SAP Aktie: Cloudbestand überzeugt, Q4 bleibt Risiko
Der Cloud-Auftragsbestand steigt auf 24,1 Milliarden Euro; Finanzchef Asam warnt vor möglichen Belastungen der Schlussquartalsbuchungen.

Kurz zusammengefasst
- Quartalsumsatz erstmals über zehn Milliarden Euro
- Cloud-Auftragsbestand wächst währungsbereinigt um 26 Prozent
- Finanzchef sieht Risiken für Schlussquartalsbuchungen
- Cloudwachstum 2026 am oberen Prognoserand erwartet
Der Cloudbestand wächst schneller als erwartet, und doch dämpft der Finanzchef die Stimmung. SAP hat im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen, verweist aber auf ein schwieriges Umfeld für das entscheidende Schlussquartal.
Rekordquartal mit Einschränkung
Erstmals überschritt SAP in einem Quartal die Marke von 10 Milliarden Euro Umsatz. Die Erlöse stiegen um 13 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis legte um 18 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro zu. Analysten hatten mit rund 2,94 Milliarden Euro gerechnet.
Der Current Cloud Backlog, also die gesicherten Cloud-Erlöse der kommenden zwölf Monate, wuchs währungsbereinigt um 26 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Der Markt hatte etwa 24,6 Prozent erwartet. Auf diese Kennzahl achten Investoren besonders, weil sie die künftigen Erlöse weitgehend vorzeichnet.
Ein Teil des Cloudwachstums fällt allerdings auf Sondereffekte. Kunden, die finanzielle Schwierigkeiten überwunden haben, ließen Umsätze aus mehreren Vorquartalen nachholen. Das brachte nach Angaben des Finanzchefs etwa einen Prozentpunkt Wachstum. Hinzu kamen Beiträge der zugekauften Firmen Reltio, Dremio und Prior Labs.
Vorsicht beim Schlussquartal
Konzernchef Christian Klein sieht die Clouderlöse 2026 nun am oberen Ende der Spanne von 23 bis 25 Prozent Wachstum. Auch die Summe aus Cloud- und Softwareerlösen dürfte oben herauskommen. Die Prognosen für operatives Ergebnis und Free Cashflow bleiben unverändert, beim Cashflow peilt SAP rund 10 Milliarden Euro an.
Finanzchef Dominik Asam mahnte dennoch. Im vierten Quartal laufen traditionell rund die Hälfte der Jahresbuchungen ein. Ölpreis und Zinsen belasteten das Umfeld, das könne die Buchungen und damit den Pfad für 2027 drücken. Für das Cloudwachstum im Schlussquartal nannte er etwa 23 Prozent. Beim Gesamtumsatz plant SAP für 2027 weiterhin eine Beschleunigung.
Schwächer entwickelte sich das Altgeschäft. Lizenzerlöse sanken um 9 Prozent, die Servicesparte um 5 Prozent, weil SAP abrechenbare Stunden bewusst zugunsten von KI- und Datenangeboten reduziert. Die Cloud-Bruttomarge ging leicht auf 74,3 Prozent zurück. Klein verwies auf Effizienzgewinne durch Automatisierung, SAP strebt Einsparungen von bis zu 3 Milliarden Euro über zwei Jahre an.
Kursreaktion und Ausblick
Der in New York gehandelte Hinterlegungsschein legte nachbörslich zeitweise mehr als 4 Prozent zu und reduzierte den Gewinn später auf rund 2 Prozent. Die Frankfurter Aktie hat sich seit dem Tief im Juli unter 130 Euro um mehr als die Hälfte erholt, nachdem Sorgen vor KI-Konkurrenz Softwarewerte belastet hatten.
Klein betonte, neun der 50 größten Abschlüsse im Quartal hätten KI und die Business Data Cloud enthalten. Die erste Reaktion im Frankfurter Handel steht am Donnerstag an. Die Buchungen des vierten Quartals entscheiden dann, ob SAP die Beschleunigung für 2027 halten kann.
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