Evonik liefert, Festo streicht 1.300 Stellen – ein Freitag wie Deutschland selbst
Evonik übertrifft Erwartungen dank Krisengewinnen, während Festo, Porsche und Commerzbank massiv Stellen streichen.

Kurz zusammengefasst
- Evonik übertrifft Analystenerwartungen im ersten Quartal
- Festo streicht 1.300 Stellen in Deutschland
- Porsche schließt drei Tochterfirmen mit 500 Jobs
- US-Arbeitsmarkt zeigt sich überraschend robust
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit der Beobachtung, dass die Unternehmen, die an der Börse überzeugen, eines gemeinsam haben: Sie warten nicht auf bessere Rahmenbedingungen, sondern schaffen sich ihre eigenen. Am Freitag zeigt sich, wie schmal der Grat zwischen Eigeninitiative und Kapitulation geworden ist. Der LUS-DAX pendelt am Nachmittag bei 24.457 Punkten – seit Jahresbeginn ein Minus von 0,44 Prozent. Die knapp 25.000 Punkte vom Donnerstag sind wieder Geschichte. Brent notiert bei rund 100 US-Dollar, die Iran-Krise schwelt, und die Industrieproduktion im März ist erneut gefallen. Doch wer nur auf die Indexstände schaut, verpasst die eigentliche Geschichte dieser Woche: Die operative Spreizung innerhalb der deutschen Wirtschaft wird mit jedem Quartalsbericht größer.
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Evonik überrascht, Lanxess wartet weiter
Am Freitag meldete Evonik Industries Zahlen für das erste Quartal, die so nicht erwartet wurden. Das bereinigte EBITDA erreichte 475 Millionen Euro und lag damit deutlich über den Konsensschätzungen. Die Essener profitieren von einem Effekt, der die Ironie der aktuellen Weltlage auf den Punkt bringt: Die Lieferkettenstörungen im Nahen Osten treiben die Nachfrage nach Spezialchemikalien, weil Kunden ihre Lager vorsorglich auffüllen. Krise als Konjunkturprogramm – zumindest für diejenigen, die das richtige Produkt im Angebot haben.
Die Evonik-Aktie notiert bei 17,60 Euro und hat seit Jahresbeginn knapp 30 Prozent zugelegt. Barclays bestätigte die „Overweight“-Einstufung mit einem Kursziel von 17 Euro – ein Ziel, das der Kurs bereits überschritten hat.
Ganz anders die Lage beim Konkurrenten Lanxess. Hier verschiebt sich die Gewinnerholung laut Analysten ins zweite Halbjahr. Die UBS beließ am Freitag ihr „Sell“-Rating, hob das Kursziel aber von 10 auf 11 Euro an. Die Deutsche Bank rät zum Halten bei einem Kursziel von 17 Euro. Wer in der Chemie nicht die richtige Nische besetzt, dem helfen auch steigende Lagerbestände der Kunden nicht.
5.300 Stellen weniger: Festo, Porsche und Commerzbank kürzen
Die Industrieproduktion sank im März um 0,7 Prozent – entgegen den Prognosen. Was diese Zahl auf Unternehmensebene bedeutet, zeigen drei Meldungen vom Freitag.
Festo, der schwäbische Automatisierungsspezialist, streicht rund 1.300 Stellen in Deutschland. Das Familienunternehmen verweist auf wachsenden Wettbewerb aus Asien und geopolitische Risiken. Bei der Porsche AG fallen etwa 500 Arbeitsplätze weg – der Sportwagenbauer schließt drei Tochterfirmen: die Batterie-Tochter Cellforce, die eBike Performance GmbH und die Software-Tochter Cetitec. Und die Commerzbank plant den Abbau von 3.000 Stellen, um ihre Profitabilitätsziele zu erreichen und die Abwehr gegen eine Übernahme durch UniCredit zu stärken. Die Commerzbank-Aktie gab am Freitag um 3,55 Prozent auf 35,61 Euro nach.
In Summe sind das 4.800 Stellen, die an einem einzigen Tag angekündigt wurden. Die Botschaft ist eindeutig: Wer seine Kostenstruktur nicht anpasst, verliert – gegen asiatische Wettbewerber, gegen die Konjunktur, gegen die eigenen Aktionäre.
Allianz ex Dividende, Volkswagen mit 6,8 Prozent Rendite
Ein Blick auf die DAX-Verlierer des Tages erfordert Differenzierung. Dass die Allianz-Aktie am Freitag zeitweise knapp 4,9 Prozent auf 369,80 Euro verlor, hat nichts mit operativer Schwäche zu tun. Das Papier wird ex Dividende gehandelt, der Abschlag beträgt 17,10 Euro je Aktie.
Für Value-Investoren bietet der deutsche Markt abseits solcher technischen Effekte durchaus Substanz. Die Porsche Automobil Holding weist für 2026 ein KGV von 3,25 auf, die Volkswagen-Vorzugsaktie eine Dividendenrendite von 6,82 Prozent. Ob diese Bewertungen Schnäppchen oder Warnsignale sind, hängt davon ab, wie man die strukturellen Risiken des Automobilsektors einpreist. Bundeskanzler Friedrich Merz versuchte am Freitag auf dem IHK-Tag in Berlin, Zuversicht zu verbreiten: Er erteilte höheren Einkommensteuern für Unternehmen und einer Erhöhung der Erbschaftsteuer eine klare Absage.
US-Arbeitsmarkt bremst die Fed, Bitcoin verliert Anleger
Aus Washington kamen am Freitag Daten, die den Zinspfad der Notenbanken prägen werden. Die US-Wirtschaft schuf im April 115.000 neue Stellen – die Prognosen lagen bei 55.000 bis 65.000. Die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 4,3 Prozent, die Stundenlöhne stiegen im Jahresvergleich um 3,6 Prozent. Vor allem das Gesundheitswesen und der Bereich Transport und Lager bauten Stellen auf, während der IT-Sektor 13.000 Jobs verlor. Für die Fed bedeutet das: kein Spielraum für rasche Zinssenkungen, zumal die US-Inflationszahlen für April sich der 4-Prozent-Marke nähern.
Im Kryptomarkt spiegelt sich diese Zinserwartung unmittelbar. Bitcoin fiel am Freitag unter die Marke von 80.000 US-Dollar und notierte zeitweise bei 79.800 US-Dollar. Innerhalb von fünf Tagen haben rund 245.000 Wallets den Markt verlassen – der schnellste Rückgang seit zwei Jahren. Die Spot-Bitcoin-ETFs sammeln zwar weiterhin über eine Milliarde US-Dollar pro Woche ein, doch das reicht derzeit nicht, um die Abflüsse der Privatanleger zu kompensieren.
Was diese Woche zeigt
Die Bilanzsaison bestätigt, was sich seit Wochen abzeichnet: Der Abstand zwischen den Unternehmen, die in ihren Nischen wachsen, und denen, die unter Kostendruck schrumpfen, wird größer. Evonik profitiert von Lieferkettenängsten, Deutz vom Investitionszyklus im Maschinenbau. Festo, Porsche und die Commerzbank reagieren auf eine Realität, in der Standortkosten und globaler Wettbewerb keine Rücksicht auf Tradition nehmen.
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In der kommenden Woche richtet sich der Blick auf Bayer: Am Dienstag präsentieren CEO Bill Anderson und CFO Wolfgang Nickl die Q1-Ergebnisse. Am selben Tag stehen US-Preisdaten an, die darüber mitentscheiden, ob die Fed im Sommer überhaupt Spielraum bekommt. Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann