Metaplanet Aktie: mNAV fällt auf 0,97
Metaplanet notiert unter dem Wert seiner Bitcoin-Reserven. Optionsprogramm und Gerovichs Verbindungen verstärken Zweifel an der Unternehmensführung.

Kurz zusammengefasst
- mNAV fällt knapp unter eins
- 319,5 Millionen Aktienoptionen reserviert
- Gerovich räumt Kommunikationsfehler ein
- Aktie 71 Prozent unter Jahreshoch
Es gibt eine Formel, die derzeit über japanische Bilanzen wandert: mNAV. Sie setzt den Börsenwert eines Unternehmens ins Verhältnis zum Wert seiner Bitcoin-Bestände. Über eins heißt Prämie, darunter Abschlag.
Bei Metaplanet steht diese Kennzahl aktuell bei rund 0,97 – der Markt bewertet das Unternehmen also knapp unter dem, was seine 43.000 Bitcoin wert sind. Das ist die eigentliche Geschichte hinter den roten Kurstafeln der vergangenen Woche: Nicht der Bitcoin-Kurs macht Metaplanet gerade zu schaffen, sondern die Frage, ob man dem Management noch zutraut, aus dieser Bilanz Wert zu schöpfen statt ihn zu verwässern.
Ein Rücktritt vom Vertrauensvorschuss
CEO Simon Gerovich hat am vergangenen Sonntag öffentlich eingeräumt, dass die Kommunikation gegenüber den Aktionären Fehler hatte. Ein bemerkenswerter Satz für einen Konzernchef – und einer, der zeigt, wie ernst die Lage ist.
Ausgelöst hatte die Krise die Fixierung eines Aktienoptionsprogramms Mitte August: Statt der ursprünglich vorgesehenen 46 Millionen Bezugsrechte wurden knapp 319,5 Millionen Aktien für das Führungspersonal reserviert, ausübbar zu einem Kurs von 10 Yen und mit Verkaufssperre bis August 2031. Dazu kommt die Personalie Gerovich selbst: Seine Verbindung zu MMXX Ventures nährt Zweifel an möglichen Interessenkonflikten zwischen seiner Rolle als Firmenchef und seinen privaten Beteiligungen.
Der Markt hat quittiert, was er von solchen Konstellationen hält. In Tokio verlor die Aktie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen der vergangenen Woche zunächst 7,5 und dann fast 10 Prozent, bevor sich am Mittwoch dieser Woche eine leichte Erholung zeigte.
Der Bitcoin-Bestand selbst wuchs im gleichen Zeitraum weiter – ein Widerspruch, der die Kernfrage für Anleger auf den Punkt bringt: Wächst hier ein werthaltiges Vehikel, oder wächst vor allem die Zahl der Aktien, unter die sich dieser Wert verteilen muss?
Eine Branche im Stresstest
Metaplanet steht damit nicht allein. Die gesamte Kohorte der Bitcoin-Treasury-Firmen durchläuft gerade eine Phase, in der Anleger genauer hinschauen als noch vor einem Jahr.
Strategy, der amerikanische Platzhirsch mit rund 845.000 Bitcoin in den Büchern, wies zuletzt einen mNAV von etwa 1,14 aus – also noch eine Prämie, aber auch hier mit Fragezeichen: Statt in dieser Woche weitere Bitcoin zu kaufen, steckte das Unternehmen 176,3 Millionen Dollar in den Rückkauf eigener Vorzugsaktien, während der zuletzt getätigte Bitcoin-Kauf bereits unter Wasser steht.
Auch kleinere Akteure wie Canaan kämpfen: Das Unternehmen verfehlte im zweiten Quartal seine eigene Umsatzprognose deutlich und hat einen erheblichen Teil seines Bitcoin-Bestands verpfändet.
Das Muster wiederholt sich: Unternehmen, die ihre Aktionäre über Jahre mit dem Versprechen „Bitcoin pro Aktie wächst automatisch“ bei Laune hielten, müssen nun beweisen, dass Kapitalmaßnahmen – Optionsprogramme, Kapitalerhöhungen, Aktienrückkäufe – diesem Versprechen nicht zuwiderlaufen.
Bei Capital B in Frankreich lief das zuletzt geräuschlos: Eine Kapitalerhöhung über 25,3 Millionen Euro finanzierte direkt den Kauf von 376 weiteren Bitcoin. Bei Metaplanet dagegen entstand der Eindruck, das Management bediene zuerst sich selbst.
Was der Kurs gerade erzählt
Mit einem Schlusskurs von 1,38 Euro am Mittwoch notiert die Aktie rund 71 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 4,82 Euro, das noch am 10. September vergangenen Jahres erreicht wurde. Auf Jahressicht steht ein Minus von 38 Prozent, über zwölf Monate sogar von 69 Prozent – eine Abwertung, die weit über das hinausgeht, was allein mit Bitcoin-Kursschwankungen erklärbar wäre.
Die 30-Tage-Volatilität von 81 Prozent annualisiert zeigt, wie nervös der Handel inzwischen reagiert, wenn neue Details zur Optionsstruktur oder zu Gerovichs Nebenengagements durchsickern.
Die eigentliche Bewährungsprobe steht damit noch bevor: Kann Metaplanet die Verkaufssperre der Führungsoptionen bis 2031 glaubhaft als langfristige Interessenangleichung verkaufen – oder bleibt der Verdacht, dass hier eine kleine Gruppe sich Zugriff auf künftige Wertsteigerung sichert, während der Streubesitz die Verwässerung trägt? Solange diese Frage offen bleibt, dürfte der Abschlag zum Bitcoin-Bestand kaum verschwinden, egal wie der Kryptomarkt sich entwickelt.
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