ServiceNow Aktie: 3,877 Milliarden Subscription-Umsatz
ServiceNow übertrifft mit KI-Umsatz die Prognosen, kappt aber 1.000 Stellen. Analysten reagieren gespalten auf die jüngsten Entwicklungen.

Kurz zusammengefasst
- KI-Umsatz übertrifft Milliardenmarke
- Stellenabbau von rund 1.000 Mitarbeitern
- Goldman Sachs streicht von Conviction List
- Kurszielanhebungen durch Evercore und Jefferies
Selten liegen Stärke und Skepsis bei ServiceNow so dicht beieinander wie in diesen Tagen. Auf der einen Seite ein Unternehmen, das mit seiner KI-Strategie messbare Erfolge einfährt. Auf der anderen Seite ein Aktienkurs, der heute um 1,80 Prozent nachgibt und damit von 102,70 Euro am Vortag auf 100,85 Euro zurückfällt. Für mich zeigt genau diese Diskrepanz, wie nervös der Markt gerade auf jede Nachricht aus Santa Clara reagiert – unabhängig davon, ob sie eigentlich positiv ist.
Das KI-Fundament trägt
Die Zahlen aus dem zweiten Quartal 2026 sprechen zunächst eine klare Sprache. ServiceNow meldete einen Subscription-Umsatz von 3,877 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 24,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit mehr, als das Unternehmen selbst in seiner vorherigen Prognose als oberes Ende angesetzt hatte. Die Erneuerungsrate liegt bei 98 Prozent, die kurzfristigen Auftragsbestände (cRPO) wuchsen währungsbereinigt um 22 Prozent auf 13,2 Milliarden US-Dollar. Auf dieser Basis hob das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 15,760 bis 15,780 Milliarden US-Dollar an. Dass zugleich der annualisierte Vertragswert im KI-Geschäft die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschritten hat, unterstreicht, wie schnell sich das Geschäftsmodell in Richtung Künstlicher Intelligenz verschiebt. Für mich ist das der eigentliche Beleg dafür, dass ServiceNow keine reine Buzzword-Story verkauft, sondern zahlende Kunden für seine KI-Agenten gewinnt.
Sicherheits-Offensive trifft auf Stellenabbau
Parallel zu den Zahlen hat ServiceNow seine Sicherheitssparte massiv ausgebaut. Am Mittwoch stellte das Unternehmen die Suite „Autonomous Security“ samt einem AI Center for Cyber Defense vor, tags zuvor bereits sechs KI-native Sicherheitslösungen, darunter Agentic Exposure Management und Non-Human Identity Remediation. Beide Produktlinien bauen auf den zugekauften Technologien von Armis und Veza auf. Ergänzt wurde das Ganze am Dienstag um „Autonomous Remediation Agents“ und „AI Agent Access Security“ im Rahmen der „Shift Zero“-Strategie, die Schwachstellen-Triage und Patching automatisieren soll. Auch vertrieblich zieht das Unternehmen nach: Ein Distributionsvertrag mit Exclusive Networks soll die KI-gestützten Cybersicherheitslösungen künftig in Europa und im Nahen Osten verbreiten.
Doch dieselbe Integrationswelle aus Armis-, Veza- und Moveworks-Übernahmen hat einen Preis. ServiceNow bestätigte am Montag Pläne, die Belegschaft um rund 1.000 Stellen beziehungsweise etwa 3 Prozent zu verkleinern, um die Organisation neu zuzuschneiden. Bereits Ende Juli waren Kündigungen für 287 Stellen an den Standorten Santa Clara und San Diego eingereicht worden, wirksam Ende September. Dass ein derart schnell wachsendes Unternehmen gleichzeitig Personal abbaut, lässt sich technisch als Effizienzmaßnahme erklären – ich lese es aber auch als Signal, dass die Integrationskosten der jüngsten Zukäufe höher ausfallen als ursprünglich kalkuliert. Ergänzend berief das Unternehmen Simon Mouyal zum neuen Chief Marketing Officer, ein Personalwechsel, der die Neuausrichtung der Vermarktung untermauert.
Analysten uneins über die richtige Einordnung
Die Reaktionen der Analysten fallen unterschiedlich aus. Goldman Sachs strich ServiceNow am Montag von seiner „US Conviction List“, beließ die Kaufempfehlung aber unverändert – begründet wurde der Schritt mit einer strategischen Umschichtung in breitere Marktsegmente, nicht mit Zweifeln am Geschäftsmodell selbst. Kurz nach den Quartalszahlen hatten Evercore ISI und Jefferies ihre Kursziele deutlich angehoben: Evercore auf 160 US-Dollar von zuvor 150 US-Dollar bei „Outperform“, Jefferies auf 140 US-Dollar von 135 US-Dollar bei „Buy“. Bereits im Mai hatte zudem Bank of America die Coverage mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 130 US-Dollar wieder aufgenommen, mit Verweis auf die Nachfrage nach KI-Governance-Lösungen – ein deutlich älteres Signal, das mit der jüngsten Rotationsbewegung von Goldman nichts zu tun hat.
Fazit
Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Argumente: Wachstumsraten, Erneuerungsquote und die Milliardenschwelle im KI-Geschäft sprechen für ein intaktes Geschäftsmodell. Der Stellenabbau und die Streichung von der Goldman-Liste zeigen aber, dass auch bei ServiceNow nicht alles reibungslos läuft und der Markt nach den starken Kursgewinnen der vergangenen 30 Tage – ein Plus von 6,92 Prozent – zunehmend nach Bestätigung verlangt. Die Story bleibt intakt, doch die Erwartungen sind hoch, und genau das macht die Aktie anfällig für kurzfristige Nervosität.
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