Oracle Aktie: Neues 52-Wochen-Tief bei 102,10 Euro
Oracles Aktie fällt auf ein neues Jahrestief, während Kreditausfallversicherungen Rekordniveaus erreichen und Analysten die hohen KI-Investitionen kritisieren.

Kurz zusammengefasst
- Aktie erreicht neues 52-Wochen-Tief
- Kreditausfallversicherungen auf Rekordhoch
- Milliarden-Deal mit Pentagon ohne Kurswirkung
- RSI signalisiert überverkaufte Aktie
Ein Auftrag über sieben Milliarden Dollar vom US-Verteidigungsministerium. Und trotzdem fällt die Aktie auf ein neues Jahrestief. Bei Oracle klafft gerade eine Lücke zwischen operativen Erfolgen und wachsendem Misstrauen der Kreditmärkte.
Die Aktie fiel am Freitag auf 102,10 Euro – ein neues 52-Wochen-Tief. Aktuell notiert das Papier bei 102,94 Euro, ein Tagesminus von 2,48 Prozent. Zum Rekordhoch von 280,70 Euro aus dem September 2025 fehlen mittlerweile mehr als 60 Prozent.
Kreditausfallversicherungen auf Rekordniveau
Am 24. Juli erreichten die Kosten für die Absicherung von Oracle-Anleihen ein historisches Hoch. Die fünfjährigen Credit Default Swaps kletterten auf rund 203 Basispunkte. Das ist eine Vervierfachung seit Mitte 2025 und übertrifft damit sogar Niveaus aus der Finanzkrise 2008.
Diesem Anstieg ging eine Serie von Rating-Anpassungen voraus. Anfang Juli stufte S&P Global Ratings die langfristige Kreditwürdigkeit von Oracle auf BBB- herab. Das ist nur eine Stufe über Ramschstatus.
Analysten sehen die Ursache in den massiven Investitionen für KI-Infrastruktur. Im Geschäftsjahr 2026 gab Oracle dafür rund 55,66 Milliarden Dollar aus. Diese Ausgaben drücken den freien Cashflow ins Negative und lassen die Verbindlichkeiten wachsen.
Größtes Sicherheitsupdate der Firmengeschichte
Zur Kreditsorge gesellt sich ein technisches Problem. Oracle veröffentlichte im Juli sein bislang umfangreichstes Critical Patch Update. Insgesamt schließt der Konzern damit 1.449 neue Sicherheitslücken in 32 Produktfamilien – darunter die Flaggschiff-Datenbank und die Fusion Middleware.
Besonders betroffen war Fusion Middleware mit 355 Patches. Zehn Schwachstellen erreichten dabei die höchstmögliche Bewertung von 10,0 auf der CVSS-Skala. Für Unternehmen, die noch mit On-Premises-Software arbeiten, bedeutet das erheblichen zusätzlichen Wartungsaufwand – ausgerechnet in einer Phase, in der Oracle den Wechsel in die Cloud forciert.
Verteidigungsdeal ohne Wirkung auf den Kurs
Erst am Donnerstagabend hatte Oracle einen zehnjährigen Rahmenvertrag mit dem US-Verteidigungsministerium bekannt gegeben. Verhandelt über die Marine, bündelt die Vereinbarung bisher fragmentierte Softwarekäufe in einem einzigen Rahmenwerk. Der Auftragswert liegt bei bis zu 6,99 Milliarden Dollar, mit einer garantierten Basis von 3,31 Milliarden Dollar für die ersten fünf Jahre.
Der Deal konnte den Abwärtstrend nicht stoppen. Einen Tag später markierte die Aktie ihr neues Jahrestief.
Charttechnik zeigt überverkauftes Signal
Das technische Bild bleibt angespannt. Der Kurs liegt 30,48 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 148,07 Euro und noch deutlicher unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 28,4 signalisiert eine überverkaufte Aktie.
Trotz des Rekord-Auftragsbestands aus dem Verteidigungsgeschäft bleiben Investoren skeptisch, was die Finanzierung der KI-Expansion angeht. Oracle hatte bereits signalisiert, zusätzliches Kapital über Fremd- und Eigenkapital aufnehmen zu wollen – darunter ein mögliches Aktienprogramm über bis zu 20 Milliarden Dollar. Die Kapitalintensität des KI-Ausbaus bleibt damit der zentrale Streitpunkt zwischen langfristigem Wachstum und kurzfristiger Bilanzstabilität.
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