Qualcomm Aktie: Apple-Umsatz sinkt um 50 Prozent
Qualcomm übertrifft Umsatzerwartungen, leidet aber unter Gewinnrückgang und Apple-Rückzug. Die Aktie fällt trotz starker Zahlen.
Kurz zusammengefasst
- Umsatz übertrifft Erwartungen
- Gewinn je Aktie enttäuscht leicht
- Apple-Rückzug belastet Prognose
- Automotive-Sparte wächst stark
Trotz eines Umsatzes über den Erwartungen am Ende des dritten Geschäftsquartals geriet die Aktie von Qualcomm gestern unter Druck. Das Papier schloss im gestrigen Handel bei 131,44 Euro, was einem Minus von 3,68 Prozent entspricht. Während das Unternehmen beim Umsatz mit 9,95 Milliarden US-Dollar die Analystenschätzungen von 9,67 Milliarden US-Dollar übertraf, enttäuschte der Gewinn je Aktie (Non-GAAP) mit 2,21 US-Dollar leicht gegenüber der Prognose von 2,23 US-Dollar. Im Zentrum der Sorge steht jedoch die Prognose für das vierte Quartal und der beschleunigte Rückzug eines Großkunden.
Beschleunigter Abschied von Apple und steigende Kosten
Ein wesentlicher Belastungsfaktor für den Halbleiterhersteller ist der schwindende Anteil an Apples iPhone-Produktion. Laut Unternehmensangaben wird der Chip-Umsatz im Zusammenhang mit Apple zwischen September und Dezember 2026 sequenziell um rund 50 Prozent einbrechen. Hintergrund ist die Einführung von Apples eigenem C2-Modem, die schneller voranschreitet als von Qualcomm kalkuliert. Für das kommende iPhone 18 wird erwartet, dass der Anteil von Qualcomm-Modems deutlich unter der Marke von 20 Prozent liegen wird.
Zusätzlich sieht sich das Unternehmen mit massiven Kostensteigerungen in der Lieferkette konfrontiert. Insbesondere die Preise für Speicherchips (DRAM und NAND) sowie höhere Ausgaben für Wafer und Packaging drücken auf die Margen. Die operative Marge in der Sparte QCT sank im Vergleich zum Vorjahr von 30 Prozent auf 26 Prozent. Für das vierte Quartal wird ein bereinigter Gewinn je Aktie zwischen 2,05 und 2,25 US-Dollar erwartet, was deutlich unter dem Analystenkonsens von 2,36 US-Dollar liegt.
Gegenmaßnahmen und Wachstum im Automobilsektor
Um den steigenden Einkaufspreisen zu begegnen, plant Qualcomm zum 1. September zweistellige Preiserhöhungen für Produkte, die nach diesem Datum ausgeliefert werden. CEO Cristiano Amon betonte, dass man die gestiegenen Kosten der Zulieferer nicht mehr allein auffangen könne. Während das klassische Handset-Geschäft im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von 20 Prozent auf 5,09 Milliarden US-Dollar verzeichnete, lieferte die Automotive-Sparte einen neuen Rekordwert.
Das Segment Automotive wuchs um 61 Prozent auf 1,59 Milliarden US-Dollar. Dies markiert das 23. Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum für diesen Bereich. Qualcomm verfolgt das Ziel, den Umsatz außerhalb des Smartphone-Marktes bis 2027 um mehr als 60 Prozent zu steigern. Bis zum Jahr 2029 soll dieser Nicht-Handset-Umsatz auf insgesamt 40 Milliarden US-Dollar anwachsen. Erste Erlöse aus dem Datencenter-Geschäft werden ab Dezember erwartet.
Analysten korrigieren Kursziele deutlich nach unten
Die Reaktion der Analystenhäuser auf die Gewinnwarnung für das vierte Quartal fiel deutlich aus. RBC Capital Markets senkte das Kursziel drastisch von 250 auf 160 US-Dollar und stufte den Wert auf „Sector Perform“ herab. Die Analysten verwiesen dabei auf den Margendruck und die Risiken durch Apples eigene Chip-Entwicklung. Auch das Ziel für das Datencenter-Geschäft von 5 Milliarden US-Dollar bis 2027 wurde als aggressiv bewertet.
Susquehanna korrigierte das Kursziel ebenfalls nach unten, von 190 auf 160 US-Dollar, und behielt die Einstufung „Neutral“ bei. Trotz der Kursverluste der letzten Wochen und Monate liegt der Relative-Stärke-Index (RSI) der Aktie aktuell bei 29,2. Dies signalisiert technisch eine überverkaufte Marktlage, während Investoren nun abwarten müssen, ob die geplanten Preiserhöhungen die schwächelnde Nachfrage im Smartphone-Sektor weiter belasten oder die Margen stabilisieren können.
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