PayPal Aktie: Venmo-Offensive?
LianLian Global kündigte neue Auszahlungsoptionen an; Analysten senkten PayPal und hoben zugleich ein Kursziel bei „Hold“ an.

Kurz zusammengefasst
- Auszahlungen in 96 Märkten angekündigt
- Venmo-Auszahlungen in den USA geplant
- Cleveland Research senkte PayPal-Einstufung
- Truist hob Kursziel bei „Hold“ an
PayPal erweitert seine Auszahlungswege, während die operative Umsetzung stärker in den Fokus rückt. LianLian Global kündigte am Donnerstag eine Partnerschaft an: Kunden sollen Auszahlungen an PayPal-Konten in 96 Märkten sowie an Venmo-Konten in den USA senden können. Der Ausbau steht neben Forderungen von Konzernchef Enrique Lores nach schnelleren Entscheidungen und klarerer Verantwortung.
Die Vereinbarung richtet sich an Kunden von LianLian Global aus dem Social Commerce, dem Marktplatzgeschäft und dem elektronischen Handel. Für PayPal verbindet sie die internationale Nutzung der eigenen Konten mit einem zusätzlichen Auszahlungsweg zu Venmo. Die angekündigte Reichweite ist allerdings nicht mit bereits realisierten Geschäftserträgen gleichzusetzen.
Mehr Reichweite, höhere Anforderungen an die Umsetzung
Medienberichten zufolge erklärte Lores am Dienstag auf der Money20/20, PayPal brauche weniger Führungsebenen und müsse Entscheidungen schneller treffen. Zugleich verlangte er eine klarere Zuordnung von Verantwortung. Das Unternehmen richte mehr Aufmerksamkeit und Investitionen auf Venmo und Braintree.
Damit betreffen die Aussagen nicht nur einzelne Produkte, sondern auch die Organisation. Die Partnerschaft mit LianLian Global passt zum stärkeren Augenmerk auf Venmo. Für Anleger bleibt dabei entscheidend, zwischen angekündigten zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten und einer nachgewiesenen Verbesserung des Geschäfts zu unterscheiden.
Auch bei neuen Handelsformen dämpfte Lores die kurzfristigen Erwartungen. Nennenswerte Umsätze aus dem Handel über KI-Agenten erwarte er erst 2028. Solche Anwendungen sind damit nach seiner Einschätzung kein unmittelbarer Ersatz für Fortschritte im bestehenden Geschäft.
Analysten setzen unterschiedliche Akzente
Cleveland Research stufte PayPal am 19. Oktober von „Neutral“ auf „Underperform“ herab. Das Analysehaus begründete den Schritt mit schwächeren erwarteten Quartalstrends, Marktanteilsverlusten und Preisdruck.
Diese Einschätzung setzt einen Gegenpunkt zum Ausbau der Auszahlungswege. Zusätzliche Reichweite allein beantwortet noch nicht die Frage, ob PayPal dem beschriebenen Wettbewerbsdruck ausreichend begegnen kann.
Am Freitag erhöhte Truist Securities dagegen das Kursziel von 53 $ auf 58 $. Matthew Coad behielt die Einstufung „Hold“ bei.
Das höhere Ziel ging somit nicht mit einer positiveren Empfehlung einher. Die beiden Analystenaktionen liefern kein einheitliches Signal: Einer Herabstufung steht eine angehobene Zielmarke bei unverändert abwartender Bewertung gegenüber.
PayPal hat die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 und die zugehörige Telefonkonferenz für den 27. Oktober angesetzt. Der Termin bietet den nächsten konkreten Anlass, die Geschäftsentwicklung an den unterschiedlichen Erwartungen zu messen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich der angekündigte Ausbau und der organisatorische Reformbedarf im operativen Geschäft niederschlagen.
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