Netflix bekommt im Übernahmepoker um Warner Bros. Discovery (WBD) Rückenwind: Der WBD-Verwaltungsrat hat das nachgebesserte, feindliche Angebot von Paramount Skydance einstimmig abgelehnt und den Zusammenschluss mit Netflix bestätigt. An der Börse überwiegen dennoch die Sorgen – die Netflix-Aktie liegt rund 30 % unter ihrem Hoch aus Mitte 2025, vor allem wegen des hohen Transaktionsvolumens von 82,7 Milliarden US‑Dollar und möglicher regulatorischer Hürden.
WBD bleibt bei Netflix
Der WBD-Verwaltungsrat stuft das überarbeitete Übernahmeangebot von Paramount Skydance nicht als „Superior Proposal“ im Sinne der Fusionsvereinbarung mit Netflix ein. Das gilt trotz einer Eigenkapitalzusage von 40 Milliarden US‑Dollar durch Oracle-Mitgründer Larry Ellison.
Ausschlaggebend waren mehrere Punkte:
- Hoher Finanzierungsbedarf und Risiko bei Paramount
- Günstigere Ausgangslage von Netflix
- Hohe Vertragsstrafen bei einem Wechsel des Bieters
Finanzierung als Knackpunkt
Paramount bietet 30 US‑Dollar je WBD-Aktie in bar. Das erfordert rund 94,65 Milliarden US‑Dollar an Fremd- und Eigenkapital – fast das Siebenfache der Börsenbewertung von etwa 14 Milliarden US‑Dollar. Der WBD-Verwaltungsrat wertet dieses Volumen als außergewöhnlich hoch und sieht ein deutlich erhöhtes Abschlussrisiko.
Netflix tritt mit einer ganz anderen Finanzkraft an:
– Marktkapitalisierung: rund 400 Milliarden US‑Dollar
– Investment-Grade-Rating (A / A3)
– Erwarteter Free Cashflow 2026: über 12 Milliarden US‑Dollar
– Zusagen für 59 Milliarden US‑Dollar an Fremdfinanzierung von Wells Fargo, BNP Paribas und HSBC
Vergleich der Konditionen
Die Fusionsvereinbarung mit Netflix sieht für WBD-Aktionäre vor:
- 23,25 US‑Dollar je Aktie in bar
- Netflix-Stammaktien mit Zielwert von 4,50 US‑Dollar pro WBD-Aktie (mit Collar-Mechanismus)
- Beteiligungen an Discovery Global, der abgespaltenen Sparte für lineares Fernsehen
Paramount hält sein reines Barangebot von 30 US‑Dollar je Aktie für überlegen. Der WBD-Verwaltungsrat verweist jedoch auf Beendigungskosten von rund 4,7 Milliarden US‑Dollar, falls WBD den Netflix-Deal aufgeben würde – darunter eine Auflösungsgebühr von 2,8 Milliarden US‑Dollar zugunsten von Netflix.
Paramount erhöht den Druck
Paramount setzt WBD-Aktionäre seit gestern verstärkt unter Zugzwang. Das Unternehmen argumentiert, sein Angebot biete den besseren Gegenwert, und verweist auf die schwache Börseneinführung von Versant Media, dem Kabelableger von Comcast.
Die Versant-Aktie hat seit dem Börsenstart am 5. Januar rund 18 % verloren. Für Paramount ist das ein Hinweis darauf, dass die linearen TV-Sender von Discovery Global am Markt kaum Wert zugesprochen bekommen könnten – im Extremfall „null oder sogar weniger“.
Außerdem warnt Paramount, dass die Barauszahlung aus dem Netflix-Deal von 23,25 US‑Dollar auf bis zu 20 US‑Dollar je WBD-Aktie sinken könnte, falls WBD eine ähnlich hohe Verschuldung wie Versant übernimmt.
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Das Übernahmeangebot von Paramount läuft aktuell bis zum 21. Januar, kann aber verlängert werden.
Regulierung und Zeitplan
Netflix hat die erforderliche Hart-Scott-Rodino-Anmeldung eingereicht und steht mit Wettbewerbsbehörden in engem Austausch, darunter das US-Justizministerium und die EU-Kommission. Der Abschluss der Transaktion wird 12 bis 18 Monate nach der Ankündigung vom 5. Dezember 2025 anvisiert.
Ein Vorteil: Die Struktur der Finanzierung unterliegt nicht der Prüfung durch den Ausschuss für Auslandsinvestitionen in den USA (CFIUS), womit ein zusätzlicher regulatorischer Prüfpunkt entfällt.
Kursentwicklung und Bewertung
Seit Oktober 2025, als erste Spekulationen über die Warner-Bros.-Übernahme aufkamen, hat die Netflix-Aktie rund 27 % verloren. Der Kurs liegt bei etwa 90,50 US‑Dollar, was einem Forward-KGV von ungefähr 28 auf Basis des Konsens-Gewinns je Aktie für 2026 von 3,23 US‑Dollar entspricht.
Trotz des deutlichen Rückgangs halten einige Analysten die Bewertung weiterhin für anspruchsvoll. CFRA hat die Aktie nach Bekanntgabe des Deals von „Buy“ auf „Hold“ herabgestuft und verweist auf die höhere Verschuldung und die anstehenden regulatorischen Prüfungen.
Im Zwölfmonatsvergleich liegt Netflix klar hinter dem Nasdaq Composite zurück: Die Aktie kommt nur auf ein Plus von 3,7 %, während der Index fast 18 % zulegen konnte. Ein wesentlicher Grund ist die im Vergleich zu anderen Tech-Werten geringe direkte Beteiligung an der Bewertungsfantasie rund um generative KI.
Ausblick: Zahlen und Deal-Fortschritt
Am 20. Januar legt Netflix die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Erwartet werden:
- Gewinn je Aktie: 0,55 US‑Dollar
- Umsatz: 11,97 Milliarden US‑Dollar
- Wachstum gegenüber Vorjahr: +27,9 % beim Gewinn, +16,8 % beim Umsatz
Auf der Telefonkonferenz mit den Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters dürfte die Integrationsstrategie für Warner Bros. ebenso im Fokus stehen wie der aktuelle Stand im regulatorischen Verfahren. Besonders aufmerksam verfolgt wird das Werbegeschäft, das sich 2024 bereits verdoppelt hat und 2025 nach Unternehmensangaben nochmals mehr als verdoppeln soll.
Kurzfristig könnte zudem der 21. Januar Bewegung in die Aktie bringen: Dann läuft die aktuelle Frist für das Übernahmeangebot von Paramount aus, was je nach Verlängerung oder Rückzug der Offerte ein weiteres Signal für den weiteren Kursverlauf liefern dürfte.
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