XRP: Wallet-Boom ohne Geld?
Neue Wallets und ein Zahlungsprojekt erweitern die Nutzung des XRP Ledgers; ETF-Bewegungen belegen bislang keinen stetigen Kapitalzufluss.

Kurz zusammengefasst
- 7.934 neue Wallets an einem Sonntag
- Sechsthöchster Tageswert des Jahres 2026
- XRP-ETFs mit wechselnden Nettoflüssen
- C2FO plant Abwicklung über RLUSD
Das XRP Ledger verzeichnete am Sonntag 7.934 neue Wallets. Nach Zahlen von Santiment war das der sechsthöchste Tageswert des Jahres 2026. Das spricht für wachsende Aktivität im Netzwerk. Ein gleichgerichteter Kapitalzufluss lässt sich daraus allerdings nicht ableiten: Bei den US-Spot-ETFs auf XRP wechselten sich zuletzt Zu- und Abflüsse ab.
Netzwerkaktivität und Nachfrage unterscheiden
Neue Wallets sind ein Signal für die Nutzung des Netzwerks. Ihre Zahl beantwortet jedoch nicht die Frage, wie viel zusätzliches Kapital tatsächlich in XRP fließt. Für Anleger ist deshalb die Unterscheidung zwischen Netzwerkaktivität und messbarer Investmentnachfrage entscheidend.
Auch die Kurserholung von gestern liefert dafür keinen eindeutigen Beleg. Medienberichten zufolge stieg XRP im Zuge einer breiten Erholung am Kryptomarkt. Als Treiber galten fallende Ölpreise, die allgemeine Marktrally und das Eindecken von Shortpositionen. Eine XRP-spezifische ETF- oder Regulierungsentscheidung war demnach nicht der Auslöser.
Damit stehen mehrere positive Signale nebeneinander, die unterschiedliche Ursachen haben. Mehr Wallets und eine freundlichere Marktstimmung ergeben noch keinen einheitlichen Nachweis für anhaltenden Kaufdruck.
ETF-Zuflüsse ohne klare Fortsetzung
Am Montag verzeichneten die US-Spot-ETFs auf XRP Medienberichten zufolge einen Nettoabfluss von 0,5 Millionen US-Dollar. Das relativiert die positive Interpretation der jüngsten Netzwerkzahlen.
Die Fondsbewegungen zeigen bislang keine durchgängige Richtung. Einzelne Zuflusstage sollten deshalb ebenso wenig isoliert bewertet werden wie einzelne Abflüsse.
Am 29. Oktober hatten die Fonds netto 8,4 Millionen US-Dollar eingesammelt. Bereits am 30. Oktober folgte ein Nettoabfluss von 0,5 Millionen US-Dollar. Der anschließende Abfluss am Montag passt somit nicht zum Bild eines ununterbrochenen institutionellen Kapitalzustroms.
Zahlungsprojekte sind nicht automatisch XRP-Käufe
Parallel entwickelt sich die kommerzielle Nutzung des XRP Ledger weiter. Dabei bleibt wichtig, welchen Vermögenswert die jeweiligen Projekte tatsächlich für ihre Abwicklung vorsehen.
C2FO und Ripple kündigten am 27. Oktober an, Finanzierungs- und Abwicklungsaktivitäten von C2FO Instant Pay auf das XRP Ledger bringen zu wollen. Die Abwicklung soll mit RLUSD erfolgen. Teilnehmende Kapitalgeber sollen sofortige Lieferantenzahlungen auf Basis genehmigter Rechnungen finanzieren; Unternehmen können sich auf eine Warteliste setzen lassen.
Das Vorhaben ist damit ein konkreter Anwendungsplan für das Netzwerk, aber keine bestätigte zusätzliche XRP-Kaufnachfrage. Für die Einordnung des Tokens zählen deshalb drei getrennte Ebenen: die Aktivität auf dem Ledger, die tatsächlichen Kapitalbewegungen und die Wahl des Abwicklungsvermögens. Die jüngsten Nachrichten stärken vor allem das Nutzungsbild. Bei den Investmentzuflüssen bleibt das Signal uneinheitlich.
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