Nebius Aktie: 9,77-Prozent-Einbruch auf 148,90 Euro
Nebius-Aktie verliert weiter an Wert. Hohe Investitionen und operative Verluste belasten die Stimmung der Anleger trotz starkem Umsatzwachstum.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert über 9 Prozent an einem Tag
- Operativer Verlust trotz massivem Umsatzplus
- Milliardenschwere Investitionen belasten Bilanz
- Analysten uneins über weiteres Kurspotenzial
Die Nebius-Aktie setzt ihre Talfahrt fort. Am Dienstag brach das Papier um 9,77 Prozent ein und schloss bei 148,90 Euro. Damit hat sich der Kursverfall der vergangenen Wochen weiter beschleunigt: Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 22,12 Prozent, auf Monatssicht summiert sich das Minus auf 34,92 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 261,00 Euro, erreicht im Juni, trennen das Papier inzwischen 42,95 Prozent.
Auslöser der jüngsten Verkaufswelle ist eine wachsende Skepsis der Anleger gegenüber der Profitabilität des Cloud-Anbieters. Im ersten Quartal erzielte die AI-Cloud-Sparte zwar ein Umsatzwachstum von 841 Prozent und eine adjustierte EBITDA-Marge von 45 Prozent – doch Abschreibungen auf Sachanlagen machten bereits 53 Prozent des Konzernumsatzes aus, was operativ zu einem Verlust von 128 Millionen Dollar führte. Genau dieses Missverhältnis zwischen Wachstumstempo und tatsächlicher Ertragskraft treibt Investoren derzeit um.
Milliarden-Investitionen befeuern die Debatte
Im Zentrum der Diskussion steht der Investitionsplan des Unternehmens. Für das laufende Jahr kalkuliert Nebius mit Investitionsausgaben zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar – bei einer gleichzeitig erwarteten Umsatzspanne von lediglich 3,0 bis 3,4 Milliarden Dollar. Allein im ersten Quartal beliefen sich die Investitionen auf 2,47 Milliarden Dollar, das 6,2-Fache des Quartalsumsatzes. Um dem entgegenzuwirken, hat das Unternehmen ein „Asset-Light“-Modell angekündigt, mit dem Partner künftig einen Teil der Infrastrukturlast tragen sollen. Firmenchef Arkady Volozh begründete den Schritt damit, dass Software-Partnerschaften einen breiteren Kundenzugang bei besseren Margen ermöglichten.
Finanziert wird der Kapazitätsausbau unter anderem über eine im Juli gesicherte Kreditlinie von 775 Millionen Dollar zu einem Zinssatz von SOFR plus 2,50 Prozentpunkten. Zum Ende des ersten Quartals verfügte Nebius über eine Barreserve von 9,30 Milliarden Dollar, dem stehen Verbindlichkeiten von 8,45 Milliarden Dollar gegenüber. Rückhalt gibt zudem Chiphersteller Nvidia, der über eine Investition von zwei Milliarden Dollar einen Anteil von 9,3 Prozent an Nebius hält. Vertraglich gesicherte Umsätze mit Großkunden wie Microsoft und Meta belaufen sich Unternehmensangaben zufolge auf mehr als 40 Milliarden Dollar über die Vertragslaufzeit.
Analysten differenzieren zwischen Wachstum und Bewertung
Trotz des Kurseinbruchs bleibt die Mehrheit der Analysten grundsätzlich positiv gestimmt, auch wenn die Kursziele weit auseinanderliegen. Das Analysehaus Baird bewertet die Aktie mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 250 Dollar, während Northland deutlich optimistischer ist und 410 Dollar veranschlagt. Kritischer äußern sich Stimmen, die auf die Bewertung verweisen: Bei einem Umsatzmultiplikator, der je nach Schätzung mehr als das 14-Fache des erwarteten Jahresumsatzes 2026 erreicht, sei die Luft nach oben begrenzt, solange die Marge nicht sichtbar mit dem Umsatz mithält.
Belastend wirkt zusätzlich das Marktumfeld. Rotationen aus AI-Infrastrukturwerten heraus, verschärft durch Sorgen um chinesische Konkurrenz bei Speicherchips und steigende Investitionsbudgets der Hyperscaler, drücken derzeit auf die gesamte Branche. Der technische Indikator RSI notiert bei 38,3 und signalisiert damit eine überverkaufte Aktie, während der Kurs mit einem Abstand von 24,87 Prozent klar unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt liegt. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 239,95 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, wie stark die Erwartungen an das Unternehmen zwischenzeitlich gestiegen waren, bevor die aktuelle Korrektur einsetzte.
Zusätzliche Unsicherheit bringen Insiderverkäufe ins Spiel: Sowohl Firmenchef Volozh als auch ein Vorstandsmitglied trennten sich zuletzt von Aktienpaketen, was manche Marktteilnehmer als Warnsignal werten, andere als reguläre Portfolioanpassung nach der starken Kursrallye der vergangenen Monate einordnen.
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