Airbus Aktie: OneWeb-Produktion wandert nach Toulouse
Airbus bündelt die OneWeb-Fertigung in Toulouse, während Spanien-Streiks und A350F-Terminrisiken die Aktie trotz höherer Kursziele belasten.

Kurz zusammengefasst
- Verkauf des Florida-Werks wird geprüft
- OneWeb-Produktion soll nach Toulouse wechseln
- Spanische Arbeitsniederlegungen dauern an
- Airbus liefert im August 47 Flugzeuge
Airbus richtet seine Raumfahrtaktivitäten neu aus. Der Konzern hat laut einem Bericht der Financial Times eine strategische Überprüfung seiner Satellitenfabrik in Merritt Island, Florida, eingeleitet. Die Anlage erwirtschaftet nach Angaben der Financial Times mehrere hundert Millionen Dollar Jahresumsatz. Ein Verkauf wird demnach geprüft, während die Produktion der nächsten OneWeb-Satellitengeneration nach Toulouse verlagert wird.
Konsolidierung in Europa als Leitmotiv
Die Entscheidung passt in ein größeres Muster: Airbus bündelt seine Raumfahrtsparte zunehmend in Europa. Die US-Fertigung für Kleinsatelliten in Florida würde damit aus dem Kernportfolio herausfallen, während Toulouse als zentraler Standort für die OneWeb-Produktion gestärkt wird.
Für Anleger ist das ein Signal, dass der Konzern seine Raumfahrtstruktur straffen und Kapazitäten dort bündeln will, wo er die Kontrolle über Lieferketten und Kosten am direktesten steuern kann.
Parallel dazu bleibt die Lage in Spanien angespannt. Die Gewerkschaften CGT, UGT und UTIL hatten am Donnerstag der vergangenen Woche einen Vorschlag des Unternehmens zu Vergütung und Homeoffice-Regelungen abgelehnt und die Arbeitsniederlegungen fortgesetzt, wovon rund 40 Prozent der 14.000 spanischen Beschäftigten betroffen sind.
Seither hat die Aktie rund 2,4 Prozent verloren. Der Analysthaus AlphaValue hatte bereits am 28. August auf ein „erhebliches Ausführungsrisiko“ für das Lieferziel von 870 Flugzeugen im laufenden Jahr hingewiesen und seine Einstufung „Reduce“ mit einem Kursziel von 215,00 Euro bestätigt.
Kurs unter Druck, operatives Geschäft läuft weiter
Die Aktie notiert aktuell bei 199,08 Euro und hat damit auf Tagesbasis 1,6 Prozent verloren. Über die vergangene Woche steht ein Minus von 2,1 Prozent zu Buche, über 30 Tage von 2,3 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, erreicht am 13. Januar, beträgt der Abstand zehn Prozent – ein Zeichen dafür, dass die operativen Belastungen aus Spanien und die Unsicherheit um die US-Raumfahrtsparte den Kurs zuletzt gebremst haben.
Operativ zeigt sich der Konzern jedoch robust. Im August verbuchte Airbus 46 Bruttobestellungen und lieferte 47 Flugzeuge an 31 Kunden aus, womit sich die kumulierten Auslieferungen des Jahres bis Ende August auf 465 Maschinen summieren.
Hong Kongs Cathay Pacific bestellte 30 Maschinen des Typs A330-900neo, die lettische airBaltic orderte zehn zusätzliche A220-300. Zudem einigten sich Spanien und Polen laut Berichten auf einen Rahmen über 5,4 Milliarden Euro für die Beschaffung von A330-MRTT-Tankflugzeugen.
Ausblick: A350F-Erstflug und Analystenoptimismus
Für Ende September ist der Erstflug des A350F-Frachterprototyps geplant, wobei Reuters und Leeham News bereits vor möglichen Verzögerungen bei der ersten Auslieferung warnen, die von Ende 2027 auf 2028 verschoben werden könnte.
Trotz der operativen Herausforderungen in Spanien hoben mehrere Analysehäuser ihre Kursziele zuletzt deutlich an – der Durchschnittswert kletterte von 208 bis 209 Euro auf 223 bis 224 Euro, gestützt auf optimistischere Margenannahmen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite stehen strukturelle Fortschritte bei der Raumfahrt-Konsolidierung und ein solides Auftragsbuch, auf der anderen Seite belasten der Arbeitskampf in Spanien und Unsicherheiten beim Zeitplan des A350F-Programms die kurzfristige Kursentwicklung.
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