Bayer Aktie: Apollo bringt 3,0 Milliarden Euro

Bayer stärkt mit Apollo-Kapital und Großanleihe die Bilanz. Supreme Court-Urteil zu Glyphosat gibt rechtlichen Rückenwind.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Apollo investiert 3 Milliarden Euro Eigenkapital
  • 5 Milliarden Dollar schwere Anleihe platziert
  • Goldman Sachs erhöht Anteil auf 5,4 Prozent
  • Supreme Court stärkt Bayer in Glyphosat-Klagen

Bayer nutzt die Wochen vor der Vorlage der Halbjahreszahlen für einen tiefgreifenden Umbau der Bilanz. Mit einer milliardenschweren Kapitalzufuhr, einer Großanleihe und Bewegungen im Aktionärskreis bereitet der Leverkusener Konzern das Terrain für den Berichtstermin am 4. August auf. Der Kurs schloss am Mittwoch bei 47,46 Euro und legte damit um 0,72 Prozent zu. Zum bisherigen Jahreshoch aus dem Sommer fehlen dem Papier noch 11,88 Prozent.

Apollo bringt frisches Eigenkapital

Kern der Bilanzoffensive ist eine Vereinbarung mit dem Vermögensverwalter Apollo. Über verwaltete Fonds übernimmt Apollo eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva einbringt. Im Gegenzug fließen dem Konzern 3,0 Milliarden Euro an Eigenkapital zu – Kapital, das Bayer explizit zur Verbesserung seiner Kapitalstruktur nutzen will. Für einen Konzern, der seit Jahren unter der Schuldenlast aus der Monsanto-Übernahme steht, ist das ein spürbarer Befreiungsschlag, ohne dass operative Substanz verkauft werden musste.

Parallel dazu hat die Tochtergesellschaft Bayer US Finance LLC unter Garantie der Bayer AG Anleihen im Volumen von 5,0 Milliarden US-Dollar platziert, aufgeteilt auf fünf Tranchen mit Laufzeiten zwischen fünf und 30 Jahren. Die Emission dient der Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten und verschafft dem Unternehmen mehr Spielraum bei der Fälligkeitsstruktur seiner Schulden. Zusammen mit der Apollo-Transaktion zeigt sich damit ein Konzern, der auf mehreren Kanälen gleichzeitig an seiner Finanzierungsbasis arbeitet.

Investoren verschieben ihre Positionen

Im Aktionärsregister zeichnen sich derweil gegenläufige Bewegungen ab. Amundi meldete, die Stimmrechtsschwelle von 3 Prozent unterschritten zu haben – der Anteil liegt seit dem 14. Juli bei 2,96 Prozent. Goldman Sachs hatte dagegen bereits Mitte Juni den gegenteiligen Weg eingeschlagen und seine Gesamtposition aus Aktien und Instrumenten auf 5,40 Prozent der Stimmrechte aufgestockt. Solche Verschiebungen bei institutionellen Anlegern lassen sich selten monokausal erklären, sie fallen aber in eine Phase, in der Bayer mit den beschriebenen Kapitalmaßnahmen aktiv um das Vertrauen der Investoren wirbt.

Die US-Bank JPMorgan bestätigte am 17. Juli ihre Einstufung „Overweight“ für die Aktie mit einem Kursziel von 50,00 Euro. Die Analysten gehen davon aus, dass der Konzern bei den anstehenden Quartalszahlen seine Jahresziele bestätigen wird.

Rechtlicher Rückenwind aus Washington

Zusätzliche Entlastung kommt aus dem Glyphosat-Komplex. Der Supreme Court entschied am 25. Juni im Fall „Durnell“ mit 7:2 Stimmen zugunsten von Bayer: Bundesrecht schließt demnach einzelstaatliche Klagen wegen angeblich fehlender Krebswarnungen aus, sofern die Umweltbehörde EPA die Sicherheit des Wirkstoffs bestätigt hat. Das Urteil dürfte die Verhandlungsposition des Konzerns in weiteren Verfahren stärken. Medienberichten zufolge steht für den 19. August die finale Entscheidung eines US-Gerichts über den im Februar ausgehandelten Sammelvergleich im Glyphosat-Streit an, der ein Volumen von 7,25 Milliarden US-Dollar umfasst.

Neben den Finanz- und Rechtsthemen treibt Bayer auch das operative Geschäft voran: Am Standort Bergkamen entsteht eine eigenständige Betreibergesellschaft für Infrastruktur und Standortdienstleistungen, die 2027 starten soll, und mit dem französischen Pflanzenzüchter RAGT wurde eine exklusive Lizenzvereinbarung zur Entwicklung von Hybridweizen für Europa und Nordamerika geschlossen. Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick der Anleger zunächst auf den Halbjahresbericht am 4. August, ehe am 2. September ein Investor Event der Division Crop Science ansteht.

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