Volkswagen Aktie: Bis zu 100.000 Jobs auf dem Prüfstand
Volkswagen plant massiven Stellenabbau von bis zu 100.000 Jobs. Der Aufsichtsrat blockiert das Sparpaket, während schwache Quartalszahlen den Druck erhöhen.
Kurz zusammengefasst
- Bis zu 100.000 Stellen gefährdet
- Aufsichtsrat stoppt Sparpaket
- Absatz in China bricht ein
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief
VW-Chef Oliver Blume hat der Belegschaft in einer internen Mitteilung eine Zahl genannt, die es in dieser Deutlichkeit bislang nicht gab: Bis zu 50.000 zusätzliche Stellen könnten weltweit wegfallen. Zusammen mit dem bereits 2024 vereinbarten Abbau von ebenfalls 50.000 Stellen in Deutschland ergäbe das ein Gesamtvolumen von bis zu 100.000 Jobs. Grund sei ein Gemeinkostennachteil von rund 20 Prozent gegenüber vergleichbaren Wettbewerbern, den der Konzern nicht länger tragen könne.
Besonders im Fokus stehen die Werke Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm. Nach Blumes Angaben verfügen sie für die 2030er-Jahre über keine wettbewerbsgerechte Auslastung mehr. Der Konzernchef betonte jedoch, er bevorzuge „intelligente Lösungen“ gegenüber Werksschließungen – etwa Partnerschaften außerhalb des klassischen Autogeschäfts, darunter auch im Rüstungsbereich. Berichten zufolge kursieren intern dennoch konkrete Schließungstermine für die vier Standorte, was den Ton der Auseinandersetzung zusätzlich verschärft.
Aufsichtsrat blockiert Sparpaket
Bei der Aufsichtsratssitzung am 9. Juli fand Blumes Zukunftsplan keine Mehrheit. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen stimmten dagegen, die nächste Sitzung ist erst für September angesetzt. Der Betriebsrat kritisiert offen die Kommunikationsstrategie des Vorstands und spricht von einem Vertrauensverlust gegenüber der Belegschaft. Rund 40.000 Beschäftigte an den fünf betroffenen Standorten warten nun auf Klarheit. Beim bereits laufenden Stellenabbau in Deutschland haben nach Konzernangaben 37.000 Beschäftigte Verträge zum sozialverträglichen Ausscheiden unterschrieben, 27.000 davon sollen bis Jahresende den Konzern verlassen. Zusätzlich sollen bis 2030 rund 5.000 Managementstellen entfallen.
Schwache Geschäftszahlen erhöhen den Druck
Die operative Lage liefert wenig Argumente gegen den Sparkurs. Im zweiten Quartal 2026 lieferte Volkswagen weltweit 2,08 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 9 Prozent. In China brach der Absatz um 34 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge ein. Im ersten Quartal 2026 war der Nettogewinn bereits um 28 Prozent eingebrochen, der Umsatz sank um 2,5 Prozent. Hinzu kommen US-Zölle, die den Konzern nach eigenen Angaben mit bis zu 5 Milliarden Euro jährlich belasten, sowie eine europäische Überkapazität von schätzungsweise 500.000 Einheiten.
Blume räumte intern ein, die Fahrzeuge des Konzerns seien zwar beliebt, aber nicht profitabel genug. Die Modellpalette soll deshalb um bis zu 50 Prozent schrumpfen, die Ausstattungsoptionen der verbleibenden Modelle um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Die Produktionskapazität soll auf 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr sinken. Einen Lichtblick bietet die neue E-Auto-Familie ID.Polo, die binnen vier Wochen mehr als 50.000 Bestellungen verzeichnete. Zudem spülte der Verkauf der 51-Prozent-Beteiligung an Everllence 7,4 Milliarden Euro in die Kasse – bei aktuell mehr als 657.000 Beschäftigten weltweit ein finanzieller Puffer für den anstehenden Umbau.
Aktie nahe Jahrestief
Die Kurse spiegeln die angespannte Lage deutlich wider. Die Volkswagen-Vorzugsaktie notiert aktuell bei 71,30 Euro und legt damit im Tagesvergleich um 0,34 Prozent zu, nach einem Schlusskurs von 71,06 Euro am Freitag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 5,49 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar von 19,80 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 32,80 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten summiert sich der Rückgang auf 22,87 Prozent.
Damit liegt die Aktie nur noch 3,03 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, erreicht am 1. Juli 2026, während der Abstand zum Jahreshoch von 109,10 Euro vom 15. Dezember 2025 bei 34,65 Prozent liegt. Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren einen intakten Abwärtstrend: Der Kurs notiert 14,97 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 83,85 Euro und 23,89 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 93,68 Euro. Der RSI von 31,1 deutet auf eine überverkaufte Situation hin, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 32,38 Prozent die Nervosität der Anleger angesichts des Machtkampfs um die Konzernzukunft unterstreicht.
Parallel zur VW-internen Auseinandersetzung mobilisiert die IG Metall Baden-Württemberg gegen Stellenabbau bei Mercedes-Benz, Porsche und Audi mit Autokorsos und Betriebsversammlungen in Sindelfingen – ein Hinweis darauf, dass der Sparkurs die gesamte deutsche Autoindustrie erfasst hat und nicht auf Wolfsburg beschränkt bleibt.
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