SAP Aktie: Cloud-Auftragsbestand erreicht 22,9 Milliarden Euro
Starke Cloud-Zahlen treiben SAP-Aktie auf 164,90 Euro. Analysten sehen jedoch die 200-Tage-Linie als entscheidende Hürde für eine nachhaltige Erholung.

Kurz zusammengefasst
- Cloud-Umsatz wächst um 24 Prozent
- Aktie steigt um 3,45 Prozent
- 200-Tage-Linie als wichtige Hürde
- Analysten uneins über Trendwende
SAP hat mit den am Wochenende vorgelegten Quartalszahlen eine der schärfsten Kurserholungen der jüngeren Firmengeschichte ausgelöst. Die Aktie des Walldorfer Softwarekonzerns legt am heutigen Montag um 3,45 Prozent auf 164,90 Euro zu und setzt damit eine Rally fort, die den Titel binnen 30 Tagen um 18,24 Prozent nach oben getrieben hat. Auslöser ist ein Cloud-Geschäft, das deutlich robuster wächst als von vielen Beobachtern zuletzt befürchtet.
Cloud-Wachstum übertrifft die Erwartungen
Im Zentrum der Kursbewegung steht ein Umsatzplus von 24 Prozent im Cloud-Geschäft. Der Cloud-Auftragsbestand stieg auf 22,9 Milliarden Euro, der sogenannte Current Cloud Backlog wuchs um 26 Prozent. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal, weil dieser Bestand künftige Umsätze vorwegnimmt und damit ein Frühindikator für die kommenden Quartale ist. Gleichzeitig senkte SAP die Ergebnisprognose für das laufende Jahr leicht – ein Dämpfer, der die Euphorie an den Zahlen aber offenbar nicht bremsen konnte. Zusätzlichen Rückhalt gaben Insiderkäufe von Vorstandschef Christian Klein, der die eingeschlagene Cloud-first-Strategie in einem Interview als richtig verteidigte.
Der Rückenwind aus der Technologiebranche kam SAP dabei zupass: Microsoft hatte kurz zuvor mit einem Azure-Wachstum von 43 Prozent und einem Cloud-Umsatz von 59,3 Milliarden US-Dollar überzeugt, was die Stimmung für Software- und Cloud-Werte insgesamt aufhellte. Der DAX kletterte am Montag im Zuge der Berichtssaison und der Hoffnung auf eine Entspannung im Nahost-Konflikt erstmals über 26.000 Punkte – ein Umfeld, das auch SAP als eines der größten deutschen Indexmitglieder mitzog.
Charttechnik: Entscheidung an der 200-Tage-Linie
Trotz des Kurssprungs ist die charttechnische Trendwende noch nicht bestätigt. Als nächste Hürde gilt die Marke von 165 Euro, unmittelbar gefolgt von der 200-Tage-Linie – aktuell bei 174,35 Euro und damit noch gut 5 Prozent über dem aktuellen Kurs entfernt. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über diese Durchschnittslinie würde aus Sicht vieler Chartbeobachter eine echte Trendwende signalisieren. Nach unten gilt die Unterstützung bei 150 Euro als entscheidend: Ein Rückfall unter dieses Niveau würde die jüngste Erholung wieder infrage stellen. Der RSI von 67,5 zeigt bereits eine gewisse Überkauftheit an, was kurzfristige Rückschläge nicht ausschließt.
Analysten uneins über Nachhaltigkeit der Rally
Die Reaktionen der Analysten fallen gemischt aus. Kursziele im Bereich von 200 bis 210 Euro signalisieren grundsätzliches Vertrauen in die langfristige Story, doch ob die aktuelle Erholung bereits eine echte Trendwende markiert, wird unterschiedlich beurteilt. Stephan Kemper, Analyst bei BNP Paribas, ordnete den vorangegangenen Kursverfall – SAP hatte binnen anderthalb Jahren rund die Hälfte seines Börsenwerts verloren – in einem Interview ein: Rund 80 Prozent des Rückgangs führt er auf ein schwieriges Branchenumfeld zurück, nur 20 Prozent auf unternehmensspezifische Faktoren wie zu hohe Erwartungen an das Wachstumstempo. Kemper verweist zugleich auf einen Wettbewerbsvorteil von SAP: Die tiefe Verankerung in den Geschäftsprozessen der Kunden schaffe einen strukturellen Burggraben, der Kundenwechsel erschwere.
Das Risiko bleibt laut Kemper, dass Anleger den gesamten Softwaresektor pauschal abstrafen, sobald einzelne Wachstumsindikatoren enttäuschen – unabhängig von der individuellen Wettbewerbsposition eines Unternehmens. Für SAP-Anleger bedeutet das: Die kommenden Handelstage an der 165-Euro-Marke und der 200-Tage-Linie dürften zeigen, ob die aktuelle Erholung Bestand hat oder ob es sich um eine technische Gegenbewegung innerhalb eines längerfristigen Abwärtstrends handelt. Der Titel notiert trotz der jüngsten Gewinne weiterhin rund 21 Prozent im Minus seit Jahresbeginn.
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