Gold: Iran, Inflation, Zinsangst
Geopolitische Spannungen und steigende Inflationserwartungen setzen den Goldpreis unter Druck. Analysten erwarten weitere Belastungen durch mögliche Fed-Zinserhöhungen.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis fällt auf tiefsten Stand seit März
- US-Angriffe auf Iran treiben Ölpreise
- Fed-Zinserhöhung bis Dezember eingepreist
- CPI-Daten könnten Druck weiter erhöhen
Der Goldpreis steht unter Druck — und das aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Vier Verlustsitzungen in Folge zeigen, dass der Markt das Vertrauen in den sicheren Hafen vorübergehend verloren hat.
Neue Eskalation im Nahen Osten
Eigentlich sollte geopolitische Spannung Gold stützen. Doch diesmal läuft die Logik anders. US-Streitkräfte haben neue Angriffe auf iranische Ziele geflogen, nachdem Iran einen amerikanischen Militärhubschrauber in der Nähe der Straße von Hormus abgeschossen hatte. Die Folge: Ölpreise steigen, Inflationssorgen nehmen zu — und damit wächst der Druck auf die Federal Reserve, die Zinsen eher anzuheben als zu senken.
Genau das belastet Gold. Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls. Mehr als 70 Prozent der Marktteilnehmer preisen inzwischen eine Fed-Zinserhöhung bis Dezember ein.
CPI-Daten als nächste Weggabelung
Der Spotpreis rutschte auf rund 4.181 Dollar je Unze — den tiefsten Stand seit dem 23. März. Vom Allzeithoch bei 5.594 Dollar, das Ende Januar markiert wurde, ist das Metall inzwischen gut 25 Prozent entfernt.
Ökonomen erwarten für den Mai-CPI-Bericht einen Anstieg der Jahresrate auf etwa 4,2 bis 4,3 Prozent — der höchste Wert seit April 2023. JPMorgan-Analysten rechnen sogar damit, dass die annualisierte Drei-Monats-Rate auf 8,7 Prozent klettert, den höchsten Wert seit 2022. Trifft das zu, dürfte der Druck auf Gold weiter anhalten.
Treasury-Renditen verharren nahe Mehrmonatshochs, der Dollar bleibt fest. Das ist kein freundliches Umfeld für Edelmetalle.
Zinspfad entscheidet
Beim Fed-Treffen am 16. und 17. Juni wird mehrheitlich eine Zinspause erwartet — doch ein hawkisher Ton des Offenmarktausschusses könnte ausreichen, um Gold weiter zu drücken. Positiv für das Metall wäre allenfalls ein überraschend moderater CPI-Wert oder eine schnelle diplomatische Lösung im Iran-Konflikt, die die Energiepreise wieder nach unten zieht.
Kein Wunder, dass kaum jemand derzeit bereit ist, gegen den Trend zu wetten. Bis Klarheit über den Zinspfad besteht, dürfte die Nachfrage nach Gold auf der Strecke bleiben.
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