Anteile an den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann von den bisherigen Gesellschaftern. Thyssenkrupp Steel hielt zuvor 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen und zieht sich damit aus dieser Beteiligung zurück.
Aktie unter Druck, Jahresbilanz bleibt deutlich positiv
An der Börse zeigte sich die Thyssenkrupp-Aktie zuletzt uneinheitlich. Am Freitag schloss das Papier bei 12,06 Euro und gab um 0,78 Prozent nach. Trotz der jüngsten Schwäche steht seit Jahresbeginn ein Plus von 30,04 Prozent zu Buche – ein Wert, der die Kursverluste der vergangenen Handelstage relativiert.
Die kommenden Tage dürften für die Aktie richtungsweisend werden. Mit der Hauptversammlung zu tk accelis am Freitag, der vollständigen nucera-Quartalsmitteilung am 12. August und dem Zwischenbericht des Konzerns einen Tag später stehen binnen weniger Wochen gleich drei Termine an, die sowohl die Konzernstruktur als auch die operative Verfassung der einzelnen Sparten offenlegen. Anleger dürften diese Ereignisse als Gradmesser dafür nutzen, wie weit der Umbau des Industriekonzerns bereits vorangeschritten ist.
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