SAP Aktie: Cloud-Wette?
Der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 28 Prozent; die Deutsche Bank rät zum Kauf, die DZ Bank weiterhin zum Verkauf.

Kurz zusammengefasst
- Deutsche Bank hebt Ziel auf 235 Euro
- DZ Bank bleibt bei Verkaufsempfehlung
- Cloud-Auftragsbestand steigt um 28 Prozent
- Schlussquartal prägt die Jahresbuchungen
Höhere Kursziele bedeuten bei SAP nicht automatisch eine Kaufempfehlung. Die heute berichteten Analysteneinschätzungen zeigen einen deutlichen Gegensatz: Während die Deutsche Bank zum Kauf rät, empfiehlt die DZ Bank weiterhin den Verkauf. Für Anleger steht damit die Bewertung im Mittelpunkt: Wie viel des starken Cloud-Geschäfts ist im Aktienkurs bereits berücksichtigt?
Gleiche Richtung, unterschiedliche Urteile
Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel nach den jüngsten Quartalszahlen von 200 auf 235 Euro angehoben. Ihre Kaufempfehlung bleibt bestehen. Das Analysehaus verbindet die Neubewertung damit weiterhin mit einer positiven Einschätzung der Aktie.
Auch auf der skeptischen Seite hat sich die Einschätzung zum angemessenen Kursniveau verbessert. Das ist jedoch von der eigentlichen Anlageempfehlung zu trennen: Ein höheres Ziel kann eine günstigere Beurteilung ausdrücken, ohne die Aktie zum Kauf zu machen.
Genau das zeigt die DZ Bank. Sie erhöhte ihr Kursziel von 120 auf 170 Euro, hält aber an ihrer Verkaufsempfehlung fest.
Die beiden Urteile lassen sich deshalb nicht zu einem einheitlich positiven Analystensignal verdichten. Beide Häuser setzen ihre Ziele höher an. Bei der Frage, ob Anleger SAP kaufen oder verkaufen sollten, bleiben sie jedoch auf entgegengesetzten Seiten.
Wiederkehrende Erlöse als Bewertungsstütze
Operativ liefert vor allem das Cloud-Geschäft Argumente für eine höhere Bewertung. Der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand erreichte zum Ende des jüngsten Quartals 24,14 Milliarden Euro und lag damit 28 Prozent über dem Vorjahreswert.
Wiederkehrende Cloud-Verträge stützen das Geschäft. Für die Bewertung zählt deshalb nicht allein der bereits ausgewiesene Umsatz. Ebenso wichtig ist, ob neue Buchungen den weiteren Wachstumspfad absichern. Der Auftragsbestand bildet dafür einen zentralen Anhaltspunkt.
Beim erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 steht SAP bei 29,4. Der Fünfjahresdurchschnitt liegt bei 46,0.
Dieser historische Vergleich spricht für eine niedrigere Bewertung als im längerfristigen Mittel. Er beweist allerdings keine Unterbewertung: Ein erwartetes Gewinnmultiple hängt auch davon ab, ob die zugrunde liegenden Ergebniserwartungen tatsächlich eintreffen.
Das Schlussquartal muss die Erwartungen tragen
Bis Januar rücken die Buchungen des Schlussquartals und der Cloud-Ausblick für 2027 in den Vordergrund. Auf das Schlussquartal entfällt rund die Hälfte der Jahresbuchungen. Entsprechend groß ist seine Bedeutung für die weitere Einschätzung des Wachstums.
Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Unterscheidung: Die angehobenen Kursziele würdigen die operative Entwicklung, ersetzen aber nicht die Prüfung der Bewertung. Entscheidend wird, ob SAP die Erwartungen mit weiteren Buchungen unterlegt. Erst daran lässt sich messen, wie belastbar die optimistischen Einschätzungen sind.
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