Kioxia Aktie: Neun Hebel-ETFs vor US-Start
Kursverfall von über 46 Prozent in 30 Tagen. Geplante US-Hebel-ETFs und der Ausstieg von Bain Capital verunsichern Anleger trotz operativer Rekordzahlen.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert über acht Prozent an einem Tag
- Neun gehebelte ETFs beantragen US-Zulassung
- Bain Capital verkauft komplette Beteiligung
- Quartalszahlen am Freitag mit Spannung erwartet
Kioxia gerät zum Wochenauftakt massiv unter Druck. Die Aktie des japanischen NAND-Flash-Herstellers notiert bei 269,50 Euro und verliert allein am heutigen Montag 8,33 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kursverfall auf 46,21 Prozent summiert – ein Tempo, das selbst für ein Papier mit der aktuellen Volatilität von fast 165 Prozent auf Jahressicht ungewöhnlich ist. Ausgelöst wird die jüngste Talfahrt durch eine Mischung aus fallenden NAND-Spotpreisen, Zweifeln an der Nachhaltigkeit der KI-Investitionswelle und einer neuen Unsicherheit um gehebelte Wetten auf die Aktie.
Neun Hebel-ETFs stehen vor dem US-Start
Mindestens neun gehebelte Kioxia-ETFs mit zwei- und inversem Zwei-Fach-Hebel haben Anfang der Woche einen Zulassungsantrag bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Als Emittenten treten Tuttle Capital, GraniteShares und Corgi Strategies auf. Tuttle Capital plant den Start seines Produkts bereits für August, wie das Unternehmen mitteilte. Damit würde Kioxia laut Berichten des Seoul Economic Daily zum ersten japanischen Unternehmen, für das in den USA Einzelaktien-Hebelprodukte gelistet werden – ein Konstrukt, das in Japan selbst wegen des dortigen Verbots solcher Fonds gar nicht möglich wäre.
Die Aktie hat seit ihrem Zwischenhoch von 112.700 Yen am 22. Juni bereits gut die Hälfte ihres Wertes eingebüßt und lag zuletzt bei rund 54.550 Yen im Tokioter Handel. Bloomberg warnte laut einem Bericht der Zeitung Maeil Business Newspaper, die neuen US-Hebelprodukte könnten eine ähnliche Volatilitätsspirale auslösen wie zuvor in Südkorea. Dort hatten Einzelaktien-Hebel-ETFs auf Samsung Electronics und SK Hynix die annualisierte Schwankungsbreite des koreanischen Leitindex zeitweise auf über 75 Prozent getrieben, bevor die Aufsicht neue Zulassungen stoppte und die Mindesteinlage für Hebelhandel ab dem 31. Juli auf 30 Millionen Won anhob. Andrew Jackson von Ortus Advisors warnte, solche Produkte würden Märkte verzerren und die ohnehin fiebrige KI-Aktienrally zusätzlich anheizen. Der Chef von Tuttle Capital sieht das naturgemäß anders und bezeichnet Japan als nächsten Wachstumsmarkt für seine Hebelprodukte – neben Kioxia sollen auch SoftBank und Nintendo folgen.
Aktionärswechsel: Bain raus, SK Hynix rückt vor
Parallel zur ETF-Debatte vollzieht sich bei Kioxia ein stiller Machtwechsel im Aktionärskreis. Bain Capital hat seine Beteiligung vollständig abgestoßen und dabei rund 2,5 Billionen Yen eingenommen – nach Angaben von Bitget News die größte Fondsrückführung in der japanischen Geschichte. Toshiba ist damit mit 15 Prozent wieder größter Anteilseigner. Zum zweitgrößten Aktionär rückt still SK Hynix auf, das über Wandelanleihen einen wirtschaftlichen Anteil von etwa 14 Prozent hält. Eine tatsächliche Umwandlung in Stammaktien benötigt jedoch noch die Zustimmung der Kartellbehörden und stößt auf Vorbehalte japanischer Stellen.
Für SK Hynix selbst hat das Engagement finanzielle Dimensionen: Der koreanische Speicherchip-Konzern rechnet für das zweite Quartal mit einem Vorsteuergewinn von nahezu 100 Billionen Won, in dem auch Bewertungsgewinne aus der Kioxia-Beteiligung von rund 40 Billionen Won enthalten sein sollen. Der Bain-Ausstieg fällt damit in eine Phase, in der Kioxia trotz des Kurseinbruchs operativ auf Rekordkurs bleibt: Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres wurde ein Umsatz von 1.002,9 Milliarden Yen gemeldet, ein Plus von 189 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während der operative Gewinn um das Fünfzehnfache zulegte. Für das zweite Quartal stellte das Unternehmen einen Rekordumsatz von rund 1,75 Billionen Yen in Aussicht, ein Anstieg von 410 Prozent im Jahresvergleich.
Zahlen am Freitag im Fokus
Anleger richten den Blick nun auf die Quartalszahlen, die Kioxia am Freitag dieser Woche vorlegen will – einen Tag nach den Ergebnissen von Advantest. Analysten trauen der Aktie auf Zwölfmonatssicht ein Kursziel von 116.768,75 Yen zu, was einem Aufschlag von rund 110 Prozent auf das zuletzt in Tokio gehandelte Niveau entspräche. Wie belastbar solche Prognosen angesichts der aktuellen Marktnervosität sind, dürfte sich erst zeigen, wenn die anstehenden Zahlen und der Umgang der US-Aufsicht mit den geplanten Hebelprodukten mehr Klarheit schaffen. Bis dahin bleibt die Kioxia-Aktie ein Papier, dessen Kursausschläge kaum noch etwas mit dem operativen Geschäft allein zu tun haben.
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