KNDS Aktie: EU-Prüfung am 3. Juni eröffnet

Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS hat letzte regulatorische Hürden für den geplanten Börsengang genommen und treibt parallel internationale Aufträge voran.

Felix Baarz ·
KNDS Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Compliance-Prüfung erfolgreich abgeschlossen
  • EU-Kommission startet Fusionskontrolle
  • Auftragsbestand auf 33,1 Milliarden Euro gestiegen
  • Gespräche über Autowerk-Übernahmen laufen

Europa wartet auf seinen größten Rüstungs-Börsengang seit Jahren. Bei KNDS, dem deutsch-französischen Panzerhersteller, fallen in dieser Woche gleich mehrere Weichen auf einmal — und das Zeitfenster für einen Sommer-IPO schließt sich.

Compliance-Hürde gefallen, EU-Prüfung läuft

Lange blockierte eine interne Untersuchung den Börsengang. PwC hatte die Jahresabschlüsse 2025 zunächst nicht testiert, weil die Kanzlei Freshfields noch einen Vertrag aus dem Jahr 2013 prüfte: ein Rüstungsgeschäft mit Katar über 24 Panzerhaubitzen und 62 Leopard-2-Panzer im Wert von rund 1,89 Milliarden Euro — mit Fokus auf Provisionszahlungen. Ende Mai 2026 hatte die Untersuchung weit genug Fortschritte gemacht, dass PwC die Zahlen freigab. Strafrechtliche Verstöße fand die Prüfung keine.

Am 3. Juni eröffnete die EU-Kommission ihre fusionskontrollrechtliche Prüfung der geplanten Eigentümerstruktur. Das ist Routine, aber ein notwendiger Schritt. Mit dem Compliance-Segen und dem laufenden EU-Verfahren sind die letzten regulatorischen Hindernisse aus dem Weg geräumt. Banken peilen nun Juni oder Juli als Starttermin an, September gilt als Rückfalloption.

US Army, Kanada, Großbritannien — Aufträge auf drei Kontinenten

Parallel zur IPO-Vorbereitung baut KNDS seine internationale Auftragslage aus. Am 3. Juni meldete American Rheinmetall, dass die RCH 155 — eine vollautomatische 155-mm-Panzerhaubitze mit einer Reichweite von bis zu 54 Kilometern — als Lösung für das Mobile Tactical Cannon-Programm der US Army vorgeschlagen wurde. Kein Vertrag, aber ein klares Signal: KNDS steht im Modernisierungsprogramm des Pentagons.

Auf der Rüstungsmesse CANSEC 2026 in Ottawa präsentierte General Dynamics Land Systems Canada den Grizzly LAV 155mm — ein Fahrzeug, das den RCH-155-Turm von KNDS auf einem LAV-6.0-Fahrgestell trägt. Kanada sucht neue Artilleriesysteme. Auch hier ist noch kein Vertrag unterzeichnet.

Gesichert ist dagegen der britische Auftrag: Im Mai unterzeichnete London einen Vertrag über 72 RCH-155-Haubitzen für knapp eine Milliarde Pfund. Abgewickelt wird er über das Beschaffungsamt OCCAR, ausgeführt durch ARTEC — das Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall.

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Autopflanzen werden Rüstungsfabriken

KNDS braucht mehr Produktionskapazität. CEO Jean-Paul Alary bestätigte am 26. Mai Gespräche mit Volkswagen und Mercedes-Benz über die Übernahme von Werken in Osnabrück und Ludwigsfelde. In Ludwigsfelde bei Berlin plant KNDS eine Übergangslösung: Auf einer Linie rollen weiter Sprinter-Transporter vom Band, auf der anderen sollen Boxer-Schützenpanzer entstehen.

In Osnabrück wird es komplizierter. Rafael Advanced Defense Systems aus Israel hat bereits eine Absichtserklärung für das VW-Werk unterzeichnet. Ein Bieterwettbewerb zeichnet sich ab.

Die Fabrikakquisitionen sind Teil eines rund eine Milliarde Euro schweren Investitionsprogramms. Treiber ist ein Auftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro — nach 23,5 Milliarden Ende 2024.

Starke Zahlen, enger Streubesitz

Die Finanzzahlen liefern das Fundament für die Bewertungsstory. Der Umsatz stieg 2025 um 15,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte auf 661 Millionen Euro, die EBIT-Marge verbesserte sich auf 15,0 Prozent. Alle drei Segmente wuchsen zweistellig, die Munitionssparte führte mit 24,7 Prozent. Für 2026 steuert das Management ein weiteres Umsatzwachstum von 20 Prozent an.

Die Bewertung haben die begleitenden Banken — Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale — von ursprünglich 25 Milliarden auf 18 bis 20 Milliarden Euro zurückgenommen. Der deutsche Staat übernimmt via KfW 40 Prozent zum IPO-Preis, soll den Anteil aber binnen zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent reduzieren. Frankreich hält ebenfalls rund 30 Prozent. Nur 20 Prozent des Kapitals kommen an die Börse — ein enger Streubesitz, der institutionelle Investoren zögern lassen könnte.

KNDS will rund 5 Milliarden Euro einsammeln. Ab dem dritten Quartal 2026 soll zudem ein neues Werk im norwegischen Levanger anlaufen, das bis zu 36 Leopard-2A8NO-Panzer pro Jahr fertigen kann. Ob der Börsengang noch vor der Sommerpause gelingt, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

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