Xiaomi Aktie: Speicherchip-Krise zwingt zur Wende?

Teurere Speicherchips belasten Xiaomis Smartphone-Geschäft; Xiaomi Auto steigerte die Auslieferungen im September gegenüber August.

Dr. Robert Sasse ·
Ein minimalistisches Smartphone auf einer dunklen, reflektierenden Oberfläche in einer professionellen Studio-Umgebung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Smartphone-Auslieferungen im Quartal um über 30 Prozent gesunken
  • Weltweiter Marktanteil fällt auf zehn Prozent
  • Xiaomi Auto liefert im September 40.015 Fahrzeuge aus
  • Auto-Auslieferungen steigen zum Vormonat um 32,7 Prozent

Xiaomi liefert derzeit eine unbequeme Lektion: Mehr verkaufte Geräte sind nicht automatisch das bessere Geschäft. Angesichts teurerer Speicherchips zieht sich das Unternehmen bewusst aus günstigen Smartphone-Segmenten und einigen Auslandsmärkten außerhalb seines Kerngeschäfts zurück.

Der Absatz leidet erheblich. Für mich liegt der entscheidende Punkt aber woanders: Xiaomi versucht, Profitabilität zu schützen, während ein zentraler Kostentreiber außerhalb seiner Kontrolle liegt.

Wenn Speicher die Strategie bestimmt

Nach vorläufigen Schätzungen von Counterpoint Research sanken Xiaomis weltweite Smartphone-Auslieferungen im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um mehr als 30%. Der gesamte Markt schrumpfte im gleichen Zeitraum um 20%. Xiaomi verliert damit stärker an Volumen als die Branche insgesamt.

Das ist mehr als eine gewöhnliche Nachfrageschwäche. Die Knappheit bei DRAM- und NAND-Speichern verteuert die Herstellung. Zugleich verschärft der Ausbau von KI-Infrastruktur die Konkurrenz um Speicherchips. Der große Technologietrend wirkt hier nicht als Absatzversprechen für Smartphones, sondern zunächst als Belastung ihrer Kostenbasis.

Laut Counterpoint stiegen die weltweiten Smartphone-Einzelhandelspreise seit Jahresbeginn 2026 um etwa 20%. Das ist eine branchenweite Zahl, keine Preissteigerungsrate für Xiaomi allein. Sie beschreibt jedoch das Umfeld, in dem das Unternehmen seine Produktpalette neu gewichtet.

Gerade günstige Geräte geraten dabei unter Druck. Wer höhere Komponentenkosten weiterreicht, verändert das Preisargument seines Angebots. Wer sie selbst trägt, belastet seine Marge. Xiaomi setzt deshalb auf höhere Verkaufspreise und konzentriert sich in China stärker auf Premiumsegmente. Das Ziel ist klar; ob die Rechnung aufgeht, ist damit noch nicht bewiesen.

Marktanteil ist nicht gleich Ertragskraft

Xiaomis weltweiter Smartphone-Marktanteil sank im dritten Quartal 2026 auf 10%, nach 14% im Vorjahresquartal. Diese Verschiebung zeigt den Preis der Neuausrichtung: Das Unternehmen gibt einen Teil seiner bisherigen Marktposition ab.

Man sollte diesen Verlust weder schönreden noch vorschnell mit einem Scheitern gleichsetzen. Wenn ein Hersteller unrentablere Angebote zurücknimmt, kann weniger Volumen wirtschaftlich sinnvoll sein. Entscheidend ist dann nicht allein die Zahl ausgelieferter Geräte, sondern die Frage, was vom verbleibenden Geschäft übrig bleibt. Genau daran muss sich Xiaomis Strategie messen lassen.

Dabei verdient die Messgröße Aufmerksamkeit. Counterpoints Quartalszahlen erfassen Lieferungen der Hersteller an Handel und Netzbetreiber, nicht Verkäufe an Endkunden. Ein Rückgang dieser Auslieferungen beschreibt somit zunächst die Versorgung der Vertriebskanäle. Er ist kein unmittelbarer Beleg für einen gleich großen Einbruch der Endkundennachfrage.

Die Belastung dürfte dennoch nicht rasch verschwinden. Counterpoint erwartet für den Rest von 2026 schwierige Bedingungen. Eine deutliche Erholung setzt nach Einschätzung des Analysehauses niedrigere Komponentenpreise und eine bessere Versorgung voraus.

Für Xiaomi bedeutet das: Die Neuausrichtung muss unter anhaltendem Kostendruck funktionieren. Premiumgeräte sind dabei eine strategische Antwort, aber kein automatischer Schutz vor der Speicherkrise. Auch höhere Preise müssen Käufer akzeptieren.

Das Autogeschäft liefert den Kontrast

Während das Smartphone-Geschäft Volumen verliert, meldet Xiaomi Auto einen anderen Verlauf. Nach Unternehmensangaben lieferte die Sparte im September 2026 insgesamt 40.015 Fahrzeuge aus. Gegenüber August stieg der Absatz um 32,7%.

Damit erreichte Xiaomi Auto seinen höchsten Monatswert des bisherigen Jahres. Gegenüber dem Vorjahresmonat blieb der Absatz allerdings rückläufig. Die beiden Vergleiche gehören zusammen: Die Erholung gegenüber dem Vormonat ist ein Fortschritt, aber noch kein durchgängiger Wachstumstrend.

Für die Aktie ergibt sich daraus ein differenzierteres Bild als aus einer einzelnen Auslieferungsschlagzeile. Xiaomi muss im Smartphone-Geschäft die Balance zwischen Marktposition und Profitabilität neu finden. Im Autogeschäft zeigt sich zugleich operative Dynamik, deren monatlicher Rekord nicht mit Jahreswachstum verwechselt werden darf.

Meine Schlussfolgerung: Xiaomi ist derzeit vor allem ein Test dafür, wie tragfähig Wachstum unter knapperen und teureren Ressourcen bleibt. Weniger Smartphones können Teil einer vernünftigen Strategie sein. Zum wirtschaftlichen Erfolg wird diese Strategie erst dann, wenn der Verzicht auf Volumen tatsächlich die Ertragskraft schützt.

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Xiaomi Aktie

2,84 EUR

+ 0,03 EUR +1,01 %
KGV 17,72
Sektor Technologie
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 648,31 Mrd. HKD
Ø Kursziel 29,54 CNY
ISIN: KYG9830T1067 WKN: A2JNY1

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