Vonovia Aktie: DIW rechnet Enteignung durch
Das DIW sieht in Berlins Enteignungsplänen keine Lösung für den Wohnraummangel und erwartet eine Belastung des Landeshaushalts.

Kurz zusammengefasst
- Entschädigung zwischen acht und 36 Milliarden Euro
- DIW sieht keinen zusätzlichen Wohnungsbau
- Berliner Sondierungen sind noch offen
- Vonovia Aktie erholt sich leicht
Die Berliner Enteignungspläne der Linken würden das Wohnungsproblem nicht lösen, aber den Landeshaushalt belasten. Zu diesem Schluss kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Für Vonovia ist das Thema der wichtigste Taktgeber der vergangenen Wochen, die Aktie stabilisiert sich derweil leicht.
Das DIW sieht keinen Nutzen
Der Knackpunkt ist die Entschädigung. Je nach Untersuchung stehen Summen zwischen 8 und 36 Milliarden Euro im Raum, es geht um bis zu 240.000 Wohnungen. Das DIW fasst das Dilemma knapp zusammen: Niedrige Entschädigung, niedrige Mieten und ein unbelasteter Haushalt lassen sich nicht gleichzeitig erreichen.
Fällt die Summe sehr niedrig aus, droht laut Studie ein Scheitern vor dem Bundesverfassungsgericht. Bei hohen Beträgen müsste Berlin die nötigen Kredite über Zuschüsse stemmen, schnell wären das Hunderte Millionen Euro pro Jahr. Bei acht Euro Miete je Quadratmeter trage sich nur eine Entschädigung von bis zu 13,5 Milliarden Euro.
Hinzu kommt der Neubau. „Nicht eine zusätzliche Wohnung entsteht“, schreiben die Autoren. Private Unternehmen, die gut 40 Prozent der neuen Wohnungen bauen, könnten ausfallen oder höhere Renditen verlangen. Das DIW empfiehlt stattdessen, Büros in Wohnungen umzuwandeln, Standards zu vereinfachen und ausgewiesene Bauflächen zu bebauen.
Politik offen, Aktie erholt sich
Ob die Vergesellschaftung überhaupt verhandelt wird, ist offen. Linke, Grüne und SPD loten aus, ob sie Sondierungen aufnehmen. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hatte schon am Wahlabend nicht mit einer Enteignung gerechnet. Zudem hat sich der Koalitionsausschuss im Juli darauf verständigt, solche Schritte auf Landesebene per Bundesgesetz auszuschließen.
Vonovia hält in Berlin zusammen mit der Tochter Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen, nach Angaben von Konzernchef Luka Mucic weniger als acht Prozent des Bestands. Mucic lehnt die Vergesellschaftung ab und setzt auf bessere Bedingungen für den Neubau.
Die Aktie notiert bei rund 17 Euro und liegt damit spürbar über dem Jahrestief von 16,60 Euro vom 1. Oktober. Marktteilnehmer blicken parallel auf die Zinsen und die Schuldenlast.
Analysten bleiben auf Distanz zum Kurs
JPMorgan hatte das Kursziel von 34,50 auf 26,00 Euro gesenkt, die Einstufung „Overweight“ aber beibehalten. Analyst Neil Green hält Verkäufe im Wert von einer Milliarde Euro für hilfreich, deren Erlös in den Schuldenabbau fließen könnte. Bleiben größere Transaktionen aus, schließt er eine Dividendensenkung nicht aus. Zuletzt zahlte Vonovia 1,25 Euro je Aktie.
Auf der Expo Real führte der Konzern am Montag zudem die Marke Veveus ein. Sie bündelt Dienstleistungen für institutionelle Investoren, vom Asset- bis zum Facility Management. Vonovia bewirtschaftet bereits rund 75.000 Wohnungen für Dritte. Am Kursdruck durch Zinsen, Schulden und Berliner Politik ändert das kurzfristig wenig.
Entscheidend sind nun die Vorgespräche von Linke, Grünen und SPD in Berlin. Kommt es zu offiziellen Sondierungen, dürfte die Enteignungsfrage wieder auf den Tisch.
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