ABO WIND AG Aktie: Grundkapital halbiert

ABO Energy zeigt formell Kapitalverlust an und treibt Sanierung mit externen Beratern voran. Operativ laufen Projekte weiter, während die Aktie unter Druck bleibt.

Felix Baarz ·
ABO WIND AG Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Formelle Anzeige des Kapitalverlusts
  • Boston Consulting und Rothschild mandatiert
  • Anleihegläubiger unterstützen Sanierungskurs
  • Projektverkäufe sichern Liquidität

KGaA, ist der Ernst der Lage amtlich. Anfang Juli hat eine außerordentliche Hauptversammlung formell den Verlust der Hälfte des Grundkapitals nach § 92 Absatz 1 Aktiengesetz angezeigt. Das Grundkapital von rund 9,2 Millionen Euro steht einem für 2025 erwarteten Jahresfehlbetrag von etwa 170 Millionen Euro gegenüber, hinzu kommen weitere Wertberichtigungen. Eine solche Anzeige ist gesetzlich vorgeschrieben, sobald die Verluste diese Schwelle erreichen – sie ist damit weniger ein neues Alarmsignal als die formale Bestätigung einer seit Monaten bekannten Schieflage.

Hauptversammlung ohne Beschlüsse

Wie sich Mitte Juli herausstellte, wurden auf der außerordentlichen Versammlung keine Abstimmungen abgehalten. Das Management nutzte die Veranstaltung stattdessen, um Fragen der Anteilseigner zur Sanierungsfähigkeit des Unternehmens zu beantworten. Der geprüfte Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2025, der Klarheit über das tatsächliche Ausmaß der Belastungen bringen soll, wurde für das dritte Quartal 2026 angekündigt. Die ordentliche Hauptversammlung zum Geschäftsjahr 2025 folgt laut Unternehmenskalender erst im vierten Quartal. Aktionäre müssen sich damit auf weitere Monate der Unsicherheit einstellen, bevor belastbare Zahlen vorliegen.

Berater sollen Bilanz stabilisieren

Dass die Gesellschaft die Sanierung ernst nimmt, zeigt die Mandatierung externer Experten. Ende Juni engagierte ABO Energy die Boston Consulting Group, um die Eigenkapitalseite zu stärken, sowie Rothschild & Co als Finanzberater für die Verhandlungen mit den Finanzierungspartnern. Rückenwind kam bereits im März: Die Gläubiger der Anleihe 2024/2029 mit der ISIN DE000A3829F5 stimmten auf einer Versammlung mit einer Mehrheit von über 99 Prozent für den eingeschlagenen Sanierungskurs und akzeptierten dabei auch die Aussetzung bestimmter Negativverpflichtungen. Diese breite Unterstützung der Anleihegläubiger gilt als wichtige Voraussetzung dafür, dass die parallel laufenden Gespräche mit Banken und Beratern überhaupt Aussicht auf Erfolg haben.

An der operativen Ergebnisprognose ändert das bislang wenig. Bereits im Mai hatte das Management seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2026 nach unten korrigiert: Ein positives Konzernergebnis wird nicht mehr in Aussicht gestellt, eine Rückkehr zur Profitabilität auf EBITDA-Ebene ist frühestens für 2027 vorgesehen.

Operatives Geschäft läuft trotz Krise weiter

Während die Sanierungsverhandlungen die Schlagzeilen bestimmen, entwickelt sich das operative Projektgeschäft parallel weiter. Ende Juni erhielt ABO Energy in der Mai-Ausschreibung der Bundesnetzagentur Zuschläge für drei Onshore-Windprojekte in Deutschland mit einer Gesamtkapazität von 61,4 Megawatt. Die Standorte Ohlenbüttel, Hünxe und Willingen sollen zwischen Herbst 2027 und Herbst 2028 ans Netz gehen. Zeitgleich verkaufte das Unternehmen zwei fertige Projekte: Das Repowering-Vorhaben Marpingen im Saarland mit 12 Megawatt ging an Encavis, eine einzelne Windenergieanlage im hessischen Großenlüder mit 6,8 Megawatt übernahm KB Renewables. Solche Projektverkäufe verschaffen der angeschlagenen Gesellschaft zusätzliche Liquidität, während die Bilanzrestrukturierung noch offen ist.

Kurs bleibt unter Druck

Die Börse hat die Gemengelage aus bestätigtem Kapitalverlust und laufender Sanierung bislang mit anhaltendem Verkaufsdruck quittiert. Am Freitag schloss die Aktie bei 3,54 Euro, ein Rückgang von 2,21 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier gut acht Prozent an Wert verloren. Der Relative-Stärke-Index von 35,5 deutet auf eine bereits leicht überverkaufte Situation hin, ohne dass sich daraus eine Trendwende ableiten ließe. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei rund 33,6 Millionen Euro – ein Bruchteil des für 2025 erwarteten Jahresfehlbetrags von etwa 170 Millionen Euro, was das Ausmaß der bilanziellen Herausforderung verdeutlicht.

Für Anleger bleibt die Gemengelage schwer greifbar. Auf der einen Seite steht ein operatives Geschäft, das trotz der Krise weiter Zuschläge einwirbt und Projekte veräußert. Auf der anderen Seite steht eine Bilanz, deren tatsächliches Ausmaß erst mit dem geprüften Jahresabschluss im dritten Quartal 2026 vollständig sichtbar wird. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen Sanierungshoffnung und Verwässerungsrisiko schwanken.

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ABO WIND AG Aktie

3,55 EUR

– 0,08 EUR -2,21 %
KGV 1,39
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 33,15 Mio. EUR
ISIN: DE0005760029 WKN: 576002

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