Kupfer auf Allzeithoch, Ölvorräte schmelzen — Gold wartet auf den nächsten Impuls
Kupfer erreicht neues Allzeithoch, während Ölvorräte durch Hormuz-Blockade schmelzen. Gold und Silber konsolidieren nach Rekordläufen.

Kurz zusammengefasst
- Gold konsolidiert unter 4.500 Dollar
- Silber zeigt widersprüchliche Analystensignale
- Ölvorräte schmelzen in Rekordtempo
- Kupfer profitiert von struktureller Knappheit
Fünf Rohstoffe, fünf unterschiedliche Geschichten — und ein gemeinsamer Nenner: strukturelle Knappheit trifft auf geopolitischen Ausnahmezustand. Während Kupfer neue Rekordmarken setzt und der Ölmarkt unter der Hormuz-Blockade ächzt, konsolidieren Gold und Silber nach ihren Rekordläufen. Der Juni könnte zum Schicksalsmonat für die globalen Rohstoffmärkte werden.
Gold: Konsolidierung mit Kursziel 5.600 Dollar
Gold pendelt aktuell um 4.521 USD je Unze — rund 17 Prozent unter dem Allzeithoch vom Januar. Die Schwäche der vergangenen Wochen hat einen Namen: Der Iran-Konflikt stärkte den Dollar und drückte den Preis zeitweise auf rund 4.100 Dollar. Seither hat sich das Edelmetall erholt, kämpft aber mit dem Widerstand in der 4.500er-Zone.
Die UBS hält trotz der Konsolidierung an ihrem Jahresendziel von 5.600 Dollar fest. Edelmetallstrategin Joni Teves verweist auf sinkende Realzinsen: Die Inflation steige, während die US-Notenbank die Leitzinsen nicht anrühre. Ein solches Umfeld macht unverzinsliche Anlagen wie Gold attraktiver — ein Mechanismus, der seit Jahrzehnten verlässlich funktioniert.
Strukturell bleibt das Bild robust. Nach drei Rekordjahren mit Käufen von jeweils über 1.000 Tonnen erwarben Zentralbanken 2025 immerhin 863 Tonnen. Die Analysten von Incrementum gehen noch weiter: In einem alternativen Inflationsszenario könnte Gold bis zum Ende des Jahrzehnts auf 8.900 Dollar klettern.
Die jüngste Verschnaufpause bewertet die UBS als gesund. Anleger hätten die Phase genutzt, um Positionen wieder aufzubauen — weiteres Aufwärtspotenzial sei damit keineswegs ausgereizt.
Silber: Widersprüchliche Signale aus dem Hause UBS
Silber notiert bei 76,20 USD je Unze und bewegt sich damit fast exakt auf dem 50-Tage-Durchschnitt. Das Metall hat seit Jahresbeginn gut 5 Prozent zugelegt, liegt aber satte 35 Prozent unter dem Allzeithoch vom Januar. Die Volatilität ist enorm: annualisiert fast 58 Prozent.
Die vergangenen Wochen lieferten ein bemerkenswertes Schauspiel — innerhalb der gleichen Bank. Am 14. Mai kappten die UBS-Analysten Wayne Gordon und Dominic Schnider ihre Schätzung des globalen Angebotsdefizits für 2026 um 80 Prozent: von rund 300 Millionen Unzen auf nur noch 60 bis 70 Millionen. Die Kursziele gingen quer über alle Zeiträume nach unten:
- Q2-Endziel: von 100 auf 85 USD
- September-Ziel: von 95 auf 85 USD
- Jahresendziel: von 85 auf 80 USD
- März 2027: von 85 auf 75 USD
Als Gründe nannten die Strategen schwächere Investmentnachfrage, geringeren industriellen Verbrauch und höheres Minenangebot. Allein die Photovoltaik-Nachfrage und der Schmucksektor dürften wegen gestiegener Preise rund 50 Millionen Unzen weniger abnehmen.
Wenige Tage später bekräftigte Kollegin Joni Teves allerdings ein Silber-Kursziel von 100 Dollar — und verwies auf die weiterhin intakten Rahmenbedingungen. Ein Widerspruch, der die Unsicherheit im Markt greifbar macht. Teves räumte ein, dass Silber deutlich volatiler als Gold bleibe und die Marktstimmung eher auf taktische als auf langfristige Positionen ausgerichtet sei.
Andere Häuser zeigen sich differenziert: Citigroup peilt für das zweite Halbjahr 110 Dollar an, BofA erwartet einen Jahresdurchschnitt von knapp 86 Dollar, JPMorgan liegt bei 81 Dollar. Gold bleibt dabei der wichtigste Anker — das Gold-Silber-Verhältnis soll sich langfristig von aktuell 84–85 in Richtung 75–80 bewegen.
Brent Crude: Vorräte schmelzen in Rekordtempo
Der Brent-Preis schloss am Freitag bei 103,54 USD — ein Wochenrückgang von über 5 Prozent, aber immer noch gut 70 Prozent über dem Niveau zum Jahresbeginn. Die gesamte Preisstruktur wird von einem einzigen Faktor dominiert: der anhaltenden Blockade der Straße von Hormuz.
Die Zahlen sind alarmierend. Goldman Sachs beziffert den täglichen Rückgang der sichtbaren globalen Lagerbestände im Mai auf durchschnittlich 8,7 Millionen Barrel — fast doppelt so schnell wie im Durchschnitt seit Kriegsbeginn. Die Ölexporte durch die strategisch wichtigste Meerenge der Welt lägen bei lediglich fünf Prozent des normalen Niveaus.
JPMorgan warnt, dass die kommerziellen Rohölbestände der Industrieländer bis Anfang Juni operativ kritische Niveaus erreichen könnten. Die zentrale Annahme der Analysten: Das beschleunigte Abschmelzen der Vorräte werde letztlich die Wiedereröffnung von Hormuz erzwingen — auf die eine oder andere Weise.
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Barclays hält an einem Brent-Jahresdurchschnitt von 100 Dollar fest, betont aber, dass die Risiken klar nach oben verzerrt seien. Bei einer weiteren Eskalation drohe ein Angebotsausfall von 14 Millionen Barrel pro Tag. Am Freitag schoben Berichte über iranische Urananreicherung den Preis kurzzeitig über 105 Dollar — ein Hinweis darauf, wie schnell diplomatische Rückschläge den Markt bewegen.
Rohöl WTI: Zwischen Waffenstillstands-Poker und schwindenden Reserven
WTI notiert bei 96,60 USD und hat damit innerhalb einer Woche über 8 Prozent verloren. Der RSI-Wert von 34,8 signalisiert eine überverkaufte Situation. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von fast 69 Prozent zu Buche — ein Maß für die tektonische Verschiebung, die der Iran-Konflikt ausgelöst hat.
Die diplomatische Gemengelage bleibt unübersichtlich. US-Außenminister Marco Rubio sprach von „ermutigenden Anzeichen“ für einen Deal mit Teheran. Pakistanische Vermittler werden in der iranischen Hauptstadt erwartet. Gleichzeitig arbeitet Iran mit Oman an einem Rahmenwerk für ein permanentes Mautsystem an der Straße von Hormuz — ein Vorschlag, den Präsident Trump zurückwies.
In den USA fallen die Bestände unterdessen mit atemberaubendem Tempo. In der vergangenen Woche gingen die landesweiten Rohölvorräte einschließlich der strategischen Reserve um rekordverdächtige 17,8 Millionen Barrel zurück. Rekordexporte belasten die heimischen Reserven zusätzlich. Die Kombination aus russischen Lieferstörungen, Hormuz-Blockade und der nahenden Sommer-Fahrsaison spricht kurzfristig für weiteren Aufwärtsdruck.
Solange die Passage nicht vollständig wiederhergestellt ist, bleibt ein erheblicher geopolitischer Risikoaufschlag im Preis eingebacken.
Kupfer: Aurubis hebt erneut an, BHP sieht Superzyklus
Der Kupferpreis erreichte Mitte Mai mit 14.130 Dollar je Tonne ein neues Allzeithoch. Aktuell notiert er bei 6,34 USD je Pfund — gut 11 Prozent über Jahresbeginn und nur knapp 4 Prozent unter dem Höchststand. Von allen fünf Rohstoffen zeigt Kupfer das klarste strukturelle Bild.
Die UBS kalkuliert für 2025 ein globales Angebotsdefizit von rund 200.000 Tonnen. 2026 soll sich diese Lücke auf etwa 520.000 Tonnen mehr als verdoppeln. KI-Rechenzentren verschlingen enorme Mengen des roten Metalls — für Stromversorgung, Transformatoren, Kühlung und Hochleistungskabel. Hinzu kommen Elektromobilität, Netzausbau und Rüstung.
Europas größter Kupferverarbeiter Aurubis hat seine Jahresprognose zum zweiten Mal angehoben. Das operative Ergebnis vor Steuern soll nun zwischen 425 und 525 Millionen Euro landen — nach 355 Millionen im Vorjahr. Die Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten rund 155 Prozent zu.
Auch auf der Förderseite bewegt sich etwas: BHP hob die Kupferproduktionsprognose für 2025/26 auf 1,9 bis 2,0 Millionen Tonnen an. Das reicht dennoch bei weitem nicht. Der Markt bräuchte pro Jahr rund zehn neue Kupferminen, um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten — ein Defizit, das sich kurzfristig nicht schließen lässt.
Ein Risikofaktor bleibt die US-Handelspolitik. Bis Ende Juni legt der zuständige US-Minister einen Bericht zum amerikanischen Kupfermarkt vor, der als Grundlage für mögliche Einfuhrzölle auf raffiniertes Kupfer dient.
Gespaltener Rohstoffmarkt — zwei Welten, ein Schicksalsmonat
Der Mai zeichnet ein zweigeteiltes Bild. Öl wird nahezu vollständig von der Geopolitik diktiert, Kupfer von struktureller Nachfrage getrieben, Gold und Silber bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Zinserwartungen und Inflationsrisiko. Für Zentralbanken wäre ein erneuter Ölpreisschub Gift: Höhere Energiekosten heizen die Inflation an, obwohl viele Volkswirtschaften mit schwachem Wachstum kämpfen. Das erschwert Zinssenkungen — und genau deshalb reagieren Aktienmärkte so empfindlich auf jeden Preissprung beim Rohöl.
Morgan Stanley bezeichnet den Juni als den Monat, in dem sich die Zukunft der Ölmärkte entscheidet. Die Kombination aus Faktoren, die bislang extreme Preisschwankungen abgefedert habe, werde zerfallen, falls Hormuz geschlossen bleibe. Beim FOMC-Treffen am 16.–17. Juni steht der wichtigste kurzfristige Termin für den gesamten Edelmetallmarkt an — die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung ist nach dem heißen April-Inflationsbericht auf unter 8 Prozent gefallen. Für Kupfer tickt die Uhr bis zum US-Zollbericht Ende Juni. Ein Markt im Ausnahmezustand, der auf Entscheidungen wartet.
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