SAP Aktie: Zahlen am 23. Juli
Der Softwarekonzern SAP präsentiert am 23. Juli seine Quartalszahlen. Der Aktienkurs leidet unter der Furcht vor einer KI-getriebenen Ablösung klassischer Softwaremodelle.

Kurz zusammengefasst
- Quartalsbericht am 23. Juli erwartet
- Aktie seit Jahresbeginn stark gefallen
- Sorge vor KI-getriebener SaaS-Ablösung
- Analysten uneins über Kursentwicklung
SAP steuert auf einen der wichtigsten Termine des Sommers zu: Am 23. Juli legt der Softwarekonzern seine Zahlen zum zweiten Quartal und zum ersten Halbjahr vor. Die Aktie kommt angeschlagen dorthin. Am Dienstag schloss das Papier bei 136,20 Euro, ein Minus von 1,92 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn hat die Aktie damit 34,63 Prozent verloren und notiert nur noch gut vier Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, das erst Ende Juni markiert wurde.
Der Absturz wirkt umso schwerer, weil er vom Rekordhoch kommt: Im Februar 2025 hatte SAP noch bei 284 Euro notiert. Wer damals eingestiegen ist, sitzt heute auf herben Verlusten.
Sorge vor der „SaaS-Apokalypse“ drückt den Kurs
Auslöser der Talfahrt ist laut Süddeutscher Zeitung die Furcht vor einer durch künstliche Intelligenz ausgelösten „SaaS-Apokalypse“: Investoren befürchten, dass KI-Agenten klassische Softwarelizenzen und Abo-Modelle langfristig aushöhlen könnten. Analysten mahnen, SAP müsse KI konsequent in seine Produkte integrieren, um nicht zum Verlierer des Wandels zu werden. SAP-Chef Klein weist die Kritik nicht zurück, ordnet sie aber ein: „Wir sind nicht die Einzigen, die unter Druck stehen.“ 2025 lieferte der Konzern operativ solide Zahlen: Der Umsatz stieg um 8 Prozent auf 36,8 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis kletterte um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro, und der Nettogewinn hat sich auf 7,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Die Skepsis der Börse richtet sich also weniger gegen die Gegenwart als gegen die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells.
Analysten erwarten kräftiges Cloud-Wachstum
Vor diesem Hintergrund gilt der bevorstehende Bericht als Test, ob SAP den „KI-Beweis“ liefern kann. Der Analystenkonsens rechnet für das zweite Quartal mit einem Cloudumsatz von 6,26 Milliarden Euro, ein Plus von 22 Prozent, sowie einem freien Cashflow von 3,05 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 29 Prozent. Für das Gesamtjahr peilt SAP einen Cloudumsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro an. Flankiert wird die Wachstumsstory durch die inzwischen abgeschlossene Übernahme des KI-Agenten-Spezialisten Prior Lab. Zudem hat die EU-Kommission eine Kartelluntersuchung gegen SAP beendet, ohne ein Bußgeld zu verhängen – ein Unsicherheitsfaktor weniger vor den Zahlen.
Kursziele weit auseinander: JPMorgan bleibt bei Neutral
Wie gespalten die Wall Street den Fall SAP einschätzt, zeigt die Bandbreite der Kursziele. JPMorgan bestätigte kurz vor den Zahlen seine neutrale Einstufung und beließ das Kursziel bei 175 Euro. Analyst Toby Ogg sieht den fairen Wert der Aktie damit rund 28 Prozent über dem aktuellen Niveau, verzichtet aber auf eine Kaufempfehlung. Der Analystenkonsens liegt bei 200,67 Euro, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 34. Deutlich vorsichtiger positioniert sich UBS mit einem Kursziel von 164 Euro, während Bernstein mit 276 Euro weiterhin von einer kräftigen Erholung ausgeht. Als Argument für den Optimismus verweisen die Bullen auf die anhaltende Verschiebung von IT-Budgets hin zu Cloud, Observability und Cybersicherheit – Bereiche, in denen SAP mitspielen will.
Charttechnisch bleibt der Titel angeschlagen: Der Abstand zum langfristigen 200-Tage-Durchschnitt ist groß, kurzfristig fehlt der Aktie klarer Aufwärtsdruck. Die Zahlen am 23. Juli dürften daher weit über das übliche Quartalsraster hinaus Signalwirkung entfalten – für die Frage, ob SAP die KI-Wende als Chance oder als Bedrohung durchläuft.
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