Commerzbank Aktie: Weidmann lädt Orcel ein
Commerzbank-Chefaufseher Weidmann gibt Blockadehaltung auf und signalisiert Verhandlungsbereitschaft mit UniCredit. Aktie steigt deutlich.

Kurz zusammengefasst
- Aufsichtsratschef Weidmann gibt Widerstand auf
- Einladung an UniCredit zu Verhandlungen
- Aktie legt um über zwei Prozent zu
- Quartalszahlen am 6. August erwartet
Monatelang hat sich die Commerzbank gegen UniCredit gewehrt. Am Wochenende ist dieser Widerstand gebrochen. Aufsichtsratschef Jens Weidmann lädt UniCredit-Chef Andrea Orcel jetzt öffentlich zu Verhandlungen ein.
Der Markt reagiert prompt. Am Montag steigt die Aktie um 2,23 Prozent und schließt bei 37,52 Euro. Anleger preisen eine Übernahmeprämie ein.
Weidmann räumt die Machtverhältnisse ein
Weidmann macht in seiner Erklärung eine klare Ansage. Die Mehrheitsverhältnisse für die kommende Hauptversammlung seien angesichts der UniCredit-Beteiligung von knapp 48 bis 50 Prozent bereits entschieden. Statt weiter zu blockieren, will der Aufsichtsratschef jetzt Bedingungen aushandeln.
Im Zentrum stehen drei Punkte: Der Erhalt der rund 39.000 Arbeitsplätze, die Zukunft der Frankfurter Zentrale und Garantien für den deutschen Mittelstand. Diese Themen sollen die Basis für die weiteren Gespräche bilden.
Orcel reagiert im italienischen „Corriere della Sera“ positiv auf die Signale aus Frankfurt. Der UniCredit-Chef betont sein Ziel einer paneuropäischen Großbank und zeigt sich kompromissbereit bei den Sorgen der deutschen Seite. Marktteilnehmer werten diesen Ton als Hinweis darauf, dass eine Einigung noch vor Jahresende möglich ist.
Die Bewertung wird eng
Mit 37,52 Euro nähert sich die Aktie ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro. Der Abstand beträgt nur noch gut 4 Prozent. JPMorgan hatte die Einstufung erst kürzlich bei „Neutral“ belassen und ein Kursziel von 37 Euro ausgegeben — die Commerzbank notiert damit bereits über dieser Marke.
Die Analysten sehen die Rally vor allem durch Übernahmefantasien getrieben. Die fundamentale Bewertung der eigenständigen Strategie „Momentum 2030“ sei dagegen bereits weitgehend eingepreist. Die Volatilität von rund 29 Prozent zeigt: Die Nervosität unter Anlegern bleibt hoch.
Quartalszahlen und Aufsichtsentscheidung stehen an
Am 6. August legt die Commerzbank ihren Bericht zum zweiten Quartal vor. Anleger wollen dabei wissen, wie stabil das Institut im aktuellen Zinsumfeld dasteht. Die EZB hat ihren Einlagensatz zuletzt bei 2,25 Prozent belassen, was den Zinsüberschuss der Banken weiter stützt.
Parallel dazu prüft die Europäische Zentralbank den Antrag von UniCredit, ihre Beteiligung offiziell über die 50-Prozent-Schwelle zu heben. Eine Entscheidung der Aufsichtsbehörden wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. Bis dahin dürften die Verhandlungen zwischen Frankfurt und Mailand über die konkreten Übernahmebedingungen den Kurs der Aktie bestimmen.
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