Amazon Aktie: Cloud treibt, Handel bremst
AWS steigerte den Quartalsumsatz um 39 Prozent, während Werbung und Onlinehandel schwächer abschnitten und hohe Investitionen anstehen.

Kurz zusammengefasst
- AWS-Umsatz steigt auf 46 Milliarden Dollar
- Werbung wächst währungsbereinigt um 12 Prozent
- Amazon plant 220 Milliarden Dollar Investitionen
- BMO erhöht Kursziel auf 390 Dollar
Amazon liefert ein Quartal mit zwei Gesichtern. Die Cloud-Sparte wächst so schnell wie seit fast fünf Jahren nicht mehr, im Werbegeschäft und im Handel läuft es dagegen zäher. BMO Capital Markets bleibt dennoch bei „Outperform“, hebt das Kursziel von 380 auf 390 Dollar und kürt Amazon zum Top-Pick im Sektor E-Commerce.
AWS überzeugt, Werbung enttäuscht
Der Umsatz von Amazon Web Services stieg im dritten Quartal um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar. Das ist das schnellste Wachstum seit 19 Quartalen, die Markterwartung wurde um einen Prozentpunkt übertroffen. Der Auftragsbestand liegt bei 578 Milliarden Dollar und wächst dreistellig.
Das Management stellt für 2027 und 2028 ein AWS-Wachstum von über 40 Prozent in Aussicht. Langfristig sei ein Umsatz von einer Billion Dollar denkbar. Die KI-Erlöse legten dreistellig zu, das Token-Volumen der Plattform Bedrock stieg um das Siebzehnfache.
Die Werbung blieb dagegen hinter den Erwartungen zurück. Sie wuchs währungsbereinigt nur um 12 Prozent und verfehlte den Konsens um 6 Prozentpunkte. Als Grund gilt eine Verschiebung der Prime-Day-Termine im Kalender. Auch der Online-Handel legte nur um 2 Prozent zu, Drittanbieter-Dienste kamen auf 10 Prozent.
Unter dem Strich steht trotzdem eine Rekordmarge: Der operative Gewinn übertraf die Erwartungen um 7 Prozent, die operative Marge erreichte 13,9 Prozent.
Investitionen auf Rekordniveau
Der Preis für das Cloud-Wachstum ist hoch. Allein im dritten Quartal flossen 76 Milliarden Dollar in Investitionen, vor allem in AWS und KI-Infrastruktur.
Für das Gesamtjahr 2026 plant Amazon rund 220 Milliarden Dollar. BMO rechnet für 2027 und 2028 mit Ausgaben von 320 beziehungsweise 335 Milliarden Dollar.
Genau hier setzen Skeptiker an. Ein Börsenbrief verweist auf die Kostenprobleme bei KI-Agenten: Elon Musk hatte eingeräumt, dass die Betriebskosten seines Grok-Bots im Verhältnis zu den Einnahmen zu hoch seien. Der Autor sieht darin ein Warnsignal für den gesamten KI-Boom und hält Amazon, Meta und Microsoft für Short-Kandidaten. Er rechnet allerdings selbst mit kräftigen technischen Gegenbewegungen nach den jüngsten Kursverlusten.
Frische Ware in Deutschland
Abseits der Zahlen baut Amazon sein Lebensmittelgeschäft aus. In Teilen von Frankfurt, Köln und München liefert der Konzern jetzt frische und tiefgekühlte Produkte schnell aus. Der Online-Lebensmittelmarkt wächst schneller als der übrige Onlinehandel. Hohe Kosten für Kühlung und Zustellung sowie etablierte Lieferdienste begrenzen jedoch den Spielraum.
Die Rechnung für Anleger bleibt damit klar umrissen: BMO sieht bei 390 Dollar Potenzial, solange AWS die Wachstumsziele von über 40 Prozent hält und die Rekordausgaben sich in Cloud-Umsätzen niederschlagen.
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