Alibaba Aktie: Cloud übertönt Gewinneinbruch
Trotz 75 Prozent weniger Nettogewinn steigt die Alibaba-Aktie. Treiber ist die boomende KI-Cloud-Sparte mit 45 Prozent mehr Umsatz.

Kurz zusammengefasst
- Cloud-Umsatz wächst um 45 Prozent
- Nettogewinn bricht um 75 Prozent ein
- KI-Erlöse verzeichnen zwölftes Rekordquartal
- Investitionsausgaben steigen auf 67,7 Milliarden Yuan
Ein Gewinnrückgang um 75 Prozent, und die Aktie steigt trotzdem. Was nach Widerspruch klingt, erklärt sich mit einem Blick auf die Cloud-Sparte von Alibaba — dort liegt offenbar der Grund, warum Anleger über die schwachen Konzernzahlen hinwegsehen.
Der chinesische Technologiekonzern legte für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 268,95 Milliarden Renminbi vor, ein Plus von 9 Prozent und die schnellste Wachstumsrate seit rund drei Jahren. Der Nettogewinn brach im gleichen Zeitraum um 75 Prozent auf 10,44 Milliarden Renminbi ein. Die Alibaba-ADRs drehten nach anfänglichen Verlusten ins Plus und notierten zeitweise bei 130,03 Dollar.
Sonderlasten drücken die Marge
Für den Gewinneinbruch sorgten mehrere Sonderfaktoren gleichzeitig. Eine Firmenwert-Abschreibung von 4,46 Milliarden Renminbi traf das operative Ergebnis, hinzu kam eine Rückstellung für die Strafe der EU-Kommission unter dem Digital Services Act in Höhe von 550 Millionen Euro. Das operative Ergebnis sackte um 57 Prozent ab, die operative Marge fiel von 14 auf 6 Prozent.
Die Kundenmanagement-Erlöse im China-E-Commerce sanken um 7 Prozent im Jahresvergleich — bereinigt um einen Gegenbuchungseffekt wäre sogar ein leichtes Plus herausgekommen. Das Gesamtbild im Kerngeschäft bleibt trotzdem angespannt: Merchant-Ausgaben scheinen zu schwächeln, während das Handelsvolumen sich stabil zeigt.
Cloud liefert, aber teuer
Im neu geordneten Segment AI Cloud and Compute Services stieg der Umsatz um 45 Prozent auf 48,44 Milliarden Renminbi, das bereinigte EBITA legte um 133 Prozent zu. Die Erlöse mit KI-Produkten kletterten auf 12,38 Milliarden Renminbi — laut CEO Eddie Wu bereits das zwölfte Quartal in Folge mit dreistelligem Wachstum. Wu betonte, man sehe bislang keine Anzeichen, dass das sogenannte Scaling Law an eine Grenze stößt.
Diese Dynamik hat ihren Preis. Die Investitionsausgaben stiegen um 75 Prozent auf 67,68 Milliarden Renminbi, der freie Cashflow rutschte auf einen Abfluss von 44,67 Milliarden Renminbi. Das Segment AI Labs and Applications, zu dem die Qwen-App gehört, weitete seinen bereinigten EBITA-Verlust auf 13,86 Milliarden Renminbi aus — mehr als das Vierfache des Vorjahreswerts.
Parallel dazu trainiert Apple laut Berichten ein China-spezifisches KI-Modell mit Unterstützung von Alibabas Qwen-Technologie, was als Bestätigung für die eigene KI-Kompetenz gewertet werden könnte.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch. Sechs von TipRanks erfasste Analysten bewerten die Aktie mit StrongBuy, die Kursziele reichen von 172 bis 195 Dollar. Benchmark bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 220 Dollar.
Der nächste Test folgt mit den Zahlen zum dritten Fiskalquartal im November — dann zeigt sich, ob das Cloud-Wachstum auch durch das für den chinesischen Handel entscheidende Singles‘-Day-Geschäft trägt.
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