NVIDIA liefert 81,6 Milliarden Umsatz — und die Fed spricht von Zinserhöhungen

NVIDIA meldet 81,6 Mrd. USD Umsatz, SpaceX bereitet Mega-IPO vor. Steigende Zinsen und Rekordrenditen belasten die Tech-Rally.

Eduard Altmann ·
NVIDIA liefert 81,6 Milliarden Umsatz — und die Fed spricht von Zinserhöhungen

Kurz zusammengefasst

  • NVIDIA mit 85 Prozent Umsatzplus
  • SpaceX IPO mit 75 Milliarden Volumen
  • Fed warnt vor möglichen Zinserhöhungen
  • Rekordrenditen bei US-Staatsanleihen

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schloss ich mit drei offenen Fragen für die kommende Woche. Eine davon — hält die DAX-Rally, wenn die Konjunkturdaten nicht nachziehen? — hat inzwischen eine vorläufige Antwort: Die Rally hält, aber sie wird nicht von der Konjunktur getragen, sondern von Investitionsausgaben. NVIDIA meldet Rekordumsatz, SpaceX reicht seinen S-1 ein, Micron startet eine neue Chipfabrik. Gleichzeitig warnt Fed-Gouverneur Christopher Waller vor möglichen Zinserhöhungen, und dreißigjährige US-Treasuries rentieren bei 5,08 Prozent. Die Woche bis zum 23. Mai liefert damit ein klares Bild: Der Capex-Zyklus in KI und Halbleitern zieht Kapital an. Die Frage ist, ob die Finanzierungskosten ihn einholen.

SpaceX: 75 Milliarden Dollar Emissionsvolumen, 2,5 Milliarden Verlust im AI-Segment

SpaceX hat mit seiner S-1-Einreichung bei der SEC die wohl größte Börsenstory des Jahres eröffnet. Das geplante Nasdaq-Listing unter dem Ticker SPCX soll ein Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar erreichen; Bewertungen liegen zwischen 1,5 Billionen und 2 Billionen Dollar. Als möglicher Termin wird der 12. Juni 2026 genannt. Elon Musk kontrolliert 85 Prozent der Stimmrechte.

Die S-1-Zahlen zeigen ein Unternehmen mit starkem Kern und teurer Peripherie. 2025 erzielte SpaceX 18,674 Milliarden Dollar Umsatz bei 2,589 Milliarden Dollar Betriebsverlust; das bereinigte EBITDA lag bei 6,584 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026: 4,694 Milliarden Dollar Umsatz, 1,943 Milliarden Dollar Betriebsverlust, 1,127 Milliarden Dollar bereinigtes EBITDA. Die tragende Säule ist Starlink mit 3,26 Milliarden Dollar Quartalsumsatz, 10,3 Millionen Abonnenten und 1,19 Milliarden Dollar Betriebsgewinn — 69 Prozent des Konzernumsatzes. Das Raumfahrtgeschäft kam auf 619 Millionen Dollar Umsatz bei 662 Millionen Dollar Betriebsverlust. Das AI-Segment nach xAI-Integration verbuchte 818 Millionen Dollar Umsatz und 2,469 Milliarden Dollar Betriebsverlust.

Operativ lieferte der Freitag einen zusätzlichen Datenpunkt: Der zwölfte Testflug der Starship V3 gelang. Die 124 Meter hohe Rakete setzte 20 Mock-Starlink-Satelliten aus und landete nach rund einer Stunde im Indischen Ozean. Die NASA will Starship für Artemis-Mondlandungen einsetzen — ein erfolgreicher Test reduziert vor dem IPO ein zentrales Projektrisiko.

Die Kehrseite betrifft den Gesamtmarkt. Bloomberg-Analyst Rob Du Boff schätzt, dass S&P-500-Indexfonds bei schneller Aufnahme 19 Prozent des SpaceX-Free-Floats innerhalb von sechs Monaten kaufen müssten. JPMorgan rechnet in einem Szenario mit 50 Prozent Free Float und 2 Billionen Dollar Bewertung einen möglichen Verkaufsbedarf passiver Fonds von rund 950 Milliarden Dollar in anderen Tech-Werten — darunter NVIDIA, Apple, Microsoft, Amazon, Google, Broadcom, Meta und Tesla. Ein Mega-IPO schafft nicht nur Kapitalzufluss, sondern auch Umschichtungsdruck.

NVIDIA: 85 Prozent Umsatzwachstum und der Griff nach dem CPU-Markt

NVIDIA lieferte für das Quartal bis 26. April 2026 den erwarteten Rekord: 81,6 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 85 Prozent. Aus dem Data-Center-Segment kamen 75,2 Milliarden Dollar, also 92 Prozent des Gesamtumsatzes. Der Konzern kündigte einen Aktienrückkauf über 80 Milliarden Dollar an und hob die Quartalsdividende von 0,01 auf 0,25 Dollar je Aktie.

CEO Jensen Huang treibt die Expansion über GPUs hinaus voran. Seine Prognose für einen globalen CPU-Markt von 200 Milliarden Dollar schließt China ausdrücklich ein. Die neue Vera-Rubin-Plattform soll einen zusätzlichen adressierbaren Markt erschließen; NVIDIA erwartet für dieses Jahr 20 Milliarden Dollar eigenständigen CPU-Umsatz. Die USA haben etwa zehn chinesischen Firmen den Kauf von NVIDIA-H200-Chips genehmigt, die chinesische Genehmigung steht noch aus. In Taiwan traf Huang TSMC, um Lieferketten für KI-Chips abzusichern.

Für deutsche Anleger verschiebt sich der Blick: Die KI-Investitionswelle bleibt nicht auf Chipwerte begrenzt. Siemens Energy profitiert vom steigenden Strombedarf durch Rechenzentren und Netzausbau — mit zuletzt besseren Zahlen und angehobenem Ausblick. Die Wertschöpfungskette reicht längst von Halbleitern über Energieinfrastruktur bis zu Kühlsystemen.

Halbleiter-Capex: 149 Milliarden Dollar Equipment-Ausgaben in 2026

Der Investitionszyklus zeigt sich besonders deutlich bei Speicher und Equipment. Micron startete am Freitag in Manassas, Virginia, die Produktion von 1-alpha-DRAM — eine Investition von 2 Milliarden Dollar, unterstützt durch 275 Millionen Dollar aus dem CHIPS Act. Die Erweiterung soll den DDR4-Wafer-Output vervierfachen und Engpässe in Automobil- und Verteidigungssektoren lindern. S&P Global Mobility erwartet für Automotive-DRAM 2026 einen Preisanstieg von 70 bis 100 Prozent gegenüber 2025; die Lagerbestände in Automobil und Industrie sind von über 31 Wochen auf 6 bis 8 Wochen geschrumpft.

Morgan Stanley stufte Lam Research am Freitag auf „Overweight“ hoch und erhöhte das Kursziel von 293 auf 331 Dollar. Die Prognose für globale Wafer-Fab-Equipment-Ausgaben: 149 Milliarden Dollar für 2026, 191 Milliarden Dollar für 2027, 215 Milliarden Dollar für 2028. NAND-WFE soll 2027 um 52 Prozent wachsen; für Lam modelliert Morgan Stanley 59 Prozent NAND-Systemwachstum im selben Jahr.

Intel Foundry meldet Fortschritte bei Panther Lake und Wildcat Lake auf dem 18A-Knoten. Der 14A-Knoten soll 2028 in Risikoproduktion und 2029 in die Hochvolumenfertigung gehen; Tesla wurde als Großkunde für 14A genannt. Die Produktionslandschaft bleibt in Bewegung — mit Chancen für Ausrüster, aber auch mit Bewertungen, die bereits viel vorwegnehmen.

Fed-Wechsel und 5,08 Prozent am langen Ende

Der geldpolitische Hintergrund passt nicht zur Rally-Stimmung. Kevin Warsh übernahm am Donnerstag den Fed-Vorsitz von Jerome Powell. Am Freitag warnte Fed-Gouverneur Waller, Zinserhöhungen seien nicht auszuschließen, falls die Inflation nicht bald nachlasse. Als Risikofaktor nannte er auch den Iran-Krieg.

Die Renditen am US-Anleihemarkt: Zweijährige Treasuries bei 4,08 Prozent, zehnjährige bei 4,55 Prozent, dreißigjährige bei 5,08 Prozent — das höchste Niveau seit den 1980er-Jahren. Das CME FedWatch Tool preist eine 43-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember ein. Beim nächsten FOMC-Treffen am 16. und 17. Juni wird derzeit eine Zinspause erwartet. Für Wachstumswerte, Immobilien und hoch bewertete Tech-Aktien bleibt das ein konkreter Belastungsfaktor.

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Der Iran-Krieg als explizit genannter Risikofaktor der Fed verdeutlicht, wie eng Geopolitik und Energieversorgung derzeit verknüpft sind — und welche Folgen das für Anlegerportfolios haben kann. Genau diesem Zusammenhang widmet sich Jörg Mahnert in seinem Live-Webinar „Vom Blackout zum Profit: So trotzen Sie dem globalen Energieschock“, das morgen um 11:00 Uhr stattfindet. Mahnert analysiert darin, welche drei Aktien aus dem Energiesektor auch in einem Szenario steigender Versorgungsrisiken im Nahen Osten stabile Erträge liefern und von der Krise profitieren könnten. Sie erfahren konkret, wie Sie Ihr Depot gegen einen möglichen Energieschock absichern und gleichzeitig von den Gewinnern dieser Entwicklung profitieren können. Das Webinar ist kostenlos und findet morgen, Montag, um 11:00 Uhr live statt. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Deutschland: 0,3 Prozent Wachstum, 22 Milliarden weniger Einkommensteuer

In Deutschland wuchs das BIP im ersten Quartal um 0,3 Prozent. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 84,5 auf 84,9 Punkte. Gleichzeitig sank der Wohnungsbau auf 206.600 Einheiten — den niedrigsten Stand seit 2012. Die Koalition aus Union und SPD diskutiert eine Steuerreform, die den Einkommensteuerertrag um 22 bis 28 Milliarden Euro pro Jahr senken würde. Entlastungen für Durchschnittsverdiener stehen im Mittelpunkt; die Gegenfinanzierung ist offen.

Im Raum stehen Mehrwertsteueroptionen: Eine Erhöhung des regulären Satzes um 2 Prozentpunkte auf 21 Prozent könnte 31 Milliarden Euro zusätzlich bringen. Eine Senkung oder Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel würde rund 15 Milliarden Euro kosten. Für Anleger ist beides relevant: Steuerpolitik beeinflusst Konsum, Inflation und Staatsfinanzen — und damit die Spielräume für Konjunkturprogramme.

Was bleibt

Der DAX schloss die Woche bei rund 24.800 Punkten, der S&P 500 über 7.468, der Nasdaq-100 über 29.600 Punkten. Die Rally wird von konkreten Investitionsausgaben getragen — nicht von Konjunkturhoffnung. NVIDIA liefert Rekordzahlen, SpaceX bereitet das größte IPO seit Jahren vor, die Halbleiter-Equipment-Prognosen steigen. Auf der anderen Seite stehen dreißigjährige US-Renditen über 5 Prozent und eine Fed, die Zinserhöhungen nicht mehr ausschließt.

Die entscheidende Frage für die kommenden Wochen ist nicht, ob der Capex-Zyklus real ist — das belegen die Zahlen. Die Frage ist, ob Unternehmen, die Milliarden in Rechenzentren, Speicherfabriken und Raketeninfrastruktur stecken, schnell genug Cashflow generieren, um steigende Finanzierungskosten zu verkraften. SpaceX-IPO-News, die Fed-Kommunikation vor dem Juni-Treffen und die nächsten Signale aus dem Speicherchip-Markt werden darüber Auskunft geben.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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