S&P 500: Goldman traut dem Höhenflug

Goldman Sachs erwartet beim S&P 500 weitere Kursgewinne durch steigende Unternehmensgewinne, trotz hoher Bewertungen und nachlassender KI-Effekte.

Redaktion Stock-World ·
Ein moderner Handelsraum mit einem Schreibtisch und einem Computer vor einem sonnendurchfluteten Fenster. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldman setzt Zwölf-Monats-Ziel bei 8.700 Punkten
  • Indexgewinne stiegen im zweiten Quartal
  • KI-Ausgaben treiben fast Hälfte des Wachstums
  • Hohe Bewertung bleibt unter früheren Extremen

Explodierende Gewinne, ein Index nahe seiner Rekordmarken und eine Investmentbank, die trotzdem draufsattelt: Goldman Sachs ruft für den S&P 500 ein Zwölf-Monats-Ziel von 8.700 Punkten aus. Das entspräche einem Plus von rund 14 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Der Clou dabei: Die Bank sieht trotz historisch hoher Bewertungen keine Blase.

Der Auslöser für die Zuversicht liegt in den Zahlen selbst. Im zweiten Quartal legte der Gewinn je Aktie im Index um 51 Prozent zu, über die vergangenen vier Quartale waren es 26 Prozent. Zum Vergleich: Im 30-Jahres-Schnitt liegt das Gewinnwachstum bei gerade einmal 7 Prozent. Schneller wuchsen die Ergebnisse zuletzt nur in den Erholungsphasen 2010 und 2021 – beide Male nach tiefen Krisen, nicht aus einer Position der Stärke heraus wie jetzt.

Drei Sondereffekte treiben die Rekorde

Goldman macht für den Boom drei Faktoren verantwortlich. KI-Investitionen erklären fast die Hälfte des diesjährigen Gewinnwachstums – die großen Hyperscaler geben rund 800 Milliarden Dollar für Anlagen aus, 94 Prozent mehr als 2025. Dieser Rückenwind schwächt sich laut Goldman aber bereits ab, weil steigende Abschreibungen bremsen.

Zweiter Treiber sind die Chipkonzerne mit Bruttomargen von rund 70 Prozent. Fielen sie auf den 15-Jahres-Schnitt von 55 Prozent zurück, würden die Index-Gewinne um etwa zehn Prozent sinken. Drittens verbuchten die Tech-Schwergewichte im zweiten Quartal mehr als 150 Milliarden Dollar an sonstigen Erträgen aus Beteiligungen – zwölf Prozent der gesamten Index-Gewinne. Dieser Effekt dürfte 2027 weitgehend verschwinden.

Bewertung: hoch, aber kein Extrem

Das KGV auf Basis der erwarteten Gewinne liegt aktuell bei 19 und damit exakt auf dem Zehnjahresschnitt – vor einem Jahr waren es noch 23. Das konjunkturbereinigte KGV von 39 zählt dagegen zu den höchsten Werten überhaupt, bleibt aber unter den Extremen der Jahre 1999 und 2000. Goldmans Basisszenario ist entsprechend keine Korrektur, sondern eine Abkühlung: Für 2027 rechnen die Strategen mit einem Gewinnplus von 11 Prozent auf 415 Dollar je Aktie, 2028 sollen weitere 11 Prozent auf 460 Dollar folgen.

Parallel dazu zeigt sich ein saisonales Muster, das die Kursentwicklung kurzfristig prägen könnte. Vor Fed-Sitzungen legt der Index einer Analyse zufolge im Schnitt um rund 49 Basispunkte in den 24 Stunden vor der Entscheidung zu, während die Bewegung danach meist verpufft. Der Effekt gilt als Beleg dafür, dass Erwartungen oft stärker wirken als die tatsächliche Nachricht.

Goldmans Rechnung geht davon aus, dass der Anstieg bis 8.700 Punkte allein von den Gewinnen getragen wird, nicht von einer weiteren Ausdehnung der Bewertung. Nach drei Monaten sehen die Strategen den Index bei 8.000, nach sechs Monaten bei 8.300 Zählern. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich vor allem daran, wie lange die KI-Investitionswelle die Gewinne noch trägt – und wie schnell die Chipmargen auf ihren historischen Schnitt zurückfallen.

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