PayPal Aktie: 360 Milliarden 2021 zu 53 Milliarden heute

PayPal lehnt 53-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebot von Stripe und Advent ab. Analysten sehen bei einem Nachlegen Kurse bis 80 Dollar möglich.

Andreas Sommer ·
PayPal Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Übernahmeangebot von 60,50 Dollar abgelehnt
  • Analysten uneins über fairen Kaufpreis
  • Branded-Checkout-Geschäft wächst nur langsam
  • Klarna-Gespräche über Ratenkauf-Auslagerung

Es gibt Wochen, in denen eine Aktie aufhört, nur eine Aktie zu sein, und stattdessen zum Symbol für etwas Größeres wird. Bei PayPal ist das gerade der Fall. Während Anleger auf jede neue Zahl aus den Übernahmegesprächen mit Stripe und Advent International starren, verschiebt sich im Hintergrund die gesamte Statik des Zahlungsverkehrs – und PayPal steht mittendrin, nicht als Treiber, sondern als Objekt.

Ein Gebot, das zu niedrig war – und doch alles verändert hat

Im Juli boten Stripe und Advent International gemeinsam 60,50 Dollar je Aktie für PayPal, macht in Summe rund 53 Milliarden Dollar. Der PayPal-Vorstand lehnte ab, hält den Preis für unzureichend. Seither wird verhandelt, offenbar mit Aussicht auf eine Erhöhung.

Die Aktie reagierte am Montag mit einem Plus von 1,8 Prozent auf entsprechende Berichte des Wall Street Journal. Im deutschen Handel notiert das Papier aktuell bei 52,14 Euro, nur leicht unter dem Vortagesschluss von 52,24 Euro – die große Bewegung fand an der Wall Street statt, nicht hierzulande.

Was das Gebot so bemerkenswert macht, ist weniger seine Höhe als seine Symbolik. PayPal war 2021 auf dem Papier rund 360 Milliarden Dollar wert. Heute verhandelt das Unternehmen über ein Angebot, das kaum ein Siebtel davon beträgt. Wer noch einen Beweis dafür brauchte, wie radikal sich die Bewertungslandschaft im Fintech-Sektor seit der Pandemie-Euphorie verschoben hat, findet ihn hier in Reinform.

Die eigentliche Wette: Wie hoch geht Stripe?

Analysten sind sich uneinig, wie es weitergeht. Piper Sandler hob sein Kursziel um 40 Prozent auf 59 Dollar an, bleibt aber bei „Neutral“ – der Analyst sieht Wert jenseits des klassischen Checkout-Geschäfts, traut sich aber keine klare Kaufempfehlung zu. Andere Stimmen gehen weiter: Ein Analyst von Seeking Alpha hält 70 bis 80 Dollar je Aktie für möglich, sollte Stripe nachlegen.

Scheitert der Deal dagegen, drohe ein Rückfall auf 50 bis 53 Dollar. Raven Capital wiederum nennt 110 Dollar als fairen Übernahmepreis – ansonsten solle PayPal auf sein „intrinsisches Wachstum“ setzen. Der Analystenkonsens bleibt vorsichtiger und liegt bei „Halten“ mit einem Kursziel von 56,19 Dollar.

Diese Spannbreite ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer echten Unsicherheit: Wie viel ist PayPal ohne Übernahme wert – und wie viel mit? Genau diese Frage treibt derzeit den Kurs, der mit einem RSI von 66,4 bereits in überkaufter Zone notiert und binnen 30 Tagen um 4,7 Prozent zugelegt hat.

Ein Konzern im Umbruch, unabhängig vom Übernahmepreis

Losgelöst vom Übernahmepoker zeigt PayPal operativ ein zwiespältiges Bild. Im zweiten Quartal 2026 wuchs das Zahlungsvolumen um 10 Prozent auf 486 Milliarden Dollar, doch das margenstarke Branded-Checkout-Geschäft legte nur um 2 Prozent zu und macht inzwischen bloß noch 28 Prozent des Gesamtvolumens aus.

CEO Enrique Lores, seit März im Amt, rechnet hier für 2026 nur mit niedrigem einstelligem Wachstum – ein Eingeständnis, dass Apple Pay mit seinen 900 Millionen Nutzern PayPal an der Kasse zunehmend verdrängt.

Parallel dazu verhandelt PayPal Berichten zufolge mit Klarna über einen Rückzug aus dem eigenen Ratenkauf-Geschäft: Klarna soll das Underwriting für PayPals „Pay Later“-Angebot als White-Label-Lösung übernehmen, offenbar weil die internen BNPL-Verluste laut mehreren Insidern zwei Quartale in Folge schlechter ausfielen als offiziell berichtet. Eine Ankündigung könnte im vierten Quartal 2026 fallen, bestätigt ist bislang nichts.

Die größere Erzählung: Konsolidierung statt Wachstum

Wer diese Nachrichten nebeneinanderlegt, erkennt ein Muster, das über PayPal hinausweist. Stripe kauft parallel für mindestens 7 Milliarden Dollar den KI-Gateway-Anbieter OpenRouter und positioniert sich damit als Drehscheibe zwischen Zahlungsverkehr und künstlicher Intelligenz.

Gleichzeitig formiert sich mit Open USD ein Stablecoin-Bündnis aus mehr als 140 Unternehmen, das die Grundfesten des digitalen Bezahlens neu ordnen könnte. In diesem Umfeld wirkt die Personalie PayPal fast wie ein Kollateralereignis: ein einst dominanter Pionier, der zur Verhandlungsmasse eines Konsolidierungsprozesses wird, den andere anführen.

Ob Stripe am Ende nachlegt oder PayPal auf eigene Faust weiterzieht – die eigentliche Frage lautet nicht mehr, ob sich der Zahlungsverkehr neu sortiert, sondern wer am Ende noch mitbestimmt, wie er aussieht.

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