Deutsche Telekom Aktie: VoLTE-Panne offenbart Sicherheitslücke

Eine VoLTE-Fehlkonfiguration belastet die Telekom, während starke Quartalszahlen, Polen-Expansion und eine angehobene Cashflow-Prognose stützen.

Andreas Sommer ·
Deutsche Telekom Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Fehlerhafte VoLTE-Konfiguration bei Testanrufen
  • Kepler Cheuvreux senkt Kursziel auf 32 Euro
  • Bereinigtes EBITDA AL übertrifft Konsens
  • Polen-Übernahme wartet auf Kartellfreigabe

Die Deutsche Telekom sieht sich mit einer technischen Panne konfrontiert, die das Vertrauen in ihre Netzsicherheit berührt. Medienberichten zufolge zeigten Testanrufe eine fehlerhafte VoLTE-Konfiguration, bei der teilweise IMEI-Nummern sowie Geräte- und Betriebssystemdaten übermittelt wurden.

Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Für einen Konzern, der Datenschutz und Netzintegrität als Kernversprechen an seine Kunden verkauft, ist das ein empfindlicher Punkt.

Kupfernetz-Umstellung läuft parallel

Zeitgleich treibt die Telekom den technischen Umbau ihres Festnetzes voran. Rund 1,3 Millionen Kupfer-Telefonanschlüsse werden auf „Call Connect via Funk“ umgestellt, also auf Telefonie über das Mobilfunknetz statt über die klassische Kupferleitung.

Die beiden Themen – Sicherheitslücke und Netzumstellung – fallen in dieselbe Woche und lenken den Blick auf die technische Seite des Geschäfts, während zuletzt vor allem Kapitalmarktthemen im Vordergrund standen.

Kursziel gesenkt

Auch von der Analystenseite kam zuletzt Gegenwind. Kepler Cheuvreux stufte die Aktie am Donnerstag von „Buy“ auf „Hold“ zurück und senkte das Kursziel von 35 auf 32 Euro. Die Herabstufung fällt in eine Phase, in der der Kurs nach dem starken Lauf der vergangenen Wochen etwas Federn gelassen hat.

Kursbild bleibt uneinheitlich

Der Aktienkurs notiert am Freitag bei 28,55 Euro und liegt damit 4,1 Prozent über dem Niveau von vor 30 Tagen. Auf Wochensicht steht dagegen ein Rückgang von 1,2 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 34,35 Euro, erreicht Ende Februar, ist das Papier weiterhin deutlich entfernt. Die Bewertung der Anleger scheint sich derzeit zwischen den starken operativen Zahlen und neuen Belastungsfaktoren wie der Sicherheitslücke einzupendeln.

Operatives Geschäft bleibt Fundament

Trotz der aktuellen Störmeldungen bleibt das operative Bild, das der Konzern zuletzt gezeichnet hat, robust. Im zweiten Quartal erreichte das bereinigte EBITDA AL 11,8 Milliarden Euro und übertraf damit den Konsens von 11,7 Milliarden Euro sowie den Vorjahreswert von 11,0 Milliarden Euro. Das organische Wachstum lag bei 7,3 Prozent, der freie Cashflow AL stieg um 3,1 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro.

Der bereinigte Nettogewinn kletterte um 11,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der Konzern hob im Zuge dessen seine Jahresprognose für den Free Cashflow AL von zuvor über 19,8 Milliarden Euro auf rund 20,0 Milliarden Euro an, nach einer entsprechenden Anpassung bei T-Mobile US.

Expansion in Polen schreitet voran

Strategisch treibt die Telekom zudem ihre Position in Osteuropa voran. Mitte des Monats erwarb der Konzern von Macquarie Asset Management die Unternehmen Fiberhost und Inea vollständig für rund eine Milliarde Euro.

Die Transaktion bringt mehr als 300.000 Inea-Kunden sowie ein Fiberhost-Glasfasernetz mit Anschluss an über 1,4 Millionen Haushalte zu T-Mobile Polska. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der polnischen Kartellbehörden, der finanzielle Abschluss wird für Ende des Jahres erwartet.

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert die Telekom solide Zahlen und baut ihre Position in Wachstumsmärkten aus. Gleichzeitig sorgen technische Pannen im Kerngeschäft und eine frische Analystenskepsis dafür, dass der Kurs seine jüngste Erholung nicht ungebremst fortsetzt. Richtungsweisend dürften die kommenden Termine werden: der KI-Investorentag am 5. Oktober und die Q3-Zahlen am 5. November.

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