Nokia Aktie: 2,8 Milliarden KI-Aufträge, 6,32% Crash
Nokia meldet Rekordaufträge im KI-Segment, doch Lieferengpässe und ein schwacher Markt lassen die Aktie um über sechs Prozent einbrechen.

Kurz zusammengefasst
- KI-Auftragseingang erreicht Rekordniveau
- Umsatzverdopplung bei Cloud-Kunden
- CEO warnt vor anhaltenden Speicherengpässen
- Aktie fällt trotz Erfolgen um 6,32 Prozent
Selten klaffen operativer Erfolg und Börsenreaktion so weit auseinander wie derzeit bei Nokia. Der Konzern meldet einen Rekordauftragseingang im KI-Geschäft und eine Verdopplung der entsprechenden Umsätze. Die Aktie brach am Freitag trotzdem um 6,32 Prozent ein. Für die neue Handelswoche stellt sich eine zentrale Frage: Kann der fundamentale Umbau zum KI-Infrastruktur-Anbieter den technischen Druck noch aufhalten?
Rekordorders treffen auf Lieferengpässe
Der Kern der aktuellen Turbulenzen ist ein klassisches Muster aus guten und schlechten Nachrichten. Nokias Umsätze mit KI- und Cloud-Kunden stiegen im zweiten Quartal 2026 um 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch bemerkenswerter: Der Auftragseingang in diesem Segment erreichte mit 2,8 Milliarden Euro einen Rekordwert. Hyperscaler bauen ihre KI-Cluster aus und fragen massiv Hochgeschwindigkeits-Optiknetzwerke und IP-Routing nach.
Der Markt konzentrierte sich jedoch auf eine Warnung von CEO Justin Hotard. Speicherengpässe, verursacht durch dieselben KI-Unternehmen, die den globalen DRAM-Markt leerkaufen, könnten sich bis weit ins Jahr 2027 hinziehen. Zusammen mit einem Rückgang der traditionellen Festnetzsparte um 2 Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse löste diese Warnung eine „Sell-the-News“-Reaktion aus, die sich zum regelrechten Rückzug ausweitete.
Überverkauft, aber am Scheideweg
Charttechnisch schreit die Aktie nach einer Verschnaufpause. Der 14-Tage-RSI ist auf 29,5 gefallen und signalisiert damit klar überverkauftes Terrain. Solche Werte gehen häufig einer zumindest kurzfristigen technischen Erholung voraus, wenn Leerverkäufer Gewinne mitnehmen und Schnäppchenjäger einsteigen.
Im Fokus der kommenden Woche steht die 200-Tage-Linie bei 7,84 Euro. Der Schlusskurs von 8,06 Euro liegt nur noch 2,84 Prozent über dieser langfristigen Unterstützung. Reißt diese Marke, bleibt der Weg zum 52-Wochen-Tief von 3,45 Euro zwar weit. Der aktuelle Abstand von 133,69 Prozent zu diesem Tief zeigt aber: Der Aufwärtstrend aus 2025 ist noch nicht vollständig zerstört.
Die kommenden Handelstage bringen zusätzlichen technischen Druck. Am Dienstag, dem 28. Juli 2026, ist der Stichtag für die Dividende von 0,04 Euro je Aktie. Der Abschlag am Ex-Tag dürfte den ohnehin angeschlagenen Kurs zusätzlich belasten.
Ein brutaler Reset mit Silberstreif
Die aktuelle Lage bei Nokia ist ein brutaler Reset der Erwartungen. Seit Jahresbeginn steht die Aktie trotz allem noch mit 44,19 Prozent im Plus. Das zeigt: Der Konzern wird gerade für externe Lieferengpässe abgestraft, nicht für hausgemachte Fehler im operativen Geschäft.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro beträgt mittlerweile happige 46,16 Prozent. Der Kurs hat sich seit Anfang Juni damit fast halbiert. Das ist eine drastische Neubewertung für ein Unternehmen, dessen Auftragsbücher gerade Rekorde brechen.
Für die kommende Woche spricht einiges für eine Stabilisierung rund um die 7,84-Euro-Marke. Die fundamentale Logik hinter der Aktie bleibt intakt: KI-Infrastruktur ist der neue Wachstumsmotor, und der Rekordauftragsbestand belegt das eindrucksvoll. Solange Nokia aber nicht beweist, dass genug Bauteile für die Auslieferung dieser Aufträge vorhanden sind, bleibt die Aktie ein Schlachtfeld zwischen fundamental orientierten Käufern und Momentum-getriebenen Verkäufern. Die 200-Tage-Linie bei 7,84 Euro markiert dabei die Grenze, die langfristige Anleger im Blick behalten müssen.
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