Amrize Aktie: Gewinnschätzung verfehlt, Prognose erhöht
Amrize verfehlte im zweiten Quartal die EPS-Erwartung, hob aber die Umsatzprognose an. Führungskräfte kauften weitere Aktien.

Kurz zusammengefasst
- Quartalsumsatz steigt auf 3,494 Milliarden Dollar
- Bereinigtes EPS bleibt unter Konsens
- Jahresumsatzprognose wurde angehoben
- Führungskräfte kaufen Amrize-Aktien
Amrize kommt seit Wochen nicht zur Ruhe. Der Baustoffkonzern, im Juni 2025 per Spin-off von Holcim an die NYSE gebracht, kämpft mit sinkenden Kursen, einer verfehlten Gewinnschätzung und einer Serie von Kurszielsenkungen. Gleichzeitig greifen Manager des Unternehmens verstärkt zu eigenen Aktien – ein Signal, das gegen den Analystentrend steht.
Am Freitag schloss die Aktie bei 38,68 Euro und legte damit um 1,7 Prozent zu. Auf Monatssicht steht dennoch ein Rückgang von 11 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 18 Prozent. Der jüngste Kaufimpuls ändert wenig daran, dass das Papier näher am 52-Wochen-Tief als am Hoch notiert.
Zahlen verfehlen Konsens, Guidance steigt trotzdem
Im zweiten Quartal steigerte Amrize den Umsatz um 8,6 Prozent auf 3,494 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn kletterte um 14,4 Prozent auf 476 Millionen Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie blieb mit 0,88 Dollar jedoch unter der Konsensschätzung von 0,95 Dollar.
Belastend wirkten vor allem ölpreisgetriebene Mehrkosten von 75 Millionen Dollar bei Fracht, Diesel und Rohstoffen, die im Segment Building Envelope das bereinigte EBITDA um 5,2 Prozent drückten.
Im margenstärkeren Segment Building Materials lief es dagegen rund: Der Umsatz legte um 8,2 Prozent zu, Zementvolumina wuchsen um 5 Prozent, Zuschlagstoffe um 6,5 Prozent.
Trotz der EPS-Verfehlung hob Amrize die Jahresprognose an – der Umsatz soll nun zwischen 12,5 und 12,7 Milliarden Dollar liegen, zuvor waren 12,29 bis 12,52 Milliarden Dollar angepeilt. Das Kosteneinsparprogramm ASPIRE brachte im Quartal 29 Millionen Dollar und soll bis 2028 kumuliert 250 Millionen Dollar liefern.
Analysten reagieren zurückhaltend bis skeptisch
Die Kursreaktion auf die Zahlen fiel unter Analysten überwiegend negativ aus. RBC Capital stufte die Aktie am 10. August von Sector Perform auf Underperform herab und senkte das Kursziel von 60 auf 48 Dollar; die EPS-Schätzungen für die Jahre 2026 bis 2028 kürzte das Haus um bis zu 15 Prozent.
Citi reduzierte am selben Tag sein Kursziel von 66 auf 58 Dollar. In den folgenden Tagen zogen weitere Häuser nach: Bank of America senkte am 18. August das Kursziel auf 50 von 60 Dollar, Stephens am 15. August auf 54 von 65 Dollar, hielt aber am Buy-Rating fest.
Zur Wochenmitte kamen zwei weitere, zurückhaltendere Einschätzungen hinzu. DA Davidson startete am 24. August mit einem Neutral-Rating und einem Kursziel von 50 Dollar, begründet mit begrenzter Sichtbarkeit auf positive Impulse angesichts anhaltender Margenunsicherheiten. UBS folgte am Dienstag mit einer Hold-Einstufung.
Insider stemmen sich gegen den Trend
Während die Analystenzunft vorsichtiger wird, kaufen Führungskräfte weiter zu. Am Mittwoch erwarb Director Jacques Wolf Sanchez Aktien im Wert von 186.833 Dollar. Bereits am 11. August hatten Jaime Hill, President des Segments Building Materials, 1.500 Aktien zu 47,12 Dollar sowie Chief People Officer Stephen S. Clark 5.260 Aktien zu 47,31 Dollar erworben.
Die Käufe fallen in eine Phase, in der Amrize zugleich sein Aktienrückkaufprogramm fortsetzt: Im zweiten Quartal flossen 197 Millionen Dollar in Rückkäufe im Rahmen des bis Mai 2027 laufenden Milliardenprogramms, dazu Dividenden von 0,11 Dollar je Aktie, zusammen 502 Millionen Dollar an Ausschüttungen.
Auch personell ordnet sich der Konzern neu: Samuel J. Poletti übernahm am 24. August den CFO-Posten von Baris Oran, der aus persönlichen Gründen zurücktrat. Poletti hatte zuvor als Chief Strategy and M&A Officer den Spin-off von Holcim mitgestaltet und dürfte mit dem laufenden Sparprogramm sowie der Integration der im Juli vereinbarten Übernahme von Rapid Redi-Mix in Texas vertraut sein.
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