BP Aktie: Raffineriemargen-Rückenwind!
Berenberg erhöht Kursziel und Gewinnprognosen; erwartete Abschreibungen und eine niedrigere Nettoverschuldung prägen den Ausblick auf BP.

Kurz zusammengefasst
- Berenberg setzt Kursziel auf 715p
- Gewinnschätzungen für 2026 steigen um 15 Prozent
- Abschreibungen von 3,0 bis 4,5 Milliarden Dollar erwartet
- Quartalszahlen erscheinen am 30. Oktober
Berenberg hat gestern das Kursziel für BP von 650p auf 715p angehoben und zugleich die Gewinnschätzungen erhöht. Damit erhält die Erwartung eines stärkeren Ergebnisses zusätzliche Unterstützung. Für Anleger steht vor den Quartalszahlen allerdings nicht allein der operative Gewinn im Mittelpunkt: Erwartete Abschreibungen könnten den Fortschritt bei der Verschuldung überlagern.
Berenberg hebt die Erwartungen an
Die Analysten erhöhten ihre Gewinnschätzungen für 2026 um 15%. Die Anpassung betrifft damit nicht nur die Bewertung der Aktie, sondern auch die erwartete Ertragsbasis. Ob BP diese höheren Erwartungen erfüllt, müssen die angekündigten Ergebnisse zeigen.
Eine weitere Analystenaktion fiel vorsichtiger aus. TD Cowen erhöhte am Dienstag das Kursziel von 47 $ auf 49 $, behielt aber die Einstufung „Halten“ bei. Ein höheres Kursziel bedeutet in diesem Fall also keine Kaufempfehlung.
Die beiden Anpassungen weisen bei den Zielmarken in dieselbe Richtung. Unterschiedlich bleibt die Konsequenz für Anleger: Steigende Gewinnerwartungen und eine attraktivere Bewertung sind nicht automatisch gleichbedeutend mit einer uneingeschränkt positiven Anlageeinschätzung.
Operativer Rückenwind trifft auf Abschreibungen
Reuters berichtete gestern, dass BP, Shell und TotalEnergies für das dritte Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr drei- bis viermal so hohe Raffineriemargen erwarteten. Das stützt die Aussicht auf einen stärkeren Ergebnisbeitrag dieses Geschäfts.
Für BP nannte Reuters eine Analystenschätzung von mehr als 7 Milliarden $ bereinigtem Gewinn. Im Vorquartal waren es 5,7 Milliarden $. Dabei handelt es sich um eine Erwartung und noch nicht um ein gemeldetes Ergebnis.
BP selbst hatte in seiner Handelsmitteilung vor gut einer Woche einen erheblichen Ergebnisbeitrag aus höheren realisierten Raffineriemargen in Aussicht gestellt. Dem steht jedoch eine Belastung gegenüber, die bei der Bewertung des Quartals nicht untergehen darf.
Das Unternehmen erwartete Abschreibungen nach Steuern von 3,0 bis 4,5 Milliarden $, hauptsächlich im Gasgeschäft und bei kohlenstoffarmen Aktivitäten. Ein besseres operatives Geschäft und Wertberichtigungen können somit gleichzeitig das Zahlenbild prägen.
Schuldenprognose als zweiter Prüfstein
Neben dem Gewinn rückt die Bilanz in den Fokus. BP prognostizierte vor gut einer Woche eine Nettoverschuldung von 13,5 bis 14,5 Milliarden $, nach 22,3 Milliarden $ zum Ende des Vorquartals. Die erwartete Entlastung wäre damit ein eigenständiger Fortschritt neben der operativen Entwicklung.
Für die Einordnung müssen Anleger diese Ebenen auseinanderhalten: Höhere Raffinerieerträge betreffen die Ertragskraft, Abschreibungen die Bewertung von Vermögenswerten und die Nettoverschuldung die Bilanz.
BP will die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 am 30. Oktober veröffentlichen. Entscheidend wird dann, ob der operative Gewinn die gestiegenen Erwartungen trägt und die angekündigte Bilanzentlastung eintritt. Die Kurszielanhebung von Berenberg setzt dafür einen höheren Maßstab.
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