Googles KI-Trick, ein Friedensplan und das Stahlwunder von Salzgitter

Der DAX profitiert von diplomatischen Hoffnungen im Iran-Konflikt, während Googles neue KI-Technologie die Geschäftsmodelle von Speicherchip-Herstellern infrage stellt.

Eduard Altmann ·
Googles KI-Trick, ein Friedensplan und das Stahlwunder von Salzgitter

Kurz zusammengefasst

  • Salzgitter AG prognostiziert Vorsteuergewinn für 2026
  • Google stellt KI-Kompressionstechnologie TurboQuant vor
  • DAX steigt nach Berichten über US-Friedensplan für Iran
  • Revolut meldet Rekordgewinn und starkes Nutzerwachstum

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern fragte ich Sie: Können Ihre Unternehmen steigende Kosten weitergeben – oder werden sie von ihnen erdrückt? Heute liefert ausgerechnet die deutsche Schwerindustrie eine Antwort, die kaum jemand erwartet hätte. Salzgitter meldet die Rückkehr in die Gewinnzone. Mitten im toxischsten Kostenumfeld seit Jahrzehnten.

Gleichzeitig erschüttert ein Software-Update aus Mountain View die Investmentthese einer ganzen Branche. Und am Persischen Golf könnte sich jener diplomatische Durchbruch anbahnen, auf den die Märkte seit Wochen warten.

Ein 15-Punkte-Plan bewegt die Märkte

Der DAX durchbrach heute die psychologisch wichtige Marke von 23.000 Punkten, nachdem er mit einem Aufschlag von 1,44 Prozent bei 22.961 Zählern eröffnet hatte. Der Auslöser: Ein 15-Punkte-Plan der US-Regierung zur Beendigung des Iran-Krieges, der laut übereinstimmenden Medienberichten unter pakistanischer Vermittlung in Teheran diskutiert wird.

Die Reaktion am Ölmarkt kam prompt. Brent rutschte zeitweise unter 100 Dollar je Barrel und pendelte sich am Nachmittag bei 100,28 Dollar ein – rund vier Dollar weniger als am Vortag. Noch vor einer Woche notierten wir bei 114 Dollar.

Für die Geldpolitik wäre ein diplomatischer Erfolg ein Befreiungsschlag. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte heute Vormittag auf einer Frankfurter Konferenz, man stehe bereit, die Zinsen anzupassen, falls der Inflationsschub durch die Energiepreise zu hartnäckig werde. Analysten der Bank of America sekundierten mit einer Notiz, wonach ein anhaltender Ölschock die Fed zu einer deutlich restriktiveren Gangart zwingen könnte. Ein fallender Ölpreis nimmt beiden Notenbanken Druck von der Brust.

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Ein paar Zeilen Code erschüttern eine Branche

Während die breiten Indizes feierten, erlebten Speicherchiphersteller einen schmerzhaften Tag. SanDisk stürzte um 5,7 Prozent ab, Western Digital verlor 4,7 Prozent, Micron gab 3 Prozent nach.

Der Auslöser war keine schwache Quartalsbilanz. Es war ein Algorithmus. Google stellte heute „TurboQuant“ vor – eine Kompressionstechnologie, die den gigantischen Speicherbedarf von KI-Systemen drastisch reduziert. Das Narrativ an der Wall Street lautete bislang: Der KI-Boom bedeutet unendlichen Hunger nach immer mehr und immer teurerer Hardware. Google zeigt nun, dass intelligente Software diese physischen Flaschenhälse umgehen kann.

Für Unternehmen wie Micron, die gerade Milliarden in den Kapazitätsausbau stecken, ist das mehr als ein Stimmungsdämpfer. Es stellt ihr Geschäftsmodell infrage. Wenn Software die Effizienz schneller steigert, als die Nachfrage nach Speicher wächst, kippt die Kalkulation ganzer Investitionszyklen. Hier lohnt ein genauer Blick auf die kommenden Quartalsberichte – und auf die Frage, ob TurboQuant ein Einzelfall bleibt oder den Beginn eines breiteren Trends markiert.

Salzgitters stiller Turnaround

Zurück in Europa zeigt die Industrie zwei völlig unterschiedliche Gesichter. In der Chemie setzt sich der Aderlass fort: Dow streicht global 4.500 Stellen, um sein EBITDA um zwei Milliarden Dollar zu stützen. Solvay fährt die Soda-Kapazitäten in Spanien von 600.000 auf 420.000 Tonnen zurück. Linde erwägt den Abbau von 400 Positionen in Deutschland.

Die Salzgitter AG erzählt eine andere Geschichte. Der Vorsteuerverlust von 296 Millionen Euro im Jahr 2024 schrumpfte 2025 auf 28 Millionen Euro. Für das laufende Jahr prognostiziert der Vorstand einen Vorsteuergewinn zwischen 75 und 175 Millionen Euro. Die Dividende bleibt stabil bei 20 Cent, der MDAX-Platz ist gesichert, und zum 1. Juni übernimmt Salzgitter die Hüttenwerke Krupp Mannesmann von Thyssenkrupp.

Das ist bemerkenswert. Nicht weil die Zahlen spektakulär wären, sondern weil sie beweisen, dass operative Turnarounds in der deutschen Schwerindustrie möglich sind – trotz Energiekosten, die europaweit zu den höchsten gehören, und trotz einer Konjunktur, die bestenfalls stagniert.

Revolut wird zur Ertragsmaschine – und ein Medikament bedroht Agrarriesen

Zwei Meldungen aus völlig unterschiedlichen Ecken illustrieren, wie radikal sich Wertschöpfungsketten gerade verschieben.

Revolut meldete für 2025 einen Rekordgewinn von 1,7 Milliarden Pfund vor Steuern – ein Sprung von über 50 Prozent gegenüber den 1,1 Milliarden aus dem Vorjahr. 68,3 Millionen Nutzer, 30 Prozent Wachstum, seit März 2026 eine volle Banklizenz in England. Das Fintech gräbt den etablierten Instituten zunehmend das margenstarke Geschäftskundensegment ab – mittlerweile 767.000 Firmenkunden. Von „Herausforderer“ kann keine Rede mehr sein.

Am anderen Ende des Spektrums steht Bunge Ltd. Ein heute veröffentlichtes Analysten-Research sieht bei dem Agrarhändler ein Absturzrisiko von 55 bis 80 Prozent. Neben einem Kapitaldefizit von 1,6 Milliarden Dollar und der schwächelnden Viterra-Übernahme enthält die Analyse ein faszinierendes Detail: Die operativen Probleme im Ölsaaten-Segment resultieren teilweise aus Nachfrageverschiebungen durch GLP-1-Abnehmmedikamente wie Wegovy oder Ozempic. Ein Medikament verändert die Ernährungsgewohnheiten von Millionen Menschen so tiefgreifend, dass es die Bilanzen globaler Agrarkonzerne belastet. Kausalitätsketten dieser Art schreibt nur der moderne Kapitalmarkt.

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Was bleibt

Dieser Mittwoch verdichtet, was die Märkte 2026 antreibt: Geopolitik setzt den Rahmen, Software definiert ihn neu, und operative Exzellenz entscheidet über Gewinner und Verlierer. Salzgitter und Revolut beweisen Preismacht – Dow und Solvay kapitulieren vor den Kosten. Die Trennlinie, die ich gestern beschrieben habe, wird mit jedem Quartalsbericht schärfer.

Morgen legen unter anderem Delivery Hero, CTS Eventim und SMA Solar ihre ausführlichen Jahresergebnisse vor. Wir werden sehen, auf welcher Seite dieser Linie sie stehen.

Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann

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