CureVac verschwindet von der Börse: Nach Abschluss der vollständigen Übernahme durch BioNTech wurde der Handel an der Nasdaq eingestellt, das Delisting steht kurz bevor. Damit endet die Börsennotiz des Tübinger mRNA-Spezialisten, der künftig vollständig in BioNTech aufgeht. Für Anleger rückt nun vor allem die strategische Nutzung der übernommenen Technologie und die neuen Rechtsrisiken in den Fokus.
Übernahme vollzogen, Handel gestoppt
BioNTech hat am Montag, dem 6. Januar, die sogenannte Post-Offer-Reorganisation abgeschlossen und ist seitdem alleinige Eigentümerin des CureVac-Geschäfts. Um 6:21 Uhr EST trat die Verschmelzung in Kraft, CureVac Merger B.V. trat an die Stelle der bisherigen CureVac N.V.
- Der Handel der CureVac-Aktie an der Nasdaq wurde noch vor Börsenbeginn am 6. Januar ausgesetzt.
- Öffentliche Aktionäre halten seither keine CureVac-Anteile mehr.
- Das offizielle Delisting an der Nasdaq soll am 16. Januar wirksam werden, das Tickerkürzel CVAC wird damit endgültig gestrichen.
Die Transaktion bewertet CureVac mit rund 1,25 Milliarden US-Dollar bzw. 1,25 Milliarden Euro. Je CureVac-Aktie erhielten Investoren BioNTech-American-Depositary-Shares im Gegenwert von etwa 5,46 US-Dollar. Das entspricht einer Prämie von 55 % auf den dreimonatigen volumengewichteten Durchschnittskurs von 3,53 US-Dollar vor Bekanntgabe des Angebots am 12. Juni 2025.
Annahmequote und Großaktionäre
Bis zum 18. Dezember 2025 waren rund 86,75 % der CureVac-Aktien – insgesamt 195.341.219 Stück – im Rahmen des Umtauschangebots angedient worden. Die verbliebenen Anteile wurden in der ersten Januarwoche 2026 im Zuge einer Zwangsabfindung erworben und in die Struktur der Post-Offer-Reorganisation integriert.
Zu den wichtigsten Unterstützern der Transaktion zählten:
- dievini Hopp BioTech holding GmbH & Co. KG und verbundene Gesellschaften
- die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit einem Anteil von 13,32 %
Damit wurde die Übernahme auf breiter Aktionärsbasis abgesichert.
Rechtsstreit beigelegt, Weg für Fusion frei
Mit der Übernahme endet auch ein langwieriger Patentkonflikt zwischen den beiden deutschen mRNA-Pionieren. Bereits im August 2025 hatte BioNTech eine umfassende Vergleichsvereinbarung im Volumen von 870 Millionen US-Dollar geschlossen, um Vorwürfe zur Patentverletzung im Zusammenhang mit dem COVID-19-Impfstoff Comirnaty beizulegen.
Der Vergleich umfasst:
- 370 Millionen US-Dollar Zahlung an CureVac
- 370 Millionen US-Dollar Zahlung an GSK, den früheren strategischen Partner von CureVac
- eine laufende Lizenzgebühr von 1 % auf zukünftige mRNA-Umsätze
Diese Einigung beseitigte zentrale rechtliche Hürden und ebnete den Weg für die nun vollzogene Integration, aus früheren Prozessgegnern wird ein gemeinsames Unternehmen.
Strategische Assets für BioNTech
Mit dem Deal sichert sich BioNTech mehrere zentrale Vermögenswerte von CureVac:
- ein modernes Produktionswerk in Tübingen
- die proprietären „RNA Printer“-Module für automatisierte mRNA-Impfstofffertigung
- die Onkologie-Pipeline von CureVac
- mehr als zwei Jahrzehnte mRNA-Forschung und dazugehöriges geistiges Eigentum
An der Unternehmensspitze kommt es gleichzeitig zu einem personellen Neustart. Der Vorstand von CureVac SE besteht nun aus BioNTech-CEO Prof. Ugur Sahin sowie Sierk Poetting und Ramón Zapata-Gomez. Das frühere CureVac-Management hat seine Mandate niedergelegt.
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Verhaltener Marktreaktion und Kursentwicklung
Die unmittelbare Marktreaktion auf den Abschluss der Übernahme fiel moderat aus. Die BioNTech-Aktie gab nach der ursprünglichen Ankündigung der Transaktion um etwa 2,5 % nach. Analysten begründeten dies mit Verwässerungseffekten sowie dem hohen finanziellen Aufwand für den Patentvergleich.
CureVac selbst schloss seinen letzten Handelstag an der Nasdaq am 6. Januar bei 4,66 US-Dollar, bevor der Handel ausgesetzt wurde. Seit der Bekanntgabe des Übernahmeplans im Juni 2025 hatte die Aktie um rund 40 % zugelegt. Für Aktionäre eines Unternehmens, das nach den Rückschlägen bei seinem COVID-19-Impfstoff kein eigenes marktreifes Produkt hervorbringen konnte, eröffnete der Deal damit einen strukturierten Ausstieg.
Neue Rechtsrisiken für BioNTech
Parallel zum Vollzug der CureVac-Übernahme tauchen neue rechtliche Risiken für die mRNA-Branche auf. Am 6. Januar hat Bayer in den USA Klage gegen BioNTech, Pfizer und Moderna eingereicht. Hintergrund sind Patente aus dem Monsanto-Portfolio, die sich auf Technologien zur Stabilisierung von messenger RNA beziehen, wie sie auch in COVID-19-Impfstoffen eingesetzt werden.
Für BioNTech ergibt sich dadurch eine zusätzliche Komplexität bei der Integration von CureVac:
- Alle bisherigen rechtlichen Verpflichtungen von CureVac gehen nun vollständig auf BioNTech über.
- Potenzielle weitere Kosten aus laufenden oder neuen Verfahren fließen damit direkt in die Bewertung der Transaktion ein.
Anleger und Marktbeobachter stellen die strategische Attraktivität des Deals deshalb zunehmend auch in den Kontext möglicher künftiger Litigation-Aufwendungen.
Delisting und weitere formale Schritte
Für die Abwicklung des Börsenrückzugs gelten folgende Eckdaten:
- 6. Januar: Handelsaussetzung an der Nasdaq und allen wichtigen Börsenplätzen
- 7. Januar: letzter Handelstag an der Wiener Börse
- 16. Januar: Wirksamwerden des offiziellen Nasdaq-Delistings
Im Anschluss an die Einreichung des Formulars 25 bei der US-Börsenaufsicht SEC plant CureVac Merger B.V., ein Form 15 zu hinterlegen, um die Registrierung und Berichtspflichten nach dem Securities Exchange Act zu beenden. Die Deregistrierung soll 90 Tage nach Einreichung des Form 15 wirksam werden.
Ausblick: Integration und Pipeline
Die BioNTech‑CureVac-Transaktion bündelt zentrale mRNA-Kompetenzen in Europa und schafft nach Unternehmensangaben einen leistungsstarken Anbieter im Bereich genetischer Arzneimittel. Operativ rückt nun die Integration der CureVac-Assets in den Fokus, insbesondere mit Blick auf die Onkologieprogramme von BioNTech.
Auf der anstehenden J.P. Morgan Healthcare Conference will BioNTech Details zur Einbindung der CureVac-Technologien vorstellen und auf die Bayer-Klage eingehen. Wichtige Meilensteine werden die Phase‑3-Daten zu Krebsimpfstoffkandidaten sein, die auf CureVacs mRNA der zweiten Generation aufbauen. Erste Ergebnisse werden für Ende 2026 und 2027 erwartet.
Damit endet die kurze und wechselhafte Börsenhistorie von CureVac – von der hohen Erwartung in der Pandemiezeit bis hin zur Übernahme durch den größeren deutschen Wettbewerber und der Umwandlung in eine hundertprozentige Tochtergesellschaft.
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